Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1975/76

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Peter Kasser und Markus Aellen

Auszug aus dem 97. Bericht der Gletscherkommission der SNG Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie ( VAW ) an der ETH Zürich.

EINLEITUNG Das Beobachtungsnetz der Gletscherkommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft ( GK/SNG ) umfasst heute 116 Gletscherzungen. Die durch die VAW organisierten und bearbeiteten Messungen verdanken wir 9 kantonalen Forstdiensten ( 82 Gletscher ), 6 individuellen Mitarbeitern ( 13 Gletscher ), 2 Kraftwerkgesellschaften ( q. Gletscher ), dem Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( EISLF; I Gletscher ) und der VAW ( 16 Gletscher ). Zahlreiche Vermessungsflüge werden durch die Eidgenössische Landestopographie ( L + T ) und die Eidgenössische Vermessungsdirektion ( V + D ) ausgeführt. Die Haushaltsuntersuchungen an den Gletschern Aletsch, Gries ( Aegina ), Limmern, Plattalva und Silvretta gehören zum langfristigen Forschungsprogramm der VAW.

WITTERUNGS- UND SC H NE E VE R H A LT NI SSE IM JAHR I975/76 Für die Beschreibung der klimatischen Verhältnisse des Berichtsjahres wurden die Jahrbücher der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt ( MZA ), des Eidgenössischen Amtes für Wasserwirtschaft ( A + W ) und der EISLF sowie Daten des gemeinsamen Netzes von Schneemessstationen dieses Institutes mit der VAW ( Tabelle 4 ) benützt. Auch den monatlichen Witterungsberichten der MZA sind Informationen entnommen worden. A. Lemans verdanken wir Angaben aus seinem Firnbericht ( Tabelle 1 ). Eine Beschreibung der Schnee- und Bilder i bis S Lawinenverhältnisse stammt auszugsweise aus einem Kurzbericht von M. Schild ( EISLF ).

Der Witterungsablauf ist in der Abbildung auf den Seiten 4/5 dargestellt. Darin sind die Abweichungen der Tagesmittel der Temperaturen von den langjährigen Mittelwerten für drei Stationen, die täglichen Niederschläge in vier Stationen und die Nullgradisotherme in der freien Atmosphäre über Payerne aufgezeichnet.

Einem überdurchschnittlich warmen und grösstenteils trockenen Zeitabschnitt, der im gesamten Gebiet der Schweizer Alpen vom 17. September bis zum 9. Oktober 1975 dauerte, folgte mit einem Tief über Mitteleuropa vom 10. bis 13. Oktober der Wintereinbruch, welcher die Akkumulationsperiode auf den Gletschern schlagartig einleitete. Die Niederschlagssummen waren im Oktober unterdurchschnittlich bis normal, im November im allgemeinen etwas grosser als das langjährige Mittel, bei meistenorts etwas zu tiefen Temperaturen in beiden Monaten. Die Schneefälle von Anfang November und in der mittleren Novemberdekade sicherten die permanente Winterschneedecke in den Berggebieten.

Die Monate Dezember 1975 bis Juni 1976 waren im ganzen Alpengebiet sehr niederschlagsarm, mit Ausnahme des Januars in der Nordostschweiz und in Mittelbünden sowie des Monats April, in dem nur Mittelbünden und das Unterengadin deutlich zu trocken waren. Wesentlich für die Erhaltung der Winterschneedecke auf den Gletschern waren die Niederschläge vom 7V8. April, die auf der Nordseite der Alpen oberhalb 1500 Meter über Meer 15 bis 50 cm Neuschnee brachten, und das Höhentief vom 22. bis 25. April mit reichlichen Schneefällen im ganzen schweizerischen Alpengebiet. Bemerkenswert für die Jahreszeit sind die 75 cm Neuschnee, die am 24. April in Ackersand in den Vispertälern auf rund 700 Meter über Meer beobachtet worden sind.

Der Monat Dezember war vor allem in den Höhenstationen und auf der Alpensüdseite deutlich zu warm. Im Januar waren die Temperaturen in den Höhenstationen ungefähr normal, in den Tälern der Alpen und auf der Südseite überdurchschnittlich. Der Februar war im ganzen Alpengebiet zu warm. Im März und April glichen sich die zeitweise grossen positiven und negativen Abweichungen von den Normaltemperaturen in den Monatsmitteln ungefähr aus. Im Mai waren die Temperaturen je nach Gebiet normal bis etwas zu hoch, im Juni übertrafen sie die Normalwerte in manchen Stationen beträchtlich.

Die Sonnenscheindauer war in allen Monaten von Dezember bis Mai fast überall grosser als der langjährige Durchschnitt, abgesehen von der Ostschweiz und Mittelbünden, wo im Januar die Normalwerte nicht erreicht wurden. Im Juni schien die Sonne im ganzen Alpengebiet sogar aussergewöhnlich lange.

Juli bis September dagegen waren arm an Sonnenschein, August und September zudem viel zu kalt. Abgesehen von der Alpensüdseite, brachte der Juli endlich allgemein etwas überdurchschnittliche Niederschlagssummen. Im August wichen die Niederschläge nur wenig von den Normalwerten ab. Sehr nass war es im September und Oktober in Mittelbünden, im Engadin und auf der Alpensüdseite, im Oktober auch im Oberwallis.

Das Berichtsjahr vom Oktober 1975 bis zum September 1976 als Ganzes ist meistenorts als trocken bis ausserordentlich trocken zu werten. Ausnahmen sind die Stationen Davos Platz und Brusio, wo die Juli- und Septemberniederschläge das Niederschlagsdefizit der übrigen Monate auszugleichen vermochten.

Am Schluss des Berichtsjahres, im Herbst 1976, kam der Winter - im Gegensatz zum Vorjahr -zögernd, mit kleinen Schritten. Der Aufbau der permanenten Winterschneedecke begann auf Gütsch ( 2288 m ü.M. ) am 13.Oktober, auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch ( 2540 m ü. M. ) einen Tag später, auf dem Säntis ( 2500 m ü. M. ) erst am 31.Oktober. Die unterhalb 2000 Meter ü.M. gelegenen Schneemessstationen wurden grösstenteils im Laufe des Monats November dauernd eingeschneit. Auf den Gletschern bleibt der Schnee früher liegen als auf dem aperen Boden. Abgesehen von tief liegenden Gletscherenden, dürften die vergletscherten Flächen in Mittelbünden und auf der Südseite der Schweizer Alpen schon am to. September 1976 bleibend eingeschneit worden sein, in den Walliser Alpen möglicherweise am 5. oder 13. Oktober.

