Nachträge und Berichtigungen zum Itinerarium für 1882 und 1883

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Edm. v. Fellenberg ( Section Bern ).

Nachträge und Berichtigungen zum Itinerarium für 1882 und 1883 Von'Das gegenwärtige Excursionsgebiet des S.A.C. ist so reich und mannigfaltig und die Literatur darüber so vielfach in allen möglichen Zeitschriften und Büchern verzettelt und zerstreut, daß es nicht verwundern darf, wenn dem Verfasser des Itinerars hie und da etwas entgangen ist. Zudem sind manche Touren bis jetzt noch nirgends geschildert worden und dem Verfasser erst nach dem Erscheinen des Itinerars zur Kenntniß gekommen. Wenn ich nun hier einige Notizen, die ich größtentheils der Gefälligkeit der Herren Coolidge und C. Montandon verdanken zur Ergänzung des Itinerars veröffentliche, so bin ich mir wohl bewußt, daß hiemit die Liste der Addenda und Corrigenda noch keineswegs abgeschlossen ist, vielmehr möchte ich die verehrlichen Clubgenossen aufgefordert haben, alle Ungenauigkeiten, Irrthümer oder Lücken dies Itinerars, die ihnen, sei es in der Literatur, sei es beim Begehen des Excursionsgebietes, auffallen könnten, mir so bald als möglich mittheilen zu wollen, damit dieselben bei einer später zu veranstaltenden zweiten Auflage vermieden oder berichtigt werden können. Besten Dank zum Voraus!

Herr W. A. B. Coolidge, Editor des Alpine Journal, schreibt:

„ Pag. 54. Descente du Balmhorn à Leukerbad.

Faite pour la première fois en 1864 par M. Utter-son-Kelso avec des dames ( voir l' Alpine Guide de M. Ball ). Avec Mlle Brevoort j' ai fait cette course en juillet 1868.

Pag. 62. Doldenhorn.

Effacer le nom de M. Fairbanks. Il a fait avec nous seulement l' ascension de l' Unterbächhorn, mais par erreur, dans l' Alpine Journal il paraît nous avoir accompagné dans d' autres courses, ce qui n' est pas exact.

Pag. 65. Blümlisalphorn.

La deuxième ascension a été faite en juillet 1868 par ma tante Miss Brevoort, et moi-même, avec Christian et Ulrich Almer Mais nous sommes partis de l' Oeschinenalp, non pas de la Bundalp ( voir l' Alpine Journal 1869—1870 ).

Pag. 158. Unterbächhorn.

M. Fairbanks a souvent fait l' ascension depuis 1872 et y a conduit plusieurs dames.

Pag. 162. Bietschhorn.

Effacer les noms de Johann et de Peter Siegen. Ils ne sont pas montés jusqu' au sommet avec nous. "

Den Mittheilungen des Herrn C. Montandon, stud, juris, Mitglied der Section Bern des S.A.C., entnehme ich Folgendes:

Pag. 48. Itin. Spillgerten:

Die erste beglaubigte Besteigung der Spillgerten wurde am 19. Juni 1877 von den Herren Marcus v. Steiger, Max und August Müller ausgeführt. Eine frische, von Humor und Satyre gewürzte Schilderung dieser schneidigen Bergtour wurde seiner Zeit von Herrn M. v. Steiger in der „ Saison " von Interlaken veröffentlicht. Die Gesellschaft war vier Mann hoch, am 17. von Thun abmarschirt, am Morgen des 18. vom Diemtig-Grund durch Zwischenfltih und Schwenden zum Alpetli am Nordfusse der Spillgerten hinaufgestiegen und hatte den Nachmittag zur Recognoscirung verwendet. Von den Sennen der unteren Alpetlihütte, welche die ungewohnten Gäste nicht ohne Mißtrauen, aber doch nicht unfreundlich zur Nachtherberge aufnahmen, erfuhren sie, daß der Grimmigrat ( zwischen Wild-Grimmi und Alpetli ) derjenige sei, auf dem man sich dem Hauptgipfel am meisten nähern könne, und daß schon öfters verschiedene Sennen der Umgegend bis zur vierten Zacke vorgedrungen, dort aber einer „ luter glänzigen " Fluh wegen stets zur Umkehr gezwungen worden seien. Am 19. früh 5 Uhr verließ die Gesellschaft die Hütte und erreichte um 7x/2 Uhr den Grat oberhalb des Grimmikörbeli,das als begraster Felskopf aus dem Kamm zwischen der Hinter- Spillgerten und dem Ankenstock nordwestlich gegen den Frohmattsattel vorspringt.

