Himalaya-Chronik 1977

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

Trevor Brakam

( Bilder Jj bis 61 ) I. NEPAL Noch vor ungefähr sieben Jahren waren bergsteigerische Expeditionen weitgehend auf die Vormonsunzeit, also auf die Monate von April bis Juni, beschränkt, und es galt als eher ungewöhnlich, in der kurzen Zeit zwischen dem Ende des Monsuns und dem Winteranfang Besteigungen durchzuführen. Dies hat sich aber seither geändert, und die Saison nach dem Monsun hat praktisch eine ebenso grosse Bedeutung erlangt. Zwei Gründe sind dafür verantwortlich: Erstens müssen die immer zahlreicher werdenden Expeditionen ihre Berge im voraus « buchen » und dabei ganz einfachjene Saison akzeptieren, die noch frei ist; zweitens ist es dank grösserer Erfahrung und besserer Ausrüstung möglich geworden, auch bei heftigem Wind und bitterer Kälte im Herbst schwierige Routen auf die höchsten Berge der Welt zu begehen.

Obwohl die nepalesischen Behörden ihre Bestimmungen, welche die Bewegungsfreiheit der Expeditionen im allgemeinen stark einschränken, häufig geändert haben, hat die Bergsteigertätigkeit keineswegs nachgelassen. In der Vormonsunzeit 1977 waren 11 Expeditionen im Himalaya, und 11 weitere besassen eine Genehmigung für die Nachmonsunzeit. Für das Jahr 1978 sind 17 Bewerbungen für den Frühling, 8 für den Herbst bewilligt worden. Am stärksten « gebucht » ist nach wie vor der Mount Everest: seine Frühlings- und Herbstsaisons sind bis 1982 durchwegs schon vergeben. Der Mount Everest heisst bei den Nepalesen Sagarmatha; dies ist eine aus dem Sanskrit stammende Bezeichnung des eher bekannten tibetanischen Namens Chomolungma. So haben die Sherpa den Mount Everest schon immer genannt. Der Name bedeutet « Mutter der Welt ».

Vormonsunzeit'977- Die Wetterbedingungen wurden als normal bezeichnet, obwohl die vereinzelt auftretenden Stürme, welche dem Monsun von Ende April bis Anfang Mai normalerweise vorausgehen, viel heftiger waren und auch länger anhielten. Jedoch kann kaum eine der gescheiterten Expeditionen - und von 11 war nur gerade eine erfolgreich - die Schuld an ihrem Misslingen dem Wetter zuschieben.

Everest ( 8848 m ) Neuseeländische Expedition. Leiter: Keith Wood-ford. Route: über den Südsattel. Dies war der erste Versuch, den Everest ohne die Hilfe von Sherpa-Hochträgern zu bezwingen. Das Basis-Lager wurde am 20. März, das Lager V ( 7561 m ) am 25. April errichtet. Der Südsattel ( 7986 m ) war der höchste Punkt, den die beiden Expeditionsmitglieder Michael Brown und Michael Mahoney am 14. Mai erreichten.

Lhotse ( 8511 m ) Westdeutsche ( schwäbische ) Expedition. Leiter: Dr. G. Schmatz. Route: vom Khumbu-Gletscher aus direkt über die Nordwestflanke. Über diese neue Route wurde der Berg nun zum zweitenmal bestiegen. Zehn der dreizehn Teilnehmer erreichten vom B. bis I o. Mai in drei Gruppen den Gipfel, Michael Dachner sogar ohne Sauerstoff. Ein anderes Mitglied, Max Lutz, stürzte nach dem Abstieg vom Gipfel tödlich ab.

NUPTSE ( 7879 m ) Japanische Expedition. Leiter: Haruo Kato. Route: Nordwestgrat. Die acht Mann starke Expedition schaffte die Erstbesteigung des Nordwestgipfels ( 7745 m ). O. Kunii und Sherpa Jam-boo erreichten ihn am to. Mai.

Makalu ( 8481 m ) Amerikanische Expedition. Leiter: John Roskelly und Jeff Long. Route: Westflanke. Roskelly erkrankte und verliess die Expedition zusammen mit Dave Burns noch während des Anmarsches. Der Besteigungsversuch wurde abgebrochen, nachdem eine Lawine ein Lager zerstört hatte. Die Expedition war bis auf rund 7000 Meter Höhe vorgestossen. Nach der Rückkehr nach Kathmandu wurde Jeff Long des Schmuggeins beschuldigt, festgenommen und in Haft gesetzt.