Im Haushaltsjahr 1975/76 nahm die Masse der Gletscher in der Schweiz ab. Die Firngebiete wurden durch die viel zu geringen Winterniederschläge nur ungenügend ernährt. Zudem dürften die Massenverluste durch Ablation trotz der in Berglagen meistenorts etwas zu kalten Sommerperiode von Mai bis September und den für diesen Zeitabschnitt ebenfalls unterdurchschnittlichen Summen der positiven Tagestemperaturen grosser als in einem Mitteljahr gewesen sein, weil die Gletscher früh ausaperten, die Ablationsperiode sehr lange dauerte und die Abschmelzung in der nahezu niederschlagsfreien und extrem son-nenscheinreichen Wärmeperiode vom 7.Juni bis zum ig.Juli besonders intensiv war. Zudem schien auch die Sonne im ganzen Sommer länger als im langjährigen Mittel, mit Ausnahme von Mittelbünden und Engadin, wo die Normalwerte gerade erreicht wurden.

Klima und Vergletscherung bestimmen weitgehend die Abflüsse in den Gletscherbächen. Das A + W misst Abflussmengen von Einzugsgebieten, die bis zu 65,9% der Fläche ( Aletsch 1973 ) mit Gletschern bedeckt sind. In allen diesen Gebieten wurden von Oktober 1975 bis September 1976 unterdurchschnittliche Jahresabflüsse festgestellt, weil sich die Niederschlagsarmut stärker auswirkte als die etwas über den Normalwerten liegenden Schmelzwassermengen.

Über die Schneedecke und die Lawinen ergibt sich aus dem Bericht von M. Schild, dass der Winter 1975/76 in den zahlreichen unterhalb 2000 Meter über Meer gelegenen Stationen des EISLF zu den vier schneeärmsten der letzten 20 bis 35 Jahre zu zählen ist. Neben der Schneearmut, die sich auf alle Gebirgslagen erstreckte, war das lockere Fundament der Schneedecke charakteristisch, das in der langen Schönwetterperiode von Anfang Dezember bis Mitte Januar durch Umwandlung zu Schwimmschnee entstand. Die Schneefälle im Januar bewirkten nur für die Oberflächenschichten eine merkliche Verfestigung. Deshalb dauerte eine latente, im allgemeinen jedoch geringe Lawinengefahr bis zum frühen Ausapern an. Nur die Neuschneefälle vor Ende April bewirkten vorübergehend eine erhöhte Lawinengefahr. Zum Absturz von Grosslawinen kam es aber nicht; in Siedlungen und auf Arbeitsstellen gab es keine Lawinenopfer und nur geringe Sachschäden. Dem EISLF sind 39 Lawinen bekanntgeworden, bei denen gesamthaft 69 Personen, alles Skifahrer und Bergsteiger, mitgerissen wurden, wobei 37 heil davonkamen, während je 16 davon Verletzungen oder den Tod erlitten. Im langjährigen Mittel verloren jährlich 25 Menschen, wovon 18 Touristen, ihr Leben in Lawinen.

GLETSCHERCHRONIK a ) Tätigkeit und besondere Ereignisse Die frühen und zum Teil ausgiebigen Schneefälle im Spätsommer und Herbst des Berichtsjahres beeinträchtigten bei manchen, vor allem bei hochgelegenen kleinen Gletschern die nach der starken Ausaperung im Frühsommer für die Zun-genbeobachtung anfänglich günstigen Verhältnisse in erheblichem Masse. Für die Aufnahme von Luftbildern im Hochgebirge war der ganze Sommer und mit Ausnahme weniger Tage im Oktober auch der Herbst 1976 ausgesprochen ungünstig. Den besonderen Anstrengungen unserer Beobachter und einem ausserordentlichen Einsatz der Operateure der Eidgenössischen Landestopographie ( L+T ) und der Eidgenössischen Vermessungsdirektion ( V + D ) am Wochenende des 9./ I o. Oktobers ist es zu verdanken, dass im Berichtsjahr trotz den oben erwähnten erschwerten Bedingungen bei rund 120 Gletschern die periodische Messung oder Beobachtung am Boden oder aus der Luft wiederholt werden konnte.Von den 116 im Beobachtungsnetz der Gletscherkommission erfassten Gletschern sind 73 nur am Boden gemessen oder besucht, 22 sowohl am Boden als aus der Luft beobachtet, I o nur im Luftbild festgehalten worden. Die Messungen am Boden sind durchgeführt worden bei 69 Gletschern von den Forstdiensten der Kantone Wallis ( 22 Gletscher ), Waadt ( 4 ), Bern ( io ), Uri ( 9 ), Obwalden ( 1 ), Glarus ( 3 ), St.Gallen ( 2 ), Graubünden ( 13 ) und Tessin ( 5 ), bei je 13 Gletschern durch die Abteilung für Hydrologie und Glaziologie der VAW und die privaten Mitarbeiter P. Mercier ( 4 ), R. Zimmermann ( 1 ), J.L. Blanc ( 3 ), H. und V. Boss ( 2 ), E. Hodel ( 1 ) und A. Godenzi ( 2 ), bei I Gletscher durch die Kraftwerkgesellschaft Mauvoisin. Beiden io anhand der Luftbilder beurteilten Gletschern bestand die Luftbildauswertung in 6 Fällen im visuellen Vergleich mit früheren Aufnahmen, in den übrigen 4 Fällen in einer photogrammetrischen Auswertung am Autographen. Diese wurde wie in früheren Jahren ausgeführt bei 1 Gletscher für die VAW durch das Geodätische Institut der ETHZ ( Allalin ), bei 1 Gletscher für die Kraftwerkgesellschaft Mauvoisin durch das Vermessungsbüro H. Leupin in Bern ( Giétro ), bei 2 Gletschern für die Kraftwerkgesellschaft Oberhasli durch das Vermessungsbüro A. Flotron in Meiringen. Beim Pierredar, der in Bezug auf die Längenänderung nach visu-ellem Luftbildvergleich beurteilt worden ist, sind für den Kanton Waadt durch das Vermessungsbüro J. Vetterli in Genf luftphotogrammetrisch Oberflächenprofile aufgenommen worden. Von -30-

Jungfraujoch 3576 m ü.M.

TEMPERATURTAGESMITTEL Payer ne 491ITIÜ.M ( Rodiosondenouf stieg 13 Uhr ) f NU III Hi11111 M 11! I M 9 IH I M M II 11'II I TI 11I M 111 Mil I! Ill II I Ml 111 111 111 M 111IHII M 111 IHIIMIM I11 111 M I MITI Mil! I INI Säntis 2500 m ü.M.

TAGLICHE NIEDERSCHLAGSMENGE Sion 549 m ü.M.

50

Sept. I Okt, I Nov. 1 Dez, I Jan, | Feb. | März I April I Mai | Juni | Juli \ Aug. [ Sept. | Okt.

