D. Imesch, Pfarrer: Zur Geschichte des Simplonpasses

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passes. Brig 1904.

Ich habe hier drei kleinere Arbeiten zusammengestellt, welche für Touristen mehr als für Bergsteiger interessante Örtlichkeiten der Schweiz betreffen; aber eben weil diese Orte weit herum bekannt sind, wird die hier von den gelehrten Verfassern gegebene Auskunft willkommen sein. Der unsern Lesern wohl bekannte Luzerner Erziehungsrat Dr. Brandstetter gibt in den pädagogischen Blättern von 1904 über den Namen Splügen die mit aller Deutlichkeit bewiesene Erklärung, daß er nichts mit specula, Warte, zu tun hat, trotz der Spuren angeblicher Wachttürme römischen Ursprungs auf der Höhe, sondern daß der Paß Splügenberg seinen Namen von dem am Fuß desselben liegenden Dorfe Splügen, italienisch Spluga, hat, wie der Simplon von Simpeln, daß dieser Name in den italienischen Teilen des Kantons Graubünden und im Tessin, weniger häufig in den rhätoromanischen Gegenden vorkommt, und daß Etymologie und Ortsbeschaffenheit auf eine Schlucht hinweisen. Da nun auch das italienische Wort Spelonca, lat. Spelunca, nicht nur eine Höhle, sondern auch eine Schlucht bedeutet, so muß der Orts- und Paßname Spluga, Splügen, als dialektische Form von Spelonca im Sinne einer Schlucht aufgefaßt werden. Nach Brandstetters richtiger Bemerkung sind unsere Bergnamen erst gegen das Ende des Mittelalters aufgekommen und sind entweder entlehnt von einem Ort am Fuß des Berges, einer Örtlichkeit am Berge selbst oder gebildet nach einer Ähnlichkeit des Berges mit einem Gegenstande. Wie wichtig- es ist, bei Ortsnamenerklärungen das Augenmerk auf die Orts-namengeographie zu richten, zeigt der nämliche Verfasser in der Erklärung des weit verbreiteten Namens Tschuggen im Geschichtsfreund Bd. LIX. Die Deutung W. Götzingers und J. Studers auf jugum — Bergspitze, Joch wird durch Herbeiziehung einer Masse von solchen Tschuggen, die an Abhängen, ja in der Ebene liegen und fast ausnahmslos bewaldet sind, widerlegt. Als gleichen Ursprungs und gleicher Bedeutung werden nachgewiesen die italienischen Namen Zocco, Zocca und ähnliche Namensformen, die französischen Souche und Souchon und als etymon ein ml. Zocchus � Holzstrunk, Stock, wie die romanischen Ortsnamen Tscheppa, Tschuppina und ähnliche von lat. cippus in der gleichen Bedeutung abzuleiten sind und mit den germanischen Namen Ronen und Stocken = Wald-rhodung der Bedeutung nach zusammenhangen. Es bleibt noch zu untersuchen ( Brandstetter selbst wirft die Frage auf ), auf welchen Wegen sich der Name Tschuggen so weit und namentlich in deutsches Sprachgebiet verbreitete.

Dr. J. Stammler gibt in einer trotz ihrer Knappheit ( 35 Seiten ) erschöpfenden Darstellung Auskunft über die Geschichte einer Örtlichkeit, die in neuerer Zeit durch Zugänglichmachung einer interessanten Grotte und bei dieser Gelegenheit gemachte Knochenfunde wieder größere Aufmerksamkeit erregt hat. Die Untersuchung schließt mit den Worten: „ So ist uns das aufgefundene Felsengrab eine Bestätigung der alten Jahrbnch des Schweizer Alpenclub. 40. Jahrg.23 Überlieferung, daß zu „ St. Battent- die Reliquien des heiligen Beat vorhanden waren, und ein neuer Beweis dafür, daß in und bei der Beatushöhle in unvordenklicher Zeit ein heiliger Mann dieses Namens, dessen nähere Lebensumstände uns freilich nicht bekannt sind, lebte, wirkte, starb und begraben wurde. " Da die Beatenhöhle in der Geschichte des alpinen Reiseverkehrs in der Schweiz eine ziemliche Rolle spielt ( siehe Jahrbuch XXXVIII, pag. 222 f. ), so ist dies Resultat auch für uns interessant; die Details und Einzelbeweise zu prüfen steht einer andern Wissenschaft als der unsrigen zu. Dagegen begrüßen wir aufrichtig die Beigabe der hübschen Bilder: 1. Ansicht der beiden Beatushöhlen von außen, K. Wolf, pinx., M. G. Eichler, sculp., 2. Ansicht der trockenen Höhle mit Resten der frühern Vermauerung, Aquarell von G. Lory jun.. Stich von K. Hegi, 3. Aussicht aus der Beatushöhle, von G. Lory jun. in Tuschmanier in Kupfer gestochen. Denn diese Bilder sind gute Specimina zur Geschichte der alpinen Illustration.

