Alpine Unglücksfälle 1901

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Meiner diesjährigen Statistik alpiner Unglücksfälle liegt eine andere Einteilung zu Grunde als bisher, was insofern keine nachteiligen Folgen für künftige Benutzung haben wird, als für die vorhergehenden zehn Jahre eine zusammenfassende Darstellung in der Arbeit von Dr. Kürsteiner ( siehe oben pag. 277 ) vorliegt. Ich habe mich veranlaßt gesehen, die auf Wintertouren vorgekommenen Unglücksfälle abzuscheiden, gleichviel, ob sie im Mittel- oder im Hochgebirge vorgekommen sind, und aus ihnen eine besondere Gruppe zu bilden. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, sind auch von Dr. Kürsteiner angedeutet worden. Auch Herr Gustav Becker in Karlsruhe nimmt in seinen Besprechungen der Hochalpenunfälle jeweilen diese Scheidung vor. Man vergleiche seine neuesten Beiträge in den M. D. Ö.A.V. 1902, Nr. 6, 7 und 8. Ich habe denselben einige Winke und Nachweise entnommen, bin aber sonst bei meiner bisherigen chronologischen Darstellungsweise geblieben und verzichte auch darauf, die Fälle nach ihren Ursachen oder sachlichen Verschiedenheiten zu gruppieren. Meine Kritik muß man zwischen den Zeilen herauslesen, und sie ergiebt sich meistens schon aus den Thatsachen, wenigstens für sachverständige Leser, die ich bei diesem Jahrbuche voraussetze. In der Anordnung habe ich die hochalpinen Fälle zuletzt gesetzt, um die Vergleichung mit der Beckerschen Statistik zu erleichtern. Ich stimme aber in der Zuteilung nicht immer mit jener überein, doch sind meine Abweichungen reiflich erwogene. Weggelassen habe ich, wie früher, alle Unfälle, die nicht tödlich verlaufen sind, die Abstürze beim Blumen-, namentlich Edelweißpflücken, oder auf Spazierwegen, das Erfrieren dreier Frauen aus dem Fassathal beim Überschreiten des Sellajochs am 21. Februar, die Verschüttung italienischer Arbeiter durch Lawinen auf dem Misoxer-paß am 11. Mai und ähnliche nicht wirklich alpine, d.h. Führern und Touristen bei Ausübung bergsteigerischer Thätigkeit zugestoßene Unfälle. Der Absturz von Dr. Jan bei der Kleckalpe ( Triglavgebiet ) ist ein „ verschleierter Selbstmord ", der am Wetterhorn verschollene Fritz Boß ist durch ein Jagdunglück umgekommen, die Abstürze des Archidiakon Pelham Burn bei der Rückkehr von der Croda di Lago und des Direktors P. Peyrer vom Lugauer erfolgten erst nach dem durch Herzschlag herbeigeführten Tode.

Nach meiner Berechnung sind dieses Jahr im ganzen 41 tödliche Fälle ( 2 + 21 + 18 ) mit 53 ( 4 + 25 + 24 ) Opfern vorgekommen. Darunter sind nur 2 Führer, dagegen 10 Alleingänger ( 2 im Hochgebirge ). Die Führerlosen haben den im letzten Jahr verlorenen Vorsprung im „ run for death " wieder eingeholt. Das Gesamtresultat ist, absolut genommen, ungünstiger als 1900 ( 41 gegen 39 und 53 gegen 48 ), und ich fürchte auch relativ schlechter, denn der Besuch des Hochgebirgs im nassen Sommer 1901 war, wenigstens in der Schweiz, notorisch schwach.

Die Einzelheiten sind folgende:

A. Im Winter.

1 Mitte Januar. Grimming. Der Müllergehülfe Adolf Reichel aus Grosse in Schlesien stürzte vom Plessenkar ab und wurde tot aufgefunden. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 38.

