Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1990/91

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der Schweizer Alpen im Jahr 1990/91

Markus Aellen, GK/SANW und Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ( VAW/ETHZ )

Auszug aus dem 112. Bericht der Gletscherkommission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften ( GK/SANW ) Einleitung Zeugnisse früherer Wärmeperioden Starker Schwund hat die Gletschermassen der Schweizer Alpen im Berichtsjahr 1990/91 fast ebenso viel vermindert wie im Vorjahr, das im letzten Bericht als eines der stärksten Schwundjahre seit 1964 beschrieben ist. Der Schwund im Berichtsjahr ist das Ergebnis eines defizitären Massenhaushalts mit grossem Schneezuwachs im Winter, aber noch grösserem Schmelzabtrag im Sommer. Am zurückschmelzenden Rand mancher Gletscher kommen von Zeit zu Zeit Überreste der vormals beim Vorstossen mit Moränenmaterial überschütteten oder vom Eis überfahrenen Humusschichten, Wurzelhorizonte, Baum- oder Waldbestände zum Vorschein. An solchen Funden lässt sich - oft nur näherungsweise, in besonderen Fällen auf das Jahr genau - ermitteln, wann die Fundstelle letztmals vergletschert wurde [Zumbühl und Holzhauser 1988]. Aufgrund der bisherigen Funde stand fest, dass die Gletscher seit dem Mittelalter nie kleiner waren als heute. Der aufsehenerregende Fund einer prähistorischen menschlichen Gletscherleiche, die der besonders starke Gletscherschwund im Sommer 1991 in den österreichischen Alpen auf dem Hauslabjoch zuhinterst im Ötztal freilegte, hat zu einer namhaften Erweiterung dieser Aussage geführt. Aus den ( noch laufenden ) Untersuchungen am Fundort und am Fundgut geht hervor, dass der Gletscher an der Stelle, wo ein Geisshirte oder Gemsjäger, im Nachtlager vom Schnee überrascht und zugedeckt, vor rund 5000 Jahren in ewigen Schlaf fiel, seither nie oder höchstens nur kurzfristig und unwesentlich kleiner war als heute. Ob die künftige, aufgrund der angekündigten Klimaerwärmung zu erwartende Beschleunigung des Gletscherschwunds weitere solche Funde liefern und so die Ungewissheit hinsichtlich der minimalen Ausdehnung der Gletscher in den früheren Wärmeperioden der Nacheiszeit verringern helfen wird, hängt ausser von Zufälligkeiten auch davon ab, ob wir die Gletscher und ihre Veränderungen in den Schwundphasen ebenso aufmerksam beobachten wie in den Zuwachsphasen.

Wertvolle Unterstützung Im Herbst 1991 sind die Erhebungen für den 112. Bericht über die jährliche Veränderung der Gletscher in den Schweizer Alpen durchgeführt worden. Wie stets haben kantonale Forstdienste, Bundesämter und -for- schungsanstalten, Kraftwerkgesellschaften und Privatpersonen dabei mitgewirkt. Nur mit dieser vielseitigen Unterstützung vermag die Gletscherkommission ihre Hauptaufgabe, die sie im Sinn einer Landesaufnahme seit ihrer Gründung im Jahre 1893 wahrnimmt, zu erfüllen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Abteilung Glaziologie der VAW, indem sie das Organisieren der jährlichen Erhebungen, das Sammeln, Sichten und Veröffentlichen der Ergebnisse besorgt, wie es zur Betreuung und Leitung des gemeinsamen Forschungsprojekt {Glet-scherveränderungen in den Schweizer Alpen ) in ihrem Forschungsvertrag mit der Gletscherkommission vereinbart ist.

Messungen und Publikationen In den Statistiken des vorliegenden Berichts ist erstmals auch der Croslinagletscher, den die Tessiner Förster seit 1989 vermessen, berücksichtigt worden. Damit hat sich die Zahl der Gletscher im Messnetz, das zum Erfassen der Längenänderung dient, von 120 auf 121 erhöht. Davon gehören 12 zum Messnetz, an dem Änderungen der Fliessgeschwindigkeit, der Dicke, der Fläche, des Volumens oder der Masse ermittelt werden. Hierzu dienen Messungen an einzelnen Punkten ebenso wie Vermessungsaufnahmen des ganzen Gletschers, die grossenteils im Rahmen laufender Projekte für Grundla-gen- oder Auftragsforschung der VAW stattfinden. Angaben über Wetter, Klima, Schnee oder Wasserabfluss und -haushält im näheren und weiteren Umfeld der Gletscher beruhen auf Beobachtungen und Messungen der zuständigen Landesdienste oder Forschungsinstitute. Der vorliegende 112. Bericht, der die Hauptergebnisse des Beobachtungsjahrs 1990/91 zusammenfasst, setzt die Reihe der als Kurzfassung in der Zeitschrift DIE ALPEN veröffentlichten Gletscherberichte fort. In der Reihe der erweiterten, als Jahrbuch der Gletscherkommission durch die VAW herausgegebenen Berichte mit zusätzlichen Zahlentabellen und Graphiken sowie ergänzenden Angaben zu einzelnen Gletschern sind die Doppelbände mit dem 105./106. und dem 107./108. Bericht erschienen.

Witterung und Klima Klima und Massenhaushalt im Jahresüberblick Im Witterungsablauf unterscheidet sich das Berichtsjahr von den vorangehenden, durch Schneemangel im Frühwinter gepräg- ten Jahren vor allem durch winterliche Verhältnisse mit wiederholten ergiebigen Schneefällen von Ende Oktober bis Mitte Januar. Einer mehrheitlich trockenen Periode mit strenger Kälte in der ersten Februarhälfte und ungewöhnlicher Wärme von Ende Februar bis Anfang April folgte ein kühles niederschlagsreiches Frühjahr mit winterlichen Verhältnissen im Hochgebirge bis zu den längsten Tagen. Fast dauernd sehr warm und vorwiegend trocken war der Sommer bis Ende September, als erste Schneefälle im Hochgebirge ziemlich unvermittelt den Winter einleiteten, der nach zeitweise mildem Herbstwetter mit den Kälteeinbrüchen im letzten Oktoberdrittel und Mitte November schrittweise im ganzen Land einzog. In Bezug auf den Massenhaushalt der Gletscher weist das Bilanzjahr 1990/91 folgende, aus den Berechnungen des täglichen Wasserhaushalts im Aletschgebiet ermittelte Besonderheiten auf. Die Zuwachsperiode von Mitte Oktober bis Mitte Juni dauerte 149 Tage, etwa 10 Tage länger als normal, und ergab überdurchschnittliche Rücklagen. Die Schwundperiode von Mitte Juni bis Ende September dauerte nur 100 Tage ( normal 126 Tage ), ergab in dieser Zeitspanne jedoch ebensoviel Abtrag wie die vorjährige Schmelzperiode in 153 Tagen. So ergab die Jahresbilanz entsprechend dem unterschiedlichen Winterzuwachs im Berichtsjahr etwas geringeren Schwund als im Vorjahr. Zur äusserst intensiven Schmelzung im Sommer 1991 hat der im März im ganzen Alpengebiet abgelagerte Saharastaub massgeblich beigetragen, da er infolge der Trockenheit fast den ganzen Sommer durch an der Gletscheroberfläche lag.

