Protokoll der ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung in Langenthal

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der

der

ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung des S. A. 0.

im Sekundarschulhaus in Langenthai Montag den 12. Februar 1894, vormittags 11 Uhr.

Traktanden:

1. Der Centralpräsident begrüßt die Versammlung und benutzt diesen Anlaß, um die neu entstandene Sektion Lindenberg in der Mitte des Clubs willkommen zu heißen. Die Sektion hat ihren Hauptsitz in Wohlen, Kanton Aargau, und zählt bereits über 50 Mitglieder. Die Zahl der Sektionen ist jetzt auf 39 angewachsen.

2. Namensaufruf: Anwesend sind 5 Mitglieder des Centralkomitees, nämlich: Pfr. Baumgartner, Präsident; E. Flück, Kassier; Pfr. Studer, Beisitzer; Pfr. Straßer, Beisitzer; A. Züricher, Sekretär, und 72 Delegierte, welche 34 Sektionen vertreten.

Nicht vertreten sind die Sektionen Bernina, Scesaplana, Tessin, Wildhorn und Unter-Engadin. Die Sektion Bernina, die ihre Abwesenheit mit der weiten Entfernung entschuldigt, stellt das Gesuch, die Versammlung möge aus anwesenden Clubisten Delegierte für sie bestimmen. Dieses Gesuch wird als unzulässig abgewiesen.

3. Als Stimmenzähler werden gewählt: Herr Dutoit und Herr Hoff-mann-Merian.

4. Mont Blanc-Publikationen. ( Siehe Alpina II, 1, 2, 3. ) Eingelangt ist eine Or dnungs-Motion der Section Genevoise, welche verlangt, daß über den Ankauf von Karte und Panorama getrennt verhandelt werde.

Herr Centralpräsident Baumgartner giebt einen kurzen Überblick über die Geschichte der Frage. Er erläutert die Stellung des Centralkomitees, welches ohne selber einen Antrag zu stellen — es überläßt dies vielmehr der Versammlung — doch dem Ankaufsprojekte sympathisch gegenübersteht. Die konstitutionellen Bedenken, welche vorgebracht worden sind ( der Ankauf sei Statuten widrig, weil der Mont Blanc nicht in der Schweiz ), kann es nicht teilen, da eine solche Annahme der ganzen bisherigen litterarischen Thätigkeit des S.A.C. zuwiderläuft. Auch die finanziellen Schwierigkeiten hat das Centralkomitee wohl erwogen. Jedenfalls aber war es angesichts der großen Tragweite der Frage für das Centralkomitee absolut geboten, die Entscheidung einer Delegiertenversammlung anheimzustellen.

Herr Züricher, Vertreter der litterarischen Subkommission des Centralkomitees, befürwortet den Ankauf der beiden Werke. Er giebt Auskunft über die finanzielle Tragweite, welche diese Ausgabe für die Centralkasse haben würde. Er bekämpft die von der Sektion Basel vorgenommenen Abänderungen an dem vom Centralkomitee vorgelegten Budget. Das Budget des Centralkomitees wird, wie dies bereits in einem Cirkular an die Sektionsvorstände mitgeteilt worden ist, in allen wesentlichen Punkten aufrecht gehalten. Auch weist er nochmals darauf hin, daß die Ausgabe der Centralkasse nicht mehr als Fr. 12,500 betrage. Eine Jahressub-vention von Fr. 2500 an das Jahrbuch ist sicher nicht zu viel. Die Karte umfaßt zu cirka XU schweizerisches Gebiet, ein Gebiet, das von unsern welschen Clubisten mit Vorliebe besucht wird, und auf welchem der S. A. O. zwei Clubhütten besitzt. Die zum Ankauf uns angebotenen Werke sind Arbeiten ersten Ranges, und ihre Publikation wird dem S.A.C. zu großer Ehre gereichen. Der von den Eigentümern festgesetzte Preis ist als äußerst billig zu bezeichnen.

