Beiträge zum Graubündnerführer

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Illustration nach Skizzen des Verfassers.

a ) Piz da Dartgas 2784. Traversierung von Osten nach Westen. Die Formation des Gipfels ist im T. A. ziemlich genau angegeben. Vom Steinmann aus verläuft der Grat zunächst ein kurzes Stück horizontal in südöstlicher Richtung; dann verzweigt er sich: der eine Arm geht in südöstlicher Richtung weiter, während der scharf ausgeprägte Ostgrat zunächst in genau östlicher Richtung abfällt, um dann weiter unten wieder nach Südosten umzubiegen. Dieser untere Teil bricht gegen Nordosten in hohen Felswänden ab ( siehe Skizze ).

Piz da Dartgas von Osten.

Ich hatte am 31. Juli 1918 um 8 Uhr 30 Min. Waltensburg verlassen — nach vielen trüben Tagen zeigte sich endlich Aufhellung — und stieg bei der Ruine Vogelsberg vorbei hinauf ins Ladral und über die untere Alp dadens gegen die obere Hütte ( 2078 ). Dann hielt ich mich mehr westlich in das Seitentälchen, das in die Einsattelung 2359 hinaufführt. Später wieder in nördlicher Richtung ansteigend, kam ich bei einem Brunnen vorbei an den Fuß eines Couloirs, das ich für die Überwindung der oben angeführten Felswand ausersehen hatte. Es zeigte sich aber mehr rechts eine schräge Rinne und ein Rasenband, die mich rasch in die Höhe führten ( Rast 11 Uhr 30 Min. bis 11 Uhr 50 Min. ). Ich verfolgte dann, wenig ansteigend, den breiten, aus Karren gebildeten Kamm bis zu der schwachen Einsattelung, wo der eigentliche Ostgrat beginnt ( 12 Uhr 30 Min. ). Von hier kann man die Südostwand traversieren und damit die übliche Aufstiegsroute von Süden erreichen ( siehe Skizze ). Der Grat selbst bietet eine flotte und teilweise recht luftige Kletterei. Gipfel 12 Uhr 55 Min.

Vom Verbindungssrat zwischen den beiden Tumbifgipfeln.

Für den Abstieg wählte ich einen steilen Kamin, der etwas nördlich vom Steinmann mündet und im T. A. angedeutet ist. Über Schutt und durch eine zweite, etwas steinschlaggefährliche Rinne gelangte ich auf die großen Schutthänge südwestlich von der Robifurkel und erreichte die Kistenpaßroute 18 Minuten nach Abgang vom Gipfel. Eignet sich nur für den Abstieg.

Von den von mir in der „ Alpina " 1917, pag. 196—198, beschriebenen Besteigungen waren neu:

1. Hausstock über die Südwestwand vom Fluazgletscher aus. 21. September.

2. Piz de nuorsas ( ca. 2800 ). Endpunkt des Grates zwischen Fluaz- und Cavirolasgletscher. 25. September.

Aus einer Broschüre, die mir Herr J. Heß, S.A.C. Uto, gütigst zustellte, ist ersichtlich, daß Herr Heß von den Fluazbergen außer dem Crap Surscheins keinen Gipfel bestiegen hat.

Der in der gleichen Nummer der „ Alpina " publizierte und auch im Jahrbuch LII erwähnte neue Abstieg des Herrn Balestra führte über die Südost wand in der Nähe von P. 3044, wie mir Herr Balestra in einer mündlichen Unterredung bestätigte.

Vorab über Ruscheiner-Alp ( „ Alpina " 1917, pag. 204 und Jahrbuch 1917 ). Ich habe diese Route am 28. August 1913 mit zwei Begleitern im Abstieg gemacht. Sie ist namentlich deshalb von Interesse, weil sie die kürzeste Verbindung Vorab-Rhätische Bahn darstellt.

