Das Gadmental

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Mit 1 Bild ( 82Von Fritz Jaeger

( Basel )

Das Gadmental, ein rechtes Nebental des Haslitals, liegt in den Berner Hochalpen und ist von vergletscherten Hochgipfeln umschlossen, so dass es eine scharf individualisierte Landschaft und Talschaft bildet. Im N überragt die Kalkwand der Gadmer Flühe das Tal, die sich bis zur Südwand des Titlis fortsetzt, im 0 die vergletscherten Fünffingerstöcke, im S die nördlichen Ausläufer des mächtigen Massivs des Dammastockes, das die europäische Hauptwasserscheide gegen Rhone-Mittelmeer trägt. Von ihm reichen ausser kleineren Kargletschern der Steingletscher und der Triftgletscher in unser Talgebiet. Vom oberen Ende des Gadmentals führt der Sustenpass ( 2262 m ) durchs Meiental zum Reusstal und somit zum Gotthard. Das Gadmental bildet daher die nächste Verbindung zwischen Bern und dem Gotthard.

Während der Sustenpass immerhin eine starke Schranke bildet, ist das Gadmental über eine etwa 120 m hohe Mündungsstufe gut zugänglich, besonders da diese Stufe nicht nur durch die Engschlucht des Gadmerwassers gesperrt, sondern daneben durch eine glazial ausgeschliffene Talfurche leicht überschreitbar ist. Daher gehen die natürlichen Verbindungen des Gadmentals nach dem Haslital und weiter nach Bern, und es gehört politisch zum Bezirk Oberhasli und zum Kanton Bern.

I. Wanderung von Innertkirchen nach dem Sustenpass Wenn man von Bern kommend den prächtigen Thuner und Brienzer See hinter sich gelassen und im weiten Aaretal Meiringen erreicht hat, ist das Aaretal durch den Felsriegel des Kirchet abgeschlossen. Diesen überschreitet man entweder auf der Strasse im Walde oder im engen Felsspalt der Aareschlucht und gelangt dann in das weite Becken von Innertkirchen. Hier vereinigen sich drei grosse Täler, die von den vergletscherten Höhen der Berner Alpen kommen. Das von der Aare durchströmte Haslital ist das Haupttal. Ihm geht von links das Urbachtal, von rechts das vom Sustenpass kommende Gadmental zu. Der Zusammenfluss dreier eiszeitlicher Gletscher ist wohl der Grund, weshalb hier das jetzt mit Schwemmland eben ausgefüllte Becken ausgeräumt wurde.

Ein Überblick etwa von den Kehren der Strasse am Kirchetriegel aus lässt erkennen, dass wir uns am Nordrand des Aaremassivs befinden. Die Berge des Haslitals oberhalb Innertkirchen bestehen von unten bis zu ihren von Karen gegliederten Zacken aus kristallinem Gestein, meist Granit oder Orthogneis. Nördlich des Urbach- und des Gadmentals aber folgen die gewaltigen Kalkwände der Engelhörner und der Gadmenflühe, die hauptsächlich aus Die Arbeit ist ein grossenteils gemeinsam verfasstes Ergebnis einer geographischen Arbeitsgemeinschaft, die ich im Juli 1944 leitete und an der Privatdozent Dr. W. Staub, Bern, Dr. P. Wirth, Nennigkofen, und die Basler Studierenden der Geographie Jenny, Studer und Zoller teilnahmen.Prof. Dr. Fritz Jaeger, Basel Die Alpen - 1945 - Les Alpes25 nordwärts fallendem Malmkalk des autochthonen Sedimentmantels desMassivs bestehen. Unter dem Malm tritt bei Innertkirchen der Triasdolomit hervor, über ihm bilden Kalke der Kreide den Riegel des Kirchet. Der Kalk des Sedimentmantels ist in keilförmigen Falten in das kristalline Grundgebirge eingequetscht, die beiderseits der Aare am Pfaffenkopf und am Laubstock mächtige Felswände am Berghang bilden, der darunter und darüber aus Granitgneisen besteht. Am Pfaffenkopf bildet ein durch Verwitterung abgetrennter Turm des Kalkfelsbandes den Talwächter zum Gadmental. Das Gadmental und das untere Urbachtal verlaufen in der Streichrichtung und haben sich offenbar an der Gesteinsgrenze zwischen dem Kristallin und dem Sedimentmantel gebildet und dann tiefer in den Granit eingeschnitten.

