Sagen aus dem Wägital

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Arnold Blank, Zürich

Die Zeit ändert die Ansichten der Menschen; das ist ein ungeschriebenes Naturgesetz, das wohl seine Gültigkeit schon bei der Schöpfungsgeschichte erhalten und seither beibehalten hat und auch fortan, solange es Menschen geben wird, uneingeschränkt fortdauern wird.

Betrachten wir ältere Karten der Schweizerischen Landestopographie in Bern, so finden wir den Flurnamen Wäggithal, der auch im Volksmund noch fortleben wird, bis ihn später jüngere Generationen vergessen. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Sagen.

Was haben uns diese Sagen aus längst entschwundenen Tagen heute, im Atomzeitalter, im Zeitalter des Raumfluges, in einer Zeit der fast vollkommenen Technisierung noch zu bieten? Der Ursprung der Sagen lässt sich nicht genau datieren; er mag in der Epoche zwischen Mittelalter und Ende des 19.Jahrhunderts liegen, also in einem Zeitraum, in welchem man von Tourismus und Weekend-Häuschen noch keine Ahnung hatte; ja, die Berge galten damals noch als Sitz der Geister, die den Menschen nicht immer gut gesinnt waren.

Allein schon hieraus erkennt man die Umstellung im Denken der Menschheit, was zur Frage berechtigt: « Was wollen wir heute noch mit alten Sagen anfangen? » Bleibt uns noch mehr als etwa ein bedauernswertes Lächeln? Ich glaube ja, denn sie führen uns zu jenen Menschen, die ohne Wissenschaft und Technik noch stark mit der Natur verbunden waren, zu jenen Menschen, die trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer tiefen Gläubigkeit die Naturereignisse ehrfürchtig beobachteten, sich aber auch davor fürchteten. Ich denke hier an optische Erscheinungen, wie das Brockengespenst, eine Erscheinung, die durch Lichtbrechung an Luftschichten zustande kommt, oder an Figuren, die durch auftreiben-den Nebel entstehen. Solche Erscheinungen kön- nen wir heute noch auf unseren Bergtouren, besonders im Herbst, beobachten. Wir aber kennen die Ursachen und betrachten diese Naturerscheinungen gelassen; wir brauchen uns davor nicht mehr zu fürchten. Ganz anders aber jene einsam wohnenden Bergbewohner, die kaum einmal einen fremden Menschen zu Gesicht bekamen, und wenn sich schon ein Fremdling in ein ein- sames Bergtal wagte, so wurde er zwar gastlich empfangen, denn er wusste eine Menge Neuigkeiten aus der « fernen » Welt zu berichten, sein Tun und Lassen aber wurde mit scheuem Argwohn genau verfolgt, und im stillen fragte man sich, was dieser Fremde wohl bringe, was ihn veranlasse, ein abgelegenes Bergtal aufzusuchen; denn Flüchtige, die der Strafe des Gesetzes zu entrinnen suchten, gab es schon seit eh undje.

Damals war das Wägital nur durch Saumpfade erreichbar. Die wenigen Talbewohner waren Kleinbauern, bewirtschafteten die Alpen und betätigten sich als Holzfäller, wobei die Ahorn-stämme auf dem Aa-Bach nach Vorderthal geflösst wurden. Der alte Saumpfad folgte der Aa und liess die Schlucht zwischen Gross-Aubrig und Gugelberg noch markanter erscheinen.

Folgen wir nun dem heutigen rechten Seeufer bis zum Steinhofbach, Höhenkote 923 Meter, Koord. 216,8/713,3, durchwandern wir die Region der Kalkphyllite und Mergelschiefer mit Einlagerungen von Sandsteinen ( Flysch ). Dieselben tektonischen Beschaffenheiten treffen wir längs des ganzen linken Seeufers. Auf der rechten Talseite folgen nun die Kieselkalke der Haute-rivienstufe, die teilweise durch bedeutende Lager von Mergelschiefer und Mergelkalk unterbrochen werden.

Solche Gebirgsformationen sind der teilweisen Auswaschung durch Wasser besonders unterworfen. Es kommt zur Bildung von unterirdischen Gangsystemen und Höhlen, die ja von jeher ihre besonderen Geheimnisse in sich schlössen und schon damals Anlass zu allerlei Gesprächsstoff gaben. Auch der Botaniker kann sich von dieser Auswascharbeit überzeugen, wenn er die herum- liegenden Blöcke etwas näher unter die Lupe nimmt. So fand ich zu meiner Überraschung auf einem Kalkblock eine ausgesprochene Silikat-flechte ( Umbilicaria cylindrica ). Erst bei näherer Untersuchung der Gesteinsoberfläche konnte ich erkennen, dass der Kalk völlig verschwunden war und an der Oberfläche das reine Kie-selskelett zum Vorschein kam.