Herr Briquet ( Section Genevoise ) begründet die von ihm überreichte Ordnungsmotion. Er wünscht Trennung der Verhandlung über die beiden Kaufgegenstände, da diese von ungleicher Wichtigkeit sind. Die Karte hat für den Touristen einen bedeutend größern Wert als das Panorama.

Herr Reinhart ( Sektion Winterthur ) unterstützt die Motion.

Herr Scherrer ( Sektion St. Gallen ) stellt den Antrag, auf die Ordnungsmotion nicht einzutreten. Eine getrennte Diskussion wäre allerdings bequem; es giebt aber einige Punkte, die sich nicht trennen lassen, so vor allem die Frage der Finanzierung. Auf den Bezug von Fr. 1 Extrasteuer kann auf keinen Fall eingetreten werden, da derselbe statutenwidrig ist.

In der darauf folgenden Abstimmung wird die Ordnungsmotion Genf mit 40 gegen 23 Stimmen verworfen.

Herr Hoffmann-Merian ( Sektion Basel ) protestiert gegen den in Nr. 3 der Alpina gebrauchten Ausdruck „ schlimme Entstellung ". Das Budget des Centralkomitees hätte genauer sein sollen. Die von der Sektion Basel vorgenommenen Änderungen sind wohl erwogen und müssen aufrecht gehalten werden.

Herr Züricher entschuldigt den von ihm gebrauchten scharfen Ausdruck, betont aber nochmals, daß die Aufstellungen der Sektion Basel auf thatsächlichen Irrtümern beruhen.

Herr Schmid ( Sektion Pilatus ) beantragt im Namen seiner Sektion, die beiden Angebote anzunehmen. Wird auch das Vermögen des Clubs einen kleinen Rückgang erleiden, so schadet das nichts. Unser Vermögen haben wir ja, um davon Gebrauch zu machen, wenn große Aufgaben an uns herantreten. Größere Vermögensschwankungen sind im Club auch schon dagewesen. So betrug das Vermögen 1870 Fr. 30,000, 1880 Fr. 13,000, dann successive Steigerung bis auf Fr. 41,000. Daß der Mont Blanc-Gipfel außerhalb der Schweizergrenzen liegt, darf uns nicht hindern, da der S.A.C. stets auch in seinen Publikationen außerschweizerische Gebiete berücksichtigt hat. Im übrigen spricht er sich für den Bezug einer Extrasteuer von Fr. 1 aus.

Herr Ho ff mann-Mer ian ( Sektion Basel ) kommt nochmals auf die Frage des Budgets zu sprechen. Er betont, daß eben doch dasjenige des Centralkomitees unzuverlässig sei.

Herr Centralcassier Fluch weist diese Anschuldigung entschieden zurück.

Herr Franche ( Sektion Bern ) verliest ein Gutachten des Herrn Dr. Dübi, Redaktor des Jahrbuches. Derselbe plädiert lebhaft für Eintreten. Für das Jahrbuch ist die Erwerbung zweier so hervorragender Werke eine wahre Lebensbedingung. Als Finanzierungsmodus ist der fünf-malige Beitrag aus der Centralkasse der Extrasteuer vorzuziehen.

Herr Centralpräsident Baumgartner protestiert aufs entschiedenste gegen den Vorwurf, als hätte das Centralkomitee durch Aufstellung eines ungenauen Budgets die Versammlung über die wahre Finanzlage täuschen wollen.

Herr Preiswerk-Ringwald ( Sektion Basel ) giebt die Erklärung ab, daß es der Sektion Basel durchaus fern liege, dem Centralkomitee einen solchen Vorwurf zu machen.

Herr Körber ( Sektion Bern ) befürwortet den Ankauf des Panoramas, bekämpft aber den der Karte. Ist diese auch ein Wunderwerk punkto Ausführung, so fehlt ihr doch die nötige mathematische Grundlage, wie dies auch bei dem Stand der Vermessungen gar nicht anders möglich war. Eine Karte ohne Horizontalkurven zu publizieren, wäre ein Rückschritt, dessen sich der Club nicht schuldig machen darf. Die Bedenken wegen Statutenwidrigkeit teilt der Redner nicht, dagegen erinnert er daran, daß für den Fall, daß wir eine nicht genügend genaue Karte publizieren, wir eine scharfe Kritik von französischer und italienischer Seite zu gewärtigen haben.

