Mit Ski im Gebiete der Cufercalhütte

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Mit 4 Bildern..Von Toni E. Müller.

Einen herrlichen Erdenfleck hat sich die Sektion Raetia ausgesucht, um darauf ihr neues Heim zu erbauen. Auf wunderbarer Hochterrasse liegt der schmucke Steinbau da, hoch über dem Tal des Hinterrheins. Gen Osten und Süden erschaut man ein eindrucksvolles Panorama mit schön gegliederten, markanten Bergformen.

Wir stehen vor der Hütte, versunken in die Pracht des scheidenden Wintertages, des letzten Tages im Jahre 1937. Die Schatten der Nacht legen sich breit auf das Tal zu unsern Füssen, kalt und ausdruckslos. Bei herrlichstem Sonnenschein sind wir mit unsern gewichtigen Säcken in zweieinhalb Stunden zur Hütte aufgestiegen, über Unter- und Glattenberg. Wer es sich bequem machen will, dem befördert eine Seilbahn zu billigem Preis seine Last bis auf Unterberg hinauf. Eindrucksvoll ist der Blick von Glattenberg aus ins wilde Steilertal und die spitzen Felskegel der Splügener Kalkberge, die Eduard Imhof im Jahrbuch 1919 so liebevoll und ausführlich beschrieben hat. Im stillen hoffen wir ja, diese « trutzigen Herren » in den nächsten Tagen noch näher kennen zu lernen, trotzdem sie gar nicht das Aussehen von Skibergen haben.

Bruschghorn, 3054 m.

So freundlich das alte Jahr Abschied von uns genommen, so unfreundlich beginnt das neue seine mühevolle und Ungewisse Laufbahn. Alles steckt im Nebel, dazu weht ein bissiger, giftiger Nord über die Hänge des Calandari herunter. Der frühzeitig angesetzte Aufbruch wird von Stunde zu Stunde verschoben, bis endlich etwas mehr Leben und Bewegung in die graue Masse kommt und sogar einige lichte Stellen sichtbar werden. 905 Uhr, reichlich spät für einen sonst schon so kurzen Wintertag, kann aufgebrochen werden. In gleichmässiger Steigung spuren wir der Furcla dil Lai pingt entgegen. Der wilde Geselle von Wind sorgt dafür, dass es uns nicht langweilig wird. Trotz doppeltem Handschuhschutz kriecht die Kälte in die Fingerspitzen, so dass wir gezwungen sind, fortwährend « Klavier » zu spielen, dabei durften aber die Zehen nicht vergessen werden, damit auch in ihnen das pulsierende Leben nicht erlosch. Es mögen gut 30 Grad Kälte herrschen, so dass innert kurzer Zeit mächtige Eiszapfen über den Schnauz herunterhangen und die Gesichtsteile, die noch zur kleinen Öffnung des Anorak hinausgucken, langsam zur Maske erstarren. In der Furcla springt uns der Wind mit seiner ganzen Macht an. Rasch wird die fast aper geblasene Fläche durchquert in den nordseitigen Hang hinüber, in herrlichen Pulverschnee, und vorsichtig fahren wir im Nebel auf den Alpboden hinunter in Richtung Lai grand. Durch schönes Skiland führt unser Weg zur Alp Plaun Darmeras hinüber, und auf steiler werdenden Hängen streben wir immer höher und höher, Rieh- tung P. 2773. Die Sicht ist besser geworden, auch vor dem Wind sind wir nun in dieser Aufstiegsmulde geschützt. Auf der Höhe aber flattern grosse Schneefahnen in die Luft, ein Grund, unsern Schnaufhalt vor Erreichen des Kammes einzuschalten. Die Uhr zeigt II30. Stehend wird die karge Mahlzeit eingenommen, und bald zieht es uns weiter. Am Grat oben, den wir eine Strecke weit verfolgen, tobt der Wind wieder mit ungehemmter Macht. Doch auf dem Carnusagletscher sind wir geborgen vor seiner lähmenden Kälte, und mühelos legt sich unsere Aufstiegsspur in die prächtigen Pulverschneehänge. Das Bruschghorn ist ein eigentlicher Skiberg, denn bis auf den Gipfel können die Ski verwendet werden. Es ist 13 Uhr, als wir die Bretter tief in die Gipfelwächte rammen.

