Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen 1950/51

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

( Schluss ) Zusammengestellt von Max Oechslin

32. Juzfadstock ( 2818 in, Meiental ). Erste Begehung über den Südgrat, am 11. Juni 1950, durch H. Rein, Leni Merk, J. Nadai und J. Rockett. « Auf Route 780 des Urnerführers Bd. 2 über Altboden, Wissgand und Rot- gand an den Fuss des Südgrates. Von Westen her erreicht man die Höhe des vorgelagerten Rückens. Der erste Aufschwung wird über steiles Schroffengelände erstiegen. Ein horizontales Gratstück führt in die erste Gratscharte. Man folgt nun dem Grate bis auf den grossen Gendarm. Auf seiner Nordseite wird die erste Seillänge hinuntergeklettert. Eine Abseilstelle von ca. 15 m ( Haken ) führt in die Scharte. Zwei Seillängen über leichtes Gelände, bis sich der Grat neuerdings aufschwingt. Schöne Kletterstellen leiten nun direkt über den Grat auf den Südgipfel, 2770 m. Von hier folgt man dem scharfen First in die nächste Scharte, und über verschiedene Zacken und Türmchen erreicht man den Hauptgipfel, 2818 m.

Zeiten: Einstieg—Hauptgipfel 3 % Stunden; Altbodenalp—Einstieg 1 Stunde. Nach Mitteilung von Hans Rein ( Zürich-Höngg, Rebbergstrasse 64 ).

33. Kreuzberge.

Südwand des B. Kreuzberges. Begehung am 9. Juli 1950, durch die Seilschaft Erich Haitiner und Ruedi Schatz.

« Die Süd- ( eigentlich SO- ) Wand ( der Säntisführer bezeichnet die geographisch nach SO orientierten Wände der Rheintaler Seite der Einfachheit halber als Südwände ) des B. Kreuzberges wird in ihrem untern, überhängenden Teil etwas östlich der Gipfelfallinie von einem Riss durchzogen. Man gewinnt dessen Anfang durch eine steile Rinne, 10 m im Riss empor, kurzer Quergang nach rechts und hoch auf Kanzel, erneut in den Riss und 20 m aufwärts zu Stand. Eine Seillänge über grasdurchsetzte Stufen zum Beginn einer Rissverschneidung. Äusserst schwierig eine Seillänge hoch zu kleiner Nische. Über deren Dach und weitere 20 m in Riss aufwärts, dann nach links aus dem Riss hinaus zu Terrasse und dann zu kleinem Sattel. Von dort durch eine 60 m lange, unterbrochene Rinne zum Ausstiegskamin. Durch diesen auf den Ostgrat des östlichen Südwandpfeilers und über diesen steil zum Gipfel.

Wandhöhe 350 m. Zeit der Erstbegeher: 11 Stunden. Schwierigkeit: 6.

Kletterclub Alpstein. » Mitgeteilt von Ruedi Schatz ( St. Gallen, Axensteinstr. 19 ).

34. Lauterbrunner Wetterhorn ( 3241 m ). Traversierung des Lauterbrunner Wetterhorns mit Erstbegehung des Nordostgrates, am 10. Juli 1949, durch die Seilschaft Frl. Aerni, Sollberger und Fritz Grandjean, Interlaken. Einstieg bei P. 2360 in den Nordostgrat und über diesen bei schwieriger Kletterei und schlechtem Fels bis zum sockelartigen Aufbau der Kanzel, die 10 durch ein steiles Couloir umgangen wurde.Vom Grateinschnitt zwischen Kanzel und Lauterbrunner Wetterhorn wurde auf der Normalroute der Südflanke die Kanzel erstiegen. Abstieg zum Grateinschnitt, dann hart dem Nordgrat entlang längs steiler Eisflanke, wo Tritte gehackt werden mussten, zu P. 3165. Von hier in leichter Gratwanderung zum Gipfel des Lauterbrunner Wetterhorns und Abstieg zur Mutthornhütte. Zeiten: Einstieg bis Kanzel 4 Stunden; Kanzel-Gipfel 2% Stunden; Gipfel-Mutthornhütte 1 Stunde.