Neue Bergfahrten 19 14. „ Alpina " 1914, pag. 233 — 234. Neu war jedenfalls, außer der Gesamttraversierung, Piz Titschal-Piz Lat-Piz Val gronda-Punkt 2817 ( Piz Zavragia)-Piz Nadels-Piz Miezdi, die Begehung des Grates Piz Za-vragia-Piz Nadeis, sehr wahrscheinlich auch Piz Nadels-Piz Miezdi und Piz Miezdi-Ostgrat.

b ) Die Brigelser Hörner.

Wohl selten sind bei einer verhältnismäßig kleinen Gebirgsgruppe so viele Mißverständnisse vorgekommen wie bei diesen Bergen. Es rührt dies wohl, neben der früheren Unsicherheit in der Bezeichnung der einzelnen Gipfel, davon her, daß man sich gewöhnlich dem im großen und ganzen von West nach Ost verlaufenden Kamm von Osten her nähert. Aus größerer Entfernung erscheint da die Gruppe als ein einziger Gipfel, wobei der Kavestrau pin die Spitze bildet, während der vorgelagerte Piz Tumbif in'dessen Aufbau verschwindet und der Kavestrau grond durch ihn verdeckt wird. Der allein für sich unbedeutende Felskopf des Tumbif-Nordgipfels Karl Gabriel.

Im allgemeinen ist die Sache nun abgeklärt, und wir möchten hier nur noch einige Kleinigkeiten beifügen:

Auf den Piz Tumbif haben wir fünf Routen:

1. Über den Südgrat. Herr Dr. Weber, der 1905 diese Kante mit Herrn Schucan wohl zum erstenmal benützte, bezweifelte sehr ( Jahrbuch XLIII, pag. 187 ), daß ein Pfarrer von Schlans einst auf der Gemsjagd hier hinaufgestiegen sei, wie Theobald in seinem „ Bündner Oberland ", pag. 52, berichtet ( vgl. auch Dr. Dttbi, Jahrbuch XXIX, pag. 307 ). Ich habe am 20. August 1904 den Südgrat auch versucht, ließ mich aber zu weit nach Osten drängen und mußte umkehren. Auch ich bin der Ansicht, daß der Schlanser Pfarrherr nicht hier hinauf seine Gemsen verfolgte, glaube aber nicht, daß eine Verwechslung zwischen Süd- und Nordgipfel vorliegt. Die Beschreibung von Theobald paßt vielmehr sehr gut auf den Ostgrat.

2. Über den Ostgrat, Als wir am 10. September 1908 diese Route einschlugen ( „ Alpina " 1912, pag. 164 ), waren wir auch überrascht, plötzlich auf dem flacheren Teil des Tumbif angelangt zu sein, ohne daß wir eine besonders steile Partie hätten überklettern müssen. Im Ostgrat befindet sich eben die einzige Stelle, an der die sonst ringsum führende Steilwand des Tumbif unterbrochen ist. Außer dem Schlanser Pfarrer sind vor uns wohl auch die Herren A. Cajacob und Pfarrer Corai von Waltensburg mit Sohn hier hinaufgestiegen ( Jahrbuch XXXII, pag. 369 ).

3. Die Route der Herren E. Meißer und Chr. Klucker wurde nach der Beschreibung im Jahrbuch XXXIX, pag. 373, eingezeichnet, wobei sie aber im oberen Teil ohne Berührung des Grates direkt auf den Nordgipfel hingeführt ist. Bei der Begehung des Gletschers erfordert ein großer Schrund Vorsicht, der bei jener Besteigung im Juli wohl noch nicht sichtbar war.

4. Die gewöhnliche Route. Hier scheint in der Beschreibung im Bündnerführer I, pag. 378, ein Mißverständnis vorzuliegen. Ich habe die Route fünfmal im Beiträge zum Graiibündnerfuhrer.