Verschiedene waagrechte Terrassen an den Hängen rings um das Innertkirchener Becken können bei der starken Neigung des Gesteins nur als Reste alter Talböden gedeutet werden. Sie tragen kleine Weiler oder Alpsiedelungen: rechts der Aare Äppigen, 672 m, der Rücken zwischen Gadmerwasser und Sustenstrasse 660 bis 680 m, der Waldkopf über Bottigen 780 m, Älauenen 900 m. Links der Aare Geissholz 786 m, Allenschwendi 1000 m, Unterstock 860 bis 900 m.

Der Kern von Innertkirchen, der Ortsteil Hof, liegt als ausgesprochene Verkehrssiedelung da, wo von der Aarebrücke ( 622 m ) die Sustenstrasse anzusteigen beginnt. Die Regulierung der Aare hat aber die Talaue vor Überschwemmungen gesichert und erlaubt, dass sich der Ort auch « im Grund » ausdehnt.

Wir steigen nun das Gadmental hinauf, meistens der kunstvoll gebauten, 7 m breiten, neuen Strasse folgend, manchmal auch deren weitausgezogene Kehren auf den Windungen des alten Strässchens abschneidend. Das Tal beginnt mit einer Mündungsstufe, dem Anstieg nach Wiler. Es fällt uns auf, dass da, wo die Strasse in flacher Wiesenmulde nach Wiler führt, gar kein Bach aus dem grossen Tal herauskommt. Das Gadmerwasser verläuft vielmehr weiter nördlich, nicht in der vom eiszeitlichen Gletscher in Rundbuckeln ausgeschliffenen Talsohle, sondern es hat eine felsige Schlucht im Berghang der rechten Seite eingeschnitten, dessen unterster Teil sich von der linken Oberkante der Schlucht nach S zur Talsohle neigt. Wie ist es möglich, dass der Bach hier nicht der gegebenen Tiefenrinne folgt? Moränenblöcke auf dem die Strasse von der Schlucht trennenden Rücken deuten die Erklärung an: als das Gletscherende hier noch die Talsohle einnahm, musste ein Bach zwischen dem Bergkamm und der Randmoräne entstehen, der sich hier so tief einschneiden konnte, dass nach dem Zurückweichen des Gletschers der Hauptbach ihm folgte. Das Dörfchen Wiler liegt auf flachem Talboden, der hier vom Fluss benutzt wird, zwischen Wiesen, Äckern und Obstbäumen, darunter auch Nussbäumen. Die Schlucht beginnt unmittelbar unterhalb. Beiderseits steigen die Waldhänge empor, am Pfaffenkopf gekrönt von den Felswänden der Kalkkeile. Über diesen steigt der Berg im Kristallin wieder sanfter an.

Bei Wiler ist die unterste Talstufe überwunden, der Talboden steigt nun über 5 km weit sanft an bis hinter Nessenthai ( Einmündung des Trift- wassers, 925 m ), doch hat sich der Fluss oberhalb Wiler noch etwas in den glazialen Talboden eingesägt.