DAS SCHUHMACHERLOCH Das Schuhmacherloch ist im Felsriegel des Gugelberges zu suchen, der das Innerwägital gegen Norden abschliesst. Gleich nach der Passage der letzten Strassengallerie, Koord. 218,4/711,3, findet man noch die letzten Spuren eines Felsrisses. Dieser ist von der in den Fels eingehauenen Strasse aus nur schlecht erkennbar; spaziert man aber über die Staumauer, so kann man ihn deutlich sehen. Dieser Felsriss deutet uns heute lediglich noch die Lage an, wo das einstige Schuhmacherloch einmal war, denn durch den Strassenbau wurde der grösste Teil zerstört.

Man erzählt, dass nachts darin ein Schuhmacher gehämmert habe. Als einmal ein übermütiger Bursche ins Loch hinein rief: « Schuhmacher, gib mir einen guten Leisten! », polterte hart neben ihm ein grosser Stein hernieder. Dem Jungen soll darob die Lust, über die Geisterwelt zu spotten, vergangen sein.

J. Market weiss in einer Broschüre über das Wägital folgende Geschichte zu erzählen:

« Vier junge Männer, die sich einige Zeit in der Gegend aufhielten, erfuhren, dass man zur Geisterstunde den Schuhmacher sehen könne und dass sich zu dieser Zeit kein Einheimischer zu dieser Höhle begäbe. Sie beschlossen, das Wagestück zu unternehmen. Bei der Höhle angekommen, rief einer: ,He, Schuhmacher, zünde deinen Kunden! ' Da zeigte sich in der Felsspalte plötzlich ein kleines Flämmchen, das immer grosser wurde und immer näher kam.

Zwei der Burschen erblassten vor Schreck; einer aber rief: ,Wie schön er doch gefolget! ' und sprang dabei auf das Licht zu. Sein Sprung war aber zu kurz - er fiel, konnte sich aber noch an einem Felsvorsprung halten. Seine Schuhe jedoch hatte er auf unsichtbare Weise verloren. Die vier Burschen, deren Übermut stark gekühlt war, traten den Rückzug an; gleichzeitig verschwand auch das Licht. Die Jungen konnten ungehindert heimkehren. » Die folgende Geschichte erzähle ich ebenfalls nach J. Market: « Ein junger Mann aus Innerthal erzählte: ,Einst flösste mein Vater, als er bereits ein alter Mann war, mit einigen jungen Burschen Holz auf der Aa. Als sie beim Schuhmacherloch vorbeikamen, spöttelten sie über den Schuhmacher. Trotz den Warnungen meines Vaters spöttelten sie weiter. Da stand das Floss plötzlich still und war nicht mehr vorwärts zu bringen. Die Burschen bekamen es mit der Angst zu tun und wandten sich vor Schreck an meinen Vater. Dieser sah nun hart vor dem Floss einen fürchterlichen Mann stehen. Hoch aufgerichtet stand er da und war grosser als der grösste Mann im Wägital. Seine Augen flammten und schienen aus den Höhlen treten zu wollen. Sein struppiges Haar stand zu Berge - aus dem Munde spie er Feuerflammen. Auf den Be-schwörungsruf meines Vaters: „ Alle guten Geister loben Gott den Herrn ", antwortete er: „ Ich aber nicht. " Da bekreuzigten sich die Flösser, und der Geist verschwand. ' » Sucht man nach den Motiven, die zur Entstehung dieser Sagen führten, so konzentrieren sich die Argumente stark auf einen Punkt: Der alteingesessene Geisterglaube soll durch den tiefgründigen Christenglauben verdrängt werden, denn laut den Sagen kommen ja die gläubigen Christen stets gut weg und werden vor Geisterunheil beschützt. Die schreckeinflössen-den Argumente, wie das plötzliche Verschwinden der Schuhe, das Feuerspeien des Schuhmachers usw., sind Mittel, die die Bevölkerung vom Geisterglauben abbringen sollten. Man könnte sie wohl nach den neuem Gesichtspunkten als Psychotherapeutika bezeichnen.

