Der grosse Sturz

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Teheran, im September 1940.

Der grosse Sturz.

Von Walter Mafhis.

S.A.C. und W. A. C.

Wohl ein jeder zünftige Bergsteiger, welcher schwere und schwerste Fahrten durchführt, hat sich schon bewusst oder unbewusst mit der Frage des Absturzes beschäftigt; denn der Bergsteiger, welcher sich auf schwieriger Route durch steile Wände emporkämpft, ist der Wirklichkeit näher als den schönklingenden Phrasen vieler Bergbesteiger.

Alle meine Kameraden hatten ihn schon erlebt: den unfreiwilligen Sturz ins Seil. Zuerst mein Freund Turi an der Westwand des Sessagit, des wohl imposantesten Kletterturmes Graubündens. In kurzer Kletterei, die jedoch an Schwierigkeit und Ausgesetztheit nichts zu wünschen übrig lässt, haben wir uns über brüchige, äusserst schwere Überhänge hinaufgearbeitet. Bereits sitze ich auf dem Gipfel und sichere den nachkommenden Gefährten. Plötzlich ein Ruck, mein Freund hängt im Seil, während Sekunden später ein Felsblock in der Tiefe zerschellt.

Ein anderes mal Peter in der Südwand der Drusenfluh. Von einem guten Sicherungsplatz aus lasse ich das Doppelseil langsam über meine Schulter gleiten. Ein Ruf! Summend dehnt sich der Hanf, stöhnend pendelt Peter am Seil. Ich lasse ihn tiefer hinab. Auf neuer Route ist er bald wieder bei mir. Infolge falschen Anpackens der Schlüsselstelle wurde er von der überhängenden Wand weggedrückt und stürzte ins Seil.

Dann Willi auf jener denkwürdigen Fahrt über die Ostwand des Sessagit. Zum drittenmal steigen wir mit Holzkeilen, extralangen Mauerhaken, vier Seilen und weiterem Material in die 200 m hohe Wand. Nach 10 Stunden haben wir uns mit Hilfe all dessen, was die neuzeitliche Felstechnik bietet, 150 m hoch hinaufgearbeitet. Wir sind jetzt mehr als tausend Meter über der Strasse nach Tamins. Die hereinbrechende Dämmerung und ein losbrechendes Gewitter zwingen uns zum Rückzug. Ich kann Willi nicht sehen, er steht ca. 15 m schräg unter mir, wo ich ihn vor mehr als zwei Stunden auf knapp fussbreiter Felsleiste verliess. Während ich abseile, bricht das erwartete Unwetter los, Blitze zucken und der Donner rollt in unheimlichem Widerhall an den Felswänden ringsum. Die Wand wird zu einem Wasserfall.

Nun befinde ich mich auf gleicher Höhe wie Willi, zwischen uns eine schwere Platte.Völlige Dunkelheit ist hereingebrochen. Wie Nachtwandler auf schmalen Gesimsen eines Kirchturmes kommen wir uns vor. Während ich mir überlege, ob es besser sei, die regentriefende, glatte Platte barfuss zu queren, ruft Willi zu mir herüber, dass er nicht mehr lange dort verharren könne. Begreiflich; denn seit Stunden muss er abwechslungsweise auf einem Bein stehen. Rasch schlage ich einen Sicherungshaken, und Willi beginnt zu mir herüberzuklettern, ein schwieriges Unterfangen in dunkler Nacht, im nassen Fels und mit steifen Fingern. Äusserst langsam arbeitet er sich zu mir her. Am leicht gespannten Seil fühle ich, dass er näher kommt. « Pass auf, ich rutsche! » « Es ist gut, du bist gesichert! » gebe ich zurück. Dann — das Schlürfen eines Körpers, ein heftiger Ruck! Die Sicherungsschlinge zu meinem Haken strafft sich. Ich halte.

« Hast du Stand? » « Nein », kommt die Antwort. « Bist du verletzt? » « Ich glaube nicht. » Ich lasse Willi hinabgleiten bis auf einen guten Standplatz. Langsam arbeiten wir uns tiefer, an wackligen Stiften, an nassen Seilen und mit zerschundenen Händen. Um 2 Uhr morgens waren wir der Wand entronnen. Abgekämpft und durchnässt, sonst aber heil, beendeten wir diese unsere tollste Kletterfahrt.

