Die Entwicklung der Gebirgsphotographie im S. A. C.

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Von F. Kundig

Mit 4 Bildern.Bern, Sektion Bern ).

Die Kleinfilmkamera hat sich heute restlos durchgesetzt und hat hauptsächlich in den Bergsteigerkreisen raschen Eingang gefunden.

Die Handlichkeit, rasche Bereitschaft und besonders die damit erzielte Gewichtsverminderung haben die schweren Apparate verdrängt, wenn auch ehrlich zugegeben werden soll, dass damit andere, technische Vorteile geopfert werden mussten.

Der letzte Umstand hat mich bewogen, Vergleiche zwischen der einstigen und jetzigen Arbeitsweise anzustellen und die innern Zusammenhänge zwischen der Photographie und dem Tätigkeitsgebiet des S.A.C. zu untersuchen.

Ich war mir bewusst, dass ich auf ganz interessante Tatsachen stossen würde, aber meine Erwartungen wurden noch übertroffen, ob der Fülle des gefundenen Materials.

Wertvollen Aufschluss fand ich in erster Linie in den beiden ausführlichen Festschriften von Dr. Dübi: « Die ersten fünfzig Jahre des S.A.C. » und « Die ersten fünfzig Jahre der Sektion Bern ».

Aber auch in den übrigen Festschriften der Gründersektionen und in Jahresberichten sowie in den alten Jahrbüchern war viel Material zu finden, hauptsächlich aber stiess ich auf wertvolles Bildermaterial in der Bibliothek der Sektion Bern.

Leider standen mir die Archive anderer Sektionen nicht zur Verfügung, vielleicht wird da und dort ein Klubkamerad durch meine Arbeit angeregt, ebenfalls in dieser Beziehung Nachforschungen anzustellen.

Anhand des gefundenen Materials darf ich füglich behaupten, dass in keinem andern Verband unseres Landes die Photographie so gepflegt wurde wie im S.A.C. Sie bereicherte schon frühzeitig in grossem Masse die Anschauung der Bergsteiger, und die Touristik wurde durch die vielen genauen photographischen Aufnahmen, welche der Topographie als wertvolle Grundlage dienten, sehr stark gefördert.

Im Jahre 1875 wurde der Beschluss im S.A.C. gefasst, die Rhonegletschervermessung durchzuführen, 1881 stellte der S.A.C. an der internationalen Ausstellung in Venedig beachtenswerte Photographien davon aus. Ein sicherer Beweis, dass die Photographie schon Ende der 70er Jahre bei dieser grossen wissenschaftlichen Arbeit eine berufene Rolle spielte.

Nach Dr. Dübi hielt schon im Jahre 1867 ein Mitglied der Sektion Bern, Julius Beck, einen Vortrag über « Das Photographieren im Hochgebirge ». Im Band IV des Jahrbuches, vom Jahre 1867, erschien von Beck bereits ein anschaulicher Aufsatz übe:r « Das Photographieren im Hochgebirge ». 1873 treffen wir Beck wieder in Bern, wo er unter dem famosen Titel: « Ein photographischer Ausflug auf dem Mönch » einen Vortrag hält. 1882 schenkte er der Sektion Bern eine Sammlung Bergbilder, total 1012 Stück im Format 13:18 cm, wozu dann noch die Sellasene Sammlung kam, so dass der Chronist 1903 melden konnte, die Sektion Bern besässe jetzt eine Sammlung von 1412 photographischen Bildern!

1905 erhielt dann die Sektion Bern seine sämtlichen Negative! Welche Unsumme von Arbeit und Geld in dieser Sammlung steckt, können wir uns heute nicht mehr vorstellen. Bilder und Platten sind heute noch in gutem Zustande, wenn auch einige Bilder bereits etwas vergilbt sind.

