II. Vierundzwanzigster Jahresbericht des Centralcomité

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des

Vierundzwanzigster Jahresbericht des

Centralcomité des Schweizer Alpen-Club

1887.

Hochgeehrte Herren! Liebe Clubgenossen!

Indem der Unterzeichnete daran geht, den der letzten Generalversammlung in Biel am 21. August 1887 vorgelegten Bericht an der Hand des Protokolls bis zum Schluß des Jahres zu ergänzen und für das Jahrbuch druckfertig zu stellen, fühlt er sich vor allen Dingen gedrungen, einer angenehmen Pflicht nachzukommen, die er im Namen und gewiß auch im Sinne des ganzen Vereins erfüllt, wenn er den Freunden und 1. Clubgenossen von Biel herzlichen Dank zollt für die schönen Stunden, welche diese kleine, aber energische und energisch geführte Section den Besuchern des letzten Centralfestes bereitet hat. War uns auch der Himmel an den ersten Tagen gram — die Sonne von Magglingen wird Allen, denen sie ins Herz hineingeschienen, das freundliche Biel stets im Lichte fröhlicher und dankbarer Erinnerung vor die Seele treten lassen.

Was den äußeren Stand und Gang unserer Verbindung anbelangt, so hat sich im Berichtsjahre die Zahl unserer Sectionen um zwei vermehrt. Die Sous-Section Chaux-de-Fonds hat ihr bisheriges Verhältniß zur Muttersection Neuchâtel in Minne gelöst und sich selbständig constituirt, unter Genehmigung der Statuten durch das Centralcomite.

Der in unserm letzten Bericht bereits erwähnte Club Alpino Ticinese hat sich wacker entwickelt, wie dies namentlich auch erhellt aus dem hübschen und beachtenswerthen Annuario ( Jahrbuch ), das derselbe für das Jahr 1886 herausgegeben hat. Wir haben uns auch in der voriges Jahr ausgesprochenen Hoffnung nicht getäuscht gesehen: der tessinische Alpenclub ist dem S.A.C. nicht nur näher getreten; er hat sich am letzten Clubfest, zu dem er eines seiner Vorstandsmitglieder abordnete, förmlich um die Aufnahme in denselben beworben, welchem Gesuche von der Delegirtenversammlung mit Acclamation entsprochen wurde, immerhin unter Innehaltung der statutarischen Bestimmungen unserer Gesellschaft, wonach zwar die Mitglieder der neuen Section ebensogut wie unsere Mitglieder der französisch sprechenden Sectionen vom Bezüge des Jahrbuchs dispensirt werden, wonach ferner den fratelli ticinesi ein bescheidener Beitrag an ihr Jahrbuch, nach Analogie der Subvention des Echo des Alpes aus der Centralkasse, in Aussicht gestellt werden, wonach aber auf ihren Wunsch nicht eingetreten werden konnte, es möchte der Section gestattet werden, neben den Mitgliedern, welche dem S.A.C. angehören, auch solche in ihre Reihen aufzunehmen, die nur Mitglieder der Section sein würden.

Seither ist nun die Section Tessin, nach Sanction ihrer einfachen Statuten durch das Centralcomite, mit circa 70 Mitgliedern in den S.A.C. eingetreten, und es steht zu hoffen, daß unser Benjamin, begabt mit dem sprachlichen Wohlklang des Südens, aber mit einem acht schweizerischen Herzen, sich zu einem recht strammen und gesunden Jungen auswachse.

Durch die oben erwähnte Schlußnahme der Delegirtenversammlung ist, um dies beiläufig zu erwähnen, auch ein Schritt, den das Centralcomite im Berichtsjahr gethan hat, implicite gutgeheißen worden. Es war nämlich zu unserer Kenntniß gelangt, daß die Section Alvier sogenannte lokale Mitglieder zähle, d.h. solche, die nur der Section, aber nicht dem S.A.G. angehören. Wir haben den Vorstand aufgefordert, die lokalen Mitglieder zum Eintritt in den 8. A. C. oder aber zum Austritt aus der Section zu veranlassen, obwohl wir uns nicht verhehlten, daß es hart erscheinen mag, die Aufhebung eines Verhältnisses, welches Jahre lang bestanden hat, nun mit einem Male energisch zu fordern, sobald wir von demselben Kenntniß erhalten hatten; allein es schien uns dasselbe entschieden mit unsern Statuten im Widerspruch zu stehen und liegt sicherlich auch nicht im Interesse unserer Verbindung.

