Othmar Gurtner: Schlechtwetterfahrten

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Nicht so uneingeschränktes Lob wie dem vorhergehenden kann ich dem Büchlein unseres Klubgenossen und meines Mitarbeiters Othmar Gurtner spenden, obschon auch hier der bodenständige Kontakt des Verfassers mit seinem Stoff und große Liebe zur Bergwelt belebend einwirken. Aber die Kürze der Skizzen und die etwas ermüdende Schlechtwetter-Beleuchtung lassen in dem Leser das Gefühl der Zerhackt-. heit und Monotonie zurück und der Stil ist nicht einwandfrei. Einige Druckfehler sind in einem beigelegten Zettel korrigiert, aber andere wie Huhne statt Hüne ( S. 55 ) sind stehen geblieben und, was schlimmer ist, Sprachdummheiten und -faulheiten eines greisen Journalismus gleiten schon dem Anfänger Gurtner aus der Feder. Ich zitiere, als warnende Beispiele: „ Tief unter uns im Couloir schnattert eine englische Führerpartie auf unserer Stufenleiter bergan " ( S. 55draußen meckert immer noch belferndes Geriesel auf Dach und Stein " ( S. 65Du, ich. will nach, zerrt es von unten am Seil ". Auch die Fuhrerwitze, welche S. 52-55 von verschiedenen mit Initialen zeichnenden Mitarbeitern Gurtners notiert werden, sind nicht alle wirklich lustig. Nach diesen Vorbehalten möchte ich aber den Leser nicht unter dem Eindrucke lassen, es lohne sich nicht, die Schlechtwetter-Fahrten Gurtners im Geiste mitzumachen. Im Gegenteil: Einzelne derselben, namentlich die weiter ausgesponnenen wie Vreneli, der Steinberg, das Lobhorn, Klein Simelistock, der Simelistock, der Altmann ( also alle mit Ausnahme des letztgenannten, der dem jetzigen Arbeitsfelde Gurtners naheliegt, aus oder nahe seiner Heimat Lauterbrunnen ) sind lesenswert. Ins Berner Oberland gehört auch die hübsch wiedergegebene Sage: Die weiße Schlange; so wohl auch die Mehrzahl der landschaftliche Eindrücke wiedergebenden Skizzen, genannt Sturmnacht, Grattürme, Sturmopfer, die Nacht, Glockenblumen, Bergabend, Nebelmorgen, Frühlicht, Abendflug usw., obwohl diese oft ins Typische verallgemeinert den Lokalcharakter verloren haben. Einige wenige, wie Marschhalt, In die Berge, haben militärische Vorkommnisse zur Grundlage, sind aber unbedeutend. Individueller gefärbt sind die Abschnitte: Der Pickel, ein Schrund, Fuhrertypen. Hier treten besonders zwei Personen lebendig heraus: Lenihans, der durch Hasler zu großem Ansehen gebrachte, und ein Linder, Ulrich, wenn ich nicht irre, von dem man nicht viel wüßte, wenn er nicht einmal 72 Stunden in einem Schrund des Tschingelgletschers zugebracht hätte, in dem er nur wie durch ein Wunder entdeckt und herausgezogen wurde. Die Wiedererzählung kann kaum jemand mehr interessieren als den Unterzeichneten, mit dem Linder allein vor 53 Jahren über die Wetterlücke, die Lötschenlücke und die Strahlegg gewandert ist. Es freut mich zu hören, daß der Mann noch am Leben ist und sich seines Abenteuers noch erinnert, wenn er auch nicht gerne davon spricht. Die Federzeichnungen Gurtners beleben den Text in artiger Weise und sind zum Glück nicht Schlechtwetter-Typen.Bedaüion.

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