Aber auch andere Sektionen legten photographische Sammlungen an. So meldet St. Gallen schon 1880 eine Bildersammlung, und die Sektion Uto weist 1881 darauf hin, dass ihre Sammlung schon etliche hundert Bilder aufweise. Besonders rührig war die Sektion Genf. 1879 kaufte sie einen eigenen Photoapparat, der den Mitgliedern für ihre Bergfahrten zur Verfügung gestellt wurde. Bereits 1883 wurde der erste Projektionsvortrag durchgeführt. Mit leisem Lächeln liest man den Bericht darüber! Der kleine Projektionsapparat, wohl eine « Zauberlaterne », wurde durch eine Petrollaterne erhellt. Diese Lampe entwickelte aber trotz aller Vorsicht einen solchen Qualm, dass der Saal bald mit einem dicken, stinkenden Rauch angefüllt war! Der zweite Versuch gelang besser. Die Projektionsvorrichtung wurde hinter der Leinwand aufgestellt, die öfters mit Wasser befeuchtet werden musste, damit sie durch-lässiger wurde. 1899 wurde in der Sektion Genf die erste Photosektion des S.A.C. gegründet, welche dann zusammen mit der Gesangssektion ( gegründet 1885 !) alljährlich die bald über Genf hinaus berühmten Projektionsabende durchführte.

1901 erhält die Kodakgesellschaft ein Patent auf Tageslichtfilm. Diese umwälzende Neuerung brachte der Liebhaberphotographie neuen Aufschwung. Die Apparate wurden handlicher und bedeutend leichter im Gewicht. Damit fand die Photographie viele neue Anhänger im S.A.C. und brachte auch eine Bereicherung des Vereinslebens in den Sektionen. Bis zu diesem Zeitpunkt finden wir in den Berichten nur selten den Vermerk: Vortrag von X. Y. « mit Projektionen ». Dies änderte aber sofort. In den Berichten der Sektion Bern finden wir 1900 und 1901 von je acht Vorträgen nur zwei mit diesem Vermerk, aber bereits vier Jahre später hat sich das Blatt gewendet, von acht Vorträgen war nur noch einer ohne Projektionen!

Bereits 1901 kaufte Bern einen eigenen Projektionsapparat für die Summe von Fr. 800, andere grössere Sektionen folgten diesem Vorgehen in raschem Tempo.

Auch in den Jahrbüchern finden wir vermehrte Notizen über die Gebirgsphotographie, und in einzelnen Sektionen treffen wir ab und zu auf Vorträge unter dem Titel « Über das Photographieren im Hochgebirge ».

Dass das C. C. der Photographie alle Aufmerksamkeit schenkte, kann uns unter diesen Umständen nicht verwundern.

Im Jahre 1906 stellte die Sektion Winterthur die Motion, dass die Gründung einer Zentralstelle für alpine Projektionsbilder an die Hand zu nehmen sei. In der Abgeordnetenversammlung 1907 in Bern beschloss man die Gründung einer solchen Zentralstelle und sprach einen Kredit von Fr. 500. Als Die Alpen — 1942 — Les Alpes.8 Leiter wurde Franz Rohr von Bern bestimmt und die Sammlung in die Räumlichkeiten des alpinen Museum untergebracht, wo sie sich heute noch befindet. Zwei Jahre später, in Zürich, wurde neuerdings ein Kredit von Fr. 1000 bewilligt. Dass diese Zentralstelle ein Bedürfnis war, geht daraus hervor, dass heute jährlich während der Vortragssaison einige tausend Bilder ausgeliehen werden! Es ist das aber auch ein Zeichen, wie eng die Photographie mit den Bestrebungen des S.A.C. verbunden war und ist.

Heute stellt sich nun automatisch die Frage: Wie wurde früher photographiert? Die jetzige junge Generation kann sich kaum einen Begriff machen, von den Schwierigkeiten, welche einst die Gebirgsphotographen überwinden mussten, denn die heutigen, gut ausgebauten Klubhütten standen damals noch nicht so dicht. Es brauchte nicht nur Idealismus, sondern auch grosse Willenskraft, alle Schwierigkeiten zu überwinden.