Ein anderes Mal an einem eigenartigen Felsturme im Herzen Graubündens, am Plat Crap Furò. Breit steht er da, bröckelige Nagelfluh, 100 m hoch, von oben bis unten gespalten. Zuoberst stehe ich in diesem Riss, fest verspreizt. Unter mir ein dachartiger Überhang, an welchem sich mein Freund zu schaffen macht. Bereits erscheinen seine Hände auf dem Dach. Doch plötzlich verschwinden sie und ich erhalte einen empfindlichen Ruck. Hans hängt im Seil: Durch Schwingen gelingt es ihm, wieder auf den Standplatz — ein mannshohes Loch quer durch den Fels — hineinzugelangen. Von neuem setzt er zum Klimmzug an, und diesmal gelingt es.

Das Couloir zum Gipfel der Ringelspitze, dieses leichten, doch prächtigen Berges, den ich immer wieder gerne besteige, ist ordentlich steil. An einem eisigkalten Wintertage stapfen wir hinab. Mein Gefährte hat grosse Eile. Ich warne ihn vor allzugrosser Hast. Die Schneebeschaffenheit ist nicht gut, deshalb bleibe ich stehen und sichere gewohnheitsmässig über die Schulter. Kaum habe ich richtig Stand gefasst, als mein Kamerad auch schon ausgleitet.

Mit steigender Schnelligkeit rutscht er an mir vorbei. Vergeblich versucht er, mit der Haue des Pickels zu bremsen. Dieser wird ihm aus den Händen gerissen, und köpf abwärts saust mein Kamerad weiter! Ich fürchte, dass mich der Ruck aus meiner Standstufe reisst. Fest verkrampfe ich das Seil und lehne mich zurück ins Couloir. Schon sehe ich uns beide kopfvoran im gähnenden Bergschrund verschwinden. Ein gewaltiger Ruck, der mich um ein Haar aus meiner Stellung reisst, und wider Erwarten kann ich halten. So verläuft auch dieser Absturz glücklich.

Aber auch unter den grossen Bergsteigern mit klingenden Namen finden wir Stürze ins Seil, so bei den bekannten Brüdern Schmid in der Nordwand des Matterhorns: Franz steht drei Meter über Toni. Der Stand bricht unter Tonis Füssen los und stürzt tosend in die Tiefe. Im Fallen erhascht Toni einen Wulst — und beide sind gerettet.

Dann jene zwei an der lotrechten Nordwand der Grossen Zinne in den Sextenerdolomiten. Eine ganze Reihe von Haken werden durch den gewaltigen Sturz des Ersten herausgerissen. 20 m tief stürzt er frei ins Doppelseil. Wieder aktionsfähig, gelingt es ihm, sich mittels Prusikknoten emporzuschaffen.

Eine Zweierseilschaft in der Nordwand der Grandes Jorasses. Zwei Eishaken dienen der Sicherung. Mit einer sich lösenden Eisplatte gleitet der Erste in die Tiefe, der obere Haken reisst aus, der am zweiten Stift gesicherte Seilgefährte wird durch die Wucht des Sturzes aus seinem Stand gerissen! Doch an diesem gut sitzenden Haken bleiben beide hängen.

Dann zwei bekannte Münchner Kletterer, die in der Dachl-Nordwand am gleichen Tage zwei Stürze erlebten. Beim zweiten verschwand klirrend die ganze Schlosserei in der Tiefe — und das zwang sie zur Umkehr.