Herr Cart ( Sektion Diablerets ) wünscht, daß auf beides ( Karte und Panorama ) eingetreten werde. Der Mont Blanc, wenn auch außerhalb der Grenze gelegen, gehört doch orographisch zu den Schweizeralpen. Für die romanischen Sektionen bildet er ein wichtiges Wanderziel. Sie würden es alle freudig begrüßen, wenn der Club ihnen hier an die Hand gehen würde. Den Vorwurf der Ungenauigkeit verdient die Karte auf keinen Fall, und die Aiguilles der Mont Blanc-Kette lassen sich in Kurven überhaupt nicht darstellen.

Herr Thomann ( Sektion Bachtel ) spricht gegen den Ankauf der beiden Werke. Erscheinen werden ja die Publikationen gleichwohl. Man habe gesagt, die beiden Werke würden eine Zierde für das Jahrbuch bilden. Für eine Zierde gebe er keinen so hohen Preis aus.

Herr Professor Heim ( Sektion Uto ) empfiehlt lebhaft, auf die Vorlage einzugehen, und erläutert die wissenschaftliche Bedeutung der beiden Werke, zunächst der Karte. Die Ansicht, daß absolut Kurven sein müssen, ist falsch. Für das Mont Blanc-Massiv wären sie gar nicht praktisch. Der Wert der Karte liegt in der bildlichen Darstellung des Hochgebirgs. Es ist die glänzendste Leistung, die bis jetzt auf diesem Gebiete geschehen. Der Ruhm der schweizerischen Kartographie würde durch diese Veröffentlichung noch bedeutend gesteigert. Die Karte ist viel mehr als eine bloße Zierde. Wie die Karte der Grundriß, so ist das Panorama der Aufriß des Gebirges. Die Kunst des Panoramazeichnens ist in der Schweiz zu Hause. Hier hat sie sich von bescheidenen Anfängen zu ihrer jetzigen Höhe entwickelt. Noch vor einigen Jahrzehnten galt ein Panorama vom Rigi für eine besonders kühne That. Dann stieg man höher und höher, bis Imfeid sein Monte Rosa-Panorama zeichnete. Jetzt stehen wir vor der höchsten für uns erreichbaren Aufgabe, einem Panorama vom höchsten Gipfel der Alpen. Noch vor zehn Jahren hätte ein solches Werk für total unmöglich gegolten. Die Mittel, welche Imfeid anwandte, um es zu erreichen, waren dreierlei: Bestimmung der Lage von über zweitausend Punkten nach Messungen auf der Karte, mehrfaches Photographieren des ganzen Panoramas vom Mont Blanc-Gipfel aus, endlich Zeichnung der Details von freier Hand durch das Fernrohr. Und dieses Panorama bietet uns die idealste Ansicht des Schweizerlandes, die wir uns denken können. Ob die Werke gleichwohl erscheinen werden, wenn der Club sie nicht subventioniert, ist fraglich. Für die Karte ist es vielleicht möglich, für das Panorama niemals. Sollte daher, was sehr zu bedauern wäre, nur auf eines von beiden eingetreten werden, so wäre das Panorama vorzuziehen » Herr Örtli-Jenny ( Sektion Tödi ) spricht für Ablehnung der Ankäufe. Es ist für das Gedeihen und Wohl des S.A.C. nicht ersprießlich, solche Summen für ein Mont Blanc-Panorama und -Karte auszugeben.

