Biwaks unter den Sternen

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Anne-Lise Clerc, Saint-Maurice

« Auf Wiedersehn, Saint-Mauricer! » « Auf morgen! Wir werden sie bekommen, unsere Wand » In diesem entschlossenen Ton verlassen uns unsere drei Freunde aus Evionnaz.

Unsere Wand? Das ist die Roche de la Cime de l' Est, die äusserste Spitze auf der Ostseite der Dents du Midi, der Wachtposten sowohl von Evionnaz wie von Saint-Maurice. Und es ist « unsere Wand », weil sie sich erlaubt, die Nächte unserer jungen Alpinisten mit aufregenden Träumen zu stören.

Sie verfolgt uns so hartnäckig, dass wir in ewigem Konflikt stehen, da wir nicht wissen, ob sie ihren Fans aus Evionnaz oder ihren Bewunderern aus Saint-Maurice gehört. Jede Partei findet alle mögliehen Argumente, um sie sich anzueignen.

Unsere tapferen Burschen aus Evionnaz, die finden, sie gleiche ein wenig dem Matterhorn, wollen auf keinen Fall eine Gelegenheit versäumen, den Zermattern die kalte Schulter zu zeigen, und wir, die Saint-Mauricer, betrachten sie als unser Eigentum, da die andern ja schon den Salantin besitzen!

Kurz gefasst, um alle zufriedenzustellen, vereinbaren wir eine freundschaftliche Lösung: damit unsere Kameraden behalten können, was sie als ihren Besitz betrachten, bieten sie uns heimlich ( wenn die Behörden das wüsstenden Titel eines Ehrenbürgers ihres Dorfes an, was uns in bezug auf unsere gemeinsame Liebe dieselben Rechte einräumt wie ihnen. Wir nehmen das sehr gern an, denn wir lieben ihr Dorf, wo wir uns so oft treffen, um bei einem Glas einheimischen Weins über Alpinismus zu diskutieren.

Mit ihrem strengen Gesicht erscheint « die Wand » unseren jungen, durch die gleiche Leidenschaft vereinten Seelen doppelt schön und verlockend. Unsagbar verführerisch, im Winter unter ihrem Hermelinmantel so gut wie im Sommer in ihrem anthrazitfarbenen Samtkleid, fasziniert sie uns. Wir sehen zu ihr empor, hypnotisiert, wie kleine, pausbackige Kinder zum Konfi-türenglas hoch oben auf dem Schrank. Ihre Gegenwart, zugleich fern und nah, bedrückt und behext uns. Wir träumen davon, sie zu besiegen. Beim ersten Blick scheint der Traum unerfüllbar, aber dann gewöhnt sich das Auge an ihre Strenge, und der Verstand wägt die Möglichkeiten ab: als positive können gelten unsere Ausrüstung, das herrliche Wetter, unser Training; negativ... ach! das werden wir später sehen...

Es ist wirklich sehr schönes Wetter, und der Fels ist wie geputzt. Auch das Training ist kein Problem! Wir haben eine Woche JO hinter uns, die wir in der Trienthütte zwischen den Aiguilles Dorées und den Aiguilles du Tour verbracht haben, und die sonntäglichen Bergtouren im August.

Und wie steht es mit der Moral? Wir sind wie die Pasteten von Rolle, aufgeblasen vor Stolz, die Be- Cime de l' Est ( Dents du Midi ). Route von A. Roch X Biwak La Vierge de Gagnerie ( 2641 m ) im Massiv der Dents du Midi Photos Kinette Hurni, Lausanne Südwestwand des Mt. Everest ( 8848 m ).

Die von der internationalen Expedition igji vorgesehene Route sten zu sein! Ist es unsere Schuld, wenn wir beim Zusammensein mit unserem JO-Chef in einem sympathischen, von Lachen und Singen erfüllten Kreis vom Virus der Bergleidenschaft angesteckt wurden? Warum hat er uns mit solcher Inbrunst die Schätze der Natur gezeigt, die wilde Schönheit der Sonnenuntergänge über den Berggipfeln, von denen er uns jeden einzelnen Namen beigebracht hat? Warum haben wir die berauschende Freude an der vollbrachten Leistung oder die tiefe Befriedigung über den Rettungsversuch aus der Gletscherspalte zu spüren bekommen? Und ist er anderseits dafür verantwortlich, dass er an leidenschaftliche JOler geraten ist?

