Skilauf vor vierhundert Jahren

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Von Rudolf Gsell

Mit 10 Zeichnunge ( Chur ) Vorbemerkung: Diese Zeilen wollen und können über das zu behandelnde Thema weder einen erschöpfenden Aufschluss geben noch eine kritische Behandlung sein. Sie sind aus dem Wunsche entstanden, einem weitern Leserkreis einige der Abbildungen früherer Jahrhunderte zugänglich zu machen. Einige kurze Hinweise mögen dazu dienen, etwas tiefer in die Vergangenheit hineinzuleuchten.

In der Märznummer 1946 der « Alpen » berichtete Max Oechslin unter dem Titel « Wie die Bauern der Krain vor 260 Jahren das Skifahren hielten » über ein Buch, das 1689 erschienen ist, nämlich: Valvasor, Joh. Weichard, Die Ehre des Herzogthums Crain. Valvasor beruft sich in seinen Ausführungen auf ein weit älteres Werk, dessen Verfasser Magnus ist; seine Ausführungen über den Skilauf halten sich enge an jene von Magnus.

Oechslin zählt sodann einige ältere Werke über die Schweiz auf, aus der Wende des 17. Jahrhunderts und später, und bemerkt, « bei keinem der erwähnten schweizerischen Chronisten finden wir aber ( unseres Wissens ) irgendwo derartige, Schnee- oder Schreit-Schuhe'erwähnt ».

Das Werk von Magnus Olaus erschien 1555 in Rom, unter dem Titel: Historia de Gentibus Septentrionalibus. Es war in lateinischer Sprache abgefasst und enthielt eine Fülle kleiner, zum Teil trefflicher Holzschnitte, die unter anderm auf das Skilaufen Bezug hatten.

Rund zwölf Jahre später, nämlich 1567, erschien eine deutsche Ausgabe, betitelt: Olai Magni historien der Mittnachtigen Länder... Getruckt zue Basel in der Officin Henric petrina im Jar M .D .LXV I I. Als Übersetzer zeichnet Johann Baptist Fickler von Weyl im Schwarzwald K Im Vorwort zu dieser deutschen Ausgabe heisst es unter anderem: « Und ist ein solch Werck nicht allein lieblich und kurtzweilig / sonder auch vast nützlich zuelesen / und zue wissen / dann es mancherley Frembder / 1 Fickler, geboren am 24. Mai 1533 zu Backnang in Württemberg, kam als Privatsekretär in die Dienste des Domprobstes zu Basel und zugleich Domherr zu Augsburg...

Die Alpen - 1948 - Les Alpes2 SKILAUF VOR VIERHUNDERT JAHREN andern Landen / und Nationen der Welt / unbekanten / und nie erhoerten Sachen / so auch noch bissher von keinem Geschichtsschreiber jhemals also manigfaltig an tag geben / welcher beschreibung jede Capitel mit eigentlichen und zierlichen Figuren herauss gestrichen / das der Leser den innhallt so wol mit eusserlichen sinnen der Augen / als mit innerlichem verstandt begreifen und fassen mag... » Die Abbildungen dieser deutschen Ausgabe sind mit wenigen Ausnahmen dieselben wie in der lateinischen Römer Ausgabe. Jedoch sind in vielen Details kleine Abweichungen vorhanden, die darauf hinweisen, dass die Druckstöcke nicht einfach übernommen worden sind, sondern dass sie neu erstellt wurden. Ob dies in Basel selbst geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher aber scheint, dass Text und Abbildungen der deutschen Ausgabe in Basel gedruckt wurden, also auch die Kapitel und Figuren über den Skilauf im Norden ,'Man hatte also damals schon in der Schweiz Kunde vom nordischen Skilauf. Aber trotzdem blieb dieser anscheinend in der Schweiz noch lange unbeachtet.

C. J. Luther, in seiner « Geschichte des Schnee- und Eissports » 1926 ( erschienen in: Geschichte des Sports aller Völker und Zeiten ) hat mehrere Abbildungen aus Magnus übernommen.