Witterungsverlauf Der Witterungsverlauf des Berichtsjahrs vom September 1990 bis zum Oktober 1991 ist veranschaulicht in der Figur 1 auf den Seiten 218 bis 219 anhand der folgenden Beispiele: Tagesmittel der Lufttemperatur auf Jungfraujoch ( 3580 m ü. M. ), Tagesmengen des Niederschlags auf dem Säntis ( 2490 m ü. M. ) und täglich durch Radiosondierung um 13 Uhr ermittelte Meereshöhe der Nullgradisotherme über Payerne. Graphisch dargestellt sind die aktuellen Werte, als Vergleichsgrösse bei den Temperaturreihen auch die langjährigen Mittelwerte. Die Temperaturwerte des Berichtsjahrs lagen mehrmals während mehrerer Wochen weit über dem Normalwert, zu verschiedenen Malen, aber nur im Frühjahr für längere Abb.1 bis 3 Radarsondierungen auf dem Griesgletscher ( Ägina ):

Auf Gletschern werden Tiefenlotungen mittels Radar in der Regel im Frühjahr bei winterlichen Verhältnissen vor Beginn der Schneeschmelze durchgeführt ( 1 ). Die Messauslage mit je einer 20-40 m langen Kabelan-tenne am Sender ( hinten ) und am Empfänger fe -

wird an jedem Messpunkt neu ausgelegt, mittels elektronischer Distanzmessung geortet ( 2 ) und auf Schlitten zum nächsten Messpunkt verschoben ( 3 ). Die Sondierungen im Frühjahr 1987 ergaben maximale Eisdicken von 200-220 m.

Dauer, auch ebensoweit darunter. Im Mo-natsdurchschnitt war einzig der Mai deutlich zu kalt, der März wie die Sommermonate Juli, August und September dagegen deutlich zu warm; in den übrigen Monaten glichen sich Wärme und Kälte weitgehend aus. Für den Massenhaushalt der Gletscher bedeutsam waren vor allem die Kälteperiode im Frühjahr, die den Beginn der Schneeschmelze im Hochgebirge erheblich verzögert hat, und die Wärmeperiode im Sommer, die von Anfang Juli bis Ende September fast ununterbrochen sehr intensives Schmelzen bewirkt hat.

Niederschlag Die dargestellte Niederschlagsreihe des Säntis ergibt eine Jahressumme weit über dem Normalwert. Sie ist repräsentativ für die eng begrenzten niederschlagsreichen Gebiete, wo Starkregen bei Gewittern auf der Alpennordseite vor allem im Juli, auf der Alpensüdseite vor allem im September grosse bis sehr grosse Monatsmengen erbrachten. In allen Landesteilen sehr trocken war es im Februar und August, im Süden auch im Januar, Mai und Juli.

Klima faktoren im Vergleich Das Klima des Berichtsjahres ist in Figur 2 auf Seite 222 veranschaulicht durch die Grossen Jahresniederschlag und Sommertemperatur, die den Massenhaushalt der Gletscher massgebend bestimmen. Sie sind dargestellt durch ihre Abweichung vom Normalwert, die für rund 110 Stationen des Niederschlagsmessnetzes und für rund 60 Stationen des automatischen Temperaturmessnetzes der SMA als statistische Indexzahl berechnet und gemäss diesem Index den Klassen geringer, starker oder sehr starker Abweichung nach oben ( positiv ) oder nach unten ( negativ ) zugeteilt ist. Aufgrund der klassierten Werte sind die Zonen gleicher Abweichung abgegrenzt und in stark vereinfachender Weise wiedergegeben.

Die Summe der Niederschläge von Oktober 1990 bis September 1991 wich meistenorts wenig ab vom Normalwert, der in der Westschweiz mehrheitlich leicht unterschritten, in der Ostschweiz mehrheitlich leicht übertroffen wurde.Viel Niederschlag erhielten wenige, verhältnismässig eng begrenzte Gebiete in allen Landesteilen, am meisten das obere Reusstal und das Valsertal. Wenig Niederschlag fiel in einigen Randgebieten im Nordwesten ( Jura ), Süden ( Vispertäler ) und Südosten ( Ostbünden ) wie auch in begrenzten Gebieten im Aaretal und im Glarnerland.

Die mittlere Lufttemperatur von Mai bis September 1991 war überall deutlich höher als normal. Auch in den Alpen war es durchwegs viel wärmer, meistenorts sogar sehr viel wärmer als in normalen Sommern. Gebietsweise sind an mehreren Stationen extrem grosse Abweichungen aufgetreten, weshalb auch die Zonen der Klasse 3 ausgeschieden sind. Im allgemeinen war der Wärmeüberschuss in den Niederungen grösser als im Berggebiet, wo es im Osten wärmer war als im Westen.

Gletscherveränderungen Massenhaushalt Im Haushaltsjahr 1990/91 hat sich die Gletschermasse in den Schweizer Alpen erneut sehr stark vermindert. Infolge überaus intensiver Schmelzung waren die Gletscher am Sommerende stärker ausgeapert, als es nach dem meistenorts ziemlich schneereichen Winter und nach dem allgemein späten Beginn der Schmelzperiode zu erwarten gewesen war. An den Stellen, wo die Massenänderung als Firnzuwachs oder Eis- bzw. Firnabtrag an eingebohrten Pegelstangen auf rund einem Dutzend Gletschern direkt ermittelt wird, ergab sich durchwegs fast ebensowenig Zuwachs im Nährgebiet oder ebensoviel Abtrag im Zehrgebiet wie im Vorjahr. Auf manchen Gletschern, z.B. auf Gries, Kessjen, Limmern oder Plattalva, wo die Winterschneedecke bis auf unbedeutende Reste abgeschmolzen ist, hat sich das Zehrgebiet über die ganze Gletscherfläche ausgedehnt. In allen Fällen, in denen die gesamte Massenänderung des Gletschers als Bilanz über Zuwachs im Nährgebiet und Abtrag im Zehrgebiet ( Gries, Limmern, Plattalva, Silvretta ) oder als Bilanz über Niederschlag, Abfluss und Verdunstung im hydrologischen Einzugsgebiet ( Aletsch ) berechnet wird, haben sich entsprechend grosse Massenverluste ergeben.

Der grösste Massenverlust ist wie im Vorjahr beim Griesgletscher zu verzeichnen; dessen Dicke hat im Mittel um 1,6 m abgenommen. In den 30 Haushaltsjahren seit 1961 ist dieser Wert, der einer Volumenverminderung um rund 10 Millionen Kubikmeter ent- spricht, ein einziges Mal übertroffen worden, und zwar im letzten Jahr um rund 30 Prozent. Aufgrund der im Berichtsjahr durchgeführten Radarsondierungen sind für den Griesgletscher ein Gesamtvolumen von rund 530 Millionen Kubikmetern und eine mittlere Eisdicke von 85 m ermittelt worden. 40 bis 50 extreme Schwundjahre wie das Vorjahr oder das Berichtsjahr sind also das kritische Mass für die Dauer seines Weiterbestehens und, sofern solche Jahre gleich häufig auftreten wie bisher, ist seine mittlere ( Lebenserwartung ) auf etwa 150 Jahre begrenzt. Der Silvrettagletscher ist im Berichtsjahr um 1,2 m dünner geworden. Er hat seit 1959 in zwei Jahren noch stärker abgenommen: 1964 um 1,55 m und 1973 um 1,35 m. Das Vorjahr mit einem Dickenschwund um 0,6 m folgt in dieser Messreihe an zehnter Stelle. Limmern und Plattalva gehören zu den Gletschern, die im Sommer 1991 wie auch im Sommer 1990 praktisch vollständig ausgeapert sind. Ihre Massenänderung wird seit 1986 nicht mehr durch Messungen am Pegelnetz bestimmt, sondern soll durch photogrammetrische Auswertung der jährlich aufgenommenen Luftbilder ermittelt werden. Da die Auswertung noch aussteht, fehlen vorläufig genaue Zahlenangaben für das Berichtsjahr. Aufgrund der Erfahrungswerte, die für die Zeitspanne 1947-1985 vorliegen, lässt sich jedoch abschätzen, dass beide Gletscher um mindestens 1 m dünner geworden sind, wie in den extremen Schwundjahren 1964, 1949, 1950, 1971, 1973 und 1959. In diesen Jahren waren sie jeweils nahezu vollständig ausgeapert, wobei der Anteil des Nährgebiets stets auf weniger als 5 Prozent der Gletscherfläche eingeengt und eine 1,1-1,8 m dicke Eisschicht der Gletschermasse verflüssigt worden war.