210. Februar. Mont Mirantin ( Savoyen ). MM. Ernest Brunnarius, Poncin und Lamy, alle drei tüchtige und für den Wintersport begeisterte Alpinisten, verließen Albertville um 3 Uhr des Morgens, nach einer Sitzung der Sektion des C.A.F., an welcher Brunnarius einen Vortrag über die Reize der Wintertouren gehalten hatte, und gingen zunächst unter dem Mont Pourri hin. Im Thälchen am Fuß des Punktes 1986 angekommen, von welchem Gipfel aus sie leicht den Mont Mirantin erreicht hätten, entschlossen sie sich, nach den Spuren zu schließen, zu einer Glissade, deren Zweck nicht klar ist. Dabei entstand eine Lawine, durch welche sie über eine Felswand hinaus in eine tiefe Schlucht geschleudert wurden, in der man nach längerem Suchen ihre zerschmetterten Leichen fand. R. A. D. 1901, Februarnummer.

B. Im Mittelgebirge.

14. Mai. Pilatus. Der Schlossergeselle Ernst Gmehle aus Württemberg, in Zürich in Arbeit stehend, wollte allein den Pfad vom Klimsen zum Tomlishorn gehen, kam nachts vom Wege ab und stürzte über Felsen in die sogenannte Kastelen, wo ihn am 9. Juni eine Partie als schrecklich verwesten Leichnam auffand. Alp. 1901, pag. 79.

2Anfang Mai. Casque de Néron. Zwei ungenannte Touristen, welche diesen Felsgipfel bei Grenoble besteigen wollten, werden seit dem 1. Mai vermißt. Nähere Angaben fehlen. M. D. Ö.A.V. 1902, pag. 70.

316. Mai. Peilstein. In dieser Kletterschule ( Niederösterreich ) verunglückten die Wiener Bankbeamten Alfred Schranzhofer, 24jährig, und Joseph Kolarz, 25jährig, durch Absturz und waren auf der Stelle tot. Sie suchten, durch das Seil verbunden, einen sehr exponierten Felsturm, Cimon genannt, zu ersteigen. Dabei scheint Schranzhofer, der als besserer Kletterer voranging, am Gipfelblock selbst zu Fall gekommen zu sein und den auf Seilhänge, aber ohne Versicherung in einem exponierten Kamin stehenden Kolarz mitgerissen zu haben. Die Absturzhöhe betrug etwa 70 Meter. Beide zeigten bei der sofort erfolgenden Bergung der Leichen absolut tödliche Verletzungen. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 124.

426. Mai. Leistkamm. Der 70jährige, aber noch sehr rüstige Herr Dickelmann aus Wald ( Zürich ) wollte allein von Amden aus den Leistkamm besteigen und nach Wallenstadt absteigen. Er erreichte, wie es scheint, auch glücklich den Einschnitt in den sogenannten Sonnenfahden, versuchte dann auf sehr verführerischen und gefährlichen Wegen den Abstieg nach Quinten, glitschte auf einer Felsplatte aus und stürzte mit wiederholtem Aufschlag etwa 150 Meter tief in eine Felsschlucht, wo sein ganz zerschlagener Leichnam erst am 8. Juli aufgefunden wurde. Alp. 1901, pag. 97.

52. Juni. Rocher de Naye, Der 19 Jahre alte stud. jur. ( an der Universität Lausanne ) Weil aus Heidelberg überschritt beim Besuch der Grottes de Naye, trotz den Abmahnungen seiner Gefährten, eine mit Warnungstafel versehene Barriere und fiel zu Tode. Alp. 1901, pag. 79.

66. Juni. Untersberg. Der 22jährige Tischlergehülfe Franz Fink aus Hallein hatte mit zwei Begleitern den Geiereckgipfel erstiegen und stieg nun voran auf dessen Ostgrat hinab, als er plötzlich lautlos verschwand. Es ist mit aller Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß er auf dem steilen, taufeuchten Rasen ausgeglitten sei. Er fiel nach cirka 20 Meter Sturzhöhe mit dem Kopf auf einen Felsen, die Leiche kollerte dann noch einige Hundert Meter tief hinab. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 159.

