SAC unterstützt die Gletscher-Initiative... ...und setzt damit ein klares Zeichen für den Klimaschutz

An der jährlichen Abgeordnetenversammlung hat der SAC heute in Lugano entschieden, die Volksinitiative des Vereins «Klimaschutz Schweiz» zu unterstützen. Die Delegierten folgen damit dem Antrag des Zentralvorstandes. Der SAC möchte damit das Bewusstsein für den Klimawandel fördern und gibt auch ein Bekenntnis ab, noch grössere Anstrengungen im Klimaschutz zu unternehmen.

Die Abstimmung zur Gletscher-Initiative an der Abgeordnetenversammlung war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. Obwohl der Zentralverband davon ausgehen konnte, dass die Delegierten seinem Antrag folgen, war er überrascht über das deutliche Resultat. Gerade mal sechs von 150 Abgeordneten wollten die Initiative nicht unterstützen. Neun Abgeordnete enthielten sich.

SAC selber stark vom Klimawandel betroffen
«Dieses klare Bekenntnis des SAC zu mehr Klimaschutz freut uns», sagt denn auch SAC-Präsidentin Françoise Jaquet nach der Abstimmung. Denn das Thema Klimawandel sei enorm wichtig. So wichtig, dass sich der SAC sogar zu einer Volksinitiative äussert. Der SAC selber sammelt zwar keine Unterschriften, will aber den Verein Klimaschutz Schweiz dabei unterstützen, die benötigten Unterschriften zusammen zu bekommen (Hier geht es zur Unterschriftensammlung). «Das Ziel ist es, innerhalb und ausserhalb des SAC das Bewusstsein für das Thema Klimawandel zu fördern. Der SAC ist davon selber stark betroffen. Schmelzende Gletscher, auftauender Permafrost und daraus folgende Instabilitäten sind die offensichtlichsten Merkmale im Gebirge und wirken sich auf den Bergsport aus», sagt Jaquet. Das sehen offenbar auch die meisten Sektionen so und wollen versuchen, noch mehr Gegensteuer zu geben. «Der SAC ist sich bewusst, dass Bergsport auch Emissionen verursacht, gerade durch die Anreise in die Berge. Die Unterstützung der Gletscher-Initiative ist auch ein Bekenntnis des SAC, selber weitere Anstrengungen zu unternehmen, CO2-Emissionen bei den eigenen Aktivitäten weiter zu senken », sagt Jaquet.

Bereits in vielen Feldern aktiv
Dabei ist der SAC bereits heute sehr aktiv, um Bergsport so umweltverträglich und klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Dabei setzt er auf die drei Säulen:

  • Information, Sensibilisierung
  • Reduktion, Kompensation
  • Anpassungen

Der SAC informiert und sensibilisiert seine Mitglieder und andere Bergsportlerinnen, wie sie ihre eigenen CO2-Emissionen so gering wie möglich halten können – etwa auf SAC-Touren, in seinen Ausbildungen oder auch in den Tourentipps der Zeitschrift «Die Alpen», wo die CO2-Emissionen von ÖV und Auto zu einer bestimmten Tour gegenübergestellt werden. Mit Projekten wie Schneetourenbus und Bus Alpin fördert er die Benutzung des ÖV zusätzlich.

Um die CO2-Emissionen zu reduzieren, setzt er gerade im Hüttenbetrieb einen Schwerpunkt. Bei Renovationen werden fossile Brennstoffe möglichst durch erneuerbare Energien ersetzt. Solarpanels und Photovoltaik gehören inzwischen fast schon zur Standard-Ausstattung einer SAC-Hütte. Durch den Klimawandel wird die Versorgung der SAC-Hütten zu einer immer grösser werdenden Herausforderung: Wassermangel, durch auftauenden Permafrost schwierigere und gefährlichere Hüttenzustiege und Baugrund, der sich bewegt. All dies zwingt den SAC zu Anpassungen: z.B. setzt er zunehmend auf Trocken- statt Nasstoiletten, er muss teils Wasserfassungen verlegen und gewisse Hüttenzustiege sichern. Auch die Routenverläufe insbesondere von Hochtouren verändern sich. Dank dem neuen digitalen SAC-Tourenportal kann auch auf diese raschen Veränderungen eingegangen und Berggänger darüber informiert werden.