Das Gadmental ist ein vom eiszeitlichen Gletscher ausgeschliffenes, in Stufen ansteigendes Trogtal. Aus der muldenartigen Sohle steigen die steilen, bewaldeten Trogwände 400 bis 600 m hoch an, darüber folgen auf sanfter geböschten Trogschultern Alpweiden, die zu den Felskämmen der Höhe ansteigen. Aber das Waldkleid ist immer wieder unterbrochen von Lawinenbahnen, die mit Erlengebüsch bewachsen sind, und von Wildbachrunsen, deren manchmal ganz trockene Betten durch Steingeröll die Arbeit des Wildbachs anzeigen. Die Hauptlawinenbahnen fallen mit denen der Wildbäche zusammen, doch laufen im Wald noch manche baumfreie Stellen, die von Lawinen herrühren, geradlinig den Hang herab. Am Ende der Wildbäche und Lawinen breiten sich oft mächtige Schuttkegel im Talboden aus, so dass dieser überwiegend durch Schuttkegel gebildet wird und nur an wenigen Stellen für eine ebene Talaue Raum bleibt. Daher liegen auch die Tal-siedelungen auf den Schuttkegeln. Sie müssen aber die Hauptbahnen der Lawinen und der Wildbäche meiden, die sich oft durch frische Geröllstreifen auf den sonst bewachsenen Schuttkegeln zu erkennen geben.

Infolge seines geologischen Baues zeigt das Gadmental eine grossartige Asymmetrie der Landschaft. Auf der rechten Talseite, der Sonnenseite, sind die Alpweiden überragt von der gewaltigen Kalkfelswand des Sedimentmantels, die sich, mit geringer Unterbrechung durch das Kleingletscherli, von den Gadmer Flühen bis in die Südwand des Titlis erstreckt und im Mähren ( 2971 m ) die eindrucksvolle Höhe von 1000 m erreicht. An diesen Felswänden gibt es keine Gletscher, höchstens kleine Schneeleistchen. Auf der Schattenseite aber, im Granit, steigen die Alpweiden sanfter zu Zacken und Graten an, zwischen denen Kare bescheidene Gletscherlein tragen.

Dem Tale aufwärts folgend kommen wir bald an die Mündung des Gen-tales, des rechtsseitigen Nebentales, das vom Jochpass und vom Engstlensee herkommt. In enger Schlucht überwindet der Bach die hohe Mündungsstufe, so dass man keinen Einblick ins Gental gewinnt. Etwas oberhalb der Mündung zweigt die Strasse nach dem Gental ab, die in grossen Kehren die Steilstufe überwindet. An der Abzweigung liegt ein Pflanzgarten der Forstverwaltung.

Von da wird der Talboden breiter und trägt die Siedlungen Hopflauenen und Nessenthai. Kartoffeläcker sind zwischen den Wiesen zerstreut, Apfelbäume stehen bei den Ortschaften. An den unteren Hängen fallen Terrassen auf, die meist kleine Siedelungen tragen, so am Nordhang Staldi, am Südhang Äbnet. Nach Überschreitung eines kleinen bewaldeten Riegels, den die alte Strasse auf der Nordseite, die neue auf der Südseite im Bachtal überschreitet, kommen wir nach Nessenthai, der Hauptsiedelung des unteren Talstückes. Von Süden schiebt sich der besonders mächtige Schuttkegel des Fürschlachtgrabens in den Talboden. Gegenüber mündet in enger steiler Schlucht das Gadmerwasser, während der Haupttalboden sich längs des Triftwassers, des von Süden kommenden Nebenflusses, bis Bidmi fortsetzt, wo eine steile Stufe ihn abschliesst. Die alte Strasse steigt in vielen Windungen über diese etwa 150 m hohe Stufe nach Schaftelen und zum Talboden von Gadmen an, die neue windet sich am nördlichen Hang empor und gewährt schönen Einblick in die gewaltige postglaziale Engschlucht des Triftwassers, durch die dieser Fluss die Mündungsstufe seines Tales überwindet und bei Bidmi den genannten Talboden erreicht. Nach der Topographie sollte man erwarten, dass das Gadmenwasser über die Stufe bei Schaftelen nach Bidmi herabstürzte, statt dessen biegt das Flüsschen nach N aus und erreicht erst weiter westlich den Talboden von Nessenthai. Auch sein Lauf ist dadurch zu erklären, dass er als Gletscherrandfluss enstanden ist, als der Triftgletscher noch bis oberhalb Nessenthai reichte, während der Gadmengletscher sich schon weiter zurückgezogen hatte. Gletscherschliffe und Rundhöcker zeigen überall die Überformung durch Gletscher an.