Herr Prof. Becher ( Sektion Piz Sol ) giebt als Professor der Kartographie am Polytechnikum sein Urteil über die Karte ab. Wegen des Fehlens der Kurven von einem Rückschritt zu sprechen, geht nicht an. In der Kurve allein wollen wir nicht das Heil suchen. Jedenfalls ist es die beste Karte des Mont Blanc-Gebietes. Es steht die Ehre des Clubs auf dem Spiel. Vor zwei Jahren ging eine Trauerkunde durch unsere Reihen, als es hieß, unserm Imfeid sei ein ernstlicher Unfall zugestoßen. Jetzt, wo wir die Gelegenheit haben, zwei herrliche Werke dieses Mannes zu erwerben, können wir dem verdienten Clubgenossen unsere Achtung und Dankbarkeit beweisen.

Herr Pfarrer Straßer mahnt zur Einigkeit und empfiehlt nochmals den Ankauf.

Herr Hoffmann-Merian ( Sektion Basel ) erläutert noch einmal die Stellung der Sektion Basel. Durch Finanzierung von Werken aus nichtschweizerischem Gebiet werden wir verhindert, für die Schweiz Nötiges zu thun.

.Abstimmung:

A. Ankauf von 4500 Stück des Imfeldschen Mont Blanc-Panoramas von Herrn Ingenieur Imfeid für Fr. ii>%50.

Ja: 47.Nein: 11.

Der Ankauf ist also beschlossen.

B. Ankauf von 4500 Stück der Imfeldschen Mont Blanc-Karte von den Herren Barbey, Kurz und Attinger für Fr. Ì2/150.

Ja: 32.Nein: 32.

Der eine Stimmenzähler giebt die Erklärung ab, daß er vergessen habe, seine Stimme mitzuzählen. Da dadurch das Abstimmungsergebnis geändert würde, wird ein zweites Skrutinium angeordnet. Dabei ergeben sich Ja: 33.Nein: 35.

Der Ankauf ist also verworfen.

Infolge dieses Beschlusses fallen die finanziellen Anträge des Centralkomitees dahin, und es erhält dasselbe den Auftrag, die Finanzierung des Panoramas mit der Redaktion des Jahrbuchs zu besorgen.

5. Revision der Hüttenstatuten, Abschnitt: Beaufsichtigung und Benutzung der Hütten und Unterhalt des Inventars. ( Siehe Alpina I, 6. ) Herr Centralpräsident Baumgartner giebt Bericht über die am 23. Oktober 1893 in Bern abgehaltene Konferenz von Delegierten der Hütten besitzenden Sektionen. Deren Anträge hat das Centralkomitee zu den seinigen gemacht und unterbreitet sie heute der Versammlung zur Genehmigung. Der Sprechende empfiehlt, die Beratung nicht artikelweise, sondern in globo vorzunehmen.

Herr Tschurni ( Section Genevoise ) bekämpft den von der Sektion Zofingen ausgehenden Antrag ( Art. IX ), über die Dauer des Aufenthaltes in den Hütten reglementarische Vorschriften aufzustellen.

Herr Örtli-Jenny ( Sektion Tödi ) wendet sich gegen die Auffassung des Vorredners.

Herr Dr. Walder ( Sektion Uto ) unterstützt den Antrag des Herrn Tschumi und stellt namens der Sektion Uto folgende Abänderungs-Anträge:

1. Art. V soll die Fassung erhalten: „ Die Höhe dieser Taxe beträgt für Clubisten 50 Cts ., für Nicht-Clubisten Fr. 1. "

2. In Art. III ist der Zusatz: „ Das Centralkomitee ist befugt,

zu streichen ", wegzulassen.

3. Art. VII ist abzulehnen.

Ab Stimmung:

ad Art. 111. Der Antrag Uto wird mit 34 gegen wenige Stimmen angenommen, ad Art. V. Der Antrag Uto wird mit 36 gegen 3 Stimmen an- genommen, ad Art. VII. Der Streichungs-Antrag Uto wird mit 24 gegen 22 Stimmen verworfen, ad Art. IX. Mit großer Mehrheit gegen 13 Stimmen wird Streichimg des Artikels beschlossen.

Der so bereinigte Revisionsentwurf wird ohne Gegenantrag angenommen.

Schluß der Sitzung 3^2 Uhr.

Der Präsident:Der Sekretär:

H. Baumgartner.Züricher.

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