Aus den Kindertagen des Alpinismus

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Von E.R.

Es ist erstaunlich, wie lange sich der Glaube erhalten hat, dass das Hochgebirge ein Ort äussersten Grauens sei. Fast bis zum Jahre 1800 erklärten selbst bedeutende Männer die hohen Berge als den Wohnsitz von Geistern und Unholden, deren ungeheure Fuss-und Handabdrücke in den Felsen allenthalben gesehen worden seien. Niemand zweifelte daran, dass in den Berghöhlen Drachen und andere Ungeheuer hausten. Zu diesen Ansichten passten auch die übrigen Vorstellungen, die man vom Hochgebirge noch allgemein hatte.

Der Forscher Riccioli schrieb z.B. in schon verhältnismässig aufgeklärter Zeit, dass es in der Schweiz Berge gäbe, die über 10 000 m hoch seien. Dagegen hielten wieder lange Zeit hindurch andere Gelehrte den Watzmann, den Gipfel westlich des Königsees in den bayrischen Alpen ( von 2712 m Höhe ), als den höchsten Berg der Welt. Vom Klima in den Hochlagen war die Meinung verbreitet, dass es für den Menschen mörderisch und unerträglich sei, ja, dass einem vor Kälte beim Schneuzen die Nase ins Schnupftuch falle.Vor den Bewohnern der Gebirgstäler fürchtete man sich, und noch im Jahre 1750 waren Engländer, die ins Tal von Chamonix reisten, mit Flinten gegen allfällige Angriffe der « Eingeborenen » bewaffnet.

Diese verworrenen Vorstellungen dürften den einen Grund dazu ergeben haben, warum die Kindertage des Alpinismus noch gar nicht so schrecklich weit zurückliegen; der Intrusionserscheinungen am Namun Himal Ein Granit-Pegmatit Dyke hat die von lagigen, feinen granitischen Intrusionen durchsetzten Kalksilikatgesteine durchschlagen. Dabei wurden die Formationen längs des Dykes leicht gegeneinander verschoben, offenbar nur eine Reaktivierung früherer Verwerfungsflächen, welche schon vorher den Weg des Dykes vorgezeichnet haben Nepal Himalaya Die Nilgiri-Gruppe ( 7032 m ) von Norden gesehen. Die Schneeriesen sind aus der Tibetischen Gebirgswüste heraus besonders eindrucksvoll. Im Vordergrund ein Gömpa ( Kloster ) am Karawanenweg nach Mustang und Tibet Machhapucharé ( 6997 m ), links, und Annapuma II ( 7937 mj, rechts, von Südwesten gesehen. Die Wolkendecke über der Senke von Pokhara liegt in etwa 4500 m 88189190 - Aufnahmen 1952. Toni Hagen andere darf wohl in der Unerschlossenheit der Gebirgsgegenden gesehen werden. Bahnen gab es natürlich keine, befahrbare Wege nur wenige. Routenmarkierungen und genaue Karten waren unbekannt. Man fand sich in höhern Berglagen in unerforschtem Gebiet. Eine Bergfahrt bedurfte daher grosser Vorbereitungen und erheblicher Mittel. Kein Wunder, dass viele Gipfel in den Schweizer Alpen von Engländern, meist solchen aus den höchsten Ständen, erstmals bestiegen wurden, denn unter der einheimischen Bevölkerung konnte sich selten jemand grosse Auslagen für das Bergsteigen leisten.

Je nach dem Komfort, den ein Bergsteiger in der Frühzeit des Alpinismus wünschte, war auch die Zahl der Führer und Träger. Der Fürstbischof Franz von Salm z.B. benötigte 62 Personen, um den Grossglockner ( 3798 m ) in den Hohen Tauern zu besteigen! Noch ums Jahr 1850 war es keine Ausnahme, wenn für eine Mont-Blanc-Besteigung 19 Helfer angeworben wurden.

Die alpine Ausrüstung solcher « Expeditionen » war aber recht unzweckmässig. Die Bergsteiger trugen die Kleider ihrer Zeit nur mit ganz geringen Abänderungen. Bei Männern von Stand waren es oft Schnabelschuhe, Frack und Zylinderhut. Die englischen Lords kletterten in Reitstiefeln und enganliegenden Beinkleidern. Der Eispickel war noch unbekannt. Mit Küchenbeil, Axt oder Berghammer schlug man sich Tritte ins Eis. Den Rucksack ersetzten Tornister und Tragkörbe. Lange Leitern wurden für die Überquerung von Schrunden und Spalten mitgetragen, ferner über mannshohe Stöcke. Seile fanden noch wenig Anwendung. Für Touren auf hohe Gipfel mussten auch Zelte und Decken mitgenommen werden, da ja keine Schutzhütten oberhalb der Alpweiden existierten. Bei der besonders sorgfältig vorbereiteten Besteigung des Mont Blanc durch eine Frau, Henriette d' Angeville, im Sommer 1838, wurde für die 13köpfige Partie von Trägern und Führern folgender Proviant mittransportiert: 2 Hammelkeulen, 2 Ochsenzungen, 24 Hühner, 6 Laibe Brot von je 3 bis 4 Pfund, 18 Flaschen Bordeaux, je eine Flasche Kognak und Sirup, 1 Fässchen gewöhnlichen Wein, 12 Zitronen, 3 Pfund Zucker, 3 Pfund Schokolade und gedörrte Pflaumen sowie pro Kopf je ein Pudding, 1 Flasche Limonade und ein Topf Hühnersuppe. Man sieht aus dieser Zusammenstellung, dass man auch auf Touren reichlich verpflegt sein wollte.

Um die Anstrengungen des Bergsteigens zu vermindern, schlug noch vor etwas über 100 Jahren ein Erfinder einen sogenannten Bergsteigerballon vor, den man mit Gurten anschnallen konnte und der so viel Körpergewicht tragen sollte, dass Hindernisse nach geringem Abstoss schwebend überwunden werden konnten. Leider rechnete der Erfinder nicht mit der Vielgestalt der Bergnatur, und seine Idee mit dem grossen Ballon über dem Kopf des Bergsteigers fand nur Eingang in den Witzblättern.

Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts Gipfel um Gipfel erobert wurden, führte man für Damen und marschuntüchtige Personen die sogenannten « Tragsessel-Routen » ein. Noch im Baedecker von 1869 sind solche Touren angeführt, z.B. der Rigi und das Faulhorn. Die Kosten für das Hinauftragen durch vier Mann auf einem Tragsessel mit langen Stangen beliefen sich, nach dem heutigen Kaufwert des Geldes jener Jahre berechnet, etwa auf 90 Franken. Bis gegen 1880 wurden viele Aussichtsgipfel auf solche Art besucht; dann aber war dieses « Bergsteigen » überlebt. Es wurden bessere Wege angelegt und Berggasthäuser gebaut, und der 1863 gegründete Schweizer Alpenclub sorgte für hochalpine Unterkünfte. In der Ausrüstung der Bergfreunde verschwanden Zylinderhut und Frack, Tragkörbe, Leitern und Küchenbeile. Die Seiltechnik wurde entwickelt, und auch Einzelgänger erreichten hohe Gipfel. Die Kindertage des Alpinismus hatten damit ihr Ende gefunden.

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