Saint Elias Range - Canada/Alaska

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Von Chlaus Lötscher, Littau

Expedition des AACB igj6 Bilder io bis iy HAINES JUNCTION UND DER HELIKOPTER 6. Mai 1976-ein denkwürdiger Tag für unsere kleine Gruppe. Alles Vorbereiten, Organisieren, Suchen und Kaufen ist zu Ende. Neben mir stehen Andreas Brun, Adrian Bühler und Heidi Lüdi vor den Helikoptern bereit, für Wochen in die Saint-Elias-Berge zu verschwinden, ihre Schönheit zu geniessen, ihre Derbheit zu ertragen. Der Himmel lacht frühlingshaft; nur wenige Wolkenfetzen zerzausen über den noch verschneiten Bergen, welche das Dorf Haines Junction überragen.

Doch zeigen sich Wälder und Büsche noch in kahlem Wintergewand. Keine frischen, hellgrünen Blätter sind aus den Zweigen geschossen, kaum Knospen zu sehen. Doch bei uns, die wir in 10 14 Am nördlichen Westgrat des Mount Hubbard; hinten die 800 Meter hohe Schlusswand 15 Mount Kennedy, davor Cathedral-Gletscher, vom Afternoon Peak aus gesehen auserlesene Bergsteigerkleidung verpackt sind, perlen bald Schweisstropfen, während wir die gut 600 Kilo Material ins Schleppnetz versorgen, welches von der gewaltigen Alouette « Lama » in die Höhe gezogen wird. Wir vier nehmen in dem kleineren « Bell Jet Ranger » Platz und folgen nach. Der Flug wird ruppig, und tief sackt die Maschine ab, als der Pilot den Steuerknüppel zwischen die Knie klemmt, um eine Zigarette anzuzünden. Ich hätte uns diese Kapriole lieber erspart, denn der Magen presst gewaltig gegen den Kehlkopf. Aber nein - Sturzflug und Rauch! Der Flug ist ohnehin für die Katz: Nach zwanzig spannenden Minuten zeigen sich hinter den nun sichtbar gewordenen Gipfeln so bedrohliche Wolkenmassen, dass wir enttäuscht dem fragenden Piloten die Rückkehr empfehlen, denn ein Weiterflug geht nun auf un- 16 Mount Igloo, ion Norden gesehen. Der Aufstieg erfolgte über den Grat rechts 17 Das Weisshorn, vom Cathedral-Gletscher aus gesehen. Der Aufstieg erfolgte von rechts Photos 10, 11, 13 bis 17 Chlaus Lötscher, Littau Photo 12 Adrian Bühlcr. Frutijçen sere Kosten, und unser Budget ist für zu gewagte Helikopterexperimente ungeeignet. So hat uns nach gut 45 Minuten Haines Junction wieder -und zwar für genau sechs Tage. Preisfrage: Wann ist das Wetter hinter der Bergkette, die wir von hier aus nicht sehen können, für eine Helilandung geeignet und wann nicht? Bei einer Entscheidung stehen die Chancen etwa eins zu eins.

Die Nacht verbringen wir im Zelt neben der kleinen Landepiste. Die Träume werden begleitet vom jammernden Gejaule der Vielfrasse, während die Sonne von Abend zu Abend später sinkt und sich von Morgen zu Morgen früher erhebt.

Am Vormittag des 8. Mai wagen wir erneut einen Heliflug. Diesmal begleite nur ich, mit sämtlichem Material in Kabine und Netz, den Piloten. Strahlende Sonne, keine Wolken über den nahen Gipfeln. Wird es auch tiefer drinnen im Gebirge so sein, vor allem hinter Mount Hubbard und Mount Alverstone, wo vom Meer her oft dicke Wolkenbänke tief über die Gletscher auf-wärtskriechen, jede Bodensicht für eine Helikopterlandung raubend? Kaum ins Tal eingeflogen, wo sich Kaskawulsh und Dusty in den Alsek River wälzen, zeigen sich hinter der entferntesten Gipfelreihe jene verwünschten Wolkenbänke. Was nun? Weiterflug und spätere Umkehr sind ein zu teures Risiko. Enttäuscht sehen die drei auf der Landepiste wartenden Kameraden die gelbe Maschine wieder heranfliegen...

Gute und interessante Information erhalten wir bei einer Dia-Vorführung im Gebäude des Park-Service. Nämlich: dass das Weisshorn - ein prachtvoller Berg südlich Mount Kennedy, also möglicherweise in unserer Reichweite — noch unbestiegen sei. Aber wir vernehmen auch, dass Parkangestellte während ihres diesjährigen Hochgebirgstrainings mit Kollegen des Banf Nationalparks unter der Leitung eines österreichischen Bergführers die Besteigung in der ersten Juniwoche versuchen wollen. Schön so!

