Der Grand Combin

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Von Ali Szepessy

Mit 1 Bild ( 93Zürich ) Mit einem leisen Zischen endet der Kristiania vor den grossen Blöcken der Moräne. Er ist der letzte einer Reihe, die sich in bald engen, bald weiten Mäandern bis hinauf zum Fusse des Gipfels zieht, des Gipfels, « der wohl am meisten von allen Bergen in der Schweiz an den Himalaya erinnert » ( A. Roch)1.

Doch das ist nur das eine Gesicht des Berges. Hier imponiert er durch die Harmonie der Linien, auf der Südseite durch seine Wucht, durch die einsame Wildheit der steinschlagzerfrästen Eisfelder auf seiner Ostflanke.

Geographie Die Gipfel des Grand Combin sind in einem Dreieck angeordnet. Der höchste Punkt, le Grafeneire, 4314 m, steht im stumpfen Winkel, von dem der eine Schenkel nach NNO zur zweispitzigen Aiguille du Croissant führt, die mit ihren 4260 m die von Panossière aus sichtbaren Spitzen bildet. Die westliche Ecke des Dreiecks ist der Combin de Valsorey, 4184 m, genau im W des höchsten Punktes gelegen. Alle diese drei Gipfel tragen eine Schneekappe, obwohl das Signal des niedrigsten auf den letzten Felsen der « Arête du Meitin » steht. Der den Combin de Valsorey mit dem Combin de Grafeneire verbindende Grat ist 700 m lang. Er steigt zuerst in einen 4131 m hohen breiten Schneesattel hinab, um nachher den Hauptgipfel zu erreichen. Der andere Schenkel des Dreiecks misst nur 400 m, doch der ihn bildende schmale Schneegrat vermittelt prachtvolle Tiefblicke auf den 700 m tiefer liegenden Glacier du Croissant.

Der Punkt 3987, 900 m nordnordwestlich des Grafeneire, bildet die vierte Ecke des Gletscherplateaus, aus dem die drei Gipfel hervorragen. Dieses Plateau ist auf allen Seiten von Steilabfällen begrenzt. Im Norden und Westen ist es eine hohe Eiswand über einer Felsbarriere, unter der, im Westen, steile Eisfelder folgen, während sie im Norden im Korridor fusst. Hohe Wächten überragen nach Osten steile Felswände, und nur im südlichen Teil dieser Wand steigen die Eisfelder bis fast zum Gipfel. Die Südflanke endlich baut sich in gestuften Felsbastionen bis zum Dachfirst des Verbindungsgrates vom Combin de Valsorey zum Grafeneire auf.

Zwei grosse Grate fallen von diesem Plateau aus zu Tal. Der Westgrat schwingt sich in einer Doppeltreppe vom Combin de Valsorey hinab, diesen mit dem Col du Meitin verbindend. Vom höchsten Punkt zieht der SO-Grat zwischen den Glacier du Mont Durand und den Glacier du Croissant hinab. Zuerst, bis zu einer Höhe von 3946 m ziemlich flach, teilt er sich hier in zwei Aste, die eine grosse dreieckige Wand im Westen und Norden begrenzen.

Die Südwand wird durch zwei Rippen in drei Felder geteilt. Die eine zieht vom Hauptgipfel zum Col de Sonadon *, im letzten Stück vor dem Pass äusserst steil, während die andere dem Ostende des Plateau du Couloir entsteigt und, auf der Höhe vom 3966 m in einem Türmchen endend, nachher in der Wand verschwindet.

