Chronik des Club 1866

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Chronik des Club

vom Jahr 1866

Von Dr. F. v. Tschudi.

Schweizer Alpen-Club.

1 _-. '

.bisheriger guter Uebung gemäss hat jeder Band unseres Jahrbuches die Lebensskizze unseres Vereines in Haupt und Gliedern für eine bestimmte Epoche vorzulegen, und wir wollen diese Sitte um so lieber pflegen, je trefflicher sie geeignet ist, die wenigen Bande zu verstärken, welche das einzelne Mitglied an den allgemeinen Verein schliessen.

Der Sommer 1866 war den clubistischen Bestrebungen womöglich noch ungünstiger als der vorangegangene, da sich gerade die Höhe der Saison durch anhaltend schlimme Witterung auszeichnete, welche das Hochgebirge grösstentheils dem Besuche verschloss. Die Erfolge, die wir zu verzeichnen haben, dürften desshalb auch den mittlern Durchschnitt, den wir von den Clubgenossen zu erwarten berechtigt sind, bei weitem nicht erreicht haben. An gutem Willen, prächtigen Projekten und frischer Kraft hat es keineswegs gefehlt; das beweisen schon die einzelnen mit Erfolg gekrönten Touren. Für die weitere Erforschung der offiziellen Clubgebiete und namentlich für das neu angefügte, konnte im Allgemeinen nur wenig geleistet werden.

I. Das Centralcomite.

Das Centralcomite, dessen Vorstand die Generalversammlung in Chur 1865 bezeichnet hatte, wurde durch die st. gallische Section weiterhin mit folgenden Mitgliedern bestellt:

Vieepräsident: J. J. Weilenmann.

Secretär: E. Schlegel.

Cassier:G. Sand.

Mitglieder: J. v. Tschudi. Th. Scherrer. C. Kessler.

Das Comité übernahm durch eine Abordnung, welcher das abtretende Centralcomite einen sehr freundlichen Empfang bereitete, im Dezember in Chur das Archiv etc. und trat mit dem Januar 1866 seine Geschäftsführung an.

Die nöthigen Vorbereitungen für sorgfältige Erstellung der Exkursionskarte und des Itinerarium's waren indessen schon im September getroffen worden. Die Generalversammlung in Chur hatte den Abschnitt der Centralalpen zwischen dem grossen St. Bernhard und dem St. Theoduls-passe als neues offizielles Exkursionsgebiet für das Jahr 1866 bestimmt und daneben die altern des Silvretta- und Medelsergebietes ebenfalls noch aufrecht gehalten. Allein es war unverkennbar, dass der Umfang des neubestimmten für eine Sommeraufgabe viel zu ausgedehnt sei, und das Centralcomite beschränkte ihn desshalb auf die Mont Blanc de Cheiüon-Gruppe zwischen dem Col de Fenêtre und dem Col de Colon; der westliche Theil des Gebietes, die Velan-Combin-Gruppe, durfte als hinlänglich bekannt bei Seite gelassen werden, und der östliche Theil, die Matterhorngruppe zwischen dem Col de Colon und St. Theodul, blieb den folgenden Jahren vorbehalten. Hr. Weilenmann übernahm es, noch im Spätherbst im Auftrage des Centralcomités das also beschränkte Exkursionsgebiet zu durchforschen, um die Materialien für das Intinerarium an Ort und Stelle möglichst zuverlässig und umfassend zu sammeln:

die Ausführung der Exkursionskarte im Maassstabe von 1/50,000 nach der eidg. Originalaufnahme, mit Horizontalkurven in Vertikalabständen von 100 ', wurde dem rühmlichst bekannten Atelier von Wurster Randegger und Comp. in " Winterthur übertragen und mit einigen hinlänglich gerechtfertigten Ortsbezeichnungen bereichert. Hr. A. Bernus, Präsident der Section Diablerets, hatte die Gefälligkeit, die französische Uebersetzung des Itinerariums zu besorgen.

Mittelst Kreisschreiben vom 12. Juni erinnerte das Centralcomite die Sektionen an die von der Generalversammlung gewünschte Constituirung von Führercorps und Regulirung der Tarifansätze derselben. Mehrere Sectionen, wie namentlich « Rhätia », « Tödi », « Monterosa », griffen diese schwierige Arbeit rüstig an; ihre einigermassen genügende Durchführung in den besuchteren Theilen des Alpengebietes aber wird noch längere Zeit beanspruchen, besonders wenn auch die unumgänglich nothwendige intellektuelle Ausbildung der betreffenden Männer berücksichtigt werden will.

Eine ebenfalls lange Zeit und grosse Sorgfalt in Anspruch nehmende weitere Vereinsaufgabe bildet die Berichtigung und Vervollständigung der Ortsbenennungen im Umfang des Alpengebietes, die mancherorts, namentlich in der Tiefe des Gebirges und in den sprachlichen Grenzgebieten, noch so sehr im Argen liegen. Der Vereinsvorstand begnügte sich damit, vorerst die Clubgenossen auf die " Wichtigkeit dieser Aufgabe aufmerksam zu machen und sie einzuladen, die im Munde des Volkes gebräuchlichen Benennungen aller Lokalitäten des Hochgebirges möglichst vollständig zu sammeln und nach Alter, Ursprung, Formabänderungen etc. derselben zu forschen. Ist das Material dann allmälig in ausreichendem Masse angesammelt worden, so wird es die Aufgabe des Clubs sein, dessen zweckmässigste Verwerthung näher zu bestimmen;

immerhin kann inzwischen bei der jeweiligen Ausarbeitung der Exkursionskarten bereits davon vielfältig Gebrauch gemacht werden.

