Das Biwak am Zinalrothorn

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Von Ernst Hodel

( S.A.C. Basel ) So haben wir aber Musse, die herrliche Umgebung zu betrachten. Links vor uns türmt sich das Felsenbollwerk der Ostflanke des Zinalrothorns auf. In dieser Wand ist noch Erstlingsarbeit zu leisten. Wir mustern sie und erwägen die Aufstiegsmöglichkeiten. Nach rechts verliert die schroffe Wand an Höhe. Die felsige Gratlinie des Nordgrates des Zinalrothorns, nachdem sie nach ihrer Verzweigung zu einem Schneesattel abgefallen ist, schwingt sich in kühnen Felsstufen zum Gipfel der südlichen Momingspitze auf. Weiter senkt sie sich in nicht minder kühnen Absätzen zu einer Zackenreihe, die zum überwächteten Momingpass überleitet. Dann steigt sie über Schnee und Fels zur nördlichen Momingspitze auf, um jenseits wieder felsig abzufallen und im Schneesattel des Hohlichtpasses unterzutauchen. Hinter uns liegt, dem Auge verborgen, das Nikolaital, aus dem mächtige Wolkengebilde aufsteigen, mit denen der Morgenwind sein leichtes Spiel treibt. Dahinter erheben sich die markanten Gestalten der Mischabel- und der Monte-Rosa-Gruppe. Alles ist getaucht in den rosigen Glanz der Morgensonne. Ob sie wohl in diesem Spiel mit Wolken und Nebel heute auch siegreich bleiben wird? Das Weisshorn ist und bleibt im weissgrauen Schleier einer undurchdringlichen Nebelwand eingehüllt. Warum es sich wohl unserem Auge nicht darbieten will? Die Kamera hält einige dieser schönen, sich stetig verändernden Wolkenstimmungen fest; wir ahnen allerdings, dass dieses Nebeltreiben kein gutes Zeichen für den heutigen Tag bedeutet.

Wegen des tiefen Schnees und des doch reichlich unsicheren Wetters beschliessen wir, die Begehung des Hohlichtpasses und die Besteigung des Schallihorns über den südlichen Schneerücken aufzugeben und die nördliche Momingspitze direkt von Osten anzupacken. Nachdem wir den harmlosen Bergschrund überschritten haben, führt uns ein kurzer Eishang zum SO-Grat, über dessen blockiges Gestein wir nach ca. einstündiger Kletterei um 9 Uhr morgens den Gipfel der nördlichen Momingspitze ( 3867 m ) erreichen.

« Ob diese Route schon gemacht worden ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können », berichtet mein Freund. Ein Blick in den Kessel des Mominggletschers — auch hier brodelt und wogt es — ein gewaltiges Nebeltreiben. Immer höher klettern die Nebelschwaden am Mominggrat empor bis zur Gratlinie, wo sie vom Winde erfasst und ins ätherische Blau hinaus zerfetzt werden.

Bei klarem Wetter hat man von dieser Spitze einen umfassenden Ausblick. Wir geniessen ihn aber heute nur in einzelnen Ausschnitten. Immer mehr zieht uns die vor uns stehende, abweisende Pyramide der südlichen Momingspitze in ihren Bann. Wir rasten nicht lange, sondern beginnen über den teils schneeigen, teils felsigen Grat zum Momingpass abzusteigen, den wir nach % Stunde erreichen.

Jetzt folgt ein exponierter Gang über die teilweise verwächtete Schneide des Passes. Er verlangt ein beheirschtes Gehen unter sorgfältigem Ausbalancieren des Körpergewichtes. Auf beiden Seiten stürzen die Flanken in die Tiefe, und hüben und drüben verspüren wir magische Kräfte, die uns hinunterziehen oder wenigstens in die Knie zwingen wollen.

Der Momingpass wurde erstmals von Whymper im Jahre 1864 überschritten, und wir können die kühne und mutige Leistung nur bewundern. Allerdings hat dieser Übergang nicht so phantastisch ausgesehen, wie ihn Whymper damals geschaut und in einer seiner glänzenden Zeichnungen im Buche « Escalades » der Nachwelt überliefert hat.