Sechs Gletscher umfliessen das Massiv des Grand Combin. Im Süden, westlich des Col de Sonadon, der gleichnamige Gletscher, der bis zum Plateau du Couloir hinauf reicht. Weit unter dieser Schulter verkriecht sich der kleine Glacier du Meitin, und nur im Spätherbst sieht man die riesigen Spalten, die ihn zerreissen. Im Norden des Passes, am Fusse des Westgrates, fangen die oberen Böden des Glacier de Corbassière an. Eine steile, verschrundete dreieckige Eiswand, im Norden durch eine felsige Rippe begrenzt, zieht von hier aus zum Combin de Valsorey, während sich noch weiter nördlich der Glacier du Grand Combin in dieses Becken ergiesst. Dieser zieht sich am Nordfuss des Gletscherplateaus hin, den Korridor bildend. Nach Osten zu geht diese zerspaltene Rampe in eine kleine Terrasse über. Ihr höchster Punkt, 4141 m, ist der Gipfel des Combin de Tsessette, vom Mur de la Côte, dem Fuss des Gipfelgrates zur Aiguille du Croissant, durch den 4090 m hohen Col du Croissant getrennt. Vom Combin de Tsessette zieht ein Grat nach SO zur Tour de Boussine. Der Glacier du Croissant wird von diesem und dem SO-Grat des Hauptgipfels umarmt, bevor er sich in den Glacier du Mont Durand ergiesst, der vom Col de Sonadon nach Osten fliesst.

Geologie Genau so kompliziert wie der äussere ist auch der innere Bau des Combin-massivs. Vor allem wirft sich die Frage auf, wieso er so hoch ist? Die Gipfelflur erhebt sich zwischen Mont Blanc und Dent Blanche nirgends über 3900 m, und plötzlich steht der zweigesichtige Koloss darin! Allein in der kristallinen Kappe, die ihn bedeckt, dürfen wir den Grund seiner Höhe nicht suchen, denn sind die Granite des Mont Blanc de Cheilon, der Ruinette, des Bec d' Epicoun nicht noch härtere Gesteine? Die wahre Ursache des Massivs liegt * Die neue Landeskarte schreibt zwar Col du Sonadon, was aber unrichtigist. Mitteilung von M. Kurz, dem ich auch hier für die Durchsicht des Manuskriptes danken möchte.

viel tiefer im Untergrund und ist durch das Ansteigen der Decken-Achsen nach Westen, zum Mont Blanc zu, bedingt. Die schon erwähnte Gipfelkappe des Grand Combin ist eine südliche Schuppe des Bagnesfächers, die durch die typischen blauen Hornblenden, die sie enthält, charakterisiert ist. Das Alter dieser Gesteine ist grösstenteils vorpaläozoisch. Die Sedimentserien, die in der Ost- und Südwand des Berges erscheinen, sind aus weiter südlich gelegenen Gebieten an ihre heutige Stelle geschoben worden. Die Hauptmasse ihrer Gesteine sind Kalke und Kalkschiefer, welche in der älteren Jurazeit abgelagert worden sind. Dazwischen treten Triaszüge auf.

Namengebung Die Nomenklatur des Combinmassivs ist erst in jüngerer Zeit ins reine gebracht worden. Bei den Bewohnern des Val de Bagnes hiess der heutige Combin de Corbassière, 3715 m, « Grand Combin », während unser Berg « Le Grafeneire » benannt wurde.

Somit fällt die Deutung des Namens, die Jules Guex 2 in seinem Buch gibt: graffe = Spitze und neire = schwarz, wahrscheinlich dahin. Der Name soll aus Bourg-St-Pierre stammen, wo wir aber in keiner älteren Schrift etwas von ihm lesen, obwohl das Val d' Entremont ein vielbegangenes Tal war. Combin versucht Guex von combe = die Mulde, abzuleiten.

Bei den ersten Besteigungsversuchen revidierte G. Studer die Nomenklatur: der Punkt 3715 erhält endgültig seinen heutigen Namen, und das höchste Massiv wird Grand Combin genannt.

Trotzdem aber zieht ein Fehler durch die ganze Literatur. Noch W. A. B. Coolidge nennt 1903 in der « Revue Alpine » ( Mitteilungen der Sektion Lyon des C.A.F. ) den Hauptgipfel, 4314 m, Aiguille du Croissant, und den 4260 m hohen Doppelgipfel ob dem « Mur de la Côte », den « Grafeneire ». Es ist das Verdienst von Marcel Kurz, diesen Irrtum endgültig aufgeklärt zu haben ( Walliserführer Band I, 1. Ausgabe 1923 ). Eia Gipfel ( croissant ) hat zwei Spitzen, diese finden wir aber nur bei Punkt 4260, nicht aber am Hauptgipfel.