Um den Forschereifer der wandernden Clubgenossen anzuregen, und ihre Aufmerksamkeit für die Eigenthümlichkeiten des Gebirges zu schärfen und auf bestimmte Punkte hinzulenken, arbeitete das Centralcomite eine kleine Broschüre „ Beobachtungsnotizen " aus, welche die Vereinsmitglieder einladet, bei ihren Touren Beobachtungen zu sammeln über die Gipfelgesteine seltener besuchter Höhen, über die Bewegungen der Gletscher, der Schneelinie, der Vegetationsgrenze, der obem Waldgrenze, über Alpwirthschaft, nutzbares Gestein, Topographie, Volkssagen, über physiologische, physikalische und chemische Erscheinungen etc. Indem das Schriftchen für jeden Punkt die angemessenste sofortige Verwerthung des gesammelten Materials andeutet, liegt demselben weiter die Idee zu Grunde, dass dieses Material späterhin die Ausarbeitung einer vollständigen „ Schtveizerischen Gebirgskunde " mit sollte ermöglichen helfen, eines Werkes, das alle Natur- und Kulturverhältnisse unserer Alpen und ihrer Bewohner umfassend, nur das Resultat tausendfältiger Forschungen nach allen Seiten hin sein kann. Würde aber ein solches Werk unserm Vaterlande einst zu hoher Ehre gereichen, so dürfte es zu den schönsten und gewichtigsten Aufgaben unseres Vereins gehören, an demselben energisch und mit den besten Kräften mitgearbeitet zu haben. Wir erlauben uns desshalb, unsere 0ubgenossen hier nochmals angelegentlichst zu ersuchen, jene Nachforschungen, für welche die « Beobachtungsnotizen » als kleines Vademecum dienen wollen, mit Ernst und Ausdauer zu pflegen.

Als das Centralcomite der Abgeordnetenversammlung vom 27. Aug. 1865 einen Entwurf für Revision der Statuten vorlegte, wurde die Frage angeregt, ob es nicht rathsamer sein möchte, diese überhaupt auf eine veränderte Basis zu stellen, und zwar in dem Sinne, dass im Interesse einer stätigen Geschäftsführung, statt eines jährlich wechselnden Centralcomités ein solches mit dreijähriger Amtsdauer, und dagegen für die Abhaltung der alljährlichen Generalversammlungen an den betreffenden Orten jeweilen eigene Festcomités zu bestellen seien und ferner, dass die organische Stellung der Abgeordnetenversammlung genauer festzustellen und derselben die Erledigung einer Anzahl minder wichtiger Vereinsgeschäfte zu übertragen sei.

Die Generalversammlung beschloss im Sinne der Anträge der Abgeordneten, dass über diese Fragen die Voten der einzelnen Sektionen eingeholt werden sollten, und dass das neue Centralcomite nach dem Ergebniss derselben die Statuten zu revidiren und alsdann diese Revision der Berathung einer ausserordentlichen Delegirtenversammlung zu unterstellen habe.

Nachdem die Sektionen mit grösser Mehrheit für jene neuen Grundlagen sich ausgesprochen, arbeitete das Centralcomité demgemäss die Statuten um, indem es diesen Anlass ergriff, um zugleich die organische Stellung der Redaktion des Jahrbuches genauer abzugrenzen, die Jahresversammlungen etwas festlicher zu gestalten und für eine französische Uebersetzung des Jahrbuches nach dem berechtigten Wunsche unserer romanischen Sektionen vorzusorgen. Mit Kreisschreiben vom 12. Juni wurde dann der neue Statutenentwurf den Sektionen mitgetheilt, um denselben Gelegenheit zu geben, darüber ihre Berathungen walten zu lassen.

Aus der Reihe der laufenden Geschäfte des Centralcomités mag hier einzig erwähnt werden, dass der Sektion « Tödi » ein Beitrag von Fr. 70 für Ergänzung ihres in defekten Zustand gerathenen Beobachtungsmateriales in der Grünhornhütte und zwei Mitgliedern Fr. 117 und Fr. 139 an Führerkosten bei ihren Fahrten in den Exkursionsgebieten bewilligt wurden.

Der Verkehr mit dem englischen und italienischen Alpenclub und österreichischen Alpenverein beschränkte sich auf den Austausch der bezüglichen Vereinspublikationen. Der italienische Club zeigte überdiess die Errichtung einer eigenen Succursale im Hôtel de ville zu Aosta an und lud unsere Vereinsmitglieder in der verbindlichsten Weise zu dessen Benutzung, sowie zum Besuche des Centralbureau's in Turin ein.