Mitgeteilt von Dr. med. Fritz Grandjean ( Interlaken, Höheweg ).

35. Mittagstock-Ostgipfel ( 2951 m ), Urseren. Erste Begehung über den Südgrat, am 15. Juli 1951, durch die Seilschaft Hans Rein und Leni Merk.

« Von der Rinbordalp, wo man gutes Heulager vorfindet, über Geröllhalden und Weiden an den Fuss des Südgrates auf ca. 2530 m. Durch eine grasdurchsetzte Rinne erreicht man den ersten Aufschwung des Grates. Man erklettert ihn etwa in der Fallirne durch Risse und Kamine. Das oberste, sehr steile Stück wird durch einen schwierigen Kamin ( Haken ) durchstiegen. Der Kamin endet nach ca. 30 m auf der Ostseite hart unter der Gratkante, von wo man den Grat selbst durch einen Riss erreicht, in einer kleinen Scharte hinter dem ersten Aufschwung. Man folgt nun dem Grate in schöner Kletterei in sehr gutem Fels. Der letzte Aufschwung vor dem Gipfel, auf dessen Höhe ein riesiger Block ruht, bietet keine Schwierigkeiten mehr und wird durch Risse erklettert. Der Grat verschwindet nun in der Gipfelflanke, und über Blöcke erreicht man den Gipfelzacken des Ostgipfels, der durch einen Riss erklettert werden kann.

Zeiten: Rinbordalp-Einstieg 1 Stunde; Einstieg-Ostgipfel 4 Stunden. » — Abstieg über Ostgrat und Südostwand, laut Urnerführer.

Mitgeteilt von Hans Rein ( Zürich-Höngg, Rebbergstrasse 64 ).

36. Mittagstock ( 2994 m ). Erste Begehung über die Mittelrippe der Südwand, am B. Juli 1951, durch die Seilschaft Hans Rein und Leni Merk.

« Die Mittelrippe, die zwischen West- und Ostgipfel auf den Hauptgrat führt, senkt sich steil nach Süden und bricht in ihrem untersten Teil in glatten Wänden ab. Diese ungangbare Zone bezwingt man durch eine Sekundärrippe, die westlich der Hauptrippe liegt und sich ganz markant nach Südwesten in das Geröll vorschiebt. Die Sekundärrippe kann von Westen oder Osten erstiegen werden. Über Schroffengelände erreicht man nach einigen Seillängen einen schon von unten gut sichtbaren Kamin. Dieser wird auf ca. 30 m Länge durchstiegen, und nach einem kleinen Überhang gewinnt man einen guten Sicherungsplatz. Hier verlässt man den Kamin und steigt nach rechts über Felswülste und Risse an den Fuss des ersten Aufschwunges der Hauptrippe, hinter einen grossen Felszahn. Der Aufschwung wird östlich durch Kamine und Risse erklettert, die wieder auf die Rippe führen. Man folgt ihr bis zum zweiten sehr steilen Aufschwung. Diesen überwindet man durch schwierige Risse ziemlich in der Fallirne und gelangt so unter einen gewaltigen vorspringenden Felsblock in eine Höhle. Dann durch die Höhle und auf der hinteren Seite ( nördlich ) des Blockes in einen engen Kamin und über den zweiten Aufschwung. Es folgen noch einige kleinere Zacken, die auch wenig östlich unter der Rippe umgangen werden können, und auf den Hauptgrat, den man westlich eines kleinen Turmes erreicht. Von hier gelangt man ohne Schwierigkeiten über den fast horizontalen Hauptgrat auf den West- oder Ostgipfel.

Zeiten: Einstieg bis Hauptgrat 4% Stunden. Der Übergang zum Hauptgipfel 2994 m ( Westgipfel ) erforderte eine Viertelstunde.