TAGLICHE NIEDERSCHLAGSMENGE mm

L

den 11 nicht besuchten Netzgletschern werden 4 nicht mehr oder noch nicht regelmässig gemessen, bei 1 wurde der Aufnahmeflug, bei den restlichen 6 die Messung am Boden durch ungünstige Wet-ter- oder Schneeverhältnisse verhindert. Im Rahmen der jährlichen Erhebungen der Gruppe für gefahrliche Gletscher oder im Zusammenhang mit praktischen, von der VAW im Auftrag von Dritten untersuchten Problemen sind ausser 5 gleichzeitig dem Zungenbeobachtungsnetz der Gletscherkommission angehörenden 14 weitere steile Gletscher aus der Luft photographiert worden, davon 13 in jährlicher Wiederholung. Zusätzlich aufgenommen wurde der Clariden. Ein ausführliches Verzeichnis der 1976 durch L + T und V + D von Gletschern erstellten Senkrechtaufnahmen wird im vollständigen 97. Bericht der Gletscherkommission erscheinen. Bei den meisten Flügen handelte es sich um jährlich in erster Linie für glaziologische Zwecke wiederholte Aufnahmen, wobei insgesamt 34 Gletscher erfasst wurden. Bei 10 Netzgletschern und 1 weiteren Gletscher ergab sich die Gelegenheit zur Aufnahme aus dem von der L + T zur Revision der Landeskarte durchgeführten Flugprogramm. Gletscherstürze im Juni gaben Anlass zu Flügen ausserhalb der Routineprogramme über 5 Gletschern.

Neu ins Messnetz der Gletscherkommission aufgenommen worden ist der zweigeteilte Cavagnoligletscher im Cristallinagebiet. Kreisförster G. Ciseri, Locarno, hat mit seinen Mitarbeitern eine Messbasis an der Zunge des nördlicher gelegenen Hauptgletschers eingerichtet. Ausser den im letzten Bericht gemeldeten Mutationen bei den Beobachtern, die zum Teil die Berichtsperiode 1975/76 betrafen, sind uns keine Wechsel bekannt geworden. Durch einen tragischen Unfall ist Dr. Heinz Rutishauser allzufrüh aus dem Leben geschieden. Seiner gelegentlichen Mitarbeit als Begleiter oder Stellvertreter von alt Kreisförster R. Schwammberger bei den Zungenmessungen am Eiger- und Tschingelgletscher, vor allem aber seinen eigenen geologischen und glaziologischen Untersuchungen in jener Gegend verdanken wir manchen interessanten Hinweis und wertvollen Beitrag zur Kenntnis der Gletscher im Lauterbrunnental. Die Gletscherkommission dankt allen Beobachtern, anderen Mitarbeitern und Institutionen, die in irgend einer Form zu unseren Erhebungen beigetragen haben.

Über die Gletscherveränderungen auf der ganzen Erde gibt es Berichte, die von 1895 an durch die im Vorjahr gegründete Internationale Gletscherkommission und später durch die Internationale Assoziation für wissenschaftliche Hydrologie und deren Internationale Kommission für Schnee und Eis herausgegeben worden sind. Im Jahre 1967 ist diese Arbeit durch einen ständigen Dienst zur Erfassung der Gletscherveränderungen, den PSFG ( Permanent Service on the Fluctuations of Glaciers ) im Rahmen des internationalen Rates der wissenschaftlichen Unionen ( ICSU ) übernommen worden, mit Peter Kasser, Zürich, als Direktor. Nach dessen Rücktritt im Jahre 1974 wurde im Berichtsjahr 1976 Fritz Müller, Leiter des Geographischen Instituts der ETH, Zürich, als Nachfolger gewählt. Die Organisation, Auswertung und Publikation der Beobachtungen über die Gletscherveränderungen in der Schweiz wird auf nationaler Ebene in Zusammenarbeit mit der GK/SNG unverändert durch die VAW betreut.

Wie in den vorangehenden Berichten soll nachstehend über einzelne Forschungsprojekte informiert werden.

Seit den fünfziger Jahren wird das Eis der polaren Eiskappen ( Grönland, Antarktis ) mit tiefen Bohrungen erforscht. Diese aufwendigen Forschungsarbeiten haben ein neues Licht auf die Geschichte der Atmosphäre in den letzten etwa 100000 Jahren geworfen. Von besonderem Interesse ist aber auch die Entwicklung der Atmosphäre in einem industriellen Ballungsgebiet seit dem Beginn der Industrialisierung. Voraussetzung dafür, dass man z.B. den Gang der Luftverschmutzung anhand von Firn- und Eisschichten untersuchen kann, ist ein Gletscher, der so kalt ist, dass das wenige im Sommer entstehende Schmelzwasser unmittelbar an der Firnoberfläche wiedergefriert, nicht versickert und deshalb die in den tiefer liegenden Schichten enthaltene Information ( Staub, Gase ) nicht verwischt. Eis-temperaturmessungen auf dem Grenzgletscher ( Gletscherbericht 1974/75 ) deuteten nun darauf hin, dass diese Bedingung auf dem Monte Rosa erfüllt ist. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Physikalischen Instituts der Universität Bern und der VAW wurden deshalb in den Sommern 1976 und 1977 auf dem Colle Gnifetti ( 4450 m ü. M., Bilder 1-3 ) mehrere Kernbohrungen ausgeführt. Dabei wurde ein im Laufe der letzten Jahre vom Berner Institut entwickeltes elektromechanisches Bohrgerät verwendet. Die tiefste Bohrung erreichte 65 Meter. Aus Bohrloch-Temperaturmessungen kann man abschätzen, dass die Jahresmitteltemperatur an der Firnoberfläche rund - 15 °C beträgt und das Schmelzwas- Tabelle i1. Summe der positiven Tagesmittel der Temperaturen ( 2TC ) Mai bis September Station a ) Messstationen Gütsch2287 Säntis22500 Weissfluhjoch2667 Jungfraujoch ( Sphinx ) 3578 Payerne ( 700 mbp 3100 München ( 700 mb)33100 Mailand ( 700 mb)33>oo b ) Extrapolationen für Firngebiete Clariden42 700 Clariden42900 Silvrettas2750 Jungfraufirn ( P3)63350 1 Auszug aus A. Lemans, « Der Firnzuwachs pro 1975/76 in einigen schweizerischen Firngebieten », 63. Bericht, Zürich ( in Vorbereitung ).

2 Durch A. Lemans korrigierte, mit der Messreihe vor i960 vergleichbare Werte.

.'Temperaturmessungen in der freien Atmosphäre ( Niveau 700 mb = etwa 3100 m ü.M. ) nach Radiosondierungen ( Mittelwert aus i-Uhr- und 13-Uhr-Aufstieg, berechnet von G. Gensler ).

4 Werte reduziert nach Gütsch.

5 Werte reduziert nach Weissfluhjoch.

6 Werte reduziert nach Jungfraujoch ( Sphinx ).

ser tatsächlich unmittelbar an der Oberfläche gefriert, wobei es horizontale Eislinsen bildet. Die Untersuchungen an den Bohrkernen konzentrierten sich vorerst auf die Altersbestimmung einzelner Horizonte mit Hilfe konventioneller wie auch allermodernster Methoden ( Analyse von Eislinsen, Saharastaub, Tritium, Sauerstoffisotopen, radioaktivem Zerfall von Blei ). Der jährliche Firnzuwachs kann nach den ersten Resultaten auf 30—35 cm Wasserwert pro Jahr geschätzt werden, was an der Oberfläche rund 1 bis 1 Vi Meter Schnee entspricht. Das Alter der tiefsten Bohrkerne beträgt rund 150 Jahre. Zur Zeit werden Proben der Bohrkerne in verschiedenen Instituten Europas untersucht.

