C. Festbericht

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Die siebenzehnte Jahresversammlung des S.A.C. in Basel war die zweite, welche dieser Stadt seit der Gründung des Vereins im Jahre 1863 zu Theil werden sollte. Manches hatte sich seitdem geändert; aus den frühern 9 Sectionen und 11 Delegirten waren im Laufe der Jahre 26 mit 42 Vertretern geworden; der Festort selbst hatte sich seit dem Jahre 1864, wo das erste Fest daselbst war abgehalten worden, in mehr als einer Hinsicht verändert, sogar die Zwecke und Ziele des S.A.C. hatten sich einzelne Modifikationen müssen gefallen lassen. Alle diese Erscheinungen in ihrer Gesammtheit bildeten genügende Gründe, eine recht stattliche Zahl von Clubisten nach Basel zu locken. Wenn nun letztere trotzdem nicht so ergiebig ausfiel, als man daselbst gehofft und gewünscht hatte, so trug jedenfalls der wenig einladende Anblick, welchen der Himmel vor dem Fest und zum Theil auch während desselben gewährte, die Hauptschuld; immerhin war die Betheiligung eine so lebhafte, wie man sie im Hinblick auf die herrschende Witterung nur wünschen konnte. Es hatten sich im Ganzen 150 Mitglieder der verschiedenen Sectionen des S.A.C. eingefunden, unter welchen namentlich die Section „ Uto " durch zahlreiche Betheiligung glänzte, ferner 8 auswärtige Gäste, worunter 6 Mitglieder des Schwarzwaldvereins, ein Eepräsentant des Vogesen-clubs und einer des deutsch-österreichischen Alpenvereins, dazu die Basler, im Ganzen 245 Festtheilnehmer.

Samstag den 10. September Abends von 5 Uhr an vereinigten sich die Clubisten in großer Zahl in der dem Festpräsidenten, Herrn Albert Hoffmann-Burckhardt, gehörigen Villa „ Solitude " an der Grenz-acherstraße. Gegen acht Uhr trafen auch die Delegirten, welche den ganzen Nachmittag im Stadthause getagt hatten, ein. Kann schon die Lage des genannten Landhauses am Rhein, mit Aussicht auf Jura und Schwarzwald als eine der schönsten in der unmittelbaren Umgebung Basels bezeichnet werden, so wurden diese landschaftlichen Reize noch gesteigert und überboten durch die Liberalität, mit welcher der Besitzer derselben seine Gäste empfing. Zahlreiche im Freien aufgestellte Tische waren mit Erfrischungen mancherlei Art bedeckt, und eine in der Nähe aufgestellte Regimentsmusik aus Mülhausen bot den Gästen durch ihre vortrefflichen Leistungen reichen musikalischen Genuß und belebte den frohen Abend mit Melodien alter und neuer Meister. Das Wetter hielt sich leidlich, und die Sonne war sogar so freundlich, wenige Minuten vor ihrem Untergange den Festplatz zu beleuchten. Als dann die Dämmerung hereinbrach, boten zahlreiche Lampions in Verbindung mit dem ebenfalls festlich geschmückten Wohnhause des Festpräsidenten den Anwesenden den Anblick einer sogenannten venetianischen Nacht. Daß dem freundlichen Gastgeber und seiner anwesenden Familie der gebührende Dank in der Form eines Toastes dargebracht wurde, versteht sich von selbst.

Nachdem es schon völlig dunkel geworden war, wurde aufgebrochen. Man eilte über die obere Rheinbrücke der Kunsthalle zu, um sich dort in zwangloser geselliger Vereinigung und froher Gemüth- lichkeit bis Mitternacht zu ergehen. Da der Abend kühl war und auf die ursprünglich projectirte Benutzung des Gartens von vornherein mußte verzichtet werden, so war es ein Glück, daß der Restaurationssaal im Erdgeschosse des Gebäudes für die beträchtliche Zahl der Anwesenden, wenn auch etwas knapp, ausreichte. Auch hatten diejenigen Gäste, welche während der letzten Jahre nicht in Basel gewesen waren, hinreichend Gelegenheit, die reichen auf Goldgrund angebrachten mythologischen Frescobilder des Saales zu bewundern., Sonntag den 11. September zeigte sich der Himmel nicht nur grau und unfreundlich, sondern der Regen ergoß sich geradezu ström weise in die Straßen. Doch ließ sich die Mehrzahl der Festgäste dadurch nicht abhalten, die zu ihrer Verfügung gestellten Sehenswürdigkeiten Basels, das Münster mit der mittelalterlichen Sammlung, die St. Elisabethenkirche, das Museum und das Bernoullianum zu besichtigen, und höchstens der zoologische Garten war vor allzugroßem Andränge gesichert. Um zehn Uhr öffnete sich der große Musiksaal am Steinenberg, und die Gäste fanden sich nach und nach zur Generalversammlung ein. Der Saal selbst, der seine Reize sonst mehr Abends im Lichte zahlreicher Gasflammen zu entfalten pflegt, am Tage aber ein etwas kahles und düsteres Bild bietet, war festlich geschmückt. Das dunkle Grün der aufgestellten Bäume und der Epheuguirlanden belebte das sonst vorherrschende Weiß der Wandflächen und Capitale wie das spärliche Roth der Pfeiler und bildete mit demselben einen höchst malerischen Contrast. Einen wahrhaft prachtvollen Anblick aber bot das für das Fest- und Central-Comité bestimmte Podium in seinem reichen, geschmackvoll gruppirten Schmucke dar, ein wahres Ehrendenkmal für den Geschmack und die Anstrengungen der Mitglieder des Decorationscomités. Mehrere Privatpersonen sowohl als die naturhistorische Sammlung des Museums hatten ihre Schätze zur Verfügung gestellt, und so prangten denn an der Stelle, wo sonst das Reich der Töne der Einwohnerschaft Basels seine magischen Schönheiten zu spenden pflegt, jetzt ausgestopfte Bären, Gemsen, Alpenhasen u. dgl. nebst den anmuthigen Gebilden der alpinen Vogelwelt. Das weiße Kreuz im rothen Felde und der ehrwürdige schwarze Basel-stab im weißen leuchteten lustig'aus dem üppigen Grün der Guirlanden.