ZUM « WINDY CORNER » Am 12. Mai gilt es ernst. Das prachtvolle Wetter treibt Adrian schon früh zum Hause des Piloten, eines begnadeten Morgenschläfers. Der Wetterbericht ist ebenfalls gut, wenngleich für die Südseite des Gebirges eigentlich nicht zuständig. Nichtsdestotrotz: gewagt! Heute ist Adrian an der Reihe, den ersten Flug anzutreten. Der voll ausgelastete Heli startet. Hoffnungsvolles Warten. Früh kehrt die Maschine zurück, und diesmal ohne Netz und ohne Adrian! Der sitzt auf halbem Weg am Lowell-Gletscher und soll morgen funken, wie das Wetter ist, denn heute liegen wieder fette Wolken auf unserem Landeziel, dem Alverstone-Gletscher. Gute Idee — aber sie wird noch besser; denn beim Kaffeetrinken in der Beiz « Mother's Cozy Corner », wo es uns langsam zu « heimelig » wird, und zeitlich knapp bevor uns das letzte 71 Bartgesicht aus dem Busch persönlich kennengelernt hat, beginnt unser Pilot zu überlegen. Ihm ist es beim Gedanken, dass er eigentlich gegen die Vorschriften der Parkverwaltung gehandelt hat, als er einen Bergsteiger allein im Gebirge absetzte, etwas ungemütlich, und so kommt ihm der grossartige Gedanke, der Parkdienst mit seinen Routi-nepatrouillen ins Gebirge könnte uns eigentlich eine solche zur Verfügung stellen. Also ab zum Chef mit dem Vorschlag, der tatsächlich gutgeheissen wird, so dass wir drei andern heute ebenfalls zum Lowell-Gletscher fliegen können. Später wird dann der Chef mit einer Parkpatrouille vorbeikommen, diese absetzen, uns darauf zum Alverstone-Gletscher fliegen, um nach getaner Arbeit die Parkleute wieder aufzunehmen und zurückzukehren. So würden wir den gut einstündigen Hin- und Rückflug nicht zu zahlen brauchen.

Also vereint, sitzen wir vier am Mittag im tiefverschneiten Gebirge - leider nur an der falschen Stelle! Doch besser so! Noch am selben Nachmittag üben wir uns im Schneeschuhlaufen und besteigen einen kleinen, vergletscherten Gipfel, « First Peak », von dem aus wir Mount Hubbard und Mount Kennedy sehen können. Und welch herrlicher Anblick: die makellose Pyramide des Weisshorns! Das reizt!

Am nächsten Morgen um halb acht Uhr sitzen Adrian und ich wieder auf halber Höhe am « First Peak » und melden über Funk, dass hinter Mount Kennedy Nebel liege, Mount Hubbard knapp sichtbar sei und ausserdem ein starker Wind fege. Also nichts mit Weiterfliegen! Trotzdem erscheint etwas später der Helikopter, gleich mit drei Leuten vom Parkservice bemannt; doch es bleibt beim kurzen Besuch, denn der Wind bläst heftig und kalt.

Noch wissen wir nicht, was unsere bequemen McKinley-Zelte an Sturmwind aushalten. Der schreckliche Lärm, den das flatternde Tuch macht, lässt uns - zu Unrecht allerdings, wie sich später herausstellen wird - Schlimmes befürchten. Mit unserem Gepäck bauen wir eine schüt- zende Mauer und nachmittags ein grosses, komfortables Iglu. Heulender Sturm! Ungeduld packt uns mehr und mehr, und so wird dem Vorschlag zugestimmt, beim nächsten Heliflug, wenn nicht zum Alverstone-Gletscher geflogen werden kann, auf halbem Weg auf dem Cathedral-Gletscher zu landen. Von dort aus besteht die Möglichkeit, eine Erstbesteigung des Weisshorns und des benachbarten Mount Poland zu versuchen sowie auf den Normalrouten Mount Hubbard, Mount Kennedy und Mount Alverstone zu besteigen und, falls Zeit übrigbleibt, weitere kleinere, wunderschön geformte Gipfel - teils unbestiegen - anzugehen.

CATHEDRAL-GLETSCHER Der Sonntagmorgen bringt nicht nur Sonnenschein, sondern zu unserer Freude auch den Helikopter. In gehetztem Tempo werden Zelt abgebrochen, Rucksäcke gepackt und das Material ins Schleppnetz verstaut. Bald verlassen Adrian und ich das « Windy-Gorner-Camp », schweben um den prachtvollen Mount Ulu herum zum Cathe-dral-Gletscher. Hier können wir sehen, dass eine Landung auf dem Alverstone-Gletscher nicht möglich ist; denn Wolken stauen sich hinter graziösen Gipfeln. So taucht die Maschine zum Ca-thedral-Gletscher hinunter und landet sanft im tiefen Schnee. Aus dem Heli gestiegen, versinken auch wir zwei gleich bis über die Knie im kalten Pulver, welchen uns darauf die steigende Maschine zum Abschied ungeniert ins Gesicht schleudert. Adrian hat mir gleich eine hübsche kleine Geschichte zu erzählen: Als er sich während des Herfluges gegen die Türe presste, die Sitzgurten geöffnet, um sich beim Photographieren freier bewegen zu können, öffnete sich diese Luke plötzlich... und während ihn ein kalter Schauer überrann, war seine Hand blitzartig zum Türgriff geschnellt...