Auch Hans Leutert: « Der Skisport in seiner Entwicklung und heutigen Bedeutung » ( Jubiläumsschrift Sporthaus Fritsch, Zürich, 1903-1928 ) gibt zwei Abbildungen aus Magnus.

Dagegen ist das Werk von Coolidge, W. A. B.: « Josias Simler et les Origine« de l' Alpinisme jusqu'en 1600 » ohne solche Illustrationen.

In diesen Abbildungen im Werke des Magnus sind die Ski sehr kurz gezeichnet, also als Dauben und nicht als Ski ( Bilder 1-3 und 5 ), aber aus dem Texte ist klar ersichtlich, dass sie weit länger waren, und zwar war ihre Länge abhängig von der Körpergrösse des Benutzers. « Doch solcher gestalt / dass das ein eines schuechs lenger gemacht ist dann das ander / nach grosse oder lenge der Männer und Weiber. Nimm ein Exempel / ist der Man oder das Weib acht schuech lang / so muess der ein holtzschuech auch acht schuech lang sein / und der ander neun schuech. » Dass auch die Frauen damals schon dem Skilauf oblagen, zeigt ein hübsches Bildchen ( Bild 3 ), zu welchem Magnus schreibt: « Es ziehen auch die Weyber hinauß auff das gejaegt mit jren Handbögen / und lassen das haar also fliegen / wie in diser Figur steht... » Aber nicht nur zur Jagd, sondern auch auf allen andern Gängen im Schnee fand der Ski Verwendung, wie das Bildchen vom Taufgang zeigt, ( Bild 1 ). Magnus schreibt dazu: « Wie die Inwohner der Wildenussen jre Kinder zum Tauff tragen unangesehen, das sie ein weiten Weg haben / so suechen sie doch im Jar ein mal oder zwey die Kirchen heim / tragen jre jungen Kinder über ruck in Kretzen dahin zue dem Tauff... » Und endlich wurde auch eigentlicher Sport gepflegt, sowohl im Skilauf als auch im Schlittschuhfahren, wobei dem Sieger ein Preis winkte. Die Buben endlich massen sich in Schneeballschlachten und in Erstürmung von Schneeburgen.

SKILAUF VOR VIERHUNDERT JAHREN Magnus berichtet auch über Skifelle, Skistöcke, Steigeisen und anderes mehr. Er gibt auch eine Abbildung solcher Steigeisen 1. Aus seinen Abbildungen ersieht man, dass neben Fellbekleidung auch Kleider gebraucht wurden, die merkwürdig an moderne Keilhosen erinnern ( Bild 2 ). Im übrigen lässt sich aus den hier wiedergegebenen Bildproben noch gar manches ersehen.

Auch die Pferde erhielten eine Art Schneereifen. « So machen sie jnen selber auch den Rossen decken an die fuess / von leichtem und breitem past oder linde rinden geflochten / ziehen also wolgeladen ueber das Geburg an alle forcht / dann auff solche weiss der schnee under jhnen nicht weichen kan /... Damit aber die Pferdt auff solche Schneestrassen gewehnet und abgericht werden / so führt man die von jugendt auff in den Thälern auff dem schnee alle tag / ein wenig beladen mit kleinen Körben an die fuess gebungen / also lernen sie mit der zeit schwärer burden tragen / also haben auch die Führer Körb an den fuessen / und steüren sich an einem stab der unden breit ist /... » ( Bild 4. ) Der Handel lag also im Winter nicht stille. « Wo sie ( lies: die gmeinen Landt Strassen ) durch Schnee gewalt verschlossen / so werden sie mit ross und schütten / oder was thier die seind / die daran ziehen / so nach und nach dardurch gezogen / auffgethan /... » Im Gebirge wurden Wegweiser angelegt, die ganz an moderne Strassen-wegweiser erinnern, « also geschaffen / das grosse starcke Bilder von frischem stein / aussgehauwen / auff den giblen der Berg auffgericht worden / mit eysen und bley so vest versetzt / das jnen windesgewalt nicht schaden mag... » ( Bild 8 ).

So viel über Magnus. Es würde zu weit führen, noch näher darauf einzugehen.

