Salbitschijen

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Claude und Yves Remy, Jaman

Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir das , das Salbitschijen-Biwak. Mit dem Handrücken trockne ich meine Stirn, von der es wie aus einem Brunnen läuft. Ich bin überzeugt, dass Faulpelze diese Hütte nie erreichen werden. Mein Bruder Yves meint, unsere Rucksäcke seien - für die jetzige Epoche des leichten Materials - doch ziemlich schwer.

Zu dem, was für eine Klettertour von einigen Tagen nötig ist, kommen allerdings noch einige ungewöhnliche Dinge: eine Bohrmaschine, Batterien, 50 Bohrhaken und anderes mehr. Sie zeigen deutlich unsere Absicht, eine Route zu eröffnen, von der wir hoffen, dass sie grossartig und so zu klettern sein wird wie irgend möglich. Kurz: die Jahrhundert-route! Abenteuer, wo bist du?

Die Abenteuer unserer Vorfahren verbleichen. Einen Gipfel zu erreichen, einen Grat oder eine Wand zu erklimmen, selbst eine Route zu eröffnen, mit welchen Mitteln auch immer, genügt heute nicht mehr. Unsere Vorgänger haben das getan, und wirklich gut! Doch jetzt haben sich die Spielregeln - oder die Interessengeändert.

Mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Kenntnissen haben wir uns andere Risiken und andere Ansprüche geschaffen, dabei aber doch das Wesentliche bewahrt: das Klettern.

Viele Freunde hatten uns begeistert von den Salbit-Türmen erzählt. Dennoch sind wir damals, Mitte September 1987, etwas auf gut Glück, gänzlich ohne Auskünfte und ohne Beschreibung des Massivs dorthin gekommen. Uns trieb ein überzeugendes Argument: Wir würden an einen Ort gehen, an dem es weder Spuren noch Haken gab!

An die Mauer der kleinen Hütte gelehnt, beobachten wir das Gebirge, das Spiel von Licht und Schatten, durch das auch das kleinste Detail des Felsens sich deutlich abzeichnet.

Wir können uns bereits unsere Route in der schönsten und höchsten Wand, der von Turm II, vorstellen, mitten zwischen weiteren logischen Aufstiegsmöglichkeiten, die sicher zu anderen Routen gehören.

Während der Erstbegehung der phantastischenKGB-Route, die mitten durch den Plattenpanzer des Salbitturmes II führt y Etwas, um in der Nacht davon zu träumen! Denn der Salbitschijen ist ein magisches, hoch verehrtes Massiv mitten im Herzen des Landes. Es gibt dort einige der schönsten Gra-nit-Routen der Schweiz. Anders als früher stehen wir am Morgen nicht sehr zeitig auf, sondern warten die Sonne ab. Das ist eine Neuerung bei dieser Art des Kletterns im Gebirge.

Dann beginnt schnell der Aufstieg. Er verläuft - in sauberem Fels - angenehm.

Mein Bruder hängt an einem auf einer Unebenheit aufsitzenden Cliffhanger und holt den Rucksack in sorgfältigen Zügen nach. In solchen heiklen Augenblicken ist keine brüske Bewegung erlaubt. Auf seiner Strickleiter stehend, schaltet er seine Bohrmaschine ein und bohrt kraftvoll ein Loch: eine Minute heftiger Anstrengung. Danach schlägt er mit dem Hammer den Expansionsdübel ein. Aus seinem tragbaren Werkzeugkasten holt er dann einen Inbus-Schlüssel, mit dem er die M 10-Schraube anzieht, und danach die Plakette fixiert. Die nachgewiesene Tragkraft des Ganzen beträgt zwei Tonnen. Klicken des Karabiners: Yves hat sich eingehängt, um den Materialsack zurückzubefördern.

, ruft mir Yves zu, ehe er weiter steigt. Ja, es ist so, das Freiklettern beginnt mit dem ( modernen ) Klettern mit technischen Hilfsmitteln.