DAS BÄRLAUILOCH Oberhalb der Bärlauialp ( Koord. 218,3/y 1 o,, etwa 1570 m ) befand sich eine dem Schuhmacherloch ähnliche, an Dimensionen dieses aber weit übertreffende Höhle: das Bärlauiloch. Sie ist heute grösstenteils eingestürzt. Bei Wetterumschlag soll man auf der Bärlaui die Worte « Bus Hop, Bus ho Hop » rufen hören, worauf dann eine geisterhafte Frau erscheine.

Da diese geisterhafte Frau nur bei Witterungsumschlag erschien, ist anzunehmen, dass es sich dabei um ein Nebelphänomen handelte; ob das Rufen durch Luftbewegungen an den Felsen entstanden ist, ist heute schwer eruierbar.

DIE GROTTE AM CHÖPFENBERO Dieser Berg hiess früher Köpfenstock und wurde oder wird heute noch im Volksmund Köpfler oder Chöpfler genannt. Wer ihn auf der Normalroute besteigt, passiert auf der Nordostseite, dort wo der Weg nahezu horizontal verläuft, ein Erdloch von etwa 50 Zentimeter Durchmesser, das als Grotte des Chöpfen-berges bezeichnet wird ( Koord. 219,8/716,0 ). In dieser Höhle sollen sich laut den Sagen grosse Schätze von Gold und Edelsteinen befinden, die aber von einem ungeheuren Drachen bewacht werden. Der Drache kann die Höhle nicht verlassen, weil das Loch zu klein ist, hingegen verschlingt er jeden, der in die Höhle einzudringen versucht. Es soll schon mancher das Opfer seiner Habgier geworden sein. Mich interessierte natürlich sofort die Bewandtnis der Höhle mit dem Drachen. Durch den Speläologen ( Höhlenforscher ) Herr Schneider aus Zürich erfuhr ich dann, dass der Gang anfänglich horizontal verlaufe, dann aber in einen jäh abfallenden Schlund übergehe. Damit war für mich das Geheimnis des Drachens gelöst. Ob sich in diesem Schlund wirklich menschliche Skelette befinden, bleibt bis heute noch ein Fragezeichen. Die. äussern Umstände liegen derart verzwickt, dass auch mit modernsten Mitteln kaum eine gesicherte, vernünftige Erforschung dieses Gangsystemes zustande kommen kann und dass diese Situation auch die wagemutig-sten Speläologen nicht zu locken vermochte. Der Zugang ist viel zu eng, als dass er die notwendigen Sicherheitsmassnahmen für das Vordringen in den Schlund ermöglichte; auch mangelt es im Kriechgang selbst an der notwendigen Bewegungsfreiheit. Unter Umständen müsste man auch mit CO2-Gas-Ansammlungen im Schlund rechnen.

DIE SUMMERIGSROS AUF DEM CHÖPFENBERG Diesen Flurnamen habe ich noch auf keiner topographischen Karte gefunden. Nach der Sage soll es sich um ein Geviert mit aufgesetzten Steinen handeln, innerhalb welchem sich nachts die Geister versammelten. Es wagte sich kein Mensch dort hinein; auch das Gras werde darin weder gemäht noch abgeweidet. Einst stritten sich zwei Geissbuben; da warf der eine ein Zicklein des andern über die Steinmarkierung, worauf das Zicklein alsbald verendete.

Ich habe nach diesem sonderbaren Geviert Ausschau gehalten, aber die beschriebene Steinmarkierung nicht gefunden. Wie ich kürzlich durch den Sennen auf der Abernalp erfuhr, durchquerte ich damals diese gesuchte Summe-rigsros, denn die « Steinmarkierungen » werden durch den West- und Südgrat des Chöpfen-berges einerseits - und den Chöpfen, P. 1410 Meter, und dem Felsriegel, P. 1663 Meter, anderseits gebildet. Diese Felsriegel schliessen tatsächlich ein Geviert ein, das heute bewirtschaftet wird. Jetzige Besitzerin dieser Alp ist eine Familie Schneider aus Innerthal. Anscheinend haben die Geister ihre nächtlichen Versammlungen aufgegeben, denn diese Alp floriert nicht schlecht, und mir selbst ist beim Durchqueren auch nichts passiert ( Koord. 219-220/ 7! 5,5-7!6)- der Schiberg ( früher Scheinberg ) Es existieren zwei Sagen, die scheinbar in engem Zusammenhang mit dem Namen des Berges stehen:

« Vom Schiberg soll um Mitternacht ein ganz besonderer Schein ausgehen, von einem grossen roten Edelstein herrührend, der sich im Berg befindet und dessen Glanz und Leuchtkraft so stark seien, dass sie selbst das Gestein durchdrängen. » In der Tat reflektieren diese kahlen Kalkwände nicht nur das Sonnen-, sondern auch das Mondlicht derart stark, dass dies dem Beobachter auffallen muss, besonders dem Wanderer in mondhellen Nächten.