Oberhalb der Stufe von Schaftelen und der Engschlucht des Gadmerwassers folgt der breite, fast ganz von Schuttkegeln der beiderseitigen Hänge eingenommene Talboden von Gadmen, der ganz sanft von 1130 bis 1230 m ansteigt, mit den Dörfchen Fuhren, Gadmen und Obermaad.

Die Haupthäuserreihe von Fuhren drückt sich, um vor der Fluhlaui geschützt zu sein, hart an die vom Fuhrenwald bedeckte Talwand; Obermaad liegt im Schutze eines Felskopfes, auch Gadmen und kleinere Häusergruppen suchen eine möglichst lawinengeschützte Lage aus, obwohl sie auf den Schuttkegeln der Wildbäche und Lawinen liegen müssen, da kein anderer Raum vorhanden ist. Das Kirchlein von Gadmen steht auf einem Berg-sturzhügel, und der Ortsteil Mühleschlucht lehnt sich an diesen Hügel an, dessen grosse Felsblöcke — Rundhöcker fehlen völlig — den Bergsturz erkennen lassen.

Zwischen dem Wiesland sind kleine Kartoffeläcker zerstreut. Obstbäume gibt es hier fast nur noch in Spalierform an Hauswänden. Die Gärten zeigen noch mancherlei Gemüse, Rhabarber, Johannisbeeren und einen Blumenflor. Zwischen Fuhren und Gadmen reicht ein Ahornwäldchen auf die Talsohle, an den unteren Hängen findet sich oft noch gemischter Wald, darüber nur Fichtenwald. Gar eindrucksvoll sind von hier die mächtigen Wände der Gadmer Flühe. Wenn man im Sommer die freundlichen Dörfchen sieht, denkt man kaum, wie schwer es die Leute im Winter haben, wenn sie durch den Schnee wochenlang von jeder Zufuhr abgesperrt sind.

Am oberen Ende des Talbodens von Gadmen mündet von der rechten Seite das Wendenwasser ein, dessen Tal das Haupttal in der Streichrichtung am Fuss der nördlichen Steilwände fortsetzt. Der Talboden der Wendenalp liegt 400 m über dem Gadmentalboden, aber der Bach hat sich in die stark glazial bearbeitete Mündungsstufe nur massig eingeschnitten. Das Haupttal verläuft hier in östlicher Richtung ( 0 8° S ) zum Sustenpass. Es steigt in einer gegen 600 m hohen, vom Gadmerwasser in gewundener Engschlucht zerschnittenen Stufe zu dem in 1800 bis 1900 m liegenden Talboden der Steinalp an. Die Stufe steigt allerdings in zwei Absätzen an, da bei der Alp Feldmoos sich ein kleiner flacher Talbodenrest befindet. Wir folgen teils der neuen Strasse mit ihren Hochbrücken und Tunnels, teils schneiden wir ihre weiten Kehren auf den steileren Windungen der alten Strasse ab. An vielen Stellen bieten sich aus dem Fichtenwald prächtige Ausblicke aufs Tal mit seinen Wiesen und freundlichen Dörfchen, auf die bewaldeten Talwände mit ihren Lawinenrunsen und Schuttkegeln und auf die gewaltige, durch senkrechte Klüfte und Nischen und waagrechte Schichtleisten etwas gegliederte Felswand, die den nördlichen Talhang krönt. Oben am südlichen Hang zeigt der Gigligletscher einen doppelten Moränenkranz von seiner früher etwas grösseren Ausdehnung. Die Schliffgrenze des eiszeitlichen Gadmental-gletschers lässt sich an den Gratvorsprüngen dieses Hanges in etwa 2150 m erkennen, während sie an den Nordwänden durch deren Rückwitterung völlig verwischt ist.