Nach der Jahresversammlung sammelte sodann das Centralcomite die Akten derselben ( Eröffnungswort, Jahresbericht, Cassenrechnung, Protokolle, neue Statuten, Verzeichniss der Festgäste ) in ein kleines Festheft, theilte dasselbe den Clubmitgliedern mit und übergab, gemäss den Uebergangsbestimmungen der Statuten, im Oktober die Geschäftsleitung dem neugewählten Centralcomite in Zürich, indem es schliesslich bei demselben noch die Bearbeitung einer « Schweizerischen Gebirgschronik » anregte, in welcher alle ersten Ersteigungen bedeutender Gipfel und Uebergänge, sowohl in älterer Zeit, sofern solche noch zu konstatiren sind, als in neuer Zeit unter Angabe der betreffenden Besteiger und eingeschlagenen Wege authentisch zu verzeichnen wären.

II. Die Sektionen.

Die Thätigkeit der elf Sektionen gestaltete sich im Berichtsjahre je nach der Individualität derselben sehr verschieden; mit Freude erkennen wir aber fast überall reges Streben und warmes Interesse für die Vereinszwecke.

Wir skizziren das Bild nach den uns zugegangenen, leider meist sehr unvollständigen und kurzen Jahresberichten.

Die noch junge Sektion Genf, bereits 86 Mitglieder stark, entwickelte unter der Leitung ihres neuen Präsidenten, Hr. Prof. Älphons Favre, eine sehr rege Thätigkeit. In den Sitzungen wurden theils Darstellungen von Gebirgs-besteigungen ( Grand Combin, Monte Leone, Wetterhorn, Alteis, Mortiratsch ) mitgetheilt, theils wissenschaftliche Vorträge verschiedener Art, u. A. auch über die Nebelbildung, illustrirt durch das Experiment des in einer Flasche entstehenden Nebels.Ferner beschäftigte sich die Sektion mit der Registrirung neu eingeschlagener Wege auf Alp-gipfel, Gletscher und Joche, um diessfalls die Dufourkarte in clubistischem Interesse zu ergänzen, und wandte mit besonderm Eifer ihre Aufmerksamkeit der Verbreitung der erratischen Gesteine zu, indem sie sich zu deren Erforschung. mit verschiedenen Gesellschaften in Verbindung setzte.Von ihrem Organ, l' Echo des Alpes, liess sie mehrere Nummern erscheinen und setzte sich auch mit den Sektionen « Monterosa » und « Diablerets » in Verbindung über die Erstellung einer französischen Uebersetzung des Jahrbuches. Die vom Centralcomite herausgegebenen « Beobachtungsnotizen » vertheilte sie in französischer Ausgabe an ihre Mitglieder. Ueber Sektionsexkursionen oder hervorragende Einzelleistungen theilt uns der Jahresbericht nichts mit, erinnert aber an das glänzende, freilich durch die Witterung schlimm gestörte Fest, welches ein eifriges Sektionsmitglied, Herr

* ) Der Berichterstatter bemerkt darüber: „ On peut remarquer à cette occassion qu' il est rare que par un effort de l' esprit on puisse mettre du brouillard en bouteille, et qu' il arrive plus souvent que la bouteille met du brouillard dans l' esprit. "

Griolet de Gerr, den Clubgenossen am 29. Juli auf Bella Tola bereitete.

Die etwas ältere Sektion Diablerets, deren Steuer Herr August JBernus mit kundiger Hand und in treuem Hinblick auf die Zusammengehörigkeit mit den Schwestersektionen der deutschen Schweiz führt, ist allmälig auf 29 Mitglieder angewachsen und hofft auf vermehrten Zutritt, sobald die Aufgaben des Clubs besser und allgemeiner bekannt sein werden. Sie hielt nicht regelmässige, aber interessante und kordiale Sitzungen. Ein Rendez-vous auf der Dole führte sie im Frühling mit der genferschen Schwestersektion zusammen.

Die im letzten Jahrbuch erwähnte Errichtung eines Asyls auf Diablerets konnte vermöge der anhaltenden Ungunst der Witterung nicht vollendet werden. Aus dem gleichen Grunde scheiterten auch beinahe alle Versuche zu gründlicher Erforschung des benachbarten offiziellen Exkursionsgebietes, welche sich eine Anzahl von Sektionsmitgliedern zur besondern Aufgabe gemacht hatten. Doch gelangen Hrn. Isler, der den verhältnissmässig günstigen Julianfang benutzte, einige schöne Touren, wie die theilweise ersten Ersteigungen der Barme-Blanche, der La Solle, des Mmit Pl&iireur, der Pigne d' Arolla und der Pointe d' Otemtna.

Von freien Fahrten sind zu erwähnen ein September-besuch des Weissthors, Alphubels, Monte Rosa's und Trifthorns durch Hrn. A. v. Wattenwyl und eine Ersteigung des Tödi's durch Herrn Dr. J. Piccard, wobei derselbe den Rückweg direkte auf den kleinen Tödi und die Sandalp einschlug, was unseres Wissens seit Hegetschweilers vergeblichen Anstrengungen nie versucht worden ist.

Auch in literarischer Beziehung zeichneten sich mehrere Sektionsmitglieder aus; so Hr. Professor Rambert durch

seine so anziehend geschriebenen zwei Bände « Les Alpes » und Hr. Professor Renevier durch seine geologischen Mittheilungen über die waadtländer Alpen in dem Bulletin der dortigen naturforschenden Gesellschaft.