Einzelne starke Windstösse wirbeln die Nebelmassen auf und treiben sie ungestüm gegen die Passlücke. Die beabsichtigte Rast unterbleibt, und wir beschliessen, die feuchtkalten Felsen der südlichen Momingspitze unverzüglich in ihrer östlichen Flanke anzugreifen.

Wir müssen uns wieder etwas Heisses brauen. Ich hole eine Handvoll Schnee, und nun soll es zur Abwechslung Kakao geben. Auch dieses Mal kostet es Mühe, bis das Streichholz brennt, dann erlischt das Metastück, und wir müssen eine verstärkte Ladung unterschieben. Und während es wieder wärmer in unserer Behausung wird, fängt Willy für einen Augenblick zu dösen an. Schon umfängt ihn der Schlaf, sein Kopf fällt nach vorne und infolge des plötzlichen Ruckes kommt die ganze Kocheinrichtung aus dem Gleichgewicht, und es ergiesst sich das mit Spannung erwartete braune Getränk auf das rechte Hosenbein meines Freundes und rinnt in seinen Rucksack hinein. Ich glaube, am Tage hätten wir über dieses Missgeschick geflucht, im Biwak nehmen wir es mit ruhiger Gelassenheit auf. Wir haben ja noch Teeblätter, ungemütlicher ist aber, dass der grössere Teil unseres Metavorrates wegen Durchnässung nicht mehr zu gebrauchen ist.

Ein Blick auf die Uhr: es ist einige Minuten vor Mitternacht. Allmählich geht der Samstag, der 5. August, seinem Ende entgegen. Wir versuchen zu singen, aus unseren rauhen Kehlen kommt so etwas wie Gesang hervor, aber bald verstummen diese Laute wieder. Wir sind so müde. « Ja, wenn man sich ausstrecken und schlafen könnte », bemerke ich etwas missgelaunt.

Wir versuchen es und schlummern auch ein; bald aber bewegt sich der eine, dann der andere, weil unsere Lage doch zu wenig bequem ist. Und das wiederholt sich unzählige Male — ein ewiger Wechsel zwischen Schlafen und Wachen. Es scheint uns aber, dass darüber eine geraume Zeit verflossen ist. Ungläubig starren wir auf die Uhr, deren Zeiger erst auf 00.15 Uhr steht, also erst eine Viertelstunde ist seither vergangen. Es ist Sonntag geworden, und es dünkt uns, als ob der angebrochene Morgen uns unbarmherzig jede Sekunde einzeln auskosten lassen wolle, bis es Tag werden wird.

« Aber die Begehung des Mominggrates gehört doch mit zum Schönsten, was ich in den letzten Jahren unternommen habe », suche ich mit Nachdruck zu bekräftigen. « Er gehört zu den selten begangenen Pfaden, die aber in reichem Masse dem einsamen Bergsteiger tiefste Erlebnisse erschliessen. Und weisst du noch, wie wir vom Momingpass in der Ostseite unter den anschliessenden Felsköpfen durchgeschlichen sind? Aber bald haben wir dann den Grat erklommen, sind über einen markanten Gendarmen hinweggeturnt bis zu einer Scharte, aus der sich die Gratkante unerwartet schroff in die Höhe bäumt. » « Wir können heutzutage », fährt Willy fort, « aus dem Schrifttum so viele Einzelheiten einer Bergbesteigung erfahren, dass man glauben könnte, Überraschendes und Unerwartetes nicht mehr vorzufinden. Und doch ist es glücklicherweise nicht so. Wenn man eine Bergtour zum ersten Male und führerlos unternimmt, wer kann uns schelten, wenn wir uns als Erstbesteiger vorkommen, weil diese Tour für uns eine Erstlingsfahrt ist. Der schroffe Grataufschwung hat uns zu denken gegeben. Nirgends ist nach Rezept zu erfahren, wie er zu nehmen ist. Wir haben es zuerst in der östlichen Flanke auf einem ansteigenden Band probiert, das uns aber in die griff- und trittlose Wand hinausgeführt hat. Dann haben wir die westliche Seite benützt, wo einige Absätze zu einer vereisten Platte führen. Und zuletzt nach dem Grundsatz, dass der gerade Weg doch noch der beste ist, haben wir uns über die Gratkante hinaufgearbeitet. Eine Seilschlinge hat uns gemahnt, dass wir doch nicht die Erstbegeher sind. Aber diese Feststellung hat unsere Freude dennoch nicht dämpfen können darüber, dass wir, allerdings erst nach einigem Suchen und Abtasten, diese Schlüsselstelle hinter uns gebracht haben. » Dann geht es in leichterer Kletterei weiter über den Grat bis zum Gipfel der südlichen Momingspitze ( 3968 m ), die wir in 2% Stunden nach Verlassen des Momingpasses betreten. Ein energischer Händedruck. Der Nebel hat uns nun fast vollständig eingehüllt, und die wilde Umgebung übt noch einen stärkeren Eindruck aus, als wenn die Sicht eine vollkommene wäre. Links fällt eine gewaltige Felsmauer, durchfurcht mit Steinschlagrinnen, zum Hohlichtgletscher hinunter. In dieser Wand ist der Abstieg schon gemacht worden, weil die Seilschaft offenbar die Begehung des Nordgrates gescheut hat. Wie ein grosses Schneedach im Winter senkt sich die Westseite bis zu einer gewaltigen Eisrampe, die steil und überhängend zum Mominggletscher abbricht.