Und so oder ähnlich ereigneten sich noch viele andere Stürze, die meisten kurz und glücklich verlaufen, als ein Zeichen von Geistesgegenwart und guter Sicherung; denn nur infolge sorgfältigen Ausnützens aller Sicherungsmöglichkeiten können Stürze an steiler Wand harmlos verlaufen. So harmlos wie folgender « Sturz »:

Es war zuoberst in der gleissenden Westflanke des Piz Bernina. Mit wechselnder Führung hatten wir die Wand durchstiegen, nun traf es meinen Begleiter, gerade das letzte Stück durch die Gipfelfelsen zu führen. Unschwer erreichte er den Grat nördlich des Gipfels und fand schräg über mir einen Standplatz, wo er mich gut sichern konnte. Um nicht mit meinen frisch geschliffenen Steigeisen die Gipfelfelsen erklettern zu müssen, wählte ich den Aufstieg durch eine direkt zu ihm hinaufführende Firnzunge. Um diese zu erreichen, erfasste ich das Doppelseil und pendelte in die Wand hinaus. Mein Begleiter oben erhielt einen Ruck. Dann hangelte ich halb steigend, halb ziehend an den beiden Seilen hinauf. Rasch waren wir beisammen. Über das Pendel sprachen wir nicht.

Acht Tage später auf einer andern Tour fragte mich Freund Hans: « Was hast du am letzten Sonntag an der Bernina-Westwand gemacht? Du habest völlig versagt, so dass man dich auf den Grat hinaufziehen musste? » Ich staunte und klärte Hans auf. Unnötig zu erwähnen, dass es die letzte Fahrt war mit jenem Begleiter.

In der Folge sind die meisten meiner Kameraden noch mehr als einmal ins Seil gestürzt. Um so mehr war ich stolz darauf, noch nie, weder auf Touren noch im Übungsgelände, auch nur einen Meter gefallen zu sein. Ausser einer guten Portion Glück ist dies wohl auch dem Umstand zuzuschreiben, dass ich mich sowohl theoretisch wie praktisch oft mit dieser Frage befasste. Theoretisch, indem ich die Kräfte und Gegenkräfte bei Stürzen untersuchte: denn eine richtige Vorstellung dieser Kräfte, welche bei einem Zwei-, Fünf- oder Zehn-Metersturz auf Brustschlinge, Seile, Karabiner und Haken wirken, ist ebenso notwendig wie die Kenntnis der persönlichen Reaktion bei einem Sturz. Geistig beschäftigte ich mich immer wieder damit, was für Gegenmassnahmen zu treffen sind bei einem drohenden oder sich vollziehenden Sturz. Ich nahm mir vor, mich unter keinen Umständen rücklings aus der Wand fallen zu lassen, sondern nötigenfalls lieber selbst abzuspringen. Oft hielt ich im Klettern inne und überlegte, was jetzt an dieser Stelle zu tun sei, um einen Sturz zu parieren.

Praktisch stellte ich im Übungsgelände Versuche an über Hakensicherungen und Anseilmethoden, welche die Wucht des Sturzes am besten auf den Sichernden und auf den widerstandsfähigsten Körperteil, den Brustkasten, übertragen; denn schon oft ereignete es sich, dass der im übrigen unverletzte Abgestürzte sich schwere, bisweilen sogar tödliche innere Verletzungen durch das rettende Seil zuzog.

So prägten sich denn einige Regeln, die ich als gut erachtete, in meinem Bewusstsein ein:

1. Beim Sichern soll nur der Grundsatz gelten: Wenn schon, dann schon. Also fort mit dem Unfug der sogenannten « moralischen Sicherung »!

2. Die beste Sicherung ist eine tadellose Seilschaft. Gehe auf schwereren Fahrten niemals mit dem ersten besten ans Seil, welches dich auf Leben und Tod mit ihm verbindet.

3. Auf wirklich schweren Fahrten bietet nur das Doppelseil ( 2 X10 mm ) Gewähr für unbedingte Reissfestigkeit.

4. Die Schultersicherung, wobei der Sichernde selbst gesichert sein soll ( Haken ), ist jeder andern Sicherung vorzuziehen; denn bei Stürzen beansprucht diese durch ihre natürliche Abfederung das Seil bedeutend weniger als die Sicherung um Felszacken oder die starre Befestigung des Seiles am Haken oder Karabiner.

5. Wenn du schon fällst, so verwandle nach Möglichkeit den Sturz in ein Gleiten.

6. Vermeide unter allen Umständen den fast immer tödlichen Sturz kopfüber rücklings aus der Wand. Bei drohender Erschöpfung an schwerer Stelle tust du besser, vorher freiwillig in die Tiefe zu springen. Du hast dabei eher die Möglichkeit, deinem Körper Ziel und Richtung zu geben ( nächster Haken !).

