Die lokale Bevölkerung hat den Parco Nazionale del Locarnese abgelehnt. Damit geht die zwei Jahrzehnte andauernde Diskussion um einen zweiten Nationalpark in der Schweiz erfolglos zu Ende. Der Schweizer Alpen-Club SAC hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu streng sind. 

Nach dem Parc Adula im Jahr 2016 ist am Sonntag, 10.06.2018, auch das letzte verbliebene Nationalparkprojekt der Schweiz, der Parco Nazionale del Locarnese, von der lokalen Bevölkerung abgelehnt worden. Dies ist ernüchternd.
 
Der SAC begrüsst, dass Nationalpärke hierzulande nicht von oben „verordnet“ werden, sondern dass die Bevölkerung darüber entscheiden kann. Diese Basisdemokratie entspricht der schweizerischen Tradition. Vom Ausland unterscheidet sich die Schweiz aber auch durch die sehr strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen, z.B. die eingeschränkte Zugänglichkeit der Kernzonen. Alpine Nationalpärke in anderen Ländern kommen ohne nennenswerte Zugangsbeschränkungen aus.
 
Der SAC hatte bei der Ausarbeitung des Natur- und Heimatschutzgesetzes und der Pärkeverordnung wiederholt erfolglos darauf hingewiesen, dass die rigiden Einschränkungen aus Naturschutzsicht nicht nötig sind und zu grossem lokalen Widerstand führen dürften. „Unsere Befürchtungen, dass das Gesetz zu streng ist, haben sich nun bewahrheitet“ sagt Philippe Wäger, Ressortleiter Umwelt und Raumentwicklung beim SAC.
 
Der SAC-Zentralverband war trotz gewichtiger Bedenken bezüglich der Zugänglichkeit mit dem Nationalpark-Projekt Locarnese einverstanden. Der Vorstand der SAC-Sektion Locarno wurde frühzeitig ins Projekt einbezogen und begrüsst den Nationalpark explizit.