Für die Aletschgletscher ist aus der Jahresbilanz über den Wasserhaushalt im Einzugsgebiet der Massa eine Verminderung der Eisdicke um 0,6 m errechnet worden. Das ist etwa halb so viel wie im Vorjahr, aber mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der 60 Haushaltsjahre seit 1931, von denen 35 ein negatives Bilanzergebnis aufweisen. Unter diesen Schwundjahren erscheint das Berichtsjahr an 18. Stelle genau in der Mitte und erweist sich damit als normales Schwundjahr; das Vorjahr ( an 10. Stelle ) ist bei den starken Schwundjahren eingereiht. In der Zeitspanne 1960-1991, die mit den vorgängig betrachteten Bilanzreihen vergleich- bar ist, hat die Gletschermasse im Aletschgebiet in 5 Jahren ( 1964, 1990, 1976, 1971 und 1973 ) stärker abgenommen als im Berichtsjahr. Der beträchtliche Unterschied im Bilanzergebnis der beiden letzten Jahre ist zum grössten Teil auf die unterschiedliche Menge des Jahresniederschlags zurückzuführen. Diese war im Berichtsjahr mit 224 cm etwas grösser, im Vorjahr mit 187 cm wesentlich geringer als im Normaljahr mit 217 cm. Der Jahresabfluss war mit 238 cm im Berichts- und 234 cm im Vorjahr in beiden Fällen viel grösser als im Normaljahr mit 211 cm. Einblick in den jahrszeitlichen Verlauf des Wasserhaushalts im Aletschgebiet geben die Tagesbilanzen, die in gleicher Weise berechnet sind wie die Jahresbilanz. In der Zuwachsperiode vom 12. Oktober 1990 bis 17. Juni 1991 nahmen die gespeicherten Vorräte um 121 cm Wasserhöhe zu. Das sind 34 cm mehr als im Winter 1989/90 und 20 cm mehr als im Durchschnitt der 60 Winter seit 1931. In der Schwundperiode vom 18. Juni bis 25. September 1991 nahmen sie um 156 cm ab, ebensoviel wie im Sommer 1990 und um 41 cm mehr als im Durchschnitt der 60 Sommer. Hier zeigt sich, dass der Unterschied im Ergebnis der Jahresbilanz, das eine Vorratsverminderung um 35 cm im Berichtsjahr und um 68 cm im Vorjahr anzeigt, durch den unterschiedlichen Winterzuwachs bedingt ist. Aus diesen Zahlen geht ausserdem hervor, dass im Haushaltsjahr 1990/91 intensive Umlagerungen stattgefunden haben. Diese sind an der Jahressumme der Bi-lanzgrössen Niederschlag, Abfluss und Verdunstung ermessbar und entsprechen somit einer Wasserhöhe von 483 cm. In der 60jähri-gen Messreihe ist dies der neuntgrösste, in der 30jährigen Messreihe sogar der drittgrösste Jahresumsatz. Im Vorjahr war der Umsatz ( 442 cm ) nahezu gleich gross wie im Normaljahr ( 448 cm ). Besonders zu beachten sind die Extremfälle dieser Reihe. Sie zeigen, wie gleichwertige Bilanzergebnisse unter völlig gegensätzlichen Klimabedingungen zustande kommen können. Der Minimalum-satz ( 356 cm ) im kalt-trockenen Bilanzjahr 1971/72 ( mit dem achtkleinsten Nieder-schlags- und dem drittkleinsten Abflusswert ) führte zu einer Verminderung der Vorräte um 19 cm. Der Maximalumsatz ( 555 cm ) im warm-nassen Bilanzjahr 1944/45 ( mit dem sechstgrössten Niederschlags- und dem drittgrössten Abflusswert ) ergab genau denselben Schwundbetrag, der vom Normalwert ( 15 cm ) wenig abweicht.

In diesem Bericht fehlen die üblichen Angaben über Volumen- und Dickenänderun- gen im Zungengebiet der Aaregletscher, da der ausführliche Bericht über die Vermessungen 1991, die wie gewohnt durch das Vermessungsbüro Flotron im Auftrag der Kraftwerke Oberhasli ausgeführt wurden, noch nicht vorliegt.

Der Massenhaushalt der Gletscher in den Schweizer Alpen war im Berichtsjahr allgemein durch starken, gebietsweise - vor allem in den südlichen Regionen - sehr starken Schwund gekennzeichnet. Nur in den wenigen und ziemlich eng begrenzten niederschlagsreichen Gebieten blieb der Schwund im normalen Rahmen. Das auffälligste Merkmal des Haushaltsjahrs ist wohl die sehr intensive Schmelzung infolge der dauerhaft grossen Wärme im Hochsommer, deren Wirkung wesentlich verstärkt war durch den im März im ganzen Alpengebiet abgelagerten, im Laufe des Sommers als Schmutzschicht an der Gletscheroberfläche angereicherten Saharastaub. Mass- und Vergleichszahlen für die Intensität des Schmelzens liefern die hydrologischen Tagesbilanzen des Massagebiets, beispielsweise als Tagesmittel des Abtrags an den Aletschgletschern während der Schwundperiode. Im Sommer 1991 sind pro Tag 2,5 cm Eis abgetragen worden. Im Sommer 1990 waren es 1,5 cm, wenig mehr als im Mittel ( 1,4 cm ) der 60 Jahre seit 1931. Der Höchstwert ( 2,8 cm ) kam nach einem ausserordentlich schneearmen Winter im extrem warmen Sommer 1947 zustande. Auch damals hatte eine im Frühjahr abgelagerte Saharastaubschicht die Wirksamkeit der vom 10. Mai bis 22. September fast dauernd herrschenden, zeitweise extrem grossen Wärme erhöht. Die ausnehmend reichlich anfallende Schmelzwasserspende, die 1947 noch weitgehend ungenutzt abfloss, kam im Berichtsjahr vor allem der Energiewirtschaft zugute. Trotz verspätetem Beginn und ungewöhnlich kurzer Dauer der Schnee- und Gletscherschmelze im Hochgebirge konnten die Jahrsspeicher der Elektrizitätswerke bis zum Stauziel aufgefüllt werden. Indessen hatte der Gletscherschwund vormals auch geringere nachteilige Folgen als heute, da inzwischen neben der wasserwirtschaftlichen vor allem auch die verkehrswirtschaftliche Nutzung des vergletscherten Hochgebirges erweitert worden ist. Mit dem fortschreitenden Abschmelzen der Winterschneedecke im Sommer der beiden letzten Jahre verflüchtigte sich zusehends die wesentliche Existenzgrundlage der weniger hoch gelegenen Gletscherskigebiete, die sich innerhalb des Schwankungsbereichs der Schneegrenze befinden, wo den Sommerskibetrieben in allen Jahren mit übernormalem Gletscherschwund im buchstäblichen Sinne der Boden unter den Fussen schwindet.

