Besteigungs-Geschichte vom Schreckhorn

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Mit 3 Tafeln ( 33-35 ) und 3 Skizzen im TextVon Ernst Feuz i

( Zürich ) Es sind über 100 Jahre, dass Louis Agassiz und seine Freunde durch ihre wissenschaftliche Erforschung der Gletscher in allen Zeitungen Europas so starken Nachhall geweckt haben, dass selbst Laien daran Interesse zu nehmen begannen. Diese Neuenburger Forscher errichteten um 1840 auf dem Unteraargletscher das weltbekannte « Hôtel des Neuchâtelois ». Auf dem Rücken dieses Eisstromes verbrachten sie alljährlich mehrere Monate. Der Eindruck der schauererregenden Bergriesen um sie herum nahm sie so gefangen, dass sie zunächst an die Ersteigung der Gipfel noch gar nicht gedacht haben. Aber der monate-lange Aufenthalt am Fusse unerschlossener Berge lieh dem Gedanken Schwingen und lockte zur Ersteigung der Riesen. Im Sommer 1841, als die Forscher mit den Schwierigkeiten in den Bergen schon vertrauter waren, gelang ihnen zunächst.die Besteigung der Jungfrau, die vierte in der Geschichte des Alpinismus.

Damit war der Bann gebrochen und weitern Wagnissen keine Grenze mehr gesetzt. Ihre Forschungen führten sie auf immer weitere Höhen, die Gipfelbesteigungen wurden zum Sport. Schliesslich reifte auch der Gedanke, als erste eine Fahne auf den jungfräulichen Gipfel des Schreckhorns zu setzen.

Im Jahre 1842 kehrten die Forscher wieder an ihren Arbeitsplatz zurück mit der festen Absicht, diesen Sommer das Schreckhorn zu besiegen. Desor hoffte auf die Teilnahme Agassiz ', doch hatte dieser seiner Mutter versprochen in diesem Jahr keine weitern Wagestücke zu unternehmen. Desor gewann einen jungen Engländer namens Egerton für diese Tour. Nachdem sie acht Tage vergeblich auf schönes Wetter gewartet, musste Egerton zu seinem grossen Verdrusse unverrichteter Dinge abreisen.

Desor liess aber nicht locker, und es gelang ihm, am B. August 1842 mit Arnold Escher von der Linth, Girard, Jakob Leuthold, Johann Madutz, Melchior Bannholzer, Daniel Briger und Emil Fahner vom Lauteraarfirn den Aufstieg auf den Gipfel der Schreckhörner zu bewältigen. Oben mussten sie aber feststellen, dass sie auf dem falschen Gipfel waren und dass ein westlich gelegener Zacken etwa 30 Meter höher ragte. Die damalige schweizerische Triangulation ergab für den südlichen Gipfel etwa 200 Fuss mehr als für den westlichen. Nun konnte man aber nicht ohne weiteres hinüberwechseln, denn zwischen ihnen und dem höchsten Gipfel starrte ein wilder Grat und gähnte eine tiefe Kluft. So musste man sich mit der Erstbesteigung des südlichen Schreckhorngipfels zufrieden geben.

Alle Welt glaubte aber, die Schreckhörner seien bezwungen worden und erst später, als man für den erstiegenen Gipfel den Namen Gross-Lauteraar- 1 Ich verdanke bei dieser Arbeit besonders die Mitwirkung von Dr. Oskar Hug, der mir sein reichhaltiges Material zur Verfügung stellte, das er für die Neuausgabe des Hochgebirgsführers durch die Schreckhorngruppe zusammentrug.

horn fand, wurde der Irrtum offenbar. Erst 25 Jahre später wurde der gleiche Aufstieg zum zweiten Male gemacht.

Einen weitern Versuch, das Schreckhorn zu ersteigen, unternahm am 7. August 1857 Eustace Anderson mit Peter Bohren und Christian Almer von der Glecksteinhütte aus. Er hatte den Nordgrat im Auge. Diese Tour führte auf den Gipfel des Klein-Schreckhorns, und zwar dessen Erstbesteigung. Ein Weitergehen über den Grat war nicht möglich.