Aufstieg und achtmal im Abstieg gemacht und kann die letzte Strecke nur etwa folgendermaßen ansehen: Hat man den flacheren Teil des Tumbifgletschers erreicht, so wendet man sich mehr südlich gegen den tiefsten Punkt des Grates zwischen Süd- und Nordgipfel. Auf dem dort breiten und im Spätsommer aperen Rücken angelangt, verfolgt man nun den Grat bis zum Steinmann des Südgipfels, wobei man dem einen oder anderen Gratkopf auf der Ostseite ausweichen kann. Man steigt aber immer wieder auf den Grat Nord-Südgipfel hinauf, der vorn einen breiten Schuttrücken bildet, über den man den etwas tiefer liegenden Steinmann l' iz ï'umbif- Kavestrau Untere Sttdgipfel pin Nordgipfel Frisallttcke V "

v V V erreicht. Eine Traversierung zum Ostgrat wäre sehr schwierig oder sogar unmöglich, jedenfalls ganz wertlos.

5. Von Norden, aus der Val Frisai.

Auch bei der Beschreibung des Überganges vom Kavestrau pin zum Kavestrau grond ( Bündnerführer I, pag. 372 und 376 ) scheint eine Verwechslung vorzuliegen, weshalb die Details dieser Traversierung hier erwähnt seien.

Ich hatte ( allein ) am 10. September 1917 vom Tumbifgletscher aus die dem Nordgipfel zunächst liegende Einsattelung ( siehe Skizze ) erreicht und kam dann, etwas auf- und absteigend, über Schuttbänder und faules Gestein zum Grat Tumbif-Nordgipfel-Kavestrau pin, den ich westlich von dem stark zerrissenen Turm betrat. Die beiden nächsten Türme umging ich auf der Nordseite. Wegen Vereisung hielt ich mich nachher aber auf der Südseite, 20—30 Meter unter dem Grate, wo eine Art Band bis unter den Gipfel führt. Der Abstieg vom Kavestrau pin in die tiefste Einsattelung zwischen den beiden Gipfeln, die Kavestraulücke, führt über einen breiten Schutthang mit wenigen Felsbändchen. Die Lücke selbst ist ein breites Schuttplateau, das häufig mit einer Firnhaube bedeckt ist. Schwierigkeiten finden sich hier keine, und auch der wacklige Block ist nicht hier, sondern oben in der Scharte direkt beim Kavestrau grond-Gipfel zu finden. Dorthin führt der solide Ostgrat, den ich teils aufrecht, teils auf einem Bändchen knapp unter der Schneide beging, wobei die Schneide selbst als Handlehne diente. Die Scharte konnte ich allein nicht überwinden; ich kletterte daher auf dem Grat etwa 50 Meter zurück, um auf ein tiefer liegendes Band zu gelangen, auf dem ich dann den Grund der Scharte erreichte ( wegen Vereisung der Nordwand schwierigste Stelle der ganzen Traversierung ). Von dort dann in wenigen Minuten über die Nordseite auf den Gipfel. Die gleiche Route verwendete ich für den Rückweg. Zeiten: Waltensburg ab 4 Uhr 50 Min.; Brigels 5 Uhr 50 Min.; Rast in der Val dadens 7 Uhr 15 Min. bis 7 Uhr 30 Min.; Sattel südlich vom Tumbif-Nordgipfel 10 Uhr 15 Min. bis 10 Uhr 35 Min.; Kavestrau pin 11 Uhr 20 Min. bis 11 Uhr 35 Min; Kavestraulücke 11 Uhr 45 Min.; Kavestrau grond 12 Uhr 20 Min. bis 1 Uhr 5 Min.; Kavestrau pin 1 Uhr 45 Min. bis 2 Uhr 30 Min.; unten am Tumbifgletscher 3 Uhr 30 Min. bis 3 Uhr 50 Min.; Brigels 5 Uhr 25 Min.; Waltensburg 6 Uhr 10 Min.

Karl Gabriel ( Sektionen Burgdorf und Piz Terri ).

Neues aus Oberwallis und Hasli.

