Piz Rotondo

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Piz Rotondo.

Erste Besteigung, 5. August 18691 ).

Mit 1 Bild.Von Viktor Haller.

Am 5. August, morgens 3 Uhr, verliess ich mit Josef Maria Tresch, Führer in Bristen, und Angelo Beffa, Kristallgräber und Knecht auf St. Gotthard, das Hotel Prosa. Wir stiegen in gerader Linie Richtung Fibbia an Felshöckern und herrlichen Grasflecken vorbei sanft bergan, weiter oben über Bäche und etwas Schnee. Als wir bis ungefähr in halbe Höhe der Fibbia vorgedrungen waren, wandten wir uns links, gewannen durch ein Chaos grosser Trümmer und über den Airolo sich südöstlich zuneigenden Ausläufer eine kleine Bucht, querten diese horizontal und parallel zum Bedrettotale und genossen hier oben eine entzückende Schau auf die Berge jenseits des jungen Tessin, der in der Tiefe rauschte. Es war 5 Uhr. Schon standen Cristallina und Basodino im Glanz der aufgehenden Sonne, ein wolkenloser Himmel schenkte uns den Genuss einer vollkommenen Aussicht.

Nun sahen wir auch unser Operationsobjekt, den Piz Rotondo. Den Sockel der Fibbia zur Rechten, gelangten wir in den obern Kessel der Alpe Ross, durchschritten dessen steile, steinige Grashalden in Richtung Motta di Vinei unter der Südflanke des Piz Lucendro. Ein scheues Murmeltier erfreute uns kurze Weile. Wie bedauernswert, dass diese armen Geschöpfe durch Ausgrabung und Fallen beinahe gänzlich ausgerottet werden!

Nach einer halben Stunde Rast brachen wir um 630 Uhr wieder auf, betraten über einen kleinen Sattel die gras- und trümmerdurchsetzte Bucht zwischen Piz Lucendro und Piz Pesciora, und als ein neuer, etwas höherer Rücken hinter uns lag, bekamen wir die vollständige Ostseite unseres Piz Rotondo zu Gesicht. Das Fernrohr wurde hervorgezogen und die Physiognomie des Berges so gut wie möglich studiert. Er aber, statt sich über unsern Besuch zu freuen, schnitt ein impertinent freches Gesicht und schien gleichsam zu sagen: « Was wollt denn ihr ?» — Es ist 745 Uhr. Wir setzten unsern Marsch fort, bogen wieder in eine kleine Bucht ein, in deren Hintergrund ein wenig tiefes Seelein liegt, der Lago di Sabione, und überschritten dessen Auslauf, einen ziemlich starken Bach, in unmittelbarer Nähe des Piz Pesciora. Nun folgte eine rauhe Trümmerhalde. Über ein ganz nahe liegendes Schneefeld lief eine schöne, fast schwarze Gemse mit ihrem Zicklein langsam und voll Schonung. Unmittelbar am Fusse des Pesciora nötigte uns eine ziemlich abschüssige und glatte Plattenstelle zu einem Gang teils auf den Knien, teils auf dem Hintern, und nach einem Grasbande betraten wir eine 50 Minuten lange, rauhe, oft bewegliche Trümmerhalde. Wir hatten Durst, und siehe da, ein frischer Quell lud uns ein zu erquickender Rast.

Meine Uhr zeigte 930, als wir, nur mit dem Nötigsten und einer Flasche Asti versehen, den Platz verliessen, um über den Trümmerhang den PIZ ROTONDO.

Pescioragletscher zu erreichen. Nach kaum fünfzig Schritten präsentierte sich in nächster Nähe wieder eine Gemse. Sie lag auf einem Schneefleck, erhob sich erst auf unser Rufen und Pfeifen und trabte dann gemütlich zu sechs anderen, etwas weiter entfernten. Diese Tiere waren von besonders schöner, fast schwarzer Farbe, und unsere Gegenwart war nicht imstande, sie in Aufregung zu bringen. Auf meine Frage, warum zu so später Tagesstunde noch Gemsen zu treffen seien, antwortete Angelo, dass eine der Quellen daselbst Salpeter enthalte.

