Winterliche Besteigung des Hausstocks

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Mit 2 Bildern ( 133, 134Von Rob. Schönbächler

( Zürich ) Immer, wenn wir unsern Blick von hoher Warte aus in die Runde schweifen lassen, sehen wir diesen und jenen Gipfel, Grat oder Punkt, die in uns Erinnerungen und Erlebnisse wachrufen. So ergeht es mir jedesmal, wenn ich die prächtige Pyramide des Hausstocks sehen kann, und je näher ich mich bei derselben befinde, um so deutlicher ruft sie meine Erlebnisse mit dem die Grenze Glarus/Graubünden zeichnenden Markstein in Erinnerung:

Zu später Abendstunde verliessen wir in einer aussergewöhnlich kalten, mondhellen Nacht im Februar 1950 eine der heimeligen, schön geheizten Gaststuben in Elm, deren Frau Wirtin ihr Erstaunen nur schlecht verbergen konnte, als wir ihr sagten, noch zum Panixerpass aufsteigen zu wollen. Die zum Teil hartgefrorene Schneedecke erlaubte meinem Kameraden und mir ein gutes Vorwärtskommen, so dass wir schneller als erwartet im hinteren Sernftal ankamen, wo wir in den Engpass zum Jetzloch abschwenken mussten. Hatte uns bis dahin heller Mondschein begleitet, so war dieser liebe Helfer nun endgültig hinter den Zacken der Tschingelhörner und den Schneegipfeln des Vorab verschwunden. Wir marschierten im dunklen Schatten der vom Panixerpass aufsteigenden steilen Felswände. Wo sonst im Sommer ein gut angelegter Pfad zwischen dem Jetzloch und den Alphütten von Oberstafel vorhanden ist, trafen wir einen nach links stark ansteigenden Schräghang an, dessen Schneedecke windgepresst war und nirgends die geringste Abstufung aufwies. Immer wieder suchten unsere Augen einen Durchgang rechts unten auf dem Passboden oder am gegenüberliegenden, mondbeschienenen Hang, doch rieten uns gefährlich aussehende Felsbändchen von solchen Plänen zum vorneherein ab. Unsere längst losgeschnallten Skis möglichst tief in den Schnee einrammend, passierten wir in angemessenem Abstand und sehr hoch den nicht ungefährlichen Hang, wobei sich dann und wann die oberste, ungebundene Schneeschicht brettartig löste und in die Tiefe rauschte.

Ganz beträchtlich war der Uhrzeiger schon vorwärts gerückt, als dreieckförmige Schatten in Sicht kamen — die Alphütten von Oberstafel. Gleichzeitig tauchte noch etwas anderes, uns nichts Gutes Verheissendes auf: Schneekörnchen wurden vom Panixerpass herabgetrieben Immer stärker, regelmässiger und zahlreicher. Hatten wir ursprünglich im Sinne, auf Oberstafel nur einen kurzen Halt zu machen, so erinnerten wir uns nun unserer Laui-schaufel im Rucksack. Mit höchster Eile legten wir das noch einzige sichtbare Giebelfenster jener Hütte frei, von der mein Kamerad von einer früheren Tour her wusste, dass sie als Notquartier benutzt werden kann. Der Südwind hatte sich inzwischen zu einer solchen Macht entwickelt, dass die schneebeladene Schaufel jeweilen blitzartig reingefegt wurde, wenn diese etwas über das Hüttendach geriet. Glücklich konnten wir aber doch bald mit stabig gewordenen Fingern den Fensterladen aufziehen, unsere Körper durch die kleine Öffnung stemmen und die Füsse im dunklen Hütteninnern hinab-baumeln lassen. Nach weiterem Hinabtasten über eine Holzleiter, deren Streben nicht mehr so ganz vollständig vorhanden waren, langten wir im untersten Raum der Hütte an, allem Anschein nach dem Stall, wo alsbald im brummenden Benzinkocher eine schmackhafte Suppe kochte. Der Anziehungskraft einer herumstehenden, zum Absitzen einladenden Karrette konnte ich nicht widerstehen, doch geriet ich in arge Verlegenheit, als mit meinem gedankenlosen Hinsitzen das Handgriffende eines Tragholmes brach und mit meinem « Hintern » auf dem eingetrockneten Mistboden landete. Was war da zu machen, war unsere nächste Frage, wollten wir doch die stillschweigend vorausgesetzte Gastfreundschaft der uns unbekannten Sennen, die das Ein-stiegfenster ja nicht verriegelt hatten, nicht enttäuschen. Schliesslich kam ich zur Ansicht, dass ich den Vorfall meinem Dienstkameraden auf dem Land-jägerposten in Engi melden solle. So tat ich denn auch einige Tage später und war ganz erfreut, darauf den Bericht zu vernehmen, dass der Besitzer der Hütte für meine Kunde auf alle Fälle danken lasse. Eine Rechnung werde mir im gegebenen Falle zukommen, und ich dürfe die Hausstocktour mit ruhigem Gewissen bald wiederholen. Dass der Alpbesitzer jedoch von seinem Rechte des Rechnungsstellens nie Gebrauch gemacht hat, freute mich und meinen Kameraden ganz besonders.