Die am 4. Okt. 1865 gegründete Sektion Monter osa verwendete unter dem Präsidium des Hrn. A. v. Torrenté ihr erstes Lebensjahr theils zur Vervollständigung ihrer Organisation, Stiftung einer kleinen Bibliothek und Kartensammlung, theils zur Bearbeitung von Keglementen und Tarifen für die Führerschaften der verschiedenen Thalgebiete. Um letztgenannte Aufgabe mit aller Sorgfalt zu lösen, wurde sie einer eigenen Spezialkommission überwiesen.

Auch diese Sektion hatte sich die Erforschung des Montblanc-de-Cheillon-Gebietes zur besondern Aufgabe gemacht. Die bekannten Witterungsverhältnisse aber brachten es mit sich, dass auch nicht eine der projektirten Touren ausgeführt werden konnte.Von andern Fahrten wird nur einer Besteigung des Ofenhorns im Binnenthale gedacht, das zu den begünstigsten Aussichtspunkten dieses reichen Kantons zählt.

Wir hoffen mit Zuversicht, dass diese erst zwei Dutzend Mitglieder starke Sektion, die durch ihre heimischen Verhältnisse ihr speziell zugewiesenen Aufgaben immer klarer erfassen und energisch zur Ausführung bringen werde. Sie ist reich an guten Kräften, vor allen andern begünstigt durch ihre Lage und wird in Bälde den nicht geringen Erwartungen, die der Schweizer Alpenclub von ihr hegt, zu entprechen wissen.

Die Sektion Bern, unter Leitung des all verehrten Veteranen, Herrn 6r. Studer, wird stets einer der starken Grundpfeiler unsers Clubs sein, wie sie auch mit ihren 118 Mitgliedern als die zahlreichste unter ihren Schwestern dasteht. Sie -hielt im Jahre 1866 ausser ihren freien Ver- Sammlungen sieben wohlbesuchte Sitzungen, in denen elf Referate und Abhandlungen vorgetragen wurden, worunter diejenige über die Bündnerischen Alpenstrassen besonders hervorgehoben wird.

Die ansehnliche Sektionsbibliothek wird sorgfältig geäufnet und erfreute sich zahlreicher Schenkungen durch Mitglieder, Freunde des Clubs und Buchhändler. Die Errichtung eines Asyls im Triftgebiet ist in Aussicht genommen, und dasjenige auf dem Mönchsjoch soll restaurirt werden. Aus dem Stillschweigen des Referates über die Einzelfahrten darf geschlossen werden, dass diese aus den gleichen Gründen wie anderwärts misslangen.

In raschem Aufblühen ist die Sektion Pilatus ( Präsident: Hr. Rektor Zähringer ) begriffen, indem sie bereits 45 Mitglieder zählt und in ihren regelmässigen Sitzungen die Vereinsaufgaben nach vielen Seiten hin pflegt. Ein einlässlicher Vortrag über Bildung und Bewegung der Gletscher bildete den Mittelpunkt wissenschaftlicher Erörterungen.

Von den projektirten gemeinsamen Exkursionen konnte bloss diejenige auf den aussichtreichen Hochstdüen ( 14. 15. Juli, Nachtquartier auf Melchseealp, 8 Theilnehmer ) ausgeführt werden. Die Einzeltouren bezogen sich auf Streifereien in den Walliseralpen, Galenstock ( taugliche Führer auf der Furka ), Sureneneck, Grosses Spannort und untergeordnetere Punkte. Das räthselhafte Verschwinden eines Herrn Iselin aus London gab zu genauen Nachforschungen am Pilatusstock Anlass, ohne indess zu irgend einem positiven Resultat zu führen.

Die Sektion beschäftigte sich endlich mit der Organisation des Führerwesens, hauptsächlich in IM und Unterwaiden.

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Von der Sektion Aargan ( Präsident: Herr A. Neuburger ) erfahren wir nur, dass auch sie in Folge der Ungunst des Jahres an dem allgemeinen « Non possumus » partizipirte. Sie ist allmählig 10 Mitglieder stark geworden. Solche kleine Vereine haben immer einen ungünstigen Stand; aber Aargau wird muthig ausharren, bis auch ihm die Stunde kräftigen Aufblühens schlägt.

An der Nordweststrecke unseres Vaterlandes entfaltet unter des trefflichen Herrn Prof. Rütimeyer's Auspizien die Sektion Basel, 73 Mann stark, ein äusserst rühriges und thatenliistiges Leben, und ihren Leistungen gebührt im Berichtsjahr der Kranz vor allen Schwestersektionen.

Für ihr häusliches Leben hat sie sich höchst bequem eingerichtet. In einem eigenen Clublokal pflegt sie sorgfältig ihre Sammlungen. Die Bibliothek ist bereits auf 650 Bände angewachsen und wird bald die topographische, geographische und naturwissenschaftliche Literatur über unsere Alpen vollständig vereinigt haben; eine reiche Sammlung von Kartenwerken, Einzelkarten und Panoramen schliesst sich an, und eine ausgewählte Mineralienkollektion illustrirt die geologische Struktur des Gebirges. Das « Vereinsalbum » überliefert die Züge der Clubgenossen in effigie der Nachwelt, und das Archiv nimmt die gehaltenen Vorträge auf, eine löbliche und nachahmenswerthe Sitte.