Vor uns bietet der Südgrat einen imposanten Anblick. Zuerst springt die felsige Gratkante fast lotrecht in die Tiefe, geht dann in einen wenig geneigten Felsrücken über, der zu einem mit gewaltigen Wächten gekrönten, fast horizontalen Gratstück überleitet, um schliesslich zu einem Schneesattel abzufallen. Jenseits zeigt ein ausgeprägter, steil aufsteigender Schneegrat den Zugang zum Zinalrothorn.

Mittag ist vorbei und unser Magen knurrt. Aber die Spannung, die uns beim Anblick des Südgrates befällt, lässt uns nicht rasten. « Also los, im Schneesattel dort unten wollen wir uns gütlich tun », bestimmt mein Freund, und mir ist recht so. Wir benützen anfänglich die verschneite Westwand, in der wir an brüchigen Griffen und auf kleinen nassen Tritten langsam tiefer kommen, bis wir auf dem felsigen Rücken stehen. Noch ein kurzer Blick über die gewaltige Flanke hinauf bis zum Gipfel der südlichen Momingspitze, und dann kommt der Nebel und entzieht sie unseren Blicken. Der nun folgende Wächtengrat erheischt unsere ganze Aufmerksamkeit. 1 y2 Stun- den hat uns dieser Abstieg gekostet, bis wir im Schneesattel stehen und zum Zinalrothorn hinüberwechseln.

Wiederum wird uns die Rast durch den kalten und starken Wind, der uns hier anfällt, vergällt. An ein Ausweichen in eine der steilen Flanken ist nicht zu denken. Grimmig stapfen wir in den Schnee, zuerst dem Grate folgend, dann rechts in der Westseite. Der Wind wird immer stärker, und es fängt zu schneien an. Es gilt nun, so rasch als möglich den Nordwestgrat des Zinalrothorns zu erreichen, um jenseits zu der Mountethütte absteigen zu können.

Wenn dieser Hang ausapert, so gibt es hier gehörig Stufenarbeit zu leisten; wir sind deshalb froh, dass Schnee liegt, wenn er auch etwas weniger tief hätte sein können. Trotzdem gewinnen wir rasch an Höhe und machen nach einer halben Stunde Rast auf einem Felsenhöcker, wo wir unser verspätetes Mittagsmahl einnehmen. Dann queren wir das grosse dreieckige Firnfeld, das zwischen den beiden Gräten, die unterhalb der Sphinx im Nordgrat ihren Anfang nehmen, sich einbettet. Anfänglich wandern wir noch im dichten Nebel; dann aber hört der Schneefall auf und auch der Wind lässt nach. Und es ist wieder lichter geworden, wie wir nach % Stunden die Felsen zur Schulter hinaufsteigen.