Die Verhandlungen eröffnete die Kede des Festpräsidenten, des Herrn A. Hoffmann-Burckhardt, deren Ideengang, wie er im Protokoll der Generalversammlung skizzirt ist, die Aufmerksamkeit der zahlreich anwesenden Clubisten in hohem Grade fesselte.

Der Centralpräsident, Herr Lindt aus Bern, gedachte des verstorbenen Dr. A. Koth und seiner clubistischen Verdienste, entwarf ein Bild der Thätigkeit des S.A.C. nach den verschiedenen Richtungen und bezeichnete als Hauptresultat derselben eine weit verbreitete populäre Kenntniß von Land und Leuten. Zum Schluß gedachte er des Verhältnisses des S.A.C. zu andern Vereinen und des in allen Gebieten seiner Bestrebungen wahrnehmbaren Wachsthums und Gedeihens.

Sämmtliche Traktanden werden entsprechend den Anträgen der Delegirtenversammlung erledigt. Ueber die Verhandlungen und Beschlüsse derselben erstattete der Centralpräsident kurzen Bericht. Vide Protokollauszug.

Den Schluß der Generalversammlung bildete ein von Herrn Dr. Hermann Christ verfaßter Vortrag, welcher die Alpen selbst, ihre Vegetation, ihre klimatischen Verhältnisse und ihre Bewohner im Hinblick auf Germanen und Romanen und auf Nord- und Südseite zum Gegenstand hatte und allgemeinen Beifall fand.

Als die Versammlung gegen 1 Uhr zum Bankett im Sommercasino anfbrach, schien der Himmel seine Schleusen schließen zu wollen, im Hinblick auf die für den Abend geplante Spazierfahrt immerhin eine tröstliche Erscheinung. Das Bankett selbst fand in der großen gedeckten Halle des Sommercasinos statt. Die Temperatur war anfänglich eine etwas kühle, doch wirkten Speise und Trank bald erwärmend, und die Stimmung wurde in Folge dessen in kurzer Zeit eine belebte und gehobene. Daß es an Tischreden der verschiedensten Art, an ernsthaften wie an humoristisch gefärbten, nicht fehlte, versteht sich von selbst.

Den ersten Toast brachte Herr Hoffmann-Burck-hardt auf das Vaterland, den zweiten Herr Centralpräsident Lindt auf den S.A.C.; ferner toastirte Herr Prof. Schieß auf die Gäste, Herr Dr. Adameck auf den Festort, Herr F. Hoffmann - Merian auf das bisherige und Herr Pfarrer Bernus auf das künftige Centralcomite; Herr Professor Rambert endlich und Herr Dr. Binet aus Genf toastirten in überwiegend humoristischer Weise.

Allmälig hatte sich auch der Himmel aufgehellt, und so konnte denn um 5 Uhr die projectirte und für alle Gäste in hohem Grade interessante und genußreiche .Spazierfahrt über die obere Rheinbrücke nach den lang Erlen und Klein-Riehen stattfinden. Als sich dann bei einbrechender Dunkelheit die ein-unddreißig Wagen wieder der Stadt zuwandten, erglänzte die Großbasier Seite des Rheines von der obern Brücke bis zum Universitätsgebäude am Rhein-sprung in festlicher bengalischer Beleuchtung.

