Erlebnisse in Sardinien

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Claude und Yves Remy, Jaman

Der Cusidore, der einzige Sardiniens Schon vor einigen Kilometern haben wir die geteerte Strasse verlassen. Wir fahren jetzt über eine ununterbrochene Folge von Buckeln und Löchern, werden hin- und hergeschüttelt im Wagen, dessen Radio nur noch Tonfetzen von sich gibt. Selbst Hardrock und Kassetten leiden. Dann, in einer Kurve, ist die Fahrspur durch kreuz und quer abgestellte Wagen versperrt, zwischen ihnen gestikulierende Männer. Sie wirken recht vergnügt. Kannen voll einer roten Flüssigkeit machen die Runde: Wein natürlich, und dabei ist es heiss!

Später, sehr viel später, sind wir in Sa Oche angekommen, ganz tief im Lanaitto-Tal. Ein hübscher Name für das schöne kleine Tal, in dem wir unser Lager aufschlagen.

Erste Klettertouren und die Rache der Schweine Unser Freund Andrea Gobetti hatte uns schon seit langem von Sardinien erzählt. Er besucht die Insel seit zwanzig Jahren, vor allem aus Interesse an den Höhlen, aber auch als Kletterer, der dort verschiedene Erstbegehungen ausgeführt hat. Francesco Palimodde, ein aktiver Kletterer und Höhlenforscher ( in Sardinien üben fast alle beide Sportarten aus ) und ein alter Freund von Andrea, zeigt uns die Klettergebiete seiner Heimat.

Wir beginnen mit dem Cusidore, einer schönen weissen Pyramide, die zwischen den Orten Dorgali und Oliena aus dem Tal aufragt. Von der Strasse aus scheint uns dieser Berg etwas ( grasbewachsen ). Wir beschliessen, eine im letzten Herbst eröffnete Route zu durchsteigen. Ihr Name: ( Le destin frappe à la porte ). Ein ganzes Programm! Dort gibt es nicht mehr zuviel Gras, dafür ziemlich kompakten Fels mit sehr geringer, kaum wahrnehmbarer Oberflächenstruktur. Wasserspu-ren von einem kürzlichen Regen, die wegen der Nord-Exposition der Wand nicht so schnell verschwinden, erleichtern uns das Vorankommen nach oben auch nicht gerade. Zum Glück ist die Route gut abgesichert. Auf dem Gipfel angekommen, entdecken wir eine für die Insel charakteristische Landschaft: gebirgige Gebiete, schroffe Felsen, Maquis, weiter unten dann Täler, in kleine Flecken aufgeteilt, deren Farbe je nach landwirtschaftlicher Nutzung wechselt.

Unser Drang, Routen zu eröffnen, lässt uns offensichtliche Möglichkeiten entdecken. So erschliessen wir in der Flanke links von der klassischen Route des Nordwestpfeilers eine recht sympathische, abwechslungsreiche Route in jenem Kalkstein, den wir über alles schätzen und der ebenso strukturiert ist wie irgendein Fels in Südfrankreich.

Bei der Gelegenheit entdecken wir, dass für die Sarden das kleinste Ereignis eine Gelegenheit bietet, ein Fest zu organisieren, und dass sie auf diesem Gebiet Fachleute sind! Bei unserer Rückkehr schlachten unsere Gastgeber tatsächlich einige Spanferkel, die sofort am Punta Goloritze, auf dem rechten Grat ein Kletterer Spiess gebraten werden! Dieses Mahl, das typischste der Insel, wird seit Jahrtausenden so zubereitet ( man hat in Sardinien Besiedlungs-spuren entdeckt, die bis in die Zeit um 7000 v. Chr. zurückgehen ). Doch während der Mahlzeit bahnt sich irgendetwas an. Bei unserer Rückkehr zum Lager finden wir Yves'Zelt vollkommen verwüstet vor. Die Verwandten der Ferkel haben sich gerächt!

