Das Onsernonetal

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Von Karl Matter

( Buchs/Aarau ) Wie verschieden sind doch die Tessiner Bergtäler, verschieden in ihrer Natur, verschieden aber auch in ihren Menschen, ihren kulturellen Schätzen und ganz besonders in der Bauart ihrer Häuser. Man darf sie nicht gegeneinander ausspielen, sondern hat jedes nach dem ihm eigenen Charakter zu beurteilen. So ist denn auch mir, dem besonderen Freund des Verzascatales, das so ganz andere Onsernonetal in eigener und neuer Art nahegetreten, als ich es näher kennen lernte.

Das vordem selbst den Tessinern wenig bekannte Tal ist heute von Locarno aus sehr leicht zugänglich, da das Postauto seinen Besucher in knappen zwei Stunden bis zum obersten, 1100 m hoch gelegenen Dorf Spruga hinaufführt. Seine besondere Art und die ihm eigene Schönheit entdeckt man aber erst dann, wenn man es zu Fuss durchwandert, und erst recht, wenn man ihm einen längern Besuch gönnt.

Das Onsernonetal mündet ins Pedemonte aus, den grossen schönen Vorraum mit dem fruchtbaren Boden und den drei einander nahe liegenden Dörfern Tegna, Verscio und Cavigliano, den es mit den Centovalli und dem Maggiatal gemeinsam hat. Es wird vom grünklaren, in tiefen Schluchten meist sich verbergenden Wasser des Isorno durchflössen, der sich bei Intragna, dem Eingangsdorf der Centovalli, mit deren Fluss Melezza vereinigt. Die Talstrasse beginnt bei Cavigliano, steigt nahezu beständig an und hat bis Spruga eine Länge von 21 Kilometern. Es ist eine kühne Bergstrasse, die entweder ganz in den Fels eingegraben oder stellenweise von hohen Mauern getragen wird, allen Windungen des Berghanges folgt — zwischen Cavigliano und Spruga hat man 360 Krümmungen gezählt — und über mehr als 50 feste Steinbrücken führt, von denen viele eine ansehnliche Höhe haben. Die neun Dörfer des Tales, durch die die Autostrasse führt, sind ausnahmslos auf sonnigen Terrassen auf dem linken Ufer und hoch über dem Flusse angelegt, so dass sie alle sehr viel Licht und grossartige Sicht über das Tal besitzen.

Beim Dorfe Russo, das in der Mitte des Tales liegt und heute sein Hauptort ist, trotzdem seine ansässige Bevölkerung heute nur noch 130 Seelen zählt, gabelt sich die Valle Onsernone. Hier mündet der Isorno des Vergelettotales von Norden her in den Isorno des Haupttales. Dieses Seitental ahmt in seinem Richtungsverlauf das Haupttal des genauesten nach, hat dagegen in seinem westöstlichen Oberlauf einen ganz andern, beinah voralpinen Charakter. Um es zu überbrücken, folgt die Strasse von Russo aus etwa einen Kilometer weit seinem linken Ufer flussaufwärts bis zum « Ponte oscuro », der « finstern Brücke », um dann am rechten Ufer in Kehren zum ärmsten, aber herrlich gelegenen Onsernonedorf Crana emporzusteigen und zur hintersten, prächtigen Siedelung Comologno und ihrer Fraktion Spruga zu gelangen.

1 Aus eigenem Erleben und unter Benützung einer Studie von Lindoro Regolatti, « Il Comune di Onsernone».Fortsetzung folgt )

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