716. Juni. Giewontspitze ( Tatra ). Der Gymnasialschüler Janusz-kiewicz verunglückte durch Absturz von diesem Gipfel, den er in größerer Gesellschaft erstiegen hatte. Die Leiche wurde am gleichen Tage in einer Felskluft aufgefunden. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 147.

823. Juni. Benediktenwand ( bei Kaufbeuren ). Bei dem Versuch, diesen vielbesuchten Aussichtsgipfel durch die schwierige Nordwand zu erklettern, sind der Kaufmann E. Denzel und der Sparkassabeamte M. Stein aus München etwa 80 bis 100 Meter unter dem Gipfel zu Fall gekommen und etwa 100 Meter tief abgestürzt. Nur Denzel war gut ausgerüstet. Wahrscheinlich ist, daß die beiden, die bis zum Kamin den richtigen Weg einhielten, in der Nähe des Gipfels sich verleiten ließen, den Gipfelturm direkt anzusteigen, was ihnen zum Verhängnis wurde. M. D. Ö.A.V., pag. 159.

97. Juli. Hochlantsch ( bei Graz ). Die Grazer Touristen Joseph Greiner und Hermann Handlos versuchten, diesen Gipfel über die schwierigste Anstiegsroute, die Nordwand, zu forcieren, der sie jedenfalls nicht gewachsen waren. Dabei stürzten sie an einer sehr schwierigen Kletter- stelle ( Überhang von 8 Meter Höhe von zwei feinen, 1½ Meter voneinander entfernten Rissen durchzogen ) ab, wahrscheinlich in der Weise, daß der vorankletternde geübtere Greiner sich in dem Risse nicht zu halten vermochte, über den in einer Nische unter ihm stehenden Handlos hinaus-stürzte und ihn am Seil nachriß. Beide hatten beim Auffinden die Schädeldecke eingeschlagen und dürften an die gegenüberliegende Wand angeprallt und auf ein schmales Band hinüber geschleudert worden sein, wo sie tot liegen blieben. Ö.A.Z. 1901, pag. 192.

10 1 ) 14. Juli. Rocher de Naye. Der junge Siegfried Bucher aus Luzern, Hotelangestellter in Territet, wollte die Grotten besuchen, welche auf einem mit Geländer versehenen Weg erreicht werden können. Er verließ aber den Weg, wie es heißt, um Blumen zu pflücken, stürzte über eine 20 Meter hohe Felswand hinunter und starb nach wenigen Stunden. Alp. 1901, pag. 97.

11 1 ) 26. Juli. Biberg. Der 56 Jahre alte Londoner Reeder Arthur Capei Davies, Kurgast in Kandersteg, stürzte bei der allein angetretenen Rückkehr von einem Spaziergang, den er mit seinem Sohn auf den Biberg gemacht hatte, in der Nähe des sogenannten Bärentritts ab, wo der Weg oberhalb eines Wasserfalls über einen Bach führt. Wahrscheinlich hatte er den Weg verlassen, vielleicht um den Wasserfall näher zu betrachten. Der Absturz ging 100 Meter tief über eine Felswand und führte den sofortigen Tod herbei. Alp. 1901, pag. 107.

1228. Juli. Ifinger. Der in Meran in Arbeit stehende 27jährige Tischler Ferrai aus Borgo war mit seinem Bruder auf dem Wege von Hafling gegen den Ifinger fehlgegangen und in die etwa 250 bis 300 Meter gegen das Naifthal abfallende Karkawand geraten. Er wollte auf einem Steine ausruhen, der sich lockerte und mit ihm in die Tiefe stürzte, wo er von der durch seinen Bruder herbeigeholten Mannschaft als Leiche aufgehoben wurde. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 199.

1328. Juli. Schwarzsteinerspitze. Der junge Hohenwarter aus Greifenburg ( Kärnten ) wollte mit Kameraden, alle ohne Bergausrüstung, die Ersteigung einer dieser wegen ihres Edelweißreichtums viel besuchten und bei einiger Übung ungefährlichen Spitzen versuchen, stürzte dabei ab und blieb sofort tot. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 185.

