Die neue Berglihütte der Sektion Bern

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Vorbericht.

Die erste Clubhütte am „ Bergli " wurde im Jahr 1869 erstellt und konnte 1870 bezogen werden. Sie wurde auf einer Terrasse der Berglifelsen in einer Höhe von zirka 3250 m. erstellt und bestand im wesentlichen aus einem an die Felsen angelehnten Trockenmauerwerk mit Schindelbedachung und einem einzigen kleinen Fenster und bot, nach jetziger Berechnung, für 4-5 Mann Raum. Die Erstellungskosten betrugen Fr. 900, woran die Zentralkasse Fr. 300 lieferte.

Diese Hütte war aber bald zu klein und entsprach nicht den Bedürfnissen, die an sie gestellt wurden. Es wurde daher schon im Jahre 1882 eine neue Hütte in Angriff genommen, die 1883 bezogen werden konnte, unsere alte bekannte Berglihütte auf zirka 3300 m. Höhe. Es war dies ein auf Steinsockel ruhender, mit Schindeln gedeckter Blockhaus-bau von 4,30x4,30 m. Bodenfläche und einer Pritsche, für 7-8 Mann Platz bietend.

Die Kosten dieser Hütte betrugen inklusive Inventar Fr. 2730, wovon die Zentralkasse Fr. 1200, die Führerschaft Grindelwald Fr. 860 an Arbeitslöhnen und die Sektion Bern den Rest lieferte.

Das Inventar war damals ein ziemlich primitives; es wurden u.a. angeschafft 3 Wolldecken, 3 Paar Holzschuhe, der Kochherd und das Allernötigste an Küchen- und Restaurationsmaterial, dagegen aber schon damals die beiden heute noch vorhandenen Tnmb.ihuen.

Die neue Berglihütte der Sektion Bern S.A.C.

Zu erwähnen wäre noch, daß beim Augenschein bezw. der Aufnahme des Platzes zu dieser Hütte der bekannte Führer P. Egger verunglückte, in dem er sich beim Improvisieren einer Flaschenlaterne eine Pulsader zerschnitt und verblutete.

Neuban.

Schon Ende der Neunzigerjahre hatte sich von neuem das Bedürfnis einer Vergrößerung der zweiten Hütte ergeben und wurde auch diese Arbeit zur dringenden Notwendigkeit, so daß die Sektion Mittel und Wege suchen mußte, um möglichst Abhülfe zu schaffen.

Nachdem im Sommer 1903 einige Räumungsarbeiten neben und hinter der Hütte ausgeführt worden waren, hat eine nähere Untersuchung ergeben, daß sich der alte Bau, obwohl er noch lange nicht baufällig war, nicht für eine Vergrößerung eigne und daß ein Neubau, unter Benutzung des guten brauchbaren Materials der alten Hütte, die zweckmäßigste Lösung der gestellten Aufgabe ergeben würde.

Nachdem Pläne und ein Devis für diesen Bau vorlagen, konnte noch rechtzeitig ein Gesuch um Subventionierung an das Zentralkomitee gestellt werden, welches dasselbe nach Begutachtung an die Generalversammlung weiterleitete.

Wie bekannt sein wird, wurde damals eine Subvention von Franken 6000 zugesprochen, und wurde der Rest durch Beiträge des Führervereins von Grindelwald Fr. 500, des oberländischen Verkehrsvereins Fr. 800, durch freiwillige Beiträge der Sektionsmitglieder, Anteilscheine und Entnahme aus dem Reservefonds der Sektion gedeckt, so daß die Ausführung des Baues gesichert wrar.

Nachdem Ende Januar 1904 der Vertrag mit den Unternehmern, Herrn F. Boß, Zimmermeister, und Joh. Brawand, Führer, endgültig unterzeichnet, Pläne und Bauprogramm abgegeben waren, wurde mit der Ausführung des Holzbaues begonnen. Diese Arbeit wurde so gefördert, daß das Gerippe und das übrige Holzwerk zur Hütte schon Ende März zur Abnahme durch Sektionsmitglieder und zum Transport bereit war.