Auch im temperierten, nassen Firn des Ewigschneefeldes wurden Kernbohrungen vorgenommen. Die grösste erreichte Tiefe beträgt hier 39 Meter. Während an den Bohrkernen vor allem Meereshöhe Mai/Sept.Mai/Sept.Mai/Sept.

9741975.1976 mZ+°C2T+-C2+°C 790 834 810 502 686 589 524 625 508 61 48 28 224 231 193 2'5 241 159 382 305 217 486 526 488 353 39° 352 474 567 454 117 109 7 ' der Einfluss des Firnwassers auf den Gasgehalt von temperiertem Gletschereis untersucht wird, dienen die Bohrlöcher der Beobachtung des in rund 25 bis 30 Metern Tiefe liegenden « Grund-wasserspiegels » und damit der Arbeitsgruppe, über die im Vorjahr berichtet worden ist.

Im schneearmen Winter 1975/76 vermochte die Kälte tiefer in den Boden und in die Gletscher einzudringen als in schneereichen Jahren. Als im Juni unvermittelt auch im Hochgebirge die Luft stark erwärmt wurde, lag die Temperatur im Firn und Eis noch wesentlich unter dem Schmelzpunkt. Dieser Umstand begünstigte die Bildung Tabelle 2. Lageänderung der Gletscherenden 1973/74 bis 1975/76 Zusammenfassung Beobachtungsnetz. Nicht beobachtet..

1973/74 1974/75 1975/76 Beobachtungsnetz 115 36 " 5 8 116 11'Nicht beobachtet...

Anzahl Gletscher Beobachtet Anzahl Gletscher79107105 Resultat unsicher Anzahl Gletscher3022 Richtung bekanntAnzahl Gletscher76100,0107100,0103100,0 ) imVorstossAnzahl Gletscher3039,55652,323322,3 ) stationärAnzahl Gletscher1418,41110,3io49,7 ) im RückzugAnzahl Gletscher3242,14037,47°568,0 ) Mittlere Längenänderung Meter pro Gletscher7,045i565J41 ( Anzahl Gletscher665690 ) "

Bemerkungen: In den verschiedenen Klassen wurden folgende, durch ihre Nummer aus Tabelle 5 bezeichnete Gletscher eingereiht:

19 23 56 76 82 95 98 102 103 110 115.

2 101 119.

3 13 25 27 28 39 41 42 43 44 45 53 59 60 64 67 68 69 70 71 79 80 99 100.

4 37 38 50 57 83 92 96 107 109 117.

5 1 2 3 4 5 6 7 8 10 11 12 14 15 16 17 18 19 20 21 22 24 26 29 30 31 32 33 34 35 36 4° 46 47 48 49 5'52 54 55 58 6l 62 63 65 66 72 73 74 75 77 78 81 84 85 86 87 88 89 90 91 93 94 97 104 105 106 m 114 118 120.

6 Für die Berechnung der mittleren Längenänderung wurden 13 Gletscher nicht berücksichtigt. Sie wurden aus folgenden Gründen ausgeschaltet:

- durch künstlichen See beeinflusst: 3 50 51Wert fur 2 Jahre:71Wert für 3 Jahre:44 45Wert für 5Jahre:7zufälliger Wert:92keine Zahlenangabe:46 49 55 64.

und Erhaltung von temporären Gletscherrandseen, welche sich beispielsweise am Aletschgletscher trotz früherer Schneeschmelze wesentlich später entleerten als in anderen Jahren. Der Märjelensee als grösster Randsee des Aletschgletschers blieb - zum erstenmal seit 1964 -sogar während des ganzen Sommers voll.

Es ist denkbar, dass in ähnlicher Weise Zusammenhänge bestanden zwischen Witterung und mehreren Gletscherstürzen, die sich zu Beginn der Hitzeperiode an hochgelegenen Hängegletschern ereigneten. Die 2 folgenschwersten fielen am Sonntag, den 13.Juni, im Val de Bagnes und an der Jungfrau im Berner Oberland. Beim Absturz der Silberlaui vom Hochfirn an der Jungfrau wurde auf der Stufensteinalp eine Gruppe von 3 Bergsteigern verschüttet. Ihre Leichen konnten zum Teil erst nach mehrtägiger Suche geborgen werden. Einen glimpflichen Verlauf nahm der Fall im Wallis, wo eine vom Hängegletscher in der Nordostflanke des Tournelon Blanc abgestürzte Eislawine die Alpstrasse von Mauvoisin nach Chanrion verschüttete und zahlreichen Automobilisten den Rückweg ins Tal versperrte. Sie erreichte teilweise auch den Stausee, vermochte jedoch keine an der Staumauer feststellbare Flutwelle zu erzeugen. Ohne Folgen blieben Tabelle3. Jährliche Massenbilanzen einiger Gletscher Gletscher 3 Gries 5, 6 und 106 Aletsch

78 Limmern und 114 Plattalva 90 Silvretta....

Berechnet für Aletsch nach der hydrologischen Methode, für die übrigen Gletscher nach Zonen gleicher spezifischer Bilanzen ( Fleckenmethode ) mit einer angenommenen Dichte des Eises von 0,9 g/cm3.

; Bei gleichmässig über die Gletscherfläche verteilter Gesamtbilanz entspricht die Einheit 1 kg/m2 einer Wasserhöhe von 1 mm.; Geschätzte Fläche für den 9. Oktober 1971. 1 Geschätzte Fläche für den 6. Oktober 1975. Geschätzte Fläche für den 6. Oktober 1976. .'Geschätzte Fläche für den 18. September 1974. 1 Geschätzte Fläche für den 11. September 1975.; Geschätzte Fläche für den 9. September 1976. 1 Fläche vom 11. September 1959. 1 Fläche vom 12. September 1973.

Eisstürze, die sich in den gleichen Tagen am Claridenstock ereigneten. Eine Woche später, am 20.Juni, wurden am Liskamm 7 Alpinisten von einer Eislawine mitgerissen und zum Teil schwer verletzt.

Die im Herbst aufgenommenen Luftbilder lassen bei mehreren Gletschern Anzeichen von Rut-schungsvorgängen erkennen, die beim Trift- bzw. Tälligletscher im Saastal zu einem grösseren Eissturz führten. Bei diesem Gletscher sind grössere Stürze auch in den Jahren 1959, 1966, 1969 und 1973 festgestellt worden.

Bilanzjahr Gletscher- Gesamt- Spezifische Gleich- fläche bilanz Bilanz gewichts- ßa*'Aa 2 grenze km2 io6 m3 Eis kg/m2 Meter ü. M 7- 10.73-18.

10.74 6,301,113 — 159 2950 18.

10. 74- 6.

0-75 6,281.954 + 280 2720 6.

10.75-30.

9-76 6,27s — 7.356 — 1 056 3090 i.

10.73-30.

9-74 128,460 + 9.953 + 70 i.

10.74-30.

9-75 128,457 + 79.839 + 559 i.

10. 75-30.

9-76 128,42 "

—98,230 — 688 12.