Am Schluß der Amtsperiode des abtretenden Centralcomite beträgt die Mitgliederzahl des S.A.C. 2831, gegenüber 2610 bei unserm Amtsantritt; im Jahr 1887 sind 173 Mitglieder neu aufgenommen worden.

Aber freilich haben wir diesem Zuwachs gegenüber auch gar empfindliche Lücken zu verzeichnen, die der unerbittliche Tod in unsere Eeihen gerissen hat. Unserm unvergeßlichen Eambert folgte nach kurzer Zeit im Tode nach der gleichzeitig mit ihm in Winterthur zum Ehrenmitglied des S.A.C. erkorene, um die Clubistik und die Kenntniß unserer Heimat hochverdiente Iwan v. Tschudi von St. Gallen. Und in den nämlichen Tagen wurde uns ein anderes Ehrenmitglied entrissen, unser Nestor, dessen Verdienste um Wissenschaft und Alpenclub auf immer unvergessen bleiben werden, Prof. B. Studer in Bern. Aus dem Echo des Alpes haben wir ersehen, daß die Section Genf den Hinschied eines ihrer ältesten und thätigsten Mitglieder, des gewesenen Herausgebers des Echo des Alpes, des Herrn John Jullien, zu betrauern hatte. Wenn wir in sanfter Trauer und mit hoher Verehrung an der letzten Ruhestätte von Männern stehen, die sich um die Mit- und Nachwelt hoch verdient gemacht und deren Leben eine lichte Spur hinterlassen hat, so ist es dagegen ein nagender, stechender Schmerz, ein tiefes Weh, das uns lange, lange nicht mehr loslassen will, wenn wir an offene Grüfte herantreten müssen, in welche sie soeben die irdischen Ueberreste von Männern hinuntergebettet haben, die, in der Vollkraft der Jugend oder auf der Sonnenhöhe des Lebens stehend, jählings einem grausen Geschick erlegen sind im wohl allzu kühn aufgenommenen Kampfe mit den geheimnißvollen und tückischen Naturmächten unserer erhabenen Hochgebirgswelt. Sie werden in tiefdunkeln Runen eingegraben bleiben in die Annalen unseres S.A.C., die Namen eines Dr. Alexander Wettstein, Section Uto, eines Gottfried Kuhn, Section Tödi, und ihrer tapfern Unglücks- und Todesgefährten an der Jungfrau, der Name auch des ganz kurz vor dem Clubfest am Sanetsch verunglückten, in unserer Section Uto mit Recht hochangesehenen und beliebten Albert Sulzer-Ernst.

Und in welch'erschreckendem Maße haben sich überhaupt in unserer Berichtsperiode die Hiobsbotschaften von im Hochgebirge erfolgten Unglücksfällen gehäuft! Es ist wahrlich keine Uebertreibung, wenn wir sagen: man durfte zeitweise kaum ein Zeitungsblatt zur Hand nehmen, ohne die Befürchtung hegen zu müssen, in den Spalten desselben der Kunde von einer neuen derartigen Katastrophe zu begegnen.

Es ist sehr " begreiflich, daß durch Vorgänge, wie der Absturz der sechs jungen Männer am Jungfraugipfel und ähnliche Vorkommnisse ( wir erinnern an die am Matterhorn zwar mit dem Leben davon gekommenen, aber schwer verletzten Dr. Lorria und Lammer aus Wien, beide hervorragende Mitglieder des D. u. Oe. A. V. und des 8. A. C ), die Frage der führerlosen Touren im Hochgebirge neuerdings aufs Tapet gebracht und in clubistischen Kreisen wie in der Presse lebhaft erörtert wurde. Das Centralcomite hat die Frage bereits in seinem letzten Jahresberichte gestreift, allerdings, wie der Präsident der Section Pilatus meint, „ in vorsichtiger und diplomatischer Weise ". Aber es darf wohl auch daran erinnert werden, wie diese Angelegenheit in dem Circular des Centralcomite von Lausanne anno 1883 in durchaus unzweideutiger Weise behandelt worden ist. Immerhin zürnten wir es unter den obwaltenden Verhältnissen keineswegs, daß die Section Oberland gerade noch rechtzeitig eine Motion in dieser Richtung einbrachte, welche der Delegirtenversammlung in Biel. Veranlassung bot, sich über führerlose Touren auszusprechen.