Nach herrlichem Schlaf in tiefen, warmen Heuhöhlen verliessen wir etwas vor 7 Uhr die uns vertraut gewordene Hütte, traten in ein noch zügiges, aber verheissungsvolles Wetter hinaus und legten unsere Spur in noch unberührten Schnee Richtung Panixerpass. Auf der Passhöhe wurde der ersehnte Blick ins nahe Bündnerland frei. Herrlich glitzerten die Berge vom Rheinwald- und Medelser Gebiet, und ein ausgiebiger Halt auf einer schneefreien, sonnigen Felsplatte liess uns die Erlebnisse in jener Bergwelt erzählen. In freudigster Stimmung ob der einsam-feierlichen Gegend legten wir die 750 m Höhendifferenz bis zum Gipfel des Hausstocks unter wohltuender Sonnenbestrahlung zurück. Eine überaus umfassende Aussicht zeigte uns vom höchsten Punkt aus sozusagen alle markanten Bündner Gipfel. Es war uns, als ob wir uns am Nordportal Graubündens befinden würden. Interessant erschien uns der von dieser Seite aus weniger begangene Vorab, dessen Abstürze in krassem Gegensatz zu dem uns bekannteren Bild der weitläufigen Firne nach der Flimser Seite hin stehen. Auch die Krone des höchsten Glarner Gipfels, des Tödi, sowie die Berge um den Clariden, der Glärnisch mit der uns zugekehrten Guppenseite und die ganz nahe liegenden Kärpfgipfel grüssten als gute Bekannte.

Da sich leider die Uhrzeiger unaufhaltbar vorwärts bewegten, konnten wir keine lange Gipfelrast halten und mussten bald an die Abfahrt denken. Im prächtigsten Pulverschnee des Gipfelhanges zogen wir unsere Kristianias, hin und wieder haltend, um unsere Spuren kritisch zu mustern. Diese schönen Schneeverhältnisse änderten aber immer mehr, bis uns in der Gurgel des Panixerpasses der aufkommende Südwind mit solcher Macht in den Rücken fiel, dass die im Engpass schon am Morgen unregelmässig gewesene Schneedecke immer härter wurde. Uns schien, als werde der gesamte Schneeüberzug fortgescheuert. An den Hängen lösten sich riesige, vom Winde aufgepeitschte Fahnen, die sich wohl erst im Sernftal oder an den gegenüberliegenden Hängen am Kärpf hinlegten. Dazwischen huschten wild drehende « Schnee-rosen » im pfeifenden Sturm über die dünenartig gewellten Schneeflächen. Immer wieder drohte der Wind uns kleine Menschlein umzuwerfen, so dass wir uns selbst mit den Skistöcken gegen die entfachte Naturgewalt anstemmen mussten. Unheimlich wurde es mir zumute, als ich meinen Kameraden sah, der unaufhaltsam mitsamt einer sich ansammelnden Schneemasse an die 15 m über eine zum Glück glatte Felsplatte auf einen Steilhang stürzte und über diesen noch ein ziemliches Stück weit hinabsauste. Glücklich konnten wir aber feststellen, dass es mit einem « Schneemann » sein Bewenden hatte, und noch vorsichtiger setzten wir unsere Abfahrt im Schneewirbeln fort. Wenig mehr interessierte uns die Oberstafelalp — wir wollten fort aus diesem Kessel. In direkter Fahrt traversierten wir den anschliessenden Schneehang, der noch weniger sicher als in der vorhergehenden Nacht geworden war, und an dessen talauswärts gelegenem Ende brachten wir die noch vorhandene Höhendifferenz bis zum Passboden mit knapp bemessenen Schwüngen hinter uns.