1. Der Weg der Erstbesteiger Soviel hatten diese Versuche gelehrt, dass das Schreckhorn wohl nur von der Südwestseite aus zu bezwingen sei. Von dieser Seite aus unternahm denn auch der wagelustige Engländer Leslie Stephen, damals 29jährig, seinen Angriff. Er biwakierte beim Kastenstein, einem grossen Gneisblock, der schief auf mehreren andern ruht und eine sehr tiefe aber nicht hohe Höhle bildet. Anderntags erreichte er den Schreckfirn auf der von nun an gewöhnlich eingeschlagenen Route. Am Fusse der Schroffen angelangt, erstieg er die grosse felsige Südwand des Gipfels hauptsächlich längs des südöstlichen Randes des grossen Couloirs, welches tief in die Südwand eingeschnitten ist und, wie Sir Leslie ausdrücklich erklärt, direkt vom Gipfel hinunterführt. Der Grat wurde einige Schritte rechts vom höchsten Punkt erreicht und über diesen Grat der Gipfel vollends erstiegen.

Nach dem gedruckten Bericht könnte man annehmen, dass der Weg durch das grosse Couloir direkt über die Südwand zum Gipfel führt. An-schaulicher und klarer ist der Bericht Edmund von Fellenbergs, der 1864 die zweite Besteigung ausführte und von Peter Michel begleitet war, der schon die Partie Stephen geführt hatte. Michel versuchte seine Partie auch diesmal das gleiche Couloir hinaufzuführen, wie 1861. Die Felsen erwiesen sich aber als vereist. Da rief Michel: « Wir müssen uns rechts gegen den Sattel halten und sehen, ob wir da hinauf mögen. » Das Weitere beschreibt Fellenberg folgendermassen: « Wir standen auf dem tiefsten Punkt der Einsattelung zwischen Schreck- und Lauteraarhorn... Der Grat zog sich eine Strecke weit als Firnkante fort ( Elliotwengli ). Dann kletterten wir über den schmalen Kamm... ,Hier sind wir mit Stephen auf den Grat gekommen ', rief Michel plötzlich aus und zeigte uns eine leere Schnapsflasche die zwischen zwei Platten noch unversehrt lag. Es war hier die Ausmündung eines andern Couloirs, welcher mit unserem etwa 300 m tiefer in spitzem Winkel zusammentrifft. Heute wäre Stephens Couloir wegen der übermässigen Vereisung keinesfalls gangbar gewesen. Noch liegen zwei höhere Zacken vor uns... » Weiter berichtet Sir Leslie ( 1907 ): « Noch ein paar Schritte brachten uns auf den Hauptgrat und wir konnten auf den Lauteraarsattel hinunterschauen. Aber zwischen dem Gipfel und uns entwuchs ein Felshöcker, der uns diesen Grat bis auf wenige Meter verdeckte. Der heute gebräuchliche Aufstieg, soviel ich weiss, führt zu einem Punkt auf dem Grat noch etwas entfernter vom Gipfel. Wir standen ungefähr an der Stelle, wo vor einiger Zeit ein beklagenswertes Unglück sich ereignete, das hoffentlich zukünftigen Berg- steigern eine Lehre sein wird, die Regeln des .alpinen Spieles'strikte einzuhalten. » Somit steht es wohl fest, dass die Erstbesteiger den Grat unmittelbar oberhalb des Elliotswenglis erreichten und den Gipfel über den Südgrat betraten. Es ist anzunehmen, dass die Route Sir Leslies erstmals von F. Schmid am 3. Februar 1918 wiederholt wurde. Die Südwand des Schreckhorns bildet also « eines der letzten Probleme in den Alpen », nach der bekannten Redensart, die schon seit bald 50 Jahren immer wiederkehrt. Ein direkter Durchstieg der Südwand wird wohl trotzdem nicht lange auf sich warten lassen.

Die heutige Normalroute in den Schrecksattel ist auf Bild 1 ersichtlich. Man steigt von links nach rechts auf die am Fuss des Couloirs breit ausladenden Felsen, dann über die kleine Felsrippe östlich des Couloirs weiter und direkt zum Schrecksattel. Bei schlechten Schnee- oder Eisverhältnissen im Schreckhorncouloir ist folgender Weg vorzuziehen: Statt am obern Ende der genannten Rippe nach links, ist in das Couloir hinüberzuwechseln und in der bisher eingehaltenen Richtung direkt emporzusteigen. Unschwere Platten, eventuell ein Schneehänglein, führen auf die bald stark ausgeprägte Rippe, welche einen engen Couloir und den tiefen, schmalen Einschnitt im Grat östlich des Schrecksattels begrenzt. Man erklettert diese Rippe, quert auf einem schmalen Band waagrecht hinüber in die Gratlücke und überklettert die schmalen Zacken nach dem Schrecksattel.