145. August. Nebelhorn ( im Allgäu ). Waldemar Lingel und sein Bruder aus Erfurt waren beim Nebelhornhaus zusammengetroffen. Von hier bestieg der eine das Nebelhorn, während der andere über das „ Geleit " in das Oythal abzusteigen versuchte. Er wurde beobachtet, wie er in diesen Wänden herumirrte und über eine Wand stürzte, an deren Fuß er verstümmelt und tot liegen blieb. Seine Ausrüstung war ganz ungenügend ( ungenagelte Schuhe ), ebenso seine Ortskenntnis. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 199.

1510. August. Héric ( Caroux, Französische Alpen ). Louis Azais hatte mit zwei andern jungen Touristen die Besteigung des Caroux unternommen. Beim Abstieg wurden sie vom Nebel, Regen und Sturm überrascht, so daß sie die Nacht im Freien zubringen mußten. Einer Frau, die morgens 5 Uhr den Azais in exponierter Lage sah und ihm Hülfe bringen wollte, riet Azais, einem seiner Gefährten, der mehr tot als lebendig an der Felswand klebte, beizustehen. Während sie dies mit Erfolg that und der dritte sich selbst in Sicherheit brachte, versuchte Azais, auf eigene Faust über eine steile Wand abzusteigen. Dabei glitt er aus und stürzte in einen Abgrund; nur mit großer Mühe gelang es, den Leichnam zu bergen. Alp. 1901, pag. 159.

1612. August. Raxalp ( Katzenkopf im Höllenthal ). Georg Püringer, Ingenieur, 27 Jahre alt, und sein Bruder Rudolf, Techniker, 24 Jahre alt, aus Wiese, wollten eine Trainierungstour machen, um sich für eine Glocknerbesteigung vorzubereiten. Nahe am Ausstieg aus den Felsen beim Zimmersteig verließ den vorankletternden Rudolf die Kraft, er fand keinen Halt, als er zurück wollte, und stürzend riß er seinen angeseilten Bruder in die Tiefe, wo dieser tot, Rudolf schwer verwundet in den Felsen über dem Katzenkopfsteig liegen blieb. Durch Hülferufe herbeigezogene Rettungsmannschaft konnte mit großer Mühe den Verletzten und die Leiche bergen. Ö.A.Z. 1901, pag. 227.

1725. August. Ober Bauen ( bei Seelisberg ). Ein junger Schriftsetzer, Namens Hurschier, stürzte an diesem bekannten und unschwierigen Aussichtsgipfel ab und blieb tot. Alp. 1901, pag. 122.

18 ) 25. August. Raxalp. Friedrich Krämer aus Wien, 24 Jahre alt, ein sehr geübter und kräftiger Tourist, gut ausgerüstet und mit dem Gebiete bekannt, beabsichtigte, eine Variante des Zimmersteigs zu machen und für Besucher dieser Klettertour ein Gedenkbuch zu widmen, das er mit sich trug. Um 5 Uhr 45 Min. morgens sahen Touristen, die sich anschickten, den Katzenkopfsteig zu begehen, einen Rucksack durch die Luft fliegen und hörten einen schweren Körper aufschlagen. Als sie zur Stelle eilten, fanden sie den gräßlich zugerichteten Leichnam Krämers, der vom untern Zimmersteig abgestürzt war. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 200.

19Oktober. Pfaffenkogel bei Stübing. Franz Hitthaler aus Deutsch Feistritz stürzte an den Wänden dieses Gipfels, die er als schneidiger Kletterer mit Vorliebe besuchte, bei einer allein unternommenen Kletterübung ab und blieb tot. Ö.A.Z. 1901, pag. 264.

20 ) 13. Oktober. Dent de Lys ( Freiburgeralpen ). Fräulein Pierolini, 24 Jahre alt, Sekundarlehrerin in Vevey, hatte mit ihrem Bruder und zwei andern Herren die Besteigung glücklich ausgeführt und beim Abstieg waren die kritischen Stellen bereits überwunden, als Fräulein Pierolini strauchelte und kopfvoran gegen einen Felskopf stürzte. Der Absturz war nicht hoch, aber die Verletzung so schlimm, daß die Verunglückte bald darauf starb, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Alp. 1901, pag. 145.

