Almer und Allmers

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Im Anfange des vorigen Jahres ( 1902 ) starb in seinem Heimatsdorfe Rechtenfleth, einer Bauernschaft auf dem rechten Ufer der unteren Weser, der „ Marschendichter ", Herrmann Allmers. Die reichsdeutschen Zeitungen und wohl auch manche Schweizer Tagesblätter deutscher Zunge haben damals des Mannes und seines Lebenswerkes gedacht. Auf einen Nachruf in alpinen Zeitschriften haben seine Manen freilich verdientermaßen verzichten müssen, sintemal sein Leben und Wirken vom alpinen Standpunkt aus als gänzlich verfehlt zu erachten ist. Statt den Bergen zu huldigen, hat er ihr gerades Gegenspiel, die ideal flachen Marschen seiner Heimat gefeiert, und als er in Rom war, trieb er sich mit Vorliebe in der ebenen Campagna herum und schrieb nachher: „ Römische Schlendertage ". An dieser Stelle, wo die sieben Kreuzberge des Appenzeller Ländlis weit mehr gelten, als die sieben Hügel Roms, kann es sich daher nicht darum handeln, das Schaffen und die Persönlichkeit Allmers zu besprechen; was ihn uns nahe bringt, ist das loseste Attribut seines Ichs, sein Name, der mit ihm, dem letzten Sprossen eines urfreien friesischen Bauern-geschlechtes in das Grab gelegt ist.

In dem Nekrologe Christian Almers, den das Jahrbuch 1898 brachte, beschäftigt sich sein Verfasser, Herr W. A. B. Coolidge, auf Seite 200 mit dem Ursprünge des Namens „ Almer " und sagt:

„ Was diese Frage betrifft, so könnte „ Almer " von „ Alm " ( dem tirolischen Worte für „ Alp " kommen, oder steht auf irgend eine Weise in Verbindung mit dem Namen „ von Allmen ", der heute meistens in Lauterbrunnen vorkommt, obschon sich auch in Grindelwald selbst einige von Allmen angesiedelt finden, während vielleicht ein „ Hans von Allmen " von Grindelwald, 1449 in den auf das Kloster Interlaken bezüglichen Urkunden erwähnt wird. Durch ein merkwürdiges Zusammentreffen lebte noch vor kurzem ein Monsieur Allmer, ein bekannter Gelehrter und Altertumsforscher, in Vienne im Dauphiné, gerade dem Alpengebiete, das sein schweizerischer Namensvetter so gründlich erforschte. Es sei auch bemerkt, daß in den Registern zu Grindelwald der Name öfter „ Aimer " als „ Allmer " geschrieben wird; gewiß ist, daß Christian und seine Familie früher und auch jetzt noch nur ein „ 1 " schreiben. "

Der letzterwähnte Punkt ist für den Namen, dessen wahrscheinlichen Ursprung ich hier besprechen werde, natürlich gleichgültig. Die Vermutung, daß „ Almer " mit „ von Allmen " zusammenhänge, läßt sich nicht widerlegen, noch weniger aber beweisen und braucht daher nicht berücksichtigt zu werden. Dagegen muß zurückgewiesen werden, daß Almer mit Alm zusammenhängt. Dem bajuwarischen, nicht aber „ tirolischen " Worte „ Alm " entspricht keineswegs ein „ Almer " als Insasse der Alm. Der Senn der Schweiz, Vorarlbergs und des überwiegend allemannischen Teiles des westlichen Deutschtirols ist der „ Schweizer " der Bajuwaren, der freilich in Wirklichkeit meistens eine Schweizerin, sprich „ Schwoazerin " ist. Schweizer ist ein im eigentlichen Bayern nicht gerade seltener Name; ob er auch in den österreichischen Hochalpen häufiger ist, weiß ich nicht. Allerdings findet sich das Wort „ Almer " in der Bedeutung „ Senn " auch schon, „ wenn auch selten ", in der älteren alpinen Literatur der Ostalpen bezw. dem Jahrbuche des österreichischen Alpenvereins ( 1863—1872 ), aber es sind Städter, keine Bergkinder, die es brauchen. In Wirklichkeit bedeutet „ Almer " einen Jodler. Dr. Pommer in seinem klassischen Auf-

Berichtigungen.