„ Nun ", schreibt Herr Marcus v. Steiger in dem obenerwähnten Bericht der „ Saison ", „ nun galt es, die nöthige Ausrüstung zu vertheilen. August Müller nahm die Fahnenstange sammt Fahne, Max Seil und Pickel und ich ein zweites Seil nebst der sogenannten „ Schwiegermutter ", einer Flasche von specieller Form und 2114 Maß Inhalt.

Da Max am wenigsten zu tragen hatte und überdieß der beste Kletterer war, wurde er vorausgeschickt, ihm folgte August, zuletzt ich. Punkt 8 x/a Uhr stiegen wir vom Bivouacplatz gegen den Felsgrat hinan. Freund K. blieb als Bewachung zurück. Außerdem wurde er gebeten, einen Niederstieg in 's Wildgrimmi zu unternehmen und unter der dicken Schneedecke nach einer Quelle zu suchen, um die leeren Gefässe mit Wasser füllen zu können.

Die drei ersten Zacken wurden verhältnißmäßig schnell, wenn gleich mit äußerster Sorgfalt, genommen.

Das Gestein zeigte sich, was Formation anbetrifft, sehr günstig zum Klettern. Hingegen war es größtentheils so morsch, daß jeder „ Halt " vorher sehr vorsichtig untersucht werden mußte, ehe man Fuß oder Hand aufsetzte.

Beim Niederstieg über die vierte Zacke, die wir „ spitze Fluh " tauften, wurde das Seil zur Hand genommen, alle drei gut angebunden und alsdann vorsichtig weiter gerutscht, stets auf der äußersten südlichen Kante sitzend, da dieselbe einzig rauh genug war, um einen sicheren Halt zu gewähren.

Den Einschnitt zwischen der vierten und fünften Zacke füllte eine scharfe, kirchthurmdachsteile Schneemasse aus. August und ich legten uns möglichst rückwärts nieder, stemmten Hände und Füße, so gut es eben anging, auf die vorhandenen Vorsprünge auf, streckten das Seil zwischen uns gut an und ließen Max auf den Schneegrat niedersteigen und denselben untersuchen.

Er fand ihn ganz prächtig; zum bequemern Uebergang pickelte er mit wenigen Hieben den spitzigsten obersten Theil weg und faßte etwas mehr gegen die Alpetliseite hin, am Fuße des fünften Zahnes, Posto. Dann folgten wir nach. Nun mußte die nächste, fünfte Zacke erklommen werden. Die beiden Hintermänner gruben sich knietief in das Schneedach ein und hielten das Seil, während Max vorankletterte. Oben angelangt, legte er sich auf den Bauch und zog langsam das Seil an, während der zweite folgte. Nachher kam der Pickel und zuletzt der Träger der „ Schwiegermutter. "

Dem Grat entlang vorsichtig emporklimmend, gelangten wir in wenigen Minuten auf die fünfte Zacke. Da war 's nun wirklich noch weniger einladend als vorher. „ Abe chäme mer scho, wenn 's nume time nache use geiht. "

Vorerst unter uns eine 60 Fuß hohe zerrissene, verwitterte Wand, am Fuße derselben wieder ein Schneesattel und drüben leider eine zweite „ luter glänzigi " Fluh. Nun, Probiren geht über Studiren!