Makalu II ( 7640 m ) Japanische Expedition. Leiter: Hidekai Yoshi-naga. Route: Nordwestgrat. Dies war eine neue Route; auf ihr erreichte die Expedition eine Höhe von 7450 Metern, bevor sie am 16. Mai umkehren musste.

Dhaulagiri I ( 8167 m ) Internationale Expedition. 6 Teilnehmer: Peter Habeler ( Österreich ), Otto Wiedemann ( Deutschland ), Mike Covington ( USA ), Leo Dickinson und Eric Jones ( England; Leiter: Reinhold Messner. Sie suchte einen neuen Weg über die Südflanke, musste aber Ende April aufgeben, nachdem keine sichere oder begehbare Route gefunden worden war. Obwohl dieser Berg über den Nordostgrat schon drei- oder viermal bezwungen worden ist ( es wird von einer geheimen Besteigung im Herbst 1976 berichtet ), hat doch noch niemand die grossen Flanken der Nord- und Südseite durchklettert. Im März 1976 hatte eine 17 Mann starke japanische Expedition einen Angriff über den Südgrat versucht.

Manaslu ( 8156 m ) Deutsche Expedition. Leiter: Gerhard Lenser. Route: Nordostgrat. Nachdem die Expedition vom Lager III aus ( 6400 m ) eine Höhe von 6800 Metern erreicht hatte, musste sie am B. Mai wegen akuter Lawinengefahr aufgeben. Diese Route war bisher noch nie versucht worden. Die früheren Besteigungen erfolgten über die Ostflanke ( Japaner 1956 ) und den Ostgrat ( Spanier 1976 ).

HlMALCHULI ( 7893 m ) Japanische Expedition. Leiter: Toyozo Sugasawa. Route: Ostgrat. Obwohl schon im Herbst 1974 eine japanische Expedition den Weg über diesen Grat versucht hatte, galt dieses Unternehmen offiziell nur als Erkundung. Es wurden sechs Lager errichtet, das höchste auf 6800 Meter. Dort kam Y. Kano in einer Lawine ums Leben, und nach diesem Unglück wurde der Versuch aufgegeben. Die gleiche Gruppe von der Meiji-Univer-sität besass auch eine Genehmigung für eine Herbstexpedition, doch ist sie offenbar abgesagt worden.

Dieser Berg hat schon viele japanische Expeditionen angelockt. Die Krönung verschiedener früherer Versuche war die Erstbesteigung von Südwesten im Jahre i960. 1974 suchte eine italienische Expedition einen Weg durch die Nordostflanke, 1975 versuchte eine japanische Gruppe, die Südwestwand zu durchklettern. Beide Routen sind jedoch immer noch unbezwungen.

Churen Himal ( 7371 m ) Japanische Expedition. Leiter: Kazuhiro Sato. Sie wollte eine neue Route von Norden her zum Ost- und Westgipfel begehen. Nach einem Lawinenniedergang, bei dem zwei Sherpa verletzt wurden, gab die Expedition am 21. April ihr Unterfangen auf.

Kagmara ( 6443 m ) Japanische Expedition. Leiter: Koji Mixutani. Sie suchte einen neuen Weg durch die Südflanke. Zwei Mitglieder, N. Fujimoto und M. Komo, erreichten eine Höhe von 6150 Metern. Am 29. April wurde das Unternehmen aber infolge heftiger Schneefälle und schlechten Wetters abgebrochen. Die Expedition berichtet, sie habe einen bisher noch unbezwungenen Gipfel namens Kangtsume ( 6450 m ) erstmals bestiegen.

Sisne ( 6915 m ) Englische Expedition. Leiter: Captain H. A. L. Anderson. Ursprünglich sollten vier Mann daran teilnehmen; nach dem Ausfall von zwei Mitgliedern blieben aber nur Anderson und Andrew Russell übrig. Ein Besteigungsversuch von Westen her scheiterte am 1. Mai, als Russell in einer Lawine ums Leben kam.

Machmonsunzeit 1977. Von den elf Expeditionen, welche die Behörden genehmigt hatten, wurden drei abgesagt, nämlich eine englische zur Nordflanke des Nuptse, eine des « Korean Alpine Club » zum Annapurna IV und eine japanische der Meiji-Universität zum Himalchuli.