Da sich der Landeplatz etwas zu dicht unter einem Hängegletscher befindet, pfaden wir zur Gletschermitte und erwarten dort die Ankunft der andern. Diese Wartezeit verbringen wir mit Staunen: Nordwärts, hoch über uns und allen Gipfeln, thront Mount Hubbard mit seinem eher unscheinbaren Nachbarn Mount Kennedy, dessen Hauptgipfel sich hinter einer Kuppe verbirgt. Von ihnen strömt die gewaltige, zerrissene Eismasse des Cathedral-Gletschers herab, flankiert von ungemein eleganten Gipfeln, die vielgestaltig zu beiden Seiten Spalier stehen. Kaum einer von ihnen ist jemals bestiegen wordenUn-sere Träumereien werden jäh unterbrochen durch Motorenlärm. Das bedeutet angestrengtes Schaufeln, Schneestampfen, Zeltaufstellen und viele weitere Arbeiten, die zum Aufbau eines Lagers notwendig sind. Nach dem Mittagessen beginnen wir auch gleich mit dem Bergsteigen. Das Ziel ist klar: die Erstbesteigung des Weisshorns! Mit Schneeschuhen an den Füssen steigen Andreas und ich den Gletscher aufwärts. Während ich die Spurarbeit leiste, ist Andreas Lasten-träsrer, denn er folgt mit einem dicken Bündel Markierstöcke, die wir sowohl auf dem ebenen Gletscher als auch durch die langen und unübersichtlichen Abbruche in Sichtweite stecken. Erst spuren wir aufwärts über den Cathedral-Glet-scher und biegen dann ein in den steilen und unheimlich zerrissenen Seitenarm, der zu einem Becken zwischen Weisshorn und Mount Poland führt. In diesem Becken planen wir ein Hochlager zu erstellen. Nach vierdreiviertelstündigem Aufstieg kehren wir um. Ein gutes Stück den Seitenarm hinauf ist gespurt, der Weg durch den Abbruch gefunden und der Weiterweg überblickbar. Hitze und tiefer Schnee haben uns bös zugesetzt, und völlig ausgepumpt erreichen wir nach über zwei Stunden Abstieg das Basislager.

WEISSHORN UND MOUNT POLAND Der folgende Morgen sieht uns bei strahlender und bald drückend heisser Sonne die ausgesteckte Spur aufwärts steigen. Die gewaltigen Rucksäcke machen aus dem Marsch kein eitel Vergnügen. Nach zweistündiger Hitzerast am Mittag schleppen wir uns weiter den zerklüfteten Gletscher hin- auf, den Blick immer wieder gespannt auf das prächtige Weisshorn und seinen nicht minder schönen südlichen Nachbarn, Mount Poland, gerichtet, den Schicksalsberg zweier polnischer Bergsteiger, die vor zwei Jahren beim Versuch einer Erstbesteigung während eines Biwaks von einer Eislawine verschüttet wurden, während ihre drei Kameraden sich in letzter Not retten konnten. Abends um acht Uhr ist in der Gletschermulde zwischen den beiden Gipfeln unser Hochlager errichtet. Kaum umfängt uns der Schatten, wird es eisig kalt - Eiszapfenfüsse, gefrorene Nasentropfen in Schnauz und Bart.

Adrian wird das Glück zuteil, am kommenden Morgen als erster den warmen Schlafsack verlassen zu müssen, und in der bissigen Kälte draussen beginnt er erst mit einer Kerze die Butankocher aufzutauen, um anschliessend Schnee zu schmelzen. Keiner beneidet ihn, aber gerechterweise bleiben auch wir andern nicht verschont, die Nestwärme gegen die grausame Kälte des Hoch-gebirgsmorgens einzutauschen.