1. In den Artikel von Herrn J. Luders: Almer und Allmers haben sich folgende Druckfehler eingeschlichen, die wir zu berichtigen bitten:

Pag. 384, Zeile 9 und 7 von unten, soll es statt Schweizer heißen Schwaiger.

Pag. 384, Zeile 8 von unten, soll es statt Schweizerin, sprich „ Schwoazerin ", heißen Schwaigerin, sprich nSchwoa-gerina.

Pag. 385, Zeile 5/6 von oben, soll es statt Schweizerinnen heißen Schwaigerinnen.

Pag. 385, Zeile 32 von oben, soll es statt Reynault heißen Regnault.

2. In meiner Rezension von Dr. Küblers Programm: Berg- und Flurnamen etc.:

Pag. 399, Zeile 2 von unten, soll es statt eine tote Schwalbe heißen zwanzig tote Schwalben.

Pag. 400, Zeile 7 von oben, ist nach „ Géant " hinzuzufügen: „ ui^d stammt wahrscheinlich von Mons Maledictus ab. "

3. In einem Teil der Auflage ist im Verzeichnis der artistischen Beilagen zwischen den Nummern 76 und 77 ausgefallen:

Höll-Loch. Profil und Grundriß. Aufnahme von P. Egli. Seite 288.

Redaktion.

satze: „ Über das älplerische Volkslied, und wie man es findet " ( Zeitschrift des D. u. O. A. V., Band XXVIII ) sagt ( a. a. O., Seite 101, Mitte ): „ Die Jodler heißen in Oberösterreich auch Almer. " Entsprechend findet sich in dem Jahrbuche des österreichischen Alpenvereins ( 1867, Seite 27 ): „ Um die Gemsen länger im Auge behalten zu können, fingen die Schweizerinnen an zu almen und zu singen. "

Was nun den Namen „ Allmers " betrifft, so kommt er, bezw. Allmer, außer bei der Familie des verstorbenen Dichters, auch sonst in Norddeutschland vor. Das Berliner Adreßbuch führt einen Allmers und drei Allmer auf. Andere Adreßbücher, vor allen das Hamburger, konnte ich nicht einsehen, ebensowenig süddeutsche und vor allen das Münchener. Häufiger ist in Norddeutschland der Name „ Ahlers ", der auch als Allers vorkommt, aber keine Veränderung von „ Allmers " ist, sondern von „ Adelhard " abzuleiten ist. Das Patronymikon „ Allmers " weist auf einen Namen „ Allmer " hin, dessen volle Form, wie auch Allmers selbst ausgeführt hat, „ Adelmar " ist. Der heute wohl nicht mehr vorkommende Name „ Adelmar " gehört einer großen Namenssippe an, aus der als Vornamen noch immer, und zwar häufig „ Othmar ", seltener „ Siegmar " und „ Dankmar " vorkommen. Viel häufiger finden sich zu Familiennamen gewordene Mitglieder der Sippe, und zwar sowohl mit starker als mit abgeschwächter Endung, z.B. Volkmar, Dittmar, Germar, Vilmar-Willmer-Willemer, Luthmer ( Liutmar ), Rickmer ( Reichmar ), Reimer ( Rainmar ), Hellmer ( Helmmar ), Bodmer, Bellmer ( Beilmar ) und manche andere. In Norddeutschland, wo diese Namen vorzugsweise vorkommen, ist an die abgeschwächte Endung meistens das patronymische „ s " angehängt, das in Süddeutschland bezw. in der Schweiz fehlt. Diesem entsprechend findet sich an der Weser „ Allmers " und an der Lütschine „ Allmer ". Daß in Frankreich auch ein „ Allmer " vorhanden ist, wird niemand Wunder nehmen, welcher weiß, daß eine große Anzahl französischer Eigennamen deutschen Ursprungs ist: Audémar ist Othmar, Bellemer, das ich neulich fand, Beilmar. Aus einer anderen bekannteren Namenssippe führe ich als Beispiele an: Reynault ( Reinhold ), Gérault ( Gerhold ) und Billault ( Beilhold ). Daß „ Ger " Spieß bedeutet, sei beiläufig bemerkt.

J. Luders ( Sektion Basel ).

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