Um 9 Uhr 50 Minuten wurde der Pescioragletscher erreicht. Wir näherten uns allmählich der Durchschnittslinie ( von Süden nach Norden ) unseres Piz Rotondo. Der stellt von hier aus ein grosses Dreieck vor, mit anfänglich aufeinander getürmten Felshöckern, dann Trümmern, Schutt, steilen Schneeflecken und kleinen Schluchten. Nach Nordost, West und Süd entsendet er trotzige Ausläufer und gabelt sich oben in zwei wenige Schritte voneinander getrennte Spitzen aus. Eine Schar munterer Steine polterte durch die rechts ( westlich ) im Zentrum des Berges gegen uns geneigte Kehle herab und veranlasste uns, an einem Felsblock etwas südwestlich davon haltzumachen, 1030 Uhr.

Nun wäre die Mündung der Kehle ein sehr geeigneter Punkt zum Angriff gewesen, hätten wir die Delikatesse ganz ausser acht setzen wollen. Da erbot sich Angelo, den nach Süden auslaufenden Grat zu ersteigen, um zu rekognoszieren. Er kam aber nach einer kleinen Stunde mit ungünstigem Bericht zurück. Der nach Nordost ziehende, mit dem Piz Pesciora sich verbindende struppige Grat war ebenso ungalant und verweigerte uns den Pass nach dem Haupte seines Herrn. Daher folgten wir dann doch der Einladung der genannten Kehle unter grossen Entschuldigungen. Aber an deren Mündung angelangt, bemächtigte sich meiner der Gedanke, dass es nicht schicklich sei, mit unseren grob genagelten Schuhen ihr Zimmer zu deran-gieren und dadurch den Zorn ihrer grösstenteils noch schlafenden, wilden Kinder auf unsere Häupter zu laden. Wir zogen deshalb vor, bei ihrem buckligen Nachbar einzukehren, und wanden uns über dessen Höcker, Rippen und Ritzen langsam empor. Bald über steile, weiche Schneeflecken, bald über zersplitterte und auch wieder abgerundete Felsen und Geröll gelangten wir nach langem Forschen hin und her auf die Höhe zwischen beiden Spitzen, deren östliche, obschon kleinere und niedrigere, uns als die höhere erschien.

Wir befanden uns nun auf der Scheide zwischen Nord- und Südgipfel. Tief unter uns der wilde Gerengletscher, dessen nordöstliche Grenze die blanken Terrassen des stark verschrundeten Wyttenwassergletschers bilden. Rechts neben uns erhebt sich die kleinere östliche Spitze, ihr Gesicht nach Nordwest wendend. Sie ist unbesteigbar, denn in ihrem Rücken schält sich eine 40-50 Fuss hohe und 4-5 Fuss dicke Felsschicht in grossen, fast gleich-geformten Blöcken ab, die nach gehöriger Sammlung entweder nach dem Pescioragletscher oder par grande vitesse in den Abgrund des Gerengletschers reisen werden. Links, etwas hinter uns, stand die Hauptspitze, die vom Pizzo Centrale aus einer steifen Hutfeder gleicht. Ihr war nur von dem Die Alpen — 1938 — Les Alpes.20 Punkt aus, auf welchem wir uns befanden, beizukommen, nämlich in ihrer nördlichen Flanke. Aber zwischen uns und ihr lag ein steiler, glatter Schneefleck, der in eine fast senkrechte Felswand überging. An dieser mussten wir vorbei, und zwar über eine jäh abschiessende Felsschuppe, die ein schmaler Spalt von der Hauptmasse trennt. Den Rücken an die Wand gelehnt, ungefähr den halben Absatz auf die Kante der Schuppe stellend, mit flachen Wänden am nackten Fels das Gleichgewicht haltend, konnten wir manöverieren. Angelo begann den Reigen, indem er zunächst tüchtige Stufen in den Schnee trat, dann die Fluh passierte und bald wieder auf etwas solideres Gebiet gelangte. Hernach folgte ich behutsam und dann Tresch.