9- 73- 3- 9-74 3.29 "

+ 0,311 + 85 2750 3- 9-74- 9- 9-75 3.292,095 + 573 2420 9- 9- 75- 8.

9-76 3.29 "

— 3.523 — 964 2900 i8.

9-73-17- 9-74 3,1510 + 2,604 + 744 2560 7- 9.71 16.

9-75 3>152,769 + 791 2580 i6.

9-75-'6- 9.76 3,15 ' » — 1.787 — 510 2860 b ) Haushaltsergebnisse In Tabelle 3 sind die von der VAW an 4 Gletschern bestimmten Haushaltszahlen der letzten 3 Jahre zusammengestellt. Als Gesamtbilanz ist der Gewinn oder Verlust an Eisvolumen angegeben, als spezifische Bilanz die Dicke der Schicht, die sich ergäbe, wenn dieser Gewinn oder Verlust als Wasser gleichmässig über den ganzen Gletscher verteilt würde. Die spezifische Bilanz er- Tabelle 4. Daten über die Schneedecke im Winter 1975/76 Station Meereshöhe Leysin1250 Grindelwald Bort ...1570 Grimse1970 Stoos1290 Andermatt1440 Trübsee 1800 Schwägalp1290 Braunwald1320 Malbun 1600 Ulrichen1345 Zermatt1610 Bourg-St. Pierre1650 Mauvoisin1800 Klosters EW1200 Davos-Flüelastrasse1560 Zervreila 1735 Weissfluhjoch2540 La Drossa171 o Pontresina1840 Berninahäuser2049 Simplon-Hospiz2000 Ambri1000 Bosco-Gurin1510 Poschiavo1014 San Bernardino-Dorf1630 Maloja1810 1 Schneehöhe am 24. April 1976: 103 cm. 1 Schneehöhe am 24. April 1976: 78 cm.

möglicht den direkten Vergleich der für die verschiedenen Gletscher gewonnenen Ergebnisse.

Der Schneemangel im Winter, das frühzeitige Ausapern der Gletscher und die ungewöhnliche Wärmeperiode im Frühsommer liessen eine aussergewöhnlich starke Verminderung der Gletschermasse erwarten. Ein Massenverlust im befürchteten Ausmass traf jedoch nur für die Alpensüdseite zu, wo erst der Herbst die in den übrigen Gebieten bereits im Hochsommer wirksame Ab- Penode 1 mit permanenter Grösste Schneehöhe Grösster Wasserwert Schneedecke der Schneedecke erster letzter Dauer Betrag Datum Betrag Datum Tag Tag Tage cm mm 17.11.

3°-3- 35 80 14. 2.

161 5-3- 17.11.

3-4- 39 110 14. 2.

217 11.10.

25-5- 228 245 25- 416.11.

9-4-'54 124 15. 2.

245 27.2.

17.11.

20.4.

,56 108 24. 1.

250 16.2.

10.10.

3I-5- 235 85 24. 4.

611 1-5- 18.11.

5-4-'5° 172 28. 1.

389 14.2.

18.11.

30.4.

65 45 15. 2.

352 16.2.

18. 11.

20.4.

.'55 103 25. 1.

268 3-2.

8.11.

3I-3- 45 78 14. 2.

56 2.2.

3.11.

10.6.

160 74'16 .2.'189 " 5-3- 17.11.

4-3- 109 48 > I. 12. 2 59 15.2.

8.11.

18.4.

163 93 14. 2.

260'5-3- 18.11.

13.4.

148 43 25. I.

249 15.2. + 15.3.

18.11.

5-4-'5'102 23. I.

211 15.2.

11.10.

20.4.

.'93 100 I. 12.

234 .'-3- 13.10.

20.6.

252 163 25. I.

486'5- 13.11.

9-4- 158 68 I. 12.

161 16.3.

16.11.

3°-3- 136 70 I. 12.

16. 11.

7-4- 143 65 6.+ 7.2.

11.10.

n.5.

214 140 25- 427.11.

18.1.

53 42 24. 4.

8.11.

27-3- 141 110 1.12.

207 9-2- 27.11.

4.1.

39 5 1.12.

8.11.

4-4- 49 91 2. + 4.12.

215 5-3- 16.11.

5-4- 142 102 1.12.

93 14.2.

Tabelle 5. Längenänderung der Gletscher 1975/76 Nr. Gletschc Kt. Änderung in Metern 974/75I975/76 Einzugsgebiet der Rhone ( II ) 1 e RhoneVS 2 Mutt VS 3 e Gries ( Aegina ) VS 4e FiescherVS 5 e Grosser AletschVS 106e MittelaletschVS 6e OberaletschVS 7 e Kaltwasser VS 8e Tälliboden VS 9e Ofental VS ioe SchwarzbergVS 11 e AllalinVS 12 e Kessjen VS 13e Fee ( Nordzunge ) VS 14 GornerVS 15e Zmutt VS 16 Findelen VS 107e Bis VS 17e RiedVS 18 Lang VS 19e Turtmann ( West)VS 20e Brunegg ( Turtm.Ost)VS 21 e Bella TolaVS 22 e ZinalVS 23e Morning VS 24 e Moiry VS 25 e FerpècleVS 26e Mont MinéVS 27Basd'Arolla VS 28Tsidjiore NouveVS 29CheillonVS 30En DarreyVS 31Grand Désert VS 32 Mont Fort ( Tortin ) VS 33Tsanfleuron VS 34e OtemmaVS 35e Mont DurandVS 36 e BreneyVS 37e Giétro VS 38 e CorbassièreVS Höhe m ü.M. 1976 d Messdatum 1974'975 1976 + i7,o - 18,3 2125 15.

9- 21. 9.

25. 8.

+ 3,4 — 2,1 2626 5- 9- 21. 9.

25. 8.

— 6,2 — 35,6 2374,3 20.

11.

8.10.

6.10.

— 30,i — 20,6 1657 12.

9- 1.10.

8. 92,O - 9,8 1505,8 18.

9- 11. 9.

9- 94,6 — 67,6 2249 "

.'3- 9- 11. 9.

6. 9.

st — 7,2 2i34,7 7- 9- 17- 9- 11. 9.

st — 10,75a'97° n 2.10.

2- 916,4 — 22,5 2628,8 25- 9- 29. 9- 29- 9 n n — n n n + 8,3 — 2,3 2660 28.

9- 26. 9.

27- 9 + 44,07 ,'2317 ca.

13- 9- 22. 9.

10.10.

+ 4,7« — 12,4 2851,2 13- 9- 23- 9- 21. 9 + 15 ca.

+ 7 ca.

— 13- 9- 2.10.

10.10 — 62,6 "

- 47,8 2062 n 30.10.

6.10 — 6,2 - 46 2233 20.

8.

19. 8.

24. 8.

- 34,72a - 6,3 2482,2 61 n 12. 9- 24. 9 + X st — 3- 9- 2. 10.

10.10 — 4,5 — 4,3 2046,8 27- 9- 27- 9- 25- 9 — 3817 2010 n 19.10.

24.10 + 13,3 - 3,8 2265 21.

9- 4.10.