Um ein Viertel vor neun marschieren wir zum Weisshorn ab. Adrian und ich bilden die vordere Seilschaft, gefolgt von Andreas und Heidi. In drei Seillängen erreichen wir über steilen Firn und Eis einen Pass, von dem sich elegant der SSE-Grat herzieht. Erst steigen wir etwas westlich der Gratschneide auf; in halber Höhe wagen wir uns trotz einer gewaltigen Wächte direkt auf die Gratkante. Ausgesetzt und steil führt diese aufwärts. Tiefer Firn lässt die Steigeisen gut greifen. Im obersten Teil empfangen uns noch einige Eisaufschwünge, unterbrochen von flachen Schultern. Drei Stunden nach dem Aufbruch vom Hochlager stehen alle vier glücklich im gleissenden Sonnenlicht auf dem schmalen Gipfel, von dem drei scharfe Grate graziös in die Tiefe ziehen, flankiert von eisigen Wänden. Keine Wolke trübt die Sicht, und der Blick schweift frei zu Mount Kennedy im Norden, dem in westlicher Richtung Mount Alverstone und Mount Hubbard folgen. Weiter hinten ragt Mount Vancouver aus einem dichten Nebelmeer, aus dem sich im Süden auch Mount Seattle ans Licht kämpft. Dazwischen stechen andere Berge durch den Nebel, namenlos und klein, doch samt und sonders von bezaubernder Form und Gestalt. Und ganz ferne im Südosten ragt die einsame Pyramide des Mount Fair-wether auf. Ein Berg, der Sehnsucht weckt. Es ist kaum Nachmittag, als wir uns an der warmen Sonne im Hochlager verpflegen. Noch steht uns heute ein zweiter Streich bevor: Mount Poland. Andreas, der führt, stürmt förmlich den Firngrat aufwärts, während ein giftig-kalter Wind immer heftiger Schneekristalle in unsere Gesichter peitscht. Schwierig ist der Aufstieg nicht, nur einmal eine Wächte etwas tückisch, ein andermal in einem steilen Aufschwung der tiefe Schnee nicht ganz vertrauenswürdig. Zweieinhalb Stunden geht 's aufwärts, dann stehen wir an diesem Prachtstag nochmals als erste auf einem Gipfel, stürmisch gefeiert vom Wind, der stossweise seine kalten Grösse sendet. Einen einmaligen Anblick bieten die steilen Gipfel in der südlichen Fortsetzung des Mount Poland. Während der nächste Berg mehrere Gipfel besitzt und über gelbbraunen Steilwänden vergletschert ist, sind dessen Nachbarn zu felsigen Pyramiden gespitzt, mit überaus steilen Flanken und kühnen Graten. Der südlichste von ihnen, der Mount Ulu, ist bereits bestiegen.

Etwas kann uns heute allerdings nicht mehr begeistern, nämlich der Gedanke, noch eine Nacht in der Kälte dieses Hochlagers zu verbringen. So packen wir unsere Siebensachen zusammen und stürmen überglücklich abwärts zu unserem komfortablen Basislager, wo es so feine Sachen gibt. Noch während des Abstiegs schleichen gespenstige Wolken über die niedrigen Gipfel und Grate und breiten sich allmählich über den Cathedral-Gletscher aus. Die Stimmung wird unheimlich, ja geradezu feierlich, denn die tiefstehende Sonne durchbohrt mit gelbem Licht die Nebelschleier. Unwirklichkeit scheint uns zu umfangen, hervorgerufen durch die verklärte Landschaft einerseits und die glücklichen Gefühle in uns andererseits, Gefühle, geprägt von der Freude, zwei schöne Berge als erste bestiegen zu haben, an denen andere schon vergeblich gekämpft haben.

Etwa zweieinhalb Marschstunden oberhalb des Basislagers errichten wir für die während den nächsten Tagen geplante Besteigung des Mount Kennedy und Mount Hubbard ein Materialdepot. Im weiteren Abstieg lässt uns eine gewaltige Eislawine, die vom Hängegletscher des Berges westlich unseres Basislagers niedergeht, kalte Schauer über den Rücken rieseln. Eine weisse Wolke fegt mit höllischer Geschwindigkeit in den ebenen Gletscher hinaus. Ob das Basislager noch am selben Ort sein wird? Glücklicherweise finden wir es unversehrt. Die Lawine ist nur wenig weiter südlich niedergegangen. Seither blicke ich täglich mit gerunzelter Stirn zu den Hängegletschern hinauf, von wo man immer wieder ein bedrohliches Donnern vernimmt. MOUNT KENNEDX UND MOUNT HUBBARD Wir sind nicht böse, dass das Sonnenlicht am folgenden Tag nur gedämpft durch den Nebel dringt. Schliesslich schadet es keinem, lange auszuschlafen. Das Wetter bleibt auch an den folsren- o den drei Tagen schlecht, und oft schneit es sogar. Am dritten Tag bringen wir mehr Material zum Depot, und erst am darauffolgenden können wir höher aufsteigen, um zwischen Mount Kennedy und Mount Hubbard ein Hochlager zu errichten. Die vorgesehene Höhe von etwa i o500 Fuss erreichen wir nicht, denn erneut einbrechender Nebel verhindert jede Orientierungsmöglichkeit. Bei 8500 Fuss bleiben wir stecken und bauen eines unserer McKinley-Zelte auf. Lange Anstiege zu den Gipfeln stehen uns von hier aus bevor.

Tagwache um ein Viertel vor drei bei wolkenlosem Himmel. Es ist kalt, das Aufstehen hart. Abmarsch um vier. Durch tiefen Schnee spuren Adrian und ich abwechselnd. Die Abdrücke der Schneeschuhe sehen aus wie ein von Elefanten getretener Pfad; oft sinken wir bis zu den Knien ein. Das diffuse Licht ergibt eine schlechte Sicht, und Spalten sind oft schwer zu erkennen. So ist 's denn auch bald geschehen, dass ich plötzlich lautlos und fast in Achtungstellung durch den Schnee verschwinde und knapp fünf Meter tiefer mit kräftigem Ruck in einer kalten Spalte baumele. Unter mir weist die Spalte noch viel finstere Re-servetiefe auf, doch entrinne ich ihr durch gekonnte Bergungsarbeit. Sonnenschein empfängt mich freundlich, und nach einigem Strecken und Putzen stapfen wir weiter. Ein langer und steiler Hang leitet den Anstieg zum Mount Kennedy ein. Adrian führt mit pausenloser Zähigkeit, ich schleppe mich hintendrein. Schliesslich kapituliert auch er, und nun tritt Andreas den Kampf mit dem Tiefschnee an, einen Kampf, den er nicht mehr aufgibt, bis wir nach gesamthaft zwölf Stunden Aufstieg auf dem Gipfel des Mount Kennedy stehen, zu dem am Schluss ein scharfer Eisgrat führt. Einbrechender Nebel mit kaltem Wind raubt uns einen freien Ausblick. Morgen Schlechtwetter zum Ausschlafen und übermorgen schön für die Besteigung des Mount Hubbard - das wär 's!