Unmittelbar an letztere reihte sich nun eine zwanglose gesellige Vereinigung in der großen Festhalle der Burgvogtei. Auch diese war gleich dem Musiksaale mit Guirlanden und bunten Wappenschildern geschmückt, und die Regimentsmusik des vierten preußischen Infanterieregimentes trug das Ihrige zur Belebung des Abends bei. Außer den Mitgliedern-des S.A.C. hatten sich übrigens auch Zuschauer und Zuschauerinnen in ziemlicher Zahl eingefunden und die Galerien des Saales besetzt. Das Hauptverdienst hinsichtlich der Unterhaltung der Anwesenden gebührt entschieden einerseits dem Doppelquartette der Basler Liedertafel und seinen entzückenden Ge-sangsproductionen, andererseits einer Anzahl von Turnern, welche malerische, mit stürmischem Beifall aufgenommene lebende Bilder aus den Alpen vorführten.

Am 12. September versammelten sich trotz der trüben Witterung über 150 Theilnehmer am Central-bahnhofe, um dem Bölchen einen Besuch abzustatten. Per Extrazug langte die muntere Gesellschaft in Liestal an, von wo der schmalspurigen Waldenburger-bahn die Weiterbeförderung oblag. Nach einigem Warten fuhren zwei Züge ab und führten die Clubisten in langen Windungen durch das freundliche Walden-burgerthal. Leider konnte man hier die Beobachtung machen, daß die Wildwasser nicht nur in den Alpen, sondern auch in dem bescheidenen Jura ganz respectable Verheerungen anzurichten vermögen. Ueberall zeugten Erdschlipfe, zerstörte Brücken und in den Ortschaften mancherlei Verwüstungen von der Gewalt der Elemente.Nach ungefähr einstündiger Fahrt war Waldenburg erreicht; allein jetzt fing es an, heftig zu regnen, und als man die Landstraße verlassen und den Fußweg über den Leutschenberg einschlagen sollte, wurde die bedauerlichste Demoralisation bemerkbar. Nur etwa sechszehn Unentwegte marschirten auf dem programmgemäßen Wege weiter, die Hauptmacht hingegen eilte dem Kurhause Langenbruck zu, um dort bei einem reichlichen Frühtrunke Trost für die Unbilden der Witterung zu suchen. Die Sechszehn, welche über das Kilch'zimmer dem Bölchen zueilten, fanden im Ersterm für 150 Gäste gedeckt und gaben sich nun alle erdenkliche Mühe, den S.A.C. würdig zu vertreten. Ihre Kräfte waren aber natürlich unzureichend, und die Bewohner des Kilchzimmers werden wohl noch lange von den für die Gäste bereit gehaltenen Käseportionen gelebt haben.

Die Bölehenfluh selbst wurde bei dichtem Nebel und unter unaufhörlichen Regengüssen erreicht, und da von einer Aussicht keine Rede sein konnte, so ging es bald wieder bergab über nasse Weiden und durch Wälder dem eigentlichen Ziele der Wanderung, der Friedau, zu. Hie und da auf Seitenpfaden fanden sich noch einzelne, welche sich von der Hauptcolonne getrennt hatten, darunter auch solche, welche, durch ihr Clubgewissen bewogen, dem Bölchen " trotz allem ihren Tribut zollen wollten. Kurz voider Friedau auf der schönen Straße, welche von Langenbruck dorthin führt, trafen so ziemlich alle Festtheilnehmer wieder zusammen und konnten in geschlossenen Linien auf der Friedau einrücken.

Hier wurde leider die Festfreude nur zu bald durch die erschütternde Nachricht von der Verschttt-tung Elm's gestört. Handelte es sich doch um eine Ortschaft, welche Vielen bekannt und lieb war, von welcher aus Mancher Touren unternommen und Führer und wohl auch andere Dorfbewohner persönlich kennen und schätzen gelernt hatte.

In dem bis in die kleinste Ecke besetzten Saale wich die anfangs gedrückte Stimmung bald gehobenen patriotischen Gefühlen, welche in zahlreichen Tafel-reden zum Ausdruck gelangten. Besonders zündend wirkten die Ansprachen der Herren Rambert, Béraneck und Regierungsrath v. Steiger, welcher von dem Volke in den Hütten sprach, dessen der S.A.C. stets eingedenk sein möge. Ein Antrag des Herrn A. Raillard, für die Nothleidenden in Elm Fr. 1000 aus der Clubkasse zu votiren, wurde einstimmig angenommen.

Durch dieses Votum wurde sichtlich auch der letzte Eest von Mißstimmung, welche die Beschlüsse der Delegirtenversammlung bei den Glarnern zurückgelassen haben mochten, vollständig ausgeglichen.

Wie viel geistliche Herren die Schleusen ihrer Beredsamkeit öffneten, können wir in der That nicht constatiren; es wird jedoch behauptet, einige hätten sogar auf der Heimfahrt im Eisenbahnwaggon das Wort ergriffen. Jedenfalls aber schlug die Stunde, welche'zum Aufbruch nach der nahen Station Egerkingen mahnte, den meisten Anwesenden viel zu früh.

Prof. Carl Meyer.

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