Die ergänzenden Räumungs-, Sprengungs- und Planierungsarbeiten, sowie der Transport des Materials schritten, dank der diesjährigen günstigen Witterung und dem Eifer der Unternehmer, so rasch vor, daß Ende Juni mit dem Abbruch der alten Hütte begonnen werden konnte.

Von all den Schwierigkeiten, die sich während des Transportes darboten, sei hier kurz nur eine erwähnt: Eine Kolonne von 5 Mann mit dem Transport von Schindeln, Balken und Brettern den Aufstieg in der Fiescherwand bewerkstelligend, wurde von einer Lawine überrascht und konnte sich nur dank dem rechtzeitigen Zurufen von Vater Brawand, der den Abbruch der Lawine sofort bemerkte, beiseite flüchten unter Zurücklassung des sämtlichen Materials; alle 5 kamen mit heiler Haut davon, und es konnte auch der größere Teil des Materials einige Tage später aus den Schneemassen herausgegraben werden, dagegen ging eine Partie von kleinerem Material und ziemlich viel Werkgeschirr, im Gesamtwerte von etwa Fr. 100 verloren.

Als interessante Einrichtung zur Beschleunigung des Transportes in der Fiescherwand wäre der eigenartige kleine Aufzug zu erwähnen, den die Unternehmer vermittelst zweier Schlitten, welche an jedem Ende eines um eine Rolle geführten, zirka 150 m. langen Seiles angehängt waren, hergestellt hatten; die Rolle war ihrerseits auf einem im Schnee eingerannten starken Stocke drehbar befestigt. Der beladene Schlitten wurde jeweilen durch den leeren, welchen die Arbeiter zur Abfahrt ( Talfahrt ) benutzten, hinaufgezogen, nachdem jeder Arbeiter vorher mit einer Traglast den Weg bis zum obern Ende der Gleitbahn zu Fuß zurückgelegt und dort seine Last gesichert hatte.

Während des Abbruches der alten Hütte und des Aufbaues der neuen, und zwar bis dieselbe zum Teil bezugsfähig war, schlugen die Arbeiter in einer sehr primitiven Bretterhütte, die auf einer etwa 30 m. unterhalb der Hütte liegenden Felsterrasse aufgestellt wurde, ihr Quartier auf. Es ist unter diesen Umständen leicht begreiflich, daß alle, die dort einquartiert waren, ihr Redliches dazu beitrugen, um möglichst bald in einem sicheren und mehr Schutz gegen Nässe und Kälte bietenden Obdach unterzukommen.

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Am 22. Juli, anläßlich des ersten Besuches durch zwei Vorstandsmitglieder unserer Sektion, wurde konstatiert, daß der ganze Bau schon so weit vorgerückt und der Transport des Inventars so weit beendigt war, um einer größeren Zahl von Touristen im untern Raum der Hütte ein bequemes Nachtlager bieten zu können. Da ferner die Unternehmer die bestimmte Zusicherung gaben, daß die Hütte binnen 10-12 Tagen in allen Teilen vollendet und das Inventar vollständig hinaufgeschafft sein werde, so konnte die Einweihung sicher auf den 6. August angesetzt werden.

Beiläufig sei hier noch bemerkt, daß die beiden Vorstandsmitglieder damals den Weg durch die Berglifelsen nahmen und die Möglichkeit der Erstellung eines Fußweges in denselben erkannten.

Die Einweihung der Hütte konnte auch wirklich am G. August stattfinden, und es wurde die kleine gelungene Feier vom schönsten Wetter begünstigt. Zu derselben fand sich die stattliche Zahl von 36 Personen ( mit 2 Damen ) ein, von welchen 29 über Nacht blieben; niemand hatte damals das Gefühl, an Platzmangel zu leiden, sondern jedermann fühlte sich recht behaglich.

Über alle die Reden, die oben gehalten worden sind, und über die übrigen Feierlichkeiten ist genügend geschrieben worden, so daß ein weiteres hierüber nicht mehr nötig sein dürfte, dagegen scheint es angezeigt, einige Worte über den Bau selbst zu sagen.

Die mit Spannschrauben stark verankerte Hütte steht auf einem 70 cm. hohen Sockel aus Mörtelmauerwerk; sie ist als Fachwerk gebaut mit zweifacher äußerer und einfacher innerer Verschalung ( diese letztere gleichzeitig Krallentäfel bildend ), Doppelboden und Schindeldach; die Schindeln sind auf einer Lage gefalzter und dicht zusammengezo-gener Bretter befestigt.