So näherten wir uns allmählich der Flanke unseres Zieles. Doch sieh da, vor uns stand ein kleiner, sehr verwitterter Turm, der ausserhalb ( auf der Seite des Gletschers ) nicht umgangen werden konnte. Und links drohten zerrissene, lose aufeinandergetürmte Felsen, die wir nicht überklettern durften. Zwischen ihnen und dem Turm lag auf zwei Kanten ein viereckiger, etwa drei Fuss dicker Block, unter dem ein Durchgang möglich war. Überschritten werden durfte dieser Block unter keinen Umständen, denn die Gefahr lag sehr nahe, dass er bei auch nur geringer Belastung seine Position ändern und seine höhergestellten Kollegen nachziehen würde. Wir verspürten nicht die geringste Lust nach einer Gratisreise auf den Gerengletscher hinab. Es blieb uns daher nichts anderes übrig, als durchzuschlüpfen. In Demut beugten wir unsere Häupter und krochen, den Fuss unseres schweren Gebieters so zart wie nur immer möglich berührend, auf die andere Seite. Fast senkrecht fällt hier der Berg nach Norden ab. Doch das Ziel war nun ganz nahe und nicht mehr zu verfehlen, nur noch 30 Fuss hoch konnte das letzte Stück sein.

Ein Gewitter, das wohl seit einer Stunde in den Berner Alpen rumort hatte, meldete sich auch bei uns an und zwang uns, den Rest der Besteigung möglichst zu beschleunigen. Tresch stiess sein Gletscherbeil in einen kleinen Schneefleck und kletterte am Seil mit aller Sorgfalt die wackeligen Stein-scheiter in westlicher Richtung hinan. Bald aber musste er, da die Sache gar beweglich zu werden schien, nach Osten umwenden und erreichte glücklich die Spitze, die nach seinem Bericht wohl für zehn Mann Platz bieten sollte. Während diesem kurzen Manöver hatte ich sehr wenig Zeit, mir die Aussicht etwas näher zu betrachten. Die Berner Alpen waren verdeckt, die Walliser, Bündner und Tessiner Berge standen noch in voller Pracht. Und in freudigster Erwartung band auch ich mich — es war gerade 2 Uhr — an das Seil und kletterte vielleicht nur etwas zu rasch auf dem Weg meines Vorgängers der so vielversprechenden Spitze zu. Über zwei Drittel hatte ich zurückgelegt, bereits wieder frischen Griff gefasst und schon schweifte mein Blick über den höchsten Punkt, als ein viereckiger Felsblock von wenigstens drei Fuss Durchmesser, aber wahrscheinlich eine Notabilität und verletzt durch das unan-gemeldete Ungestüm eines Fremdlings, unter heftigem Murren seinen Standpunkt unter mir verliess und mit jähen Sprüngen die schauerliche Einsamkeit des tiefen Gerengletschers aufsuchte. Ob er die Absicht gehabt, mich zu entführen, ist mir noch unklar. Seine getreuen Nachbarn aber, grosse und kleine, folgten sofort seinem Beispiel und luden mich zur Mitreise ein. Da ich aber durch das Seil verhindert war, ihrer Einladung zu folgen, so hinterliessen sie mir zwei gefühlvolle Andenken am rechten Bein. Ich hing jetzt in horizontaler Richtung, das Gesicht nach oben, am Seil über dem Abgrund. Nur mein linker Fuss hatte in einer schmalen Felsritze etwas Halt gefunden und war eingezwängt, während das rechte Bein frei herumgondelte.

« Het's Ech ebbis to? » rief Tresch erschrocken. « Nei! » — « Jesses Maria! » Und schneller, als ich dies zu schreiben vermag, stund ich, um etwas mehr als Mannshöhe degradiert, am Fusse einer kleinen, neu ans Tageslicht getretenen Felswand, verlassen von meinem Hut, der mit dem Clubzeichen das Weite gesucht hatte und wahrscheinlich von einem hoffärtigen Gemsbock getragen zu werden hoffte.

Die Verletzungen am Knie und über dem Knöchel machten mein Bein bald unheimlich steif. Sie und der Gedanke an einen Rückweg von wenigstens 8 Stunden erlaubten mir leider nicht mehr, den höchsten Punkt, zu dessen Erreichung nur noch eine Arbeit auf den Knien nötig war, zu besuchen. Mit Wehmut gab ich den Befehl zu sofortiger Errichtung eines bescheidenen Steinmanns. Auch das drohend herangröhlende Gewitter erlaubte keine Gipfelfreuden. Das alles zusammen wirkte sehr niederschlagend auf die Führer. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als die Flasche Asti, die auf der höchsten Spitze zum Trunke bestimmt war, an jener neugeborenen Fluh zu entkorken und mit leichter Mühe zu leeren. Angelo übergab sie mit meinem Wahrzettel dem durch neue Donnerschläge geängstigten und ganz verstörten Tresch zur Verwahrung im Steinmannli.