Ist man am heimischen Heerde so behaglich eingerichtet, so kehrt man auch um so häufiger und lieber daselbst ein. Die Sektion hält das ganze Jahr durch alle vierzehn Tage Sitzungen, an denen sich 20—40 Mitglieder betheiligen, um sich theils an kleinern Mittheilungen, theils an ganzen Serien wissenschaftlicher Vorträge, zu denen von sehr vielen Seiten Hand geboten wird, zu erbauen.

Von Sektionsausflügen wurde einer auf den Belchen ausgeführt; ein anderer, von der lieben Sommerheimat der

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Sektion, dem Maderanerthale, aus auf den Hüßstock wurde theilweise durch schlimmes Wetter vereitelt.

Trotz dieses Wetters aber führten die regenfesten Basler eine erstaunliche Anzahl Einzeltouren in allen Theilen des Hochgebirges aus, von denen wir nur folgende erwähnen: Hr. F. Hoffmann: Kleine und Grosse Windgelle, Grosses Scheerhorn; Hr. Stückelberger-Speiser: Tödi; Hr. Emil Burkhardt: Claridenhorn, Bristenstock, KeMengletscher, Thierberglimmi, Triftgletscher, Galenstock, Piß Mortiratsch, Diavolezza und Wetterhorn; Herr Viktor Haller: Hüßstock, Oberalpstock, Grosses Scheerhorn; Herr Lüscher-Stapf er: Sustenhorn und Tschingelgletscher; Herr Emil Bischoff: Triftgletscher, Galenstock, Strahlegg. Daran reihen sich noch eine Anzahl Touren Verschiedener im Oberengadin und Silvrettagebiet.

Im walliser Clubgebiet besuchte ( Anfangs Juli ) Herr Eduard Hoffmann, theilweise zum ersten Male, Mont Fort, Mont Pleureur, Mont Gelé und Serpentine; Hr. Frits Hoffmann-Merian: La Salle; die HH. Finninger, Maillard und Hoffmann-Burkhardt: Col de Cheillon, Durandgletscher und Pas de Chèvres; Hr. C. Oser-Paravidni: Pierre â vir, Col du Crêt, Glacier des Eculaies, Col de Biedmatten. Mehrere Andere streiften unternehmungslustig über verschiedene Cols und Gletscher, vergeblich wolkenfreie Gipfel suchend.

Herr Professor A. Müller widmete den Gebirgen des Maderaner- und Fellithales geognostische Untersuchungen, und, gleichsam um das clubistische Gemüth auch im Winter warm zu erhalten, wanderten die Herren Baillard und Kaufmann-Neukirch am 22. Januar über die Wengemalp.

Wir stimmen von Herzen dem Berichterstatter bei, wenn er sagt: « Die Sektion Basel hat auch in diesem

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Jahre sich mit Eifer an den Zwecken des Vereins betheiligt, und dabei nicht nur ihren Posten da, wo unser Vaterland sich nach Deutschland ausflacht, behauptet, sondern ihre Pionire so ziemlich in alle Theile der Alpen vom östlichen Graubünden bis zum westlichen Wallis ausgeschickt, und wenn wir schon die engen Grenzen unseres Kantons verlassen müssen, um die Zinnen der Alpen über den Jura blicken zu sehen, so lebt doch ihr Anblick und das dadurch so mächtig angeregte Gefühl, dass sie die Wurzeln auch unseres Bodens bilden, warm in unseren Herzen, und wir begrüssen das kommende Jahr in der Gewissheit, dass die Erschütterungen, welche im abgelaufenen diese Integrität bedrohten, jeweilen am Rhein so gut wie in den Alpen auf festen Schweizerboden stossen werden. »

Wir wünschen unsern Freunden am Rhein Glück nicht nur zu ihren schönen Erfolgen, sondern auch zu dem warm patriotischen Sinne, von dem sie getragen werden.

Die Sektion Uto wuchs im Laufe des Jahres von 53 auf 80 Mitglieder an. Der vielverdiente Clubveteran, Hr. Prof. M. Ulrich, legte nach seiner- Wahl zum Centralpräsidenten das Sektionsszepter nieder und wurde durch den bergkundigen Hrn. Siber-Gysi ersetzt.

Während des Winters hielt diese Sektion regelmässige Monatssitzungen, die durch die Betheiligung der zahlreichen wissenschaftlichen Kräfte, welche zur Verfügung stehen, besonderes Interesse gewannen. Neben verschiedenen Exkur-sionsschilderungen kamen « die Lebensmittelfrage mit Rücksicht auf Bergbesteigungen », die Höhenmessungen durch das Barometer, Natur- und Kulturgeschichtliches aus dem Maderanerthale, das System der neuen hypsometrischen Schweizerkarte zur Sprache und wiesen Hr. Müller- Wegmann seine trefflichen Panoramen und Hr. A. Heim seine naturgetreuen Reliefs vor.

Ueber bemerkenswerthe Einzelfahrten wird uns nichts berichtetdafür erfreute sich die Sektion an zwei wohlgelungenen gemeinschaftlichen Ausflügen auf den Irchel und auf den Booterberg ( Luzern ).

