Zwanzig Jahre Alpinismus — ein Rückblick

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Alpinismus -ein Rückblick

Claude Remy, Jaman

1970: Dougal Haston in der Annapuma-Südwand ( 8078 m ) oberhalb Camp IV 19 Bis zum Ende der sechziger Jahre unseres Jahrhunderts war der klassische Alpinismus in der Alpenwelt die Regel. Damals bestand das Ziel darin, den Gipfel zu erreichen; gelang dies nicht, so galt das als Misserfolg. Man bestieg zu jener Zeit die Berge mit einer Ausrüstung und einer Kenntnis der Gegend wie auch der alpinen Probleme, die eine bestimmte Verhaltensweise und eine vorsichtige Einschätzung der - von den heutigen sehr verschiedenen -Situationen zur Folge hatten.

Die sechziger Jahre gehören noch zur ( mythischen ) Periode des Alpinismus, in der allein Unfälle die Aufmerksamkeit der Medien wecken. Jene Kletterer, die sich ausschliesslich der Felskletterei widmen, bilden eine sehr kleine Minderheit. Andererseits ist es das Vorrecht einiger weniger , im Himalaya den höchsten Bergen der Welt die Stirn zu bieten. Sie werden für Expeditionen ausgewählt, die verhältnismässig schwerfällig sind ( zahlreiche Personen, umfangreiche Ausrüstung ) und bei denen ein übertriebenes Nationalbewusstsein oft eine grosse Rolle spielt.

Wenn man nur einen Namen für das Ende der sechziger Jahre nennen sollte, so müsste es der von Reinhold Messner sein.

1969 R.M.essner eröffnet neue extreme Anstiege und bewältigt im Alleingang einige der grössten Routen in den Dolomiten; es seien hier nur die Philipp-Flamm-Verschneidung und die Vi-natzer-Route an der Marmolada genannt.

Im Montblanc-Massiv gelingt es diesem aussergewöhnlichen Menschen, die alpine Tradition völlig durcheinanderzubringen. Er durchsteigt allein, in 8.30 Stunden, die vergletscherte Nordwand der Droites. Eine Leistung, die zu jener Zeit, in der alles relativ langsam geschieht, unvorstellbar ist ( zwei der drei vorangehenden Seilschaften hatten mehrere Tage in dieser Wand zugebracht ). Danach wendet sich R.M.essner dem Himalaya zu.

Die siebziger Jahre sind eine Zeit des Tastens, in der sich die verschiedenen Formen des Alpinismus nach und nach deutlicher abzeichnen und selbständig werden: Felsklettern und seine Varianten, alpine Aufstiege im Eis oder in kombiniertem Gelände, Expeditionen in fremde Länder.

1970 Im Himalaya gelingt einer britischen Expedition unter Führung von Chris Bonington die Erstbesteigung der gefürchteten Südwand des Annapurna. Dougal Haston und Don Whillans erreichen den Gipfel.

In den USA durchsteigt John Stannard den überhängenden Foops-Riss in den Shawangunk ( Klettergarten bei New York ). Diese Kletterroute ist zwar kurz, aber ungewöhnlich, weil sehr anstrengend und technisch anspruchsvoll. Sie sprengte den Rahmen des damals Üblichen bei weitem. Zugleich ist sie die schwierigste Route jener Zeit: ( französisch ) 7a!

Diese Leistung war möglich dank eines darauf abgestimmten intensiven, regelmässigen Trainings. Dabei werden über eine lange Periode verteilt mehrere Durchsteigungsversu-che unternommen, womit erstmals das Freiklettern auf hohem Niveau deutlich in Erscheinung tritt.

Weiter ist aus den siebziger Jahren das -weitgehend mit technischen Hilfsmittel praktizierte - Klettern an den der USA zu erwähnen, das in der Gilde der Kletterer und in den Alpinismus- und Kletterzeitschriften auf grösstes Interesse stösst. Nennen wir Warren Harding und Dean Caldwell, die ohne Unterbrechung 27 Tage in der Wand des El Capitan ( Yosemite; 900 m Höhenunterschied ) zubringen, um eine Route zu eröffnen, und dabei 300 Löcher für Fortbewegungshaken von Hand bohren.

In Südamerika, auf dem Südostgrat des Cerro Torre ( Patagonien ), bohrt eine italienische Mannschaft unter Führung von Cesare Maestri ebenfalls zahlreiche Löcher ( allerdings mit Hilfe eines Kompressors !), um den Gipfel zu erreichen.