Mann für Mann betraten wir den Schneesattel, stiegen etwa 80 Fuß auf der Alpetliseite über die Gwächte hinab und hielten fleißig Umschau nach einer gftnstigen Stell«.

.'Max, als der Vorderste, entdeckte bald einen Riß im Felsen und tiber demselben eine Art Tunnel, schräg aufwärts durch den Felsen gehend. Schnell band er sich los und verschwand um die Ecke eines der vielen Strebepfeiler, welche mehrere hundert Fuß tief gegen Frohmatt und Alpetli abfallen. Dieß war unstreitig die schwierigste Stelle.

Nach einer Viertelstunde, eben als wir uns an-sehiekten, ihm nachzuklettern und nach ihm auszuspähen, erschien er im Tunnel selbst und hißte nun seinen Bruder mit Hülfe des Seiles, das wir ihm kunstgerecht zuwarfen, zuerst hinauf; dieser sodann mich.

Wir krochen nun allesammt durch den Tunnel durch, kletterten an dem entgegengesetzten Abstürze ungefähr 40 Fuß abwärts,auf ein kleines 50 ° steiles Schneefeld, welches zwischen der sechsten und der höchsten Zacke eingeklemmt war.

Das Schneefeld selbst zu begehen, schien uns des weichen Schnees wegen, besonders bei dieser Steilheit etwas gewagt. Deßhalb stiegen wir in die zwischen dem Fels und dem Schnee befindliche Spalte hinab, die stellenweise wohl 12 Fuß tief war, und wanden uns von da weg langsam aufwärts, den linken Fuß auf irgend eine« Vorsprung des Felsens aufsetzend, den rechten möglichst tief in die Schneewand einbohrend. Die linke Hand klammerte sich in die verschiedenen Spalten -des Gesteines ein, die rechte wurde hacfcen-f©rmig mit ausgespreizten Fingern in die obere Fläche des Schneefeldes eingegraben.

Nach zwanzig langen Minuten, während welcher die Finger der rechten Hand oftmals im Munde erwärmt wurden, betraten wir den letzten Sattel.* ) Noch etwa 350 Fuß erhob sich die höchste Spitze über uns.

Die größten Schwierigkeiten schienen überwunden. Es galt nur noch Vorsicht, der Steilheit des Abhanges wegen, die stellenweise 65 ° betragen mochte; zudem mahnte noch stets die 700-800 Fuß hohe senkrechte Felswand unter uns, das lockere Gestein und vielerorts die ungünstige Gesteinbildung zu äußerst langsamen Vorgehen.

Ungefähr 100 Fuß über dem Sattel entledigten wir uns der schwerbeschlagenen Schuhe und beider Seile, kletterten dann stetig aufwärts, bis ein letzter niedriger Vorsprung überwunden war, und wir nun die höchste Spitze, kaum 20 Fuß höher als wir, nur noch durch einen 80 Fuß langen meist ebenen Grat von uns getrennt erblickten.

Da hielt uns keine irdische Gewalt länger zurück. Nicht achtend der Schmerzen, die das spitzige Gerolle an unseren Fußsohlen verursachte, gingen wir in einen kurzen Trab über und ruhten nicht eher, als bis der höchste Punkt erreicht war. Dies fand um 1 Uhr statt.

Vorerst wurde nun Freund K. durch Winken mit der kleinen Fahne und durch verschiedene Jubel-schreie von dem glücklichen Erfolge in Kenntniß gesetzt. Deßgleichen mehrere unsichtbare Männer auf der Frohmattseite, die unzählige Male auf unser Jauchzen antworteten. In zweiter Linie fand -die Auf-pflanzung der Fahne statt, welche unsere Namen mit blauem Stift im weißen Kreuze trug.