Weniger auf Sitzungen und Vorträge als auf praktische Leistungen und gemeinsame Exkursionen legt die Sektion Töcli, welcher fortwährend der unternehmende Hr. Landrath Häuser vorsteht, das Schwergewicht. Eine solche, Torwiegend mit dem Charakter einer Vergnügungstour war der Ausflug ( 15. Juli ) aus dem Sernfthale nach Alp Mühlibach und zwischen Magereu und Weissmeilen durch nach Flums. Eine ernstere Tour wurde am 22. Juli ausgeführt, die Besteigung des schönen Ortstockes vom Schönenbühl aus in direkt südlicher Richtung auf dem nächsten Wege über die nakte Felsschneide hinan. Die am 19. August begonnene Sektionsexkursion galt der wenig bekannten Berggruppe zwischen dem Hausstock und Kistenpass. Glücklich gelang noch die mühsame Ersteigung des Ruchi; aber dichter Nebel zwang sofort zur Heimkehr, welche auf schlimmen Pfaden über den Rücken des Haus- und Mättlistockes in 's Durnachthal hinunter genommen wurde. Den Glamern gebührt das Verdienst, dass sie der Erforschung der gewaltigen heimischen Gebirgsgruppen mit seltenem Eifer und energischer Ausdauer obliegen und sich auch die Instruktion ihrer Führer angelegen sein lassen.

Als Einzeltouren führte der unermüdliche Sektionspräsident aus: am 26. Juli Marsch auf der rechten Seite des Bifertengletschers bis zum Pi# Urlaun und Ersteigung desselben, am 28. Juli Besteigung der beiden Gipfel des

Wir erfahren zufällig vor Schluss des Referates, dass einzelne solche allerdings stattfanden. Hr. J. Jacot erstieg am 27. August den Gro»s-Lit%ner und am 7. September das Ver-stanklnhorn. beides bisher jungfräuliche Gipfel des Silvrettagebietes.

jPw Cristaüina, am 2. August Besteigung des Düssistockes und am 4. August des Scheerhorns, « alle diese Touren in Eegen, Nebel, Schnee oder Eis! »

Die Sektion ffliätia, hundert Mann stark, unter der Leitung des ausgezeichneten Bergkenners Hr. J. Coaz, vereinigte sich in ihren Sitzungen öfter mit der bündnerischen naturforschenden Gesellschaft, so dass beide Vereine, die ohnehin viele gemeinsame Mitglieder zählen, an geeigneten Vorträgen gemeinschaftlich partizipirten. Doch hat die Sektion schliesslich für gut erachtet, sich zu regelmässigen Einzelsitzungen zu entschliessen.

Ein projektirter Sektionsausflug in 's Silvrettagebiet wurde durch die Witterung vereitelt. Dagegen wurden von einzelnen Mitgliedern bemerkenswerthe Touren ausgeführt. Hr. Emil Hauser führte am 7. August die erste Ersteigung des Tinzenhorns, Hr. Flury Brosi mit Hrn. Jacot die des VerstanMahorns aus. Die Führer A. Flury und P. Jenni aus Pontresina bestiegen für sich am 18. Oktober die Sruors bei Pontresina und am 21. Oktobef die höchste Spitze des Mt. della üisgrazia, beides tvirMich erste Ersteigungen. Uebrigens glauben wir, dass unsere rhätischen Clubgenossen künftighin von der Ehre solcher ersten Besteigungen ihrer eigenen Gebirge den Löwenantheil nicht mehr wie letztes Jahr englischen und andern Clubisten gönnen werden.

Die Sektion St. Gallen endlich, die Central- und Festsektion des Jahres, hatte eine ziemlich geschäftsreiche Zeit. Sie wuchs auf 105 Mitglieder an, von denen in der Regel 20—25 den Sitzungen beiwohnten. In diesen wurden neben mannigfaltigen Schilderungen aus den Schweizerischen und Vorarlberger Alpen auch mehrere wissenschaftliche Vorträge gehalten, und zwrar über die Beschaffenheit des Erdinnern, über die Physik der Alten im Vergleich mit

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der modernen Physik, über die hypsometrischen Verhältnisse der Erdrinde.

Von den kleinern Sonntagsaiisflügen erwähnen wir denjenigen auf das Hörnli, der trotz des heftigen Fön's für die Theilnehmer genussreich war. In die Schneeregion verirrten sich dagegen nicht viele Mitglieder. Der allbe-währte Clubist Hr. J. J. Weilenmann passirte am 21. Juli im Exkursionsgebiete den Col de Crête sèche, überstieg an der Südgrenze den neuen Gletscherpass zwischen Trouma des Boucs und la Ciardonnay und erstieg den Bec Epicoun zum ersten Mal; am 23. Juli folgte die Besteigung der Pte. d' Otemma; weitere Touren verhinderte die Witterung. Hr. Dr. Schlüpf er gewann am 16. Juli von der Vareinaalp aus den jungfräulichen Gipfel des höchsten Plattenhorns im Silvrettagebiet, und das Präsidium bestieg am 15. Juli mit Hrn. Dr. König von Hätzingen den Tö'äi.

T)ie Vorbereitungen zum Jahresfeste brachten die Sektion in freudige Bewegung, und es darf bemerkt werden, dass von allen Seiten der hingehendste Wetteifer sich regte, um den schweizerischen Freunden einen herzlichen und festlichen Empfang zu bereiten.