1971 Im Winter 1971 versuchen Serge Gousseault und René Desmaison eine neue Route in der Nordwand der Grandes Jorasses. Fast gelingt der Aufstieg, die beiden Alpinisten kommen bis auf weniger als hundert Meter an den Gipfel heran. Doch dann stirbt S. Gousseault im Sturm an Erschöpfung. R. Desmaison wird einige Tage später, nach 342 Stunden in der Wand, von einer Rettungsmannschaft geborgen. Ein dramatisches Unternehmen, dem die Medien grosse Aufmerksamkeit schenken. Die Begehung dieser Route gelingt dann im Winter 1973 R. Desmaison, Michel Ciaret und Giorgio Bertone.

Die Technik des Eiskletterns wird verbessert. Man beginnt, Eiswände und -couloirs zu durchsteigen, ohne Stufen zu schlagen, indem man die Frontzackentechnik einsetzt, das heisst, mit Steigeisen und in jeder Hand einem Eispickel oder -hammer vorgeht. ( Diese Methode wurde Ende der sechziger Jahre in Schottland von Bill March und John Cunningham entwickelt, dann von Yvon Chouinard in den USA und dem Franzosen Walter Cecchinel in Chamonix verbessert. ) Im Himalaya gelingt einer von Robert Paragot geführten grossen französischen Expeditionsgruppe die Besteigung des sehr schwierigen Westpfeilers des Makalu ( 8643 m ). Bernard Mellet und Yannick Seigneur erreichen den Gipfel.

1972 R. Desmaison führt in drei Tagen die erste Alleinbegehung des gesamten, sehr langen und schwierigen Peuterey-Grates am Montblanc durch.

Vom 22. bis zum 26. Dezember durchklettert eine von Y. Seigneur geführte Equipe ebenfalls diesen Grat, womit ihr dessen Winter-Erstbegehung gelingt.

1973 Bruce Carson und Yvon Chouinard begehen die Nose-Route am El Capitan ( Yosemite ) ohne Kletterhammer und ohne Anbringen zusätzlicher Haken. Sie geben damit dem System

John Bragg überwindet in Freikletterei die Dachroute von Kansas City in den Shawangunk; wieder eine Kletterei, die ihrer Zeit voraus ist: 7bc.

Am 31. Dezember ist die Erstbegehung des Nordostcouloirs des Dru in Chamonix nach vier Tagen gelungen. Mit ihr erheben Claude Jaeger und W. Cecchinel die neue Eistechnik, die Frontzackentechnik, auf den ihr gebührenden Rang.

1974 Die Amerikaner Henry Barber und Steve Wunsch klettern regelmässig, und zwar fünf bis sechs Tage pro Woche während des ganzen Jahres. Diese ersten Vollzeit-Amateure ergänzen ihr tägliches Kletterpensum durch gymnastische Übungen. Im Fels versuchen sie sich oft während mehrerer Tage an Schlüsselstellen, wobei sie es ablehnen, auf technische Hilfsmittel zurückzugreifen. Henry Barber mit dem Übernamen fördert das moderne Klettern durch seine ( Kletterreisen ) in zahlreiche Länder. Steve Wunsch, der als Prophet des Purismus auf dem Gebiet des Kletterns gilt, durchklettert die Route Super-crack ( 7bc ) in den Shawangunk.

Christophe Profit bei seiner Solobegehung der Route ( Directe américaine ) in der Westwand des Dru 1982 In Grossbritannien, im nördlichen Wales, begeht Peter Livesey nach einer Erkundung von oben den berühmten Right Wall ( 7a ) von Dinas Cromlech.

Die erste Besteigung eines Achttausenders durch Frauen - des Manaslu - gelingt einer Gruppe von Japanerinnen.

1975 Einer von C. Bonington geleiteten englischen Expedition gelingt die Erstbesteigung der sehr begehrten Südwestwand des Everest. Dougal Haston und Doug Scott erreichen den Gipfel.

Im selben Jahr, doch in Form einer Leichtexpedition von nur zwei Personen, besteigen R.M.essner und Peter Habeler den Hidden Peak. Damit ist zum ersten Mal die Besteigung eines Achttausenders im klassischen alpinen Stil ohne Unterstützung durch eine Mannschaft und ohne Sauerstoffmaske gelungen.