Unter Adlern, Geiern und Eidechsen Da unser Aufenthalt unter dem Motto ( Entdeckungen ) steht, unternehmen wir auch verschiedene Wanderungen. Auf diese Weise besuchen wir die Gola su Gorruppu, die bedeutendste Schlucht des Landes. Sie liegt südwestlich von Dorgali am Rio Flumineddo. Von unten her führt ein ausgezeichneter Pfad in einer Wegstunde zum Eingang der felsigen Talenge. Dort könnte man meinen, im Verdon zu sein. Zu unserer Linken ragt, kompakt und streng, eine grosse, 300 m hohe Wand auf ( ist es der Duc ?), zu unserer Rechten dagegen ist die Route zu sehen ( die einzige in diesem Gebiet !), die Andrea und seine Freunde eröffnet haben.

In einer Zeit, in der es schwierig wird, eine Route zu begehen, ohne mit zwei oder drei anderen in Berührung zu kommen, macht es wirklich Freude, die Felsen von Sardinien zu sehen. Und während wir in die gewaltige wilde Schlucht eindringen, schweben über uns lautlos, ohne Spuren zu hinterlassen, Adler und Geier.

Eine halbe Stunde Marsch von unserem Lager entfernt liegt zwischen 120 m hohen Felswänden das enge Surtana-Tal. In der Südflanke des schönsten Turms steigt die Route auf, ein eigentliches Fest modernen Kletterns in einem ausserordentlich soliden und sozusagen unberührten Fels.

Später, nach zwei genussvollen neuen Routen, leisten wir uns ein wohlverdientes Sonnenbad auf dem Gipfel. Doch plötzlich packt mich wilder Schrecken: klettert auf meinen Körper! Ich springe entsetzt auf, glaube, einer Viper ausgeliefert zu sein - dabei ist es nur eine Eidechse!

Es scheint merkwürdigerweise in Sardinien keine Giftschlangen zu geben. Auf jeden Fall haben wir während unserer ganzen Reise nicht eine einzige gesehen.

Ein unterirdisches Eldorado Man kann sich nicht längere Zeit in Sa Oche aufhalten, ohne mit der besonderen Welt der Höhlenforschung in direkte Berührung zu kommen. Direkt hinter der Hütte befindet sich der Eingang zu einem der wichtigsten unterirdischen Höhlensysteme des Landes, dem Su Bentu ( seine Erforschung ist voll im Gang ).

Einen der grossen Vorteile der sardischen Höhlen bildet die dort herrschende milde Temperatur von ungefähr 18 °C im Jahresmittel. Das bedeutet, dass man, anders als in sonstigen Höhlen, verhältnismässig leicht gekleidet sein kann und bei Schwierigkeiten über eine grössere Sicherheitsmarge verfügt. Ein Besuch drängt sich also auf ( es werden übrigens mehrere werden ), dies um so mehr, als Sardinien eins der unterirdischen Eldorados unseres Planeten besitzt. In Begleitung von Andrea und drei weiteren Mitgliedern des örtlichen Speleologenklubs, Gianni, Fabrizio und Salvatore, ziehen wir zu einer seriösen Erkundung aus. Das Unangenehme am Su Bentu sind seine Seen. Es gibt mehr als fünfzig, die mit Hilfe eines aufblasbaren Bootes überquert werden, das von See zu See getragen werden muss. Weil ich das Wasser nicht allzusehr liebe, vermeide ich die Fahrt über die Seen, indem ich an ihren Ufern entlang klettere, übrigens in einem ausgezeichneten rauhen Fels. Die unterirdische Welt ist für den, der sie zu würdigen weiss, faszinierend. Obendrein ist das Innere des Su Bentu enorm gross für den Menschen, der sich darin recht klein fühlt. Gleichwohl, wir sind vorangekommen, sei es mit dem Boot, sei es kletternd. In einem bestimmten Moment sind wir in eine kürzlich erforschte Strecke, die der , abgebogen bis hin zu einem grossen Schacht mit einem Siphon, den wir nicht überwinden können. Als wir nach ungefähr fünfzehn Stunden wieder aus der Höhle auftauchen, weiss ich, dass ich zwei Tage lang weder klettern noch wandern kann: Meine Füsse sind zerschunden, rot und geschwollen; sie bereiten mir noch mehr Schmerzen, nachdem es mir mit unendlicher Mühe gelungen ist, die leichten Kletterschuhe abzuziehen. Aber was macht das schon, in der Sonne geht es mir gut.