21 ) 22. Oktober. Ziehberg. Der 25jährige, etwas kränkliche Sohn des alt Bürgermeisters von Ischl, Franz Koch, ist gelegentlich einer Fußwanderung vom Schornstein nach Molln vom Ziehberg abgestürzt und tot geblieben. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 260.

C. Im Hochgebirge.

1 ) 6. Juni. Grasleitenturm. Jakob Nauer und Anton Schrott, zwei junge Männer aus Bozen, hatten von der Grasleitenhütte aus den Westgipfel glücklich erreicht, kamen aber bei Beginn des Abstiegs auf einer mit Schnee und Eis bedeckten Platte zum tödlichen Sturz über die 120 Meter hohe Felswand und kollerten noch weitere 200 Meter über Schrofen und Geröll in eine Schneerinne, wo sie am 11. Juni von einer Hülfsexpedition aufgefunden wurden. Jedenfalls hatten beide die Platte gleichzeitig passiert oder einer im Moment des Ausgleitens des andern keinen sichern Stand. Das gute Seil ist erst im Absturz an einer Felskante zerschnitten worden. Ö.A.Z. 1901, pag. 167.

2 ) 8. Juli. Sulzfluh. Beim Abstieg vom Gipfel zur Lindauerhütte wollte eine zahlreiche Gesellschaft von Damen und Herren mit den Führern Fleisch und Steu beim sogenannten „ Rachen ", einem in Geröll oberhalb eines Absturzes ausmündenden Schneefeld, sitzend abfahren. Die eine Kolonne, vier Herren, kam glücklich unten an, die zweite, aus dem Führer Fleisch, Herrn und Frau Professor Mayer und Dr. Schwarzmann aus Dresden, welcher sich im letzten Moment hinten angeschlossen hatte, bestehend, kam, namentlich weil Dr. Schwarzmann das vom Führer geratene Bremsen unterließ, in zu schnelle Bewegung, dann ins Drehen, so daß Dr. Schwarzmann, mit dem Kopfe voran, über die Felsen hinaus in das untere Schneefeld geworfen wurde, während die übrigen in den Felsen hängen blieben. Dr. Schwarzmann trieb noch eine weite Strecke abwärts und blieb dann mit zertrümmertem Schädel tot liegen. Herr und Frau Mayer erlitten erhebliche Verletzungen, Fleisch blieb unversehrt. Die Verletzten und der Tote wurden von den übrigen Teilnehmern und einer Hülfskolonne geborgen. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 171.

3 ) 8. Juli. Jungfrau. Herr Hans Näf-Escher aus Zürich, 44 Jahre alt, war mit dem Führer Zgraggen und dem Träger Anton Minnig aus Betten ( Wallis ) im Aufstieg vom sogenannten Kranzbergeck gegen den Rotthalsattel begriffen und in der Nähe des großen Schrundes, als vom Sattel eine Schneemasse ( Gwächte ?) auf sie herabfiel, sie mit fortriß und teilweise begrub. Zgraggen, der wieder zum Bewußtsein kam, erhielt Hülfe von den beiden Grindelwalder Führern Baumann, die mit zwei Engländerinnen schon im Anstieg zum Jungfraugipfel begriffen waren; Herrn Näfs Kopf wurde vom Schnee freigemacht, aber Wiederbelebungs- versuche blieben fruchtlos. Seine Leiche und die Minnigs ( beide waren erstickt ) wurden durch eine Hülfskolonne, die vom Eggishorn herbeigerufen wurde, geborgen, und Zgraggen, der trotz seiner Verletzungen lange bei der Leiche seines Herrn ausgeharrt hatte, in Sicherheit und Pflege gebracht. Alp. 1901, pag. 96.