A. „ Bei den Rittern ", am Ritterpaß ( Wallis ). Wer von Binn aus die leichte Besteigung des Helsenhorns ( 3274 m ) unternimmt, gewahrt von der weiten Ebene des Kummentales aus in der Richtung des Horns eine merkwürdig gezackte Felskette mit etwa 22 Gipfelchen, die alle möglichen Formen aufweisen. Eine sehr originelle, fast komisch anmutende Gesellschaft! Viele dieser Zacken scheinen einen Hut oder Helm auf dem Scheitel zu tragen, und dies hat wohl dem Felszuge den Namen „ Bei den Rittern " gegeben, welcher Name sich dann auch auf den Paß übertrug. Der oberste und höchste über Meer hat laut Karte eine Höhe von 2869 m, und es ist der Mühe wert, von der nahen Helsenhornroute aus den kleinen Umweg zu diesem Punkt oder der Lücke an dessen Fuß zu machen. Es bietet sich dort ein interessanter Überblick über die Felsschlösser der Helsen, nordwestlich des Helsenhorns, und ihre Abfälle und ebenso über den nördlichen, steileren Teil des Helsengletschers. Und wer gerne ein Stündchen an der Sonne schlafen und träumen will, der findet zu Füßen und im Schirme des obersten Ritters ein trauliches Plätzchen.

Oberförster W. Schädelin und der Unterzeichnete leisteten sich am 27. Juli 1918, nach Traversierung des Helsenhorns, das Vergnügen, die zwei obersten dieser grauen Granitzacken zu erklettern. Sie sind von Süden wenig hoch und leicht zugänglich. Nordwärts hingegen fallen alle Ritter in hohen Wänden ab. Während der eine von uns photographierte, stattete Herr Schädelin noch den sechs folgenden, tiefer liegenden Rittern seinen Besuch ab.

Er schreibt darüber folgendes: „ Fast alle Ritter sind am besten über die Westkante zu machen. Bloß bei zweien, wohl Nrn. 6 und 8, fand ich etwelche Schwierigkeiten. Einer ( Nr. 6wackelte bedenklich mit dem Kopfe, so daß ich nicht aufzustehen wagte, sondern ihm bäuchlings über den Helm lag. Ich glaube, dieser feudale Herr ist fruchtlos gepfändet und dem Konkurse nahe, d.h. er droht einzustürzen, wie augenscheinlich mehrere seiner Waffengefährten. Der achte, der wie ein Türmchen aussieht, ist meines Erinnerns auch nicht ganz leicht. Aber zweifellos ist, daß die relativ höheren und schwierigeren Ritter unter den 14 übrigen zu suchen sind! Derjenige, den Sie mit einem englischen Schlüssel vergleichen, erschien mir als ein richtiger Ritter mit flatternder Helmzier. Es dürfte erheblichen Mut erfordern, wenn man ihn ohne Seilsicherung besteigen wollte, da er einmal in der Richtung des Grates und außerdem — wie die meisten Ritter — nach Norden überhängt. "

Auf allen acht obersten wurden Steinmännchen gemacht, auf zweien davon sind sie aber sehr klein, da Herr Schädelin die Steine — weil oben glatter Fels — in der Rocktasche mitnehmen mußte. Diese kleinen Wahrzeichen mögen seitdem zum Teil vom Winde heruntergeblasen worden sein.

Es bleiben also immer noch 14 unbetretene Zacken übrig für unsere eventuellen Nachfolger. Die etwas eintönige Besteigung des Helsenhorns läßt sich unterhalt-licher gestalten, wenn man hernach noch möglichst vielen Rittern seine Aufwartung macht und über deren Kamm westlich abwärts klettert. Aus diesem Grunde seien sie auch hier erwähnt.

Der sehr rauhe, wenig erkennbare Ritterpaß, nachdem man hinten im Kummentälchen bei der verfallenen Militärhütte den Talboden verlassen hat und scharf links ein gutes Stück steil emporgestiegen ist, verfolgt während gut 10 Minuten den Fuß einer Fluh, von der große, hängende, gänzlich geborstene Steinmassen jeden Augenblick herabstürzen und sicheren Tod bringen können. Besonders im Aufstieg ein höchst unheimliches Stück Weges. Wäre der Paß öfter begangen, so sollten unbedingt durch Sprengen die gefahrdrohenden Felsen künstlich zum Absturz gebracht werden. Der auf der topographischen Karte eingezeichnete, ganz hinten im Tälchen abzweigende zweite Weg zum Paß, scheint nicht mehr zu existieren. Wir haben wenigstens nirgends eine Spur desselben entdecken können.