Jean-Marc Boivin und Patrick Gabarrou durchklettern das Super-Couloir am Mont Blanc du Tacul. Damit beginnt die systematische Erschliessung der Eiswände und Couloirs der Alpen in Frontzackentechnik. Sie macht seitdem die Durchsteigung sozusagen jeder, selbst einer senkrechten oder überhängenden Eiswand möglich!

Jim Bridwell, Bill Westbay und John Long bewältigen die Nose-Route am El Capitan ( Yosemite ) in einem Tag in fünfzehn Stunden. Sie beweisen damit, dass Klettern in hohen Schwierigkeitsgraden in einem möglich ist.

Riccardo Cassin In der Nordwand des Everest anlässlich der < Blitzbesteigung > durch Jean Troillet und Erhard Loretan 1976 Beginn des Felskletterns in den , den grossen Felswänden, des Himalaya: Die Engländer Mo Anthoine, M. Howells, Martin Boysen und der unermüdliche Joe Brown ( eine legendäre Gestalt des englischen Kletterns ) eröffnen eine elegante Route in der Südwestwand des Trango-Turms im Baltoro ( Karakorum ). Sicher, für die erste Besteigung dieses stolzen Gipfels werden fixe Seile angebracht, doch die Idee des Felskletterns mitten im Himalaya ist damit geboren.

In den USA gelingt Ron Kauk die Route Separate Reality, die erste Durchsteigung eines horizontalen Daches im Schwierigkeitsgrad 7bc.

1977 Im Juni führt der Italiener Renato Casarotto in 14 Tagen die Solo-Begehung einer beeindruckenden Route in der Nordwand des Huascaran ( peruanische Anden ) durch.

Zwei britische Kletterer, Peter Livesey und Ron Fawcett, begründen die Herrschaft des Freikletterns auf dem Festland. Sie gelten zu ihrer Zeit als die weitbesten Kletterer. Im Frühling dieses Jahres klettern sie in den Gorges du Verdon ( Südfrankreich ), deren Felsabstürze noch von einem Mythos umgeben sind. Die beiden Gefährten begehen Routen völlig frei, die bis dahin noch nie vollständig auf diese Art durchstiegen wurden. Von nun an nimmt der Gedanke des ausschliesslich freien Kletterns zunehmend klarere Formen an.

1978 Auch in der Schweiz bewegt sich etwas in Klettererkreisen. Doch besteht hier eine enge Verbindung zwischen Alpinismus und Freiklettern, was verständlich ist, wenn man die Bedeutung der alpinen Umwelt in unserm Land kennt. So gelingt Hans Howald die freie Begehung des Salbitschijen-Westgrates, womit der 7. Schwierigkeitsgrad ( nach der UIAA Skala ) im Gebirge erreicht wird.

Während des Winters 1977/78 führt der Franzose Yvan Ghirardini die Solo-Besteigung der drei grossen Nordwände der Alpen - Eiger, Matterhorn, Grandes Jorasses - durch.

Im Himalaya gelingt R.M.essner und P. Habeler die erste Besteigung ohne Sauerstoffmaske des Everest ( 8848 m ), des höchsten Punkts der Erde. Sie brechen damit endgültig das Höhen-Tabu. Im gleichen Zug steigt R.M.essner im Alleingang und ohne Unterstützung über eine neue Route durch die Diamir-Flanke am Nanga Parbat ( 8125 m ). Eine ebenso phantastische wie wegweisende Leistung im Reich der Achttausender.

1979 Im Februar gelingt R. Casarotto die Erstbesteigung des Nordpfeilers des Fitz Roy ( Patagonien ). Nur wenn man die Abgelegenheit des Gebietes und die dortigen klimatischen Bedingungen kennt, so kann man die Bedeutung dieser Besteigung ermessen.

Die italienische Seilschaft Gianni Cornino und Gian-Carlo Grassi wendet sich dem extremen und grossen objektiven Gefahren ausgesetzten Eisklettern zu. Die beiden ersteigen die Gletscherabbrüche der Montblanc-Süd-ostwand, zum Beispiel das zentrale Couloir vom Col Maudit oder des Col de la Poire. Wenig später stirbt G. Cornino beim Versuch, eine neue Route dieses Typs im Winter allein zu begehen, als Opfer seiner eigenen Verwegenheit.