Bestellt - bekommen! Es schneit und stürmt bis in den Nachmittag hinein. Schade um die Spur! Wir werden sie morgen neu treten müssen.

Mittwoch, 26. Mai. Wolkenloser Himmel. Um ein Viertel nach drei wühlen wir uns mit unsern Schneeschuhen die verschneite Spur aufwärts. Zügig kommen wir voran und erreichen mit den ersten Sonnenstrahlen die Abzweigung zum Mount Hubbard. Nun gilt es eine völlig neue Spur zu pfaden. Wenigstens bis nach einem gegen 50° steilen Hang fällt diese Arbeit Adrian und mir zu, danach übernehmen nach langer Pause Andreas und Heidi die Führung. Glücklicherweise ist jetzt der Schnee meist festgeblasen, so dass es leichter geht, doch macht die Höhe zu schaffen. Schliesslich stehen wir um drei Uhr nachmittags auf dem Hauptgipfel des Mount Hubbard.

Gespannt suchen wir Einblick in die Westflanke, um den von uns geplanten Aufstieg über den nördlichen Westgrat ausfindig machen zu können. Was wir jedoch zu sehen bekommen, sind übersteile Eisaufschwünge und einige finstere Türme und Felsrippen, die durch wirblige Nebelschwaden furchterregend erscheinen. Mit einem Gruss zu den blaugrünen Wassern der Disen-chantment-Bucht nehmen wir Abschied vom windigen Gipfelplateau und stapfen hinab zum Hochlager, welches bei unserer Ankunft im Nebel liegt. Noch am gleichen Abend steigen wir zum Basislager ab. Nun bewähren sich die im Aufstieg gesteckten Fähnchen, denn ohne sie wäre eine Orientierung nicht möglich. Die Spur ist im diffusen Nebellicht als feine Kontur sichtbar, wenn man etwa zwei bis drei Schritte daneben geht. Das eine Mal glaubt man zehn Fähnchen zu sehen, dann wieder muss man lange suchen, bis auf der nächsten Kuppe das rote Signal sichtbar wird. Aber wir schaffen es; um elf Uhr nachts beginnen wir mit dem Ausbuddeln des zugeschnei'ten Zeltes, das wir beim Abmarsch vorsorglich zu Boden gelegt haben, stellen das zweite auf, und zwei Stunden später, nach einem guten Essen, kriechen alle todmüde in die Schlafsäcke.

AFTERN00N PEAK, CATHEDRAL PEAK, MOUNT IGLOO, AVALANCHE PEAK Nachts stürmt es heftig, und gegen Morgen drücken hartgepresste Schneehaufen gegen die Zelte. Schliesslich scheint die Sonne heiss durch den Nebel auf das rote Tuch; es verstreicht ein fauler Tag, nachmittags begleitet von heftigen Böen, die erneut Schnee gegen die Zelte schleudern. Erst zwei Tage später, am Samstag, den 29. Mai, beruhigt sich das Wetter wieder so weit, dass eine Wochenendtour möglich wird. Diesmal ziehen wir erst den Cathedral-Gletscher abwärts, darauf gegen Westen durch steile Flanken mit tiefem Schnee und über einen hübschen Grat zu einem namenlosen Gipfel, den wir für unsern Hausgebrauch « Afternoon Peak » nennen. Den Gipfel, etwa 700 Meter über unserm Basislager, erreichen wir in vier Stunden. Nebel raubt uns eine gute Sicht. Jedenfalls einigen wir uns auf unser nächstes Ziel, nämlich den südlichen Nachbarn des Mount Poland, den langgezogenen Berg mit mehreren vergletscherten Gipfeln, zu dem elegante Grate hochziehen. Wir nennen ihn « Cathedral Peak ».