Dass zu jener Zeit auch in unsern Alpen manches getan wurde, um den Verkehr im Winter zu erleichtern, berichtet uns Simler 2. Er sagt unter anderem: « im Uebrigen sichern sich diejenigen, die an Stellen, wo sich kein Pfad befindet, tiefen Schnee passieren wollen, auf folgende Weise vor dem Versinken sie verwenden kleine, dünne Brettchen oder Holzreifen, wie man sie zum Fassbinden gebraucht, stellen mit Schnüren ein netzartiges Gitter her, dessen Durchmesser ein Fuss beträgt und binden sie unter die Sohle. Auf diese Weise wird die Spur des Trittes vergrössert, so dass man nicht einsinkt und nicht tief in den Schnee fällt. Bei Xenophon lesen wir etwas ähnliches... » Man markierte schon damals die Passübergänge im Winter durch Schnee-stangen 3, man baute Herbergen für die Reisenden ( das Grimselhospiz war 1 « als da seind Holtzschuech mit scharpffen Fuesseysen... weiter die dreyspitzigen Fuesseysen / mit welchen man steiff stehn und fuessen mag. Nachmals gebogne ring / mit eysen stacheln versetzt ( also eine Art Hufeisen. D. Verf. ) f Dise instrumët alle bindet man mit-einem starcken riemen an die fuess / damit man auff dem eyss recht Stefan und gehn mag... » 1 Simler, Josias, 1530-1576. De Alpibus Commentarius. Deutsch von Alfred Steinitzer, 1931.

* Ammianus Marcellinus ( geboren um 300 n. Chr., gestorben um 400 ) berichtet über Holzstangen, die im Winter die Wege kennzeichneten.

SKILAUF VOR VIERHUNDERT JAHREN im Winter nicht bewirtet, musste aber offen bleiben und mit Lebensmitteln und Holz versehen sein ). Man organisierte eine Art Lawinendienst. Nagelschuhe, Steigeisen, Schneereifen, Bergstöcke und Gletscherseil waren schon damals bekannte Dinge.

Doch bleiben wir vorerst noch beim Ski. Eine interessante Abbildung einer Skibindung finden wir bei Stephan l. Das Bild trägt den Titel: Schema Xylosolearum quas Veteres Dani Ondrur Norvegi Skijer appellarunt. ( Auf Deutsch: Schema der Holzschuhe, welche die alten Dänen Ondrur, die Norweger Skier nannten. ) ( Bild 9. ) Scheffer 2 gibt in zwei Abbildungen bereits die richtige Länge der Ski an, wobei der eine deutlich kürzer ist als der andere ( Bild 7 ).

Schon Magnus und Simler weisen auf ältere Nachrichten hin. So erwähnt Magnus den Saxo Grammaticus1.

Paulas Diaconus, der um 800 n. Chr. starb, schreibt in seiner Geschichte der Langobarden über das Volk der Skritobinen t «... so nemlich heisst das Volk... die auch zur Sommerszeit Schnee haben... Nach dem Worte ihrer barbarischen Sprache haben sie ihren Namen vom Springen. Denn springend und mit einem gekrümmten bogenähnlichen Holze erlegen sie geschickt die wilden Thiere... » Jordanis ( Jornandes ) berichtet 551 n. Chr* in einigen wenigen Worten ebenfalls darüber und Solinus Julius, ein römischer Schriftsteller, erwähnt schon um 250 n. Chr. den Skilauf.

Der schon genannte Luther bildet einen Runenstein aus dem Jahre 1050 ab, der in der Nähe von Upsala steht und u.a. einen Skiläufer darstellt. Das ist vielleicht die älteste erhaltene Abbildung eines Skiläufers ( Bild 10 ).

Der Skilauf war aber schon damals auch andern Völkern bekannt. Sigismund Herberstein gibt in seinem 1571 datierten Buche « Rerum Mosco-viticarum Commentarii » eine Abbildung, die unter anderem zwei Skiläufer zeigt3.