Den unteren 10. Schwierigkeitsgrad ( nach UIAA ) im Freiklettern ( franz. 8a ) erreicht Tony Yaniro, der, nach Vorarbeit, die Route Great Illusion von Sugar Loaf ( Kalifornien ) durchklettert. Wieder eine Leistung, die ihrer Zeit weit voraus ist, handelt es sich doch um die in jener Epoche weltweit schwierigste Route. Drei Jahre später braucht der Deutsche Wolfgang Güllich eine Woche für die Wiederholung.

In Frankreich beginnt man, in glatt und kompakt wirkenden Platten sog. Spits ( Bohrhaken ) zu setzen. Dieses Vorgehen eröffnet neue ( Spielplätze ) mit ungezählten Möglichkeiten, zugleich breitet sich damit eine Art des Kletterns mit begrenztem Risiko aus. Diese zunächst im Süden Frankreichs ( vor allem in den Gorges du Verdon ) zu beobachtende Erscheinung hat international entscheidenden Einfluss.

In der Zwischenzeit nimmt Patrick Berhault, auch er eine Ausnahmeerscheinung, die schwierigsten Routen der Alpen in Angriff. Vor allem in Chamonix pulverisiert er im Alleingang alle bisher üblichen Aufstiegszeiten. In jedem Gelände - Eis, Fels oder kombiniert - Wie weit werden sich die Schwierigkeiten im Freiklettern noch vorantreiben lassen?

S.24: Patrick Berhault in der Route

In Ostdeutschland, im Eibsandsteingebirge, eröffnet der sehr aktive Kletterer Bernd Arnold die Direkte Superlative unter Bedingungen, die zu den strengsten der Welt gehören: anstrengende und ausgesetzte Kletterei, begrenzte Sicherung ( die ausserdem nicht immer sehr zuverlässig ist ), Häufung von hochgradigen Schwierigkeiten im Fels.

In den achtziger Jahren entwickelt sich das

1980 Im Januar/Februar gelingt einer von Andrej Zawada geleiteten polnischen Expedition die erste Winter-Besteigung des Everest. Cichi und Wielicki erreichen den Gipfel bei -50 °C!

Zwanzig Jahre nach seiner ersten Besteigung des Nordostgrates des Dhaulagiri ( 8167 m ) organisiert der Schweizer Max Eiselin eine kommerzielle Expedition zu diesem Massiv, die Kunden offensteht. Sie ist von Erfolg gekrönt, 14 der 17 Teilnehmer erreichen den Gipfel.

Am Matterhorn realisiert J.M. Boivin eine schöne Kombination verschiedener Sportarten ( und einen Film ): einen schnellen Aufstieg über die Nordwand, einen Deltaflug vom Gipfel und eine Skiabfahrt über die Ostwand vom Mummery-Band aus.

1981 Das ( industrielle Zeitalter ) des Kletterns beginnt anlässlich der von einem Wirtschaftsun-ternehmen in Konstein ( Bayern ) organisierten ersten Versammlung von Kletterern hohen Niveaus. Europa konstatiert wieder einmal den Vorsprung Amerikas. Zur gleichen Zeit entdeckt es John Bachar, den Star aus Übersee, den Meister des Extremkletterns und des Soloing.

In den Alpen erlebt man das Aufblühen des modernen Felskletterns, der Übertragung der in reinen Felsgebieten ( z.B. denen der Gorges du Verdon ) angewendeten Techniken auf die Wände des Hochgebirges: Eröffnung zahlreicher Routen, Ausrüstung mit zuverlässigen fixen Sicherungen. In Chamonix macht Michel Piola Schule; in der Zentralschweiz eröffnen -nach der Periode von Hans Howald - die Brüder Claude und Yves Remy zunächst das Eldorado an der Grimsel, dann Routen in den umliegenden Massiven und rüsten sie aus.

Die erstaunlichste alpine Leistung dieses Sommers wird in Chamonix vollbracht: An einem herrlichen Tag verbinden P. Berhault und J.M. Boivin die Südwand der Aiguille du Fou und die Directe américaine an der Aiguille du Dru, den Übergang bewerkstelligen sie elegant mit einem Deltaflug! Mit diesem Unter- nehmen ist eine Periode zahlreicher, immer kühnerer Aneinanderreihungen von Routen in den Alpen eröffnet.

