Die Wässerregeln und Wässerarbeiten

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Die Wässerregeln und Wässerarbeiten«Im Ustag früh afah, Im Herbst früh si Iah! » lautet eine alte Wasserregel.

Im Frühjahr ist das Wasser viel « schwerer », d. tu gehaltreicher, als im Sommer und Herbst und nützt deshalb im Frühjahr mehr als später. In der Regel beginnt man mit der Wässerung nach der Schneeschmelze, Anfang April, und hört Mitte Herbstmonat auf.

Wenn der Herbst naht, so wässert man häufig nur am Tage und lässt das Wasser nachts vorbeifliessen.

« Wer viel wässert, muss auch viel düngen », denn das Schnee- und Quellwasser magert den Boden aus.

« Wasser ist nicht Mist! » heisst ein Bauernspruch. Je mehr man wässert, desto mehr muss man düngen.j In gewöhnlichen Jahren genügt es, wenn eine Wiese alle 10—14 Tage einmal normal gewässert wird, während bei Dürre sie häufiger bewässert werden sollte.

Es gibt Wassermannen, die glauben, je mehr man wässere, desto besser sei es. Der übertriebene Wasserhunger ist ebenso nachteilig wie Wassermangel. Bei allzu starker und häufiger Bewässerung wird ein kraft- und saftloses Futter erzeugt, und an den steilen Halden wird der Boden zum Abrutschen gebracht.

Die Wässerung geschieht in der Weise, dass man von der Zuleitung her am obern Rande der geneigten Wiesenfläche einen horizontalen oder wenig geneigten Verteilungsgraben macht, über dessen untere Kante man das Wasser die Wiese hinunterrieseln lässt. Damit die ganze Breite der Wiese gleichmässig getränkt wird, schiebt man in kurzen Abständen 2—4 Steinplatten quer in den Verteilungsgraben. Wenn das Wasser nach der ersten Wässerplatte am untersten Ende der Wiese angelangt und die Wiese gut durchfeuchtet ist, wird die erste Platte herausgenommen. Dann bekommen die folgenden Platten mehr Wasser. Die herausgenommene Platte wird weiter unten in den Verteilungsgraben eingesetzt und so fortgefahren, bis der ganze Wiesenhang bewässert ist. Schnelles Wässern ist besser als langsames, weil im letztern Falle der Boden zu stark abkühlt. Hat die Wasserleitung wenig Wasser, so genügen in dem Verteilungsgraben 2—3 Platten, während bei einem grossen Wasserquantum und einem grössern Gefälle des Verteilungs-grabens 4—6 und mehr Platten nötig sind. Das Wässern ist nicht nur eine zeitraubende, sondern auch eine mühsame, ungesunde Arbeit. Man muss beständig in dem Wasser herumwaten, bekommt dabei grässlichen Durst, ohne dass man mit dem schmutzigen Wasser den Durst löschen kann.

Ist in der Wiese eine Erhöhung, auf welche das Wasser nicht hingelangt, so wird eine kurze Wasserzuleitung ( ein « Schrapf » ) bis hierher gemacht, damit diese Stellen auch WTasser erhalten.

Wenn in erster Linie die Wiesen bewässert werden, so ist es gewöhnlich auch vorteilhaft, wenn man andere Kulturen bewässert, besonders die Kartoffeln. In trockenen Jahren würden dieselben auf trockenem Boden infolge Wassermangel ohne Bewässerung serbeln und zugrunde gehen. Sehr dankbar für die Bewässerung sind die Runkelrüben ( « Kraut » ), der Kopfkohl ( « Kabus » ) und in trockenen Jahren die Weinberge. Weniger anspruchsvoll ist das Korn ( Winterroggen ), dankbar dagegen sind die « Langsifrüchte » ( Sommergewächsedie Grossbohnen, die Gerste, und das übrige Sommergetreide überhaupt.

81 F. G. Stebler.

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