Everest ( 8848 m ) Koreanische Expedition. 19 Teilnehmer; Leiter: Young Do Kim. Route: über den Südsattel. Das Basis-Lager wurde am 9. August errichtet. Am 7. September erreichten zwei Koreaner den Südsattel ( 7980 m ) und stellten dort ein weiteres Lager auf. Von einem vorgeschobenen, letzten Lager aus ( 8500 m ) bestiegen am ^.September Ko Sang Don und Sherpa Pemba Norbu den Gipfel. Insgesamt 28 Sherpa trugen Lasten auf den Südsattel, und 13 Sherpa gingen bis zum höchsten Lager auf 8500 Meter mit. Ein eher aussergewöhnliches Zahlenverhältnis von Sherpa zu ausländischen Bergsteigern!

Pumori ( 7145 m ) Kanadische Expedition. 6 Teilnehmer; Leiter: Ian Rowe. Oberhalb des Basis-Lagers in Gorakshep wurden keine Hochträger eingesetzt. Auf dem Südwestgrat wurden zwei Lager errichtet; am 7. Oktober erreichten vier Bergsteiger den Gipfel.

Dhaulagiri I ( 8167 m ) Japanische Expedition. Leiter: Dr. Y. Tsukazaki. Sie wollte eine neue Route über die Westflanke begehen. Lager I auf 4400 Meter wurde am 19. August, Lager V auf 6205 Meter am 3. Oktober eingerichtet. Die Expedition stiess bis auf eine Höhe von 6550 Metern vor, bis das Unternehmen am 9. Oktober aufgegeben wurde.

Annapurna I ( 8091 m ) Expedition des Holländischen Alpenklubs. Leiter: Varrijn-Stuart. Die Route ihrer Wahl lag leicht östlich derjenigen, welche die Franzosen 1950 begangen hatten. Von einem Hochlager auf 7350 Meter aus erreichten van Rijswick und Sherpa Sonam am 13. Oktober den Gipfel. Dies war die vierte Besteigung und gleichzeitig die erste in der Nachmonsunzeit.

Annapurna III ( 7555 m ) Italienische Expedition. 27 Teilnehmer; Leiter: Francesco Santon. Die Expedition gab ihren ursprünglichen Plan auf, eine neue Route von Südwesten her zu suchen, und folgte dem Westgrat. Vier Italiener und der Sherpa Pasang Temba bezwangen in zwei Gruppen am 23. und 25. Oktober den Gipfel. Beim Abstieg ereigneten sich zwei Unfälle: ein nicht Angeseilter kam bei einem Sturz in eine Gletscherspalte ums Leben; ein anderer Teilnehmer erlitt einen Beinbruch.

Manaslu ( 8156 m ) Französische Expedition. 4 Teilnehmer; Leiter: Jean Frehel. Die vier Franzosen hatten vor, in alpinistischem Stil mit zwei abwechslungsweise vorrückenden Zweiergruppen über den Ostgrat aufzusteigen. Nachdem der Leiter erkrankte, war nur noch eine Seilschaft einsatzfähig. Schliesslich musste das Unternehmen am 26. Oktober in 7600 Metern Höhe abgebrochen werden, da zwei Bergsteiger unter Erfrierungserscheinungen litten.

Nampa South ( 6842 m ) Englische Northumbria Expedition. 8 Teilnehmer; Leiter: Richard Godfrey. Ein Expeditionsmitglied erkrankte auf dem Anmarsch schwer und wurde von vier Kameraden auf dem Rückweg begleitet. Godfrey errichtete zusammen mit T. He-rely und K. McLane Mitte September das Basis-Lager. Herely und McLane brachen am 6. Oktober von ihrem Hochlager auf, erreichten am to. Oktober den Gipfel und kehrten am 15. auf einem andern Weg ins Basis-Lager zurück.