Den Abend beschlossen wir in der an der Kärpfseite gelegenen Erbsalp-Skihütte des Skiklubs Elm, wo wir nach langen Versuchen, den Rauch aus der Hütte zu vertreiben, endlich zum Ziele kamen, als das Feuer erlosch... Einen erlebnisreichen Wintertag hatten wir in einem Gebiete erleben dürfen, das noch diesen leider immer seltener werdenden Hauch der alpinen Unberührtheit auszustrahlen vermag. Zufrieden fanden wir bald den wohltuenden Schlaf in der heimelig eingerichteten Hütte auf der Erbser Matt. Zurückschauend erlebten wir nochmals unsere Hausstocktour anderntags, als wir beim Aufstieg zur Kärpfscharte immer wieder unsere Spuren des Vortages erblickten.

Von Milch, Mäusen und anderen Klausen

Von Toni Meyer ( Muri ) Seit einigen Tagen hausen wir selbzweit in der heimeligen Alphütte der Sektion Bern SAC. Das Wetter erlaubt sich die tollsten Kapriolen, so dass wir zum Hüttenleben verurteilt sind. Schnee, Regen, Föhn und gleissender Sonnenschein wechseln kunterbunt miteinander ab. Heute jagt ein warmer Westwind zerrissenes Gewölk übers Niederhorn, und der aufgeweichte metertiefe Frühlingsschnee reizt einen nicht zum Skifahren. Aber wozu weist denn die Hütte einen grossen Stall auf? Wir bewaffnen uns mit Knütteln, suchen eine leere Konservenbüchse, und los geht 's nun mit Feuereifer um den Sieg im Eishockey-Länderspiel Schweiz-England! Während einer halben Stunde klopft und poltert, rumort und schallt es durch den Stall, dass den Mäusen wohl Hören und Sehen vergeht. Die Stalltüren sind die Goals, und Ruhe gibt es erst, als meine Frau mit einem Bombenschuss durchs englische Tor den endgültigen Siegestreffer buchen kann.

Am Nachmittag muss wieder etwas getan werden, und ich entschliesse mich, zu Fuss eine Pirsch zu unternehmen. Ich versichere meiner Frau, nicht eher zurückzukehren, bis ich irgendein Tier tot oder lebendig mitbringen könne. So geht einem alle naturschützerische und ehrfürchtige Einstellung bisweilen zum TeufelMühsam wate ich durch den Schnee, krieche bäuchlings und auf den Knien vorsichtig den Reh- und Gemsspuren nach. Lange verfolge ich eine frische Hasenspur, aber Meister Langohr lässt mich mit meinem Knüttel nicht in die Nähe kommen Nun erspähe ich ein Eichhörnchen. Das muss in meine Gewalt kommen! Wie durch ein Wunder gelingt es mir, es auf eine freistehende Tanne zu jagen. Mit einem Sack auf einem Felsblock auf der Lauer liegend, erwarte ich mit zunehmender Spannung das Herunterklettern des Nagers. Kaum sitzt er im Schnee, lande ich mit einem gewaltigen Sprung kopfvoran bei ihm! Als ich nach langem Sperzen und Pusten endlich wieder Luft und Licht fühle und erwartungsvoll den Sack untersuche, ist der Eicher schon längst im Wald verschwunden! Enttäuscht streiche ich weiter bergaufwärts. Schon geht es langsam dem Abend entgegen. Auf der Laubenbrüstung der oberen Hütte gönne ich mir einen Schnaufhalt und verzehre einen Apfel. Dabei beobachte ich scharf die Umgebung. Da, Mensch, jetzt gilt 's! Direkt unter mir auf dem Schnee...! Nochmals einen gewaltigen Sprung, hinein in den Schnee bis zur Brust, aber jetzt, zugepackt! Nastuch raus, zugeknöpft und hinein ins dunkle Verliess des Hosensackes.