Sehr schöne und steile Kletterei in gutem Gneisfels. » Abstieg durch die Südwand:

« Vom Gipfel ca. 100 m über den Westgrat und dann über die zuerst gut gestufte Südwand hinunter gegen die grosse Geröllterrasse. Weiter unten werden die Felsen sehr steil, doch lassen sie sich in solidem Gestein noch frei überklettern bis auf die Terrasse.Von hier hält man sich nach links gegen den zweiten Abbruch, der sich als Sporn nach Süden vorschiebt. Durch Rinnen und Kamine steigt man abwärts und gelangt nach einmaligem Abseilen von ca. 20 m Tiefe über die glatten Schlussplatten in den Geröllkessel unter der Gipfelwand.

Zeiten: Hauptgipfel–Ausstieg 3 Stunden. » Mitgeteilt von Hans Rein ( Zürich-Höngg, Rebbergstrasse 64 ).

37. Mont Blanc de Seillon. Besteigung durch die Nordwand, am 25. Juli 1951, durch Jacques Rossier und Etienne Wolff, Sion.

Es ist dies die erste Begehung der Nordwand durch eine schweizerische Seilschaft. Sie benötigte 10 Stunden.

Zeitungsmeldung, « Tribune de Lausanne », 26. Juli 1951.

38. Nägeliberg ( 2165 m, Leistkammkette ). Erster Durchstieg der Südwand, am 15. August 1951, durch die Seilschaft Fredi Neuwirt ( Wien ), Gerhart Vikas ( Wien ) und Franz Cassani.

Von Wallenstadt zur Alp Schwaldnis und längs des Gachtweges bis ca. 200 m vor Gacht, wo ein Felspfeiler den Einstieg öffnet. Östlich von diesem ca. 40 m auf den Pfeiler hinauf, dann auf einen guten Standplatz ( Haken ); von hier fällt die Wand stark zurück und führt in leichter Kletterei zum Gipfel. Schwierigkeitsgrad 4. Einstieg bis Gipfel 3 Stunden.

Mitgeteilt von Franz Cassani ( Wallenstadt ).

39. Oberaarhorn ( 3642 m ). Erstdurchstieg der Nordwand, am 9. Juli 1950, Alleingang durch Ernst Reiss.

Siehe Bericht im « Sport », Zürich, vom 11. August 1950.

40. Obergabelhorn ( 4073 m ). Überschreitung des Obergabelhorns — nach Traversierung der Wellenkuppe — durch die steile Nordostwand im Aufstieg und die schroffe Südwand im Abstieg durch die Seilschaft Ludwig Steinauer und Bergführer Hermann Petrig. Zeit: 12 Stunden. 5. September 1951.

gp. Meldung « NZZ », 18. Dezember 1951, Nr. 2004.

41. Obergabelhorn ( 4073 m, Zinalrothorn–Obergabelhorn ). Überschreitung von der Rothornhütte über Kanzelgrat, Zinalrothorn, Rothorngrat, Trifthorn, Triftjoch, Wellenkuppe, Obergabelhorn, Arbengrat, Zermatt, August 1949, durch Seilschaft Hans Pfändler jun. und Karl Fux, Zermatt. Tour an einem Tag.Mitgeteilt von Hans Pfändler, sen. ( Flawil ).

42. Reissend Nollen ( 3012 m ). Begehung der Südwand, am 16. Juli 1950, durch die Seilschaft Martin Mai, Karl Frank und Paul Giger, alle Luzern.

Die Wand wurde schon 1935 durch die Geologen Dr. W. Maync und Paul Funk begangen.

Die Seilschaft der Luzerner stieg von der Wendenalp-Glogghus aus ziemlich in der Fallirne unter dem Gipfel in die Wand ein, dem westlichen Vorgipfel ( P. 2964.4 ), auf ca. 2200 m. Im weitern Verlauf des Aufstieges hielt sie stets rechts, durchstieg zwei markante Felskessel direkt zum Hauptgipfel ( 3012, neu 3003 ). Mittelschwere Kletterei, in teilweise brüchigem Fels Einstieg bis Gipfel 7 % Stunden.Mitgeteilt von Paul Giger ( Luzern, Neuweg 11 ).