II. KARAKORUM Seit drei oder vier Jahren kommen mehr und mehr Expeditionen in dieses Gebiet, welches vorher mehr als zehn Jahre lang für Ausländer vollkommen gesperrt war. Nach dem Vorbild von Nepal, das diese Praxis schon vor mehr als zwanzig Jahren erfolgreich eingeführt hat, erhebt auch das pakistanische Ministerium für Fremdenverkehr Gebühren von den ausländischen Expeditionen. Wer ein solches Unternehmen plant, tut gut daran, seine Bewerbung mindestens ein Jahr im voraus samt zwei oder drei Alternativen zum bevorzugten Zielgebiet oder -berg dem Ministerium einzureichen. Zur Zeit haben ausländische Expeditionen verschiedene Unannehmlichkeiten zu gewärtigen. Das Hauptproblem stellt die Anreise: unter Umständen verliert man - abgesehen von den Hotelkosten - bis zu zwei Wochen in Rawalpindi, bevor man nach Gilgit oder Skardu weiterfliegen kann. Es bleibt zu hoffen, dass man nach Vollendung der Karakorum-Autobahn, an der die Pakistani und die Chinesen gegenwärtig bauen, über die vierspurige Strasse von Islamabad aus freien Zugang nach Gilgit haben wird. Ein zweites Problem sind die Träger: in Ermangelung einer staatlichen oder anderweitigen Koordination verlangen diese Leute oft - unter Missachtung aller Geschäftsregeln - geradezu astronomisch hohe Entlohnungen. Die den Expeditionen zugeteilten Verbindungsoffiziere haben im allgemeinen weder in bezug auf ihre Tüchtigkeit noch auf ihre Begeisterung zu irgendwelchen Beanstandungen Anlass gegeben. Dies ist allerdings weiter nicht erstaunlich, denn meistens handelt es sich um Angehörige der Armee, die ihrerseits massgeblich an der Gründung eines sehr regen und aktiven Alpenclubs mit Sitz in Rawalpindi beteiligt gewesen ist.

Im Gegensatz zu Nepal gibt es im Karakorum keine eigentlichen Vor- oder Nachmonsunzeiten, auf die bergsteigerische Expeditionen Rücksicht zu nehmen hätten. Dank der Lage in durchwegs nördlichen Breiten dringen nur gelegentlich Monsunausläufer bis hieher vor. Dafür bringen die Nordwest- und Westwinde häufig sehr heftige Stürme mit sich. Die Zeit von Juni bis August eignet sich am besten für die Besteigung hoher Berge. Mindestens 25 Expeditionen besassen für den Sommer 1977 offizielle Genehmigungen - 16 nach Skardu, die übrigen nach Gilgit und Chitral. Wie üblich stellten die Japaner mit io Expeditionen den Löwenanteil und mit einer 35 Mann umfassenden Mannschaft auch die grösste Gruppe — sie bezwang den 8610 Meter hohen K2. ( Wir gehen hier nicht auf gewisse Berichte ein, wonach die Höhe des K2 neu vermessen und auf 8760 Meter festgelegt worden sein soll. ) Die herausragende Leistung in dieser Saison war wahrscheinlich die Besteigung des Haupt- und des Westgipfels des Baintha Brakk ( 7284 m ) durch eine sechs Mann starke englische Expedition.

1.K2 ( 8610 m ) Japanische Expedition. Leiter: Ichiro Yoshizawa. Von den 35 Teilnehmern erreichten sechs Japaner und der Pakistani Ashraf Aman den Gipfel. Sie wählten die alte Route aus dem Jahre 1954 über den Südgrat. Zwei neue Routen - die Amerikaner hatten es 1975 von Nordwesten her versucht; die Polen hatten den Erfolg 1976 von Nordosten her in greifbarer Nähe - sind nach wie vor unbezwungen.

2. Baintha Brakk ( 7284 m ) Englische Expedition. Teilnehmer: Doug Scott, Chris Bonington, Nick Estcourt, Paul Braithwaite, Mo Anthoine, Clive Rowland. Eine sieben Mann starke japanische Expedition hatte 1976 vergeblich versucht, die Südwestseite dieses Berges zu bezwingen. Die Engländer folgten dem Südwestgrat und stiegen dann zum Südwest-Gip-fel auf. Von dort aus überschritten sie den schwierigen Grat zum Hauptgipfel, den Scott und Bonington am 13.Juli bei Sonnenuntergang erreichten. Kurz nachdem sie den Abstieg begonnen hatten, rutschte Scott bei einem Abseilmanö- ver aus und brach beide Beine. Während der nächsten drei Tage brachte er es fertig, weiter abzuseilen und abzurutschen. Auf allen vieren kriechend, erreichte er schliesslich am O. Juli das Basis-Lager. Bei einem weitern Zwischenfall beim Abseilen während des Abstiegs stürzte auch Bonington: Verletzungen an der rechten Hand und zwei gebrochene Rippen. Auf dem weitern Abstieg hatte die durch Rowland und Anthoine verstärkte Vierergruppe fünf Tage lang gegen einen heftigen Sturm anzukämpfen.

