Schattenbild aus den Churfirsten

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Im XXII. Band des Jahrbuches ist von Herrn Prof. Baltzer ein „ Schattenbild an den Lauteraarhörnern " geschildert worden, nebst mutmaßlicher Erklärung. Diesen Sommer hatte ich Gelegenheit, solches selbst zu genießen und erlaube mir hiermit, als Mitglied der Sektion Toggenburg, dieses zu beschreiben. Ich lege eine Photographie nach meinem Original bei, im Falle vorliegendes sich für das Jahrbuch eignen sollte. Die Zeichnung habe ich möglichst naturgetreu gemacht, und steht auch das Original Wünschendenfalls zur Verfügung.

Es war am 28. August 1902, abends 6V2 Uhr, als ich über der westlichen Churfirstenkette noch einige Gipfel erblickte und zuerst glaubte, eine Luftspiegelung zu sehen. Wie ich aber diese seltene Naturerscheinung genauer verfolgte, bemerkte ich, daß es ein sogenanntes Schattenbild der schräg unten liegenden Berge war. Das Tal lag im Schatten, während die Churfirsten noch vom letzten Glanz der untergehenden Sonne beleuchtet wurden. Dahinter wogte Nebel, und darüber an der Wolkenwand standen die dunkeln Schatten der Gipfel: Scheere, Nägeliberg, Vorder- und Hinter-Leistkamm. Wie ich nun meinen Begleiter ( Herrn Goldschmied, Mitglied der Sektion Winterthur ) auf dieses aufmerksam machte, gewahrte ich, daß sich der Kamm nach links schob, d.h. es kamen hinter der Speer-kette weitere Gipfel zum Vorschein, um über dem Selun jeweils wieder zu verschwinden.

Die Entstehung ist rätselhaft. Da die Sonne rechts von mir sich befand und am Untergehen war, standen die Schatten zu hoch und zu viel rechts, um in gerader Linie, d.h. durch Reflexe, entstanden zu sein. Doch wäre dies vielleicht möglich durch Strahlenbrechung von verschiedenen Luftschichten über dem Zürichsee, daß das Licht nach den Churfirsten reflektiert wurde. Ob nicht auch vielleicht unterwegs die Strahlen von einer Felsplatte oder sonst von irgend etwas Glänzendem abgelenkt wurden, daß die Schatten rechts von der Luftlinie standen? Ein weiteres Rätsel ist, daß die Bewegung nach links, also entgegengesetzt dem Sonnenlauf, stattfand. Dies für Reflexion zu halten, veranlaßt mich nämlich folgendes: Im Winter 1895 befand ich mich eines Abends auf dem „ Tanzboden ", 1440 Meter über Meer. Über dem Zürichsee in mittlerer Höhe lag eine Nebelschicht, also gerade vor der Sonne. Daher war weit und breit tiefer Schatten. Nur dort oben war durch Reflexe vom Zürichsee heller Sonnenschein.

Heinrich Schweizer ( Sektion Toggenburg ).

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