Nach 230 Uhr begann der Abstieg, und zwar mit besonderer Vorsicht. Wie Katzen schlichen wir über das auch schon erbost scheinende Gestein dem Abgrund entlang davon. Zuerst empfing uns der Schlupf, dann die Fluh, der steile Schneefleck und hernach die Lücke zwischen beiden Spitzen. Rechts nach Süden wenden und so schnell wie möglich auf dem im Aufstieg gemachten Weg dem Gletscher entgegeneilen, war unser eifrigstes Bestreben. Und um 330 Uhr wurde er nach wiederholtem Rutschen auf Händen und Füssen auch glücklich erreicht. Den zum Abfahren sehr geeigneten Firn benützten wir in vollem Mass und betraten eine Viertelstunde später das feste Land. Beim Tornister und seinem Inhalt angelangt, war meine erste Beschäftigung, das schon ziemlich erhitzte Bein mit Schnee zu kühlen. An Appetit und Durst aber fehlte es weder mir noch den Führern. Nachdem ich das Knie mit Rum eingerieben und die Wunde über dem Knöchel mit dem gefetteten Papier, worin sich unsere Schinkenrationen aufgehalten, bedeckt hatte, setzten wir unsern Marsch um 445 durch die Trümmerhänge fort. Ich muss aber gestehen, dass mir die ersten Schritte und Sprünge sehi wenig benagten. Es sollte aber später noch schöner kommen.

Mittlerweile hatte sich das Gewitter auch bei uns eingestellt, und seine erste Bescherung bestand in einstündigem Hagel. Auch tief unten im Bedretto-tale hagelte es, dann folgte Regen. Und doch genossen wir einen Moment eine wundervolle Beleuchtung.

Die Abhänge unter dem Piz Pesciora und Lucendro durchschritten wir bedeutend höher als am Morgen und begingen dabei zwei äusserst steile, glatte Grasplanken und ein kitzliges Fels- und Grasband, das uns wiederholt zur Erstellung von Fusstritten nötigte. Wir drehten nach links ab und hinauf in den Sattel zwischen Piz Lucendro und Fibbia, und vor uns in der Tiefe lag das Lucendrotal. Schon breitete die Nacht ihren dunklen Schleier über das Gebirge, und unaufhörlich ergoss sich der Regen. Durch die Dunkelheit wälzte der angeschwollene Bach seine braunen Fluten, sich hie und da unter einem Schneefeld verbergend. Und nun brach vollkommene Finsternis herein, so dass wir einander in allernächster Nähe nicht mehr erkennen konnten. Zum Glück kannte Angelo diese Gegend ganz genau, und so schlichen wir denn, einer am andern sich haltend, behutsam talwärts, voran Angelo, dann Tresch, zuletzt ich. Entsetzlich langsam kamen wir voran. Das Leuchten der Blitze half uns ein wenig. Aber was klar in die Nähe rückte, verschwand gleich wieder in schwarzer Nacht und war weit weg, so dass die Hand öfters ins Leere griff, wenn sie an einem eben noch sichtbaren Felsblock Halt suchte. Wiederholt überschritten wir den wilden Bach, wobei das Suchen nach sicher tragenden Steinen und das Tasten mit dem Bergstock im lärmenden, strudligen Wasser kein Spass war. Und doch lösten wir ohne Unfall die Aufgabe. Grenzenloser Durst quälte uns, und mehr als einmal knieten wir vor dem Wildbach nieder. Die Uhr muss gegen 9 Uhr gezeigt haben, als wir in nicht gross scheinender Entfernung Licht erblickten. Angelo sagte, die Alpe di Lucendro sei nahe, und Tresch Hess einen hellen Juchzer fahren. Allein die Alphütte war noch weit und die glatten Felsborde und Höcker, wie sie in jener Gegend oft vorkommen, wollten kein Ende nehmen. Nach jedem Überwindungsmanöver wurde Sammlung geblasen und in Kolonne wie die sieben Schwaben wieder vorgerückt. Auf lang anhaltendes Rufen und Pfeifen zuckte uns endlich eine Laterne entgegen, und punkt 930 Uhr zogen wir feierlich in der Hütte der Alpe di Lucendro bei freundlichen Tessinersennen ein. Die Führer erbauten sich sogleich an fetter Milch und ich an rotem Italienerwein.