3. Trango Tower ( 6248 m ) Amerikanische Expedition. 6 Teilnehmer: J.Ros-kelley, D. Hennek, K. Schmitz. R. Rowell, J. Morrissey und L. Biskalgelia. Die fünf erstgenannten erreichten nach einer viertägigen alpinistischen Kletterei durch die schwierige, 915 Meter hohe Wand der Südflanke den Gipfel des Haupt-Trango-Towers. Dabei handelt es sich nicht um den gleichen Tower ( Turm ), den die Engländer 1976 bestiegen und als « Namenlosen » Tower bezeichnet hatten.

4. Latok I ( 7144 m ) Italienische Expedition. Sie hatte die Genehmigung, diesen Berg zu besteigen, wandte sich aber dem Latok II zu, der damit ( wahrscheinlich zum erstenmal ) bezwungen wurde. Der Latok I, auf den 1976 eine 12 Mann starke japanische Expedition einen Angriff unternommen hatte, bleibt damit unberührt.

5. Latok II ( 7107 m ) Englische Expedition. 5 Teilnehmer; Leiter: Don Morrison. Sie schlug die Route über den Westgrat ein, die 1975 schon eine japanische Gruppe versucht hatte. Fearnehough, Nunn und Green erreichten den Westsattel und stiessen bis ungefähr 460 Meter unterhalb des Gipfels vor. Sie mussten dann allerdings aufgeben, nachdem die weiter unten folgende Hilfsmannschaft ein Unglück er- litten hatte. Morrison und Riley stiegen mit Nachschub für das Hochlager über den Gletscher auf; dabei stürzte der nicht angeseilte Morrison in einer tiefen Spalte zu Tode.

6. Nanga Parbat ( 8125 m ) Genau genommen gehört dieser Berg an der Nordwestgrenze des Pandschab-Himalaya nicht zum Karakorum. Er wurde bisher sechsmal bestiegen, von Norden, Nordwesten, Südwesten und Süden aus. 1975 scheiterte eine österreichisch-deutsch-schweizerische Expedition beim Versuch, über den Südostsporn aufzusteigen. 1976 versuchten neun Japaner ebenso erfolglos, wieder über die Nordwest- oder Diamir-Route zum Gipfel zu gelangen. 1977 waren drei Expeditionen am Nanga Parbat:

- Zwei Amerikaner unter der Leitung von A.D. Wadeford führten von Norden her einen Erkundungsgang bis auf eine Höhe von 7000 Metern durch.

- Amerikanische Expedition aus Pittsburg. 13 Teilnehmer; Leiter: J. M. Hellman. Sie versuchte, die Diamir-Flanke zu durchsteigen. Nach dem Tod von zwei Mitgliedern wurde das Unternehmen abgebrochen.

- Polnische Expedition. 18 Teilnehmer; Leiter: Adam Zazak. Sie ging den Berg von Südosten an ( auf der Route von Kinshöffer aus dem Jahre 1975 ) und stand dem Erfolg sehr nahe, hatte sie doch eine Höhe von ungefähr 7950 Metern erreicht.

7. Gasherbrum I ( 8068 m ) Eine jugoslawische 8-Mann-Expedition unter Leitung von L. Janej. Zwei Kletterer erreichten den Gipfel am 8. Juli auf einer neuen Route über den SW-Grat; ein weiterer Teilnehmer, D.Bre-gar, machte darauf vom letzten Lager aus einen Versuch im Alleingang, wurde aber nach schweren Stürmen vermisst.

8. Broad Peak ( 8047 m ) Japanese Mountaineering and Scientific Expedition. 17 Teilnehmer; Leiter: M. Yuasa. Über die Standardroute aus dem Jahre 1957 erreichte sie den Gipfel. Die Erstbesteigung war vier Österreichern 1957 von Westen gelungen. 1974 versuchte eine japanische Expedition, den Zentral-Gipfel zu besteigen; während des Abstiegs kamen drei Bergsteiger in einem Sturm ums Leben.