25- 9 0,0 — 3,3 2464 21.

9- 4.10.

25- 9 + i8,3 — 23,9 — 12.

10.

20. 9.

1.10 — 82 — 31,6 2000'9- I. 10.

20.10 - 6,3 n 23,568 9- 9- 4.10 n22a - 6,5 2438« n 24.10.

1. 10 + i,8 M + 3,8 21 loca.

20.

8.

2. 10.

28. 9 + X — 6,2 i960 ca.

20.

8.

2. 10.

28. 9 + 16 + 6 2149 6?

5- 10.

3.IO.

2.103 + 10 2262 s4 5- 10.

3.10.

2.10 ~ 58,3 ' "

— 19,0 — n 27- 9- 26. 9 — 52,7 ' "

— 36,5 2475« n 26. 9.

25- 9 — 35*1 4 280064 n 8.10.

24. 9, 5,6'a — 6 274067 n 8.10.

4.10, 7 — 15 24171 » 7- 8.

27- 9- 9.10 — 97 ' "

— i7,5 2420 "

10.

9- 17- 9- 9.10.

— 10 — 9 2290 ?3 11.

9- 18. 9.

9.10.

~ 33 ' "

— 47 2570 M n 17- 9- 10.10 + 5,3 — 0,4 2350 ca-'3- 8.

6.10.

10. 10 + 9 0 2190 29- 8.

8. 9- 9- 9 Nr. Gletscher Kt. Änderung in Metern'974 75 9 75'76 39Valsorey VS10,22a 40TseudetVS22,o2a 41BoveyreVS1 i,o"> 42SaleinaVS33,52a 43e Trient VS10,0 44 e PaneyrosseVDx 45e Grand Plan NévéVD st 46 e Martinets VD st 47e Sex RougeVD2,8« 48e PrapioVD2,0« 49e PierredarVDx 3.5 9,o 7,5 8,5 2,8 6,411,2'a Einzugsgebiet der Aare ( Ja ) 50 e OberaarBE6,9 51 e UnteraarBE14,4 52GauliBE8,8 53Stein BE37 2a 54Steinlimmi BE8,52a 55e TriftBEst 56Rosenlaui BEn 57c Oberer GrindelwaldBE17 58e Unterer GrindelwaldBEx 59e EigerBE24,9 " » 60 e TschingelBE7,6 61 e GamchiBE8,6 109e Alpetli ( Kanderfirn ) BE2,3 i ioLòtschenBEn 62 e SchwarzVS0,8 63 e Lämmern VS4,0 64e BlümlisalpBEn 111 e AmmertenBE7,52a 65RätzliBE132a Einzugsgebiet der Reu s s ( Ib ) 66e Tiefen UR 67e St.AnnaUR 68c ChelenUR 69c Rotfirn ( Nord ) UR 70c DammaUR Höhe mü.M.

.'97*'d Messdatum'974 975 976 2 395 2425 2602 1711 1764 n 7.10.

11. 10 n 7.10.

11.10 n 7.10.

11.10 11 8.10.

22. 10 7- 8.

22.10.

22.10 7- 8.

6. 10.

9. 10 7- 8.

6.10.

9. 10 7- 8.

6. 10.

11.10 7- 8.

20. 8.

24. 8 7- 8.

26. 10.

17.10 7- 8.

6. 10.

11. 10 7.2 4 ca.

O 2297,9'3- 9- 22.

9- 10.10'6,5 1906,6 >3- 9- 22.

9- 10.10 12,2 2220 ca.

.'3- 9- 2.

9- 25- 9 6'935 n 11.

9- 20. 9'7 2092 n 11.

9- 20. g X — 11.

9- 23- 9- 25. 8 n — 11.

9- n n o 1230 ca.

18.

11.

16.

11.

1. 10 x 12307 "

11.

9- 23- 9- 20. 8 IO,O 2130 11.

9- 24.

9- 7- 9 2,4 2270 i 1.

9- 25- 9- 8. 9 2,8 1990 7- 9- 20.

9- 25- 9 o 2240 5- 9- 11.

9- 16. 9 n3- 9- n n 4,0 2240 20.

9- 11.

9- 10. 9 i6,o 2504'9- 16.

9- 9- 9 x2a — 11.

9- n 8.10 9,8 2345ca.

n'4- 9- 5- 9'7,9 2336 n 3- 10.

20.10 3 - 7.3 2492 "

.'5- 9- 20.

9- 21.

9- 8 + 4.5 2592 " 7'3- 9- 18.

9- 26.

9- 6,5 + 10,8 2127 16.

9-'7- 9- 2 1.

9- 4,5 + 3.8 2031 16.

9-'7- 9- 21.

9- 3,8 + 8,7 2044 16.

9- 7- 9- 21.

9- Nr. Gletscher Kt. Änderung in Metern 1974/75975/76 71e WallenburURx3,5«2240 72e BrunniUR325,52310 73e HüfiUR5,52»381740 74e Griess ( Unterschächen)UR st5,42213 75e Firnalpeli OW49,g]a38,876Griessen ( Obwalden)OW7lanEinzugsgebiet der Limmat ( Je ) 77BifertenGL9,0 "

78e LimmernGL49,0 114e PlattalvaGL6,3 79 e SulzGL3,580GlärnischGL3,0« 81 e PizolSG6o,9ia Einzugsgebiet des Rheins ( Id ) 82 LavazGR114,5-« 83e PuntegliasGRi6,42a 84e LentaGR12,0 "'85 e Vorab GR st 86e ParadiesGR4,5 87e SurettaGR147 88e PorchabellaGR80,51 » 115 ScalettaGRn 89e VerstanklaGR8,8 90e SilvrettaGR7,2 91 e SardonaSG15,8 ' » Einzugsgebiet des Inn ( V ) 92 e RosegGR 93 e Tschicrva GR 94e Morteratsch GR 95Calderas GR 96 e Tiatscha GR 97e SesvennaGR 98LischanaGR Höhe m ü.M.'976 d Messdatum 97t 1975'976 7- 9- 9- 9- 27.

9 12.

9- 2.

10.

10.

10 12.

9- 3- IO.

24.

9 7- 9- 23- 9- 13- 9 n 14.

CTl 26.

9 n 28.

Q.

n 4,6 1921 12. 9.

18.

9- 28.

9 11,4 2242,7 31. 8.

1.

9- 30.

8 7,6 2546,0 "

7- 99- 5- CTl 4,4'790 n 5- 9- 22.

9 4,0 22950a.

n'7- 9- 25- 9 i3,6 2560 n ig.

9- CTl 9 n 2210 n 2.

10.

n 1,0 2350 n 7- 10.

11.

10 7,o 2275 11 9- 9- 1 1.

10'2,77- 9- 2.

10.

11.

10 37'23940a.

22.

11.

23- 9- 21.

9 128 2205 18.

9- 18.

9- 20.

9 20,0 2596 n 18.

CTl 3°- 9 n — n n n 6,5 2395 3- 9- 3- 9- 27- 9 1,8 2432,5 21.

9- 20.

CTl 18.

9 9,6 2500 n 22.