Die grosse Talstufe erscheint von unten in Form von zwei oder drei hintereinander gestaffelten bewaldeten Hügeln, die sich aus dem Tal erheben und es ausfüllen, aber von den Talwänden durch Einschnitte getrennt sind. Aus der Nähe zeigen sich prächtige Gletscherschliffe und Rundbuckel. Auch die sie trennenden Talzweige sind tief hinab geschliffen. Nur ihre untersten Hänge sind steile, ungeschliffene Felswände der vom Fluss nachträglich ein-genagten Schlucht, deren Tiefe wenige Meter bis vielleicht 100 m beträgt. Besonders oberhalb der Vorbettlilaui hat der Bach eine tiefe Klamm, durch die er zum Teil in Wasserfällen hinabbraust.

Diese Tatsachen beweisen, dass die Stufe nicht erst nach dem Rückzug des Gletschers zerschnitten worden ist. Der Formenschatz erklärt sich am einfachsten durch die Annahme, dass unter dem Gletscher seine Schmelzwasserbäche verschiedene Rinnen einschnitten und dadurch die Hügel voneinander und von den Talwänden abtrennten. Der Gletscher musste sofort in diese Einschnitte eindringen und sie ausschleifen. Die geringe Tiefe der Taleinschnitte zwischen den Hügeln spricht dagegen, dass etwa Flusstäler einer Interglazialzeit durch den Gletscher ausgeschliffen wurden. Gegen eine rein glaziale Bildung der Hügel als grosse Rundhöcker spricht ihre zu grosse Steilheit, besonders auf der Stoßseite des Gletschers, die gewöhnlich sanft anzusteigen pflegt.

Hinter dem Bäreggfelsband ist die Steilstufe überwunden. Es folgt wieder eine flache Talstrecke, die allerdings zunächst noch zu Rundbuckeln zerschnitten ist. Beim Hotel Steingletscher treffen wir heute ein ganzes Barackendorf für die Bauarbeiter der Sustenstrasse. Ein zweites folgt oben nahe der Passhöhe, denn zwischen Stein und der Passhöhe ist die Strasse noch im Bau. Die Arbeiten an der in mehreren Kehren übereinander ansteigenden neuen Strasse gefährden den alten Saumweg durch Steinschlag, so dass der Fusswanderer etwas weiter südlich durch das Moränengelände unterm Steingletscher gehen muss.

Da bietet sich von einem Endmoränenhügel ( ca. 2000 m ) ein prächtiger Überblick über die Gletscherwelt der südlichen Talhänge.Von den Firnfeldern des Sustenhorns ( 3512 m ), des Gwächtenhorns ( 3428 m ), des mittleren und vorderen Tierberges ( 3343 und 3091 m ) und des Giglistockes ( 2900 m ) kommen drei Gletscherzungen herab, der Steingletscher, ein unbenannter linker Ab-zweiger dieses Gletschers und der Steinlimmigletscher, die sich ursprünglich am heutigen Ende des Steingletschers vereinigten. Das dürfte nach dem bis fast ans Hotel Steingletscher ( 1866 m ) reichenden frischen Moränenkranz noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts der Fall gewesen sein.

Der grösste und eindrucksvollste dieser Gletscher ist der Steingletscher. Sein vom Sustenhorn nach W hinabziehender Firn bricht über der nordwestlichen Felswand des Sustenhorns in senkrechter Wand ab, von der die Eisstücke über die Felswand herabstürzen und unten wieder die Gletscherzunge speisen. Am Fuss dieser Felswand entlang ziehend, hat der Steingletscher zwei Gletscherstürze mit starker Spaltenbildung, die durch eine sehr flache Strecke getrennt sind. Der unterste Teil der Gletscherzunge ist ebenfalls flach. An der rechten Seite am Fuss der genannten Felswand wächst ein Moränenwall aus dem Gletscher hervor, der das unterliegende Eis vor dem Abschmelzen schützt. Im untern Teil dieses Walles, wo man nichts als Steine sieht und einen völlig toten Moränenwall vor sich zu haben glaubt, beweisen tiefe Spalten, in denen das Eis sichtbar wird, und ein Dolinenloch mit kreisförmigem, von Eiswänden umgebenen See, dass auch hier der Gletscher noch aktiv ist. Höchstens zu allerunterst mag ein Stück völlig abgetrenntes Toteis den Kern der Moräne bilden. Die linke Seite des Gletscherendes, die nicht durch Moräne vor Abschmelzung geschützt ist, liegt wesentlich tiefer. Der Gletscher endet hier so flach, dass ein Teich das Ende bedeckt, aus dem die Ränder von Gletschereisschollen aufragen. Vom untern Gletscherbruch an beginnt die Randmoräne, die wohl dem Hochstand der 1820er Jahre entspricht, sich über den Gletscher zu erheben. Die steile, noch völlig kahle Innenseite dieses Moränenwalls umgibt den Gletscher als 40 bis 50 m hoher Wall. Sie folgt dem Fuss des Anstiegs zum Sustenpass in weitem Bogen. Die Stirn des Moränenwalls liegt beim Gasthaus Steingletscher. Noch um 1900 soll der Gletscher bis hieher gereicht haben. Sein heutiges Ende liegt mindestens 1/2 km weiter zurück. In ihrer nächsten Umgebung zeigen kleine Moränenterrassen die Gletscherstände der letzten Jahre an.