Im Jahrbuch von 1867, Band IV, schreibt Julius Beck aus seinen Erfahrungen heraus sehr anschaulich über seine Erfolge und Misserfolge. Seine Ausrüstung bestand aus einer Kamera mit Bildgrösse 13:18 cm, von der Firma Koch in Paris, dazu ein Objektiv von 18 cm Brennweite aus den Werkstätten der Firma Lerebours & Secretan in Paris, und ein anderes « Glas » von 30 cm Brennweite. Ferner ein zweiteiliges Holzstativ sowie sechs Kistchen mit je sechs Platten in Kartonkassetten und als Reserve 36 weitere Kartonchassis, alles in einem speziellen Tornister verpackt. Total mit Platten ein Gewicht von 28 Pfund .I Der Kostenpunkt betrug für die damalige Zeit die schöne Summe von Fr. 305. Eine Platte kostete ca. Fr. 1.50. Beck benützte die Tannintrockenplatten der Firma Puech in Paris.

Im Band 26 des Jahrbuches, Jahrgang 1890, berichtet Emil Huber, Sektion Uto, etwas eingehender über seine Ausrüstung. Huber scheint schon allerlei photographische Kniffe gekannt zu haben. Er sucht das Gewicht seiner Ausrüstung zu verkleinern, lässt das Stativ zu Hause, verwendet dafür seinen Pickel mittels einer Spezialeinrichtung, die er leider nicht beschreibt. Den Apparat stelle er beim Gebrauch auf Felsvorsprünge, Steinmandli etc. Seine Kamera, ebenfalls Format 13:18, ist ein Fabrikat von Rauser in Genf; die Optik stammt von der Firma Suter in Basel, ein Aplanat Bill von 25 cm Brennweite. Die Hinterlinse lässt sich abschrauben, und die Vorderlinse ergibt ein Objektiv von 50 cm Brennweite. Damit kann er die fernen Berge sehr nahe heranholen. Das Gewicht seiner Ausrüstung beträgt, allerdings mit nur 12 Platten, ca. 7 kg.

Huber verwendete « Lunierplatten »; sollte wahrscheinlich heissen Lumière. Er arbeitet hauptsächlich mit Blende 2 mm und exponiert 1,5 bis 2,5 Sekunden, während Beck zwei bis vier Minuten belichten musste. Allerdings liegt zwischen der Tätigkeit beider Männer bereits eine Spanne von 23 Jahren!

Beck entwickelte nicht selbst, wogegen Huber sein Entwicklerrezept bekannt gibt: Hydrochinon oder Eisenoxalat. Huber kannte damals bereits auch die « Platten » aus Zelluloid von John Carbutt in Philadelphia. Dieses Produkt verwendete er auf seinen Gebirgsfahrten in Britisch Columbia.

Beck schildert seine Arbeit bei einer Besteigung des Wetterhorns sehr anschaulich. Für vier Aufnahmen benötigte er 45 Minuten. Leider sind diese vier Aufnahmen nicht gelungen, weil er unter den besten Verhältnissen ( « Temperatur, Aussicht und sonstige Beschaffenheit des Himmels und Erde lassen nichts zu wünschen übrig » ) dennoch vier Minuten exponierte statt nur zwei. Dabei sank das Stativ langsam in den Schnee tiefer ein, so dass sich die Konturen drei- bis viermal abzeichneten! Auf dieser Tour scheint er vom Pech verfolgt zu sein, denn « von den weitern acht Aufnahmen bei Gleckstein erwiesen sich nur drei Platten als interessant ». Bessern Erfolg hatte er im gleichen Jahre auf seiner Tour auf den Monte Rosa. Von 24 Platten, die er auf die Dufourspitze schleppte, belichtete er 17 Stück und « keine einzige erwies sich als ganz wertlos ».

Sicherlich schon für die damalige Zeit ein hervorragendes Ergebnis! Belichtungsmesser oder Tabellen waren noch unbekannt, und die Expositionszeit wurde nach der Helligkeit der Mattscheibe beurteilt, wobei natürlich frühere Erfahrungen eine wesentliche Rolle spielten. Auch Momentverschlüsse gab es erst später; exponiert wurde nur mit dem Deckel.