43. Schallihorn ( 3978 m ). Erste Begehung der Westwand, am 17./18. August 1951, durch Dr. Edouard Wyss-Dunant und Führer Marcel Bonnard, Zinal.

« La cordée a attaqué cette face ouest par l' arête ouest puis a gagné, par des vires et des traversées très exposées d' arêtes secondaires, le couloir qui conduit sur l' arête faîtière à gauche du sommet du Schallihorn.

L' ascension a demandé de la base de la paroi jusqu' à la crête faîtière 7 heures et demie d' efforts dans des obstacles variés, tant de varappe ( cheminées ) que de taille de glace. La hauteur de cette paroi est d' environ mille mètres. » Verschiedene Zeitungsmeldungen.

Siehe ausführlichen Bericht von Dr. E. Wyss-Dunand in « Die Alpen a, April 1952.

44. Schlossberg ( 3135 m ). Variante für die Südwandbegehung, am 23. September 1951, durch die Seilschaft Hans Schluchter und Max Eiselin. Siehe Bild. « Von der grossen Schlucht 130 m waagrecht nach links ( Westen ) ( 3 ). Im Urnerführer, Bd. 2, wird irrtümlicherweise erwähnt, dass die Terrasse 130 m nach der Schlucht verlassen werde, in Wirklichkeit sind es aber 200 m. Unmittelbar vor einem abgespaltenen Pfeiler wird in einen Kamin eingestiegen, der nach einer Seillänge verlassen wird. Die Route setzt sich nun in einem Parallelkamin, links, weiter fort. Man verlässt diesen kurz vor seinem Ende nach links und gewinnt über eine senkrechte Kante einen Felskopf. Hier besteht der Weiterweg in einer schräg rechts aufwärtsführenden Querung, die in einen ca. 50 m hohen glattwandigen Kamin leitet. In diesem empor, bis er unterbrochen wird. Dort Spreizschritt in einen feinen Riss, der sich links des Kamins emporzieht. In diesem Riss kann der Unterbruch überwunden werden, worauf man wieder den Kamin erreicht ( schwierigste Stelle der Route ). Der Kamin wird weiter verfolgt, bis er in Überdachungen endet. Hier verlässt man ihn endgültig und erklettert über eine Kante eine Kanzel. Nun 40 m waagrechter, sehr exponierter und kleingriffiger Quergang nach links ( 2 Haken ), worauf man in die Wechsler-Gianora-Route gelangt.

Mitgeteilt von Hans Schluchter ( Emmen, Nebenstrasse 20 ).

45. Stotzißflrat-Nordostflanke ( 2980 m ). Arnold und Richard Keller, SAC Winterthur, haben die Nordostflanke des Stotziggrates, Maderanertal, gemäss ihrer Mitteilung schon am 27. April 1947 begangen. ( Siehe Neutourenbericht 1948/1949, Nr. 71, « Die Alpen » 1950. ) 46. Sulzfluh ( 2820 m ). Erste Winterbegehung der Sulzfluh-Südwestwand, am 23. Dezember 1951, durch die Seilschaft Ueli Wyss-Ruedi Müller.

Skidepot auf der Garschina-Furkel, durch einen Lawinenzug zum Fuss der Südwestwand. Relativ gute Verhältnisse in den untern zwei Dritteln der Wand, welche ein rasches Klettern erlaubten; im obern Wanddrittel starke Vereisung.Nach Zeitungsmeldungen, z.B. « Sport », 28. Dezember 1951.

47. Sustenhorn ( 3340 m ). Winterbegehung des Ostgrates, am 26. März 1950, durch die Seilschaft Arnold und Richard Keller.