Die Anregung lautete:

„ Die Abgeordnetenversammlung des S.A.C. hält es in ihrer Pflicht, vor den sog. führerlosen Touren im Hochgebirge zu warnen, und beauftragt das Centralcomite, in diesem Sinne öffentliche Kundgebungen zu erlassen und auch sonst diejenigen Maßnahmen zu treffen, welche geeignet sind, von tollkühnen Wagnissen abzuhalten. "

Das Ergebniß der bezüglichen Berathung war folgendes:

Die Delegirtenversammlung stimmte einhellig der vom Referenten des Centralcomite vertretenen Ansicht bei, das Verbot führe häufig bloß dazu, daß das Verpönte noch größern Reiz übe; polizeiliche Maßnahmen seien hier erfolglos. Daher sei für jetzt in Sachen von weiteren Schritten Umgang zu nehmen; dagegen soll bei Beginn der nächstjährigen Saison neuerdings eine eindringliche Warnung durch das Centralcomite erlassen werden. Der Vertreter der Section Oberland erklärte sich hiemit einverstanden und die Motion wurde in diesem Sinne erledigt.

Eine andere Motion, die wir Ihnen in unserm Circular von Anfang Juli zur Kenntniß gebracht haben, ist ausgegangen von den Sectionen Bern, Basel und Uto, und bezweckte durch eine Reihe von Statutenänderungen eine Neuordnung des Festturnus des S.A.C., in der Weise, daß nur je alle zwei Jahre eine ordentliche Generalversammlung ( Fest ) stattzufinden hätte, während in den dazwischen fallenden Jahren nur eine Abgeordnetenversammlung an einem durch das Centralcomite zu bestimmenden Orte, welcher nicht Sitz einer Section ist, abgehalten würde. Das würde bedingen, daß die Amtsdauer eines Centralcomite des S.A.C. zu einer vierjährigen erweitert würde; endlich bezweckte die Motion noch eine in richtigerm Verhältniß zu der Mitgliederzahl stehende Eepräsentation der einzelnen Sectionen an den Abgeordnetenversammlungen. Diese Motion wurde ebenfalls am 20. August von der Delegirtenversammlung debattirt, auf deren Protocoll wir für das Weitere verweisen.

Die von der Section Winterthur eingebrachte Motion betreffend Herstellung von Reliefs des Hochgebirgs der Schweiz fand ihre Erledigung, zwar nicht ohne Bedenken und Opposition seitens einiger Sectionen, für einstweilen in der von uns vorgeschlagenen Weise, nämlich: Erheblicherklärung und Ueberweisung der Anregung zu näherer Prüfung und event. Anbahnung zweckbezüglicher Unterhandlungen an das nächste Centralcomite.

Gehen wir nun dazu über, einen Blick auf die Thätigkeit des Centralcomite im Berichtsjahre zu Werfen!

Unsere Finanzen hatten sich fortwährend der liebe'vollsten und sorgfältigsten Wahrung ihrer Interessen durch unBern Herrn Central-Quästor zu erfreuen. Ueber den Stand derselben gibt folgende Aufstellung in aller Kürze Auskunft:

Einnahmen... .Fr. 16,492. 55 Ausgaben13,008. 91 Vorschlag... .Fr. 3,483. 64 Vermögen per 31. December. „ 19,387. 04 Auf Antrag der Rechnuugsrevisoren wurde in Biel beschlossen: Wer seinen Jahresbeitrag bis Ende September nicht bezahlt hat, hört auf, Mitglied des S.A.C. zu sein und wird aus der Liste gestrichen. Zurückweisung des Jahrbuches durch Mitglieder deutscher Sectionen kommt einer Austrittserklärung gleich.

