Das Bleibergwerk Goppistein im Lötschthal

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Es ist bekannt, daß der Bergbau bis vor nicht so langer Zeit im Wallis ziemlich entwickelt war und der Mineralreichtum daselbst in den verschiedenen Gruben mit mehr oder weniger Erfolg ausgebeutet worden ist. Wir nennen vor allem aus die verschiedenartigen Erzlager in dem sowohl in geologischer als besonders in bergmännischer Beziehung höchst interessanten Eifischthal, wo Gruben und Erzgänge von silberhaltigem Bleiglanz, Fahlerz, ferner von Kupferkies, Nickel und Kobalterz, Arsenik-kies, Weißnickel mit gediegenem Wismut besonders in den fünfziger und sechziger Jahren mit bedeutendem Erfolg im Betrieb waren und deren Erze damals in Siders verhüttet worden sind. Ferner wurden bis vor 1857 derbe Massen von Magneteisenstein am Berge Chemin bei Martigny gebrochen und mit Chamosit von Chamoson im Hochofen von Ardon zu Eisen verschmolzen. Auch Anthracitlager sind im Wallis noch im Betrieb, so südlich von der Rhone, wo gegenwärtig zu Chandoline, Brämis und Grône jährlich bis 2500 Tonnen gewonnen werden. Vor kurzer Zeit sollen laut eingezogenen Erkundigungen im Hintergrund des Turtmann-thales in einer beträchtlichen Höhe Schürfversuche auf Weißnickelkies mit Erfolg vorgenommen worden sein, so daß es den Anschein hat, als ob die unserm Lande durch eine gefährliche Konkurrenz fast fremd gewordene Bergindustrie wieder an Ausdehnung gewinnen sollte.

Anläßlich eines photographischen Streifzuges nach Gastern besuchten vor einiger Zeit mehrere Mitglieder der Sektion Biel das an verborgenen Reizen so reiche Lötschthal, aus welchem beifolgend eine Illustrationsprobe im Jahrbuch Platz finden mag. Wir bringen hier nämlich das Bild des ehemaligen Bleibergwerkes Goppistein, etwa eine Stunde unterhalb Ferden, im untern Teil des hier schluchtartig verengten und von der reißenden Lonza durchströmten Lötschthales. Über das leider seit einiger Zeit schon eingegangene Bleibergwerk Goppistein mögen folgende Mitteilungen den nötigen Aufschluß geben.

Der erzführende Gang befindet sich am Rothenberg auf der linken Thalseite in einer Höhe von 1940 m und ungefähr 900 m über Goppistein gelegen. Die Gangart besteht aus Quarz mit eingesprengtem, feinkörnigem, silberhaltigem Bleiglanz. Der Erzgang ist meistens in 2 bis 3 Adern geteilt, seltener zu einer einzigen vereinigt, die bis 1 Meter und darüber Mächtigkeit erreicht. Der Abbau fand in fünf je etwa 30 m fast senkrecht übereinander liegenden Stollen statt, die wiederum durch Schächte miteinander in Verbindung stehen. Durch diese Schächte wurden die gebrochenen Erzstücke in den untersten Stollen geworfen und von hier mittelst des Hundes vor das nahe Steigerhaus, die frühere Knappen-wohnung, geführt, wo sie von Hand gröblich gepocht und die Gangart möglichst entfernt wurde.Vom Steigerhaus weg wurde das Erz durch eine etwa 1200 m lange, sehr steile, gußeiserne Röhrenleitung nach dem tief unten an der schäumenden Lonza gelegenen Poch- und Schlämm-werk Goppistein hinab gefördert, das mit seinen stattlichen Gebäuden sowie der kleinen Kapelle den von Gampel hinaufkommenden Wanderer durch seine Verlassenheit in dieser wilden, rauhen Gegend eigentümlich anmutet. Hier wurden die Erze durch ein aus zehn Stößern bestehendes Pochwerk zu einem groben Pulver, Schlick, zerstoßen und dieser durch einen rationellen Schlämmprozeß, zu welchem Zweck das Wasser der nahen Lonza zugeleitet wurde, von der noch anhaftenden Gangart befreit. Der auf diese Weise gereinigte Schlick wurde nach dem am Ausgang des Thales oberhalb Gampel gelegenen Schmelzofen Steg geführt und dort auf Blei sowie auf Silber verarbeitet. Wenn auch der Bleiglanz vom Rothenberg nicht gerade reich an Silber ist, so sollen doch jährlich außer 300 Tonnen Werkblei noch 140 Kilo reines Silber gewonnen worden sein.

Der Ruin dieser mit erheblichen Geldmitteln ausgeführten Anlagen ist, wie Fellenberg im Jahrbuch VIII, pag. 214, schon beim damaligen Eingehen des Etablissementes ganz richtig bemerkt hat, nicht dem Mangel an bauwürdigen Erzen zuzuschreiben, deren zur Stunde noch große Haufen vor dem Hauptstollen liegen, sondern vielmehr der Unkenntnis und dem Leichtsinn der mit dem Betrieb betrauten Persönlichkeiten, unter denen der letzte Direktor, wie man uns in Gampel versicherte, sich verschiedene Unredlichkeiten hat zu schulden kommen lassen und zuletzt noch mit dem erheblichen Erlös durchgegangen ist.

Dr. A. Bühler ( Sektion Biel ).

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