7. Wähle immer eine Anseilmethode, welche die Brustschlinge möglichst unter den Armen hält. Erstens ist der Brustkasten widerstandsfähiger als die beiden Lenden ( Nierenund zweitens wird der Körper im Falle eines Sturzes eher wieder in seine aufrechte Lage gerissen; denn der tödliche Ausgang zahlreicher Stürze ist erfahrungsgemäss darauf zurückzuführen, dass der Gestürzte kopfabwärts hing. Dies hat sogar schon in Fällen zum Tode geführt, in welchen der Gestürzte ganz unverletzt war. 8. Gib dich nie verloren!

Aber trotz aller guten Lehren und Vorsicht sollte doch noch eintreffen, was meine Kameraden mir oft prophezeiten: « Du fällst dann einmal recht! » Das kam so: Freund Hans und seine Frau als die eine, meine Braut, mein Bruder und ich als die zweite Partie, steigen wir nach langer Bahnfahrt über steile Geröllhalden zum Einstieg der Wand, die unser heutiges Ziel bildet. Wir sprechen von unseren frühern Besteigungen und Neurouten durch diese Wand « irgendwo im Rhätikon ». Auch von Willi, unserm flotten Kameraden, der uns heute nicht mehr Gefährte sein kann. Nicht die Schwierigkeiten und Gefahren der Berge haben den so zuverlässigen Seilkameraden dahingerafft, ein heimtückischer Motorradunfall hat seiner Bergbegeisterung und seinem Tatendrang ein jähes Ende gesetzt.

Nach längerer Rast am Einstieg beginnen wir gut ausgerüstet den Aufstieg. Eine lange Rinne führt uns auf eine Geröllterrasse und von dort über eine heikle Platte unter eine überhangähnliche Stelle, die uns etwas zu schaffen gibt. Weiter geht es über steiler weidende Absätze und Wandstufen empor. In gutem Tempo erreichen wir bereits am frühen Nachmittag den letzten Aufschwung zum Gipfel. Ein Schuttfleck bietet Raum für kurze Rast. Der herrlich blaue Himmel stimmt uns heiter. Ein richtiger Klettertag!

Weiter. Eine 30 m hohe, fast senkrechte Platte weist den Weg höher hinan. In der untern Hälfte ist sie von einem Riss von unten nach oben durchzogen. Der Fels ist hier rötlich, brüchig. An diesem Hangelriss arbeite ich mich langsam empor, indem ich immer einen Arm einhänge, während die Füsse kleine Haltepunkte benützen. Immer näher schiebt sich mein Körper dem Ende des kraftraubenden Risses. Bereits hänge ich 12 m senkrecht über meinem Bruder, welcher hinter einem kleinen Felsvorsprung sichert. Noch zwei — drei Züge und der kleine Standplatz in der Mitte der Platte wäre erreicht. Doch beim letzten Zug bricht die Kante des Risses unter meinem Arm weg. Ich fühle, dass ich falle — drehe mich instinktiv nach aussen und stosse mit den Füssen ab. Tief unter mir der Einstieg! Doch schon sause ich über meinen Bruder hinweg und rufe: « Halte! Halte !! » Auf dem Schuttfleck springe ich hart auf und versuche mit aller Energie, Halt zu fassen, stürze weiter auf ein Bändchen, kralle meine Hände an einen Block. Doch durch die Wucht reisst mich mein Körper weiter und wieder stürze ich gesichts-auswärts der Tiefe zu. Einen Augenblick lang glaube ich, dass es möglich sei, in solchen gewaltigen Sprüngen die ganze steile Wand hinabzustürzen. Doch dann sehe ich im Geiste tief unten am Einstieg meinen zerschmetterten Körper, welcher von meinen Kameraden in einem Leichensack zu Tale geschleift wird, wie ich dies schon mehrmals mit Abgestürzten tun musste. Dies alles steigerte noch meinen Willen, mich unter allen Umständen anzuklammern. Ich sehe zwei kleine Zacken, erwische diese mit beiden Händen, ein Ruck, und ich bleibe zwischen diesen Zacken hängen! Im ersten Augenblick glaube ich, selbst den Sturz aufgehalten zu haben; doch hänge ich zugleich im gestrafften Seil. Hoch über mir höre ich meinen Namen rufen. « Es ist gut », gebe ich zurück, « lasst mich tiefer! » Schweiss tropft von meiner Stirn.