W. A. B. Coolidge versucht 1903 in der « Revue Alpine » den Ursprüngen des Namens « Combin » nachzugehen. Er kann feststellen, dass Mitte des 16. Jahrhunderts von einem « Kumben » gesprochen wird. Nachher findet er zu Anfang des 18. Jahrhunderts den Namen « Mont Coupeline », den er als eine Zusammensetzung aus « col » und « Valpelline » zu deuten sucht. Mitte des 18. Jahrhunderts erscheint dann die Form « Compeline » und « Conpeline », während der Name « Mont Combin » das erstemal auf dem von Weiss und Meyer zwischen 1786 und 1802 herausgegebenen Atlas auftritt.

Besteigungsgeschichte Es ist auch dieser Unklarheit in der Nomenklatur zuzuschreiben, dass die ersten Besteigungsversuche auf einen falschen Gipfel führten. Zudem scheint durch irgendeinen Zufall auch das Wetter meist schlecht gewesen zu sein. Ausserdem wurde der Hauptgipfel erst zwei Jahre nach der Besteigung der Aiguille du Croissant erobert. Der Grand Combin ist einer der wenigen 4000er, der von Schweizern erobert wurde. Und dazu von drei Gemsjägern:

Benjamin und Maurice Fellay und Jouvence Bruchez. Angeregt durch die Besteigungsversuche von G. Studer und den Brüdern Mathews, erreichten sie die Aiguille du Croissant am 27. Juli 1857, dem heutigen Normalaufstieg von Panossière aus folgend. Der obere Teil dieses Aufstieges, vom Korridor an, wurde auch am 18. Juli 1858 von den Führern Daniel und Emmanuel Baileys, Séraphin und August Dorsaz aus Bourg-St-Pierre begangen, die den Col des Maisons Blanches überschritte :!, um an die Basis des Korridors zu gelangen. Über diese Route wurde auch am 30. Juli 1859 von Charles de St. Clair Deville mit Daniel, Emmanuel und Gaspar Baileys und Basil Dorsaz der Grafeneire erreicht.

Noch aber war der westliche Eckpunkt, der Combin de Valsorey, unbestiegen. Dieser wurde auf neuem, direktem Weg von J. H. Isler mit Joseph Gillioz am 16. September 1872 erklettert. Vom Col de Sonadon herkommend stiegen sie über ein breites Schneefeld zum Plateau du Couloir auf, auch « Epaule Isler » genannt, um dann direkt der Wand folgend die Schulter, 4095, und von ihr aus den Gipfel zu erreichen.

Eine zu dieser parallel verlaufende Route ist nur zwei Jahre später, am 27. August 1874, eingeweiht worden. R. Durnford erreichte mit D. Baileys und A. Ritz den Gletschersattel, 4131 m, zwischen Combin de Valsorey und Combin de Grafeneire, über die schwach ausgeprägte Rippe der Südwand, in drei Stunden vom Einstieg an.

Die erste richtige Kletterroute, die im Combinmassiv eröffnet wurde, geht über den Westgrat. Es ist noch heute der beste und interessanteste Weg von der Cabane de Valsorey aus. Eingeweiht hat sie Charles Boisviel mit D. Baileys und S. Henry am 1. September 1884.

Bis 1891 kam es scheinbar niemandem in den Sinn, den längsten Grat des Massivs, den SO-Grat, zu versuchen. In diesem Jahre verliessen C. G. Monro und O. G. Jones in Begleitung von A. Bovier und P. Gaspoz am 10. September die Hütten von By, um über den westlichen Col de By an den Fuss des Grates zu gelangen. Monro musste bei zirka 4100 m wegen Unwohlseins zurückbleiben, während die anderen den Gipfel erreichten und über den gleichen Weg, der der beste Felsweg von By ist, zurückkehrten.