Es führen auch noch andere Wege in den Schrecksattel; wir beschränken uns auf die gebräuchlichsten. Vom Schrecksattel zum Gipfel ist der Weg über den Grat gegeben.

4. 8. 1861 Sir Leslie StephenGipfelbesteigung Couloir zu Grat- Christian und Peter Michelzacken oberhalb « Elliotswengli » Ulrich Kaufmann 4. 8. 1864 Edmund von FellenbergGipfelbesteigung über Schreck- Peter Michelsattel Peter Inäbnit Peter Egger 28. 6.1866 Viscount MelgrundGipfelbesteigung über Schreck- Horace Walkersattel Melchior Anderegg Peter Bohren 15. 9. 1866 Bohren mit Peter MichelGipfelbesteigung über Schreck- Peter Inäbnitsattel 27. 7. 1867 T. H. PhilpottGipfelbesteigung über Schreck- J. J. Hornbysattel F. Morshead Christian Almer Christian Lauener Jakob Anderegg 2. Andersongrat ( NW-Grat ) Einer der ersten Versuche, das Schreckhorn von Norden zu ersteigen, endete mit der Erstbesteigung des Klein-Schreckhorns am 7. August 1857 durch Eustace Anderson. Er kam von der Glecksteinseite her, und als sich der Weiterweg über den Grat als unmöglich erwies, stieg er vom Klein-Schreck-horn den Weg über die SW-Flanke ab.

Den luftigen NW-Grat bezwang am 7. August 1883, also genau 26 Jahre nach dem Versuch eines andern « Anderson », die Partie: J. Stafford Anderson und G. P. Baker. Diese bedeutende Leistung fand ihre Anerkennung in der wohl überall geläufigen und bekannten Benennung « Andersongrat ». Man geht gewöhnlich von der Schwarzegghütte aus und ersteigt zuerst das untere Schreckhorncouloir, wendet sich da, wo die gewöhnliche Schreckhornroute nach rechts führt, nach links und ersteigt das Couloir bis zum Ober-Kastensteinfirn. Über diesen Firn erreicht man den Grat zwischen Nässihorn und Schreckhorn auf verschiedenen Varianten. Der gebräuchlichste Weg führt in den Schneesattel bei Punkt 3784. Die erste grosse Felsstufe kann über ein schmales Band und einen Eiswall nördlich umgangen werden. Man begegnet einem Felszahn, der ebenfalls nordöstlich umgehbar ist und folgt dann über den Grat selber bis zum Gipfel. Es ist auch möglich, sich durchaus an die Gratschneide zu halten. Im Abstieg können sämtliche Hindernisse nordöstlich umgangen werden.

7. 8. 1883 J. Stafford AndersonBegehung im Aufstieg G. P. Baker Ulrich Almer Alois Pollinger 10. 8.1885 Dr. Guido LammerBegehung im Abstieg August Lorria 31. 8. 1887 H. SpeyerBegehung im Aufstieg Christian Jossi Hans Kaufmann 3. Südwest-Grat « Ein scheusslich zerrissener Felsgrat löst sich, wohl unüberschreitbar in südwestlicher Richtung, vom Gipfel ab », schrieb Edmund von Fellenberg, nachdem er den Gipfel des Schreckhorns erstiegen hatte. Die Besteigung dieses Grates liess besonders lange auf sich warten. Das mag wohl daher rühren, dass der erste Grataufschwung auch vom Schreckfirn aus gesehen besonders abweisend und unersteigbar erscheint. Doch sind sich alle bisherigen Besteiger in ihren Berichten darüber einig, dass der SW-Grat den interessantesten Weg zum Gipfel des Schreckhorns bildet. Er ist bergsteigerisch vielseitiger als die normale Route über das Schreckhorncouloir und den Südgrat. Es darf auch gesagt werden, dass die objektive Gefahr sehr klein ist. Er ist meist nach Schlechtwetterperioden sofort wieder eis- und schneefrei.