III. Die Jahresversammlung.

Samstags den 1. September fanden zuerst die ausserordentliche und dann die ordentliche Sitzung der Abgeordnetenversammlung in Anwesenheit von 21 Delegirten in St. Gallen statt.

Die ausserordentliche Sitzung wurde ausschliesslich von der einlässlichen Berathung des vom Centralcomite vorgelegten Statutenentwurfes in Anspruch genommen, der dann auch mit geringen Modifikationen zur Vorlage an die Generalversammlung genehmigt wurde.

Die ordentliche Sitzung behandelte zunächst die Jahresrechnung. Es wies dieselbe ein sehr günstiges Resultat auf, obgleich die Erstellung der Exkursionskarte mit Fr. 918. 85 ein verhältnissmässig sehr ansehnliches Opfer erfordert hatte. Mit Einschluss des letztjährigen Cassasaldos von Fr. 3202. 40 betrugen die Einnahmen...... Fr. 7189. 75.

die Ausgaben » 1938. 45

somit das Vereinsvermögen Fr. 5251. 30, und der diessjährige Vorschlag.... » 2048. 90. Auf Antrag der Rechnungsrevisoren ( Berichterstatter Hr. Bezirkschulrath Nägeli ) genehmigte die Versammlung die Rechnung und verdankte sie dem Centralcassier, Hr. Georg Sand.

Ebenso wurden die Anträge des Centralcomités, für 1867 keine neuen Exkursionsgebiete zu bestimmen, sondern die diessj ährigen, in welchen wegen der schlimmen Witterung nicht viel gearbeitet werden konnte, beizubehalten, dagegen jetzt schon für das Jahr 1868 den Gebietsabschnitt vom Col de Colon bis zum St. Theodulpasse als Exkursionsgebiet zu bestimmen, einstimmig angenommen. Es dürfte sich auch für die Zukunft empfehlen, die Gebiete je zwei Jahre vorher festzusetzen, damit für Erstellung der Karten und Itinerarien hinlänglich Musse gewonnen werde. Ferner wurde beschlossen, der Generalversammlung als nächstjährigen Festort Luzern und als fernem Sitz des Centralcomités St. Gallen vorzuschlagen, und die Rechnungskommission aus den Herren Direktor Hoffmann-Merian von Basel und Apotheker Lindt von Bern bestellt.

Letzterer theilte hierauf den Bericht und die Rechnung des bisherigen Redaktionscomités mit, worauf die Fragen ventilirt wurden, ob es nicht zweckmässig sei, den nächsten Band des Jahrbuches erst im Frühling 1868 erscheinen zu lassen und den Preis desselben mittelst Reduktion des Textes und Vereinfachung der artistischen Ausstattung zu ermässigen.

Die Versammlung beschloss, auf letztern Punkt nicht einzutreten und die definitive Entscheidung über erstem, obwohl sie damit einverstanden war, dem Redaktionscomité zu überlassen. Dieses wurde aus den bisherigen Mitgliedern für eine neue Amtsdauer von drei Jahren bestätigt; auf Antrag des Präsidiums wurde ihm der Dank des Clubs für seine ausgezeichneten Leistungen einstimmig durch Aufstehen ausgesprochen und ihm künftighin ausser seinen Spesen ein Honorar von Fr. 1000 per Band zur Verfügung gestellt.

Schliesslich referirte der letztjährige Centralpräsident Herr Coaz über die in Chur angeregte Publikation der eidgen. topographischen Originalaufnahmen des schweizerischen Gebirgslandes im'/soooo Massstab und beantragte. dass sich der Alpenclub zu diesem Zwecke mit sämmtlichen hiefür sich interessirenden Vereinen verbinden solle, die Bundesversammlung um Ausführung dieser Arbeit anzugehen. Der Antrag wurde gutgeheissen.

Abends vereinigten sich sämmtliche bereits eingetroffenen Festgäste zu einem freundschaftlichen Rendez-vous im Saale « zum Antlitz ».

Sonntags den 2. September besichtigten die Clubisten zunächst das grosse, im Auftrage der Regierung gefertigte Schöll'sche Relief des Kantons St. Gallen und versammelten sich dann um 11 Uhr, 105 Mann stark, im Grossrathssaale zur IV. ordentlichen Generalversammlung. Eine grosse Anzahl von Zuhörern und ein Kranz von Damen hielt die Tribüne besetzt.

Der Centralpräsident eröffnete die Sitzung mit einem Grusse an die Clubgenossen, referirte dann über die Thätigkeit des Centralcomités und schilderte schliesslich die Aufgabe und Bedeutung des Vereins.

Nach Mittheilung der Jahresrechnung und Annahme der Anträge der Abgeordnetenversammlung in Bezug auf das Exkui'sionsgebiet hielt Herr Dr. Simmler von Muri einen interessanten freien Vortrag über die Gletscherperiode und die klimatischen Veränderungen unseres Landes.

Der fernere Antrag der Abgeordnetenversammlung über den nächstjährigen Festort wurde ebenfalls gutgeheissen, und Herr Rektor Zähringer in Luzern als Festpräsident bezeichnet; dagegen der Antrag, St. Gallen weiterhin als Sitz des Centralcomités beizubehalten, nachdem sich diese Sektion dagegen erklärt hatte, mit Mehrheit abgelehnt, und auf Antrag des Vorsitzenden Zürich als Vorort, und Herr Professor Melchior Ulrich als Centralpräsident gewählt.