Wie dem auch sei - Samstag, den 9. September 1966, um 14.30 Uhr starten bei strahlender Sonne unsere Evionnaz-Kameraden Gérard, Bernard und Jean-Claude sowie Michel, Philippe und ich so unauffällig als möglich, um das Abenteuer an der « Wand » zu erleben.

Wir lassen den Wagen in Mex, samt der Uniform des Rekruten Philippe, der es vorgezogen hat, seine alte Kletterhose anzuziehen.

Nun sagen wir der menschlichen Gesellschaft Lebwohl und nehmen den Pfad nach Au de Mex unter die Füsse. Da ist einer unserer Kollegen zur Kontrolle des Patrouillenlaufes « Tour des Dents du Midi » postiert, der gerade an diesem Wochenende stattfindet. Dann steigen wir zwischen Enzianen und Schafen zur Alp direkt unter den Trois Merles hinauf. Auf halber Höhe zweigen wir in Richtung Merle Blanc ab und steigen in das dorthin führende Couloir ein. Es ist ein mühsamer Marsch in dieser Steinwüste, wo man den Eindruck hat, auf vier Schritte vorwärts drei rückwärts zu machen. Aber in guter Stimmung erreichen wir den Fuss der « Wand », wo wir auf den steinigen Ausläufern des Merle Blanc ein primitives Biwak einrichten. Wir essen und plaudern fröhlich, bevor wir in unsere Schlafsäcke kriechen.

Das Wetter ist gut und der Himmel mit Sternen übersät. Wir können lange nicht einschlafen, und als es uns endlich gelingt, ist es nur für ein paar Stunden.

Gegen Morgen durchdringt uns ein eisiger Luftzug und lässt die Kondenstropfen gefrieren, die auf der Innenseite unserer Guritsäcke haften. Mühsam, mit zerschlagenen Gliedern, erheben wir uns, und nachdem wir einen Happen gegessen haben, brechen wir auf. Es ist viertel vor sechs Uhr und prachtvolles Wetter.

Wir seilen uns an, setzen die Helme auf und machen uns an die obere Traversierung des Glacier Noir. Dann steigen wir in den Fels ein. Bei der ersten Seillänge erwartet uns eine kleine Schwierigkeit: die Passage der Grande Vire. Philippe, den sein militärisches Gewissen mahnt, findet es unklug weiterzugehen, weil er fürchtet, zu spät in die Kaserne zurückzukommen. Nun formieren wir die Seilschaften neu: Jean-Claude und Michel vorne, dann Gérard, Bernard und ich. Philippe nimmt den Weg nach Chalin, nicht ohne nochmals unsere Instruktionen in bezug auf eventuelle Signale zu wiederholen, die wir geben würden, wenn...

Wir passieren die Grande Vire mit Hilfe eines ersten Hakens und klettern einige Seillängen in relativ leichtem und ziemlich solidem Fels. Dann führen uns eine oder zwei Seillängen in Stufen zum zweiten Aufschwung, wo wir anhalten, um zu verschnaufen und den Voralpen-Führer, Guide des Préalpes franco-suisses ( Edition du CAS ), zu konsultieren.

Wir sind sehr optimistisch und voller Schabernack. In recht gutem Fels geht es weiter. Ungefähr um zwei Uhr umgehen wir links einen riesigen Vorsprung aus gelbem Fels und steigen in das zentrale Couloir ein. Es ist eine kritische Stelle, wo die technischen Schwierigkeiten beginnen, weil das Gestein schrecklich weich und die Wand sehr steil ist. Wir erkennen nun den Nutzen der Helme, denn wir werden ganz überzuckert, und als hintere Seilschaft bekommen wir eine zusätzliche Portion ab, die uns die Führer unfreiwillig bescheren.

Das Hakeneinschlagen wird zu einer langwei- ligen und mühsamen Arbeit. Da wir gegen oberflächliche Sicherung sind, verlieren wir viel Zeit. Der hohle Klang aus dem Felsen lässt keinen Zweifel, dass die Haken nicht festhalten. Ich bewundere Jean-Claudes Ruhe an der Spitze der ersten Seilschaft.