9. Batura I ( 7785 m ) Japanische Expedition. 14 Teilnehmer; Leiter: S. Kohno. Sie erreichte den Gipfel nicht. Die Erstbesteigung erfolgte am 30.Juni 1976 durch zwei Teilnehmer einer deutschen Expedition.

Weitere Unternehmen im Karakorum:

Mount Ghent ( 7343 m ) Österreichische Expedition. 9 Teilnehmer; Leiter: B. K. Ruckner. Dritte ( oder vierte ) Besteigung. Ein Mitglied kam dabei ums Leben. Der Bericht ist unvollständig.

Kampire Dior ( 7139 m ) Ein deutsch-österreichisches Team unter der Leitung von D. Glass hatte keinen Erfolg. Die Erstbesteigung war Japanern am i4.Juni 1975 gelungen.

Sp antik ( 7029 m ) Versuch einer siebenköpfigen englischen Mannschaft. Die Japaner hatten 1975 den Berg angegangen. Dieser herrliche Gipfel im Nordosten der Malubiting-Gruppe ist 1955 erstmals von einer deutschen Expedition bestiegen worden.

Chogolisa West ( 7000 m ) Von einer japanischen Expedition bestiegen. 13 Teilnehmer; Leiter: E. Akiyama.

K-7 ( 6935 m ) Versuch einer japanischen Expedition. 12 Teilnehmer; Leiter: N. Sakamoto.

Biale ( 6729 m ) Von einer japanischen Expedition bestiegen. 12 Teilnehmer; Leiter: M. Aoki.

Tahu Rutum ( 6651 m ) Von einer japanischen Expedition bestiegen. 9 Teilnehmer; Leiter: N. Kuwahara.

Garmush ( 6244 m ) Von einer japanischen Expedition bestiegen. 5 Teilnehmer; Leiter: T. Matsumura. Ein Expeditionsmitglied kam bei einem Unglück ums Leben.

III. HINDUKUSCH Saraghrar ( 7345 m ) Eine 12 Mann starke spanische Gruppe unter Leitung von Ramona Rams unternahm einen zweiten Versuch ( der erste fand 1975 statt ) durch die SW-Wand, eine aussergewöhnlich schwere 2500-Meter-Felsflucht. Der Versuch wurde auf etwa 6400 Meter nach 3gtägiger Kletterei, in deren Verlauf 4 Lager errichtet und viele fixe Seile angebracht worden waren, abgebrochen.

Kohe Skhawr ( 7116 m ) Eine polnische 8-Mann-Gruppe mit dem Leiter J. Kulis bestieg den Berg Mitte August auf zwei neuen Routen: die eine führte über den Zentralpfeiler der NE-Wand, die andere über den « Rock Pillar » ( Fels-Pfeiler ) in der NW-Wand.

Kohe Wand Bandaka ( 6843 m )'neue Routedurch die NE- Kohe Mandaras ( 6628 mdurch die N-Wand ( Route ) Noshaq_ ( 7492 mvon Westen ( Österreicher-Route ) Die obenerwähnten Besteigungen wurden unter anderen im Verlauf des Monats August durch eine gemischte Expedition, bestehend aus 5 Polen ( Leiter A. Zawada ), 5 Briten ( Leiter J. Porter ) und einem Amerikaner, durchgeführt.

Noshaq ( 7492 m ) Eine 14 Mann starke jugoslawische Expedition erreichte den Gipfel im August auf einer neuen Führe durch die SW-Wand.

TiRicH Mir West ( 7708 m ) Eine italienische 7-Mann-Expedition unter Leitung von T. Vidoni war erfolgreich.

TiRicH NoRO ( 6732 m ) Versuch einer japanischen Expedition sowie einer Fünfer-Gruppe aus Genf unter J.J. Asper.

Udren Zom ( 7108 m ) Erstbesteigung des Zentralgipfels ( 7080 m ) am 10. August durch eine 9-Mann-Expedition aus Japan unter Leitung von K. Hirai. 5 Teilnehmer waren oben.

Akher Chioh die N-Wand Kohe Urgend ( 7020 mneue Route durch ( 7016 mneue Route über den E-Grat Die obenerwähnten und mehrere weitere Besteigungen, so auch eine Traversierung von 7 Gipfeln, vollführten im Juni/Juli 9 tschechische Bergsteiger.

Akher Chioh W-Pfeiler ( 7020 mneue Route über den Kohe Tez ( 7015 m)- über den W-Grat Bestiegen im Juli/August von einer 13 Mann starken polnischen Expedition unter Leitung von K. Malczyk.

