Altenalptürme

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F. Schweizer

Mit 1 Bild ( 222St. Gallen ) Die schlanken Felstürme, nördlich am Weg vom Schäfler zum Säntis, herwärts der sog. Oehrligrub, nehmen das Auge jedes Wanderers gefangen, zumal desjenigen, der diese Säntistour zum erstenmal unternimmt.

Stolz und kühn, schier unnahbar, recken sie ihre felsigen Zähne in den blau-azurnen Himmel und geben der stillen, friedlichen Alp ein wildromantisches Gepräge.

Die sehr beliebte und dankbare Route führt dich vom Sattel ( ein paar Schritte nördlich vom Weglein ) zwischen Läden und Türme über die rasen-belegte Ostflanke auf den Ostturm, dann über den Grat auf den Mittelgipfel und weiter zum Westgipfel, zur Abseilstelle am Westturm und hinunter zur Vordem Wagenlücke. Das wäre also die Route.

Im Sommer, wie herrlich ist 's, über die wildzerklüfteten Grate, über die messerscharfe Schneide des sog. « Rasiermessers » in leichtbeschwingter Kletterei zu turnen! Leicht und mühelos, auf weichen Sohlen deiner Kletterschuhe, lässt sich der Gipfel erobern. Allerdings, « schwindlig » darfst du nicht sein. Rittlings, ein Bein süd-, das andre Bein nordwärts baumelnd, so arbeitest du dich vorwärts. Wahrhaftig, ein Genuss! Und dann: grossartig ist die Nah- und Fernsicht. Mitten ins Herz des herrlichen, lieblichen Alpsteingebirgs trifft der Blick, und wenn der Wind günstig ist, hörst du um 11 Uhr das leise Aveläuten von der Meglisalp her.

Nordwärts weitet sich der Blick frei und ungehindert über die Vorgipfel des Appenzeller Ländchens, hinab ins St. Galler Land, weiter zu den fruchtbeladenen Feldern des Thurgaus, um sich endlich zu verlieren im blauen, weichen Dunst des Bodans. Wahrhaftig, ein herrlich Schauen!

Wenn sich dein Auge sattgetrunken hat am göttlich-überwältigenden Bild, wenn du ausgeruht hast oder wenn deine Gipfelpfeife ausgequalmt hat, dann beginnt von neuem das vergnügliche Turnen über den Westgrat. Die Altenalptürme, mit ihren drei Gipfelpunkten ( östlicher Turm 1896 m, Mittelgipfel ca. 2050 m, westlicher Turm 2046 m ) bieten dir nicht nur eine herrliche Gratkletterei, sondern überdies noch eine pikante Abseilstelle.

Luftig hängst du überm grünen Grunde, und dein heller Jauchzer dringt hinab zum winzigen Weg, wo die erstaunten Bergwanderer die Hälse recken ob so frechem Gebaren auf ausgesetzter Felsenkanzel! Hoppla — schon baumelt das Seil, doppelt geführt, am sichern Ring verankert, und — heissa — frei und leicht, mit herrlichem Gefühl der Überlegenheit, gleitest du hinab auf einen schmalen Felsentritt. Dann kann man das Seil ruhig zusammendrehen — über die paar Felsen hinunter geht 's auch ohne dieses.

Und herrlich ruht 's sich dann am Fusse des Westturmes — den man übrigens auch von Westen her bezwingen kann — im satten, duftigen Berggras.

Über steile Rasenhänge steigst du dann hinab zur Altenalp. Ein zauberhaftes Plätzchen, diese Altenalp! Schon wenn du von oben auf diese Terrasse guckst, grüsst dich helles Herdengeläute. Es ist das Bild des Friedens. Ein Räuchlein steigt aus dem Kamin der neu errichteten Sennhütte.

Noch liegt der Sonnenglanz im Tal. Leicht bewegt mit hellen Silber-kronen grüsst der Seealpsee, der Wind streicht über seine dunkel-blaugrüne Fläche und zaubert einen glitzendern Strom.

Weit in der Runde, tief vom Grund empor steigen sie hoch, all die Zacken und Gipfel, all die Grate, Flanken und Wände: Marwies, Hundstein, Freiheit, Freiheittürme, Fählentürme, bis hinüber zum wuchtigen Ostgrat des « greisen » Altmanns. Und während du betrachtest, schaust und sinnst und deine Fahrten alle zurück in dein Gedächtnis rufst, senkt sich unvermutet der Sonnenball im Westen.

Am Lysengrat teilen sich mit scharfem Strich Licht und Schatten. Und wie eine stiebende Funkenesse, so überwältigt, ja förmlich überrennt der lichte Glanz den vielbesungenen Berg, den Säntis. Das öhrli, die Hängeten und unsere Türme, die stehn bereits im Schatten, umwebt von feinen, dunstigen Schleiern.

Langsam erstirbt der zuckende Glanz, wie wenn die Kraft sich ausgetobt. Doch, welche Pracht — rot erglüht des Altmanns Spitze.

Im Tale unten schleichen Schatten. Der Wände Kalk wirkt weiss und bleich, wie Totgebein. Bereits schon haucht ein fahles Blau ins verglühende Rot — da — versunken ist, fast wie ins Nichts entrückt, der Sonnenball. Die letzten Strahlen weisen mächtig gen nächtlich blaues Firmament. Nacht und Dunkelheit, sie triumphieren. In Schwarz scheint alles zu versinken. Aber langsam glimmen die Sterne auf.

Das Abendglöcklein, dessen lieblichfroh Gebimmel herübertönt von der Meglisalp, die eingebettet und behütet zwischen schroffen Wänden ruht, es klingt wie Nachtgebet, wie Dankgebet für diesen herrlich schönen Tag.

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