Im Jahre 1898 waren, wie schon so manchmal in der Geschichte des Bergsteigens, wieder schlechte Verhältnisse schuld daran, dass ein neuer Weg auf den Hauptgipfel gefunden wurde. F. G. Leatham und G. Lipscomb, mit den Führern J. Maître und P. Maurys, zogen am 3. August aus, um den Grafeneire über den Westgrat zu besteigen. Wegen der tief verschneiten Felsen folgten sie aber, von Bourg-St-Pierre kommend, dem Normalweg weiter. In der Mitte des Korridors angelangt, bogen sie nach rechts ( Südenab und erstiegen über einige hier immer weit herunterreichende Séracs das viereckige Plateau und den Gipfel.

1904 waren es abermals zwei Engländer, J. J. Withers und R. J. G. Mayor, die zusammen mit Adolf Anderimatten und Andreas Anthamatten am 29. August einen neuen Weg durch die Séracs der Nordflanke fanden, der allerdings dem Eisfall nicht weniger ausgesetzt ist als die Normalraute.

* Alles beruht auf den Angaben von Ledebar und seiner Führer, die sich widersprechen ( Mitteilung M. Kurz ).

Am 9. August 1905 führen Maurice und Louis Fellay H. Ledebar auf den Grand Combin. Im Jahrbuch des S.A.C., Band XLI, steht: « ...über die Felsen der Tour de Boussine ». So heisst es auch, auf französisch, in der « Revue Alpine » von 1905. Im Walliserführer ( Band I, erste Auflage, 1923 ) lesen wir «.. .über den Glacier du Croissant und den SO-Grat », was aber in der zweiten Auflage ( 1937 ) wieder dementiert wird, um Ledebar eine direkte Südwandroute zuzuschreiben. Diese scheint aber sehr ungenau angegeben worden zu sein, und es herrscht nicht genügend Klarheit über diese Erstbegehung *.

Eine parallele Variante zur Route von Withers und Mayor entdeckten Emile Fontaine und E. Masson mit E. Michellod am 21. Juli 1907. Sie hat den Vorteil, dem Eisschlag fast nicht ausgesetzt zu sein. Die gleiche Seilschaft erreichte acht Tage später auch das obere, viereckige Plateau, direkt vom Glacier de Corbassière aus, nördlich vom dreieckigen Felssporn, der sich gegen den Combin de Valsorey hinaufzieht.

Auch zum Weg von Ledebar ist eine Variante gefunden worden, die aber scheinbar nur im untersten Teil vom « Originaltracé » abweicht. Sie wurde am 1. August 1931 von M. Baratono, A. Crétier, L. Binel und E. Deffeyes eingeweiht.

Der leider so früh verstorbene Pianist E. R. Blanchet entdeckte 1933, am 20. Juli, mit seinem Freund und Führer Kaspar Mooser eine neue Eisroute auf den Combin de Valsorey, dessen NW-Wand sie in etwas mehr als zwei Stunden durchstiegen.

Elf Jahre vergingen, bis eine neue Route am Hauptgipfel eröffnet wurde. Diese Variante, am 25. Juli 1944 von Nina Alschwang und Adrian Morand eingeweiht, hat die letzten Schatten, die über den SO-Grat hingen, gehoben. Sie griffen die dreieckige Wand, die den eigentlichen Grat abschliesst, im westlichsten, am weitesten zurückliegenden Couloir an, erklommen dieses, sich immer etwas nach links haltend, um dann über eine Sekundärrippe den SO-Grat zu erreichen. Sie benötigten vom Einstieg zum Gipfel neun Stunden, in schlechtgescbichtetem, brüchigem Fels **.