9- 30.

8 i6,o13,4 ) 2170 28.

9- 3.11.

21.

10.

3,34,5 2170 28.

9- 3.11.

21.

10.

5,6 — 26,8 2000 25- 9- 7.10.

.'9- 10.

s n n — 28.

10.

n n 1,2 0 2560'3- 9- 3.10.

8.

9- 0,6 — 2,5 2 745 28.

9- 7. 10.

7- 10.

I2,O2a n 2810 "

n'9- n Nr. Gletscher Kt. Änderung in Metern i974''751975^7 Einzugsgebiet der Adda ( IV ) 99e CambrenaGR2,o3a iooe PalüGR30,4 » 101 e ParadisinoGRn 102FornoGR14,0« Einzugsgebiet des Tessjn ( III ) 120Corno TI 117ValleggiaTI 118e Val Torta TI 103BrescianaTI 119e CavagnoliTI 104e BasodinoTI 105RossbodenVS Bemerkungen, die für die ganze Tabelle oder wenigstens fur mehrere Gletscher gültig sind a Die Nummern in dieser Tabelle stimmen mit denjenigen im Lageplan Bild 2 des Berichtes 1963/64 überein.

b Falls ein Gletscher zugleich in verschiedenen Kantonen liegt, so ist derjenige Kanton eingetragen, auf dessen Gebiet sich das eingemessene Zungenende befindet.

c Wenn die Änderung für eine Periode von mehreren Jahren gilt, ist die Anzahl der Jahre wie folgt angegeben: Beispiel: -13,6Ja = Rückzug von 13,6 Meter in 3 Jahren.

d Meereshöhe des Zungenendes in Metern über Meer. Wenn die Meereshöhe nicht am Ende des Berichtsjahres bestimmt worden ist, wird das Messjahr wie folgt angegeben: Beispiel: 222067 = Meereshöhe von 2220 Meter, gemessen im Jahre 1967.

e Eine Bemerkung mit der Nummer dieses Gletschers wird im vollständigen 97. Bericht der Gletscherkommission enthalten sein.

n Nicht beobachtet sn Eingeschneit + Im Vorstoss st Stationär — Im Rückzug x Betrag nicht beziffert? Resultat unsicher ca. Ungefährer Wert Höhe m ü.M.

.'976 d Messdatum'974'975'976 + ,5 + 3.9 sn n 2492 2355 ca 22307S 28.

9- 12.

10 31- 10.

22.

10 n 27- 9 30.10.

io ca.

— 12,8 253° 28.

8.

9- 9-'9- 8 io ca.

+ O,I 242O 10.

9- 3- 9- 20.

8 20 ca.

— 44.0 249O 16.

9- 10.

9- 18.

8 n n — n n n 2560 ca.

27- 8 4.62a — 3 2520 ca.

3- 9- 10.

10.

26.

8 5.3 — 2 1950 14.

10.

8.

10.

18.

10 Schwächung der Schmelzung brachte. Dementsprechend ist beim Griesgletscher der Massenverlust deutlich grosser ausgefallen als bei Aletsch, Limmern und Silvretta. In der 15jährigen Beobachtungsperiode seit 1962 haben beim Gries nur die 3 Jahre 1973 ( -1116 mm ), 1971 ( -1069 ) und 1962 ( -1068 ) ein noch etwas grösseres Defizit gebracht. Im Durchschnitt hat die jährliche Massenbilanz dieses Gletschers mit einem Verlust von 1,7 Millionen Kubikmeter Eisvolumen bzw. 239 Millimeter Wasserhöhe abgeschlossen. Die entsprechenden Mittelwerte betragen für Aletsch 24 mm Wasserhöhe ( —3,4 Mio. m3 Eisvolumen ), Limmern/Plattalva -285 mm ( -1,0 Mio. m3 ) und Silvretta -61 mm ( -0,2 Mio. m3 ). Das Berichtsjahr brachte also auch diesen Gletschern einen erheblich grösseren Verlust als ein durchschnittliches Jahr. Gemessen an den grössten Verlusten der Vergleichsperiode, die bei allen 3 Gletschern dem Jahre 1963/64 zuzuschreiben sind und für Aletsch 1269/mm, für Limmern/Plattalva 1833 mm und für Silvretta 1409 mm Wasserhöhe betragen, erscheinen sie jedoch nicht aussergewöhnlich gross.

Die von A. Flotron für den Talbereich der Aaregletscher aufgestellte Volumenbilanz der Messperiode vom 22. September 1975 bis 1 o. Oktober 1976 ergibt einen Verlust von 2 7 Millionen m3. Dieser Wert ist um rund 30%, also ebenfalls deutlich, aber nicht übermässig viel, grosser als ein durchschnittlicher Jahresverlust. Entsprechend hat sich die Gletscheroberfläche in allen vermessenen Querprofilen um mittlere Beträge von 0,8 bis 3,9 m, im Gesamtdurchschnitt um rund 2 m abgesenkt.

c ) Lageänderung der Gletscherenden Im Vorjahr war die Anzahl vorstossender Gletscher sprunghaft von 30 auf 56 angestiegen. Im Berichtsjahr ging sie ebenso sprunghaft von 56 auf 23 zurück. Diese Zahl nimmt sich im Rahmen der letzten 12 Jahre mit durchschnittlich 30 vorstossenden Zungen eher bescheiden aus. In der glei- chen Zeitspanne machte der Anteil der vorstossenden gewöhnlich mehr als ein Viertel der beobachteten Zungen aus. Ausnahmen sind die Jahre 1965 und 1967 mitje 24%, 1971 mit 16% und das Berichtsjahr mit 22%.

Von den 56 Gletschern, die im Vorjahr vorgerückt sind, haben im Berichtsjahr 19 ihren Vorstoss fortgesetzt, 7 sind stehengeblieben, 28 zurückgeschmolzen und 2 nicht gemessen worden. Einen Vorstoss neu begonnen haben im Berichtsjahr 3 Gletscher, von denen im Vorjahr 2 ( Paneyrosse, Glärnisch ) noch zurückgingen, 1 stationär war ( Grand Plan Névé ). Der im Vorjahr nicht beobachtete Blümlisalp setzte 1976 seinen seit bald einem Jahrzehnt andauernden Vorstoss fort. Der Gletscher mit der grössten Längenzunahme ( Roseg, 13,4 m ) konnte nicht zu den vorstossenden gerechnet werden, weil nach Aussage des Beobachters ein durch die prekären Aufschlussver-hältnisse am stark verschütteten Gletscherende bedingtes Zufallsergebnis vorliegt. Er wurde deshalb den stationären Zungen zugeordnet. Von dresen waren im Vorjahr ausser Roseg noch 2 weitere ( Oberaar, Punteglias ) im Rückzug.