Die Hütte enthält einen Parterreraum mit Pritsche von 8,40 m. Länge, auf welchem vermittelst Vorhängen aus Segeltuch eine kleine Abteilung für Damen hergerichtet werden kann, und einen Dachraum mit Pritsche von 7,80 m. Länge, beide Pritschen zusammen bieten für 27 Personen bequem Platz. Der Parterreraum ist zugleich auch Restau-rations- und Kochraum; an den Wänden über den Pritschen ist eine zweifache Reihe von Tablaren, in der einen Ecke die Kasten für das Geschirr und in der andern freien Ecke weitere Tablare zum Aufbewahren von allerhand Gegenständen angebracht, ferner befinden sich in diesem Raum 3 Tische, 2 lange feste und 2 bewegliche Bänke und 7 Tabourets. Kochherde sind 2 mit je 2 Löchern und einem gemeinschaftlichen Abzugsrohr aufgestellt, von denen je nach Bedürfnis nur einer oder beide miteinander benutzt werden können; es hat diese Anordnung den Vorteil, möglichst wenig Brennmaterial zu brauchen. In unmittelbarer Nähe der Öfen ist eine Vorrichtung zum Trocknen der Kleider angebracht.

Im Dachraum ist ein über die ganze Länge desselben gehender abgeschlossener Kasten zum Aufbewahren des Holzvorrates eingebaut.

Die Fenster können sämtliche vermittelst Espagnoletten gut geschlossen werden und sind außerdem mit starken Vorläden zum Abschluß von außen versehen. Der Eingang hat Doppeltüren, von denen die innere der Höhe nach in zwei Teile geteilt ist.

Die Höhenlage der Hütte wurde durch Herrn Peter, Oberingenieur der Jungfraubahn, anläßlich einiger Vermessungsarbeiten für diese Bahn genauer bestimmt, wobei sich für dieselbe 3304 m. über Meer ergaben.

Das Inventar ist reichlich vorhanden, und es dürfte nur wenige Clubhütten geben, die ebensoviel aufzuweisen haben; es sind u.a. vorhanden: 30 Decken, 30 Paar Filzschuhe, für 30 Personen Küchen- und Tischgerätschaften aller Art, 6 Körbe zum Aufbewahren des von den Touristen mitgebrachten Proviantes, diese Körbe sollen gestatten, etwas bessere Ordnung und Übersicht im Proviant zu halten, wenn mehrere Partien gleichzeitig in der Hütte sind.

Zur Beleuchtung des unteren Raumes ist außer den Laternen und Kerzenstöcken noch eine große Hängelampe angebracht.

Auch an Rettungsmaterial fehlt es nicht, es sind vorhanden: Zwei Tragbahren älteren Datums ( nicht sehr zweckmäßig für das Hochgebirge ), 1 starker Stock von 3,50 m. Länge, der mit Hülfe einer anzubindenden Decke zum Transporte von Kranken oder Verwundeten an schwer begehbaren Stellen benutzt werden kann, ferner 1 Schlitten mit abnehmbarem Joch, ebenfalls für den Krankentransport bestimmt, die übliche Verbandkiste und das vorgeschriebene Notseil.

Im weitem befindet sich in der Hütte ein Satz Kleinwerkzeug: Säge, Beil, Hammer u. s. w., sodann Pickel und Schaufeln für Grab-und Räumungsarbeiten.

Die Kosten des Baues betrugen Fr 12,300 Dazu Vorarbeiten im Jahr 1903850 Dazu für Neuanschaffungen an Inventar„ 620 oder zusammenFr. 13,770 Hieran leistete die Zentralkasse Fr. G425.

Rechnet man zu obiger Summe noch den Wert der alten Hütte830 und des alten Inventars .270 so ergibt sich eine Totalauslage von Fr. 14,870 worin die etwas großen Auslagen ( Fr. 350 ) für die Einweihungsfeier nicht inbegriffen sind. Über diese siehe „ Bund " Nr. 222 von 1904.

If. Wylemann ( Sektion Bern ).

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