Triumphierend trete ich eine halbe Stunde später in unsere Hütte. Geflissentlich übersehe ich Margrits fragende Blicke auf meine leeren Hände. Heimlich nehme ich in der Küche eine scheinbar unbenutzte Pfanne, lege etwas Speck und Brot hinein, und fertig ist der Mäusezwinger. Während Tagen bleibt nun Nepomuk unser Gefährte. Er hat den Ehrenplatz auf dem Tisch, wird gefüttert und gemästet und vertreibt uns aufs köstlichste die Zeit. Am letzten Tag sagen wir ihm vor einem offenen Mäuseloch an einer aperen Stelle Lebewohl. Einen Augenblick schwankt das Mäuslein zwischen dem mit Wurst garnierten Mäuseloch und der vertraulich nach Mäuseduft riechenden Pfanne, aber die Freiheit lockt I Acht Tage später trete ich wieder in die Hütte. Schon sind Kameraden da. Der Tisch ist gedeckt. Um eine mir ziemlich bekannt vorkommende Pfanne gruppiert, löffeln die acht Kameraden mit Wonne eine neue Maggisuppe: Erbs mit Mäuseduft und Kümmel!

Gemütlich sitzen wir bis spät in die Nacht um den warmen Ofen. Meine Gedanken kreisen wie von selbst um Mäusegeschichten. Ein anderer erzählt von einer weissen Gemse, die Steuri gesehen haben will. Emil berichtet von einem Wiesel auf Sulsalp, das dem Sennen Nacht für Nacht literweise Milch aus dem Milchgeschirr gesoffen habe. Ungläubiges Staunen der Kameraden. Aber hier kann ich Emil unterstützen, habe ich doch selber ähnliches erlebt. Diese kleinen Tierchen müssen unheimlich trinken können. Hat doch einmal meine Frau den Milchkessel auf dem Fensterbrett über Nacht stehen lassen. Es war eine kalte Winternacht, und was glaubt ihr... von den zwei Litern Milch im Aluminiumkesseli sind am Morgen noch sage und schreibe 2 cm vorhanden. Aber auf dem Sims Milchspritzer, an der Kante vorn Eiszäpfchen und gefrorene Milchtröpfchen. Das war ein Wiesel! Denn für ein grösseres Tier war auf dem Sims kein Platz. Am andern Abend, wieder ist 's beissend kalt, kommt der Kessel erneut aufs Gesims. Hinter dem Küchenfenster versteckt lauert meine Frau auf das Erscheinen des durstigen Bruders, während ich in eine Wolldecke gehüllt kauernd im Hag in Deckung gehe. Es schlägt zehn, es schlägt elf, zwölf, kein Wiesel. Es schlägt kurz und bündig eins. Kein Schwanz. Schlotternd krieche ich ins Bett, das meine Frau längst aufgesucht hat. Am Morgen wird 's spät, und schnell muss noch eine Tasse Milch gewärmt werden. Aha, die steht ja noch auf dem Sims. Kessel hereingeholt... unglaublich! Ausgesoffen bis zum Boden! Mit leerem Magen, aber den Bauch voll grimmiger Gedanken fahre ich ins Büro. Heute abend, Wiesel, wirst du mich kennenlernen. Mit knurrendem Gedärm komme ich mittags heim. Mit vielsagendem Blick empfängt mich mein Fraueli, den leeren Milchkessel in der Hand. Hier, schau, ganz zuunterst am Boden, ein winziges Löchli!

Die Mäusesuppe scheint meinen Kameraden gut getan zu haben. Noch will keiner in die Federn. Hoffentlich hat meine kleine Maus warm genug in ihrem neuen Heim und muss nicht Hunger leiden, wie jene vor ein paar Monaten. Suchte ich da im Keller einen Blumentopf. Der kleinste war gerade recht, und ich legte die andern, schön einen in den andern steckend, auf die Apfelhurde. Nach einigen Wochen mache ich im Keller Ordnung. Plötzlich fällt mein Blick auf den kleinsten Blumentopf. Eine Maus steckt im Luftloch des Bodens. Kopf, Vorderbeine und Brust aussen, Hinterteil innen, zwischen den Töpfen. Verhungert in qualvoller Lage, wohl tagelang vergeblich bemüht, den dickeren Hinterteil durch das 8 mm grosse Löchlein durchzubringen! Nichts ahnend hatte ich sie dort eingesperrt.