Die neuen Statuten gelangten zur Vorlage und wurden mit grösser Majorität en bloc angenommen.

Herr Pasteur Freundler von Genf hielt einen anziehenden französischen Vortrag über die Wünschbarkeit, das Vorkommen der erratischen Gesteine im ganzen Umfang der Schweiz möglichst sicher zu constatiren, und berichtete über die Methode seiner Sektion, die bedeutendem Gebirgs-besteigungen zu registriren.

Herr Direktor Szadrowsky von Chur referirte Namens des letztjährigen Centralcomités über die Collekte zu Gunsten der Hinterlassenen des verunglückten Unterwaldner Führers E. Imfanger, und es wurde beschlossen, die eingegangenen Fr. 1113 zu kapitalisiren, wie es die Sektion Basel mit ihrem Separatbeitrag von Fr. 800 bereits gethan hat, um den Fond später für die Erziehung und Ausbildung der Kinder zu verwenden.

Hr. Rathsherr Finninger von Basel beantragte schliesslich den Druck der Eröffnungsrede, und die Versammlung stimmte bei.

Um 2 Uhr begaben sich die Mitglieder und Ehrengäste zum Bankett im Museum. Der sehr reich und geschmackvoll dekorirte Saal gewährte einen überraschenden Anblick. Zu beiden Seiten der Flügelthüren erhoben sich mächtige Gruppen, von denen die eine, naturgetreu von Hrn. A. Scholl modellirt, Jungfrau, Mönch und Eiger, die andere eine mit Alpenrosen und Legföhren garnirte Felspartie darstellte, welche von der Fuchshöhle bis zur Geier-klippe hinan ein malerisches Bild der gesammten alpinen Thierwelt in Familiengruppen und Einzelstellungen darbot. Diesen gegenüber stellten drei grosse Transparentbilder von Herrn E. Rittmeyer Ansichten des Säntisstockes dar, und die Wände ringsum schmückten die 22 Kantonswappen, einzelne Thier- und Pflanzengrappen, Panoramen und historische Touristenbilder seit Saussure's Zeit. Unter heitern und ernsten Tischreden in Prosa und Versen und in beiden Zungen entflohen die glücklichen Stunden, und jubelnd wurde das Geschenk eines [ungenannten st. gallischen Clubisten, ein geschmackvoller Silberpokal, aufgenommen, der sofort rheinweingefüllt durch die fröhlichen Reihen kreiste.

Dann wallfahrtete die Gesellschaft auf den aussichtsreichen Freuäenberg, wo bei einbrechendem Dunkel die Feuersäule der Appenzeller von der Säntisspitze herüber-grüsste, und bei traulichem Gespräche und hübschem Feuer-werke verfloss der schöne Abend.

Der folgende Tag, zu einem gemeinsamen Ausflug auf den Hohenkasten bestimmt, brach mit schwarzem Gewölk und heftigem Winde an; doch muthig setzte sich gegen 6 Uhr die 80 Mann starke Colonne in Bewegung und rollte, bald begrüsst von der siegreich gewordenen Morgensonne, in langer Wagenreihe durch das schmucke Teufen, Bühler und Appenzell nach dem heimeligen Weissbad, wo gefrühstückt und dann mit veränderter Direktion nach dem in

luftiger Felsennische thronenden Wüdkirchli aufgebrochen wurde. Mörserschüsse auf den Höhen und im Thal verkündeten den grauen Berghäuptern den Besuch ihrer Freunde. Nach einem Blick auf den grünen Seealpsee hinunter drang die Schaar unter malerischer Fackelheleuchtung in die Tiefe der gewaltigen Felshöhle, deren Trümmer noch die zahlreichen Reste vorgeschichtlicher Höhlenbären bedecken, und tauchte durch die obere Pforte wieder auf, um sich auf der sonnigen Ebenalp zu lagern und über die benachbarten Felsenkanzeln zu schweifen. Das eigenthümliche Gebirgsbild dieses Ausfluges weckte fröhlichen Genuss in allen Gemüthern, bis die ersten Nachmittagsstunden zur Rückkehr mahnten. Ein frugales Mittagsmahl erwartete nach 2 Uhr im Weissbad die Gäste in der glücklichsten Stimmung. Beim Perlen des feurigen Sassella wogten frohe Gesänge, humoristische Vorträge und herzliche Toaste durch die lebhaft bewegte Tafelrunde und erreichten ihren Höhepunkt, als in jugendlicher Begeisterung die Festgenossen vom Leman die innige patriotische Verbrüderung des schweizerischen Ostens und Westens feierten. Der milde Abend, der rings die herrlichen Bergformen mit strahlendem Purpur übergoss, führte die Freunde nach der Feststadt zurück, und ein Trüpplein auserkoren Standhafter schwelgte noch bis in die tiefe Nacht hinein im Antlitzsaale in den Nachgenüssen des Tages.

Wir schliessen damit unsere Jahreschronik, in getroster Hoffnung, dass unserm Verein, der so schöne Ziele, so herrliche Kräfte, so treue Gemüther umschliesst, auch eine reiche Zukunft sicher ist.

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