Es waren hauptsächlich die Clubhütten, welche uns in unsern zahlreichen Sitzungen beschäftigten. Beinahe alle waren im Laufe des Sommers von Mitgliedern des Centralcomite oder dessen Vertrauensmännern besucht worden und es lagen ausführliche Inspectionsberichte vor. Der bauliche Zustand der Mehrzahl der Hütten ist gut; dagegen machen sich da und dort die Folgen der unrichtigen Aufstellung ( unmittelbare Anlehnung an die Felsen, oder so, daß diese selber eine der Wände bilden ) zum Schaden von Hütte und Inventar bemerkbar. An einigen Hütten wurden 1887 Arbeiten ausgeführt, welche diese Uebelstände heben sollten, wodurch allerdings der Central^ kasse nicht unerhebliche Kosten erwuchsen; es wird wohl der Grundsatz aufgestellt werden müssen, daß nur solche Hütten aus der Centralkasse subventionirt werden können, die sich nicht an Felsen anlehnen.

Zu ziemlich zahlreichen Aussetzungen in den In-spectionsberichten gab das den Anforderungen nicht entsprechende Minimalinventar mancher Hütten Anlaß. Bei einzelnen Hütten scheint es geradezu unmöglich, « dasselbe über den Sommer intact zu erhalten, da sie, nahe an vielbenützten Pässen liegend, häufig Besuche von Schwärzern u. dgl. haben, die es mit den Begriffen von Mein und Dein nicht allzu genau nehmen.. Wir haben die Sectionen, denen die Aufsicht über diese Hütten obliegt, auf das Fehlende aufmerksam gemacht und hoffen, daß dasselbe überall auf den J3eginn der Saison ersetzt worden sei.

Es scheinen sich bis jetzt nur wenige Sectionen damit befaßt zu haben, ihre Hüttenordnungen mit dem Hüttenreglement in Einklang zu bringen; denn es « ind uns nur einzelne zur Genehmigung vorgelegt worden. Wo es sich um bewirthschaftete Hütten " handelte, haben wir an dem Grundsatze festgehalten, daß dieselben stets offen sein müssen und daß für Benützung der Hütte und des Inventars keine'Ent-schädigung verlangt werden darf; dagegen haben wir gestattet, daß von den Touristen, die in der Hütte übernachten und die Dienste des Besorgers in irgend einer Weise in Anspruch nehmen, ein bescheidenes Entgelt bezogen werde.

Von unsern Schlußnahmen betreffend einzelne Hütten seien folgende erwähnt:

Der S. A. O. ist dieses Jahr Grundbesitzer geworden, indem wir die Offerte der Section „ Rhätia ", die « Schamellahütte » ob Seewis zu Händen des Gesammtclubs anzutreten, annahmen. Diese Hütte wurde im Jahre 1882. mit einem Kostenaufwand von " Fr. 1024. 55 erbaut; das Centralcomite bewilligte -einen Beitrag von Fr. 600, Freunde trugen ca. Fr. 100 bei. Seit jener Zeit haftete incl. kleinere Reparaturen eine Bauschuld von ca. 325 Fr. auf dieser vielbe-«uchten Hütte. Der Erbauer derselben wandte sich an 's Centralcomite mit der Bitte, es möchte ihm zu « einem Gelde verhelfen, und wir entschlossen uns, auf das Anerbieten der Section Rhätia einzutreten, zahlten die Schuld und haben Namens des S.A.C. von der 41 Hütte Besitz genommen, eine Hüttenordnung aufgestellt, die Holzversorgung eingeführt und das Inventar-vervollständigt.

