Alpine Unglücksfalle 1896

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

Von den in der Litteratur als alpine Unglücksfälle verzeichneten Vorkommnissen des Jahres 1896 nehmen wir wiederum die Unfälle aus, welche keinen tödlichen Ausgang genommen haben, ferner einige beim Edelweißsuchen oder Bhimenpflücken vorgekommene Todesfälle ( O. Geißler am Zwölferkopf, Hedwig von Leonhard am Neuthor bei Salzburg ), den durch weidende Schafe verursachten Tod der Frau Dr. Blodig an der Weißenbachscharte im Tauerngebiet, den durch Abweichen vom gebahnten Wege veranlaßten Tod der Fräulein Binder an der Falkenfluh und endlich den vermutlichen Selbstmordfall von Gustav Gabler am Tamischbach-turm. Es bleiben dann noch übrig 27 Unglücksfälle, welche Touristen und Führer in der Ausübung alpiner Thätigkeit betroffen haben; die Zahl der Opfer beträgt zusammen 34, darunter nur 2 Führer, dagegen 20 Führerlose und 9 Alleingänger. Von diesen 27 Fällen gehören nach Höhenlage oder Beschaffenheit des Unglücksortes 8 mit 11 Opfern dem Hochgebirge und 19 mit 23 Opfern dem Mittelgebirge an. Die Einzelheiten sind folgende.:

A. Im Hochgebirge.

122. Juni. Ödkarspitze. Die Brüder Georg und Otto Fellner, von denen der erstere ein erfahrener Tourist war, hatten von der Angeralm aus die westliche, mittlere und östliche Ödkarspitze erstiegen. Wegen starker Wächtenbildung an dem Grate verzichteten sie auf die Besteigung der Birkkarspitze und traten den Abstieg mit Steigeisen durch das mit Schnee gefüllte Schlauchkar hinunter nach der Hochalm an. Sie benützten die in Serpentinen aufwärts führenden Spuren einer früheren Partie, als Otto, der hinten ging, plötzlich ausglitt, an seinem Bruder vorbeischoß und am Ende des Schneefeldes über eine cirka 50 Meter hohe Felswand stürzte. Nach einer halben Stunde konnte Georg Fellner den Verunglückten auffinden und auf sicheren Boden schleppen; Otto starb aber hier nach kurzer Zeit infolge innerer Verletzungen. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 165.

2 ) 11. August. Zwölferspitze. Dr. Rudolf Majoni, 22jährig, von Innsbruck, hatte mit seiner Schwester und einer anderen Dame diesen ober- halb Neustift im Stubaithal am Ende des vom „ Habicht " kommenden Rückens gelegenen Gipfel erstiegen. Beim Abstieg glitt er in einem ab-wärtsfiihrenden Kamin, welcher die letzte Schwierigkeit bildet, aus, überschlug sich mehrmals und wurde am Fuß der Felsen tot aufgefunden. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 203.

315. August. Predigtstuhl. Der 32 Jahre alte C. H. Funk aus München, ein gewandter Bergsteiger und guter Kletterer, versuchte mit einem Freunde diesen schwierigen Gipfel im Kaisergebirge zu ersteigen. In Kletterschuhen waren sie schon bis zu der schwierigsten Stelle, dem sogenannten Tavernaro-Kamin, gelangt, der nach oben durch eine kurze, fast grifflose Steinstufe abgeschlossen ist. Diese Stelle konnte der vorauskletternde Herr Richter nicht gleich bewältigen, weshalb Funk nach rechts hin einen leichter scheinenden Ausweg suchte. Dabei glitt er aus, fiel zuerst etwa zehn Meter hoch in eine Rinne hinab, wobei er mit dem Hinterkopf aufschlug, und wurde dann noch etwa 200 Meter weit über die Wände gegen das Griesenerkar hinabgeschleudert. Die Bergung der Leiche gelang erst nach viertägiger Arbeit. M. D. O. A. V. 1896, pag. 214.