Bei den in Tabelle 5 angegebenen Beträgen für die Längenänderung fallen auf der einen Seite die durchwegs bescheidenen Vorstossbeträge auf ( kein Wert über 15 m, nur 4 Werte über 10 m Vorstoss ), denen auf der anderen Seite beträchtliche bis sehr grosse Schwundbeträge zahlreich gegenüberstehen ( 46 Werte über 10 m, 8 Werte über 40 m Rückzug ). Die grössten Rückzugsbeträge wurden am Paradies ( 371 m ) und Suretta ( 128 m ) gemessen. Sie sind beim Paradies durch die Auflösung einer vom Gletscher nicht mehr ernährten Zunge, beim Suretta durch das Abschmelzen der Firnanlagerungen aus den Vorjahren zu erklären. Die aus 90 Werten berechnete mittlere Längenänderung ( -15,4 m ) hat letztmals im ausgesprochenen Schwundjahr 1963/64 einen ähnlich grossen Wert ( -14,4 m ) erreicht.

Von den 14 Gletschern, die weniger als 5 Meter zurückgeschmolzen sind, und vor allem den 10 stationären Zungen werden sich in kommenden gletscherfreundlicheren Jahren sicher etliche zu fraglich ist, ob deren Anzahl den Wert des Vor-den vorstossenden Gletschern gesellen, wobei es Jahres erreichen oder sogar überschreiten wird.

Bilder ij: Kernbohrungen im Firn auf dem Colle Gnifetti ( Monte Rosa ). Aufnahmen W. Haeberli, VAW, August igyy.. Im Rahmen eines vom Physikalischen Institut der Universität Bern und der Abteilung für Hydrologie und Glaziologie der VA Wl ETHZ durchgeführten wissenschaftlichen Forschungsprojekts sind in den Sommern igy6 und igyy auf dem 4450 m hoch gelegenen Firnsatteides Colle Gnifetti, im obersten Teil des Grenzgletschers, Eisproben ausgebohrt worden ( siehe Tätigkeitsbericht Seite 61 y ). Bild 1: Im Hintergrund rechts die Signalkuppe ( 4556 m ü.M. ) mit Capanna Margherita, im Vordergrund der Colle Gnifetti mit der durch Schneemauern vor dem Wind geschützten Bohrstelle.

Bild 2: Vorn der Bohrmeister mit dem Steuergerät und der mittels Elektromotor angetriebenen Bohrwinde, dahinter der auf Kugelgelenk gelagerte, mit Drahtseilen abgespannte einmastige Bohrturm. An diesem hängt der elektrisch angetriebene mechanische Bohrer, von welchem der Bohrgehilfe das Mantelrohr mit dem daraus herausragenden Bohrrohr hält. Im Hintergrund liegt ein weiteres Bohrrohr. Nicht abgebildet ist die Spitze des Bohrturms mit Umlenkrolle und darüber geführtem Spezialkabel, das gleichzeitig als Windenseil und als Stromzufuhr der Bohrsonde dient. Ebenfalls nicht sichtbar ist der an das Mantelrohr anschliessende hintere Teil der Bohrsonde mit dem elektrischen Antriebsmotor und einer besonderen Spannvorrichtung, die dem Antriebsteil der Sonde den zum Bohren erforderlichen festen Halt im Bohrloch verschafft. Die für den Betrieb des Bohrgeräts notwendige elektrische Energie wird durch ein ausserhalb der Ringmauer auf gestelltes Aggregat mit ^weitakf-Benzinmolor und 2-kV-Wechselstromgenerator erzeugt. Unter günstigen Bedingungen wird ein Bohrfortschritt von 10 Meter pro Stunde erreicht.

Bild3: zeigt einen besonders langen Bohrkern von etwa 7,5 m Länge. In der Regel werden nur halb so lange Kerne gezogen. Oft zerfallen sie entsprechend der quer durchbohrten Schichtung in noch kürzere Stücke. Die Kerne werden gleich nach der Entnahme etikettiert, photographiert, in Plastikhüllen abgepackt und in einer Tiefkühltruhe konserviert. Die Analyse der in den Kernen enthaltenen meist gas- oder staubfbrmigen Einschlüsse wird in spezialisierten Laboratorien verschiedener in- und ausländischer Universitäten vorgenommen.

Bilder 4-6: Tschingelgletscher im Berner Oberland.

Bild 4 ( a + b ): Gletscherende am 27. September igyy. Panoramaaufnahme von R.^umstein, Isenfluh. Bilder 5 und 6: Gletscherende am 25. September igys- Aufnahme M. Aellen, VA W.

Im Panorama von Bild 4 sind am unteren Rand durch die Buchstaben A bis E die im Bild durch Jalons und einen Eispickel markierten Messlinien angeschrieben. Der auf dem Eis nicht ab geschmolzene Neuschnee und die in den letzten Jahren aufgeschobene Stirnmoräne heben den Rand der verschütteten ZunSe klar hervor. Dieser Stand von igyy ist auf Bild 5 zwischen zwei markanten Blöcken gestrichelt eingezeichnet. Die igyy weitgehend verschütteten Blöcke sind auf dem Panorama nicht eindeutig zu erkennen. AufBild 5 sind zwischen der gestrichelten Linie und den ungefähr auf der Messbasis stehenden Personen die etwas verwaschenen Wintermoränen der Jahre ig66 bis lgyo sichtbar, die H. Rutishauserf beschrieben hat. Bild 6 zeigt Einzelheiten vom Beginn des Vorstosses im Jahre igy$. Der Gletscherfliesst im Bild von rechts nach links. Das auf dem Eisrand von der Bildmitte nach vornfliessende Bächlein wird talseits durch den frisch aufgeschobenen Moränenwall abgedämmt. Dieser stösst im Vordergrund an die im Winter igy3ly4 gebildete Moräne, im Hintergrund hat er sie bereits überfahren.

Bilder y und 8: Eigergletscher am 24. September igyß. Aufnahmen M. Aellen, VA W.

Dem dunklen schuttbedeckten Gletscherende angelagert ist eine kleine ZunSe aus Lawinenschnee und Eissturzmaterial. Dieses stammt vom orographisch linken, durch eine Abbruchfront begrenzten Teil des Zungenendes. Infolge der bei vorstossenden Gletschern verstärkten Bewegung hat sich das Eis stellenweise über die Kanten der Felsbänder und -terrassen hinausgeschoben, wobei glelscher-torähnliche subglaziale Höhlen entstanden sind, die im Gegensatz zum Gletschertor in der Regel kein Wasser führen und deren Gewölbeßäche nichtfacetliert, sondern parallel zur Bewegungsrichtung des Eises gerillt ist. Bild y zeigt unten das Gletschertor, dem der Trümmelbach entspringt, oben rechts eine grosse, durch den vorkragenden Gletscherrand gebildete « trockene » Höhle. Beiden auf den Terrassenflächen aufliegenden Eislappen wird die Bewegung durch die aufgeschobenen, oft bogenförmigen Schuttwälle angezeigt. Ein solcher ist auf Bild 8 dargestellt. Er hat einen Messpunkt verschüttet, den Forstingenieur Zumstein und Gemeindeförster Wy ss freizulegen bemüht sind.

11-- 9Blick von der Flimser Seite zu den Tschinglenhörnern mit dem Martinsloch. Hier erfolgte unser Abstieg 10 Elahütte mit Piz Eia

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