Nach einer guten Viertelstunde nahm Angelo die Laterne zur Hand und ging voran. Wir bogen links um die Hütte, schritten durch Dick und Dünn dem Ufer des ausgetretenen Lucendrosees zu und verfolgten dasselbe, bis an die Knöchel im Wasser watend, zum grossen Ärger Treschs seiner niederen Schuhe wegen, mir aber zur Wohltat für den entzündeten Fuss. Beim Ausfluss des Sees führte ein ziemlich langer Steg, bestehend aus zwei aneinander-geschmiegten Tännlein, etwa zwölf Fuss hoch über das Wasser, was Tresch, welcher des Schwimmens unkundig ist und lieber den Hals bricht als ertrinkt, zu der Frage veranlasste, ob das Wasser hier tief sei. Angelo ging nun voran, und Tresch wartete, bis er drüben war. Bald nachher erreichten wir die Gotthardstrasse und punkt 11 Uhr das Hotel Prosa. Wir hatten also genau zwanzig Stunden für die Rotondofahrt gebraucht.

Neue Bergfahrten in den Urner Alpen.

A. Links der Reuss.

Siedclnstock, 3208 m, laut T. A. Gross Bielenhorn. Traversierung von der untern zur obern Bielenlücke. Alfred Amstad, Otto Amstad und Guido Masetto. 19. August 1935.

Immer über den Grat. Ein grosser Aufschwung kurz vor dem Gipfel wird links ( südwestlich ) durch eine von Rinnen durchzogene Wand schwierig erstiegen. Von hier in kurzer Zeit zum Ostgipfel, 3208 m, der ein Signal trägt. Anstrengende Kletterei. Zeit: 3y2 Stunden vom Einstieg.

Abstieg in die Scharte zwischen Ost- und Nordwestgipfel, 3212 m, von wo letzterer erstmals über zum Teil griffarme Felsen gewonnen wurde. Man hält sich dabei immer etwas rechts des Grates oder ersteigt denselben in halber Höhe. SchwierigIm Abstieg wurde der Grat gegen die obere Bielenlücke hin verfolgt, wobei ein auffallender Turm auf der Nordseite umgangen wurde.

Gletschhorn, 3307 m. Über die Nordrippe des Ostgrates. E. Gassler und W. Kohler. B. Juli 1934.

Von der Göscheneralp auf der « Nordwandroute » bis zu dem Punkt, wo es im Urner-Führer, Band II ( 3. Auflage ) heisst: « Von der Rippe steigt man westlich ab. » Anstatt nun westlich abzusteigen, wird nach kurzer Traverse in südöstlicher Richtung, in ziemlich schwerer Kletterei die äusserst steile Nordrippe, welche sich bis zum Ostgrat hinaufzieht, wieder erreicht. Weiter über ein scharfes Schneegrätchen, welches unter auffallend grossen senkrechten Platten ausläuft. Diese Platten werden in schwerer Kletterei durch einen engen Stemmkamin erklommen, worauf die Steilheit der Rippe vorübergehend abnimmt. In schöner Kletterei gelangt man auf ein zweites Schneegrätchen, welches die Felsen der Rippe auf ca. 15 m unterbricht. Am Ende dieses wiederum steilen Schneegrätchens werden die Felsen wiederum betreten. Mit nur kurzen, immer östlichen Ausweichungen wird nun die Rippe bis zum Ostgrat verfolgt. Ca. 5 m östlich des grössten gelben Felszahnes im Ostgrat wird dieser betreten. Der grosse Felszahn wird in der Nordflanke schwierig umgangen. Nachdem der Grat wieder erreicht ist, verfolgt man diesen bis zum Gipfel. Die Steinschlaggefahr ist, im Gegensatz zur Nordwandroute, infolge des soliden Gesteines fast ausgeschlossen. Aufstiegszeit 7-8 Stunden von Göscheneralp bis Gipfel, inkl. Rasten.