Die gewaltige Nordostwand des Helsenhorns ist wohl nicht ungangbar, scheint aber bisher nicht versucht worden zu sein und ebensowenig der Gang über den Nordwestgrat, von den Felsbastionen der Helsen her. Auch die Ostwand des Hülle-horns wäre es wert, von tüchtigen Bergsteigern versucht zu werden.

B. Das Stockhorn im Baltschiedertal ( 3229 m ). Neuer Aufstieg von Ostnordost, über die Wand nördlich des Ostgrates und Abstiegsvariante.

F. Triner, Otto Kœnig, F. Lauper und Paul Montandon, am 14. Juli 1918.

Von der nun mit Stroh versehenen Felshöhle zur Martisschüpfe, Punkt 1926 der Siegfriedkarte, stieg die Partie zur Hobitzokapelle ( P. 2116 ) hinauf. Es war dort noch zu wenig hell, um mit Sicherheit den richtigen Aufstiegskamin ausfindig zu machen. ( Derselbe bildet den Zugang — über die hohe und lange Fluh, welche den Süd-, Südost- und Ostfuß des Horns verteidigt — zur großen Bergmulde am eigentlichen Fuß des Horns, zwischen dessen Südost- und Ostgrat. Letzterer sendet einen Sporn gegen Süden ab, welcher den besten Aufstiegsweg darstellt. ) Wir zogen uns daher, längs den Flühen, über Moräne, Schutt und steile, harte Schneefelder, immer weiter nördlich aufwärts, uns vergeblich bemühend, den Kamin zu finden, und umgingen schließlich nahe bei Punkt 2447, den großen Ostgrat des Horns bis südlich und etwas oberhalb eines auf der Siegfriedkarte eingezeichneten, südlich von Punkt 2645 gelegenen Couloirs, das zum Baltschiedergletscher abfällt. Erst hier zeigte sich eine in Betracht fallende Aufstiegsmöglichkeit. Um 5 Uhr 45 Min. morgens stiegen wir, in zirka 2600 m Höhe U. M., in die wilde Felsflanke ein. Bis weit hinauf ist es eine mäßig steile Kletterei in brüchigem, plattig abwärts geschichtetem Gestein. Viele lose Steine. Unsere Richtung war schwach rechts, öst- Paul Montandon.

Phot. P. Montandon.

lieh. Im Norden hatten wir den großen Nordostgrat des Berges ( vide Karte ). Höher oben treten Rippen aus der Bergflanke hervor, das Terrain wird steiler, die Auswahl kleiner. Wir kletterten, an zwei Seilen, über und neben diesen Rippen hinauf. Schließlich wird man nach links gedrängt und gelangt, um eine glatte Felsecke sich schiebend, in einen steilen, brüchigen Felskamin, der direkt aufwärts auf einen Seitengrat führt. Im Kamin hat es eine senkrechte, mannshohe Stelle mit wenig Griff. Auf der Höhe des Grätchens, etwa bei der Zahl 3 von 3021 der topographischen Karte, wendet man sich links und erreicht über Fels und Schnee ohne weitere Schwierigkeit den großen Ostgrat des Horns in zirka 3100 m Höhe und damit die gewöhnliche Route. Der Aufbau der Felspyramide des Stockhorns entfaltet sich von dieser Gratschulter aus in großartiger Weise. Es ist ein gewaltiges, wildes Felsgebilde, mit durchweg sehr steilen grauen Wänden. Der gegenüberliegende Südostgrat mit seinen mächtigen, zum Teil senkrechten Türmen und tiefen Einschnitten scheint gänzlich ungangbar. Unsere Höhe war dieselbe wie der Gipfel des obersten dieser Türme. Das letzte Stück von etwa 130 m Höhe, über die Zacken des Ostgrates, hätte schätzungsweise noch etwa eine ständige Kletterei erfordert, die jedenfalls leichter ist als unser neuer Aufstiegsweg auf den Ostgrat. Da wir aber fast alle mit einem frühen Zug heimkehren mußten und der uns nicht bekannte gewöhnliche Abstieg bei dem drohenden Nebelwetter Zeitverlust verursachen konnte, mußten wir schon um 9 Uhr morgens den Rest der Besteigung leider aufgeben und für diesmal auf Vollendung der Tour verzichten. Abstieg zuerst über den ziemlich langen Ostgrat, der keinerlei Schwierigkeiten bietet. Guter, nicht steiler Fels. Wo er dann steil abbricht, oberhalb des Punktes 3021, verläßt man ihn und schlägt sich rechts, südlich. Man gelangt so, über Fels, Gras und schuttige Runsen absteigend, steiler, aber nirgends schwierig, in den oberen Teil der großen Mulde zwischen Südost- und Ostgrat des Horns und sodann, über Schneehänge, zum unteren Teil. Es sind dies die Weiden oberhalb der eingangs erwähnten großen Mauer oder Fluh, die den ganzen Fuß des Stockhorns umgibt Neues aus Oberwallis und Hash.