Der untere Teil des SW-Grates ist noch nicht begangen worden. Ein Versuch am 4. August 1929 von Elisabeth Knowlton mit Adolf Rubi wurde infolge Schneefalls abgeschlagen.

Da die Ersteigung deutlich auf unserem Bild ersichtlich ist und keine nennenswerten Schwierigkeiten ausser in manchen Jahren am Einstieg des Bergschrundes und bei der Randkluft zu erwähnen sind, verzichten wir auf eine Wegbeschreibung.

BESTEIGUNGS-GESCHICHTE VOM SCHRECKHORN 26. 7. 1902 J. H. Wicks E. H. F. Bradby C. Wilson 23. 7. 1906 Eric Greenwood W, N. Ling Harold Reaburn 20. 8. 1909 Dr. Th. Thomas Auguste Blanc Jacomin ( von Bonneval-sur-Arc ) 26. 7.1925 J. H. Bell F. S. Smythe 24. 8. 1926 E. V. Slater Rudolf Almer II Quirin Zurbriggen 15. 8. 1929 Miss Knowlton Adolf Rubi 1. 9. 1929 Miss O'Brien Adolf Rubi 5. 8. 1930 Peter Lloyd Harold G. Wager 23. 8. 1932 Duncan Maish Christian Jossi Otto Furrer 26. 8. 1932 Duncan Murdock Adolf Rubi Begehung des SW-Grates Aufstieg Anderson, Begehung des SW-Grates ( im Abstieg ) Begehung des SW-Grates Begehung des SW-Grates Begehung des SW-Grates Erste Führerpartie Begehung des SW-Grates Begehung des SW-Grates Begehung des SW-Grates 2. Partie im Abstieg Begehung des SW-Grates Abstieg Anderson Begehung des SW-Grates im Aufstieg Lauteraargrat im Abstieg Waren alle bisherigen Neutouren am Schreckhorn von Engländern mit ihren Schweizer Bergführern gemacht worden, so stellt die Eroberung des SW-Grates ein Glanzstück führerloser Alpinistik dar. Es verstrichen 30 Jahre, bis die drei unerschrockenen Engländer Wicks, Bradby und Wilson zusehen konnten, wie dieser wild aussehende Grat, den sie erobert hatten, nach und nach die Hauptaufstiegsroute wird. Es bedurfte des wiederholten Beispiels des jungen Bergführers Adolf Rubi, bis auch die Grindelwaldner Führerschaft erkannte, dass der SW-Grat der zukünftige Weg auf das Schreckhorn ist. Dieser bedeutende Führer schreibt: « Der SW-Grat ist eine sehr kurzweilige und schöne Kletterei. Die Schwierigkeiten sind klein und der Grat ist fast immer schneefrei, deshalb der schönste Aufstieg zum Schreckhorn. » Die Ostwand des Schreckhorns Den Gedanken, einen Weg zum Schreckhorn von Osten zu finden, hatte schon die Partie Desors, die 1842 das Lauteraarhorn erstieg.

Die Brüder Pendlebury, bekannt durch die 1872 durchgeführte grosse Besteigung der Monte Rosa-Ostwand von Macugnaga aus, starteten um Mitternacht von der Glecksteinhütte aus und erreichten beim Mondenschein den Lauteraarsattel. Der Lauteraarsattelrücken wurde bis an den Fuss des Schreckhorns verfolgt. Sie erstiegen nach Überquerung desBergschrundes eine schwach ausgeprägte Rippe auf einer Linie, die ziemlich gerade aufwärts gegen den BESTEIGUNGS-GESCHICHTE VOM SCHRECKHORN Schrecksattel Gipfel verläuft und unmittelbar südlich des Vorgipfels auf den Südgrat ausmündet, von wo aus der Gipfel in 10 Minuten erreicht wurde. Bevor sie den Grat erreichten, traf R. Pendlebury ein vom Seil losgelöster Stein auf die Stirne und riss eine blutige Wunde. Doch erholte er sich sogleich. Als sie den Grat erreichten, begegneten sie T. Midlemore mit Christian Lauener und einem anderen Führer, welche im Abstieg vom Gipfel hier auf sie warteten.