Akher Chioh ( 7020 müber den W-Grat Shayoz Zom ( 6855 mneue Route durch die N-Wand Besteigungen einer polnischen 11-Mann-Expedi-tion unter Leitung von A. Tuliszka im Juli/ August.

Kohe Hevad ( 6843 mvon Osten Lunkho ( 6600 mneue Route, N-Pfeiler Uparisina ( 6250 mAufstieg durch die N-Wand, Abstieg über NE-Grat Diese Besteigungen gelangen einer I I Mann starken polnischen Expedition unter Leitung von J. Maczka im Juli/August.

Noshaçj ( 7492 mNachtrag Erwähnenswert ist ein im Sommer 1976 vollbrachter Einmann-Aufstieg eines Teilnehmers der polnischen Zehner-Expedition von R.Szar-firski: Christoph Zurek bestieg den Noshaq in einem elfstündigen Angriff vom Basislager aus, wobei er im Abstieg biwakierte.

IV. SIKKIM Kangchenjunga ( 8595 m ) Expedition der indischen Armee. 16 Teilnehmer; Leiter: Oberstleutnant N. Kumar. Route: über den Nordostsporn und den Nordgrat ( die klassische Route, die erstmals in den Jahren 1929 und 1931 von zwei Expeditionen unter der Leitung von Paul Bauer begangen worden ist ). Das Basis-Lager wurde am 30. März auf dem Zemu-Glet-scher in einer Höhe von 5720 Metern errichtet. Vom Lager VII aus ( 7985 m ) erreichten Major Premchand und der Sherpa Nima Dorji am 31. Mai den Gipfel ( wobei sie allerdings die letzten paar Meter nicht mehr begingen ). Dies war die zweite Besteigung dieses Berges, die erste von Norden her. Oberhalb von 6000 Metern wurde mit Sauerstoff gearbeitet. Zwischen den Lagern wurden rund 5000 Meter Seil fix angebracht. Neben den Sherpa wirkte eine Gruppe von paramilitärischen Pfadfindern aus Ladakh als Hochträger mit. Ein Teil des Expeditionsmaterials wurde auf dem Luftweg zum Basis-Lager transportiert. Ein Bergsteiger stürzte zwischen den Lagern I und II tödlich ab. Abgesehen von ihrer Länge und ihrer technischen Schwierigkeit, ist diese Route auch sehr grosser Lawinengefahr ausgesetzt.

V. GARHWAL Nanda Devi ( 7816 m ) Vormonsunzeit: Eine englische Expedition unter der Leitung von Eric Roberts schlug die ursprüngliche Route aus dem Jahre 1936 ein und erreichte von Südosten den Gipfel am 21. und 27.Juni in zwei Gruppen.

Machmonsunzeit: Eine indisch-japanische Expedition unter der Leitung von T. Morita versuchte die amerikanische Besteigung von 1976 über die Nordwestflanke und den Nordgrat zu wiederholen, musste aber rund 1000 Meter unterhalb des Gipfels aufgeben.

Kämet ( 7756 m ) Indische Frauen-Expedition. Leiterin: Dr. Meena Agrawal. Es ist die fünfte Besteigung dieses Berges ( am 14.JU11Ì 1977 ). Vermutlich wählte sie die Standard-Route. Drei Frauen und Subedar Bhagat Singh erreichten den Gipfel.

Maiktoli ( 6802 m ) Eine japanische, 6 Mann starke Gruppe unter Leitung von Hitoshi Fukiriki erreichte diesen Gipfel am Südrand des Nanda-Devi-Beckens im Juni auf einer neuen Route durch die S-Wand.

Kalanka ( 6930 m ) Einer tschechischen 14-Mann-Expedition gelang die Besteigung am 20. September auf einer neuen Führe durch die N-Wand.

RiSHi Kot ( 6288 m ) Vier Teilnehmer einer britischen Fünfer-Mann-schaft unter Leitung von Martin Gledhill eroberte den Gipfel im August. Vermutlich eine Zweitbesteigung, nachdem der erste Erfolg 1976 einer indischen Gruppe zugefallen war.

Indische Expeditionen entfalteten auch eine rege Bergsteigertätigkeit an etwas weniger hohen Gipfeln. Es folgt eine unvollständige Übersicht:

Mrigthuni ( 6854 m ) Bestiegen von einer Frauengruppe und zwei Sherpa am 24. September 1977.