und über die wir nun den Abstieg zu suchen hatten. Da man uns gesagt hatte, der Aufstiegskamin ( oder Krinne ) befinde sich gerade oberhalb Hobitzo, suchten wir es dort, statt viel weiter westlich.

Wir stiegen schließlich in der mächtigen, zwischen hohen Wänden eingerissenen Runse ab, die nordöstlich der Hobitzokapelle liegt und die, wie wir von oben sahen, bis weit hinab gangbar war. Wir hätten dann das unterste Stück, wenn nötig, Ostgrat und Nordflanke des Tellistockgipfels. Phot, t Pfr. A. Hürner.

durch Abseilen überwunden. Steiler, etwas glatter Einstieg über Rasen und harten Schutt. Im Boden des Risses Schutt und brüchige Felsen, tiefer unten glatter steiler Schnee, der vom Felsen abstand. Ganz unten führt die Runse an offener Stelle gegen halblinks hinüber. Ein enger Graben bildet dort deren Fortsetzung und das letzte Wegstück zu den Schutthängen. Dessen oberster Teil ist überhängend und schwierig, die Griffe spärlich, doch konnte er auch von den Letztgehenden beider Seile ( Lauper und Kœnig ) ohne Abseilen passiert werden. Die Pickel hatten wir vorher hinabgeworfen. Die Stelle ist mit Schulterstand auch im Aufstieg zu machen, besonders, wenn man die Schuhe auszieht. Es folgt noch eine bedeutend leichtere Stelle, und man ist unten und außer Gefahr. Im ganzen Couloir wäre man fallenden Steinen ausgeliefert, es kam aber nicht das geringste von oben herab. Die einzigen gelösten Steine waren die eigenen, es ist dies aber fast nicht zu vermeiden.

Die richtige, offenbar viel leichtere Krinne zum Überwinden der Wand liegt viel mehr westlich, nämlich nordnordwestlich der Hobitzokapelle ( P. 2116 ), wohl ziemlich genau nördlich der Martisschüpfe ( P. 1926 ). Wenn man vorher rekognosziert oder nicht zu früh am Morgen hinaufsteigt, sieht man sie von weitem. Es ist der am weitesten westlich gelegene Riß. Er ist nicht sehr hoch, hat zwei große Sperr-blöcke und oben Gras. Er sieht von weitem nicht schwierig aus, sei aber steil und gebe zu klettern, wie schon der erste Besteiger des Stockhorns, Herr J. Gallet, im „ Echo des Alpes " 1895, Seiten 114—116, bemerkte. Die Hirten sollen sogar die Schafe mit einiger Nachhülfe dort hinaufbringen.