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen
Doch der SAC will künftig seine CO2-Bilanz aktiv weiter verbessern:  So wird in einem ersten Schritt die CO2-Bilanz der Geschäftsstelle analysiert und erste Massnahmen zur Reduktion definiert. Ausserdem will er die best-practice-Beispiele der Sektionen zusammentragen. Die Erfahrungen sollen untereinander ausgetauscht werden und gegenseitig inspirieren, noch mehr für den Klimaschutz zu machen.

Hintergrund

Die Schweiz hat 2015 das Pariser Klima-Abkommen unterzeichnet. Dieses fordert, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Eine stärkere Erwärmung gefährdet die Ökosysteme weltweit. Die Alpen reagieren besonders sensibel auf Klimaschwankungen. Das Verschwinden der Gletscher ist eines der sichtbarsten Zeichen der Klimaerwärmung. Seit 1850 ist das Eisvolumen in den Schweizer Alpen um 60 Prozent zurückgegangen. Selbst wenn die weltweite Erwärmung gemäss dem Pariser Klima-Abkommen unter 2°C begrenzt wird, dürften bis 2100 ca. 2/3 der heutigen Gletscher geschmolzen sein. Bei einer Erwärmung um 5°C wird kaum mehr Eis in den Alpen übrig sein. Bis heute ist die schweizerische Klimapolitik aber weit davon entfernt, die Ziele des Abkommens zu erreichen. Um die Schweiz auf einen klimaverträglichen Kurs zu verpflichten, hat der Verein Klimaschutz Schweiz (im Sommer 2018 gegründet) einen Vorschlag für eine eidgenössische Volksinitiative ausgearbeitet. Mit der Gletscherinitiative sollen die Ziele des Klima-Abkommens in der Bundesverfassung verankert werden.

Questions & Answers

Q: Die Forderungen der Initiative gehen weit über das Berggebiet hinaus und bedingen gesellschaftliche Veränderungen. Muss sich der SAC dazu politisch äussern?

A: Aufgrund der Betroffenheit ist es angebracht, dass der SAC politisch Stellung bezieht. Die Gesellschaft muss das Thema angehen, Bergsteiger können sich als Teil davon engagieren.

Q: Der SAC ist selbst nicht CO2-neutral. Kann er die Initiative unterstützen wenn:

  • In der Zeitschrift «Die Alpen» Tourentipps und Werbung für Bergsportreisen auf anderen Kontinenten publiziert werden?
  • SAC- Hütten mit Helikopter versorgt werden?
  • Athleten für Wettkämpfe ins Ausland fliegen?
  • Bergsport mit viel Mobilität verbunden ist?

A: Der SAC ist Teil der Gesellschaft, die sich auf den Weg begeben muss. Der Zeithorizont, um die CO2-Emissionen auf null zu senken, beträgt 30 Jahre. Der SAC ist sich bewusst, dass er mit seiner Tätigkeit zum Klimawandel beiträgt. Der SAC engagiert sich seit längerem für naturverträglichen Bergsport wozu auch möglichst geringe CO2-Emissionen gehören. Er informiert und sensibilisiert Bergsportlerinnen, wie sie Bergsport möglichst umweltverträglich ausüben können. Der SAC en beispielsweise Projekte zur Förderung des ÖV wie der Schneetourenbus oder Bus Alpin. Der SAC ersetzt in seinen Hütten wo möglich fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien. Die Unterstützung der Gletscher-Initiative ist ein Bekenntnis, noch mehr Anstrengungen zu unternehmen, um noch weniger Ressourcen zu verbrauchen. Der SAC will dazu auch eine Vorreiterrolle übernehmen.

Q: Der Ausbau erneuerbarer Energien erhöht den Druck auf die alpinen Landschaften. Opfert der SAC den Landschaftsschutz zugunsten des Klimaschutzes?

A: Nein, die Umweltrichtlinien sind weiterhin gültig. Der SAC kann immer wieder einfordern, dass Landschaft und BLN-Gebiete geschont werden. Zudem sind Gletscher herausragende Merkmale der BLN-Gebiete. Klimaschutz ist auch Landschaftsschutz.

Q: Der Titel der Initiative ist Etikettenschwindel. Es geht um eine CO2-Initiative.

A: Inhaltlich ist es tatsächlich eine CO2-Initiative, aber der Titel ist gleichwohl legitim: Gletscherschwund ist die offensichtlichste Folge des Klimawandels bei uns. Auch wenn die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden, wird der grösste Teil der heutigen Gletscher schmelzen. Immerhin dürften 2100 aber noch Reste vorhanden sein. Die Bundeskanzlei hat den Kurztitel auch geprüft und gut geheissen.

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