Wohl erste Begehung! Bei Wind und Neuschnee, vom Gratfuss direkt über den Ostgrat zum Gipfel. Abfahrt zu P. 3287 und durch das Sustencouloir und dann über den Flachensteinenfirn zur Voralphütte.

Mitgeteilt von Rieh. Keller ( Winterthur, Oberfeldstr. 47 ).

48. Wcisshorn-Schalligrat ( 4512 m ). Erste Winterbegehung, 17. April 1949, durch Hans Rein, Ernst Schulthess und Joseph Nadai.

Am 16. April bis Schallijoch, Biwak; 17. April über den Schalligrat zum Weisshorngipfel ( 18.30 Uhr erreicht ) und Abstieg über den Ostgrat bis zum Grossen Gendarm, Biwak; 18. April Abstieg zur Weisshornhütte. ( « Die Alpen », November 1949. ) 49. Täschhorn ( 4494 m ). Erste Winterbesteigung, am 16. April 1949, durch Otto Gerecht, Emil Meier, Hannes Huss und Uli Matter.

Von der Langenfluhhütte bis unterhalb Mischabeljoch mit Ski, dann nordwestlich des Jochs zur Grathöhe und über den Grat zum Gipfel. Abstieg durch die Nordwestflanke und Biwak auf dem Kingletscher ( 3400 m ).

50. Klein Wellhorn ( 2688 m ). Erstdurchstieg der Südostwand, am 15. Juli 1950, durch die Seilschaft Ernst Reiss und Dölf Reist.

Erster Versuch bis ca. 330 m Höhe am 5. Juni. Zweiter Versuch mit Durchstieg am 15. Juli.

Siehe Bericht in « Die Alpen », 1951, Seiten 353-356. Mit zwei Bildern.

51. Wichelhorn ( 2767 m ). Begehung des Ostgrates, am 14. September 1947, durch die Seilschaft Rita Rüttimann ( Luzern ) und Olga Mattmann.

Mitgeteilt von Rita Rüttimann ( Luzern, St. Karlistr. 11 ). Begehung des Ostgrates durch Arnold Keller, als Alleingänger, am 29. August 1947.Mitgeteilt durch Arnold Keüer ( Winterthur ).

Wahrscheinlich ist der Grat schon früher begangen worden. ( Siehe Neutourenbericht 1948/1949, Nr. 77, « Die Alpen » 1950. ) 52. Grosse Windgälle, Südostwand ( 3192 m ). Begehung vom 16. Juli 1950, durch die Seilschaft Bernhard Lauterburg und Werner Gysin, AAC Zürich.

« Der SO-Fuss der Grossen Windgälle, d.h. die Felspartie, welche am weitesten südöstlich in den Stäfelgletscher hineinragt, ist von einem kleinen Moränenrücken bedeckt ( von der Windgällenhütte aus gut sichtbar ). Diesen Moränenrücken erreicht man am leichtesten, indem man vom Fusse des Höhlenstocks horizontal den Stäfelgletscher traversiert. Man kann auch direkt, vom untern Teil des Stäfelgletschers herkommend, dem Rand des SO-Fusses der Grossen Windgälle folgen, indem man entweder über den steilen Gletscher oder die benachbarten glatten Felsen aufsteigt.

Der Einstieg in die SO-Flanke erfolgt einige Meter rechts oberhalb des obern Endes des Moränenrückens. Ein kurzer Kamin führt zu einem breiten Riss, der leicht ansteigend nach links zur Rinne leitet, die von weit oben herabzieht und durch das grosse, von der Hütte aus gut sichtbare Felsentor hindurch führt. Man folgt dieser Rinne, hält dann etwas gegen rechts und steigt durch kleinere Nebenrinnen bis zu einem flachen Sattel, von dem aus man freien Blick auf den obern Teil des Stäfelgletschers erhält.