Meine Hände lösen den krampfhaften Griff am Fels und zwei Meter tiefer lande ich auf einem schmalen Bande. Eine Weile bin ich völlig schlaff, wohl zufolge der ungeheuren Willensanstrengung. Ruhe um jeden Preis. Aber plötzlich will ich wissen, wie es mit meinen Gliedern steht. Alle sind noch einigermassen intakt. Bloss am Rücken und an den Händen bin ich etwas verletzt. Dies scheint mir kaum fassbar; denn schliesslich bin ich doch 35 m tief gestürzt!

Nach kurzer Zeit erscheint Hans über mir und seilt sich auf meinen Standplatz ab. Doch allein kann ich noch zu meinen Kameraden hinaufgelangen. Hans sah nichts von allem, er hörte nur das Geräusch des fallenden Körpers und der klirrenden « Schlosserei ».

Auch meine Gefährten sind etwas bleich; doch keiner von uns fünf ist verwirrt. Wir beginnen sofort, unsere Verletzungen zu verjoden und zu verbinden; denn auch mein Bruder und Helen, welche das ablaufende Seil trotz Schmerzen hielten, haben tiefe Brandwunden an den Händen und Armen. Wir freuen uns, dass die Sache so glimpflich abgelaufen ist; doch auf eine Beendigung der Tour verzichten wir mit Rücksicht auf unsere zerschundenen Glieder. Hans seilt sich los, um eine Route aus der Wand hinaus zu finden. Bald kommt er zurück. Er hat einen Schlupf entdeckt, welcher seitlich in ein leichteres, schrofiges Gelände hinausführt. Nach einigen Stunden erreichen wir auf diesem Umwege wieder unsere Rucksäcke am Einstiegsort. Dort erst wird bei einer längeren Rast das Vorgefallene eingehend diskutiert.

Der gute Verlauf dieses Sturzes ist wohl in erster Linie dem Umstand zuzuschreiben, dass ich Glück, viel Glück hatte. Und dieses braucht nach wie vor ein jeder Bergsteiger, nebst allen Fähigkeiten und technischem Rüstzeug! Trotzdem darf ich mir aber doch zugute halten, dass neben diesem Glück und der guten Sicherung durch meine Kameraden auch meine Geistesgegenwart und geistige Vorbereitung eine Rolle spielten; denn dadurch gelang es mir, dem gefährlichen Sturz rücklings aus der Wand zu entgehen und mich trotz zweimaligem Aufschlagen nicht verloren zu geben.

Langsam steigen wir den steilen Weg ins Tal hinab, während die Wand, welche uns um ein so eindrucksvolles Erlebnis reicher gemacht hat, allmählich in die Schatten der einbrechenden Dämmerung taucht. Eindringlich scheint sie uns daran zu erinnern, dass die Berge viel Schönes zu schenken vermögen, dass sie aber auch unbarmherzig in einem einzigen Augenblick das Glück eines Lebens zerstören können. Trotzdem wollen wir unser Leben den Bergen und ihren Gefahren weihen! Das stählt und adelt Körper und Geist. Und gerade diejenigen zählen zu den glücklichsten Bergsteigern, die in wissendem Schwung alles überwinden, was zwischen Einstieg und Gipfel liegt. Im harten Kampfe erleben sie den Gipfelsieg; denn der Kampf ist das Glück!

Nicht alpine Romantik, nicht falsch verstandenes Heldentum. Nein. Zuviele, die im Kampf um den Berg dahingingen, ziehen jährlich an unserem geistigen Auge vorüber. Doch aus ihren Fehlern zu lernen, ist klug. Nur so können wir immer wieder um Felswände und Eisflanken ringen, um uns später noch zu freuen an unseren Taten von einst!

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