Wildheuer im Winter

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Von M. Oe.

Am frühen Morgen ziehen die Wildheuer aus, noch ehe der Tag erwacht ist. Sie erleben beim Hinaufsteigen diese Stunde, in der die Nacht mit auflösendem Dunkel sich in den Tag verliert und der Tag mit langsam werdender Helle die Nacht in sich hineinnimmt. Trotz den schweren Hornschlitten, in deren Tragen sie ihre Arme eingehängt haben, und den schweren Heugarnen, die zu Bündeln gebundenen Fischnetzen gleichen, stapfen sie langsam bergwärts, Schritt um Schritt. Unförmig legen sich die aus dickem Filztuch geschneiderten « Überstrümpfe » um Waden und Knie, mit Schnüren festgebunden. Die Schneeflocken bleiben in ihnen hängen und legen sich wie Silbersterne in die Wollhaare. Die Absatzeisen bohren sich bei jedem Tritt tief in den festgestampften Schneepfad.

Die Talberge bleiben zurück.

Wo der Alpweg endet, werden die Schlitten deponiert.

Der Bergwald wird durchstiegen, längs des von Lawinenschnee ausgepflasterten Steilcouloirs, durch das im Sommer der Wildbach schiesst, wenn das Gewitter in den Felsen rumort und das Kies von den Bänken räumt. Nach Stunden, mit der Sonne, die wärmend den Hang bestreicht, erreichen die Männer den kleinen Platz unter dem Felskopf, wo die Heutristen im Herbst aufgetürmt wurden wie grosse Birnen. Ein feiner Duft ist da, es riecht nach Enzian und Klee. Schweigend packen die Wildheuer ihre Lasten vom Rücken: Garne und Seile und Sack. Wie ein Hauch wunderlichen Nebels liegt es um Kopf und Hände: die Wärme der Menschen in der trockenen Kälte der Höhe. Eine Weile der Rast und die Stärkung vor der Arbeit: Brot und Käse und Dürres. Und ein Trank aus der in Wollzeug gepackten Flasche.

Und dann werden die Tristen zerlegt, einer nach dem andern, mit dem Heueisen von den rundlichen Bäuchen « Latz » und « Vogel », zuletzt die viereckigen Klötze des « Specks » geschnitten, um die Heustücke in die Garne zu fassen und fein säuberlich mit dem Füllheu auszustopfen. Nichts bleibt zurück als die Triststangen, die in den Schutz des Felsens gelegt werden, mit Steinen beschwert.

Noch einen Bissen und den Trunk dazu. Derweil ringsum die Stille der Berge sich breitet. Zu Eis ist jedes Wässerlein erstarrt, und Schnee liegt überall. Aus der Taltiefe steigt der feine Dunst und kündet den Spätnachmittag.

Die Männer straffen die Ballen mit den Bindhölzern, schieben sie zu Reihen, drei bis sechs Stück, je nach Form und Grösse, hängen die Arme ins Garn der ersten, rufen ihr fröhliches Jutzen - und in sausender Fahrt geht 's das Couloir hinab zum Schlittenplatz. Wieder werden die Heulasten verteilt, auf die Schlitten, in deren Holmen sich die Männer legen und zu Tal fahren.

So wird Wildheu zum Hof gebracht. Futter fürs Vieh. Duftendes Bergheu! Leckerbissen den Kühen, die es langsam zwischen den Mahlzähnen kauen, als wüssten sie es, dass es duftendes, goldenes Bergheu ist, Wildheu aus sonniger Höhe.

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