Von diesem Sattel führt ein Band leicht ansteigend an den Fuss des von weitem sichtbaren markanten gelben Turmes und in die breite Rinne, die am Turm vorbei in östlicher Richtung herabzieht. Man folgt dieser Rinne, dort wo sie verzweigt ist, besser den linken Arm benützend ( im Sinne des Aufstieges ) bis zur Scharte an ihrem obern Ende, von der aus man Einblick erhält in die grosse Schlucht, die sich aus der Lücke zwischen den beiden Windgällengipfeln bis weit in die SO-Flanke hinunter erstreckt. Bis hierher ist die Route nirgends schwierig.

Oberhalb der Scharte baut sich der Gipfel steil auf, einen schwach ausgeprägten Grat bildend. Man klettert direkt von der Scharte aufwärts und verfolgt den Grat, sich etwas rechts davon an die kleinen Rinnen und Verschneidungen haltend. Nach ein paar ziemlich schwierigen Seillängen ( Sicherungshaken ) gelangt man auf ein kleines Bändchen, das nach links um die Gratkante herumführt und den Blick auf den O-Gipfel freigibt. Von hier über leichte Felsen auf den Gipfelgrat, den man wenig östlich des Gipfels erreicht, und über diesen zum Gipfel.

Reine Kletterzeit vom Einstieg bis zum Gipfel: 4 Stunden. » Mitgeteilt von Dr. W. Gysin ( Zug, Bahnhofstrasse 38 ).

53. Grosse Windgälle, Südwand ( 3192 m ). Dritter Durchstieg am 3. Juli 1951 auf neuer Route, durch die Seilschaft Gerold Styger, Zürich, und Alois Regli, Altdorf.

Siehe eingehenden Tourenbericht, « Die Alpen », 1952.

54. Witenwasserenstock, Ostgipfel ( 3025 m ). Witenwasserenpunkt. Direkter Südgrat, Begehung am 20. September 1947, durch die Seilschaft A. de Szepessy Schaurek und E. Bolay.

« Vom Passo dei Sabione zuerst ein paar Meter östlich der Gratkante, westlich von einem tiefen Couloir, steil empor und auf den Grat. Über diesen ( Überhang, Platte, Steilstufe ) weiter bis zum Signal. Schwierig. 40 Minuten. » Jahresbericht 1948 des AAC Zürich.

55. Zavreilahorn ( 2901 m ). Neue Route auf den NO-Gipfel. Ausgeführt am 12. Oktober 1950 durch R. Füllemann und G. Geszner.

Obwohl dieser Route keine besondere Bedeutung zukommt, wird sie vielleicht doch einige Bergkameraden interessieren, da sie im Klubführer nicht aufgeführt ist.

Der Grat des Zavreilahorns wird durch eine tiefe Scharte unterbrochen. Von dieser Scharte aus durchreisst ein Couloir die ganze SO-Flanke des Berges. Der Fuss dieses Couloirs ist der Anfangspunkt der Route. Er ist über steile Gras- und Geröllhalden leicht zugänglich.

Man steigt ein kurzes Stück das Couloir hinauf und traversiert dann über leicht ansteigende Grasbändchen, später über eine kleine Felsstufe nach rechts, bis man auf einer Kanzel steht, direkt oberhalb des Startes. Von hier klettert man durch ein kurzes Kamin in der Fallirne aufwärts und erreicht ein Grasbändchen, das schräg hinaufführt. Hier ist der Weiterweg ziemlich eindeutig gegeben: er führt, teils über Grasbändchen, teils in gutem Fels, mehr oder weniger steigend in die Wand hinaus. Man gelangt schliesslich an den Fuss einer ca. 30 m hohen Wand, wo sich ein schmales Grasbändchen durchzieht. Hier wird wieder nach rechts traversiert. Der Einstieg in die Wand erfolgt am besten beim grossen Spalt am äussersten, rechten Rand. Dies ist die einzige schwierige Stelle. Man gelangt auf eine Plattform, von welcher aus, über ein kleines Wändchen, direkt der Gipfel erreicht wird.