Trotz zweifelhaftem und stets wechselndem Wetter mit heftigen Sturmwinden über den Gipfeln brechen wir zum Cathedral Peak auf. Quer über den Gletscher erreichen wir einen kleinen Seitenarm, übersteigen einen Abbruch mit kreuz-und querliegenden Spalten, den langen Südwestgrat anpeilend, der am leichtesten aussieht, und stapfen zügig aufwärts durch Flanken und gefährlich steile Couloirs mit tiefem Schnee. Schliesslich klammert sich Nebel an den Berg, und mit dem Verschwinden der Sicht wird auch der Grat ausgesetzt, und im schlechten Licht ist der Anblick der seitlichen Couloirs und Rippen geradezu furchterregend. Da bricht auch noch in dieser unheimlichen Gegend neben dem Fuss des führenden Adrian mit donnerndem Knall ein gewaltiges Stück der Gratwächte ab. Vor ihm türmt sich eine Felswand aus faulem Gestein auf, deren Übersteigung extrem schwierig sein dürfte, und über uns beginnt es zu allem Überfluss zu schneien. Dieses letzte Gratstück lässt sich nicht mehr im Nu nehmen; hier braucht es mehr Arbeit und auch mehr Material, als wir gerade mit uns führen. Nur noch etwa 200 Meter dürften bis zum Gipfel fehlen. Geschlagen ziehen wir fürs erste ab... Märchenhaft präsentiert sich bald darauf die ganze Bergwelt. In der schräg stehenden Sonne werden alle nur möglichen Gipfel sichtbar, ohne durch irgendeinen Nebelfetzen getrübt zu werden. Ein zauberhafter Wechsel von Trübnis zu Traum: St.Elias-Range-Wetter!

Dem schönen Sonnenuntergang folgt ein Tag, an dem grosse Schneeflocken einen wilden Tanz aufführen. Am vergangenen Freitag hatten wir mit unserem Piloten den letzten Funkverkehr. Es ist abgemacht worden, am Mittwoch, wenn er die Parkleute ins Gebirge fliegen werde ( sie haben nach unserer Besteigung des Weisshorns ihre Pläne geändert ), noch einmal zu funken, wann er uns holen und endlich zum geplanten Ziel am Alverstone-Gletscher bringen werde. Seither streikt das Gerät beharrlich. Also bleibt uns nur zu hoffen, dass am Mittwoch der Heli gleich kommt. Am morgigen Dienstag jedoch greifen Andreas und Adrian noch einmal den Cathedral Peak an. Heidi und ich ziehen auf die andere Seite des Gletschers und überschreiten zuerst einen schneeigen Gipfel, seiner Form wegen von uns « Mount Igloo » genannt, darauf lawinenverdäch-tige Hänge zu den beiden Spitzen des Gipfels, der sich direkt westwärts über unserem Basislager befindet und von dem jeweils die Eislawinen donnern, seiner Gestalt nach ein Double des Liskamms im Wallis. Wir nennen ihn « Avalanche Peak ». Der Himmel ist wolkenlos und gewährt uns noch einmal eine ungetrübte Sicht auf die spektakuläre Gipfelwelt, auf alle die Berge und Gletscher, die wir in den letzten beiden Wochen durchwandert haben. Weisshorn und Mount Poland, unsere stolzen Erstbesteigungen, daneben Cathedral Peak, an dem wir mit dem Feldstecher unsere Kameraden stundenlang an gleicher Stelle sich abmühen sehen. Der Felsturm hat sich nur mit einer Reihe Haken überwinden lassen, ein fragliches Unternehmen bei diesem faulen Gestein, aus dem sich die Haken wieder von Hand ziehen lassen. Danach erkämpfen sich die beiden noch eine Seillänge ausgesetzt durch tiefen Schnee mit Blankeisunterlage. Schliesslich geben sie auf, denn eine senkrechte Felswand über ihnen, schwierig wie der Turm, ohne einen leichteren Durchgang zu bieten, vermag sie nicht mehr weiter zu locken.

ZUM ALVERSTONE-GLETSCHER Der Mittwoch verstreicht sonnig und mit entsprechendem Sonnenbaden. Vergeblich sehnen wir den Heli herbei. Dieser kommt erst am folgenden Tag. In zwei Flügen wechseln wir zum Alver-stone-Gletscher. Fast wehmütig verlassen wir den schönen Cathedral-Gletscher und verabschieden uns auch von dem kleinen Vogel, der uns seit drei Tagen regelmässig besucht hat. Der Pilot bringt uns auch die Kunde in unsere schneeige Welt, 7 ' ) dass « draussen » der Frühling Einzug gehalten habe.

Gierig blicken wir vom Heli aus auf die Westgrate des Mount Hubbard. Der Anblick ist ermutigend, sieht doch unser Grat nicht unbegehbar aus; in den uns noch verbleibenden zwei Wochen müsste er zu machen sein. Unser neues Lager wird auf dem Alverstone-Gletscher erstellt, vorgelagert zwischen den Westgraten von Mount Hubbard und Mount Alverstone, auf Alaska-Gebiet.

Aber das Wetter? Schon am nächsten Tag hocken wir in den Zelten, vertieft in Jack-London-Geschich ten, Indianerbiographien oder Gold-rausch-Geschichten. Auf die Zelte fällt nasser Neuschnee; doch während des späten Abends hellt es auf, abwechselnd mit einbrechendem Nebel, aus dem es immer wieder zu schneien beginnt. Adrian hat eine verteufelt unruhige Nacht, und bald nach Mitternacht beginnt er uns aus dem Bett zu treiben, was vorerst eine Schimpfti-rade der unsichtbar in Daunen verpackten Heidi auslöst, während Andreas überhaupt nicht zu bewegen ist, seine Glieder in Aktion zu setzen, und auch ich mir noch eine Stunde Bedenkzeit im warmen Schlafsack einhandle. Erst nach dieser Galgenfrist raffe ich mich schliesslich auf und geselle mich zu Adrian ins Küchenzelt, wo er unterdessen alles für den Abmarsch vorbereitet hat. Das Wetter ist gut.