> Aussicht vom Südgrat auf die Südwand des Salbitturmes II aW :? ' « AU'Doch es sei daran erinnert, dass es davor die grossartige Periode des ganz echten Freikletterns und des klassischen Kletterns mit technischen Hilfsmittel gab. Beim weiteren Vordringen wir die jeweiligen Abschnitte der Risse und die mit Erde und Grasbüscheln bedeckten Absätze. Wir leisten in gewisser Weise .

Und dann mischt sich das Wetter ein! Ein starker Wind kommt auf, und eine dicke schwarze Wolke hüllt den Gipfel ein. Keine Panik, wir seilen uns einige Längen ab und stei- gen dann die kleine Geröllhalde hinunter, um uns in der Hütte in Sicherheit zu bringen, während das Gewitter sich über der Gegend entlädt. Danke schön, Schweizer Alpen-Club!

All jene von ihren fixen Ideen Besessenen, die meinen, über eine Seillänge Klettern und sechs lächerliche Verrenkungen hinaus gäbe es nichts, werden hier von der Gewalt der Wand erdrückt: Es sind zwischen zwei- und dreihundert Meter. Die Hütte dient auch als Ausgangspunkt für eine der schönsten Grattouren des Landes, für die Tour über den Sal-bitschijen-Westgrat.1 Es ist ein sehr schwieriger und vor allem sehr, sehr langer Aufstieg von mehr als dreissig Seillängen.

Am nächsten Morgen sind wir wieder an Ort und Stelle und klettern unter einer strahlenden Sonne, die das ganze Gebirge in Flammen zu setzen scheint. Die Eröffnung, Ausrüstung und Reinigung der Route schreiten in schnellem Rhythmus fort, so wie wir es gewöhnt sind. Dann verstummt der Lärm der Bohrmaschine, Stille breitet sich wieder aus: Die letzte Batterie hat den Geist aufgegeben. Ohne zu zögern arbeiten wir von Hand weiter, doch es.geht langsamer vorwärts, denn wir müssen nun mit 15 bis 30 Minuten für das Anbringen eines Bohrhakens rechnen. Hier tritt das Vergnügen des Kletterns hinter anderen Tätigkeiten zurück, deren Ziel es ist, eine Route einzurichten. Eine schwierige Aufgabe, die bei dem strengen Rhythmus, den wir uns abverlangen, an Arbeit grenzt. Wir sind, für unsern Teil, zu dem Schluss gekommen, dass wir arbeiten müssen, um zu leben und -wenn möglich -zugleich glücklich zu sein. Übertreiben heisst alles verderben, darum arbeiten wir im Lauf des Jahres rund sechs Monate und klettern den Rest der Zeit. Das gibt ein Gleichgewicht, bei dem wir voll und ganz zufrieden sind.

Einstieg zur KGB-Route in der Mitte der Südwand von Turm II

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Die Südwand des Salbitturmes II ( Westgrattürme ). In der rechten unteren Bildmitte eine Seilschaft in der KGB-Route Sr-

Als wir auf dem Gipfel von Turm II ankommen, wird uns klar, dass wir wohl nicht höher steigen können. Jetzt geniessen wir unsern Erfolg, doch nicht, ohne bereits an die nächsten neuen Routen zu denken. Macht sich da der Einfluss unserer Konsumgesellschaft bemerkbar?

Links von unserer gerade eröffneten neuen Route verläuft die klassische, die BGA-Route ( wir übersetzen das mit

1 Die Erstbesteigung gelang 1948 dem berühmten Trio von Château-d'Oex, dem Ehepaar Betty und Ernst ( ( Jimmy ) ) Favre und ihrem unermüdlichen Tourengefährten Louis-Maurice Henchoz.

Aus dem französischen Teil übersetzt von Roswitha Beyer, Bern

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