Gletscherbewegung Die Gletscherbewegung hat sich im Berichtsjahr durchwegs weiter verlangsamt auf minimale Fliessgeschwindigkeiten, was nach starken Schwundjahren durchaus normal ist. Im Zungengebiet des Giétrogletschers bewegte sich das Eis nur noch halb so schnell wie vor zehn Jahren, als die Höchstgeschwindigkeiten je nach Messstelle einen Wert von 95-177 m/Jahr erreichten. Infolge dieser Verlangsamung hat sich das Ungleichgewicht zwischen Eiszufluss und Abtrag an den Messpunkten im Zehrgebiet so A verstärkt, dass die Gletscherdicke stellenweise um 2-3 m, also noch stärker als im Vorjahr, abgenommen hat. Das Einsinken der Gletscheroberfläche tritt besonders deutlich an den Zungenrändern in Erscheinung. Wie am Giétro hat sich auch am Fee, Trient, Oberen Grindelwald und manchen andern, vor wenigen Jahren noch vorstossenden Gletschern die Stirnwölbung bereits wieder weitgehend zurückgebildet oder völlig abgeflacht. Augenfällige Veränderungen im Vorfeld abbrechender Gletscherzungen oder am Fuss der Hängegletscher und Eisbrüche geben weitere Hinweise auf verändertes Bewegungsverhalten der Gletscher. Wo vor zehn bis zwanzig Jahren das Wachsen der Gletscher in häufigen Eisstürzen und hoch aufgeschütteten Sturzkegeln aus frischen Eistrümmern hör- und sichtbar in Erscheinung trat, sind gegenwärtig nur noch dünne, von Schmelzwasserbächen durchfurchte schuttbedeckte Eisschilde vorzufinden. Die Sturzkegel am Rand des Giétro sind wie jene am Allalin, Bis, Rosenlaui, Clariden oder an den Grindelwaldgletschern fast vollständig verschwunden. Die regenerierte Zunge des Pierredar, mit nachstürzendem Eis nur noch mangelhaft versorgt, ist ebenso stark zurückgeschmolzen wie die des Brunni oder des Cantone.Von Eisschlag und kleineren Eisabbrüchen begleitete Rutschungsbe-wegungen, wie sie am Allalin und an anderen steilen Gletscherzungen jeweils im Spätsommer in regelmässigem ein- bis dreijährlichem Turnus auftraten und in früheren Berichten beschrieben sind, blieben im Berichtsjahr aus oder haben in abgeschwächtem Masse stattgefunden.

Längenänderung Die Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen wird jährlich erhoben an einem Messnetz mit derzeit 121 Gletschern, deren Zungenende in der Regel jeden Herbst vermessen wird. Neuerdings ins Messnetz aufgenommen und - im Gegensatz zu den Vorjahren - in der Statistik berücksichtigt ist der Croslinagletscher am Campo Tencio, der von den Tessiner Förstern seit 1989 vermessen wird. Im Rahmen der 112. Erhebung sind im Herbst des Berichtsjahres 109 Gletscherzungen erfasst worden. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefasst und mit den Ergebnissen der beiden vorangehenden Jahre verglichen. Durch den Einbezug des Croslinagletschers weichen die Zahlenangaben für die beiden Vorjahre in dieser Tabelle geringfügig von den im letzten Bericht publizierten ab. In Tabelle 2 sind die Ergebnisse der 111. und 112. Erhebung für jeden Netzgletscher einzeln aufgeführt. Figur 3 ergänzt Tabelle 2 mit einer geographischen Übersicht für das Berichtsjahr. In Figur 4 sind die Hauptergebnisse aus Tabelle 1 in die Reihe der 112 Jahresstatistiken seit 1880 eingefügt. Darin sind für jedes Jahr die Anzahl ( N ) der beobachteten Gletscherzungen angezeigt und die Prozentanteile der wachsenden, der stationären und der schwindenden so eingetragen, dass sie sich auf 100 Prozent ergänzen. Die mittlere jährliche Längenänderung ist berechnet aus der Zahl ( M ) der Messwerte, die von der Zahl N abweicht aus den in Fussnote 5 zu Tabelle 1 vermerkten Gründen.

Die Zahlen und Figuren zeigen es deutlich: Der Gletscherschwund in den Schweizer Alpen hat sich im Berichtsjahr mit unverminderter Intensität fortgesetzt und mit unveränderter Tendenz weiter verstärkt. Der Anteil der wachsenden Gletscher ist unter einen Zwölftel gesunken, der Anteil der schwindenden über neun Zehntel gestiegen, und auch der Mittelwert der Längenänderung hat im Sinne des Schwundes zugenommen. Mit diesen Zahlenwerten ist das Jahr 1991 das zweitstärkste Schwundjahr in der mit den Massenbilanzreihen vergleichbaren Zeitspanne ab 1960, in der 1964 als stärkstes Schwundjahr auftritt. In den 112 Jahren seit 1880 war der Anteil der wachsenden Gletscher in 16 Jahren kleiner, der Anteil der schwindenden in 8 Jahren grösser und der mittlere Längenschwund in 24 Jahren grösser als im Berichtsjahr. Dieses gehört somit zum 1. Quartil der Stichprobe, in dem die 28 Jahre mit starker bis sehr starker negati- ver Abweichung vom Normalwert zusammengefasst sind. Das Vorjahr, bezüglich der Prozentanteile an 37. bzw. 30., bezüglich der Längenänderung an 39. Stelle eingereiht, lag gerade noch innerhalb des 2. Quartiis mit den 28 Jahren, die vom Normalwert wenig oder mässig nach unten abweichen. Der Normalwert oder Median einer Stichprobe begrenzt deren untere Hälfte ( 1. und 2. Quartil ) gegen die obere Hälfte ( 3. und 4. Quartil ). Im Normaljahr, das durch die Medianwerte beschrieben ist, sind 80 Gletscherzungen beobachtet worden, nämlich 17 wachsende, 6 stationäre und 57 schwindende, und aus 64 Messwerten hat sich ein mittlerer Längenschwund um 7,1 m ergeben. Das Normaljahr unterscheidet sich wenig vom Durchschnittsjahr der Stichprobe, das durch die Mittelwerte beschrieben ist und 78 beobachtete Zungen ( ein Viertel wachsender, ein Zwölftel stationärer, zwei Drittel schwindender ) und einen mittleren Längenschwund von 6,9 m ( aus 62 Messwerten ) aufweist. Weil die Stichprobe viel mehr Schwundjahre enthält als Zuwachsjahre ( 14 Jahre mit über 50% wachsender, 21 Jahre mit weniger als 50% schwindender Gletscherzungen, 15 Jahre mit positivem Mittelwert der Längenänderung ), entspricht der Normalfall wie der Durchschnittsfall einem ausgesproche- Abb.4 Zmuttgletscher am 12.8.1991 Die schuttbeladene Zungenstirn rückt seit 1989 auf der ganzen Breite vor, nachdem sie sich seit 1981 immer höher aufgewölbt und abwechselnd zuerst auf der Nord-, dann auf der Südseite vorgeschoben hat.

nen Schwundjahr, was bei der Interpretation der Ergebnisse stets wieder in Erinnerung zu rufen ist.