Mit der Höhe ändert sich die Vegetation. Aus dem Fichtenwald kommen wir beim Anstieg über die grosse Stufe allmählich in den Gürtel des Krummholzes und der Alpweiden. Schon bei Feldmoos treten Legföhren ( pinus montana var. pumilio ) auf, und weiter oben auf den Rundhöckern der flacheren Talstrecken noch mehr, teilweise auch Bergföhren ( pinus montana ) ohne Krummholzwuchs. Heidelbeeren und blühende Alpenrosen stehen in Mengen dazwischen. Am Ende des Steingletschers ist zwar das noch nicht lange verlassene Moränengelände nur sehr schütter mit Vegetation bedeckt, aber ausserhalb dieser Moräne sind prächtige Wiesen mit den mannigfaltigsten Alpenpflanzen, besonders auch blühende Alpenrosen. Weiter oben gegen den Sustenpass blühen in unmittelbarer Nähe der tauenden Schneeflecken die violetten Glöckchen der Soldanellen. Der Boden ist vielfach moorig.

Oben am Pass steckten wir leider in völligem Nebel bei plus 1,8° C ( 11. Juli 1944, 17.40 Uhr ), so dass uns der Ausblick ins Meiental versagt blieb. An der Passhöhe, wo ein zweites Barackendorf für Strassenarbeiter liegt, das durch eine Schwebebahn für Waren und Personen mit dem untern Dorf beim Stein in Verbindung steht, wird stark am Bau der Strasse gearbeitet.

II. Der Lebensraum — Die Naturlandschaft Das Gadmental liegt am nördlichen Rand des kristallinen Aarmassivs, wo der autochthone Sedimentmantel sich über das Massiv legt und in gewaltiger Steilwand südwärts abfällt. Es ist offenbar als subsequentes Tal in der Streichrichtung der Alpen an der Gesteinsgrenze angelegt und hat sich dann tiefer in das Kristallin eingeschnitten, daher sein ausgesprochen unsymmetrischer Bau.

Im Bereich des Gadmentals besteht das Aarmassiv aus zwei Gesteinszonen. Die Zone des Innertkirchener oder Gastern-Granits ist durch eine karbone Schieferzone von der südlich angrenzenden Erstfelder Gneiszone getrennt. Die nördliche Zone wird in den Gadmer Flühen, im Reissend Nollen und im Titlis von den mächtigen Kalkwänden des Malm- oder Hochgebirgs-kalks überdeckt, an deren Basis deutlich ein gelbliches Band von Rötidolomit ( Trias ) und darüber ein etwas zurückgewittertes Band von Dogger und Aalénienschiefern liegen. Die Malmkalkwände werden gekrönt durch Nummuliten führende Quarzite, Sandstein und Sandkalke des Eocän. Auch hier liegt an der Auflagerungsstelle ein schmales, etwas zurückgewittertes, ein wenig Kohle führendes Schieferband, das zeitweise durch aufgelagerten Schnee ins Auge fällt.Schiuss folgt )

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