Der Pecorino an der Punta Goloritze Nahe den Strassen ragen zahlreiche kleinere und grössere Felsbastionen auf, in denen häufig Reihen von Bohrhaken aufblitzen. Zwischen zwei Klettertouren an der Poltrone gehen wir zu den Thermalquellen von Su Anzu, um uns in dem 28 °C warmen Wasser zu entspannen, gratis!

Auch die Küste kennenzulernen gehört dazu, zum Beispiel bei einem Photo- und Klet-teraufenthalt in Cala Fuili oder bei einem Besuch des herrlichen, abgelegenen und nicht von einer Strasse erschlossenen Strandes von Cala di Luna.

Im Norden der Insel entdecken wir einen fabelhaften Granit. Seine Formen sind ungewöhnlich, von der Erosion durch Wind, Meer und Salzluft gerundet; sie eignen sich sehr gut zum Boldern ( Blockklettern ).

Doch die schönste Klettertour, die man nicht verpassen sollte, bietet sicher die Punta Goloritze. Die Erstbesteigung im Jahre 1981 wurde von einem der grossartigsten und sympathischsten Kletterer Italiens, Maurizio Zanolla ( besser bekannt als Manolo ), und seinem Freund Alessandro Gogna ausgeführt.

Wir lassen die Wagen in der Nähe von San Pietro, ein Stück nördlich von Baunei. Auf einem Pfad erreichen wir einen kleinen Pass, von dem aus wir mit einem Blick ein enges Tal entdecken, das zum Meer hinunterführt. Dort begegnen wir frei weidenden Kühen, Ziegen und Schafen, später auch Schweinen mit vielen Ferkeln, die grunzend aus dem Gebüsch auftauchen. Dann treffen wir auch auf den Herrn des Ortes, den Hirten mit dem harten Blick und dem goldenen Herzen - wie man zu sagen pflegt. Nun folgt der Empfang! Hier sollte man weder einen Zeitplan aufstellen, noch muss man sich eigens den Verhältnissen anpassen, vor allem wenn sie angenehm sind. Gleichwohl sind wir froh, dass er kein Schwein schlachtet, denn dann müssten wir das Klettern auf einen andern Tag verschieben!

Schliesslich kommen wir an den Fuss der herrlichen spitzen Pyramide der Punta Goloritze, die mit 140 m das Meer überragt. Sie zu erklettern ist eine echte Freude: guter Fels, reine Luft, ganz tief unten das bewegte smaragdene Meer, dazu der uns ungewohnte Salzgeruch.

Vom Gipfel eines Berges aus entdeckt man immer eine Landschaft, doch hier ist die Umgebung von ganz besonderer Art. Man meint, ganz woanders zu sein, es ist ein wenig, als sei man auf dem Mond. Vielleicht kommt daher die Bezeichnung , der man in Sardinien oft begegnet.

Nachdem wir uns über mehrere Längen abgeseilt haben, entdecken wir auf unseren am Fuss des Felsens zurückgelassenen Rucksäcken eine Flasche und einen Käse, einen grossen Pecorino. Der Hirte, sicher! Übrigens, Vorsicht! Man versuche nicht, einen solchen einheimischen Käse mit einem Schweizer Offiziersmesser anzuschneiden. Das Heft bricht und die Klinge auch! Das sei aus Erfahrung gesagt.