Rataban ( 6126 m ) Zwei Teilnehmerinnen einer Frauen-Expedi-tion erreichten mit drei Sherpa am 28. September den Gipfel.

Tharkot ( 6101 m ) Erfolgloser Versuch einer Frauen-Expedition aus Bombay. Leiterin: Frl. L. Patel.

Banderpunch ( 6045 m ) Sechs Teilnehmer einer Expedition aus Kalkutta erreichten den Gipfel am 24. September.

Koteshwar ( 6034 m ) Vier Teilnehmer einer Studentengruppe aus Bombay bestiegen den Gipfel am 23. Mai.

Thelu ( 6003 m ) und Punkt 6165:6 Teilnehmer einer Expedition aus Kalkutta erstiegen in Begleitung von Sherpa diese beiden Berge am B. und I 11. Juni.

Jaonli ( 5937 m ) Von drei Mitgliedern der indischen Artillerie und einem Sherpa bezwungen.

Nar Parbat ( 5854 m ) Eine von Sir Edmund Hillary geleitete Expedition startete am 24. August im Golf von Bengalen und fuhr mit drei Jet-Booten den Ganges aufwärts bis nach Nandaprayag. Von dort aus reisten sie nach Badrinath weiter. Drei Bergsteiger, unter ihnen Sir Hillarys Sohn Peter, bestiegen den knapp io Kilometer östlich von Badrinath gelegenen Nar Parbat. Sir Hillary selbst erkrankte und musste mit einem Helikopter ins Spital geflogen werden. Die Expedition hatte sich ursprünglich zum Ziel gesetzt, den westlich von Badrinath gelegenen Narayan Parbat ( 5964 m ) zu besteigen.

VI. KULU Eine englische Expedition mit 7 Teilnehmern bestieg in den Monaten Mai und Juni 1977 folgende Berge in Zentral-Kulu:

Papsura ( 6450 m ) Erstbesteigung des Südwestgrates.

Dharamsura ( 6445 m ) Erstbesteigung des Südwestgrates; ( früher unter dem Namen « White Sail » = Weisses Segel bekannt ).

Devachen ( 6187 m ) Erstbesteigung ( Route durch das Südcouloir ).

Angdu Ri ( 5943 m ) Erstbesteigung des Südgrates.

Aldo Godenzi, Coira/Poschiavo VII. KASCHMIR Nun ( 7135 m ) Amerikanische Expedition. 12 Teilnehmer; Leiter: Galen Rowell. Sechs Bergsteigern in zwei Gruppen gelang am 18. Juni die fünfte Besteigung dieses Berges. Sie wählten eine ähnliche Route, wie sie eine 14 Mann starke tschechische Expedition im Oktober 1976 erstmals über die Nordwestflanke begangen hatte. Nur unterhalb des Gipfels nahmen sie einen etwas andern Weg durch die Westflanke.

Am 26.Juni erreichten wiederum 4 Bergsteiger den Gipfel. Unter ihnen war auch der Schweizer Extrem-Skifahrer Sylvain Saudan. In vier Stunden fuhr er auf Ski vom Gipfel zum Basis-Lager auf 5000 Meter hinunter und stellte damit einen neuen Abfahrtsrekord auf.

Die siebente Besteigung des Nun gelang am 16. September Mitgliedern einer Army-School-Expedition. Wahrscheinlich schlugen sie die Standard-Route über den Westgrat ein, die auch Frau Claude Kogan und Pierre Vittoz bei ihrer Erstbesteigung am 28. August 1953 gewählt hatten.

Kun ( 7086 m ) Westdeutsche Expedition. Leiter: E. Rubel. Sie versuchte, leider ohne Erfolg, den Kun, den Pinnacle Peak ( 6951 m ) und die White Needle ( 6555 m ) zu besteigen.

Der Verfasser dankt an dieser Stelle den nachgenannten Auslandkorrespondenten, deren Berichte ihm eine wertvolle Hilfe waren; Nepal: J. Cheney, Kathmandu.

Karakorum: Gen.Maj. S. Butt, Präsident des Pakistanischen Alpen-Clubs, Rawalpindi.

Indien: Soli. S. Mehta, Himalayan Club, Bom- Aus dem Englischen übersetzt von Dieter W. Portmann

Feedback