Drüben gräbt die Dent Blanche ihre Umrisse in einen lichten Nebelschleier. Zur Linken schwingt sich der gezackte, imposante Nordgrat des Zinalrothorns auf, und der Blick dringt fast bis zum Gipfel vor. Hinter uns stösst der Gipfel der südlichen Momingspitze keck durch die Nebeldecke hindurch. Durch das graue Wolkendach hindurch blickt stellenweise ein Stück blauer Himmel. « Die letzte Möglichkeit, um ins Val d' Anniviers auszuweichen », spreche ich bedachtsam aus, indem ich die Engelsleiter über den Leblancgrat hinunter betrachte. « Hier stehen wir am Scheidewege, sollen wir zur Mountethütte absteigen, oder sollen wir den Weg über den Nordgrat des Zinalrothorns fortsetzen? » « Wenn wir zur Mountethütte absteigen, dann müssen wir am Morgen in aller Herrgottsfrühe aufbrechen, um noch nach Zermatt zu kommen, wo unser Gepäck liegt, und ob es dann noch zur Heimreise langt, ist fraglich », wendet Willy ein. « Und eigentlich ist das Zinalrothorn die natürliche Fortsetzung des Mominggrates. » Es kommt zu keinem Widerstreit, denn halbwegs sind wir ja schon entschlossen, die Traversierung des Zinalrothorns zu unternehmen. Warum sollten wir nicht Glück haben mit dem Wetter, das sich nun wieder von der besseren Seite zeigt, als dies vor einer Stunde der Fall gewesen ist. Wir zögern also nicht lange, den uns bekannten Grat mit seinen markanten Gesellen anzugehen. Überall liegt Schnee, was uns aber unser Vorwärtskommen nicht hemmen kann. Ein kurzes Gratstück über zerbrochenes Gestein, und dann erklettern wir den Gendarme du Dejeuner, der gleichsam als Wächter des unvergleichlichen Klettergartens seines Amtes waltet. Nicht lange, und wir bemühen uns am Rasoir, dem delikaten Kletterleckerbissen. Die Ausgesetztheit ist eine ausserordentliche und vermittelt wunderbare Tiefblicke. Nach der Überschreitung des Mominggrates geht alles überraschend leicht und flüssig vonstatten. Schon stehen wir vor dem phantastischen Gebilde der Sphinx. « Was mag sie wohl über die Menschlein denken, die ihre Narbe an der Seite entdeckt haben und nun ihre abweisenden Felsen in schräger, plattiger Rinne umlisten », frage ich, bevor ich als Zweiter am Seil das Felsband betrete. « Sie lässt nicht mit sich spassen und verlangt höchste Aufmerksamkeit, denn die kleinste Unvorsichtigkeit kann zum Absturz führen. Anno 1923 hat sie Vater Schär und seinem Sohne das Grab am Fusse der Wand gewiesen.»Wir heben unser Dach etwas hoch, draussen hat es aufgehört zu schneien. Die Kälte kriecht in unsere Behausung hinein, das bleiche Licht der Laterne, das uns anfänglich gewärmt hat, vermag uns nicht mehr Wärme zu geben. Wir schlottern, obwohl wir dauernd unsere Gliedmassen bewegen, und frieren bis auf die Knochen. « Werden wir wohl bei diesen Verhältnissen bei Tagesanbruch den Weg finden? » so lautet die bange Frage. Der Zweifel beginnt unser Gehirn zu quälen, während wir hier tatenlos sitzen und warten müssen. Die Nacht drückt mit ihrer lähmenden Gewalt auf uns und lässt uns fast vergessen, dass der Tag wieder neue Spannkraft geben wird, um den Abstieg fortzusetzen.

Nach der finsteren Sphinx kommt eine lustige Stelle, wie auch im Leben auf ernste wieder heitere Tage folgen. Es ist le Bourrique, ein ca. 40 m langer Reitgrat. Das linke Bein baumelt im Leeren, und mit dem rechten stösst man an winzige Erhöhungen, um dem Rösslein gehörig in die Seite zu geben. Dann schwingt man sich über den Sattel auf die rechte Seite und nach vorne, und das Rösslein ist gutmütig und hält sicheren Stand. Weiter geht es dann auf schmalen Tritten über die Plattenwand des Bosse hinauf. Es ist bester Granit, den wir hier antreffen, vollständig schneefrei, und es bietet dieser letzte Gratturm kein ernsthaftes Problem mehr für uns. 1% Stunden nach Verlassen der Schulter sind wir auf dem Gipfel des Zinalrothorns ( 4223 m ).