Eröffnung einer Route am zehnten Turm von Surtana Kurze Geschichte des Kletterns in Sardinien Sardinien hat keine alpinen Gipfel, der Cusidore kann als der einzige des Landes gelten. An seinen Nord- und Nordwestflanken gibt es Routen bis zu 400 m.

Die Geschichte des Kletterns in Sardinien ist noch jung. Sie beginnt in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts, obgleich einige Routen schon vorher eröffnet wurden. Merkwürdigerweise haben zwei Seilschaften am selben Tag, am 1. Oktober 1973, zwei lange Routen in den Wänden des Cusidore eröffnet:

Einerseits A. Partei und A. Caurla in der Nordwand die Route ; andererseits gelang dem Trio E. Beber, C. Andreatta und G. Cagnati die Besteigung des eleganten Nordwestpfeilers. Das wurde später eine der grossen klassischen Routen. Die bewältigten Schwierigkeiten, zu jener Zeit noch teilweise in künstlicher Kletterei ( vor allem bei der Eröffnung ), bewegen sich im Rahmen V/A1.

Die Fortsetzung der Geschichte ist durch die sukzessive Entdeckung von Klettergebieten auf der Insel, so der Granitplatten des Nordens, gekennzeichnet. I. Mozzanica, M. Fontana und F. Ceppi sind die aktivsten Eröffner von Routen, ebenso wie die im Zusammenhang mit dem Cusidore Erwähnten, zu denen sich kurz darauf noch die ( maestri ) M. Liggi, A. Scano, C. Pibiri und der noch heute tätige B. Poddescu gesellen.

Ende der siebziger Jahre kommt dann die Mannschaft der , die aus G. Battinelli, M. Frezzotti, I. lorio, F. Antonioli und U. Frighi besteht. Sie eröffneten Routen in neuen Gegenden wie der Platte der Poltrone und dem Surtana-Gebiet. Doch der Stil des Kletterns basiert immer noch auf der alten Technik. So wurde die klassische Route ( Woodstock ) ( 1979 ) an der Poltrone bei ihrer Eröffnung VIA2 eingestuft, heute aber nur noch mit V bewertet ( übrigens exponiert und etwas unterbewertet ).

Im Jahr 1980 trat die grosse Änderung ein. A. Gobetti durchstieg - für einen Film - die Gola su Gorruppu zusammen mit zwei sehr leistungsfähigen Kletterern, Marco Bernardi und Claudio Persico. Diese machen dabei am unteren Ausgang der Schlucht, an ihrer linken Begrenzung, einen herrlichen, 300 m hohen Pfeiler aus. Die Versuchung ist zu stark: Kurz darauf eröffnen sie die Route ( Cornino ) ( zum Gedenken an ihren Freund Gianni Cornino, der an der Südwand des Montblanc den Tod gefunden hatte ). Es war zu jener Zeit sicher die bedeutendste Route in Sardinien: 300 m in einem Charakter gleich jenem der am Ende der sechziger Jahre in den Gorges du Verdon eröffneten Routen.

Marco Bernardi erliegt dem Zauber der Insel. Er kommt häufig und mit verschiedenen Freunden wieder und eröffnet etwa zehn Routen. Einer dieser Freunde, Alessandro Gogna, begeistert sich ebenso für Sardinien. Nach einigen Erkundungen beschliesst er, ein Buch zu veröffentlichen, und bringt nun für einige längere Erkundungsstreifzüge seinerseits eine Gruppe von Kletterern mit, die zu den lei- stungsstärksten von Italien gehören: O. Antonioli, R. Bonelli, natürlich M. Bernardi und vor allem Maurizio Zanolla, genannt Manolo. Dieser bewältigt die Routen zu Dutzenden, sehr schnell und mühelos, seien es neue Felsklippen am Meer, sei es in Überhängen oder bei der Erstbegehung der erstaunlichen und herrlichen 140 m hohen Punta Goloritze. Manolo richtete die ersten echten 6b-Routen ein und gab damit dem Klettern in Sardinien neuen Schwung.