Dass sich der Schwund im letzten Jahr hinsichtlich der Längenänderung verstärkt, hinsichtlich der Massenänderung jedoch eher abgeschwächt hat, ist nur scheinbar widersprüchlich. Für die Massenänderung sind die Klimabedingungen des Berichtjahrs allein massgebend. Bei kleinen flachen Gletschern mit geringer Massenumlagerung durch die Gletscherbewegung, das Fliessen und Gleiten des Eises, trifft dies weitgehend auch für die Längenänderung zu, beispielsweise beim Pizol und Sardona [Renaud 1963]. In den viel häufigeren übrigen Fällen hat die Umverteilung der Masse eine mehr oder weniger ausgleichende Wirkung, die je nach Grösse, Gestalt, Lagerung und Bewegungsverhalten des Gletschers über mehrere Jahre bis Jahrzehnte spürbar ist. Entspre- Tabelle 1 Längenänderung der Gletscher - Zusammenfassung 1988/89 bis 1990/91 Klassen Anzahl Glets( 1988/89 Anzahl :her und Prozentanteil der Klassen 1989/90 Prozent Anzahl Prozent 1990/91 Anzahl Prozent Beobachtungsnetz 121 121 121 nicht beobachtet 13 10 12'beobachtet 108 111 109 nicht klassiert 3 Stichprobe 105 100.0 111 100.0 109 100.0 wachsend 19 18.1 14 12.6 82 7.3 stationär 3 2.8 6 5.4 13 0.9 schwindend 83 79.1 91 82.0 100 "

91.8 Mittlere Längenänderung Mittelwert -9.1 m -9.7 m -12.3 m Anzahl Werte 85 89 895 Klassierung 1990/91 Den Klassen zugeordnet sind folgende durch ihre Nummer aus der Tabelle 2 bezeichnete Gletscher:

1 6 46 72 73 75 76 82 84 108 110 112 113; 2 7 15 19 30 35 70 87 105; 3 92; 4 1 2 3 4 5 8 9 10 11 12 13 14 16 17 18 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 31 32 33 34 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 71 74 77 78 79 80 81 83 85 86 88 89 90 91 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 106 107 109 111 114 115 116 117 118 119 120 Cr.

5 Im Durchschnittswert sind die Ergebnisse von 20 Gletschern nicht berücksichtigt: -Zahlenwert für mehrere Jahre: 31 32 67Einwirkung eines künstlichen Sees: 3 50; -Zahlenangabe ungenau oder fehlend: 9 13 30 37 48 49 55 56 58 65 79 107 115 116 117.

chend der Glättung wirken sich Klimaänderungen mit einer unterschiedlichen, als Reaktionszeit für den Gletscher typischen Verzögerung auf die Längenänderung aus. Statistische Untersuchungen für die Periode 1950-1985 ergaben für kleine Gletscher wie Pizol und Sardona oder auch Bella Tola, Sulz, Lischana u.a. eine Reaktionszeit von 1-7 Jahren, für die grössten ( Grosser Aletsch, Gorner, Fiescher ) eine solche von 20-25 Jahren [Müller 1988].

Zu den Gletschern mit langer Reaktionszeit gehören die 4 grossen unter den 8 Gletschern, die im Berichtsjahr an Länge zugenommen haben. Von diesen ist der Mont Durand ( seit 1954 jährlich, vorher nur zeitweise beobachtet ) wahrscheinlich zum ersten Mal seit den 1920er Jahren vorgestossen. Der Zmutt ist wie der Damma bereits seit einigen Jahren dauernd, der Turtmann dagegen nur zeitweise vorgerückt. Zu dieser Gruppe passt auch der Roseg, der in einzelnen Jahren vorgerückt, in anderen, wie im Berichtsjahr, stillgestanden ist, obwohl sein Zungenende ( durch Abschmelzen und zusätzlich durch Abbrechen von Eisbergen in den vorgelagerten natürlichen See ) besonders stark abgetragen wird. Von den 4 mittelgrossen und ziemlich steilen wachsenden Gletschern sind En Darrey und Rossboden seit einigen Jahren im Vorstoss. Die beiden andern sind bereits in früheren Jahren verschiedentlich durch angelagerten Firn ( Kaltwasser ) oder Lawinenschnee ( Suretta ) verlängert worden. Auf der Alpennordseite hat der Damma, auf der Alpensüdseite der Rossboden als einziger Gletscher an Länge zugenommen.

Der Findelen und der Obere Grindelwald, die vor gut einem Jahrzehnt durch besonders grosse Vorstossbeträge aufgefallen sind, gehören nun zu den Gletschern, die im Berichtsjahr besonders weit zurückgeschmolzen sind. Den grössten Längenschwund erlitt der Cheillon, dessen flache ausdünnende Zunge in den letzten zwei Jahren um 150 m kürzer wurde, gleich viel wie in den vorangehenden 16 Jahren seit 1973. In jenem Jahr ist sie durch die Abtrennung ihres vordersten Teils um 314 m verkürzt worden, nachdem sie von 1919 bis 1921 letztmals vorgestossen und von 1924 bis 1972 um Tabelle 2 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1990/91 Nr.

Gletscher Kt. b ) Längenänderung in Metern 1989/90 1990/91 C ) 0 ) Höhe m ü. M.

1991 Messdatum Tag, Monat 1989 1990 1991 Einzugsgebiet der Rhone ( II ) 1= Rhone VS - 16 - 31 2166 30. 8.

17. 8.

10. 8.

2 Mutt vs + 4 5 2582 30. 8.

17. 8.

10. 8.

3 = Gries vs - 6.2 - 8.8 2385.6 20. 9.

22. 8.

10. 9.

4= Fiescher vs 1 - 6.2 1671.6 9. 9.

6.10.

8. 9.

5 = Grosser Aletsch vs - 19.2 - 9 1554.9 2.12.

8.10.

21. 8.

106 = Mittelaletsch vs - 864 - 16 2284.4 8. 9.

6. 9.

5. 9.

6 Oberaletsch vs + 24.0 n 2143.5 1.12.

7.10.

n 7 = Kaltwasser vs - 41.1 + 3.6 2660 29.10.

13. 9.

11. 9.

8 Tälliboden vs - 7.9 - 7.9 2632.2 4.10.

1.10.

1.10.

9e Ofental vs - 84.1 — X 2688.990 4.10.

1.10.

1.10.

10 Schwarzberg vs + 1.9 + 6.0 2648.0 3.10.

28. 9.

11. 9.

11 Allalin vs - 57.3 - 34.6 2263.6 23.10.

23. 8.

11. 9.

12 Kessjen vs - 11.4 - 28 2877.7 2.10.

29. 9.

3.10.

13e Fee ( Nord ) vs — X — X 193289 31.10.

22. 8.

10. 9.

14= Gorner vs - 8.5 ca. 4 208387 2.11.

20.10.

20.10.

15 = Zmutt vs + 7 + 3 2242 29. 8.

16. 8.

12. 8.

16 = Findelen vs - 58.4 - 61.2 2486.8 27.10.

22. 8.

4. 9.

107 = Bis vs — X — X - 22. 9.

22. 8.

28. 8.

17 Ried vs 7.6 - 6.2 2058.2 5.10.

26. 9.

30. 9.

18 Lang vs 0 7 2028 23.10.

27.10.

16.10.

19 = Turtmann ( West ) vs - 9.9 + 7.2 2261 13. 9.

18. 9.

18. 9.

20 Brunegg ( Turtm. Ost ) vs + 2.8 - 5.2 2451 13. 9.

18. 9.

18. 9.

21 e Bella Tola vs - 0.9 - 13.1 - 6.10.

