Alpine Majestäten und ihre Gefolge

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Der Referent steht den illustrierten Werken aus der Alpenwelt im allgemeinen mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber. Denn einerseits findet er, daß bei manchen derselben, nomina sunt odiosa, nach Scaligers bekanntem Vergleich, die Sauce besser sei als der Fisch, das heißt, daß der Text oft nur der Vorwand für das Anbringen von Bildern sei; anderseits glaubt er, die Bemerkung gemacht zu haben, daß das Vor-drängen der Illustration die beschreibende alpine Litteratur ohne Bildschmuck, die früher einen hohen Grad der Anschaulichkeit und Belebung des Gesagten durch die Feder allein erreichte, ich will nicht sagen, getötet, aber doch stark beeinträchtigt habe.

Wer wagt es noch, eine Aussicht zu beschreiben, eine Bergfahrt zu erzählen oder die Erschließung einer Gebirgsgruppe historisch zu beleuchten, ohne Stift und Camera zu Hülfe zu rufen, und wenn er es thut, vielleicht sogar im besten Stil thut, wo findet er Leser, oder wenn er sich an ein Buch gewagt hat, die Käufer? Unter dieser Geschmacksrichtung auf das Bildnerische leidet das litterarische Talent der Gegenwart, ohne daß das Künstlerische wesentlich gewänne, denn die Illustration ist oft nur Reproduktion und entbehrt des Reizes, welchen die Phantasie bietet.

Wenn ich diese morosen Gedanken, die mir schon lange die Galle beschweren, hier, wo sich ein Anlaß bot, geäußert habe, so will ich das große Verdienst, welches die Vereinigten Kunstanstalten Münchens sich mit diesem Alpinen Bilderbuch erwerben, durchaus nicht bestreiten. Denn diese Hefte mit einem von Ernst Platz reizend gezeichneten Umschlag enthalten überhaupt keinen Text als die Unterschriften der Bilder. Eine kurze Charakterisierung des bildlich Gebotenen soll am Schluß des aus 12 Heften gebildeten Jahresbandes nachgeliefert werden. Die Bilder sollen also als solche wirken. Man kann nicht bestreiten, daß sie das thun, und daß sie bei merkwürdig billigem Preise ( 1 Mark pro Heft ) eine Fülle von malerischen Ansichten aus den schönsten Gegenden der Alpen dem Beschauer vor Augen führen. Gemacht sind sie nach Aufnahmen der Photoglob-Cie. Zürich in meist wohlgelungenen Reproduktionen in Schwarz-oder leichtem Tondruck. Aus der Schweiz sind bis jetzt folgende Sujets vertreten: Zwillinge und Breithorn vom Gornergrat aus, Monte Rosa vom Gornergrat aus, Fieschergletscher, Inner-Arosa mit der Kirche, Rosenlauigletscher mit Well- und Wetterhorn, Wengen mit Jungfrau und Breithorn, Pilatus, Aussicht gegen die Titlisgruppe, Schwyz mit den Mythen, Berner Oberländerberge vom Pilatus aus, Grimselhospiz mit Nägelisgrätli, Furkapaßhöhe und Hotel Furka, Pilatus, Kulm und Esel, Matterhorn, Theodulhütte mit Monte Rosa und Lyskamm, Roseg-Thal mit Glü-schaintgruppe, Partie an der Grimselstraße mit Finsteraarhorn und Zinkenstock, Pilatus-Blick auf das Tomlishorn, Aussicht vom Theodulpaß auf Theodulhorn, Furggengrat und Matterhorn ( Panorama ). Diese Bilder verteilen sich ziemlich gleichmäßig auf die Hefte, so daß ein Käufer, dem es um die Schweizerberge in erster Linie zu thun ist, immer seine Rechnung findet. Daneben sind bis jetzt die Ortlergruppe und die Dolomiten am besten vertreten. Wir wünschen dem Unternehmen guten Fortgang und laden, um diesen zu sichern, auch unsere Leser zum Abonnement ein.

Redaktion.

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