420. August. Meije. MM. E. Thorant, 41 Jahre alt, und A. Payerne, 43 Jahre alt, beides sehr tüchtige und erfahrene Bergsteiger, hatten am 19. von der Châtelleret-Hütte aus die Meije erstiegen und den Gipfel um 2 Uhr 50 Min. wieder verlassen. Zwei sie kreuzenden englischen Partien erklärten sie, daß sie die Nacht in den Felsen, nahe dem Fuß des Glacier Carré, zubringen wollten. In dieser Gegend wurden sie auch gegen Abend von der Südseite gesehen. In der Nacht war das Wetter schlecht; die beiden Reisenden scheinen den Abstieg am Morgen des 20. fortgesetzt zu haben; sie erreichten glücklich die Pyramide Duhamel und hatten so den schwierigsten Teil des Weges hinter sich. Aber im weitern Abstieg verunglückten sie, man weiß nicht genau, ob durch Ausgleiten oder Abrutschen des Schnees. Das Unglück geschah entweder im großen Couloir oder in der Traversierstelle, die aus demselben rechts hinüber nach dem großen Felsgrat führt, der sich zum Promontoire hinabsenkt. Die Leiche des Herrn Payerne lag auf dem Schnee des sogenannten Carrefour, senkrecht unter dem Ausgang des großen Couloirs und am Fuß der Wände, in die es abbricht; die des Herrn Thorant hing am Seil, etwa zwei Meter tief in der Randkluft. Die Verletzungen und andere Umstände lassen schließen, daß der Fall nicht ein sehr tiefer gewesen sein kann. Alp. IV, pag. 123; A.J. Nr. 134, pag. 263.

5 ) 26. August. Petite Sassière. Advokat G. Corrà, eines der tüchtigsten Mitglieder des C.A.I., hatte mit den Führern G. B. Pellissier und C. Meynet die Grande Sassière über den Südostgrat erstiegen und setzte seinen Weg über den Nordgrat nach der Petite Sassière fort. Auf dieser Gratwanderung brach eine Schneewächte unter den Füßen der Gesellschaft und sie fielen den steilen Schneehang nach der italienischen Seite hinunter. Das Seil zerriß zwischen Meynet und Corrà. Ersterer kam schon 30 Meter tiefer zum Stillstand, Corrà und Pellissier hingegen erst hundert Meter weiter unten. Corrà wurde gleich im Anfange des Sturzes durch Aufschlag des Kopfes auf Felsen getötet. Pellissier trug infolge der Spannung des Seiles schwere innere Verletzungen davon. Das Wetter war schlecht, die Schneeverhältnisse offenbar ungünstige. A.J. Nr. 134, pag. 265; R.M. 1896, pag. 391.

65. September. Groß-Mörchner. Dr. Fritz Drasch, einer der hervorragendsten Bergsteiger Österreichs, 39 Jahre alt, hatte mit einem Freunde Hermann Sirk in der Greizerhütte, am Ende des Floitenthales, übernachtet, in der Absicht, den Groß-Mörchner von Nordosten zu ersteigen, und zwar über die von der großen Eisrinne, welche vom Gipfel zur Floite hinuntersteigt, rechts ( im Sinne des Anstiegs ) gelegene Felsrippe. Da ihnen am Morgen ein Herr Callmann mit seinem Führer, welche in der gleichen Hütte übernachtet hatten und von dem Projekte wußten, in der Benutzung der rechtsseitigen Felsrippe zuvorgekommen war, wandten sich Dr. Drasch und Herr Sirk, auch um die von den andern abgelösten Steine zu vermeiden, der linksseitigen Felsrippe zu, obschon sie zu wissen glaubten, daß sie die schwierigere Route biete. Die zwei hatten bereits zwei Drittel der Höhe erstiegen, als sich für Dr. Drasch die Nötigung zeigte, über einen großen, von der Wand abstehenden Felsblock zu klettern und hinter der Felsecke eine plattige Wand anzusteigen. Herr Sirk blieb hinter dem Block und sicherte das Seil zwischen demselben und dem Felsen. Während nun Dr. Drasch, der regelrecht angebunden war und ein paar Seilschlingen quer über Brust und Schulter geschlagen hatte, aufwärts kletterte, gab Herr Sirk vorsichtig das Seil aus; plötzlich aber, ohne daß er einen Schrei oder den Lärm eines Falls gehört hätte, bekam er einen fürchterlichen Ruck von dem Seil, der ihn an der linken Hand schwer verletzte. Da er auf sein Rufen keine Antwort erhielt und über den Block weg-spähend seinen Freund an dem Seilende hängen sah, auch die andere Partie seine Notsignale nicht vernahm, verklemmte Herr Sirk das Seil hinter dem Block. Mit Mühe stieg er zu dem Verunglückten hinab, konnte aber kein Lebenszeichen mehr in ihm entdecken. Dr. Drasch war eine freie Höhe von etwa 25—30 Meter gefallen und wahrscheinlich durch innere Verletzungen gestorben. Herrn Sirk gelang es, durch die gefährliche Eisrinne hinunter und nach Ginzling zu gelangen. Die Leiche-konnte erst zwei Tage später geborgen werden. Es wird gesagt, daß der Berg in schlechtem Zustand gewesen sei und Dr. Drasch durch das Benehmen des Herrn Callmann sich in einiger Aufregung befunden habe. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 221.