417. Juli. Piz Grialetsch. Der 19jährige Jakob Müller von Zürich war von Davos-Dörfli aus, wo er zur Erholung weilte, allein ins Dischmathal hineingegangen, hatte, nach den gefundenen Spuren zu schließen, das Scalettahorn und den Piz Grialetsch erstiegen und war von letzterm östlich die steile Eiswand hinunter bis zu einer kleinen Spalte gelangt, wo er, ohne Schaden zu nehmen, eingebrochen und deshalb auf den Gipfel zurückgekehrt war. Von diesem muß er bei dem Versuch, über die steile nördliche Eiswand auf die anschließenden Felsen zu gelangen, ausgeglitten und abgestürzt sein. Durch seinen Sturz mag auf dem untern Teil des Eisfeldes eine Lawine sich gelöst haben, die ihn begrub, oder er mag in eine der großen Spalten gestürzt sein. Alle Versuche, den Leichnam zu finden, sind erfolglos geblieben. Alp. 1901, pag. 105.

5Juli. Petit Muveran. Der junge Charles Testuz aus Vevey hatte sich mit seiner Braut zur Cabane Rambert begeben und war von dort nachts 9 Uhr allein und bei finsterm Himmel zur Besteigung des Petit Muveran aufgebrochen, den er auch glücklich erreichte. Beim Abstieg muß er in der Dunkelheit gestürzt sein. Er wurde von dem Führer Arrigoni als schrecklich verstümmelter Leichnam am Fuß einer steilen Geröllhalde gefunden. R. A. L. 1901, pag. 248.

6Juli. Tatra. Vom Sturm auf der Höhe überrascht, sind zwei Wiener, Lindenfeld und Schmor, durch Absturz zu Grunde gegangen. Einzelheiten fehlen. M. D. Ö.A.V. 1902, pag. 70.

720. Juli. Pflerscher Tribulaun. Die Herren Dr. Robert Wilhelm und Eduard Wilhelm aus Wien mit den Führern Mühlsteiger und Amort und einer andern Partie waren wegen Gewittergefahr von einer Besteigung nahe am Grat umgekehrt und auf dem Abstieg beim letzten Drahtseil angekommen, als der Blitz sie traf, Dr. Wilhelm und Amort sofort tötete und zum Absturz brachte und auch die andern Touristen mehr oder weniger lähmte. Ö.A.Z. 1901, pag. 197.

825. Juli. Tête du Lion. Eine Gesellschaft englischer Touristen, bestehend aus Miss Bell, Miss Trew, Dr. Black, Mr. Johnston und Mr. A. P. Mallam, mit dem Führer Leonard Carrel und einem Träger waren von Breil ausgezogen, um die Tête du Lion zu besuchen, hatten unterwegs ihre Absicht geändert und waren bis zur Capanna Luigi di Savoia am Matterhorn aufgestiegen. Auf der Rückkehr erlitten sie einen Unfall beim Traversieren vom Col du Lion unter den Felsen der Tête du Lion hin. Die eine Karawane hatte das Schneefeld glücklich passiert, als bei der andern, Carrel, die beiden Damen und Dr. Black, in dieser Reihenfolge am Seil gehend, eine der Damen ausglitt und die andern, die darauf nicht gefaßt waren, mit sich fortriß. Carrel konnte sich noch einige Augenblicke halten, dann wurde er ebenfalls weggeschleudert, und die vier rollten und fielen nun ziemlich weit, bis das Seil riß. Carrel und Miss Trew blieben ziemlich verletzt auf einem Felsband liegen, Dr. Black und Miss Bell fielen auf den Gletscher hinunter, wo sie von einer Hülfskolonne, die auch die Geretteten barg, tot und arg zerschlagen aufgehoben wurden. A.J. XX, pag. 490.

95. August. Kitzsteinhorn ( Salzburger Alpen ). Der 22jährige G. Stir-zinger aus Linz stürzte an der Gipfelpyramide ab. Er hatte, trotz der Mahnungen seiner Gefährten und des Führers einer andern Partie, die in das Eis gehauenen Stufen nicht benutzt, glitt aus und stürzte gegen die Randkluft des Schmidingerkees ab, wo er tot liegen blieb. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 184.