12. 9.

11. 9.

22 Zinal vs - 822 - 15 2030 n 13. 9.

27. 9.

23 Moming vs - 322 - 9.6 2340 n 13. 9.

27. 9.

24 Moiry vs - 2.8 - 5.5 239083 28.10.

4.10.

9.10.

25 Ferpècle vs 7.5 - 19.4 209583 14.10.

6.10.

4.10.

26 Mont Miné vs - 5.0 - 25.3 196383 14.10.

6.10.

4.10.

27 Arolla ( Mt. Collon ) vs - 10.5 - 26.4 213583 14.10.

11.10.

5.10.

28 Tsidjiore Nouve vs + 6.5 - 3.5 220583 14.10.

11.10.

5.10.

29 Cheillon vs - 70.6 - 79.3 2630 83 5.10.

4.10.

23.10.

30 = En Darrey vs + 0.7 + X 2490 83 4.10.

3.10.

23.10.

31e Grand Désert vs n - 732 2760 1.10.

n 25. 9.

32 = Mont Fort ( Tortin ) vs n - 2213 2780 n n 3.10.

33 Tsanfleuron vs - 9 - 15 241769 20.10 11. 9.

25. 9.

34= Otemma vs - 27.7 - 13.3 2460 20. 9.

10. 9.

18. 9.

35 e Mont Durand vs - 15.0 + 23 2360 21. 9.

11. 9.

19. 9.

36 = Breney vs - 12.3 - 11 2575 20. 9.

10. 9.

18. 9.

37 = Giétro vs - 4.3 — X 2480 ca.

25.10.

23. 8.

28. 8.

38 e Corbassière vs + 8 - 15 2169 16. 9.

7. 9.

12. 9.

39 Valsorey vs + 7.5 - 9 2395 4.10.

22. 8.

11.10.

40 Tseudet vs 0 - 11.8 2425 4.10.

22. 8.

11.10.

41 Boveyre vs - 2.0 - 25.0 2605 4.10.

29. 8.

11.10.

42 Saleina vs - 15 - 23.5 1700.7 13.10.

10. 9.

16.10.

108 Orny vs - x n - 25.10.

23. 8.

n 43 Trient vs - 13 - 19 1753 25.10.

14.10.

8.10.

44= Paneyrosse VD + 1.1 - 6.8 - 2.10.

10.10.

19. 9.

a ) Gletscher Kt. Längenänderung in Metern 1989/90 1990/91 b ) c ) c ) Höhe m ü. M.

1991 à ) Messdatum Tag, Monat 1989 1990 1991 45 e Grand Plan Névé VD + 4.5 - 10.4 - 26. 9.

28. 9.

20. 9.

46 Martinets VD n n - n n n 47 e Sex Rouge VD - 14.1 ca.

. 21.6ca.

- 24. 8.

27. 9.

24. 9.

48« Prapio VD - 10 ca.

— 15 ca.

- 11.10.

30. 9.

26.10.

49« Pierredar VD - X — X - 8. 9.

11.10.

6. 9.

Einzugsgebiet der Aare ( la ) 50e Oberaar BE + 2.3 - 4.1 2300 15. 8.

20. 8.

22. 8.

51« Unteraar BE - 41.4 - 16.6 1918 15. 8.

22. 8.

22. 8.

52« Gauli BE - 382 - 11 2150 n 18.10.

19. 9.

53 Stein BE - 2 - 5 1934 18. 9.

30. 9.

21. 9.

54 Steinlimmi BE - 4 - 12 2092 18. 9.

30. 9.

21. 9 55« Trift ( Gadmen ) BE - X — X 167080 20. 9.

6. 9.

22. 8.

56 e Rosenlaui BE - X — X 1860 ca.

24. 8.

20. 8.

6. 9.

57 Oberer Grindelwald BE - 9 - 53 1250 ca.

11.10.

26.10.

19.10.

58« Unterer Grindelwald BE - X — X - 11.10.

6.10.

21. 9.

59« Eiger BE - 16.3 - 28.4 2115 21. 9.

20. 9.

24. 9.

60« Tschingel BE - 2.5 - 9.0 2260 22. 9.

21. 9.

25. 9.

61 Gamchi BE - 2.4 - 3.1 1990 26. 9.

14. 9.

5. 9.

109 Alpetli BE - 7.3 - 1.7 2250 21. 9.

11. 9.

12. 9.

110 Lötschberg BE n n - 6.12.

n n 62« Schwarz VS - 17.3 - 8.4 2230 15. 9.

14. 9.

5.10.

63« Lämmern VS - 5.7 - 10 252088 14. 9.

15. 9.

1.10.

64« Blümlisalp BE - 5.5 - 11.2 2250 22. 9.

14. 9.

24. 9.

111« Ammerten BE - 3.4 - 5.9 2345 ca.

15.10.

3.10.

22.10.

65 e Rätzli BE - 22 - 20 ca.

2430 5.10.

22.10.

9.10.

112 Dungel BE n n - 18.11.

n n 113 Gelten BE n n - 19.11.

n n Einzugsgebiet der Reuss ( Ib ) 66 Tiefen UR - 11.5 - 14.1 250088 27. 9.

12. 9.

17. 9.

67 Sankt Anna UR n - 12.22 2580 28. 9.

n 17. 9.

68 Kehlen UR - 5.9 - 14.0 207889 20. 9.

13. 9.

11. 9.

69 Rotfirn ( Nord ) UR - 7.2 - 5.0 203189 20. 9.

13. 9.

11. 9.

70« Damma UR + 1.8 + 2.3 2044 M 20. 9.

13. 9.

11. 9.

71 Wallenbur UR - 2 - 6 2238 6.10.

26. 9.

9.10.

72 Brunni UR - X6 n - n 13. 9.

n 73 Hüfi UR - 3.9 n - 24.10.

14. 9.

n 74 Griess UR - 16.2 - 34.0 2218 2.10.

2.10.

4.10.

75 Firnalpeli ( Ost ) OW - 4.52 n - n 10. 8.

n 76 Griessen OW - 5.82 n - n 24. 8.

n Einzugsgebiet der Linth/Limmat ( Ic ) 77« Biferten GL - 5 4 1901.2 2.10.

29. 9.

14. 8.

78« Limmern GL - 0.1 - 4.9 2260 27.10.

16.10.

25. 9.

114« PI atta Iva GL - 53.15 - 10 2565 25. 8.

17.10.

25. 9.

79« Sulz GL n - 9.72 1785 5.10.

n 26.10.

80« Glärnisch GL - 3 - 5.4 2291.6 21. 8.

20. 8.

27. 8.

81« Pizol SG - 21.42 - 22.4 2600 n 18. 9.

26. 9.

Nr. a ) Gletscher Kt. b ) Längenänderung in Metern 1989/90 1990/91 e ) e ) Höhe m ü. M.

1991 à ) Messdatum Tag, Monat 1989 1990 1991 Einzugsgebiet des Rheins/Bodensees ( Id ) 82 Lavaz GR - x n 228589 4.10.

3. 8.

n 83« Punteglias GR — X — 22 2365 23.10.

28. 9.

4.10.

84 Lenta GR - 23.3 n 2310 6.10.

28. 9.

n 85« Vorab GR - 55.72 - 29.1 - n 29. 9.

4. 9.

86 e Paradies GR - 12.5 - 21.2 2403.4 8. 9.

10. 9.

18. 9.

87« Suretta GR - 32.0 + 47.5 2209.7 15. 9.

18. 9.

11. 9.