Die Alpen - 1952 - Les Alpes30 Ein andermal sass ich im Dienst an einem Alpsträsschen auf einem Klafter Holz. Ich hörte etwas piepsen und sah gleich darauf ein Wiesel mit lustigen Äuglein auf das Holz hüpfen. Eifrig spähte es umher An der Kante vorn stutzte es plötzlich. In der gleichen Sekunde sah auch ich es: eine dicke, fette Maus sprang über den Waldboden davon. Das Wiesel in elegantem Sprung hinunter, ein kurzer Zwischenhüpfer, und schon gruben sich seine spitzen Zähne in den Nacken der überraschten Maus. Ein kurzer Todespfiff, während sich Maus und Wiesel übereinanderkugelnd über den Boden rollten. Aber schon wurde das Wiesel Meister und trug nun mit hocherhobenem Kopf, die Äuglein voller Mordgier, die Maus zurück zur Holzbeige. Hüpfte gar über meinen Schuh, ohne mich in seinem Rausch zu sehen. In einem Loch zwischen den Spalten verschwand es mit der Beute, und ich wagte wieder zu atmen.

So ist das Leben! Einmal packt man zu, ein andermal wird man selbst gepackt! Einmal geht es lustig, einmal traurig oder ein andermal vielleicht auch komisch zu. Hinter einem dicken Tannast verborgen schlich ich im Könizwald einmal drei Rehe an: Der Wind streicht günstig gegen mich, und ich komme bis auf vier Meter an die Tiere heran. Sie sind nichts ahnend, knabbern an Blättern und dösen vor sich hin. Plötzlich gibt ein Hund, auf der Verfolgung eines Wildes, Laut. Die Rehe werden ganz wach. Lauschend verharren sie; jeder Muskel erscheint gespannt. Doch das Gekläff verzieht sich. Die Rehe beruhigen sich sichtlich. Doch, ganz in der Nähe knackt ein Zweig. Die drei Köpfe schnellen herum, fluchtbereit, erschreckt und in höchster Alarmbereitschaft. Struppig und verschwitzt hoppelt unverhofft ein kleiner Hase mitten in die Dreiergruppe hinein, stoppt überrascht, schlägt einen Haken und verschwindet im Unterholz. Mit einem geradezu hörbaren Stossseufzer der Erleichterung verwandelt sich der Ausdruck der Schreckstarre meiner drei Rehe in ein Lächeln und, wie verabredet, äugen alle dem kleinen Kerl verwundert nach. Ganz deutlich höre ich eines brummen « Da Chlous, eim e so ga erchlüpfe! » Doch zurück zu unseren Mäusen. Sitzt da einmal im Kuhberg im Gantrischgebiet ein Tourist gemütlich beim Senn in der Hütte. Spät kriechen sie ins Heu, aber die Mäuse haben scheint 's keinen Schlaf und huschen bald hier, bald dort herum, so dass unser Mann mit Sehnsucht den Morgen herbeiwünscht. Er packt den Sack, verkorkt die Feldflasche mit der am Abend eingefüllten kräftigen Alpenmilch und wandert fröhlich Richtung Gantrisch. Hie und da wird Halt gemacht und die Flasche zur durstigen Kehle geführt. Leider scheint das Getragenwerden der Milch nicht gerade gut zu bekommen, sie will nicht mehr recht fliessen. Doch mit Schütteln geht 's jeweils wieder. Auf dem Gipfel setzt er die Flasche zum wohlverdienten Schlusstrunk an. Freilich, er muss etwas mit Saugen nachhelfen, bis ein grosser Schluck im Munde ist. Aber, o Höllenpech, nun geht 's da nicht mehr weiter; denn: Milch schlucken, mit einer ersäuften Maus auf der Zunge, und einem Mäuseschwänzchen ums Halszäpfchen — wer macht das vor?

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