Edmund Fellenberg (1838-1902)

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Edmund VON Fellenberg ( 1838-1902 ) Die klassische Zeit des schweizerischen Alpinismus erreichte ihren Höhepunkt in der bergsteigerischen Tätigkeit Fellenbergs.

Edmund von Fellenberg wurde am 6. März 1838 als ältester Sohn des Chemieprofessors Ludwig Rudolf von Fellenberg in Bern geboren. Seine Schulbildung genoss er in Hofwil, im Institut « Salon » zu Ludwigsburg und am Gymnasium in Bern. Daran schlössen sich Studienjahre in Geologie und Mineralogie an der Berner Hochschule unter Bernhard Studer und 1858 an der kgl.säch-sischen Bergakademie zu Freiberg, wo er sich zum Bergingenieur ausbildete. Nach ausgedehnten Auslandreisen und einem kurzen, aber erfolglosen Début in den Walliser Erzminen übernahm er die ehrenamtliche Betreuung der mineralogisch-geologischen Sammlung des Berner Naturhistorischen Museums, die er zu einer der reichsten des Landes ausbaute. Als leidenschaftlicher Jäger brachte er eine prächtige Vogelsammlung zusammen und befasste sich daneben noch mit Urzeitforschung, Völkerkunde und Geographie. Seit 1861 Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, deren Präsidium er zweimal innehatte, gehörte seine spezielle Liebe aber der Geologie.

Das Verzeichnis seiner geologischen Arbeiten umfasst 41 Publikationen und beschlagen fast ausschliesslich die Berner Alpen und das angrenzende Wallis. Die eidgenössische Kartenkommission akzeptierte Fellenbergs neue Nomenklatur für die Lötschentaler Kette. Für den « Geologischen Atlas der Schweiz » übernahm er die sich über Jahrzehnte erstreckende, entbehrungsvolle Aufgabe der geologischen Aufnahme des Finsteraarhornmassivs, mit dem Ergebnis, dass er als bester Kenner dieses Gebietes galt. Dieses sein Hauptwerk, « Beschreibung des westlichen Teiles des Aarmassivs » von 1893, mit einer geologischen Karte 1:100 000 als Beilage, liefert nach dem Urteil seines Fachkollegen A. Baltzer « die Grundlage, auf die jeder spätere Forscher wird zurückgreifen müssen ». Die Universität Bern honorierte Fellenbergs wissenschaftliche Leistungen an ihrem Jubiläum zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1894 mit der Verleihung des Ehrendoktors, zu der sich Ehrungen vieler in- und ausländischer Gesellschaften gesellten.

Die breite Öffentlichkeit aber kannte ihn nur unter dem Namen « Gletscher-Fellenberg », welcher Ehrenname dem Bergsteiger galt. Bereits der 18jährige hatte, als Zweitbegeher, auf dem Wildstrubel und vier Jahre später auf der Lomnitzer-Spitze in der Hohen Tatra gestanden. In die Jahre 1862 bis 1880 fallen seine klassischen Bergbesteigungen. Ihre Zahl ist so gross, dass hier nur die Erst- und Zweitbesteigungen aufgeführt werden können: 1862 Klein- und Gross-Doldenhorn, Weisse Frau, Aletschhorn über SO-Grat ( 2. Besteigung1863 Silberhorn über SO-Flanke, Jungfrau über Rotbrettgrat ( Versuch und Aufgabe am « Fellenbergflühli » ); 1864 Ochs vom Fiescherjoch; 1865 Lauterbrunner Breithorn, Gross-Grünhorn von SW; 1866 Mönch über NW-Bollwerk, Mittelhorn W-Grat mit Abstieg über N-Grat; 1867 Jungfrau von N ( 2. Besteigung ), Bietschhorn W-Grat mit Abstieg über N-Grat; 1872 Birghorn von NW, Hockenhorn von Ried, Jjolli—Jjollilücke—Bietsch ( l.Traversierung ); 1877 Scheuchzerhorn über N-Grat ( Versuch ) und Scheuchzer-pass ( beide Seiten ) und 2. Besteigung von S, Steinhaushorn über W-Flanke, Fellenberglücke; 1878 Hohgleifen und Adlerspitzen von W, Wetterhorn-Mittelhorn-Berglijoch ( l.Traversierung ); 1879 Kastlerjoch, Wilerhorn von SO; 1880 Wiwannihorn; 1883 Bieligerlücke ( l.Traversierung nach Oberaarjoch ). ( Die Gesamtliste bei Wäber. ) Fellenberg war, seinem massigen, schwerfällig wirkenden Körper zum Trotz, der ideale Bergsteigertyp, von unvorstellbarer Ausdauer, Kraft und Zähigkeit als Gänger, hart gegen sich selbst, ein Könner in Eis und Fels, und hier, wo ihm sein schwerer Körper oft hinderlich war, erst recht. Diesem aristokratischen Stadtmenschen genügte sein « altes, vielerprobtes Plaid » bei seinen vielen nächtlichen Biwaks unter einem Felsblock, seinen Habersack als Kopfkissen, genügte einfachste Älplerkost. Mit dem erwähnten Habersack hatte es seine eigene Bewandtnis. Im Tal mit Speis und Trank gefüllt, ergab es sich meist, dass beim Auspacken nur geologische Handstücke zum Vorschein kamen - sehr zum Leidwesen seiner Gefährten! Neben dem feu sacré für die Berge loderte eben immer auch eines für seine geliebten Steine. Und oben meldete sich der Wissenschaftler, der, während seine Führer assen oder schliefen, sein « Diarium » auf dem « alten officiellen Wahrzettel des SAC » hervorzog, eine topographische Skizze der Umgebung oder gar ein Panorama zeichnete und einen bis 2 m hohen Steinmann errichtete, « der den Topographen einen willkommenen Schneidepunkt geben wird ».