115e Scaletta GR n — X6 - n n 20. 8.

88 e Porchabella GR - 6.8 - 9.3 2640.7 15. 9.

3.10.

26. 9.

89« Verstankla GR - 2 - 6 2390 26. 8.

28. 8.

28. 8.

90« Suvretta GR - 18.2 - 18.8 2438.8 20. 9.

19. 9.

30. 8.

91e Sardona SG - 3.6 - 22.6 2500 25. 9.

14. 9.

18. 9.

Einzugsgebiet des Inns ( V ) 92e Roseg GR - 7.0 + 0.3 2159 28. 9.

10.10.

13. 8.

93 e Tschierva GR - 10.5 - 8.7 2142 28. 9.

10.10.

13. 8.

94« Morteratsch GR - 11.1 - 4.8 2031 1.11.

19. 9.

10.10.

95« Calderas GR - 11.6 - 17.0 2731 18.10.

26. 9.

1.10.

96« Tiatscha GR 0 10 2500 4.10.

3.10.

5.10.

97« Sesvenna GR - 3.5 - 6.9 2760 23. 9.

22. 9.

31. 8.

98« Lischana GR - 2.9 - 4.9 2750 30. 9.

15. 9.

17. 8.

Einzugsgebiet der Adda ( IV ) 99e Cambrena GR - 1.5 - 4.5 2520 14.10.

27. 9.

4.10.

100« Palü GR - 15.92 - 12.0 2330 n 18.10.

29.10.

101« Paradisino ( Campo ) GR + 9 11.5 2825 16. 9.

29. 9.

14. 9.

102« Forno GR - 18.5 - 18.7 2225 5.10 3.10.

10.10.

116« Albigna GR n — X6 2163 n n 16. 8.

Einzugsgebiet des Tessins ( III ) 120 e Corno TI - 3.5 - 6.5 2570 12. 9.

30. 8.

30. 8.

117« Valleggia TI - 6.8 - X 2420 15. 9.

7. 9.

25. 9.

118« Val Torta TI - 2.3 - 9.1 2535 15. 9.

10. 9.

6. 9.

103« Bresciana TI 5.8 - 12.0 2730 19. 9.

25. 9.

24. 9.

119« Cavagnoli TI - 15.7 - 16.0 2590 26. 9.

12. 9.

11. 9.

104« Basòdino TI - 2.9 - 1.9 2520 25. 9.

11. 9.

10. 9.

Cr« Croslina TI - 3.3 - 6.0 2670 21. 9.

6. 9.

18. 9.

105« Rossboden VS + 3.0 + 2.4 1950 12. 9.

13. 9.

11. 9.

Abkürzungen + wachsend st stationär — schwindend Allgemeine Bemerkungen In Tabelle 1 und Figur 3 des vorliegenden Berichts sind die Gletscher mit ihrer Nummer aus dieser Tabelle bezeichnet. .'Liegt ein Gletscher auf dem Gebiet mehr als eines Kantons, ist der Kanton angegeben, in dem sich das beobachtete Zungenende befindet.

Gilt die Angabe für eine mehrjährige Zeitspanne, ist die Zahl der Jahre angezeigt wie folgt: —13.42 = Schwund um 13.4 Meter in 2 Jahren. 1 Ist die Höhenkote des Zungenendes oder des Gletschertors nicht im Berichtsjahr gemessen, ist das Jahr der Messung.

folgenderweise angezeigt: 2253.086 = Kote 2253 m ü. M., gemessen im Jahr 1986.

Eine Bemerkung mit der Nummer dieses Gletschers wird im vollständigen 112. Bericht der Gletscherkommission veröffentlicht.

ca. ungefährer Wert x Betrag nicht bestimmt sn eingeschneit? unsichere Angabe n nicht beobachtet Abb. 5 und 6 Mont-Durand-Gletscher Die Ansicht vom Mont Rouge ( 5 ) am 29.8.1988 zeigt im Vergleich mit der am 11.9.1974 von Chanrion aus aufgenommenen Ansicht ( 6 ) die 282 m verkürzt worden war. Zum ebenso starken Schwund des Mont Fort, der von 1988 bis 1991 um 221 m kürzer geworden ist, hat möglicherweise die menschliche Betriebsamkeit im Gletscherskigebiet Tortin erheblich beigetragen. Jedenfalls hat der Beobachter im umgestalteten Vorgelände von den fünf alten, bis 1988 benutzten Messpunkten im Herbst 1991 nur noch einen einzigen wiedergefunden. Beim benachbarten Grand Désert ist die Verstärkung des Schwundes zurückzuführen auf die Bildung einer Kalbungsfront am natürlicherweise entstandenen kleinen See im Zungenbecken.

Im allgemeinen sind die Gletscher der Schweizer Alpen bereits wieder kürzer als zu Beginn des 1980er Vorstosses, abgesehen von den Fällen, in denen der Schwund den Längenzuwachs erst teilweise rückgängig gemacht hat. Gemäss der durchschnittlichen Längenänderung, die von 1974 bis 1985 mit wechselnden positiven und negativen Jahreswerten um einen Stillstand pendelte, sind sie inzwischen um rund 45 m verkürzt worden, d.h. etwa gleichermassen wie im langjährigen Durchschnitt.

Verbreiterung und Verdickung der Gletscherzunge an der Felsstufe in der Bildmitte als Vorboten des mittlerweile am Zungenende eingetretenen Längenzuwachses.

Zusammenfassung Im Herbst 1991 ist die jährliche Erhebung über die Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen zum 112. Mal durchgeführt worden. Dabei ist die Längenänderung an 109 Gletscherzungen ermittelt worden. In 100 Fällen ist ein Längenschwund, in 8 Fällen ein Längenzuwachs und in 1 Fall eine unbedeutende Veränderung festgestellt worden. Dieses Ergebnis weist das Berichtsjahr den sehr starken Schwundjahren zu. Solche sind seit 1880 durchschnittlich einmal in 4 bis 12 Jahren aufgetreten. Die Massenänderung ist in 3 Fällen für den ganzen Gletscher, in 7 Fällen für Teilgebiete oder an einzelnen Messpunkten bestimmt worden. In allen Fällen war der Schwund stärker als in den meisten der letzten 30 Jahre, aber - ausser beim Suvretta -weniger stark als im Vorjahr. In den südlichen Regionen war er wiederum deutlich stärker ausgeprägt als in den nördlichen. Das ungleiche Ausmass des Schwundes ergab sich hauptsächlich aus unterschiedlichen Verhältnissen am Winterende mit durchwegs normaler, im Süden nahezu durchschnittlicher, im Norden mässig überdurchschnitt- licher Mächtigkeit der Schneedecke. Trotz spätem Beginn und kurzer Dauer der Schnee- und Gletscherschmelze bewirkte dauerhaft grosse, durch eine Saharastaublage verstärke Wärme im Hochsommer durchwegs ungewöhnlich starkes Ausapern und äusserst intensives Abschmelzen der Gletscher. Geringer Firnzuwachs im Nährgebiet und extrem niedrige Fliessgeschwindigkeiten des Eises, vor allem im Zehrgebiet, führten allenthalben zu ausserordentlich starkem Dickenschwund.