Winterstock-Wcstjjlpfel, 3198 m. Durch die Südwand. Alfred Amstad und Guido Masetto. 21. August 1935.

Von der Albert Heim-Hütte ( 2546 m ) an den Fuss der Südwand. Der Einstieg erfolgt etwas westlich der Gipfelfallinie, und zwar dort, wo ein Band sich von links oben gegen das am Fusse der Wand liegende Firnfeld hinunterzieht. Anfänglich über steile Platten gerade empor bis zur obersten, die erkletterbar ist, worauf man nach rechts quert und über ein etwa ein Meter breites, ansteigendes Felsband in eine Nische gelangt. Ein Winkel wenig links davon wird zum Aufstieg benutzt und nach fünf schwierigen ( I ) Meter erreicht man einen guten Stand. Nun etwas nach rechts auf eine geneigte Platte und durch einen schwierigen, sechs Meter hohen Riss zum nächsten Sicherungsplatz. Nach rechts klettert man über zwei wenig hohe, blockförmige Felsstufen hinauf zu einem Moosbändchen, von dessen östlichem Ende man über leichte Felsen emporsteigt, um alsdann auf einem Gras-, später Schuttband östlich hinter ein Türmchen zu queren. Von hier weg benutzt man die sich zum Gipfel hinaufziehende Rippe. Die ersten plattigen Felsen sind nicht leicht. Dann folgt alles schönste Kletterei in solidem Gestein. Kurz unterhalb des Gipfels empfiehlt es sich, einige Felspartien rechts zu umgehen. Empfehlenswerter Kletteraufstieg in solidem Gestein. Zeit: Einstieg bis Gipfel 2-3 Stunden.

Wintcrstock-Westgipfel-Gipfelnadel. Obige am 21. August 1935.

Man steigt in der Nordwand auf eine abgespaltene, senkrecht gestellte Platte und erreicht so Griffe, an denen man sich aufziehen muss. Noch drei Meter sozusagen grifflos äusserst schwierig empor, worauf man leichter zur Ostkante aufsteigen kann und über diese die Spitze gewinnt.

Winterstock-Hauptgipfel, 3231 m. Südwand. Alfred Amstad, Otto Amstad und Frank Strauss. 9. August 1936.

Die Wand wurde ungefähr in der Gipfelfallinie durchstiegen, ohne grössere Schwierigkeiten anzutreffen. Zeit: etwa 2*4 Stunden.

Hinterer Feldschyn, ca. 3000 m. Ostkante. Alfred Amstad, Otto Amstad und Guido Masetto. 20. August 1935.

Von der Hintern Feldschynlücke an den Ostfuss des Hintern Feldschyn. Über leichte Felsen und Geröll zum Beginn der Ostkante, die man ca. 20 Meter weit erklettert. Dann traversiert man in den sich hart nördlich der Kante befindlichen Kamin, den man durchsteigen muss ( etwa 40 Meter ). Ausstieg schwierig! ( Sicherungshaken. ) Der Kamin endet auf der Kante. Man klettert über einen Block und dann, sich mit den Händen an einer dem Grat nach laufenden, abgespaltenen Platte haltend, wenige Meter aufwärts, um hierauf eine Platte zwei Meter nach Norden zu einem Stand zu queren. Durch Risse und über Plattenkanten stark rechts haltend gegen den letzten tiefen, gut sichtbaren Kamin empor. Durch diesen ca. acht Meter höher, worauf man auf einem Schuttbändchen nach links zur eigentlichen Ostkante zurücktraversiert. In einem Riss fünf Meter aufwärts zu einem Stand. Zwei Meter höher befindet sich ein geröllbedeckter Platz. Nun nach rechts über einen Block und bis vier oder fünf Meter unter die nun sichtbar werdende Scharte hinauf. Man traversiert eine glatte Platte nach rechts, arbeitet sich in einem Kamin höher und hierauf mit den Händen an einer von der Wand abgespaltenen Platte schwierig ( I ) aufwärts bis zu der dem Gipfel vorgelagerten Plattform. Man quert nach rechts und gelangt in die übliche Route, die durch einen acht Meter hohen Kamin zu einem Felsfenster führt; von hier wird nach rechts zwischen die mächtigen Gipfelblöcke traversiert und über diese die Spitze erreicht. Die Ostkante bietet schöne, schwierige Kletterei. Der etwa 150 Meter hohe Aufstieg erfordert ca. 3 Stunden.