Ein grosses Erlebnis wird uns zuteil. Lautlos zerreisst die Nebelwand, so dass unsere erstaunten Augen durch Nebellöcher unvergessliche Blicke auf die im herrlichsten Sonnenschein ruhenden Hänge des Safientales erhaschen. Wie ein Spuk mutet dieses Spiel an. Wir hoffen, Sonne und Wind werden die ganze Landschaft enthüllen, aber nach kurzen Aufhellungen fahren schon wieder neue Schwaden heran. Sieh da, plötzlich tut sich das Bild auf, und mit flotten Schüssen und langgezogenen Schwüngen rasen wir über den Gletscher hinunter und möglichst rasch über das kalte Gratstück in den Windschatten. Im Rückblick ist vom Gipfel schon nichts mehr zu sehen, sein Haupt hat die graue Kappe wieder übergestülpt. Weiter geht die köstliche Fahrt über unbeschreiblich schöne Hänge zur Alp Nur dain hinunter. Da lag nun das herrliche Skiland ringsum im klaren Gegenlicht, mit weichen gerundeten Linien, dazu als Kontrast und Abschluss der schwarze, zerhackte Annarosakamm im Süden. Die Felle werden aufgeklebt und bald ziehen wir der morgendlichen Spur entlang zur Furcla dil Lai pingt hinauf. Vergnügt gleiten wir von da zur Cufercalhütte hinab.

Alperschellihorn, 3045 m — Pizzas d' Annarosa, 3002 m.

Am frühen Morgen bietet sich uns das gleiche Bild wie gestern. Nebellandschaft, dazu wieder ein kalter Wind, der sich noch verstärkt hat. Wird es besser oder kommt Schnee? war unsere stumme Frage, da zum heutigen Unternehmen unbedingt gutes Wetter gehörte. Doch es wendet sich zum Guten, die Nebel müssen sich in die Täler zurückziehen, heller Sonnenschein huscht plötzlich über die Schneefelder. Zur genau gleichen Zeit wie gestern ist Aufbruch, und wir streben abermals zur Furcla dil Lai pingt hinauf, die gestrige Spur hat der Wind unsichtbar gemacht. Nach der Abfahrt von der Furcla wird unter dem Annarosakamm durch nach Nordwesten gequert, der Furcla dil Lai grand entgegen. Über hartgefrorene Lawinenkegel steigen wir bei wechselvollem Spiel von Nebel und Sonne zur Lücke auf. Im Safiertal brodelt ein mächtiges Nebelmeer, seine Ausläufer reichen bis zu uns herauf. Wir benützen zum Übergang den südlicheren Sattel, und ohne Aufenthalt fahren wir zur Alperschelliterrasse hinunter, stets in südlicher Richtung. Mühelos erreichen wir die Furcla d' Annarosa — in der Karte nicht benannt — und mittlerweile hat auch die Sonne über die immer wieder anstürmenden Nebelschwaden gesiegt. Um einen kleinen Ess- halt einschalten zu können, fahren wir auf der Ostseite der Furcla etwas hinunter und entrinnen so dem ungemütlichen Winde. Wohlig warm ist es hier in der Sonne, dazu ein prächtiger Ausblick durchs Steilertal auf die rassigen Felsgestalten des Oberhalbstein wie Curvèr, Forbisch Piatta.