Eine andere Sage berichtet von Hexen, die sich nachts im Berg, um ein Feuer sitzend, versammeln. Der Feuerschein soll so stark sein, dass er selbst das Gestein durchdringe.

Beim Stichwort « Feuerschein » möchte ich hier eine Aussage des Sennen auf der Aeberlialp wiedergeben, welche dieser im Verlaufe eines Gespräches vor einigen Jahren mir gegenüber gemacht hat: Die Pfannenhöhle ( heute als Fanenhöhli bezeichnet ), Koord. 216,5/714,5, eine Felsenmulde oberhalb der Naturfreundehütte, soll früher Wilderern oder lichtscheuen Objekten oft als Biwakplatz gedient haben. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier lediglich um eine geschützte Felsmulde, die durch zwei Felsrippen und die Südwand des Schiberges selbst abgeschirmt wird. Es ist wohl denkbar, dass vom heutigen linken Seeufer, z.B. von der Au oder dem Alpeli, Koord. 214/711, aus ein Lagerfeuer sichtbar war und den Grund zur Sage gebildet hat.

DAS GOLDLOCH AUF DEN FLUEBRIG ( früher Fluhberg ) Ich zitiere zunächst die Sage, wie sie J. Market 1896 aufgeschrieben hat:

« Verschiedene Beherrscher der schwarzen Magie sollen auf dem Fluhberg ( Fluebrig ) schon öfters Gold gefunden haben. Vor vielen Jahren kam ein Italiener ins Wägital und liess sich von einem Einheimischen namens Oberli früh am Morgen auf den Fluebrig führen. Oben angekommen, entliess er ihn mit dem Befehl, ihn am Abend wieder an derselben Stelle abzuholen. So geschah es mehrere Tage, dann war der Italiener plötzlich verschwunden. Kurze Zeit später trat Oberli in römische Kriegsdienste. Als er durch die Strassen Roms bummelte, hörte er seinen Namen rufen, blickte auf und sah aus dem Fenster eines grossen Hauses einen feingekleideten Herrn winken, der ihn zum Eintreten einlud. Der Herr fragte ihn, ob er ihn nicht erkenne, worauf ihm Oberli antwortete, dass ihm sein Gesicht wohl bekannt vorkomme, aber er wisse nicht, wo er dasselbe schon gesehen habe. Hierauf verschwand der Herr im Nebenzimmer, um aber sofort wieder zu erscheinen, doch trug er jetzt die Bergmannsklei-dung. Nun erkannte Oberli seinen Herrn, den er so oft auf den Fluebrig begleitet hatte. Der Herr teilte ihm nun mit, dass er durch seine Hilfe sehr reich geworden sei und ihn nun dafür belohnen wolle, doch er dürfe unter keinen Umständen von dieser Sache erzählen. Oberli trat aus den Kriegsdiensten aus und kehrte ins Wägital zurück, wo er sich ein Häuschen baute. Die Leute wunderten sich sehr über den plötzlichen Reichtum Oberlis. Allmählich kam die Sache aus... » Im Schlusssatz vermerkt J.Mar-ket, die Familie Oberli lebe zwar heute noch im Wägital, sei aber wieder arm geworden; die neuere Version der Sage lautet dahin, dass die Familie Oberli aussterben werde. Diese Korrektur der Sage wurde scheinbar erst nach der Jahrhundertwende gemacht, als Oberli kinder- los starb. Die Bestätigung erhielt ich im Verlaufe des Sommers 1971 durch den Sennen auf der Aberenalp. Das Goldloch befindet sich auf der Diethelmspitze und ist zur Zeit im Besitze der Familie Mächler-Balz in Innerthal. Es wird aber praktisch nie besucht; auch hat sich in den letzten Jahren niemand mehr darum gekümmert.