Im Couloir klebe ich eine geschlagene Stunde mit Gérard auf einem winzigen Band, wo sich der Fuss, einmal abgesetzt, nicht vom Fleck rühren kann. Wir diskutieren eifrig über alles und nichts, aber die Zeit erscheint uns lang, sehr lang... Endlich kann Gérard die andern, die sich in einer Art Verschneidung befinden, erreichen. Nun sehe ich keinen mehr. Nur das Seil verbindet mich mit meinen Begleitern, und ich verbringe noch eine Stunde, dann weiter oben eine dritte zwischen Himmel und Erde, ohne mich bewegen zu können. Ich friere und habe Hunger. Schon lange ist die Sonne von dieser Wand verschwunden. In meiner Stellung kann ich unmöglich etwas essen. Ich warte.Von Zeit zu Zeit rufe ich meinen Freunden, aber ohne Erfolg. Sie hören mich nicht, doch vernehme ich deutlich ihre Hammerschläge und sogar einige kräftige Flüche. Ich weiss, dass sie ihr Möglichstes tun, um vorwärtszukommen. Die Leere ringsum beginnt mich hinabzuziehen, mich, die ich nie im geringsten schwindlich gewesen bin. Dieses Warten macht mich ganz verrückt!

Plötzlich rufen sie mir nachzukommen. Endlich! Ich muss nur « aushaken », was aber wegen der langen Bewegungslosigkeit schwierig ist. Meine Finger sind steif, und durch eine falsche Handbewegung lasse ich die zwei Haken, die ich einsammeln konnte, fallen. Der dumpfe Klang, den ihr Aufschlagen verursacht, zeigt mir, wie lang die Wand ist.

Gegen i 7 Uhr sind wir endlich am Fusse einer zwölf Meter hohen Mauer, der Hauptschwierigkeit, wieder vereinigt. Glücklich, uns wiederzusehen, lächeln wir einander zu. Doch eine geheime Angst quält uns: In drei Stunden wird es vollständig dunkel sein, und wir sind noch weit vom Gipfel entfernt... Werden wir überhaupt hinaufkom- men? Ich bemühe mich mit aller Kraft, daran zu glauben, denn die Aussicht auf ein Biwak an einem Sonntagabend hat wenig Verlockendes für mich! Ich wage kaum daran zu denken, was meine Eltern zu meiner unvorhergesehenen Abwesenheit sagen würden!

Die beiden Vordersten haben die Schwierigkeit überwunden. Ich mache einige Schritte und erreiche ein kleines, schiefes Band. Da weiss ich nicht mehr, wo ich meine Füsse hinsetzen soll. Ich stehe falsch! Meine angeklammerten Finger werden steif und erschlaffen. Wo zum Kuckuck sind die andern durchgekommen? Da ruft Bernard von unten:

« Nein, nicht dort, halte dich rechts! Geh nicht weiter, die Mauer ist glatt! » Meine Finger schaffen es nicht mehr! Gleich werde ich loslassen!

« Halt dich fest! » rufen sie mir zu. Aber es ist zu spät. Ich habe losgelassen und schwinge wie ein Pendel hin und her. Dann lande ich ohne einen Kratzer einige Meter weiter unten neben meinen Kameraden. Gottlob! Bravo, da oben! Die Sicherung hat standgehalten!

Ich bin sehr deprimiert, denn es ist das erste Mal, dass ich versagt habe. Aber wir müssen es dabei bewenden lassen und schnellstens weiterkommen. Diesmal kann mir nichts passieren. Ich wende mich nach rechts und bewältige ganz normal die Seillänge, die mich von meinen zwei Rettern trennt. Es war ja so leicht! Gérard und Jean-Claude empfangen mich mit leisem Schmunzeln.

« Na, da bis du ja mit einem blauen Auge davongekommen! » Ich kann ihnen nur die Hand drücken und einen Liter in Salanfe versprechen!

Nun kommen die beiden andern dran. Es geht furchtbar langsam vorwärts. Unsere Neven sind aufs äusserste gespannt. Die Nacht bricht herein. Rasch müssen, wir einen Platz zum Biwakieren finden, denn es ist ausgeschlossen, dass wir heute abend den Gipfel noch erreichen. Gérard geht auf die Suche. Das Seil gleitet der Wand entlang, die immer steiler wird. Endlich hört die Seilbewe- gung auf; er muss einen Platz gefunden haben. Er bittet mich nachzukommen. Ich klettere ein wenig zögernd in dem Dämmerlicht und schwinge mich auf ein schmales Band. Ich möchte wissen, wo der Biwakplatz ist, erhalte aber keine Antwort. Gérard lässt gerade die andern aufsteigen.