Wir entschliessen uns, den höchsten der Splügener Kalkberge anzupacken, das Alperschellihorn. In südlicher Richtung queren wir an den Fuss des Berges und steigen mit den Ski so hoch hinauf, bis uns die vom Wind fast zu Eis abgeblasenen Schneehänge Halt gebieten. Die Ski werden mit den Steigeisen vertauscht, die Stöcke mit dem Pickel, und etwas nach 12 Uhr beginnt der eigentliche Aufstieg. Die Eisen hinterlassen kaum Eindrücke in den blankgescheuerten Hängen, und rasch kommen wir voran. Den ersten Felsriegel ersteigen wir ganz links und gelangen auf den grossen Firnhang, der zum eigentlichen Nordostgrat hinauf leitet. Hier fällt uns der Wind wieder mit aller Gewalt an, damit der Aufstieg ja nicht zu leicht werde. Der Firnhang wird schräg steil links gequert, zum Nordostgrat hinauf. Hier erblicken wir ein unerhört packendes Bild: die Zacken des Steiler- und Teuri-hornes. Imposant wuchten diese Felstürme in den Himmel hinauf, dazu ein brodelndes, kochendes Nebelmeer ringsherum, das die ganze Stimmung noch mächtiger betont. Ich quere nun etwas in die vom Wind verschonte Ostflanke, doch muss ich mich in heikler Kletterei wieder auf den Grat wühlen, da tiefer Pulverschnee auf den Felsen liegt. Der Grat wird schmäler. Trügerische Wächten müssen begangen werden, wir legen zur Sicherung das Seil an. In riesenhafter Flucht fallen die Flanken beidseitig in die Tiefe, über welche die Schneemassen, die von den Felsen weggeräumt werden, zischend hinuntersausen. 1330 sind wir am Gipfel, wo der Grat zur Schneide wird. Zum Teil rittlings muss ich mich auf den Gipfelklotz emporschaffen, die Kameraden sichern gut. Sie müssen warten, bis ich zurück bin, um auf den Gipfel zu gelangen, so wenig Platz ist hier oben. Es ist ein Gipfel, eine Bergspitze im richtigen Sinne des Wortes. Eine aussergewöhnlich schöne Rundsicht belohnt unsere Mühen. Der ganze Grat ist technisch nicht schwierig, doch erheischt er im Hochwinter grosse Vorsicht; sehr wahrscheinlich wäre eine Frühjahrsbesteigung sehr günstig.

In einer halben Stunde — über die harten Hänge zum Teil im Laufschritt — erreichen wir ohne Schwierigkeiten die Ski. Begeistert von unserm Erfolg entschliessen wir uns, auch noch den Pizzas d' Annarosa zu versuchen. Leider ist der Nebel wieder gestiegen, so dass wir vorsichtig zur Furcla d' Annarosa hinunter fahren. Von da queren wir zur Südwestwand hinüber, bis unterhalb des im Topographischen Atlas eingezeichneten Felskopfes. Nun vertauschen wir rasch wieder die Ski mit den Steigeisen, und schon spurt Kurt quer durch den steilen, nicht ganz geheuren Hang zum grossen Couloir hinüber. Tiefer Pulverschnee macht diesen Gang sehr mühsam. In strenger Arbeit steigen wir durch das Couloir höher bis zum ersten Knick, wo eine ebene Stelle günstige Gelegenheit zur kurzen Rast gewährt. Weiter geht die Schinderei, nun in nördlicher Richtung das immer steiler werdende Couloir hinan bis dort, wo nach dem Bündnerführer « ein enger, zwischen senkrechten Wänden eingeklemmter Riss » weiterführen sollte.Von einem Riss ist aber nichts zu sehen. Das Couloir wird schmäler und steiler, aber von einem Riss keine Spur. Doch für uns ist der Aufstieg vorgezeichnet, wir müssen die jähe Rinne verfolgen. Den Ausstieg auf die Gratwächte sperren plattige Felsen. Wir seilen an, und mit einem kurzen, heiklen Quergang wird der Felsklotz umgangen, um dahinter durch eine zweite Schneerinne vollends den Grat zu gewinnen. Verdammt unsicher ist das letzte Stück: mit aller Vorsicht müssen wir uns hinaufwühlen, damit nicht der ganze Hang in die Tiefe sause. Nun ist aber auch die grösste Arbeit getan, denn wir stehen auf dem dachartigen Gipfelplateau. Von da streben wir mühelos dem zerhackten, horizontalen Gipfelgrat entgegen und erreichen ihn um 1605. Reichlich spät für diese Jahreszeit, da ja um 17 Uhr die Nacht hereinbricht. Ach, unendliche Hochnebeldecke verhüllt fast die ganze Landschaft.

Jetzt wird jede Minute kostbar, und hurtig stürmen wir über das Dach hinunter, vor uns das eindrucksvolle Alperschellihorn mit dem gezackten Nordostgrat, den wir ja heute bezwungen haben. Schnell wird das Bild mit der Leica eingefangen, und schon treiben die Nebelschwaden wieder daher. Vor dem Einstieg ins Couloir seilen wir an und gelangen vorsichtig Seillänge um Seillänge in die Tiefe, zuoberst mit dem Gesicht gegen den Hang. Sobald die Steilheit abnimmt, entledigen wir uns des Seiles, und rascher geht es nun hinunter. Froh atmen alle auf, als wir dem Couloir entrinnen können.