Von Aussicht, welche der isolirten Lage des Berges wegen sehr interessant vorausgesetzt werden darf, konnte keine Rede sein, da dichte Wolkenmassen alle umliegenden Höhen bedeckten. Einzig gegen Zweisimmen nnd Saanen hin wurde uns ein freier Ausblick au Theil, den wir in Ermanglung alles Anderen recht genossen.

Nach einstündigem Aufenthalte bliesen wir zum Rückzuge. Beim Niederstieg am Hauptzahne wurden Schuhe und Seil wieder aufgenommen, letzteres umgebunden und von nun an sehr vorsichtig manövrirt; stets bewegte sich nur ein Mann, während die zwei anderen in ihrer Stellung verharrten, bis der erste wieder sicheren Stand gefaßt u. s. w.

An der Spitzen Fluh überraschten uns einige Donnerschläge, denen ein tüchtiger, jedoch ganz kurzer Gewitterregen auf dem Fuße folgte. Dieß trieb zur Eile an. Das Seil wurde losgebunden und aufgerollt. Dann kletterten wir möglichst schnell, bald auf, bald abwärts dem Körbeli zu, das wir dann 6 Va Uhr Abends nach zehnstündiger Abwesenheit wieder betraten. Die horizontale Entfernung vom Grimmikörbeli zur Spitze beträgt 550 m, die Höhendifferenz circa 300 m.

Fröhlich erzählten wir den ungläubigen Sennen des Alpetli von dem glücklichen Ausgange der Besteigung. Als sie unseren Versicherungen durchaus kein Gehör schenken wollten, führten wir den Einen derselben in 's Freie und zeigten ihm nun mit trium-phirenden Mienen vermittelst eines Fernrohres die Fahne, welche damals lustig im Winde flatterte.

Dieses half — von nun an wurden wir nicht mehr als Goldgräber angesehen. Die Behandlung und Bewirthung nahm nun um ein Bedeutendes an Freundlichkeit und Herzlichkeit zu. Viel besser als die vorige Nacht verbrachten wir die jetzige.Vom schönsten Wetter begünstigt brachen wir früh Morgens nach herzlichem Abschied auf und schritten eiligst dem fernen Spiez zu. " Soweit der Bericht des Herrn M. v. Steiger. Von späteren Besteigungen ist Folgendes nachzutragen:

1881 haben die Herren Secundarlehrer Gempeler und Sohn in Zweisimmen auf dem nämlichen Wege, den 1880 Herr O'Gorman mit Christen Jaggi von der Zweisimmen-Seite aus gemacht hatte, die Spillgerten ohne Führer bestiegen: scharfe Kletterei. Einer stieg auf die Schultern des Anderen. Dem Wege der ersten Besteiger vom Grimmikörbeli aus folgten am 5. August die Herren Paul und C. Montandon, A. Ringier und A. Rubin: 4. August Spiez ab, Abends 8 Uhr 20. Grimmigrat Morgens 10 Uhr 30. Spillgerten 1 Uhr, Abmarsch 1 Uhr 30. Grimmigrat 5 Uhr 15 ( unterwegs 35 Min. Rast ), zu Fuß nach Thun, das am 6. August um 5 Uhr 40 früh erreicht wurde. Herr C. Montandon sagt über diese Gewaltsleistung: Die mühsamste Tour, die ich gemacht, vierstündige Kletterei in den Strümpfen und im Schnee, nicht sehr angenehm!

Pag. 56. Balmhorn.

Eine Winterbesteigung des Balmhorns wurde auch am 30. Januar 1882 von den Herren Ingenieur Simon, Ls. Krebser und H. Gempeler von Schwarenbach aus gemacht. Herr Simon gibt darüber folgende Zeitangaben und meteorologische Daten:

Schwarenbach ab: 4 Uhr, Sagigletscher 6 Uhr 30, Sagigrat 8 Uhr 30, Klein Balmhorn 11 Uhr — 11 Uhr 20. Groß Balmhorn 11 Uhr 45 — 12 Uhr 5, Klein Balmhorn 12 Uhr 20 — 1 Uhr. Schwarenbach 3 Uhr 28.