106. August. Piz Roseg. Professor Giuseppe Gugelloni, ein bekannter junger Bergsteiger von Mailand, und Mario Rossello mit dem Führer Giov. Bonomi stiegen unangeseilt von der Capanna Mannelli über Schnee und Felsen des Piz Roseg empor, als in der Höhe von cirka 3540 Meter, beim Passieren eines kleinen Felskamins, der zuletzt gehende Gugelloni ausglitt, erst 3 Meter tief auf einen Schneefleck fiel, wo er sich vergeblich an einzelnen vorstehenden Steinen zu halten suchte, die mit ihm ausbrachen und im weitern Sturze von cirka 6 Meter seinen Kopf zerquetschten. Er fiel dann noch als Leichnam durch Schneerunsen hinunter auf den obern Scerscengletscher, wo er am Fuß des Güßfeldt-sattels von seinen Gefährten und zwei von einer Berninabesteigung zurück-gerufenen Karawanen als zerschmetterter Leichnam aufgehoben wurde. R.M. 1901, pag. 302.

117. August. Wilder Freiger. Die Brüder Dr. Hans Donner, Ge-richtsadjunkt, und Leopold Donner aus Wien setzten mit dem Führer Joseph Haas, der sie zu dieser Partie beredet hatte, trotz Sturm und Unwetter den Aufstieg zum Wilden Freiger von der Nürnbergerhütte aus bis auf den Grat fort und stiegen zum Becherhause ab. Im Aufstieg hatte Leopold Donner wiederholt über Unwohlsein geklagt und verlangt, daß ihn der Führer ans Seil nehme, was dieser als unnötig ablehnte. Kurz nach Beginn des Abstiegs nun stürzte Donner, sei es wegen Unwohlseins oder infolge eines Mißtritts oder des Sturmes, etwa 70 Meter tief ab. Eine vorausgehende Partie und eine Hülfskolonne brachte den Schwerverletzten nach dem Becherhause, wo zwei zufällig anwesende Ärzte ihn in Behandlung nahmen. Da eine Operation zur Rettung nötig schien, wurde der Verunglückte auf schwierigem Wege nach Ridnau transportiert, wo die Operation vorgenommen wurde, aber Donner erlag 3 Stunden später seinen Verletzungen, da der Blutverlust zu groß gewesen war. Ö.A.Z. 1901, pag. 226.

1211. August. Höchstein ( Niedere Tauern ). Franz Stockherr, vulgo Lacknersohn, ging aus dem Seewigthal mit mehreren Kameraden auf den Höchstein, einen bekannten Aussichtsgipfel. Beim Abstieg stürzte er auf der Maralm ab. Ein Begleiter konnte ihn noch bis zur Almhütte bringen, wo er jedoch infolge innerer Verletzungen starb.M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 199 und 207.

1311. August. Aiguille du Tacul. Eine etwa 15 Mann starke Abteilung der Gymnastes-Montagnards von Genf unternahm mit wenigen Führern die Besteigung. Beim Abstieg wurde während eines heftigen Gewitters der 32jährige Bankangestellte Auguste Porchet von einem von oben kommenden Steine mitten auf die Brust getroffen, in die Tiefe geschleudert und sofort getötet. Die Leiche wurde auf dem Gletscher aufgefunden. R. A. L., pag. 286.

1428. August. Pizzo Cervandone. Si Camillo Pavesi und Dr. Venanzio Barbetta setzten, trotz dichten Nebels, die Besteigung von der Deveroseite über steile Felsen und enge, steingefüllte Rinnen fort. Barbetta, der mehrmals vorgeschlagen hatte, umzukehren, kletterte voran und wollte eben Pavesi Anleitung geben, wie eine schwierige Stelle zu bewältigen sei, als dieser mit einem kurzen Schrei abstürzte und über 250 Meter tief, mit mehrmaligem Aufschlagen, fiel, bis er am Rande eines Abgrundes liegen blieb, wo die von Barbetta herbeigeholte Hülfe ihn als zerschmetterten Leichnam aufhob. R.M. 1901, pag. 390.