Tiefenstock, 3518 m. Über die Nordwand. Samuel Plietz und Max Bachmann. 9. Juli 1935. Siehe « Die Alpen » 1936, mit 1 Routenbild bei Seite 221.

Schneestock, 3611 m. Ostkante. Alfred Amstad und Guido Masetto. 23. August 1935.

Siehe « Die Alpen » 1936, Seite 238, und « Pilatus », Juliheft 1936.

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN URNER ALPEN.

Salbitschyn, 2989 m. Südgrat. Alfred Amstad, Otto Amstad und Guido Masetto. 16. August 1935.

Siehe « Die Alpen » 1936, Seite 352.

Krönten-Südturm, ca. 2940 m. Erste Besteigung. Alfred Amstad, Otto Amstad und Guido Masetto. 11. August 1935.

Vom Saasfirn durch ein Couloir zum Südfuss des Turmes, der über die ausserordentlich exponierte Südkante in solidem Erstfeldergneis erstiegen wird ( schwierig. Zeit: Einstieg bis Gipfel 3% Stunden. Siehe auch « Die Alpen » 1937, Seiten 398-400, mit 4 Bildern.

Krönte, 3108 m. Vom Südturm durch die Südwand. Obige am gleichen Tage. Prachtvolle, steile, schwierige Kletterei. Zeit: Südturm bis Kröntengipfel 1 y2 Stunden.

Ruchstock, 2812 m. Über den Nordgrat mit Bannalpnadel, Bannalpturm und Ruchstock-Nordausläufer. Alfred und Otto Amstad. 10. September 1935.

Die Kletterei wird vorteilhaft erst beim nördlichsten hohen und kühnen Gratzacken, der Bannalpnadel, begonnen. Man ersteigt diese ohne grössere Schwierigkeiten in etwas brüchigem Fels über die nördiche Gratkante oder wenig rechts davon. Erstbesteigung durch Dölf Beyeler, Willy Schneeberger und Karl Nager am 19. August 1934 laut Gipfelnotiz.

Von der Bannalpnadel kann man direkt in die folgende Gratscharte abseilen, oder man klettert etwa 15 Meter westlich in eine enge Scharte ab, wo man einen guten Abseilblock findet. Es folgt eine 18 Meter hohe Abseilstelle, um dann über leichten, schuttbedeckten Fels in die Scharte vor dem steilen Grataufschwung zu queren.

Der Aufstieg durch die plattige Wand südlich der Scharte, den man am besten in deren östlichem Teil vollzieht, ist anfänglich für ungefähr 40 Meter schwierig, während er sich weiter oben leichter gestaltet. Ohne weitere grössere Hindernisse folgt man dem Grat bis zum zweiten massigen Turm, dem Bannalpturm, der über die Ostflanke gewonnen wird. Etwa 2 % Stunden von der Bannalpnadel.

Vom Bannalpturm wird über Schutt und glatte Platten etwas nach rechts ( Westen ) abgestiegen, wo die sich vom Gipfel gegen die Scharte absenkende Wandstufe am niedrigsten ist und am besten durch 4- oder 5 metriges Abseilen ( auch kletterbar ) überwunden wird. Leicht über lose Blöcke in die nächste Scharte. Der folgende unbedeutende Felskopf kann überstiegen oder westlich umgangen werden. Durch gutgriffige Felsen, nachdem man 10 bis 15 Meter in einer Schuttrinne emporgestiegen ist, klimmt man rechts zum Grat empor und über diesen zum Gipfel des Ruchslock-Nordausläufers. Etwa 1 Stunde vom Bannalpturm. Über den Grat südwärts absteigend, erreicht man die gewöhnliche Route auf den Ruchstock, die hier von Nordwesten auf den Nordgrat kommt.