MOUNT HUBBARD, NÖRDLICHER W-GRAT Halb vier Uhr. Wir beide stapfen mit Schneeschuhen den Weg über den Gletscher bis zum Fuss des Grates. Das bedeutet wie immer eine strenge Arbeit, liegt doch auch hier viel Schnee. Die Wächte und die folgenden Felsen sind hart zu « knacken », und während wir ein fixes Seil montieren, holen uns die andern ein. Noch wissen wir nicht, ob wir diese Stellen mehrmals zu übersteigen haben, dann würde das Seil eine grosse Hilfe sein. Darnach führt der Weg meist direkt auf der Gratkante durch tiefen Schnee, der uns erlaubt, steilste Couloirs und Aufschwünge ohne Steigei- sen zu überklettern. Der Fels, gelb wie das beste Gestein des Mont Blanc, ist von einer Quarz-schicht überzogen, welche sich leicht löst, und Haken entfernen sich fast von selbst, wenn alle daran vorbei sind. Ausser heiklen Wächten und steilen Umgehungen stellt der Grat in seinem jetzigen noch winterlichen Zustand keine grossen technischen Probleme; die Kondition wird zwar getestet, doch die ist gut. Nach acht Stunden Spurarbeit werden Adrian und ich von der andern Seilschaft abgelöst. Andreas spurt mit Heidi nun in den einbrechenden Nebel hinein mit energischer Härte, während wir beide eine lange Pause einschalten, wobei ich für eine Weile sogar döse. Fallende Graupeln treiben uns jedoch wieder aus der Ruhestellung, und nach einiger Zeit erreichen wir die andern, die nun ihrerseits eine Pause benötigen. Weit kann es bis zum Fuss der gut 800 Meter hohen Wand, die zum Gipfelgrat führt, nicht mehr sein; doch lässt sich im Nebel nichts mehr erkennen. Abends um fünf haben wir das kleine Plateau erreicht, über dem sich der Firn zur von Felsriegeln durchzogenen Wand aufbäumt, deren Überwindung, sollten die Couloirs dazwischen blank und steinschlaggefährdet sein, uns noch saftige Probleme stellen kann. Vorerst beginnen wir im Schnee eine schützende Vertiefung auszuheben und unser Biwak einzurichten. Für heute ist genug getan, und wir sind müde. Noch während dieser Arbeiten reissen die Wolken auf; warm beginnt die Sonne zu scheinen, und, tiefer sinkend, verzaubert sie bis nach Mitternacht die Gipfel rund um uns. Der Nachbargrat leuchtet lange Zeit in süssem Violett, kleine Wolken um Mount Logan erstrahlen in Gelb - ein Zauber rings um uns, der tief beglückt. Ans Schlafen denken wir kaum mehr; wir staunen und staunen. Unendlich ist die Zahl der Gipfel, die sich vor uns ausbreiten. Wie die Bauern auf dem Schachbrett stramm vor den Edlen stehen, umkreisen unzählige kleine Berge ihre mächtigen Herren wie Mount Seattle, Mount Foresta, Mount Cook, Mount Saint Elias, Mount Logan und Mount Vancouver, weiter nördlich die Eis- haufen Mount King George, Mount Queen Mary, entfernter Mount Steele und Mount Lucania, wuchtige weisse Fünftausender, hinter denen die Sonne schliesslich versinkt, weiterhin jedoch hell den Himmel erleuchtet, denn schon bald, für uns jedoch nicht direkt sichtbar, erhebt sie sich ein wenig weiter im Osten wieder, die zugekehrten Flanken der Gipfel nun in zartes Rosa hüllend.

Uns bringt empfindliche Kälte einige Stunden unangenehme Ruhe, und nur Heidi gelingt es, in ihre üblichen Daunenhaufen und unzählige Hüllen geschickt verpackt, tief zu schlafen. Um ein Viertel vor eins bin ich jedenfalls froh, dass die Kocher schnurren, und zwei Stunden später packen wir die Gipfelwand an. Adrian und ich als vordere Seilschaft, Heidi und Andreas als hintere, arbeiten wir uns aufwärts. 45 Grad etwa mag die durchschnittliche Steigung betragen, in den Couloirs etwas steiler; doch der Schnee trägt so gut, dass wir alle gemeinsam aufsteigen. Die Felsriegel öffnen sich mit verschneiten Couloirs. Schnell gewinnen wir an Höhe. Um halb sieben erreichen wir schon den Ausstieg, und eine Stunde später, nachdem wir ein Stück auf dem Grat dem Beginn des Cathedral-Gletschers gefolgt sind, stehen wir auf einem nördlichen Vorgipfel des Mount Hubbard, welchen wir zum Ziel unserer Tour erklären, haben wir den Rest des Aufstieges doch bereits vor zwei Wochen kennengelernt. Wir rasten, von einem kalten Ostwind geplagt.