Im Jahr 1985 vollzog Heinz Mariacher einen bemerkenswerten Entwicklungsschritt: Er eröffnete einige kurze Routen, darunter die erste im Schwierigkeitsgrad 7b ( in Cala Gonone ).

30 km Einige der wichtigsten Klettergebiete von Sardinien 1 Capo Testa 2 Capo Figari 3 Cusidore 4 Cala Gonone ( Poltrone, Fuili ) 5 Cala di Luna 6 Surtana 7 Gola su Gorruppu 8 Punta Goloritze 9 Capo Buggerra Die einheimischen Kletterer ( und solche, die sich in Sardinien niedergelassen haben ) sind ihrerseits äusserst aktiv. Sie vervielfachen die Zahl der Routen und richten eine Menge Klettergärten ein. Sie eröffnen zudem Routen, die durch ihre Länge ( 250 m ) und ihren hohen Schwierigkeitsgrad ( 7a ) Bedeutung haben, dies vor allem in den Wänden des Cusidore.

Es sei abschliessend darauf hingewiesen, dass Sardinien heute Kletterrouten bietet, deren Schwierigkeit den Grad 8(= 9 + UIAA ) erreicht. Die aktivsten Kletterer auf diesem Niveau sind G. Garippa, F. Feie und vor allem Maurizio Oviglia und Beppe Domenichelli, die Autoren des ersten Topo-Führers für das Klettern in Sardinien. Und wenn man bedenkt, was alles noch getan werden kann, so darf man sicher sein, dass die Geschichte des Kletterns auf der Insel noch längst nicht abgeschlossen ist.

Allgemeine praktische Hinweise Man erreicht Sardinien mit dem Schiff oder dem Flugzeug. Von Genua aus verkehren täglich Fähren nach Olbia und Porto-Torres. Die Überfahrt erfolgt während der Nacht. In der Hochsaison muss der Platz rechtzeitig reserviert werden, besonders wenn man den Wagen mitnimmt. Der Preis variiert je nach Wagengrösse und Zahl der Insassen.

Sardinien ist eine autonome Region Italiens. Die Insel liegt ungefähr 180 km von der italienischen und tunesischen Küste entfernt. Die Sarden, als Insulaner, sind sehr stolz. Für sie kommt zunächst Sardinien, dann erst der , das heisst der Rest der Welt. Sie sprechen Sardisch und nicht Italienisch, mit dem ihre Sprache allerdings eng verwandt ist. Die Sarden sind äusserst gastfreundlich, dennoch ist es günstig, eine Kontaktperson auf der Insel zu kennen, um das Land wirklich entdecken zu können.

Die Hauptstrassen sind geteert, die Nebenstrassen jedoch nicht. Man sollte also für einen robusten Wagen mit genügend Bodenfreiheit sorgen. Vierradantrieb ist nicht notwendig, kann aber manchmal nützlich sein, um einige Anfahrten abzukürzen. Ausserhalb der Städte sind Tankstellen selten. Eine Wasserreserve kann sich, je nach dem Zielgebiet, als lebensnotwendig erweisen.

In den Städten sind alle Lebensmittel zu bekommen; an Klettermaterial sollte man allerdings das Notwendige mitbringen, um unabhängig zu sein.

In der Südwand des zehnten Turmes von Surtana Bei der Erstbegehung der Route

V-V-:

Der herrliche Strand von Cala di Luna Capo Testa im äussersten Norden von Sardinien: Blockklettern in Granit Wildes Camping ist auf der ganzen Insel verboten. Natürlich gibt es eingerichtete Campingplätze, es ist aber auch möglich, Unterkünfte zu günstigen Preisen zu mieten.