Das Stockhorn ist nun, trotz spärlichem Besuch, von allen Seiten bestiegen worden, mit Ausnahme der Süd westwand. Es führt dort ein enger, schnurgerader, zirka 600 m hoher Riß fast direkt zum Gipfel hinauf. Man tut aber wohl besser, eventuell die Wand selbst zu probieren, trotz der Zacken des Nordwestgrates, den man schließlich zu verfolgen hätte.

Der Südost g rat steht wohl außer Frage.

C. Tellistock ( 2581 m ) über den Ostgrat ( neu ).

Urner Alpen, II. Band, Seiten 186 und 187. Berner Alpen von Dr. Dübi, Band IV, Seite 124.

F. Wuillemin und Paul Montandon, am 9. November 1918.

Die Besteigung dieses, nach allen Seiten sehr imposant sich präsentierenden Felsstockes ist von Westen her durch das Telli nicht ganz so einfach, wie man es nach der Literatur und nach der Siegfriedkarte glauben könnte. Die große Mulde des Telli — zwischen Tellistock und dem Felshorn ( 2431 mfällt gegen Westen, in der Richtung der großen Alp Achtelsaß ( 1797 m ), in schroffen, durch Bänder unterbrochenen Fluhsätzen ab, während man nach der Karte dort nur eine mäßig steile Geröllhalde erwartet. Von den genannten Hütten steigt man östlich in der Richtung des Telli zum breiten, rot markierten Querweg, der von der Engstlenalp, unter dem Tellistock durch, über den Sättelipaß nach Gadmen führt, notabene ein sehr schöner, empfehlenswerter Spaziergang. Man quert den Weg und windet sich oberhalb desselben über steinige Weiden und kleine Fluhbänder aufwärts, möglichst hoch bis unter die Felsen, die das Telli orographisch links begrenzen ( rechts im Sinne des Aufstiegs ). Nun scharf links, über Bänder und das Bachbett schräg aufwärts und hinüber zur Ecke am Westsüdwestfuß des Gipfels 2431 m, und zwar bis zur leichten Aufstiegstelle. Unsere Partie kletterte im Aufstieg, etwa 20 m herwärts dieser leichten Stelle, schwierig über einen glatten und schmutzigen Felsbuckel in die Höhe und fand den besten Durchgang erst im Abstieg. Diese Ecke und Aufstiegstelle bildet den Schlüssel des Aufstiegs ins Telli von dieser Seite her. Oberhalb ergibt es sich von selbst, daß man sich rechts wendet, den Fuß der Fluh verfolgt, das Bachbett oberhalb des großen Abbruchs wieder zurückquert und so auf die jenseitigen Grasschöpfe gelangt. Im Aufstieg sodann stark rechts haltend, später wieder links, gelangten wir auf diese Weise in zwei Stunden von der Alp in die tief verschneite Mulde des Telli in zirka 2200 m Höhe.Viele Schneehühner.