Die Route eignet sich auch für den Abstieg.

Mitgeteilt von Gabriel Geszner ( Zürich ).

Emil Meier, dipl. Bauing. ETH, Wetzikon, der auf so tragische Weise am 13. August 1950 am Brouillardgrat in der Südflanke des Mont Blanc verunglückte, hat uns am 4. April 1950 noch eine Liste aus der Reihe seiner Fahrten bekanntgegeben, welche als « erste Winterbegehungen » gelten können.

Bei einer besonders schönen « Grosswetterlage » im Februar 1938, zusammen mit Max Bachmann, Basel:

Piz Aul und Piz Seranastga, von der Seranastgalücke aus, 20. Februar 1938. Faltschonhorn, Schwarzhorn und Frunthorn, von Vals aus, 21. Februar 1938. Güferhorn, vom Kanaltal aus über die untere Güferlücke, Lentahorn, von der oberen Güferlücke aus, Schwarzhorn und Furketlihorn von Zervreila aus, am 22. Februar 1938. Garenstock, Plattenberg, Vernokhorn, Torrone di Garzura und Piz Scharboden, von Zervreila aus über die Lampertschalp, am 23. Februar 1938. Piz Casinell, Piz Sorda und Piz Cassimoi, von Zervreila aus über die Lampertschalp und nach Lenta, am 24. Februar 1938. Piz Jut, von Lenta aus und über die Cima Fornei, Abfahrt zur Adulahütte, am 25. Februar 1938. Grauhorn auf der Sommerroute und Rheinwaldhorn von der Adulahütte aus, am 26. Februar 1938. Grattraverse La Loggia, Piz Baretino, Vogelberg, Rheinquellhorn, Poncione di Frecione, Pizzo Stabbio nach Hinterrhein, am 27. Februar 1938. Zapporthorn und Breitstock, am 28. Februar 1938. Cima della Palü, Piz Timun und Ostgrat Surettahorn, von Ferrera aus, am 13. März 1938.

Piz Scopi von Campo aus über den Passo Casaccia, am 1. April 1940. Piz Ganneretsch durchs Val Draus, am 2. April 1940. Mit Otto Gerecht, Adliswil, Scheienzahn, am 30. November 1941. Mit Hans Ritter, Biel, Bordelhorn und Giebelhorn, am 15. Mai 1936; Weissmies vom Zwischenbergtal, am 17. Mai 1936; Täschhorn über den Mischabelgrat ( mit Sommerski ) mit Übergang von Saas-Fee nach Täsch, am 20. Mai 1936. Mit Ernst Schulthess, Zürich: Balfrin über den Balfringletscher, am 20. April 1946. Mit Otto Gerecht: Bristenstock-Überschreitung über den Südgrat und Abfahrt nach Bristen, mit Klappski, am 27. Februar 1949. Mit Otto Gerecht, Hans Huss und Uli Matter: Täschhorn-Überschreitung, am 16. April 1949.

Emil Meier hat sodann ausserhalb der Schweizer Alpen nachgenannte beachtliche Wintertouren ausgeführt: Cima di Val Loga, Pizzi Piani, Piz Ferré und Monte Zoccone vom Berghaus Splügen aus, mit Max Bachmann, Basel, am 15. März 1938. Grande Rocheuse vom Col des Grandes und Jorasses, mit Max Bachmann, Basel, und Franz Rosinus, Zürich, mit Sommerski, am 17. April 1938. Mont Blanc über die Brenvaflanke, mit Dr. R. Gallati, Glarus, mit Sommerski, am B. Juni 1938.

Wilde Leck über den Ostgrat ( Stubai ), mit Max Bachmann, Basel, am 30. Dezember 1938. Gran-Paradiso-Überschreitung, vom Val Sara über Tribolazione-Gletscher nach Cogne, mit Klappski, mit Otto Gerecht, Adliswil, und Uli Matter, Wohlen, am 7. April 1947, und Aiguille Blanche, Peutereygrat, Mont Blanc, Plan d' Aiguilles, Col du Midi nach Entrèves, mit Klappski, mit Otto Gerecht und Hans Huss, Wiesendangen, am 28./29. März 1948.