1982 R. Casarotto widersetzt sich der Mode der zunehmenden Geschwindigkeit. Wo er auch hingeht, entscheidet er sich für die Technik des Himalaya-Bergsteigens, denn er liebt das Gebirge und ist der Meinung, um es zu geniessen, seien mehrere Tage nötig! So führt er als Alleingänger und völlig unabhängig während 15 Tagen eine beispiellose Aneinanderreihung von Touren aus. Sie führt ihn über die Westwand der Aiguille Noire de Peuterey, die Voie Gervasutti an der Pointe Gugliermina und den Pilier Central de Frêney zum höchsten Punkt der Alpen, zum Montblanc.

Eric Escoffier und Daniel Lacroix verbinden in einem Tag zwei grosse Routen am Dru: die Directe américaine und den Pilier Bonatti!

Roger Fillon ersteigt die Nant-Blanc-Wand an der Aiguille Verte. Auf dem Gipfel öffnet er seinen Klettersack, nimmt ein Stück Stoff heraus, breitet es aus und fliegt in einigen Minuten hinunter nach Chamonix. Einige Tage später wiederholt der ( fliegende Verrückte ) das Spiel vom Gipfel des Montblanc.

Die Einführung des Gleitschirmfliegens eröffnet neue Perspektiven in der Alpenwelt. Allerdings muss man sich dafür mit einigen zusätzlichen und ziemlich umfangreichen Kilos belasten, ausserdem sind für den Start ein geeigneter Hang und der richtige Wind nötig.

Christophe Profit führt in vollkommenem Alleingang eine der Directe américaine in der Westflanke des Dru durch. Das sind tausend Meter mit grossen Schwierigkeiten ( bis zu 6c ), die er in 3.10 Stunden bewältigt. Eine erstaunliche Leistung, die später in einem Film nachgezeichnet wird.

Patrick Edlinger - mit den Übernahmen de blond ) und d' homme araignéeist der neue Star des Freikletterns. Er kommt in Filmen bestens zur Geltung, zunächst in La vie au bout des doigts, dann in Opéra vertical. Man sieht ihn, an seinen Händen hängend, in einem Überhang, den Körper völlig im Leeren, dann am kleinen Finger einer Hand Klimmzüge ausführen oder auch solo, mit blossen Fussen, die Voie Débiloff ( 6c ) in den Gorges du Verdon begehen.

Das grosse Publikum ist endlich für diese neuen Freiluftsportarten gewonnen. Es ist der entscheidende Anstoss für zahlreiche neue Anhänger, ebenso auch für die Medien und Sponsoren.

1983 Im Winter dieses Jahres verbindet C. Profit in einem Tag drei Wände im Montblanc-Mas-siv: die Droites, die Aiguille de Talèfre und den Linceul in den Grandes Jorasses. Das ist nur ein Vorspiel.

Eine Schweizer Expedition reiht drei benachbarte Achttausender aneinander: Gasherbrum I und II, dazu den Broad Peak. Drei der Teilnehmer, Erhard Loretan, Marcel Rüedi und Jean-Claude Sonnenwil, erreichen nacheinander in alpinem Stil diese drei Gipfel.

In diesem Jahr gibt es aber auch einen eigentlichen Boom des Kletterns. Klettergebiete, Routen und Spits vervielfachen sich, dies vor allem im Süden Frankreichs, eines wegen der starken Besonnung, der guten Felsqualität und der kurzen Wege zu den Kletterwänden sehr geeigneten Gebiets. Diese Situation hat einen massiven Zustrom neuer Kletterer zur Folge, die ihre eigenen Methoden anwenden. So ändern sich die Regeln, während die Franzosen ihren Rückstand gegenüber den Amerikanern aufholen. Einige unter ihnen werden professionelle Vollzeit-Kletterer, so ihr Anführer Patrick Edlinger.

1984 Im Himalaya eröffnen die beiden Katalanen Nili Bohigas und Enric Lucas in alpiner Technik ( das heisst in Form einer Leichtexpedition und ohne fixe Seile ) und mit einem zehntägigen totalen Einsatz eine 2000 m lange, aussergewöhnliche Route in der Südwand des Annapurna ( 8091 m ).

Triumphzug des Briten Jerry Moffat durch die französischen Klettergebiete: Der brillante Kletterer bewältigt die schwierigsten Routen Frankreichs, sowohl an als auch in Klettergärten und Wänden. Er begeht Routen des Grades 7c on sight, das heisst ohne Erkundung und Vorbereitungsarbeit.