Um die nötige Zeit zu gewinnen, wurde stark abgeblendet, dadurch erhielten die Bilder natürlich eine grosse Tiefenschärfe, sie zeigen denn auch vom nahen Vordergrund bis in die Ferne eine erstaunliche Schärfe. Diese Arbeitsweise gibt uns auch die Erklärung, warum wir so selten eine Staffage in den altern Bildern sehen. Bei Personenaufnahmen fallen die steifen Figuren auf, es sind Bilder ohne Leben!

Die Gelbscheibe, sogenannte Kontrastfilter, wurden erst später verwendet, als die orthochromatische Platte in den Handel kam ( 1872 ).

Franz Rohr, Bern, nahm zu Beginn seiner photographischen Tätigkeit oftmals die ganze Entwicklervorrichtung mit, um seine Platten sofort kontrollieren zu können. Er führte ein genaues Register über die Aufnahmedaten und hatte bald eine fabelhafte Sicherheit in der Beurteilung der Expositionszeit. Er verwendete immer nur Lumièreplatten und -papiere, wechselte die Marke nie.

Betrachten wir die alten Bilder, so fällt uns die saubere Technik sofort auf. Aber « bildmässige Aufnahmen » sind sehr selten. Die Photographen wollten so viel wie möglich auf ihrer Platte haben und hielten sich streng an ihre Vorbilder. Das waren die gezeichneten und übermalten Panoramen. Solche Panoramen zu erhalten, galt lange als die höchste Kunst, und wir können genügend solche finden, die eine Länge bis zu 60 cm und darüber aufweisen.

Die Auswahl von photographischen Papieren war sehr gering, man kannte nur das Auskopierpapier, viel später dann das Bromsilberpapier.

Vergrösserungsapparate waren für den Amateur zu teuer, und so blieb nichts anders übrig, als grossformatige Platten zu verwenden. Ich fand Originalabzüge von 18: 24 cm bis zu 30: 40 cm.

Besonders beliebt waren die Diapositive, denn damit war die Möglichkeit geboten, die Bilder gleichzeitig einem grossem Publikum vorzuführen.

Beck stellte seine Bilder aus oder liess sie von Hand zu Hand zirkulieren. Weil die Originale meistens 13:18 cm massen, mussten davon für die kleinern 9:12 cm oder 8,5:10 cm Plattenausschnitte genommen werden. In der Regel wurden aber die Originalaufnahmen verkleinert, und zwar mittels des Aufnahmeapparates. Franz Rohr hatte sich zu diesem Zwecke eine eigene Vorrichtung geschaffen, wobei er absichtlich die Verkleinerungen stark überexponierte und dann im Blutlaugensalz wieder bis zur gewünschten Stärke abschwächte. Eine langweilige Arbeit!

Schon frühzeitig wurde der Wunsch wach, farbige Bilder zeigen zu können. So wurden die Dias koloriert; es entstanden aber manchmal fürchterliche Kitschbilder. Ein Meister im Kolorieren war unstreitig Heller in Zürich. Seine handkolorierten Bergblumenbilder sind jetzt noch wahre Kunstwerke und unerreicht.

Neue Erfindungen verbesserten die Apparate und Optik, das Platten- und Filmmaterial wurde beständig verbessert und die Auswahl der Papiere immer grösser. Dann tauchten die Gummidrucke auf, der Öldruck u.a. m. Aber es trat auch eine Verflachung auf, die sogenannte « Kunstphotographie » trieb ihr Unwesen, und damit kam die Photographie langsam auf Abwege und in Misskredit.

Um 1920 herum bildeten sich in mehreren grossem Sektionen eigene Photogruppen, welche bezweckten, die Gebirgsphotographie wieder in vernünftige Bahnen zu leiten und ihr den Platz zu geben, der ihr gebührt. Unsere letztjährige Ausstellung in Bern hat gezeigt, dass dieses Ziel erreicht werden kann, wenn wir alle zusammenarbeiten zu Nutzen und Frommen unseres lieben S.A.C.

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