Sardinien ist 270 km lang, 140 km breit, besitzt zahlreiche Ebenen und felsige Hügel/ Berge, die mit Maquis bedeckt sind. Die Landschaft ist herbe. Die Küste ist oft stark zerklüftet, da und dort gibt es kleine Buchten mit feinem Sand und durchsichtig-klarem Wasser. Das alles bildet ein Ensemble, das zu Recht als einzigartig im Mittelmeerbecken gilt. Sardinien hat 1,6 Millionen Einwohner, gut die Hälfte lebt von Ackerbau oder Viehzucht, das bedeutet, dass in einigen Gebieten alte Sitten noch durchaus lebendig sind.

Praktische Hinweise für Kletterer1 Es gibt in Sardinien keine eigentlichen Gebirgsketten. Die höchste Erhebung, die Punta la Marmora ( 1834 m ), liegt in dem isolierten grossen Massiv der Monti del Gennargentu. Man trifft auf der Insel hauptsächlich auf stark modellierten Kalkstein, auf vom Meer geglätteten Granit mit erstaunlichen Formen ( im Norden ) und, in bescheidenem Masse, auf Basalt.

Der Kletterer wird sein Vergnügen in zahlreichen ausgerüsteten Klettergärten finden, zu denen der Zugang ebenso kurz wie bequem ist. Sie sind ein bisschen überall verstreut ( vor allem aber im Landesinnern ). Ausserdem gibt es an der Küste Felswände von 100 bis 300 m'Vgl .auch MB 12/89 Aus dem französischsprachigen Teil. Übersetzt von Roswitha Beyer, Bern Höhe. Das Land besitzt einen einzigen , den Cusidore, einen 350 m hohen Berg mit einer Auswahl schöner Routen. Cusidore und die 140 m hohe Punta Goloritze sind für Kletterer in Sardinien obligatorische Ziele.

Die Mehrzahl der wichtigen Gebiete liegt nahe der Mitte der Ostküste. Wenn der Fels auch überall eine herrlich strukturierte Oberfläche hat, so ist er doch oft mit Vegetation bedeckt, und den Wänden fehlt, abgesehen von Ausnahmen, die eindrucksvolle Grösse. Trotzdem wird man angesichts der unendlichen Möglichkeiten, die Sardinien zu bieten hat, leicht etwas finden, um einen Aufenthalt ( oder mehrere ) auszufüllen: Die riesigen Felsklippen sind noch nicht unter dem Gesichtspunkt des Kletterns betrachtet worden, und kleine Felsen gibt es in Unmengen. Dies für die Eröffner von Routen!

Klima: Sardinien hat ein angenehmes mildes Klima. Man klettert dort während des ganzen Jahres, wenn es auch im Sommer zu heiss und im Winter zu kalt werden kann. Frühling und Herbst sind die beiden geeignetsten Jahreszeiten.

Literatur Merkwürdigerweise gibt es wenig Publikationen und Artikel über das Klettern in Sardinien.

Es sei hier das Werk von Alessandro Gogna, Mezzogiorno di pietra ( Edition Zanichelli, 1982; regelmässige Neuauflagen ), genannt, das eine Auswahl von Klettertouren in Süditalien und auf den Inseln bietet. Etwa die Hälfte des Buches ist Sardinien gewidmet. Dieses Werk hat zuerst das Vorhandensein von Klettergebieten in Sardinien bekannt gemacht.

Der erste Topo-Führer der Insel, Pietra di luna von Maurizio Oviglia und Beppe Domenichelli, ist im Frühjahr 1989 erschienen. Das Werk der beiden sehr aktiven Kletterer umfasst 500 Routenbeschreibungen mit Karten und Skizzen. Der sehr klare, knappe und genaue Führer ist für einen Aufenthalt auf der Insel unerlässlich. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass die Bewertung der alten, inzwischen klassischen ( aber nicht unbedingt gut ausgerüsteten ) Routen und diejenigen der neuen, gut eingerichteten nicht sehr gut übereinstimmt. Tatsächlich wurden der geforderte Einsatz und die Ausgesetztheit der alten Routen nicht berücksichtigt.

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