79. September. Oberer Grindelwaldgletscher. Mr. G. B. Betjemann, 31 Jahre alt, Violinist an der Oper in London, wollte mit Rudolf Bernet, einem noch jungen und wenig geübten Führer, die Glecksteinhütte besuchen. Sie nahmen ihren Weg über das Milchbach-Chalet und die Leitorn, traversierten den Gletscher und wollten zu den Felsen am rechten Ufer übergehen. Zu diesem Zwecke mußte eine Lawinenschneebrücke passiert werden, welche noch am nämlichen Morgen von einer andern Partie über- schritten worden war. Bernet, der ihr nicht traute, bat Mr. Betjemann, auf dem Eise zu bleiben, bis er die Sicherheit konstatiert habe. Bei seinem Versuche brach er durch und fiel zwischen Eis und Felsen. Er wurde ziemlich verletzt und mag einige Zeit bewußtlos gewesen sein. Als es ihm gelungen war, sich wieder auf das Eis hinauf zu arbeiten, war er sehr erstaunt, seinen Herrn nirgends zu finden. Als er auf sein wiederholtes Kufen keine Antwort bekam, nahm er an, Mr. Betjemann sei zurückgeeilt, um Hülfe zu holen. Im Milchbach-Chalet erfuhr er, daß dies nicht der Fall gewesen war. In Begleitung von Herrn Andreas Fischer und zwei Führern, die zufällig dazu kamen, kehrte er auf den Unglücksort zurück; sie überschritten die Schneebrücke etwas weiter links und sahen den verunglückten Reisenden auf Felsen in der Randkluft fünf bis sechs Meter tief liegen; er atmete noch, als man ihn herausschaffte, aber starb bald nachher. Das ärztliche Gutachten — eine eigentliche Obduktion hat nicht stattgefunden — lautete dahin, daß der Tod durch Ersticken verursacht worden sei, da eine Masse Schnee und Eis auf ihn gefallen war. R. A. L. 1896, pag. 302; A.J. Nr. 134, pag. 267.

8 ) 10. September. Lyskamm. Dr. Max Günther, ein junger Gelehrter, von ziemlicher Erfahrung in den Alpen, der für 1897 eine Forschungsreise in den Sikhim Himalayas beabsichtigte, verließ mit seinen Führern Roman Imboden und Peter Joseph Ruppen die Betempshütte, in welcher sie wegen schlechten Wetters zwei Nächte und einen Tag zugebracht hatten, um 4 Uhr morgens, mit der Absicht, den Lyskamm vom Lysjoch aus zu besteigen. Bis zum Lysjoch begleitete sie auch ein Herr Spinner und sein Führer Zuber. Das Wetter war hell, aber der Föhn hatte den Schnee so erweicht, daß der Aufstieg sehr mühsam war. Sie erreichten das Lysjoch um 9 Uhr und trennten sich daselbst, nachdem sie sich für einige Stunden später Rendezvous ebenda gegeben hatten. Herr Spinner und Zuber wandten sich der Ludwigshöhe zu und konnten die andere Partie beobachten, die langsam über den Ostgrat des Lyskammes emporstieg. Um 10 Uhr 30 Min. hörte Zuber das Geräusch einer Lawine und sah eine Schneewolke von der Stelle aufstäuben, wo die drei gegangen waren. Das Nämliche beobachteten auch die zwei Hüttenwärter der Capanna Margherita auf der Signalkuppe, und nachdem die vier zusammen die Leichen im Schnee auf der italienischen Seite des Lyskamms hatten liegen sehen, gingen sie nach Hülfe aus. Sowohl von Zermatt als von Gressoney aus wurden Karawanen ausgeschickt und die Leichen am 11. geborgen. Die Verunglückten waren zuerst über Schneehänge und dann über eine Felswand von 400 Meter Höhe gefallen und zeigten Verletzungen, die augenblicklich tödlich sein mußten. Aus verschiedenen Umständen wird geschlossen, daß Imboden zuerst durch die G wachte brach ( diese zeigte von unten gesehen nur ein verhältnismäßig kleines Loch ), daß Dr. Günther ihn zu halten versuchte, dann aber durch das Loch nachgerissen wurde, während Ruppen direkt in die Luft hinaus geschleudert wurde. Der Schnee war an diesem Tage in sehr ungünstigem Zustande und der wegen seiner Gwächten berüchtigte Lyskamm war also noch gefährlicher, als er sonst schon ist. Das Unglück geschah übrigens nicht auf der großen Gwächte, wo die drei Brüder Knubel 1877 verunglückt sind, sondern etwas weiter unten, näher dem Lysjoch. Alp. 1896, pag. 123, 138; A.J. Nr. 134, pag. 268.