Der Abstieg seht verhältnismässig schnell vor sich. Gemeinsam steigen wir die Flanke hinunter, die steilen Couloirs südlich umgehend. Die Sonne hat unsern Biwakplatz noch nicht erreicht, als wir um zehn Uhr dort Suppe zu kochen beginnen. Während des weiteren Abstieges werden wir beinahe übermütig. Die Sonne scheint brennend heiss.

MOUNT ALVERSTONE, W-GRAT Über Nacht schneit es; am Mittag jedoch können wir ein Sonnenbad nehmen; darauf schleicht wieder Nebel über den Gletscher. Noch sieben Tage bleiben uns für den Alverstone-Westgrat. Es folgt ein weiterer Tag mit Schneefall und kurzen Aufhellungen. Am g.Juni schliesslich hellt es gegen Mittag auf. Nach dem Essen marschieren Adrian und ich ab, um wenigstens ein Stück weit den Alverstone-Grat aufzusteigen und, falls das Wetter wieder schlecht werden sollte, ein kleines Materialdepot anzulegen. Erst pfaden wir über den Gletscher zu einer Firnflanke zwischen zwei Gratausläufern; darauf klettern wir nach einem heiklen Schrund, an dem uns eine kleine Lawine in Deckung treibt, die Wand hinauf zum Grat; schliesslich pfaden wir nach schöner Blockkletterei ein vergletschertes Stück weiter, bis es erneut zu schneien beginnt. Wir suchen in einer etwa fünf Meter tiefen Spalte Schutz. Wer weiss, vielleicht wird es plötzlich wieder aufhellen, wie schon so oft, dann könnten wir weitersteigen. Ich lese Adrian die letzten zwanzig Seiten des « Seewol-fes » von Jack London vor, während draussen der Neuschnee sich bedrohlich häuft. Um halb elf — die grausige Geschichte ist eben zu Ende gelesen — kriechen wir aus der Spalte und steigen mit unguten Gefühlen ab. Schnee staut sich bis hoch an den Bauch. Rutschungen lösen sich glücklicherweise stets unter uns; aber wir sind trotzdem heilfroh, um eins zurück im Basislager zu sein.

Es schneit weiter bis am folgenden Mittag. Viel Sonnenschein wird notwendig sein, um den Grat zu säubern. Doch wieder setzt Schneefall ein, dem während der Nacht böige Sturmwinde folgen. Am 12.Juni nachmittags marschieren wir zu einem kleinen Pass westlich des Alverstone-Glet-schers, um unsere Berge im schönen Licht der sinkenden Sonne zu photographieren. An den Graten und auf den Gipfeln tobt ein harter Kampf zwischen Wolken und Wind. Zwei Tage bleiben uns noch; dann wird der Helikopter uns abholen — endgültig!

Der iß.Juni präsentiert sich mit tiefblauem Himmel. Früh kämpfen wir uns den tiefen Schnee und die verschneiten Felsen am Alverstone-Grat aufwärts. Nach zwei Stunden erreichen wir das Depot. Nun wird der Weg steiler. Blockkletterei mit Schneewühlen. Endlos. Wir gewinnen kaum an Höhe, versuchen daher die Gratfelsen zu verlassen und durch ein Firncouloir aufzusteigen. Ich befestige eine Reepschnur, und Adrian unter mir seilt daran ins Couloir hinab. Trägt der Schnee? Wie ist das Eis darunter? Bange Fragen, die Adrian weder positiv noch negativ, nur skeptisch beantworten kann. Schliesslich steige ich ins Couloir nach. Kaum befinde ich mich drinnen, rutscht unter mir die ganze Schneefläche weg; über meinem Bauch staut sich ein weiterer Haufen, drückt die Füsse weg und verschwindet ebenfalls in der Tiefe. Das ist eine deutliche Antwort auf die bislang unbeantwortete Frage. Also: zurück zum Felsgrat! Andreas wühlt nun die Felsblöcke aufwärts; doch als er nach langem Abmühen nur wenige Meter höher kommt, geben wir auf. Für die Zeit, die uns noch bleibt, ist dies zu viel des Unguten. Der Abstieg wird nicht einmal viel einfacher sein. Frech seilen wir uns in ein langes Schneecouloir auf der Südseite des Berges ab. Dort ist der Schnee schon längere Zeit von der Sonne beschienen worden und bereits sehr viel davon abgerutscht.

Zurück zum Basislager! Übermorgen wird uns der Helikopter wieder unter die Menschen bringen, welche inzwischen den Einzug des Frühlings, ja Frühsommers erlebt haben.

Grün ist eine schöne Farbe! Besonders nach fünf Wochen Schnee, Fels, Nebel, Wolken und blauem Himmel. In der Ferne manchmal das Meer. Und täglich erinnerten uns Linienflug-zeuge daran, dass wir nicht die einzigen Menschen waren, nur besonders glückliche.

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