1985 Am 6. und 7. Juli findet in Bardonnecchia ( Italien ) der erste westeuropäische Kletterwettkampf statt. Sieger sind der Deutsche Stefan Glowacz bei den Herren, bei den Damen die Französin Catherine Destivelle.

Im Prinzip schliesst ein Wettkampf jeglichen Betrug durch die Teilnehmer aus. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es möglich ist, durch die Art der Einrichtung einer Route ei- nen bestimmten Kletterertypus, also Gestalt-typus, oder einen Kletterstil zu begünstigen.

Der 24. Juli ist ein Markstein in der Geschichte des Alpinismus: C. Profit verbindet im Alleingang in einem einzigen Tag von 23.30 Stunden die drei bekanntesten Nordwände der Alpen, Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses, wobei ihm für den Wechsel von einem Massiv zum andern ein Helikopter zur Verfügung steht. Eine grossartige, von den Medien eingehend gewürdigte Leistung.

1986 Der Jugoslawe Torno Cesen begeht solo, im Winter und ohne Unterstützung die Trilogie Eiger - Matterhorn - Grandes Jorasses. Er fährt im Wagen von einem Massiv zum andern und bewältigt die drei Wände in einer Woche. Eine ungewöhnliche Leistung und ein schönes Lehrstück zum Thema Autonomie!

Eine weitere erstaunliche Leistung vollbringen E. Loretan und André Georges mit der Aneinanderreihung der Gipfel der ( Couronne impérial ) von Grächen bis Zinal in den Walliser Alpen. Einem langen Grat folgend besteigen sie im Lauf von 18 Wintertagen ( 14. Februar bis 4. März ) 38 Gipfel, darunter 30 von mehr als 4000 m Höhe. Lebensmittelnachschub erhalten sie per Helikopter.

E. Loretan und Jean Troillet führen eine Blitzbesteigung des Everest ( 8848 m ) über den Nordhang durch: Hin- und Rückweg in anderthalb Tagen, einschliesslich eines Abstiegs in Form einer Rutschpartie auf dem Hosenboden!

J.M. Boivin und A. Georges verbinden innerhalb eines Tages zwei grosse Routen der Walliser Alpen: die Direttissima des Nordgrates der Dent Blanche und die Gogna-Route in der Nordwand des Matterhorns.

Im Himalaya ist es R.M.essner, unabhängiger denn je, als erstem Menschen gelungen, alle 14 Achttausender der Erde bestiegen zu haben. Der Tod von 13 Bergsteigern am K2 ( Karakorum ) ruft die Gewalt des Gebirges und seiner Stürme in Erinnerung.

1987 Der Plan, Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses im Alleingang und im Winter innerhalb eines Tages aneinanderzureihen, führt zu einem hartnäckigen Wettstreit zwischen E. Es- coffier und C. Profit. Am 12. März nimmt der mit Zurückhaltung und Sorgfalt vorgehende Christophe die Nordwand der Grandes Jorasses über den Felssporn der Pointe Croz in Angriff, fliegt vom Gipfel mit dem Gleitschirm zu Tal, darauf bringt ihn ein Helikopter an den Fuss des Eiger, den er besteigt, vom Gipfel wird er wieder per Helikopter bis zum Fuss des Matterhorns gebracht, an dem er die Trilogie nach insgesamt 42 Stunden grossartig abschliesst. Eine ausserordentliche, von den Medien stark beachtete Leistung.

In den 1980er Jahren eröffnet der Gleitschirm für den Alpinismus neue Möglichkeiten. Christophe Profit ist eben vom Gipfel der Aiguille Verte gestartet; im Hintergrund die Grandes Jorasses und der Dent du Géant.

Christophe Profit bei sei- r'nem Alleingang in der Nordwand der Grandes Jorasses In den USA bewältigt Peter Croft im Alleingang und in Rekordzeit drei bedeutende und lange Routen im Yosemite, nämlich Astroman, Rostrum und Nabisco, mehr als 1000 m im Schwierigkeitsgrad 6c-7a.