154. September. Schloßberglücke. Die 26jährige Miss Margar. Traffold hatte mit ihrer Schwester ohne Führer und entgegen dem Abraten einer andern Partie von der Spannorthütte die Schloßberglücke überschritten. Beim Abstieg glitschte sie, beinahe am Ende des steilen Schloßberggletschers angekommen, aus und rutschte in eine große Gletscherspalte hinunter. Ihre Schwester, die sich beim Suchen nach Hülfe verirrt hatte, wurde von einem Geißhirten, der den Vorfall beobachtet hatte, gerettet, die Leiche der Verunglückten, die 80 Meter tief gefallen war, von einer Hülfskolonne aus Erstfeld geborgen. Alp. 1901, pag. 123.

164. September. Kleine Riffelwandspitze. Der Ingenieur Brandes, der auf der Zugspitze Versuche mit der drahtlosen Telegraphie durchgeführt hatte, wanderte mit dem meteorologischen Beobachter der Zug-spitzwarte, Reger, vom Zugspitzgipfel zur Riffelwand. Nach Regers Bericht fanden sie den Weg zur Riffelscharte nicht, weil er vom Regen ausgewaschen war, und stiegen deshalb rechts an der Wand gegen die Riffelwandspitze empor und waren dem Gipfel schon auf 50 Meter nahe, als Brandes erklärte, da könne er nicht hinauf. Sie kehrten deswegen um. Brandes war nun voran. Nach wenigen Schritten abwärts überschlug er sich, sei es, daß ein Stein ausbrach oder daß er einen Schwindelanfall hatte, und fiel, ohne einen Laut von sich zu geben, 300 Meter tief gegen das Höllenthal ab, wo er tot liegen blieb. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 209.

1729. September. Planspitze. Der 36 Jahre alte Maschinenschlosser Fritz Dittrich aus Linz war mit einem Gefährten vom Gstatterboden aus in die Nordwand der Planspitze eingestiegen, hatten die Innthalerschlucht gequert und wollten nun quer durch die steile Wand nach links zum obern Teil der Schlucht gelangen. Dabei versuchte der vorankletternde Dittrich, mit einem Fuß einen Tritt benutzend, einen weit entfernten Griff zu erhaschen, glitt dabei über die steile Platte hinab und verschwand, sich mehrmals überschlagend, in der Tiefe. Als Herr Galanda zu dem auf einer Terrasse am Fuße der Wand Liegengebliebenen hinabkam, konnte er nur mehr feststellen, daß der Tod jedenfalls sofort eingetreten war. Ein Seil, das Dittrich bei sieh hatte, war nicht zur Verwendung gekommen. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 239.

18 ) 7. Oktober. Praxmarer Karspitze ( Karwendelgebirge ). Otto Melzer, 33 Jahre alt, und Emil Spötl, 20 Jahre alt, beides tüchtige Alpinisten und bekannte Führerlose aus Innsbruck, stiegen Sonntag den 6. Oktober, morgens früh, mit Kletterschuhen und in leichter Ausrüstung in die schwierige Nordwand dieses Felsgipfels ein. Das sich verschlechternde Wetter zwang sie, ehe sie den Aufstieg vollenden konnten, in wütendem Schneesturm ein Biwak hoch oben in den Wänden zu beziehen, in welchem beide durch Kälte und Entbehrung zu Grunde gingen, da die Versuche, auf ihre Rufe hin Hülfe zu bringen, anfangs aus verschiedenen Ursachen scheiterten. Erst einige Tage später fanden Scharnitzer Führer die Leiche Spötls am Fuß der Wand zwischen dem Kleinen Jägerkar und der Praxmarer Karspitze. Allem Anschein nach war Spötl erst nach dem Tode dahin abgestürzt. Melzers Leiche fand man erst am 12. hoch oben in den Wänden in ruhender Stellung. Ö.A.Z. 1901, pag. 264.

Von den vier im Jahre 1900 im Gebirge Verschollenen sind zwei, R. Sand am Kleinen Waxenstein und A. de Rahm am Col de la Geula, tot aufgefunden worden. M. D. Ö.A.V. 1901, pag. 185, und Alp. 1901, pag. 98.

Redaktion.

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