Eb wurde uns, beiläufig bemerkt, noch eine Reihen anderer Hütten angeboten; aus verschiedenen Gründen hielten wir aber dafür, daß es nicht im Interesse des-S.A.C. liege, dieselben zu Eigenthum zu übernehmen- Unter Mithülfe von Vereinen und Privaten unternahm die Section Rhätia mit einem Aufwand von Fr. 1600 den Bau einer Hütte im Vereinathal, 1980 m, an welche-wir einen Beitrag von Fr. 900 aus der Centralkasse-ausrichteten. Dieselbe ist am 24. Juli eingeweiht worden und die junge Section Davos hat sich bereit erklärt, nach Fertigstellung von Hütte und Inventar Aufsicht und Unterhalt zu übernehmen. Die finanzielle Seite dieser Bauangelegenheit war zu Ende 188T noch nicht völlig reglirt, trotz energischer Intervention des Centralcomite.

Im Engadin besteht der alte Uebelstand, daß das. Mobiliar der Hütten den Führern gehört und in verschlossenem Schranke aufbewahrt wird, noch fort;, wir erwarten, daß es der Section Rhätia gelingen werde, sei es durch ein Abkommen mit den Besitzern,. sei es durch Ankauf, auch mit diesen Hütten dem Réglemente endlich gerecht zu werden.

Aufsicht und Unterhalt der Silvrettahütte werden von der Section Rhätia auf die Section Davos übergehen, sobald die nöthigen Reparaturen vollzogen sind. Der Föhn hob letzten December das Dach ab, an> dessen provisorische Reparatur wir ca. Fr. 40 bezahlt haben; voraussichtlieh werden der Centralkasse weitere^ nicht unerhebliche Kosten erwachsen, da die Frage-der Dislocation der Hütte in ernste Erwägung zu: ziehen sein wird.

Die Lischannahütte befindet sich nach Bericht des inspicirenden Mitgliedes in ganz schlechtem Zustand und das Inventar ist sehr spärlich. Wir haben.

daher beschlossen, diese Hütte eingehen zu lassen, und die Section Rhätia erklärte sich damit einverstanden. Diese Hütte wurde jahrelang von keinen Touristen mehr und nur gelegentlich von Jägern und Wildheuern besucht. Sie wurde seiner Zeit durch den S.A.C. nachträglich von den Erbauern übernommen; wir faßten den principiellen Beschluß, daß in Zukunft nie eine von Privaten erbaute Hütte vom Centralcomite subventionirt werden solle, ohne vorgängige genaue Untersuchung des Baues durch ein Mitglied des Centralcomite. Für Reparaturen an der Zapporthütte verausgabte die Centralkasse etwas zu 30 Fr.

Im October wurde der Umbau der Thierwieshütte vollendet und dieselbe von unserm inspicirenden Mitglied in tadelloser Ordnung befunden. Wie Ihnen bekannt ist, hält sich über den Sommer ein Bewirth-schafter dort auf und sind die Touristen mit ihm sehr zufrieden. Der Beitrag der Centralkasse betrug Fr. 250.

Die Hütte auf dem Alvier wird kaum als Obdach für die Nacht benutzt und dient hauptsächlich Sonntags als Bergwirthshaus. Inventar ist dort mit Ausnahme einiger Decken keines vorhanden, und wir haben der Section Alvier mitgetheilt, daß wir unter diesen Umständen an deren Unterhalt nichts mehr beitragen könnten und sie als Clubhütte fallen ließen.

Am Kistenpaßwege, in freundlicher Lage am Muttsee, hat die Section Winterthur eine Hütte in Holz, für höchstens 20 Personen Raum bietend, erbaut und am 11. Juli eingeweiht. Das Centralcomite hat an die Kosten von ca. 3200 Fr. aus der Centralkasse einen Beitrag von 1000 Fr. geleistet.

Von verschiedenen Seiten wurde betont, daß die Wiedereinführung der Holzversorgung in der Oberaarjochhütte sowohl im Interesse der Touristen, als der Erhaltung dieser schönen, aus Holz gebauten Hütte liege. Auch das Centralcomite hielt dies nach gründlicher Untersuchung für höchst wünschenswerth, umsomehr, als Beschädigungen an dem Holzwerk der Hütte auf Kosten der Centralkasse reparirt werden müßten. Wir wandten uns an die Aufsicht führende Section, die aber unter Hinweisung auf die Ihnen bekannten Beschlüsse in Villars leider es ablehnte, wieder auf die Angelegenheit einzutreten.