Schlussfolgerungen Nach sieben aufeinanderfolgenden Jahren mit zu mildem Winter und zu warmem Sommer weist auch das Berichtsjahr erhebliche, im Hochsommer sehr grosse Wärmeüberschüsse auf. Im Gegensatz zu den durch Schneemangel geprägten Wintern der Vorjahre hatte die Schneedecke im Berichtsjahr während des ganzen Winters eine normale bis übernormale Mächtigkeit, wurde jedoch im Laufe des Sommers auf manchen Gletschern praktisch restlos verflüssigt, nebst grossen Mengen älterer Firn- und Eismas- sen. Die überaus starke Schmelze gereichte den Wasserkraftwerken zum Nutzen, den Sommerskibetrieben jedoch zum Nachteil. Diese sind grösstenteils innert der letzten 30 Jahre während einer Wachstumsperiode der Gletscher eingerichtet worden, teilweise in Höhenlagen, die in starken Schwundjahren regelmässig unterhalb der Schneegrenze liegen. In jener Periode sind starke Schwundjahre viel seltener aufgetreten als in den vorangehenden 30 Jahren, in denen die Gletscher oft noch stärker ausaperten als in den beiden letzten Sommern. Die Gletscher-und Wasserhaushaltsrechnungen zeigen, dass der von 1965 bis 1985 entstandene Massenzuwachs seither durch Schwund bereits wieder aufgezehrt, teilweise sogar überkompensiert worden ist. Der Längenzuwachs ist bei den einzelnen Gletschern entsprechend ihrer Reaktionszeit erst teilweise rückgängig gemacht, im allgemeinen jedoch überkompensiert. Die meisten Gletscher sind also heute kleiner als je zuvor in den 112 Jahren 218Figur 1 Witterung 1990/91 an einigen automatischen Stationen der SMA ( ANETZ ) a ) Jungfraujoch ( SMA-ANETZ ) 3580 m ü. M. Lufttemperatur-Tagesmittel ( in °C ) Sept. Okt. Nov. Dez. Jan, Feb. März April Mai Juni b ) Säntis ( SMA-ANETZ ) 2490 m ü. M. Niederschlag-Tagesmenge ( in mmI

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Sept.

Okt.

seit Beginn der systematischen jährlichen Beobachtung oder in den 140 Jahren seit Beginn des säkularen Gletscherschwunds. Wahrscheinlich sind sie - wie der Leichenfund am Hauslabjoch im Ötztal vermuten lässt - derzeit so klein, wie sie es letztmals vor mehr als 5 Jahrtausenden gewesen sind. Nach neueren Untersuchungen ist für die nächsten 50 Jahre eine ähnlich grosse Erwärmung der Atmosphäre zu erwarten, wie sie für die letzten 100 Jahre erwiesen ist. Daraus ergibt sich für die ( Lebenserwartung ) der Alpengletscher eine wesentlich günstigere Prognose als die im letzten Bericht angedeutete. Wenngleich weniger progressiver Schwund als der bislang für die angekündigte Klimakatastrophe verheissene erwartet werden darf, muss - bestenfalls - mit unverändert andauerndem Schwund gerechnet werden. Auch so erscheint das Fortbestehen der Alpengletscher begrenzt auf eine endlich lange Zeitspanne von mehreren Jahrhunderten bis einigen Jahrtausenden.

Verdankungen Wie jedes Jahr ist die Gletscherkommission auch bei der 112. Erhebung tatkräftig unterstützt worden von vielen Helfern, auf deren regelmässigen Beitrag sie seit Jahren und Jahrzehnten zählen darf. Sie dankt gerne und aufrichtig für - Mitarbeit bei den Feldaufnahmen: dem Forstpersonal der Kantone Bern, Glarus, 4000 3000 2000 1000 491 Graubünden, Obwalden, Sankt Gallen, Uri, Tessin, Waadt und Wallis, dem Personal der Kraftwerke Ägina, Mattmark, Mauvoisin und Oberhasli, den Feldglaziologen der VAW und den privaten Mitarbeitern Y. Biner, J.L. Blanc, H. Boss sen., H. Boss jun., A. Godenzi, E. Hodel, G. Kappenberger, P. Mercier und W. Wild; Durchführung zahlreicher Vermessungsflüge: dem Bundesamt für Landestopographie und der Eidgenössischen Vermessungsdirektion; Ergebnisse von Forschungsaufträgen: der Leitung der auftraggebenden vorgenannten Kraftwerkgesellschaften und den beauftragten Vermessungsbüros A. Flotron und H. Leupin sowie den Sachbearbeitern der VAW; Klima-, Schnee-, Abflussdaten: der Schweiz. Meteorologischen Anstalt und ihrem ehemaligen Mitarbeiter G. Gensler, dem Eidg. Institut für Schnee und Lawinenforschung, der Abteilung Hydrologie am Geographischen Institut der ethz sowie der Landeshydrologie und -geologie; Betreuung, Bearbeitung und Veröffentlichung der Gletscherbeobachtungen: der Direktion und zahlreichen Mitarbeitern der VAW/ETHZ.

Abb.7bis11 Oberer Grindelwaldgletscher Die Zungentatze, die von 1959 bis 1987 in der Schlucht hinter dem Felsnollen um 576 m bis in den Gletschersand vorgerückt und seither um 85 m zurückgeschmolzen ist, endet am 28.9.1991 abgflacht(7 ) nahezu gleichenorts wie mit aufgewölbter Stirn. ( 8 ) am 11.8.1977. Beim 221 Milchbachloch liegt die Eisoberfläche heute ( 9 ) geglättet und eingeebnet wieder etwa gleich hoch wie auf der Vergleichsansicht vom 1.7.1971 ( 10, Bildmitte ). Die Seractürme im Eisbruch, die Abbruchwand auf dem Nollen und die unterliegenden Sturzkegel, am 21.6.1986 nahezu beim höchsten Stand erfasst ( 11 ), sind allesamt nur noch Erinnerung.

Wertung der Klassen:

KlasseJahresniederschlag + 2sehr gross + 1gross 0normal -1klein — 2sehr klein Figur 3 Die Gletscher der Schweizer Alpen Lageänderung der Zungenenden 1991 Legende: Vorstoss © Rückzugnicht beobachtet ® stationär © unbestimmt b ) Sommertemperaturen 1991 Durchschnittliche Lufttemperatur vom 1. Mai bis 30. September 1991 Wertung der Klassen:

Klasse Sommertemperatur + 3extrem warm + 2sehr warm + 1warm 0normal Figur 4 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1879/80 bis 1990/91 a ) Anzahl beobachtete Gletscher ( N ) und gemittelte Messwerte ( M ) 50- N M 1879/80 1889/90 1899/1900 1909/101919/201929/30 1939/401949/501959/601969/701979/80 b ) Prozentanteile der wachsenden und der schwindenden Gletscher 100 1879/80 1889/90 1899/1900 1909/101919/20 1929/30 1939/401949/50 1959/60 1969/701979/80 1989/90 c ) mittlere jährliche Längenänderung ( in m )

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1879/80 1889/90 1899/1900 1909/101919/201929/30 1939/40 1949/501959/60 1969/701979/80 1989/90 Quellen Annalen ( in Vorb. ), Quartalshefte und Mo-natsbericht der SMA 1989-1991 Hydrologisches Jahrbuch der Landeshydrologie und -geologie 1989-1991 ( in Vorb. ) Jahresberich t der VA w 1991 Zumbühl, H.J., und Holzhauser, H.P. ( 1988 ): Alpengletscher in der Kleinen Eiszeit N 100 M 50 0 1989/90 20 10 0 -10 -20 -30 Renaud, A. ( 1963 ): Analyse climatique des variations de longueur des glaciers de Pizol et Sardona Müller, P. ( 1988 ): Parametrisierung der Gletscher-Klima-Beziehung für die Praxis: Grundlagen und Beispiele

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