Angeregt durch den Walliserführer ( Band I, zweite Auf läge 1937, Seite 197 ) wurde am 5. August 1946 die letzte grosse Wand des Hauptgipfels, die mehr als 700 m hohe Ostwand, die sich steil über den oberen Boden des Glacier du Croissant erhebt, durchstiegen. Nach einem Biwak ( westlich von Punkt 3098 der neuen Landeskarte der Schweiz ), am Südfuss der Tour de Boussine, stiegen Ruedi Schmid und Ali Szepessy ( beide Mitglieder des A.A.C.Z. ) durch eine Art seichte Rinne vom Glacier du Mont Durand durch den Gletscherbruch des Glacier du Croissant auf die oberen Böden dieses Gletschers. Knapp vor dem Erreichen des Plateaus musste wegen grosser Querspalten in die Felsen der Tour de Boussine ausgewichen werden. Sich nach NW wendend, wurde das Plateau gequert und südlich eines Felsspornes zu einer Schneeterrasse emporgestiegen. Von da stieg die Partie gerade hinauf zu den Felsen, die nördlich eines grossen Couloirs, unter einem gelblichen Turm, erreicht * Alles beruht auf den Angaben von Ledebar und seiner Führer, die sich widersprechen ( Mitteilung M. Kurz ).

** Mündliche Mitteilung der Erstbegeher.

V.wurden. Die Seilschaft kletterte in den Felsen hinauf weiter, überschritt das Couloir und wandte sich schräg nach links aufwärts, um zur nördlichen Begrenzung des obersten Eisfeldes zu gelangen. Wieder wurde ein enges Couloir benützt, um die das Eisfeld nach unten zu begrenzende Felsbarriere zu überklettern. Um dem ständigen Steinschlag auszuweichen, wurde sobald als möglich nach links auf das Eisfeld tra versiert und über dieses der SO-Grat erreicht, ungefähr 30 m vom Gipfel entfernt. Der Aufstieg benötigte vom Biwak zum Gipfel achteinviertel Stunden, ohne Rasten, wovon zweieinhalb auf die 160 m des obersten Eisfeldes entfallen. Sowohl Fels- als auch Eishaken wurden zur Sicherung benötigt 3.

Routen besprech ung Dank der Struktur des Massivs können wir die Routen in zwei Kategorien einteilen. Die Schneewege im Norden und die Felsanstiege auf der Südseite. Die NW-Wand des Combin de Valsorey und die Ostwand des Grafeneire nehmen als Eisrouten eine Mittelstellung ein.

Ausser dem Westgrat, der scheinbar auch schon direkt erstiegen worden ist, so der grosse Aufschwung von R. Waser, A.A.C.Z., F. Lochmatter, A.A.C.Z., J. D. W. Tomlinson, C. V. M. C, und M. C. Ball, C. V. M. C, am 29. August 1947, und dem SO-Grat, wo z.B. die Seilschaft Alschwang-Morand fast nie vom Steinschlag belästigt wurde, sind alle anderen Südanstiege stark den objektiven Gefahren ausgesetzt. Ebenso die NW-Wand und die Ostwand.

Wahrscheinlich bieten die beiden letztgenannten Wände, ihrer Steilheit und der grossen Bergschründe wegen, und die beiden Hauptgräte die schwierigsten Routen, die auf den Gipfel führen. Die Routen der Südwand scheinen von Ost nach West leichter zu werden. Tatsächlich weiss man z.B. bei der westlichsten nie, ob man gehen oder klettern soll; doch kann man meistens gehen. Die Schneewege der Nordseite stellen fast keine technischen Probleme, vorausgesetzt, dass man die primitivsten Begriffe vom Stufenhacken kennt. Aber sie sind alle lang, ermüdend und vom Eisschlag bedroht.

Erwähnen wollen wir noch, dass die Ostwand der Aiguille du Croissant noch nicht durchstiegen ist. Sie misst ungefähr 400 m, ist sehr steil und dem Steinschlag ausgesetzt, dürfte aber über die zentrale Rippe ersteigbar sein.

Dass der Normalweg des Massivs heute eine beliebte Skitour ist, dürfte allen bekannt sein. Doch ist auch der Westgrat schon öfters im Winter begangen worden sowie auch eine der leichteren, westlichen Südwandrouten. Diese Zugänge haben wir oben bereits besprochen.