Ein direkter Aufstieg durch die Wand zum Gipfel wurde 1938 von den Japanern I. und J. Taguchi begangen. Diese Partie folgte zuerst dem Weg Pendleburys bis ca. 3400 und hackte von dort rechts schräg aufwärts bis zu der Rippe, die sich vom Hauptgipfel herunterzieht. Über diese Rippe wurde der Gipfel über etwas lose Felsen und Eis erreicht. Von der Glecksteinhütte brauchten sie 10 Stunden. Die Partie Boulaz-Bonnant wiederholte diesen Weg 1940. Sie verliess die Hütte um 03 00 Uhr und war schon um 10 00 Uhr auf dem Gipfel. Sie wählte einen Weg durch die Schneewand und betrat nur im obersten Teil die Felsen.

11. 7. 1873 W. M. und R. Pendlebury Peter Baumann Peter Kaufmann Aufstieg vom Lauteraarsattel 7-3!

BESTEIGUNGS-GESCHICHTE VOM SCHRECKHORN 28. 7.1887 H. Woolley Aufstieg vom Lauteraarsattel Christian Jossi Hans Kaufmann 25. 7. 1890 Claude A. Macdonald Begehung im Abstieg Christian Jossi Josef Taugwalder 1897 J. P. Farrar Im Abstieg 21. 8.1922 Willy Richardet Im Aufstieg Hermann Rüfenacht 30. 6.1935 Dr. Oskar Hug Schreckhorntraverse: Aufstieg Anton Simmen Ostwand, Abstieg übliche Dr. Hans von Tscharner Route bis Grindelwald am gleichen Tag Direkte Wandroute 25. 8.1938 I. und J. Taguchi Direkte Route zum Gipfel Samuel Brawand Christian Kaufmann 31. 7.1940 Loulou Boulaz Direkte Route zum Gipfel Pierre Bonnant Die Westwand Die Partie Dr. Oskar Hug verliess am 8. Juli 1935 die Schwarzegghütte um 03 30 Uhr, erstieg den unteren Scbreckhorncouloir zu Punkt 3316. Ein leicht begehbares Felsgrätchen führte bis an den Fuss des grossen von der Gipfelwand herunterragenden Eiscouloirs. Während die Felsen schneefrei und trocken waren, traf die Partie in diesem Couloir schwarzes, hartes Eis an und schlug Stufen. Da der Couloir in der Linie fallender Steine lag, wurde er nach links traversiert und über die gutgeschichteten Felsen am Rande erklommen. Nun teilt er sich in ein nördliches, schmales und sehr steiles Kamin und in einen westlichen, plattigen Graben, der gegen oben immer steiler wird. Dazwischen zieht sich eine steile Rippe empor, die unterbrochen wird durch Absätze und kleine Türme. Diese Rippe endet an der Gipfelwand und gerade dort, wo ein schmales Band nach Norden in den oben erwähnten Kamin hinausführt. Die südlichere Seite der Rippe ist griffig. Nach 50 m links über das Band erreichte die Partie den Kamin und erstieg ihn bis zu einer Stelle, wo er sich so verengt, dass gerade ein menschlicher Körper sich durchzwängen kann. Hier wurde ein Mauerhaken geschlagen und die Überwindung dieses Kamins bildete das schwierigste Stück der ganzen Tour. Diese Stelle ist ca. 30 m hoch und fast senkrecht. Weiter oben weitet sich der Kamin und führt in ca. 4000 m auf den Nordgrat ( Anderson ) an die Stelle, wo dieser eine kurze Horizontale aufweist.

Beim Abstieg im Schreckhorncouloir mussten während 2% Stunden Stufen geschlagen werden. Der SW-Grat wäre für so gute Kletterer die bessere Abstiegsroute gewesen.

Während der Weg der Erstbegeher in der oberen Partie auf den Andersongrat stiess, führte die Route Haidegger-Durand über das westliche Täubchen zum Gipfel. ( Die zwei Schneeflecken auf der Nordwestseite des höchsten Gipfels, die weit ins Land hinausleuchten, sind bekannt als die zwei weissen Täubchen. In der Sage heissen sie die verdammten Seelen oder die verfluchten Nonnen. Von Norden gesehen, liegt das linke Täubchen höher und bildet den höchsten Gipfel. ) Der grosse von der Gipfelwand herunterführende Couloir wurde erklommen und dessen Kuhn nachmittags 15 00 Uhr erreicht. Eine Reihe zum Teil sehr schwerer Risse und Kamine wurden rechts haltend erklettert. Die Gratnähe wurde um 19 00 Uhr abends erreicht und stark links haltend der Gipfel über das westliche Täubchen um 20 15 Uhr.