An die Kosten der Reparaturen der Trifthütte richtete die Centralkasse Fr. 100 aus, eben so viel an diejenigen der Glecksteinhütte.

t)ie Wildhornhütte war schon seit einigen Jahren sehr reparaturbedürftig; die Mauern wurden seiner Zeit schlecht gebaut; die Rückwand wird durch den Fels gebildet und die Hütte drohte einzustürzen. Wir haben der Section Wildhorn für die nothwendigen Reparaturen, Fundamentirung und theilweisen Neuaufbau der Mauern, Sicherung gegen das über die Felsen fließende Wasser einen beträchtlichen Beitrag, gegen 300 Fr., aussetzen müssen, und hoffen, daß damit für lange Zeit der Bestand der Hütte gesichert sei.

Die Roththalhütte befindet sich in baulich ziemlich schlechtem Zustande; kleinere Reparaturen im Kostenbetrag von ca. 70 Fr. wurden vorgenommen; wir haben uns gefragt, ob es am Platze wäre, größere Beträge für diese Hütte auszuwerfen, da sich die großen Erwartungen, die man an den neuen Jungfrauweg knüpfte, nicht zu verwirklichen scheinen, und beschlossen, von einem Neubau Umgang zu nehmen.

An der Berglihütte machten sich die Folgen des schlechten Standpunktes, Anlehnung an den Felsen, in hohem Grade bemerkbar. Die Section Bern unterbreitete uns mehrere Projecte, welche dahin abzielten, den vorhandenen Uebelständen abzuhelfen. Wir gaben schließlich dem Project vom 23. September mit einem Kostendevis von etwas über 200 Fr. unsere Zustimmung. Ueber die Frage, ob die Guggihütte versetzt oder aufgegeben werden soll, gewärtigen wir Bericht und Antrag der Section Oberland.

Die Section Monte Rosa reichte die Pläne für einen Neubau der Weißhornhütte ein. Die alte Hütte wurde seiner Zeit den Erbauern auf den Antrag der Section Monte Rosa für Fr. 600 abgekauft; in den letzten Jahren wurde das Weißhorn selten bestiegen und die Hütte gerieth in Verfall. Seitdem eine Section der Ostschweiz sich mit dem Gedanken trägt, am Dom eine Hütte zu erbauen, erwachte auch für diese Clubhütte wieder mehr Interesse und es besteht das Project, an der gleichen Stelle einen Neubau auszuführen, der zu Fr. 1750 devisirt ist. Wir sicherten die Hälfte der Kosten zu.

Mit Rücksicht auf das Unglück am Matterhorn vom August 1886 schien es uns angezeigt, für die Herstellung der obern Hütte als genügendes Obdach etwas zu thun, und knüpften wir in dieser Hinsicht Unterhandlungen mit Herrn Seiler an. Es werden wahrscheinlich nächstes Jahr einige Reparaturen vorgenommen werden. Das Matterhorn wird so häufig bestiegen, daß in Zermatt der Gedanke auftauchte, in der untern Hütte einen ständigen Besorger zu unterhalten, der Lebensmittel verkaufen und für Ordnung in der Hütte und deren Umgebung sorgen würde. Damit müßte eine Vergrößerung der Hütte Hand in Hand gehen und unsere diesfälligen Unterhandlungen sind noch nicht zum Abschlüsse gelangt.

Aehnlich verhält es sich mit der Concordiahütte; auch hier wird von vielen Seiten einem ständigen Besorger gerufen, aber es mangelt dazu an Platz.

Die Besorgung und Aufsicht der Stockjehütte ist von der Section Monte Rosa an die Section Basel übergegangen.

Die Section Diablerets hat den gänzlichen Umbau der Mountethütte in Angriff genommen. Diese Hütte hatte durch Vernachlässigung stark gelitten. Wir sagten einen Beitrag von 1500 Fr. aus der Centralkasse zu.

