Wie verwende ich meine Karte?

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M. Gurtner Bewegen wir uns in einem Gebiet, das wir wie unsere Hosentasche kennen, brauchen wir keine Karte. Aber die Hosentaschen sind uns längst zu klein geworden!... Und sobald wir « in die Ferne schweifen », ist uns ein möglichst genaues Abbild der Landschaft willkommen. Dieses Bild und noch zusätzliche Informationen liefern uns die Landeskarten. Diese Karten kennen und gebrauchen zu lernen ist des Bergsteigers erste Pflicht. Es genügt dabei nicht, die Zeichenerklärung auswendig zu lernen, vielmehr muss in den von den Sektionen organisierten Kursen und auf den Touren mit den Karten gearbeitet werden, so dass einem ihre Verwendung sozusagen « ins Blut übergeht ».

Sind wir soweit, dann lässt sich schon zu Hause eine Tour gründlich vorbereiten:

- Wir sehen, wie weit wir mit Bahn oder Auto fahren können ( aber Achtung: Fahrverbote sind in der Karte nicht angegeben !).

- Der Aufstieg zur Hütte wird beurteilt: Höhendifferenz, Steigung, guter Weg oder bloss Spuren ( evtl. nur bei Tag erkennbar ).

- Wie sieht der Anmarsch bis zum Einstieg aus? Weglein, Grashalden, Geröll, Blockfelder, Felsbänder? Im Dunkeln bei frühem Start auch zu finden?

-- Höhendifferenz bis zum Gipfel, Ausstiegsmöglichkeiten unterwegs.

- Wo muss beim Abstieg über den Gletscher mit Spalten gerechnet werden; wo kann die Moräne überquert werden, Orientierungspunkte bei Nebel?

Wir haben also die Tour vor dem geistigen Auge schon gemacht, können uns anhand der Karte und des SAC-Führers ein Bild machen von dem, was uns erwartet.

Jetzt muss das Material bereitgestellt werden: Ausser Pickel, Seil und Rucksack gehören bei grösseren Touren unbedingt auch Kompass und Höhenmesser zur Ausrüstung. Am besten stellen wir den Höhenmesser zu Hause noch richtig ein, um auch mit seiner Hilfe die Entwicklung der Wetterlage beobachten zu können.

Vor dem Abmarsch wird die Karte so gefaltet, dass das vor uns liegende Wegstück obenauf liegt ( das neue Landeskartenpapier hält 2000 Faltungen aus !). Bei feuchtem Wetter ist ein kleines, durchsichtiges Plastiketui von Vorteil. Unterwegs halten wir die Karte immer griffbereit in der Hosen- oder Jackentasche - im Rucksack dient sie höchstens als Polsterung für den Proviant...

Oberstes Gebot: Man muss auf der Karte jederzeit den Standort angeben können. In orientie-rungsmässig schwierigem Gelände halten wir immer den Daumen auf den letzten Standort und drehen die Karte so, dass die Marschrichtung mit dem Weg auf der Karte übereinstimmt ( oder anders gesagt, dass die Nordlinien wirklich nach Norden zeigen ). So sehen wir in der Karte sofort, was auf uns zukommt, und können direkt mit dem Gelände vergleichen.

Wird die Sicht schlecht, so kommen unsere beiden technischen Hilfsmittel, Kompass und Höhenmesser, zum Einsatz:

Kompass: Wie wird er gehandhabt? Die Kompassnadel zeigt nicht genau nach Norden. Der Unterschied zwischen der magnetischen Nordrichtung und Kartennord heisst Deklination. Sie ist auf jedem Blatt n :25000 und r: 50000 für die Blattmitte angegeben ( siehe auch Kärtchen im Kapitel über die Nachführung ).

Selbstverständlich halten wir den Kompass nicht direkt in die Nähe von Eisenteilen ( Haken, Eisschrauben - oder Heim im WK ), legen die Bussole so auf die Karte, dass die Netzeinteilung unter der Nadel parallel zum Kilometernetz ist und drehen anschliessend beide miteinander, bis die Nadel zwischen die Markierungen einspielt. So haben wir die Karte genau nach Norden orientiert.

Wenn wir, bei guter Sicht, unseren genauen Standort bestimmen wollen, gehen wir folgendermassen vor: Wir zielen mit dem Kompass einen bekannten Punkt an, zum Beispiel einen Gipfel oder Kirchturm, und drehen die Dose, bis die Markierungen die Nadel einschliessen. Nun legen wir den Kompass so auf die Karte, dass das Gitter auf der Dose parallel zum Netz und ein Ende der Seitenkante auf dem anvisierten Punkt liegt. Die so definierte Linie schneidet nun vielleicht den Weg, auf dem wir stehen, die Höhenkurve ( Höhenmesseroder, wenn beides fehlt, eine zweite so bestimmte Linie. Damit ist der gesuchte Standort gefunden.

Umgekehrt gehen wir vor, wenn uns der Standort zwar bekannt ist, wir aber in einer bestimmten Richtung marschieren wollen. Wir legen den Kompass in dieser Richtung auf die Karte und drehen die Dose, bis das Gitter parallel zum Kilometernetz steht. Jetzt nehmen wir den Kompass in die Hand und drehen ihn, bis die Nadel zwischen den Markierungen einspielt. Die Längsachse zeigt nun genau in die gesuchte Richtung.