Nun ist es Nacht. Ein Stern nach dem andern leuchtet auf. Ich frage nicht mehr nach dem Biwak, denn ich weiss, dass wir da sind. Unser Platz ist i ,50 Meter lang und 20 bis 30 Zentimeter breit. Während wir uns einrichten, schlägt Jean-Claude Haken ein, um uns an den Felsen zu sichern.

Da sitzen wir « im ersten Rang » dicht nebeneinander, lassen die Füsse über einem 700 Meter tiefen Abgrund baumeln und warten, so gut als möglich in unsere Schlafsäcke gezwängt, den Rucksack auf den Knien, bis der Vorhang aufgeht. Schrecklich, dieser Platzmangel in den Bergen!

In der Tiefe sind die Lichter angezündet worden, und Bernard erinnert sich plötzlich, dass wir Philippe Signale geben sollten: grün, wenn alles in Ordnung ist, rot im gegenteiligen Fall. Wir stimmen für grün, die Farbe der Hoffnung, und beginnen unsere Zwiesprache mit dem Tal. Nachdem unsere Mission beendet ist, sind wir sicher, dass Philippe zu uns nach Hause telephonieren und unsere Eltern beschwichtigen wird, was uns einigermassen beruhigt. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Eltern mit einem dankbaren Lächeln auf den Lippen friedlich schlafen können! Aber was tun? Wir sind am Leben und wohlauf, das ist die Hauptsache! Wir knabbern ein paar vertrocknete Weinbeeren und ein Stück Schokolade. Unsere prekäre Lage erlaubt uns kein Festessen. Michel hat Durst, aber er wartet vergeblich auf den Kellner, der das Bier bringen sollte. Die lassen sich Zeit hier oben! In der Not genehmigt er den Zitronenschnitz, den ich ihm mit Zucker empfehle.

Wie herrlich, dieser Friede und diese Stille! Unser « Hotel » ist wunderbar gelegen. Eine lang- gestreckte Lichtschlange windet sich durch das Tal: der 21.39-Uhr-Zug. Wie klein doch die Welt ist!

Wir sind ganz glücklich. Die Zeit vergeht. Der Schlaf übermannt mich; mein Kopf wird immer schwerer, aber unsere Helm-Nachtkappen sind nicht bequem! Da schliessen sich meine Augen, mein Kopf wackelt hin und her - ich bin eingeschlafen!

Ein Uhr morgens! Ich fahre aus dem Schlafe auf. Ist es möglich, dass ich so lange geschlafen habe? Jean-Claude lacht. Hört das an! Aus seinem Transistor ertönt eine rassige Melodie, die wir im Chor mitsingen: « Oh, die schönen Ferien-kolonien; danke Papa, danke Mama! » Der verwünschte Spassvogel Pierre Perret!

Nun hat Gérard die komische Idee, von Rheumatismus zu reden. Bernard und Michel versuchen zu schlafen. Jean-Claude spielt mit « Ka-stagnetten » .Gemeinsam gedenken wir Philippes, der in seinem guten alten Soldatenbett schläft. Dann wiederholen wir einige faule Ausreden an die Adresse unserer Arbeitgeber, um unseren einmaligen « blauen Montag » zu rechtfertigen. Und jeder denkt stillschweigend an die « Tracht Prügel », die er fassen wird, wenn er heimkommt.

Die Kälte fängt an, sich bemerkbar zu machen. Ein blasser Schein gleitet am Horizont entlang. In einer Stunde wird es tagen. Unsere Glieder schmerzen. Wir denken zurück an Stafettenläufe im blühenden Gras und gestehen uns nur ungern ein, dass es einst Turnstunden gab, die wir langweilig fanden!