l>. Im Mittelgebirge.

18. März. Raxalpe. Fritz Wanick, Max Schottik und Joseph Pfannl, alle drei im Alter von 19 bis 21 Jahren, wollten von der Reißthalerhütte über den Reißthalersteig auf die Raxalpe gelangen und wurden durch eine Lawine, die ob der sogenannten Martinswand am Reißthalersteig abgegangen oder vielleicht auch von den Verunglückten losgetreten worden war, verschüttet. Das Wetter war an dem Unglückstage schlecht; es herrschte Sturm und Schneefall. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 71.

2 ) 5. April. Oswaldiberg. Herr J. Bergmann aus Villach, Bahnadjunkt, verunglückte beim Abstieg von dem 972 Meter hohen Oswaldiberg. Er versuchte durch die sogenannte „ Grundnerriese " abzufahren, glitt dabei aus, überschlug sich, kollerte einen Abhang eine weite Strecke hinab und zerschmetterte sich die Schädeldecke. M. ü. Ö.A.V. 1897, pag. 52.

310. Mai. Hochlantsch. Bei einem Ausfluge des Grazer Alpenclub, der diesen Gipfel zum Ziele hatte, verunglückte im Aufstieg, oberhalb des Wasserfalles in der Bärnschütz, Stephan Wallnöffer dadurch, daß er sich, trotz Warnung, an einem hervorhängenden Felsstücke anklammerte, welches losbrach und mit ihm einige Meter tief hinabstürzte. Wallnöffer fiel unglücklicherweise mit dem Hinterkopfe auf einen Stein; die entstandene Wunde führte nach kurzer Zeit den Tod herbei. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 126.

425. Mai. Rigihochfluh. Bei einem von vier Teilnehmern gemachten Ausflug der Sektion Basel S.A.C. verunglückte der Ingenieur Alb. Krug, ein älterer, aber erfahrener und durchaus leistungsfähiger Bergsteiger. Beim Abstieg über den Nordwestkamm zum Gätterlipaß, sich in der Richtung der besten Route etwas täuschend, wollte er auf steiler, teilweise mit Schnee bedeckter Grashalde sitzend abfahren, überschlug sich dabei, kam ins Rollen und wurde über einen Felssatz hinausgeworfen, an dessen Fuß er bewußtlos liegen blieb. Einer seiner Gefährten, Herr Wortmann, der ihm zu Hülfe kommen wollte, glitt auf einem Rasenband aus, stürzte auf Krug hinunter und brachte ihn, der wahrscheinlich schon tot war, von neuem ins Rollen. Herrn Wortmanns Sturz selber wurde durch das Zusammentreffen in seiner Wucht vermindert, so daß er mit schweren Kopfverletzungen davonkam. Alp. 1896, pag. 87.

510. Juni. Dent de Jaman. M. P. Jaquet, 22jährig, aus Locle, war mit zwei Freunden auf einer Tour über den Col de Jaman begriffen. Vom Passe aus wollte er den Gipfel ersteigen, wobei er, etwa 15 Meter unter demselben, ausglitschte und in die Tiefe stürzte. Er wurde von seinen Gefährten als Leiche aufgehoben. Alp. 1896, pag. 98.

614. Juni. Kaisergebirge. Der 21jährige Münchener cand. med. L. Fellheimer hatte mit einem touristisch ebenso unerfahrenen Freund den Stripsenkopf erstiegen. Auf dem Abstieg wich er, um abzukürzen, von dem markierten Wege ab, geriet in einen in der Richtung seines-Abstiegs liegenden, sehr schwer zugänglichen Seitengraben des Kaiser-thaies und fiel über eine zehn Meter hohe Wand in ein Bachbett. Da er nur einen rechtsseitigen Beinbruch und leichte Hautverletzungen davontrug, die Leiche aber mit dem Kopf im Wasser liegend gefunden wurde, so mag er ohnmächtig geworden und ertrunken sein. M. D. O. A. V. 1896, pag. 148 und 165.