Wir möchten abschliessend noch auf die vor Jahresfrist in den « Alpen » erwähnte Bezwingung der Matterhorn-Nordwand durch eine vom an den Engelhörnern verunglückten Josef Brunner geführte Seilschaft hinweisen. Aus näherm Freundeskreis Brunners wird uns aber mitgeteilt, dass Brunner den wirklichen Hermann Buhl, einen bekannten Kletterer und Bergsteiger, kannte, so dass das Rätsel für uns noch grösser wirdl Hugo Nünlist, Luzern, schreibt uns in dieser Sache:

« In den ,Alpen'1951, Nr. 5 ( Variateil S. 87 ), ist von einer Durchsteigung der Matterhorn-Nordwand durch den Luzerner Josef Brunner und den Innsbrucker Hermann Buhl berichtet worden. Es sei vorerst grundsätzlich festgehalten: Die Matterhorn-Nordwand ist nicht irgendeine Wand; es ist daher begreiflich, dass man Beweise über eine durchgeführte Besteigung fordert. Denn man will Gewissheit über Namen und Erfolge haben. Es ist nämlich bereits zweimal vorgekommen, dass diesbezügliche Behauptungen widerlegt werden konnten. Im vorliegenden Fall sind die umfangreichen Nachforschungen soweit gediehen, dass das bisherige Ergebnis bekanntgegeben werden muss: 1. Der Begleiter Brunners, Hermann Buhl, hatte keine Kenntnis von dessen Behauptung und bezeugt, die Nordwand nicht bestiegen zu haben. 2. Es ist auch bewiesen, dass am 13. September 1950 die Nordwand nicht begangen wurde. Aus verschiedenen triftigen Gründen darf man aber noch keine weitergehenden Schlussfolgerungen ziehen. Wir möchten noch ergänzen, dass Josef Brunner von der in den, Alpen'zu erscheinenden Veröffentlichung Kenntnis hatte und seine Aussagen, trotz der Antwort Hermann Buhls, nicht widerrufen hat. Es bestehen nun Anhaltspunkte, dass sich ein unbekannter Begleiter als Hermann Buhl ausgab, um das Vertrauen Brunners zu gewinnen. Er wird gebeten, sich zu melden. Es ist auch möglich, dass sich Brunner in bezug auf den Wochentag getäuscht hat. Wer im September 1950 anlässlich einer Matterhornbesteigung Beobachtungen gemacht hat, wird ebenfalls ersucht, Auskunft zu geben. Josef Brunner kann bei der Abklärung der rätselhaften Besteigung nicht mehr behilflich sein; denn er ist am 7. Oktober 1951 an der Vorderspitze-Westkante der Engelhörner durch das Ausbrechen zweier Haken tödlich verletzt worden.H N_ t Die Angelegenheit lehrt eindeutig: die grossen Probleme in den Alpen lassen sich nicht mehr als « Märchen » erledigen. Wie überhaupt beim Bergsteiger alles wahr und echt sein soll, weil Bergsteigersein verpflichtet.

Wir bitten diejenigen Leser und Bergsteiger, welche neue Touren durchzuführen das Glück haben, uns die nötigen Mitteilungen jeweils für diese Chronik der neuen Bergfahrten zuzusenden, wo immer möglich mit genauer Routenbeschreibung und Bild.

Nachtrag:

N° 10. Fünffingerstöcke. Bei der Besteigung der Südwand der Flamme bestand die Seilschaft aus Louis Henchoz und Betty und Ernst Favre. Josef Studiger-Märchy gehörte der Seilschaft nicht an; er nahm an einer andern Kletterfahrt in den Fünffingerstöcken teil und konnte die Seilschaft Henchoz-Favre « von gegenüber » verfolgen.

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