Barometer und Thermometer: .'Station.Zeit. Barometer. Temperatur.

Schwarenbach M. 3 Uhr 25 632,75 — 3 ° C. Sagigrat8 „ 35 573,00 — 10Groß Balmhorn „ 11 „ 45 533,70 — 10Wind. Schwarenbach A. 4 „ 35 627,20 + 1,4 „ Pag. 71. Wilde Frau.

Die erste Besteigung derselben wurde, wie schon im Jahrbuch IX, pag. 118 angegeben, wahrscheinlich von Herrn Oberst Schrämli ( Section Blümlisalp ) ausgeführt.

Pag. 73. Tschingelgrat.

Punkt 3318 m, der höchste Gipfel des Grates, ist wohl noch unbestiegen. Herr Studer sagt: die Bezeichnung Tschingelgrat für das Ganze sei ein alter Name. Auf der Karte trägt nur der wellige Grat mit der höchsten Erhebung von 3140 m diesen Namen. Für diese wäre zur genaueren Unterscheidung vielleicht der Name Sefinenhorn indicirt. Als Kleine Gspaltenhörner werden die Gipfel zwischen dem Ellstab und dem Tschingelgrat bezeichnet.

Pag. 76. Büttlassen.

Dieser Gipfel wurde am 26. August 1877 von Herrn C. Montandon allein bestiegen: Dürrenberg ab 11 Uhr, Büttlassengipfel 3 Uhr 40 — 4 Uhr. Dttrren-berg 6 Uhr. Vor Jahren war Führer Ulrich Lauener einmal in Begleit anderer Gemsjäger auf der Spitze. Die Besteigung vom 12. August 1878 ist deßhalb jedenfalls nicht die erste.

Pag. 113. Lötschenpass.

Eine hübsche Parallele zu diesem Paß bildet der Uebergang durch die Märbegglücke zwischen Sack-und Hockenhorn; vergleiche in diesem Jahrbuche C. Montandon: Wetterlücke und Märbegglücke.

Pag. 119. Tschingelhorn.

Wurde am 9. August 1882 von den Herren P. und C. Montandon bestiegen. Vom Petersgrat ( 9 Uhr Morgens ) gingen sie östlich den Felsen entlang bis zu der breiten Schneeruns, welche sich zwischen den beiden Gipfeln des Hornes herabzieht. Da der Schnee sich als zu weich erwies, traversirten die Reisenden in die leicht kletterbaren Felsen, die mit steilen Firnhalden abwechseln. Vom Westgrat aus über Felstrümmer wurde die Spitze leicht um 11 Uhr 35 Min. erreicht. Bei gutem Schnee im Couloir lassen sich sowohl Auf- wie Abstieg in kürzerer Zeit und ohne besondere Gefahr bewerkstelligen. Auch der Abstieg von der Einsattelung zwischen beiden Gipfeln direct zum Tschingelgletscher erschien nicht unmöglich. Um 12 Uhr 12 Min. verließen die Reisenden den Gipfel, erreichten um 2 Uhr 30 Min. wieder den Petersgrat und schlugen über Tschingelpaß und Gletscher den Rückweg ein.

Pag. 127. Klein Spalihorn.

Wurde am 5. August 1882 von den Herren P. und C. Montandon erstiegen. Kletterpartie, die letzte Strecke etwas schwieriger, als die bösen Stellen am Lobhorn und Spillgerten. Die erste Besteigung soll von einem kürzlich verstorbenen Lötschthaler gemacht worden sein.

Pag. 160. Bietschhorn.