Um 17 Uhr bei dickem Nebel Abfahrt in südlicher Richtung, um auf die Aufstiegspur zu stossen. Dieser nach hasten wir zur Furcla dil Lai grand hinauf, wo die Dämmerung fast jede Sicht raubt. Ohne Aufenthalt weiter. Unsere grösste Sorge ist, die Spur nicht zu verlieren, doch wird diese Aufgabe teilweise sehr schwierig, da nichts mehr zu sehen ist als die Stockeindrücke. Langsam fahren wir — mit den Fellen an den Ski — zum Lai grand hinunter. Bei Kerzenlicht pflastern zwei von uns Steigwachs auf je einen Ski, da durch die nächtliche Fahrt über die harten Lawinenbollen die Felle abgerissen wurden. Mühsam schieben wir uns die Hänge zur Furcla dil Lai pingt hinauf. Will denn dieser Hang gar kein Ende nehmen? Langsam machen sich doch die heutigen Strapazen bemerkbar. Doch jetzt springt uns Wind ins Gesicht, da wird die Lücke auch nicht mehr weit sein. Oben werden die « restlichen » Felle weggerissen, Kurt und Emil binden sich die Laternen auf die Brust, und nun beginnt eine abenteuerliche Fahrt. Doch auch das geht vorüber, und Punkt 19 Uhr treten wir über die Schwelle der Cufercalhütte. Alles ist in Dunkel gehüllt, wir sind die einzigen Gäste heute nacht. Ein erfolgreicher Tag findet seinen Abschluss.

Piz Beverin, 3002 m.

530 Uhr rattert der Taschenwecker los, reisst uns aus tiefem Schlaf in die Wirklichkeit eines kalten Wintermorgens. Immer noch stehen Nebelwände im Osten und Westen, doch scheint das Wetter besser zu werden. 7ao Uhr verlassen wir die uns nun schon so lieb und vertraut gewordene Hütte.Von der Furcla dil Lai zurückblickend sehen wir nicht ganz ohne Neid, wie die ersten Sonnenstrahlen die blendend weissen Firnhänge des Surettahornes mit einem Goldschleier überschütten. Unser Weg aber führt uns wieder in den kalten Schatten, zum Lai pingt hinunter, von wo wir rasch dem schon von der Sonne beschienenen Teil der Alp Annarosa zueilen.

Welch ein Gegensatz zwischen gestern und heute! Gestern in den wilden, abenteuerlich geformten Felshörnern der Splügener Dolomitklippen — ein Land des Kletterers —, heute aber im idealsten Skiland über weich geformte Hügel des Schiefergebirges. Gewaltige Bänke von Bündnerschiefer steigen aus der Annarosamulde in massiger Steilheit nach Westen, bilden dort die Gipfel und Grate zwischen Safien und Schams, hier auf der Ostseite ein Skiland, wie man es sich nicht schöner wünschen kann, nach Westen aber eine fast 1400 m hohe, steil abstürzende Mauer, ähnlich dem Glärnisch auf der Klöntalerseite.

Flachgeduckt liegen die Alphütten von Curtignatsch da, als wollten sie ja nicht die edle Harmonie dieser endlosen Schneefelder stören. An sonniger Hüttenwand lassen wir uns zur Rast nieder, schauen über das Gewoge von sich überschneidenden Buckeln und Kämmen hinauf zu unserm Pizzas d' Annarosa, dessen gewaltige Mauer — noch vom Schatten beherrscht — mit unzähligen Rinnen und Rippen steil in die Höhe strebt. Dieser Kontrast — ein Wunderwerk der Künstlerin Natur. Im Vordergrund die durch Licht und Schatten wirkenden molligen Formen der Schneelandschaft, im Hintergrund aber die von Naturgewalten zerborstene und gestufte Felsmauer.