Die Kletterei hat uns so in Anspruch genommen, dass wir nicht gemerkt haben, dass das Wetter sich rasch verschlechtert hat. Wir schauen von den aufeinandergetürmten Granitplatten des Gipfels nur in ein Meer wogender Nebel und Wolkenschwaden hinunter. Eine geruhsame Gipfelstunde ist uns nicht vergönnt, denn nach kurzer Rast fängt es zu schneien an, was uns zu einem beschleunigten Abstieg zwingt. Auf der Route an der Kanzel vorbei, über die felsige Abdachung und die anschliessende Binerplatte bis zur Gabel lässt sich kaum Zeit einsparen. Die Felsen sind nass und glatt, teilweise schneebedeckt, und ihre Begehung erfordert grösste Sorgfalt. Im Couloir unterhalb der Gabel stossen wir auf Spuren, die uns auf den Schneegrat hinausführen; dann steigen wir das Firnfeld, das stellenweise vereist ist, gegen den Frühstücksplatz hinunter. Es schneit unaufhörlich. Noch sind wir auf der richtigen Route, wie wir die erste Felsstufe überwinden, dann aber führt uns der weitere Weg — in unser Biwak!

Alles geht einmal zu Ende, auch die lange Nacht. Unsere Laterne ist ausgebrannt, unsere Glieder sind steif und schmerzen, wir haben doch noch geschlafen. Wie wir unser Dach hochheben, schaut ein trüber, kalter Morgen Die Alpen - 1946 - Les Alpes26 in unsere Klause herein. Rasch sind wir auf den Beinen und prüfen mit müden Augen unsere Umgebung, wir sind inmitten einer ausgedehnten Winterlandschaft. Es ist heute der 6. August.

Wir reiben unsere steifen Glieder, ziehen unsere Schuhe an, und langsam kehrt die Willenskraft zurück. Ein karger Imbiss, wir verzehren den Rest des uns verbliebenen Proviants — eine Büchse Sardinen. Ein Schluck heisser Tee weckt vollends unsere Lebensgeister, und dann steigen wir behutsam über Geröll und kleine Felsabstürze hinauf, bis wir drüben den Schneehang erblicken, der felsdurchsetzt zum Rothorngletscher hinabführt. Es ist gewonnen, über den Rothorngletscher und die Moräne, wo wir auf das uns bekannte Weglein stossen, geht es hinunter bis zum Trifthotel. Wie schmeckt dort der heisse Kaffee mit Milch und Butter! Eine Partie, die das Zinalrothorn hat besteigen wollen und des schlechten Wetters wegen zurückgehalten worden ist, betrachtet uns mit kritischen Blicken.Wir rüsten zum weiteren Abstieg, entledigen uns der warmen Sachen, packen unseren Rucksack neu, und da kommt auch die gesuchte wasserdichte Hose zum Vorschein, die so gut verpackt gewesen ist, dass sie sich dem Rucksackboden vollständig angeglichen hatte.

Wie wir das romantische Tal des Triftbaches hinunterwandern und auf unseren Säcken unsere nassen Sachen lustig im Winde baumeln, lässt es sich die Sonne nicht nehmen, gelegentlich durch die Regenwolken hindurch zu gucken. Es ist drückend schwül, wie wir um die Mittagszeit an der festlich gekleideten Schar der Kurgäste vorbei in Zermatt einziehen, um uns im nächsten Barbierladen von unserer ötägigen Kinnumrahmung befreien zu lassen. Bewusst weichen wir allen an uns gestellten Fragen aus. Unsere Erlebnisse sind noch zu eindrücklich und neu, sie gehören noch zu sehr uns selber, als dass wir viel darüber mit anderen reden wollen.

Wir schütteln uns die Hände zum Abschied, und dann entführt mir das rote Bähnlein meinen Freund Willy, mit dem ich zusammen unvergessliche Stunden treuer Bergkameradschaft verlebt habe.

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