Wie die Persönlichkeit Fellenbergs auf seine Mitmenschen wirkte, dafür zeugen wohl am besten die Worte seines Weggefährten Heinrich Dübi: « Ich habe nicht leicht über einen Menschen von Führern und Wirten, Bauern und Geistlichen mit solcher Wärme und Herzensfreude reden hören, wie über Fellenberg, und ich habe auch nie einen besseren Kameraden gehabt als ihn. » An den « Gletscher-Fellenberg » erinnert noch heute - ausser dem Fellenberg-Stein auf der Grossen Schanze in Bern - die von ihm geschenkte Glocke des Blattener Kirchleins.

Fellenberg war zwar einer der sieben Berner Mitgründer des SAC, übernahm aber im Berner CC von 1879-1881 nur den Posten eines Beisitzers, der sich u.a. mit dem Standort der Bergli- und der Glecksteinhütte zu befassen hatte. Die nachhaltigste Wirksamkeit für den Club entfaltete er zweifellos als alpiner Schriftsteller.

Im Gründungsjahr war bereits die andernorts erwähnte Monographie « Doldenhorn und Weisse Frau » erschienen. 1865 folgte das andere Gemeinschaftswerk « Das Hochgebirge von Grindelwald », zu dem Fellenberg seine Erstbesteigung des Ochs beisteuerte. Seine alpinen Erfolge und überragenden Fachkenntnisse fanden ihren Niederschlag im « Itinerarium für das Exkursionsgebiet des SAC für die Jahre 1882 und 1883 über die westlichen Berner Kalkalpen und den geologischen Teil des Finsteraarhorn-Centralmassivs », mit Nachträgen und Berichtigungen, das er zu einer eigentlichen Monographie ausbaute. Ihm liess er vier Jahre später ein « Kritisches Verzeichnis der Gesamtlitteratur über die Berner Alpen » samt Nachträgen folgen: Grundlage zu einem grossangelegten bibliographischen Werk, das krankheitshalber leider ungeschrieben blieb.

Kunde von Fellenbergs Pioniertaten geben aber vor allem die ersten 19 Jahrgänge des « Jahrbuchs » in über 10 Beiträgen über seine schönsten Erstbesteigungen ( Aletschhorn, Silberhorn, Lauterbrunner Breithorn, Gross Grünhorn, Mönch über das NW-Bollwerk - seiner grossartigsten Touru.a. m ). Öfters sind sie mit eigenen Panoramen geschmückt - das beste ist dasjenige vom Scheuchzerhorn von 1877 -. Dazu befähigte ihn nicht nur angeborenes zeichnerisches Talent, sondern auch « eine besondere Gabe des Sehens, der Sinn für landschaftliche Eigenart, Schönheit und Fülle » für die atmosphärischen Tönungen und die verschiedenartigsten Formen der Bergwelt. Deshalb fesseln seine Schilderungen auch den heutigen Leser. Den wissenschaftlich Orientierten sprechen besonders seine topographischen und geologischen Berichte aus Gastern, Lötschen, Oberhasle, Baltschieder und Rhonegebiet an. Reichlich verdient war darum die Zuerkennung der Ehrenmitgliedschaft des SAC an der Generalversammlung in Schwyz von 1885.

Die Sektion Bern verehrt in Fellenberg ihren ersten Vorstandssekretär und einen hochherzigen Donator ( ein Bergzelt neben einer reichen Panoramensammlung ).

Schwerer Familienkummer und eine schleichende tückische Krankheit umschatteten seinen Lebensabend. So kam der Tod am 10. Mai 1902 als Erlöser zu ihm. In den Annalen des Alpinismus aber lebt Fellenberg weiter als der Berner Alpen-Pionier und als Verkörperung eines neuen Berg-steigertypus ', in dem der Alpinist mit dem Forscher eine ideale Personalunion eingegangen ist.

Paul Sieber

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