Einsam ziehen wir drei Menschlein über die weiten Hänge der Alp Tumpriv, niemand stört unsern Pfad, nur hie und da kreuzen wir alte Skispuren. Auf dem Rücken des Runal entdecke ich eine ebenso einsame Gemse, die voll Mitleid — oder ist es vielleicht Hohnauf uns herunter schaut, wie wir uns abmühen müssen beim Queren eines steilen, vom Wind hart geblasenen Hanges. Wie um uns zu zeigen, wie man es machen muss, setzt sie über einige Felsabsätze hinauf, scheinbar mühelos, und entschwindet bald unsern bewundernden Blicken.

Höher und höher schrauben wir uns in der grossen Aufstiegsmulde des Beverin, immer in Richtung auf Punkt 2331 im Südwestgrat. Atempausen müssen eingeschaltet werden, da die Spurarbeit ausserordentliche Kräfte von Herz und Lunge verlangt. Dabei können wir unsere Spur verfolgen, wie sie sich den Geländeunebenheiten anschmiegt, in gleichmässiger Steigung die Höhe überwindet. Auch ein kleines Kunstwerk, übrigens unser Stolz, denn eine gut angelegte Aufstiegspur kann in gleichem Masse begeistern wie die ideale Führung einer modernen Passtrasse.

Unsere Skiablage, die wir unter der ersten Steilstufe des Beverin erstellen, gleicht einem Adlerhorst. Die Ski werden wieder mit den Steigeisen vertauscht, und nach gemächlicher Mittagsrast ersteigen wir die erste Barriere und stapfen über flachere Hänge dem zweiten Felsriegel zu. Im Profil erblicken wir die Westwand des Beverin, die fast senkrecht zum Carnusatobel hinunterfällt, im Gegensatz dazu die flach anmutende Abdachung nach Südosten.

131S Uhr erreichen wir den Gipfel ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Eine ganze Welt von Tälern und Dörfern liegt zu unsern Füssen, hemmungslos gleitet der Blick vom Ortler bis zu den Walliser Alpen. Wir stehen auf dem letzten Dreitausender dieser Kette, die Fortsetzung — der Heinzenberg — Die Alpen — 1938 — Les Alpes.If, liegt rund tausend Meter tiefer und grüsst mit leuchtenden Schneefeldern freundlich zu uns herauf. Kein Mensch vermag diese Aussicht, diese Pracht zu beschreiben, jeder Versuch dazu ist eine Stümperei gegenüber der Wirklichkeit.

Die Gesichter sind von der Bise wiederum zur Maske erstarrt. Wir holen unser Fähnlein vom Steinmann herunter und hasten zu den wärmern Gefilden hinunter. Nun packt uns schon wieder die Unruhe, die wir vor jeder grossen Abfahrt in uns empfinden. Was bietet doch so eine weite Talfahrt! Dem einen wird sie zur Qual, dem andern ist sie grösste Freude. Mir wird sie Erholung und Erlebnis, manchmal muss ich laut hinausjuchzen, so begeistert mich dieses hemmungslose Dahinsausen und Schwingen auf den langen Brettern.

Nur allzu schnell — wie übrigens alles Schöne im Leben — ist auch dieser Genuss vorbei. Kaum sind wir von der Skiablage weg, stehen wir schon vierhundert Meter tiefer auf der Alp Tumpriv und schauen zurück. Wir werden das unvergleichliche Bild der Hänge und Berge im Innersten bewahren. Die Fahrt geht weiter, je tiefer wir kommen, desto besser werden die Schneeverhältnisse. In einem wahren Taumel stürzen wir uns trotz der gewichtigen Säcke in oft unerwartete Steilhänge. Das Gelände — oben frei und übersichtlich — wird nun unruhig, Bäume und Sträucher tauchen auf, uns immer wieder vor neue Aufgaben stellend, die reflexartig gelöst werden, soll die Fahrt nicht zu einem stockenden, zaghaften Hinuntertasten werden.

Unermüdlich schwingen wir tiefer, durch das idyllische Dörflein Wergenstein nach Casti und weiter nach Donath hinunter. Die Schneedecke wird merklich dünner. Doch erst auf der Brücke über den Hinterrhein entledigen wir uns endgültig der Ski. 1530 landen wir in Zillis. Schade, die Sehnsucht ist erfüllt, die Fahrt zu Ende.

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