77. Juli. Loser bei Aussee. Dr. phil. Max Reinhard Kaufmann aus-Berlin geriet beim nächtlichen Aufstieg zu diesem Gipfel über die Silier-lahn auf Abwege, irrte die Nacht und den darauffolgenden Tag umher und stürzte schließlich in den zur Seewiese steil abfallenden Wänden ab. Ein Viehhüter, der seine Notschreie vernommen hatte, fand die Leiche auf einer Schutthalde mit gebrochenen Gliedern und zerschmettertem Kopfe. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 179.

812. Juli. Kitzbühelerhorn. Der Konditoreigehulfe Karl Kruken-hauser aus Kufstein hatte mit einem Freunde den Abstieg auf dem allerdings schmalen, aber für Schwindelfreie ganz unbedenklichen Pfad begonnen, der über die nach Osten abfallende Bergschneide führt. Unbe-greiflicherweise wandten sie sich dann, statt auf dem Grate zu bleiben, links, wo der Berg sehr steil abfällt. Dabei glitt Krukenhauser aus und stürzte in die Tiefe. Die aufgefundene Leiche zeigte furchtbare Verletzungen am Kopfe. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 178.

912. Juli. Nünenen ( Stockhornkette ). Der stud. jur. Hans Ryniker hatte mit zwei Freunden, die jedoch unterwegs zurückblieben, weil ihnen die Verhältnisse an dem als gefährlich bekannten Berge nicht gefielen, diese Besteigung unternommen. Er erreichte den Gipfel, glitt aber beim Abstieg, als er in den steilen, von Felssätzen unterbrochenen Grasbändern traversieren wollte, aus und blieb sofort tot. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 189.

10 ) 13. Juli. Rubihorn. Der 29 Jahre alte Apotheker-Provisor Clemens-Kitz aus Aschaffenburg hatte allein von der Geisalpe aus diesen Gipfel über den Entschenkopf und Geisfuß ersteigen wollen. Seine Leiche wurde am Westfuß des Rubihorns, am Fuß einer steilen Wand beim Kertobel aufgefunden. Oben, an einer als gefährlich bekannten Stelle, steckte der Bergstock des Verunglückten aufrecht im Boden. Der Absturz scheint auf dem Rückweg erfolgt zu sein. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 179.

1120. Juli. Raxalpe. Die 35jährigen Pferdebahnkondukteure Franz Straßer und Moritz Mayer aus Wien, von denen nur der letztere einige Übung im Bergsteigen hatte, wollten von der Unterkunftshütte auf der Scheibwaldhöhe ins große Höllenthal absteigen und stürzten dabei über die gewaltige Klobenwand ab, an deren Fuß auf einer Schuttterrasse ihre schrecklich verstümmelten Leichen aufgefunden wurden. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 189.

1228. Juli. Grammont. Der 26jährige Apothekergehülfe Fritz Bohne aus Merseburg, der von Lausanne aus eine Tour in die Savoyerberge unternommen hatte, wurde als Leiche am Fuß eines steilen Couloirs bei Novel ( unweit St. Gingolph ) aufgefunden. Alp. 1896, pag. 112.

137. August. Vorberg ( Karaten ). Der 28jährige Lehrer Stephan Horacdiz und der 45jährige Professor Schmal aus Berlin stürzten auf einer Partie nach dem Vorberg bei Dörfel ab und blieben beide tot. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 214.

1416. August. Hochvogel. Dr. med. Bischoff aus Augsburg, ein tüchtiger Bergsteiger, der tags zuvor den Hochvogel erstiegen hatte, wollte mit drei des Weges unkundigen jungen Herren vom Prinz Luitpold-hause nach Hinterstein absteigen. Dabei verloren sie den markierten Weg und trennten sich beim Übergang über ein cirka 20 Meter tief steil abfallendes Bachtobel, das teilweise mit Lawinenschnee ausgefüllt war. Beim Suchen nach einer Übergangsstelle muß Dr. Bischoff den Rasenrand des Abhangs abgetreten haben, kopfüber auf einen scharfkantigen Fels gefallen und durch die Randkluft der Lawine in den Bach gestürzt sein. Man fand seinen Leichnam etwa 500 Meter weiter unten im Bachbett mit aufgeschlitzter Kopfhaut und zertrümmerter Schädeldecke. M. D.O. A.V. 1896, pag. 203.