Grosser Sättelistock, 2644 m. Nordkante. Alfred und Otto Amstad. 11. September 1935.

Vom Sätteligrat wird zu einer kleinen Terrasse mit Steinmännchen aufgestiegen. Weitere 40 Meter werden in etwas brüchigem Fels gerade empor geklettert bis zu einer kleinen Schutterrasse. Der folgende steile Grataufschwung kann links umgangen werden; doch ist die direkte Bezwingung sicherer, da der Fels an der Gratschneide solid ist: man klimmt etwa acht Meter in gutgriffigem, sehr steilem Fels gerade empor bis zu einem Moosplätzchen, über dem sich eine glatte, weiter oben überhängende Platte zum ersten Gratkopf hinaufschwingt. Über eine drei bis vier Meter hohe, schwierige Wandstufe kommt man auf ein Bändchen, das in wenigen Schritten unter der genannten Platte hindurch nach rechts in einfacheres Gefels führt. Am rechten Rand der Platte steigt man steil ungefähr sieben Meter zu einem guten Stand an. Eine weitere unschwierige Seillänge leitet, wenig rechts haltend, auf ein sekundäres Grätchen, das in wenigen Meter auf den ersten Grataufschwung führt. Dicht links der Kante geht es in einer brüchigen Rinne an die zehn Meter hinan, bis sie sich zum Riss verengt. Nach rechts querend, gewinnt man wieder die Kante und bald darauf — nach Westen traversierend — den Beginn eines Kamins, durch den man in sechs bis sieben Meter auf den zweiten Grataufschwung gelangt ( Steinmann ). Man verfolgt nun den Grat bis unter die Gipfelwand, die von Westen nach Osten ansteigt. Auf gut begehbarem Band wird etwa 30 Meter nach links, Osten, zum zweiten Kamin, den man in seiner westlichen Hälfte erklimmt, gequert. Die ersten zwölf Meter des Kamins bis zu einer Nische sind leicht, die folgenden sieben bis acht Meter bis unter einen Überhang bieten einige Schwierigkeiten, und der Ausstieg aus dem Kamin, das heisst die Überwindung des Überhanges in der rechten senkrechten Wand, ist schwierig ( I ). Dann in fünf Minuten über das Gipfeldach zur Spitze. Etwa drei Stunden vom Einstieg. Die Route wurde im untern Teil mit Ausweichungen schon früher begangen.

Reissend Nollen, 3012 m. Variante im Abstieg über die Nordflanke. Adolf Gehrig und Franz Widmer. Juli 1933. Siehe « Die Alpen » 1934, Seite 380.

Tellistock, 2581 m. Begehung der Südwand. Paul Funk und Wolf Maync. 22. September 1935.

Zum Aufstieg wird der von Gadmen gut sichtbare Riss benützt, der sich oberhalb Alpiglen ( T. A. ) östlich vom Gipfel des Tellistocks durch die Wand hinaufzieht. Die ersten 200 Meter durch die ausgewaschene Wasserrinne empor, dann wird eine senkrechte Stelle auf Bändern rechts umgangen, bis man nach ca. 100 Meter eine 20 Meter hohe Steilstufe erreicht. Diese wird wiederum im Riss überwunden. Dann bald auf den Grat. Der Gipfel wird über den Ostgrat auf der von Paul Montandon im Urnerführer II beschriebenen Route gewonnen. Zeit: von Gadmen bis Gipfel 63/4 Stunden. 30. Jahresbericht des A.A.C.B.ern 1935, Seite 26.

GadmerflUhe, Punkt 2656 im T. A. Neuer Aufstieg durch die Südwand. Paul Funk und Wolf Maync. 7. Juli 1935.

Von Gadmen in zwei Stunden über Rahfluhalp zum Einstieg am Fuss der Hornlauikehle in ca. 2000 Meter Höhe. Während ca. 200 Meter in der Rinne folgen, dann nach rechts queren bis an den Fuss eines ca. 20 Meter hohen Stemmkamines. Nun direkt empor durch zwei steile Risse mit flacheren Stellen dazwischen. Zuletzt 80 Meter im Sandstein bis zur Gratkante genau auf Punkt 2656. Zeit: Einstieg bis Gipfel 8 Stunden. 30. Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1935, Seite 26.

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