Später wurde ein neuer Weg vom Kulm des grossen Couloirs aus durch die Gipfelwand gefunden.

8. 7.1935 Dr. Oskar HugDurchstieg der Westwand zum Werner WeckertAndersongrat Walter Rickenbach Anton Simmen 4. 7. 1937 Frau Eggler-DurandDurchstieg der Westwand Hans Haidegger 25. 9. 1941 Dr. Ernst HopfDurchstieg der Westwand Hans SchluneggerGipfelfallinie ) Winterbesteigungen Wohl mehr als irgendein hoher Gipfel der Schweiz ist das Schreckhorn schon früh in den Interessenkreis für Winterbesteigungen getreten. Auch hier finden wir namhafte Grindelwaldner Führer, die mit ihren englischen Herren den Anstoss zu umfassenden Winterwanderungen gaben. Im Winter 1867 wurden das Finsteraarjoch und der Strahleggpass überschritten. Am 26. Januar gelang es schliesslich W. A. B. Coolidge, das Schreckhorn zu besteigen. Er empfiehlt in der Folge die Alpen im Winter zu besuchen; die Kälte sei nicht unerträglich und Besteigungen lassen sich machen, wenn auch nicht so leicht wie im Sommer. Das Thermometer zeigte auf dem Gipfel plus 2 Grad Celsius. 1888 erfolgte die zweite Besteigung und im darauffolgenden Jahr wurde der Gipfel nicht weniger als dreimal besucht. Die erste Winterbesteigung des Lauteraarhorns gelang 1888 einer Engländerin.

Der richtige Winterzugang für Skifahrer führt vom Pavillon Dollfuss über den Lauteraarfirn in die Nähe des Sattels zwischen Nässi- und Schreckhorn ( Skidepot ). Bei guten Verhältnissen am Andersongrat, wie sie von den Erstbegehern im Winter 1902 gewählt wurden, bereitet diese Tour keine Schwierigkeiten Schlimm aber traf es die Partie Dr. Wäffler an. Eine dünne und heimtückische Eis- und Schneeschicht lag auf den Felsen und war so zeitraubend, dass im Abstieg ein Biwak bezogen werden musste.

26.1.1879 W. A. B. CoolidgeNormalweg Christian Almer und seine zwei Söhne: Ulrich und Christen 5.1.1888 P. E. CarteretNormalweg Christian Rothan diesem Tag bestieg Mrs.

Christian BohrenJackson mit Emil Boss, Ulrich Almer und Jon. Kaufmann erstmals das Lauteraarhorn ) 2. 1. 1889 Th. Cornish und LefroyNormalweg Ulr. und Hans Almer Chr. Jossi 3.1. 1889 Tosville. Normalweg Ulr. Kaufmann Hans Bernet 16. 1.1889 LittledaleNormalweg Ulr. und Hans Almer 12. 1. 1897 O. G. JonesNormalweg Hans Almer Peter Jaggi 18. 1.1902 Helene KuntzeAndersongrat ( ohne besondere Peter und Chr. KaufmannSchwierigkeiten ) Dr. Hermann WäfflerAndersongrat Dr. Otto Lienhard Es ist nicht möglich, die Ersteigung des Schreckhorns zu rekapitulieren, ohne an die Bergführer zu denken, deren schlichtes Heldentum durch treue Verbundenheit auf Gedeih und Verderb mit ihren Geführten die Geschichte des Alpinismus wie eine leuchtende Spur durchzieht. Peter Michel verdient bei der Eroberung des Schreckhorns besonders Erwähnung, war er doch bei der ersten, zweiten und vierten Besteigung dabei. Bei der ersten Besteigung war sein Vater, Christian Michel, Hauptführer. Er war damals, als Christian Ahner und Peter Bohren noch im Schosse der Zukunft ruhten, der bewährteste Führer des Gletschertales.

So hat denn das Schreckhorn für alpinen Wagemut seine Schrecken verloren und bildet nur noch einen der Glanzpunkte für Hochtouristik.

Feedback