Besonders Luther weist darauf hin, wie auch bei andern Völkern der Skilauf keineswegs unbekannt war. Er erwähnt, wie Kaiser Leo 710 n.Chr. über den Kaukasus zog, von 50 Alanen auf Schneereifen angeführt. Ferner schreibt Luther: « Von andern kleinasiatischen Völkern meldet der Armenier Alumni, wie sie im März 852 über die Berghänge mit Schneeschuhen fuhren, die sie mit Riemen an die Füsse schnallten. » — « Im Fernen Osten waren die Schneeschuhe... auch den Chinesen bekannt. So wird in den Annalen É1'1 Stephan! Johannis Stephanii Notae Uberiores in Historiam Danicam Saxonis Grammatici una cum Prologomensis ad easdem notas,1645.

Saxo Grammaticus, ein dänischer Geschichtsschreiber, lebte um 1150 bis 1218 n. C br. Er berichtet bereits über den Skilauf.

Joannis Schefferi Argentoratensis Lapponia. 1673 ( 1674 ), und zwar im Titelblatt und sodann auf pag. 248 ( Cap. XX: De armis atque instrumentis ad venationem te pertinentibus apud Lappones ).

9 Dieses Buch ist meines Wissens ebenfalls in Basel gedruckt worden, und zwar schon 1551, sodann 1556 und 1568. Eine deutsche Ausgabe, betitelt: Moscoviter wunderbare Geschichten erschien 1563 ebenfalls in Basel. Sowohl die lateinische als auch die deutsche Ausgabe sind also früher erschienen als die entsprechenden Ausgaben von Magnus.

SKILAUF VOR VIERHUNDERT JAHREN der Tana-Dynastie ( 618-907 n. Chr. ) im .Tang-schu* vom Schneelauf der Kirgisen berichtet. » Dann gibt Luther die Schilderung des « persischen Geschichtsschreibers der Mongolen Fadl-allâh Raschid ed-Din um 1307 ». Sie lautet: « machen Holzbretter... stellen sich auf diese, befestigen sie mit Riemen, und nehmen einen Stab in die Hand und stemmen diesen Stab gegen die Erde, indem sie auf der Oberfläche des Schnees gleiten... Wenn ein unerfahrener Mensch auf Schneescheitern läuft, so gleiten dieselben auseinander, besonders auf Bergabhängen und beim schnellen Laufen. Wer aber zu laufen versteht, kommt schnell vorwärts. Jetzt kennt man diese Schnee-scheiter vielerorts in Turkestan und der Mongolei. » Im weiteren schreibt Luther: « In Japan hat sich vom uralten Skilauf der Ainos meines Wissens nichts erhalten. » ( Bild 6. ) Ich habe schon gesagt, dass Simler auch Xenophon erwähnt. Dieser letztere war ein Schüler des Sokrates und lebte um 430 bis 354 v. Chr. Xenophon schreibt in seiner Schilderung des Feldzuges des Jüngern Cyrus über Armenien: « Ein Mittel für die Augen gegen den Schnee war, wenn man sich auf dem Zuge etwas Schwarzes vor die Augen hielt, und für die Füsse, wenn man sie in beständiger Bewegung hielt, und des Nachts die Sohlen losband... » « Hierauf gab ihnen der Ortsvorsteher die Anweisung, den Pferden und dem Zugvieh Beutel um die Füsse zu binden, wenn es über den Schnee ginge; denn ohne diese Vorkehrung fielen sie bis an den Bauch hinein. » ( Cyrop. II, 4. ) « Es lag ein tiefer Schnee und die Kälte war so streng dass das Wasser, welches sie zum Essen holten, und der Wein in den Gefässen gefror; ja Viele von den Hellenen verfroren Nasen und Ohren. Da begriff man, warum die Thracier Kopf und Ohren mit Fuchsbälgen verwahrten, warum ihre Leib-röcke nicht bloss die Brust, sondern auch die Beine bedeckten, und warum sie zu Pferde nicht den gewöhnlichen Unterwurf, sondern bis auf die Füsse hinabreichende Mäntel trugen.»._... ,_,,bcnluss folgt )

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