Bewegt sich eine Seilschaft im Nebel auf einem Gletscher, handhabt der Hinterste den Kompass und weist den Seilersten ein. Anhand der Umge-hungsmarken und mit Schrittzählen können grosse Spalten umgangen werden, ohne dass dabei die allgemeine Marschrichtung verloren geht.

Höhenmesser: Da im Gebirge die dritte Dimension, die Höhe, recht beachtliche Ausmasse annimmt, kommt einem solchen Messinstrument in unübersichtlichem Gelände, bei Nacht oder Nebel besondere Bedeutung zu. Der Höhenmesser ist im Grunde genommen ein Barometer mit einer speziellen Einteilung.

Am Ausgangspunkt der Tour stellen wir den Höhenmesser durch Drehen der Skala auf die richtige Höhe ein. Wenn wir unterwegs an einem Punkt mit bekannter Höhe ( Kote ) vorbeikommen, kontrollieren wir die Angabe, stellen aber nicht nach. Der Höhenmesser hat nämlich eine kleine innere Ungenauigkeit und braucht etwas Zeit, bis er ganz eingespielt ist. Ist der Wert aus der Karte immer höher als die Ablesung, dann steigt der Luftdruck. Die Entwicklung der Wetterlage kann also - neben der persönlichen Beobachtung — gemessen werden. Später, auf dem Gipfel oder nach einer längeren Rast, korrigieren wir und stellen den richtigen Wert auf der Skala ein.

Wissen wir aus der Karte, dass unterhalb 2640 Meter ein Eisabbruch beginnt oder dass 250 Meter über der Hütte eine Felswand zu umgehen ist, so werden wir den Weg auch bei schlechten Sichtverhältnissen finden.

Ortsangaben: Sehr oft fällt uns die Aufgabe zu, gegenüber Dritten einen Ort genau angeben zu müssen, den Treffpunkt mit Kollegen, den Standort der Skihütte, den Rastplatz oder— leider—den Unfallort auf der Tour. Dazu stehen uns in der Karte folgende drei Elemente zur Verfügung ( jeweils mit einem Beispiel für eine Tour auf das Bietschhorn, aus Blatt 1268 Lötschental von 1978 ):

- Ortsnamen: Sie werden in ihrer Bedeutung oft verkannt. Es ist immer sehr nützlich, den Namen von grösseren Ortschaften anzugeben; bei kleineren, nicht allgemein bekannten Flurnamen ist Vorsicht geboten, weil der Empfänger der Meldung den Ort möglicherweise nicht kennt oder verwechselt oder weil er eine Karte verwenden könnte, wo dieser Name nicht mehr eingetragen ist.

Z.B.: Abmarsch von Ried, bei Blatten ( Lötschen ).

- Koten: Sie werden in den SAC-Führern auch als « topographischer Punkt » bezeichnet und die- nen in erster Linie der raschen Orientierung über die Höhenverhältnisse im Gelände. Sehr häufig werden sie aber auch für die Bezeichnung eines speziellen Punktes verwendet. Z. B.: Rast am Fuss des Westgrats, bei P.31J3. Koordinaten: Sie sind das wichtigste, genaueste und eindeutige Mittel zur Festlegung einer Örtlichkeit. Um Verwechslungen zu vermeiden und damit keine negativen Werte auftreten, hat man dem Projektionsursprung in Bern die Koordinaten 600 Kilometer Ost und 200 Kilometer Nord zugesprochen ( auch Militär-koordinaten genannt ). Auf den Landeskarten t :25000 und i 1150000 ist jede, auf den Karten t: 100000 jede zehnte Kilometer-Netzlinie durchgezogen und auf allen Seiten angeschrieben.

Die Koordinaten eines Punktes bestehen aus zwei durch einen Schrägstrich getrennten sechsstelligen Zahlen: Y ( Ostwert)/X ( Nordwert ). Die ersten drei Ziffern geben jeweils die Kilometer, die zweiten drei die Meter an. Zur Bestimmung der Koordinaten suchen wir unterhalb und links des Punktes den nächsten Schnittpunkt der Netzlinien und schauen, wie sie am Kartenrand angeschrieben sind ( Kilometerwerte ). Die Meter können wir schätzen oder ( besser ) messen; am einfachsten geht dies mit einem Koordinatenmesser oder einem speziellen Kartenmassstab, wo die Werte direkt in Metern abgelesen werden. Haben wir nur einen einfachen Massstab zur Hand, muss noch umgerechnet werden:

1: 25000 ( 4 cm = i km ): Zentimeter-Ablesung geteilt durch 4 x 1000 = Meter; 1:50000 ( 2 cm = 1 km ): Zentimeter geteilt durch 2 X 1000 = Meter. Man kann auch die Abstände von den Netzlinien aus der Karte abgreifen und unten auf dem Massstabsbalken den Wert herauslesen.

z.B.: Beinbruch beim Abstieg auf dem Gletscher, Koordinaten 633525/138640.

Diese beiden Zahlen geben den Ort eindeutig an, können aber zur besseren und rascheren Information durch weitere Angaben ergänzt werden:

Höhe :2960 Meter Lokalname:Üssre Baltschiedergletscher Regionalname:Baltschiedertal ( VS ) Wer sich eingehender mit Terrainformen und Kartenlesen befassen will, dem sei das Buch von Prof. Dr. E. Imhof, « Gelände und Karte », zum Studium empfohlen.

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