Der Nordgipfel desselben wurde ebenfalls von den Herren P. und C. Montandon am 7. August 1882 erstiegen, und zwar wie Spillgerten, Lobhorn, Spalihorn, Tschingelhorn, Blümlisalphorn, Mittaghorn, Eiger etc. ohne Führer. Der Abstieg wurde durch Nebel und Schneegestöber etwas verzögert, so daß die Reisenden erst um 10 Uhr 45 Min. die Schutzhütte erreichten, nachdem ihnen die Führer des Herrn Franz Schweizer ( S.A.C. Section Uto ) eine Strecke weit mit der Laterne entgegengekommen waren. Dieses Entgegenkommen ist nachmals in einem Referat der „ Neuen Zürcher Zeitung " so gedeutet worden, als hätten die Herren Montandon demselben ihre Rettung zu verdanken. Die Herren M. stellen dies auf das Entschiedenste in Abrede. So dankbar sie für die gute Absicht sind, die dem Entgegenkommen zu Grunde lag, können sie doch in demselben weder eine nothwendige Hülfe, noch vollends eine „ Rettung " anerkennen. „ Wir wären, " schreibt Herr C. Montandon, „ auch ohne sie ( die Führer ) prächtig hinuntergelangt, denn wir hatten eine Kerze bei uns, kletterten am Seil und wußten ziemlich genau, wo die Hütte lag. Zudem stieg gegen Mitternacht der Mond auf, da wäre der Abstieg erst recht leicht gewesen. "

Zu oben angeführten werthvollen Vervollständigungen und Correcturen zum Itinerarium habe ich nur noch Einiges beizufügen puncto Nomenclatur. Pag. 96 des Itinerars sagt Herr Professor Bachmann, Zeile 6 von unten: „ Sehr bezeichnend, wenn auch hybrid, ist der Name Schersax.u Nun ist die Vereinigung eines deutschen und romanischen Namens in jener Gegend nichts Auffallendes. Schersax will heißen gezackter Felsen, das Wort Scher findet sich wieder in Scheerhorn, Scheeren der Ost- und Nordsee ( Skjär ) und bedeutet zerrissen, zerschnitten. Sax so gut wie die hier vorkommenden Bezeichnungen Agni ( Runden-, Bundagni ) sind offenbar nicht altrömische Bezeichnungen, sondern ganz einfach Klosterlatein, wie in vielen Grundbuchbeschreibungen der Klöster des Mittelalters Grundstücke mit einem lateinischen Namen bezeichnet werden. So haben wahrscheinlich die Mönche ( von Interlaken oder Därstetten ?) aus Lammerboden Agniboden gemacht und dem Schär oder Scher das Sax ( saxum ) angehängt. ver-'Endlich muß ich noch sämmtliche Besitzer des Itinerars ersuchen, die zwei von mir schon in der „ Alpenpost " ( Juli-Nummer ) signalisirten sinnentstel-lenden Druckfehler selbst corrigiren zu wollen, deren 1 ) ersterer durch die Weglassung eines Alineas und des Titels einer Zeile zwei ganz verschiedene Touren unter dieselbe Rubrik bringt und Wild-Andrist 2830 m mit Dreispitz 2522 m sinnlos ver- mengt. Auf pagina 85 ist auf Zeile 7 von oben nach den Worten „ 5-6 Stunden " ein Alinea zu machen, d.h. eine neue Zeile zu beginnen. Dieser achten Zeile von oben ist vorzusetzen als Titel: Dreispitz 25SSm. Der Aufstieg ist am bequemsten etc. etc.

2 ) Auf pagina 173, Zeile 13 von unten soll es heißen von Ost nach West statt von West nach Ost, nach der Reihenfolge der unter 2 behandelten Pässe und Uebergänge, wo ich im Osten mit der Lötschenlücke anfange. Wie ich nicht über diesen Lapsus, trotz dreimaliger Correctur, gestolpert bin, ist mir unbegreiflich.

Endlich noch zwei nicht sinnentstellende Druckfehler, wo ich auf dem Manuscript falsch gelesen: Pag. 69, Zeile 6 von oben soll es heißen Dünden-harn statt Rinderhorn und auf Zeile 15 von oben soll es heißen Ls. ( Louis ) Krebser statt Lieutenant Krebser.

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