Wie Sie sehen, verehrte Herren und Clubgenossen, haben unsere Hütten die Aufmerksamkeit des Centralcomite stark in Anspruch genommen, und es dürfte der in Villars - sur - Ollons gegebenen Weisung, für diese Clubistenasyle die Finanzen des S.A.C. ungescheut in Mitleidenschaft zu ziehen, in ziemlich weitgehendem Maße nachgelebt worden sein.

Nicht gerade zum Vergnügen gereicht es dem Centralcomite, daß seine wiederholten dringenden Mahnungen und Aufrufe zur Führerversicherung immer noch nicht auf einen recht fruchtbaren Boden haben fallen wollen. Immerhin ist ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen, indem laut Mittheilung der Unfallversicherungsgesellschaft sich im Berichtsjahr 105 Führer ( also 4 mehr als letztes Jahr ) haben versichern lassen, nämlich 82 Berner, 19 Walliser, 2 Urner, 1 St. Galler und 1 Unter waldner, mit einer Gesammt Versicherungssumme von 303,000 Fr., woran unsere Centralkasse die zugesicherten 3 °/oo mit 909 Fr. ausgerichtet hat.

Führerkurse sind, soweit wenigstens unsere Kenntniß reicht, in der Berichtsperiode keine abgehalten worden.

Was das Führerwesen im Allgemeinen betrifft, so hat uns Herr Pfarrer Straßer in Grindelwald einen Fragebogen zu einer vom S.A.C. zu unternehmenden Enquête über das Führer- und Trägerwesen in den Schweizerbergen zugehen lassen. Die Berathung und Bereinigung dieses Fragebogens glaubten wir unsern Amtsnachfolgern, dem neuen Centralcomite, überlassen zu sollen im Interesse der Einheitlichkeit der bezüglichen Erhebungen.

Die Uebersetzung der Baumgartner'schen Broschüre „ Ueber die Gefahren im Hochgebirge " in 's Französische hat sich etwas länger verzögert, als wir voraussehen konnten; sie ist aber noch im Laufe des Jahres 1887 in die Hände unserer Freunde der welschen Schweiz gelangt.

Den XXII. Band unseres Jahrbuchs, von unserm vielverdienten Redactor Wäber mit gewohnter Umsicht und Sorgfalt zusammengestellt, haben Sie wohl mit Vergnügen entgegengenommen. Es gereicht uns zur Befriedigung, wahrzunehmen, daß sich dies Organ unsers Vereins auch in fachmännischen Kreisen des Auslandes stetsfort der Beachtung und wohlwollender Kritik zu erfreuen hat. Wir hoffen, daß der neue, von uns einerseits mit Herrn Wäber, anderseits mit den Herren Schmid, Francke & Cie. in Bern, als Verlegern unsers Jahrbuchs, sorgfältig vereinbarte Vertrag mit dazu beitragen werde, unser Vereinsorgan auch artistisch immer würdiger auszustatten.

Was die Rhonegletscher-Vermessungsarbeiten

Mit der Firma SeEmid, Francke & Cie. ( ehemals Dalp'sche Verlagshandlung ) in Bern wurde ein Vertrag über Publication der Resultate der Rhonegletschervermessung vereinbart. Dieselbe wird erst nach Ablauf des nächsten Jahres erfolgen, da unsere Beitragspflicht und damit auch die Arbeiten am Rhonegletscher mit Ende 1888 aufhören. Den Mitgliedern des S.A.C. ist ein bedeutend ermäßigter Bezugspreis dieses Werkes, das jedenfalls ein hohes Interesse bieten wird, gesichert.

Da vielfach in clubistischen Kreisen nähere Erläuterungen zum Fragenschema des Eidg. Stabsbureau.

vermisst wurden, haben wir Herrn Ingenieur-Topo-graph Friedr. Becker aufgemuntert, eine von ihm verfaßte kleine Arbeit über diesen Gegenstand drucken zu lassen, und ihm unsern Beistand zum Absatz derselben zugesagt. Die Broschüre mit Karte wurde-fertig erstellt; der Verfasser hat auf jeglichen Gewinn verzichtet und wir empfahlen dieselbe Allen,, die sich für dieses wichtige Thema interessiren, bestens. Sie konnte bei unserm Centralkassier durch die Vermittlung der Sectionskassiere zu 50 Cts. bezogen werden.