Die Pässe Die Pässe, die das Gipfeltrio umgeben, sind so eng mit seiner Geschichte verbunden, dass ihnen hier noch einige Sätze gewidmet sein sollen. Als erster ist der Col du Meitin, 3609 m, am 6. August 1861 von W. F. Jacomb und W. Mathews mit J. B. und M. Croz erreicht worden. Vielleicht auch schon von Jouvence Bruchez, während die anderen Mitglieder der Seilschaft von W. Mathews, 1857, die Aiguille du Croissant bestiegen. ( Zweite Besteigung. ) Die Alpen - 1948 - Les Alpes27 Heutzutage wird dieser Übergang im Sommer oft traversiert, manchmal auch im Winter, um von der Valsoreyhütte zur Panossière zu gelangen, oder umgekehrt.

Am Tage nach der Überschreitung des Col du Meitin zog die gleiche Seilschaft, ohne Mathews, auf neue Kundschaft aus. Von Bourg-St-Pierre kommend stieg sie im Süden des Plateau du Couloir an und erreichte den oberen Sonadongletscher über seinen schwierigen Abbruch. Von hier aus wendeten sich die Bergsteiger nach Osten und erreichten bald den Col de Sonadon, 3504 m. Von der anderen Seite scheint dieser Pass das erstemal von Isler mit Gillioz erreicht und überschritten worden zu sein, bevor sie den Combin de Valsorey bestiegen.

Heute gehört der Col de Sonadon zur « Haute Route ». Allerdings ist er im Winter nicht immer leicht zu überschreiten. Die steilen Hänge westlich des Plateau du Couloir, das scheinbar das erstemal von F. T. Wethered mit U. Almer und einem Träger am 27. August 1878 von Valsorey aus erreicht worden ist, stellen auch bei guten Verhältnissen ziemliche Anforderungen.

Vom Übergang, Punkt 4131, zwischen Grafeneire und Combin de Valsorey, haben wir schon weiter oben gesprochen. Als eigentlicher Pass ist er kaum in Betracht zu ziehen.

Schliesslich sei noch der Col du Croissant, 4090 m, erwähnt. Seine Nord-west-Flanke wurde natürlich schon bei den ersten Besteigungen im Massiv begangen. Aber erst 1946 gelang die Traversierung des Passes. Nach dem Durchstieg der Ostwand des Grafeneire stieg die Seilschaft Schmid-Szepessy zuerst der Normalroute folgend bis zum Sattel ab. Eine 45 m hohe Abseilstelle führte sie dann durch die Wächte hindurch und über einen sehr steilen Eishang in die obersten Felsen. Der weitere Abstieg vollzog sich links des grossen Couloirs, das sich vom Pass herabzieht, in gutgestuftem, aber sehr losem Gestein. Auf der Schneeterrasse angelangt, musste die Partie, um sich vor dem Steinschlag aus der Wand der Aiguille du Croissant in Sicherheit zu bringen, dieser nach Osten folgen. Hinter einem kleinen Felsspitz fand sich dann ein leichter Abstieg auf das Plateau, wo die Aufstiegsroute wieder getroffen wurde 4.

Damit sind wir am Ende unserer Reise um das Grand-Combin-Massiv. Vielleicht gelang es mir, die Schönheit dieser hohen Gipfel etwas ins Licht zu rücken. Eine Wegbeschreibung ist flach und farblos. Aber wenn wir bei Sonnenschein und Wolkentreiben auf dem Gipfel stehen und die Wege selbst erforscht haben, dann enthüllt sich uns die ganze Pracht und wilde Grosse des Berges!

Siehe Walliserführer, Bd. I, wo die genauen Routenbeschreibungen und eine ausgezeichnete Literaturzusammenstellung zu finden sind. Sodann siehe:

1 A. Roch: La Haute Route; Marguerat, Lausanne 1943.

2 J. Guex: La montagne et ses noms; Rouge & Cie, Lausanne 1946.

3 Die Alpen, 1946, September. Alpine Chronik, S. 233 ( technische Notiz über die Ostwand des Grafeneire und des C. du Croissant ).

4 51. Jahresbericht des Akademischen Alpenclubs Zürich, 1946. ( Artikel über die Ostwand des Grafeneire [Routenskizze] und des Col du Croissant ) von Ali Szepessy.

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