Im Arvenwald von Tamangur

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Mit 2 Bildern.

Von Alphons von Gunten.

Wenn der Nationalparkwanderer von Il Fuorn kommend nach der Passhöhe vom Ofenberg links abschwenkt, um über Fontauna da S'charl das Tal von Scarl zu erreichen, kommt er am Arvenwald von Tamangur vorbei. Sein Fuss hat somit das geschützte Gebiet des Parkes verlassen. Vom Talboden erstreckt sich der prächtige Wald bis auf 2600 m am Piz Murtèra 2998 m empor. Ein eigenartiges Grün schimmert uns entgegen. Der einsame Arvenbestand vermittelt uns ein neues Moment in der grünen Farbensymphonie der unerschöpflichen Natur. Wie wir die junge Clemgia überschreiten, um in den Wald einzusteigen, werden wir durch schrille Pfiffe empfangen. Hier wohnen ganze Kolonien Murmeltiere. Ihr Ruf ertönt oft so nahe zu unsern Füssen, dass wir erschrocken stehen bleiben, aus Furcht, die munteren Kobolde zu treten. Unser Auge erblickt sie aber nicht, denn ein Labyrinth von kleinern und grössern Blöcken, alle mit weichem Polster überzogen, sowie Heidelbeeren, Alpenrosen und Legföhren geben ihnen die gewünschte Deckung.

In diesen Wald treten wir nicht wie in einen Dom oder wie in eine Kirche. Hier herrscht Kampf. Tief sinkt unser Fuss in den weichen Boden, verfängt sich in dürrem Geäst und in versteckten Löchern. Die Arven stehen nicht geschlossen, wie man den Bäumen in allgemeinen Wäldern begegnet. Einzeln und in Zweier- oder Dreiergruppen erkämpfen sie sich ihr Dasein. Die Struktur jedes Baumes ist auf Kampf eingestellt. Die zähen Wurzeln umfassen nicht selten grosse Felsblöcke, ehe sie sich in die Erde vergraben. Stark und breit stehen die gedrungenen Gestalten an der Berglehne. Es ist, wie wenn jeder einzelne Kämpe einen gewissen Raum für sich beanspruchte zu seiner Verteidigung gegen die feindlichen Elemente. Wo einer gefallen ist, ersteht auf seinem Leichnam neues Leben. Hoch und steil hat sich der Wald hier in Tausenden von Jahren seinen Platz erkämpft. Sturm und Lawinen rissen wohl Lücken in die kampfgewohnten Recken. Aber die Arven blieben immer wieder Sieger.

Wie die Sonne sich langsam gen Westen senkt, scheint jeder einzelne Baum mit einem bläulichen Dunst umgeben. Dem Beschauer ersteht das Mittelalter vor seinem geistigen Auge. Er sieht in jeder Arve einen Kämpfer in eiserner Rüstung. Doch der Panzer nützt dem Walde nichts. Die Nutzniesser der anstossenden grossen Alpweiden schlagen hier ihr Holz. Diesem modern ausgerüsteten Gegner sind unsere Helden nicht gewachsen. Der Wald von Tamangur, einer der letzten Arvenwälder unseres Landes, ist dem Tode geweiht. Spätem Geschlechtern kann es bestimmt sein, das Holz zum Unterhalt der Herdfeuer aus dem Tale heraufzuschaffen.

Die Alpen — 1938 — Les Alpes.27

Das Seil.

Klage.Von Heinrich Halter.

« Gib mir das Seil, ich halt 's in Ehren »,

kam jüngst der Freund, « du darfst nicht säumen! »

Ich gab 's und wollt ihn noch belehren —

Er ging. Und ich begann zu träumen...

Der mir 's gab? —

Schneesturm warf Dich nieder, ein Schrei noch, dann des Todes Stille... Du lagst, als schliefen nur die Glieder und in der Brust der starke Wille. Zog Mut Dich bergwärts, Schönheit, Wissen? Warst einsam Du in junger Grosse? War's Neiding, der Dich weggerissen? Ein Zufall? War der Himmel böse? Schlief Atropos und schnitt im Traume den Faden ab durch RosenkränzeDu lächelst nur im schwarzen Baume und uns umklammt die schmale Grenze... Ich fass es nicht. Du musstest leben! Du hattest uns, den Nimmersatten, das Herz, die edle Glut zu geben — Die Sonne stieg, da wardst Du Schatten...

VorbeiWir streben in die Höhe voll Kraft und Lust zu kühnen Taten, und sind wir in der Götter Nähe, wetzt kühl der weisse Tod den Spaten.

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