Auf die Anregung der Section Bern bewilligten wir an die Ankaufskosten dreier Steinböcke ( 1 Bock uiill 2 Gaißen ) einen Beitrag von 300 Fr.

Es handelte sich um einen erneuten Versuch, dies Edelwild im Kanton Graubünden anzusiedeln, nachdem ein erster Versuch aus verschiedenen Gründe« fehlgeschlagen hatte, wahrscheinlich namentlich deßhalb, weil die früher angekauften Steinböcke nicht reiner Eace waren. Der Bund trug die Hälfte der Kosten. Die Section Rhätia brachte die Thiere im Bannbezirk der Errgruppe, vorerst im Alpenthal Spadlatscha, unter.

Unsere Beziehungen zu den gesinnungs- und zielverwandten ausländischen Corporationen sind auch im Berichtsjahr die gleichen freuödlichen geblieben wie früher. Wir haben am Centralfest in Biel vom D. u. Oe. A. V., der gleichzeitig seine Generalversammlung in Linz abhielt, ein freundliches Begrüßungs-telegramm erhalten und ein solches an ihn entsandt. Zum aufrichtigen Vergnügen gereichte es uns, als Vertreter des C.A.F. Herrn Abel Lemercier und als solchen d«r „ Association catalane d' excursions " dei* Comte de Saint-Saud am Clubfest in unserer Mitte begrüßen zu dürfen. Mit den auswärtigen Alpenvereinen findet fortwährend ein Austausch der gegenseitigen Publicationen statt.

Mit der Bearbeitung des Itinerars für das neue Excursionsgebiet der Grauen Hörner haben wir, nachdem eine bezügliche Anfrage bei der Section St. Gallen abgelehnt worden war, Herrn Ingenieur Becker betraut, der sich dieser Aufgabe in dankenswerther Weise unterzogen hat.

Noch ganz am Schlüsse unserer Amtsdauer sahen wir uns veranlaßt, uns in einer Eingabe an die h. Regierung des Kantons Wallis zu wenden, mit dem Gesuch, einige Paragraphen einer von der genannten Behörde letzten Sommer erlassenen Führerordnung gefälligst in Wiedererwägung ziehen zu wollen, da uns dieselben mit den Interessen des S.A.C. wie der Walliserführer selber nicht wohl vereinbar erschienen. Welche Resultate dieser Schritt haben mag, darüber wird Ihnen seinerzeit das neue Centralcomite Bericht erstatten.

Verehrte Herren und Clubgenossen! Wir sind am Ende unserer Berichterstattung angelangt.

Wir legen das Amt, das Ihr Zutrauen uns vor drei Jahren an der Generalversammlung in Altdorf Überbunden hat, in Ihre Hände zurück. Dabei erübrigt uns nur, Ihnen nochmals warm zu danken für die Ehre, welche Sie dadurch uns und speciell der Section, welcher wir angehören, erwiesen haben. Wir dürfen wohl sagen, daß wir uns redlich bestrebt haben, Ihr Zutrauen zu rechtfertigen und der Pflichten unserer Stellung mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit zu warten. Niemand empfindet tiefer als wir, wie hiebei das Können manchmal hinter dem Wollen zurückgeblieben ist, und wir sind Ihnen deßhalb um so erkenntlicher für die Nachsicht, welche Sie unserer Geschäftsführung haben angedeihen lassen. Mit Vergnügen haben wir Ende Januar 1888 bei einem Rendez-vous in Wädensweil unsere Functionen an unsere Nachfolgerin übertragen. Wir freuen uns, daß dieselbe aus einer der ältesten und rührigsten See- €50Chronik.

tionen des S.A.C. hervorgegangen ist, und zweifeln keineswegs, daß es dem neuen Centralcomite gelingen werde, das innere und äußere Leben unseres theuren 8. A. C. zu neuer Blüthe zu bringen. Doch der Segen kommt von Oben. Gott schütze und schirme den S.A.C.! Gott schütze und schirme das Vaterland!

J. E. Grob.

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