Nun rechts haltend, an der orographisch linken Talflanke durch Tälchen und über kleine Fluhsätze ohne Schwierigkeit, aber mühsam, durch meist schwachkrustigen Schnee watend, hinauf auf das große Schneefeld, das den Gipfelstock umsäumt, und endlich links, in drei Stunden von Achtelsaß, auf den großen Ostgrat des Tellistocks in zirka 2440 m Höhe. Er fällt ganz steil gegen Süden ( Gadmen ) ab. Das Gipfelmassiv des Berges türmte sich nun gebändert vor uns auf. Gemäß Notiz im Urnerführer ( Urner Alpen II, Seite 187 ) und dem Fremdenbuch der Engstlenalp sei der Gipfel von Engländern schon direkt über die Nordwand erklettert worden. Wir wollten nun den Ostgrat probieren, der, im ganzen genommen, nicht steil ist, aber eine Reihe von Abbruchen hat, welche zum Teil ( auf der steilen Nordseite ) umgangen werden müssen. Wir verließen den Grat nur, wo es absolut nötig war, da derselbe der Nordflanke vorzuziehen ist. Die Umgehungen führten zu mehreren, der Steilheit und des haltlosen Schnees wegen nicht leichten, oft etwas vereisten Traversierstellen und Kaminen und sind im Sommer jedenfalls leichter. Der höchste und steilste dieser Kamine war glücklicherweise, mit Ausnahme des Ausstiegs auf tiefen Pulverschnee, verhältnismäßig leicht. Auf dem Grate selbst überwanden wir eine mannshohe und glatte, felsige Stelle, die aber wenig exponiert ist, und fast zu oberst klettert man, etwa 10 m hoch, zum einzigen Mal auf der Gadmer-seite, als Umgehung, in die Höhe. Der völlig senkrechte Absturz mag hier bei 500 m betragen, aber Griff und Tritt sind sehr gut und die Kletterei ganz leicht. In schwach l1/« Stunden von der Gratlücke weg waren wir oben beim Signal, also in zirka 4J/2 Stunden von der Alp. Im Sommer sollte die Besteigung, auch auf diesem interessanten Weg, in wenig mehr als der Hälfte der genannten Zeit gemacht werden können. Das Wetter war leider keineswegs gut, schwere Nebelschwaden stiegen überall auf. Immerhin hatten wir noch einige interessante und schöne Ausblicke ins Triftgebiet, gegen Gadmen hinunter und gen Norden. Der Tellistock hat einen niedrigeren Nordwestgipfel, auf dem ebenfalls ein Steinmann steht.

Abstieg auf der gewöhnlichen Route, zunächst über den Südwestgrat. Man könnte auch in der felsigen Mulde zwischen den beiden Gipfeln abklettern. Der Südwestgrat ist schief rig, mit Geröll auf leichten Platten. Der in den „ Urneralpen " erwähnte Kamin ist in Wirklichkeit eine 1 bis 2 m hohe, ganz harmlose, nicht exponierte Kletterstelle. Bald gelangt man auf das große, in weite Fernen ninaus-leuchtende Schneefeld ( im Herbst wohl Schutthalde ), das den obersten Gipfel umzieht und gegen Südwesten und Westen in mächtiger, kamindurchfurchter Felswand abbricht. Man schreitet nun möglichst nahe den Gipfelfelsen schwach abwärts und um die Nordwestecke des Gipfels. Im Sommer hat es hier möglicherweise Wegspuren.

In dichtem Nebel, der uns bis zur Alp nicht mehr verließ, stiegen wir von dort in tiefem Schnee weiter abwärts, bis wir, zu unserer Befriedigung, im oberen Teil des Telli auf unsere Aufstiegsspur stießen. Wir waren nun geborgen, solange die Spur oder wenigstens die Pickellöcher auch nur einigermaßen erkennbar blieben, was im unteren Teil des Telli, auf den Rasenschöpfen und Felssätzen, aber nicht mehr der Fall war. Am Rand der Flühe, in denen das Telli nordwärts abbricht ( auf der topographischen Karte nicht ersichtlich ), suchten wir geraume Zeit, bis es uns endlich gelang, eine Fußspur, bald nachher eines unserer Steinmännchen und damit den Schlüssel zum Abstieg zu finden ( 1 Stunde 50 Min. vom Gipfel ). Diese vielen und nun sehr willkommenen Steinmännchen, die wir beim Aufstieg in dieser komplizierten Region gemacht hatten, geleiteten uns dann auch über die unteren Bänder hinab auf den Sättelipaßweg. Aber auch hier bedurfte es des Studiums von Karte, Aneroid und Kompaß, um im dichten düsteren Nebel die Achtelsaßalphütten aufzufinden. Um 3 Uhr 40 Min. ( 3 Std. vom Gipfel ) war es dort schon beinahe finster.

Ob der Tellistock über die gewaltige Südwestwand ( an deren Fuß eine Menge interessanter Felstürme dem Grate entragen ), d.h. von oberhalb des „ Sätteli " durch das System von Kaminen, welches sich in der Wand hinaufzieht, erstiegen werden kann, ist unsicher. Für Kletterer wäre dies ein sehr schönes Problem.

Paul Montandon ( Sektionen Bern, Blümlisalp und Alteis ).

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