152. September. Höllenthalklamm. Der Münchener Intendantur-sekretär Dostler stürzte auf dem mit Drahtseilen versehenen, gut gangbaren Steig, welcher zur Unterkunftshütte am untern Höllenthalanger ( Zugspitzgebiet ) führt, durch Ausgleiten auf einem Stein über eine 25 Meter hohe Rasenwand hinunter und blieb sofort tot. Wie Augenzeugen berichten, hatte er das Drahtseil nicht benutzt. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 214.

163. September. Bei Krondorf ( Steiermark ) stürzte der 22jährige Bürgerschullehrer Wenzel Mandler aus Prag infolge eines Fehltrittes ab und blieb sofort tot. Er hatte sich in gewöhnlichen Straßenkleidern und Schuhen auf eine gefährliche Stelle begeben. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 226.

1724. September. Gridone. Dr. De Filippi, Dr. Raff. Zoja und stud. Alf. Zoja hatten, von Craveggia in der Valle di Vigezza aus um Mitternacht aufbrechend, den höchsten Grat des Gridone um Mittag erstiegen und gedachten nach der Bocchetta del Fornale und nach Cannobbio am Lago Maggiore abzusteigen. Der Weg führt, gewöhnlich unschwer, über die Gratzacken 2126, 2060 und 2154™. Kurz nach Mittag änderte sich das Wetter plötzlich, es wurde dunkel und begann bei Nordwind stark zu schneien. Die Brüder Zoja, die einige Übung hatten, aber zu leicht gekleidet waren, wurden rasch erschöpft und mutlos. Der Versuch, bei Punkt 2126 durch ein Couloir nach Süden abzusteigen, mißlang und es mußte in der Nähe von Punkt 2060 an ziemlich geschützter Stelle bivouakiert werden, weil die Zoja nicht mehr fortzubringen waren und die Nacht einbrach. Um 2 Uhr morgens starb Dr. Zoja an Erschöpfung. Am Morgen setzte De Filippi mit dem immer schwacher werdenden Alfonso Zoja den Marsch bis zum dritten Gratzacken fort und versuchte dort, ihn ein mit Neuschnee gefülltes Couloir am Seil hinunter zu lassen. Unterwegs verlor der Unglückliche das Bewußtsein und starb kurz vor 11 Uhr. De Filippi eilte zur Bocchetta und nach der Valle Cannobina, von wo die Leichen abgeholt wurden. R.M. 1896, pag. 444.

1829. November. Stuhleck. Der als tüchtiger Tourist bekannte Herr Joseph Dier aus Wien hatte mit seinem Bruder Raimund die Auffahrt mit Schneeschuhen über das Retteneck unternommen, dieselbe jedoch wegen eines heftigen Schneesturmes bei — 12 ° C. aufgegeben. Während sein Bruder glücklich zum Gipfel und wieder zu Thale kam, muß Joseph Dier bei der Rückkehr sich verirrt haben, zu Fall gekommen und erfroren sein. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 290.

196. Dezember. Eckenfelsen ( bei Lierbach im Renchthal ). Dr. Sallmann aus Straßburg wollte an diesen Felsen Kletterübungen anstellen, wozu er sich mit einem Seil und Kletterschuhen versah. Infolge Ausgleitens stürzte er etwa zehn Meter tief ab und fiel so unglücklich, daß er nach wenigen Stunden an Lungenblutung verschied. M. D. Ö.A.V. 1896, pag. 299.

Zur Kritik dieser Unglücksfälle verweise ich auf die zutreffenden Bemerkungen im Alpine Journal, Nr. 134, pag. 261 ff., und in den Mitteilungen des Deutschen und Österreichen Alpenvereins 1897, pag. 51 ff. und 64 ff., und beschränke mich auf einen kurzen Zusatz zu dem Resumé im Anfang meines Artikels. Die Zahl der Fälle und Opfer ist im Verhältnis zu der durch das schlechte Wetter von 1896 gewiß verminderten Zahl von Bergreisen erschreckend hoch. In einzelnen Fällen mag gerade die nasse Witterung Mitursache gewesen sein; in den meisten liegt das Selbstverschulden ( im technischen Sinn ) durch Unvorsichtigkeit oder Unkenntnis klar zu Tage; ebenso die Thatsache, daß Führerlose und Alleingänger — ceteris paribus — Unfällen mehr ausgesetzt sind als Geführte.

Redaktion.

Feedback