Ebenfalls sehr knapp, aber doch im ganzen genügend, wenn auch nur als vorläufige Skizze für eine Geschichte des Simplonpasses, für welche die Eröffnung des Eisenbahnverkehrs durch den Simplontunnel im kommenden Herbst einen denkwürdigen Anlaß böte, ist das der Jahresversammlung des schweizerischen Forstvereins in Brig, September 1904, vorgelegte Büchlein des Hw. Pfarrers von Naters, der schon 1903 im Journal illustre des Stations du Valais Nr. 3 über den Simplon im Altertum berichtet hat. Seine Quelle hierfür, wie für den entsprechenden Abschnitt in seinem neuen Büchlein ist ein Manuskript des f Pfarrers Joller in Rüden, das im Museum des historischen Vereins vom Oberwallis in Brig aufbewahrt wird. Aus der Inschrift von Vogogna ( siehe Jahrbuch S.A.C. XX, pag. 361 f. ) schließt Pfarrer Imesch auf die Existenz einer Römerstraße über den Simplon und betont, daß numismatische Funde, mit Trajan beginnend und gegen Ende des zweiten Jahrhunderts an Häufigkeit zunehmend, dafür zeugen, daß die Straße in der späteren Kaiserzeit ziemlich begangen wurde. Leider ist eine Kontrolle dieser Münzen nicht mehr möglich, wie mir Pfarrer Joller freundlichst schreibt, weil „ s. Z. Prof. Schmid beim Transport der Münzen nach Brig die Fundangaben nicht berücksichtigte ". Pfarrer Joller gibt in seinem Manuskript als Richtung des römischen ( und mittelalterlichen ) Weges an: ^Domo-Crevola-Varzo-Trasquera-Valescia ( Grenze mit Spuren einer DoganaAlpienrung-Gorwetsch-Pianezza-Geschera ( noch im Jahre 1523 Planum Castellum geheißen wegen eines römischen Wachttnrms ) -Frassinone im Alpiental. „ Von den Alpien zog sich der Weg nordwestlich durch die Wengen und das Kellenhorn nach dem Castellberg bei Simpeln. Noch sieht man ob der Waldlinie die sogenannte Heidenmauer mit deutlich gepickelter Straße, ebenso bei Zur Hütten und im Walde des untern Aspboden. Von der Heidenmauer führt die Straße deutlich nach der Kesselkummen und neben dem Glatthom vorbei nach Hohmatten ( Castell-egg ), von Hohmatten senkte sich die Straße nach dem Engiloch, in dessen Nähe noch Spuren vorkommen sollen. " Das weitere Itinerar ist Engeloch-Paßhöhe-Tafernen-Grund-Schallberg-Brei-Lingwurm-Castell-Brig und ist genau nachweisbar. Ich will bei dieser Gelegenheit bemerken, daß die von mir 1894 gesehenen Weganlagen in der Saltinaschlucht mir mittelalterlich, nicht römisch zu sein scheinen. Auch irrt sich Herr Imesch, wenn er sagt, der in Sitten gefundene Meilenstein XVII gebe die Entfernung dieser Stadt von der Paßhöhe des Simplons an. Er ist von Aventicum aus und in Leugen angegeben, nicht in römischen Meilen, und hat sicherlich mit dem Simplon nichts zu tun. Die Angaben über den mittelalterlichen Handelsverkehr über den Simplon sind öfter nach Schulte gegeben als direkt aus Grémaud entnommen. Daneben werden aber aus den Landtagsabschieden und aus dem Stockalperschen Archiv in Brig manche unbekannte Dinge herbeigezogen, so daß das kleine Büchlein eine Bereicherung unserer Kenntnisse über den Simplonpaß bietet. Für die Geschichte der Napoleonstraße hätte die 1823 in Basel anonym herausgekommene, von J. Ph. von Wessenberg verfaßte Schrift: La Route du Simplon mit Vorteil verwendet werden können; sie scheint Herrn Imesch unbekannt geblieben zu sein, der nur Bavier zitiert.

Redaktion.

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