DAS HUNDSLOCH Das Hundsloch liegt am hintern Ende des Wägitaler Sees, Koord. 214/712,i, und ist mit einer Tafel markiert. Es wurde, bevor der See aufgestaut war, als ein grosses Naturwunder betrachtet, das seine Geheimnisse nie völlig preisgab. J. Market besuchte das Hundsloch selbst zweimal und schildert seine Exkursion wie folgt:

« Es war im Winter und ziemlich kalt; über Flüssen und Bächen hatte sich Eis gebildet. Von der Brücke über den Hundsbach ging ich durch das völlig ausgetrocknete Bachbett, das auf eine Strecke von etwa i o Metern von hohen Felswänden eingeschlossen ist. Diese Schlucht besitzt nur eine Lichtweite von 1,5 bis 2 Metern. Nach hinten erweitert sich die Schlucht plötzlich und bildet hier eine von drei Seiten eingeschlossene Felshöhle von 3 bis 4 Metern Durchmesser, die bei niedrigem Wasserstand, wenn ein Dach darüber und eine Türe vor den Eingang gemacht würde, eine vorzügliche Klause gegeben hätte. Auch der Boden senkte sich an dieser Stelle um einen halben Meter. Das eigentliche Hundsloch befindet sich etwa 6 Meter oberhalb dieser Felshöhle. Das Loch ist von einem hohen Erd- und Felswall umgeben, und tief unten ist über dasselbe ein Kreuz gezimmert, das von einem furchtlosen Manne namens Peter Schättin hier aufgestellt wurde. Welche Kühnheit es zu diesem Unternehmen brauchte, mag man daraus ersehen, dass man die ganze Arbeit, an einem Seil gesichert, ausführen musste. Schättin wollte das Loch gänz- lich vernageln, damit der Bach nicht mehr durch Überschwemmungen schaden könne. Allein, als er die Arbeit beendet hatte, begann es in der Höhle zu rauschen und zu tosen, so dass Schättin die Höhle wieder öffnen musste. Nach andern Aussagen sollten die Bretter eines morgens spurlos verschwunden gewesen und lediglich noch die beiden Balken, die das Kreuz bildeten, übriggeblieben sein. Der Höhleneingang befindet sich auf der untern Seite und führt unter einem Felsjoch hindurch zum Kreuz. Angeseilt ist es keine Schwierigkeit, bis zum Kreuz zu gelangen. Aus dem Plätschern der von schmelzenden Eiszapfen fallenden Wassertropfen und dem Aufschlagen eines in die Tiefe geworfenen Holzes konnte man schliessen, dass sich in einer Tiefe von einigen Metern noch Wasser vorfinden müsse. » Bei einem späteren Besuch Markets reichte das Wasser bis weit über das Kreuz hinaus. Im Sommer, wenn in den Bergen wilde Wetter getobt haben, soll das Wasser in grosser Menge brüllend aus der Höhle hervorbrechen.

Ums Jahr 1820 herum wagten sich tirolische Holzschröter bei ruhigem Wasserstand auf Baumstämmen in die Höhle und brachten die Nachricht, es befinde sich darinnen ein See, dessen Wasser furchtbar kalt sei. Einige Jahre später schwamm ein Tiroler durch das Felsentor und schilderte den unterirdischen See, die hohen Gewölbe und die mächtigen Felsenriffe. Als er wieder herauskam, war er fast erstarrt vor Kälte.

Das Hundsloch liegt heute unter dem Wasserspiegel des Sees, und nur bei sehr niedrigem Wasserstand kann man seine Lage genau erkennen. Das Wasser des Hundsloches stammt aus dem Sammelgebiet der Karren des Rederten-stockes, des Mutteribergs, wo sich ebenfalls ein unerforschtes, sehr tiefes Loch befinden soll, dessen genaue Lage mir aber nicht bekannt ist. Ein weiteres Loch von etwa 40 Metern Tiefe lockte im Jahre 1953 einige « Höhlenforscher » zu den Schwalbenchöpfen. Leider haben sich die Burschen derart flegelhaft benommen, dass die Einheimischen den Zugang versperrten.

Das ganze Höhlensystem dieses Gebietes ist bis heute noch nicht erforscht worden; man munkelt lediglich von einem unterirdischen Gletscher, von einem liegenden U-Gang, doch scheinen mir diese Aussagen wenig sicher. Aus der Kälte des Wassers und den Wassermassen, die durch die Siphonwirkung plötzlich ans Tageslicht treten, muss es sich aber um ein ganz enormes unterirdisches Gangsystem handeln.

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