Jetzt ist es Tag. Wir können aufbrechen. Wir begleichen unsere Hotelrechnung und versprechen wiederzukommen! Dann nehmen wir unsere erste Seillänge in Angriff, eine äusserst schwierige Angelegenheit! Unsere schmerzenden Muskeln wollen nicht gehorchen. Aber wir wissen, dass der Gipfel nur hundert Meter weiter oben ist. Nach und nach kommen wir wieder in Form und bewältigen ohne Schwierigkeit die folgenden Seillängen. Dann geraten wir auf einen regelrechten Schotterhaufen, zu dessen Traver- sierung wir eine endlose Zeit brauchen, da der brüchige Grat überhaupt keine Sicherung erlaubt. Wir sind äusserst.vorsichtig.

Endlich befinden wir uns im letzten Couloir. Da rufen uns vom Gipfel herab fröhliche Stimmen. Es sind Maurice und Jacky, zwei treue Kameraden, die Vorhut der Rettungskolonne. Sie hissen uns mit ihrem Seil fast ohne Sicherung hinauf, so froh sind sie, uns wohlbehalten vorzufinden.

Der Gipfel! Noch nie ist er so schön gewesen! Wir drücken einander die Hand. Und ich habe, dank meinem unterrocktragenden Geschlecht, Anspruch auf einen Kuss. Wir begegnen Frédéric Avanthey, dem Führer und Susanfe-Wart mit einer Kundin. Maurice gräbt seinen Photoapparat aus den Tiefen seines Rucksacks und macht einige Aufnahmen. Da werden die schönsten lächelnden Zahnpastareklamen produziert!

Nach einem üppigen Imbiss trollen wir uns regelrecht auf dem gewöhnlichen Weg hinunter, der uns direkt aus den Freibergen zu stammen scheint, so gross ist der Gegensatz zur « Wand ».

Auf Plan-Névé werden wir vom Hauptharst der Kolonne mit offenen Armen empfangen; man feiert unsere Rückkehr schon mit grossem Einsatz von Fendant. Während die fleissigen Leute arbeiten, geniessen wir einen sonnigen und fröhlichen Montagmorgen, bevor wir uns dem väterlichen Zorn stellen müssen. Der Abstieg geht weiter mit einem Telephon-Halt in Salanfe und einem Be-grüssungshalt in Van-d'en-Haut, wo einige Eltern ihre Sprösslinge abholen.

In Evionnaz steht ein Drittel der Bevölkerung auf dem Dorfplatz, und während wir die nur so auf uns niederprasselnden Fragen beantworten, bereiten die Väter und Mütter mit Tränen in den Augen im stillen die wohlverdiente Strafpredigt vor.

Es gab dann auch eine, ja sogar mehrere in allen Grossen und für jeden Geschmack! Sie waren unserem Leichtsinn ebenbürtig.

Die Kehrseite des Abenteuers, die wir zu wenig beachtet hatten, zeigte sich uns plötzlich ohne grosse Worte, einfach beim Anblick von ein paar grauen Haaren an den mütterlichen Schläfen. Wir erkannten auf einmal die Folgen unserer Leidenschaft: die furchtbare Angst unserer Eltern während einer Nacht, die für sie schlimmer gewesen war als für uns, die Sorge unserer Freunde, des Alpenklubs ( unsere von weitem bemerkten Signale hatten Verwirrung gestiftet ), das Aufgebot einer Rettungskolonne mitten in der Nacht...

Und als wir dann am nächsten Morgen den Schlechtwetter-Einbruch, ja sogar Schnee auf dem Gipfel sahen, da begriffen wir erst richtig die Gefahren, denen wir uns ausgesetzt hatten: schlechtes Wetter, Kälte, Schnee, zu grosseTeil-nehmerzahl, Mangel an Urteilskraft und Erfahrung. Wir erkannten die Rachsucht des Berges gegen diejenigen, die seine Gesetze übertreten.

Ja, an diesem Tag hatten das Glück und unsere grosse Vorsicht eine entscheidende Rolle gespielt.

Es war ein schönes und bereicherndes Abenteuer, und es milderte das Draufgängertum unserer zwanzig Jahre ein wenig. Wir lernten zu überlegen, doch hinderte uns das nicht, weiter wundervolle Touren zu machen mit derselben Begeisterung, aber mit einer tieferen und ehrfürchtige-ren Liebe für die anspruchsvollen Berge.

Für den Bergfreund ist das Klettern eine ausgezeichnete Charakterschulung und welch unerschöpfliche Quelle der Freude!

Übersetzung E. Busenhart

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