Vielleicht eine der grössten Leistungen dieses Jahres, wenn nicht in der gesamten Geschichte des Alpinismus, vollbringt Riccardo Cassin. Ja, tatsächlich, R. Cassin wiederholt im Alter von 78 Jahren in Begleitung seiner Freunde aus Lecco die Besteigung der Nordostwand des Piz Badile, den er 1937 als Erster bestiegen hatte! Wer kann sich einer gleichen Leistung rühmen?

Im Herbst findet die Tatsache, dass sich die Alpinisten-Gemeinschaft der Notwendigkeit eines Schutzes der Alpen bewusst geworden ist, greifbaren Ausdruck: In Italien wird die internationale Bewegung Mountain Wilderness gegründet.

1988 Den Amerikanern Paul Piana und Todd Skinner gelingt die freie Begehung der Salathe-Route am El Capitan ( Yosemite ). Sie ist mit über 900 m Länge und Passagen des französischen Grades 8a zu jener Zeit sicher die schwierigste der langen Kletterrouten der Welt. Mehr als 30 Tage waren für ihre Bewältigung nötig!

Am 3. Juli fährt der Franzose Pierre Tardivel auf Ski über die eindrucksvolle Nordostwand des Grand Pilier d' Angle am Montblanc ab. Auch wenn es zweimal nötig war abzuseilen, hat die Leistung Spezialisten dieses Gebietes verblüfft.

Im Herbst gelingt den Deutschen Wolfgang Güllich und Kurt Albert im Himalaya, am Nameless Tower des Trango, die in dieser Höhe ( über 6000 m ) schwierigste Freikletterroute. Sie durchsteigen die jugoslawische Route von F. Knez, die z.T. in künstlicher Kletterei eröffnet worden war, und begehen damit 7b-Pas-sagen in einer Umgebung, die sich für Freikletterei wenig eignet.

Ebenfalls im Herbst Triumph und Tragödie am Everest ( 8848 m ): Einer kleinen Leichtexpedition von vier Tschechoslowaken mit äusserst beschränkter Ausrüstung gelingt die Erstbesteigung in alpiner Technik der Südwestwand des Everest ( britische Route von 1975 ); auf dem Rückweg finden sie knapp unterhalb des Gipfels den Tod.

Winter 1988/89 Im Himalaya besteigt der kräftige Pole Krzysztof Wielicki am 31. Dezember 1988, also im Winter, den vierthöchsten Berg der Welt, den Lhotse ( 8501 m ), und zwar vom Camp IM auf 7400 m an im Alleingang.

C. Profit - natürlich er - führt die erste winterliche Solo- des gesamten Peuterey-Grates am Montblanc durch, und das in der erstaunlichen Zeit von nur 19 Stunden!

E. Loretan und A. Georges reihen innerhalb von 13 Wintertagen die Besteigungen von 13 sehr schwierigen Wänden im Berner Oberland, unter ihnen die Eigernordwand, aneinander.

T. Cesen führt die erste Solo-Begehung im Winter ( 23. Januar ) einer der schwierigsten langen Felsrouten der Alpen durch, der Route Moderne Zeiten an der Marmolada ( Dolomiten ): sieben Stunden Kletterei für 800 m im Grad 6bc!

1989 T. Cesen durchsteigt im Alleingang die Nordwand des Jannu ( 7710 m ) im Himalaya, eine äusserst lange, schwierige und beeindruckende kombinierte Route, die absoluten Einsatz fordert. Ein Beispiel besten Alpinismus!

W. Güllich und K. Albert eröffnen, wieder am Nameless Tower des Trango, links der Route von Knez eine neue mit Passagen im Schwierigkeitsgrad 7bc. Es handelt sich um die zu dieser Zeit schwierigste Felskletterei im Himalaya.

Am 23. Oktober stürzt im Himalaya 150 m unter dem Gipfel des Lhotse ( 8501 m ), als einer polnischen Expedition die Erstbesteigung über die Südwand gerade gelingt, der grosse Bergsteiger Jerzy Kukuczka zu Tode. Auch er hatte, wie R.M.essner, die 14 Achttausender der Erde bestiegen und gehörte unbezweifel-bar zu den grössten Alpinisten seiner Generation.

Quellen Zeitschriften Mountain ( GB ), 1969-1989 Montagnes magazine ( F ), 1978-1989 La Montagne ( F, CAF ), besonders Heft 2/1988, S. 52-65: Deck, C,

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Ein Berg im Spiegel seiner alpinen Geschichte Albert Schmidt, Engi GL

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