Die «Reculée des Planches» (bei Arbois, im französischen Jura)

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Claude, Marcel und Yves Rémy, mit Michel Ziegenhagen, Lausanne/Bossière VD

Im Gebiet von Saint-Loup bei Pompaples ( VD ) erhebt sich längs des Flüsschens Nozon eine rund vierzig Meter hohe, senkrecht abfallende Fluh aus gutem Fels. Seit Jahren haben die Kletterer hier zahlreiche Routen erschlossen, eine ganze Anzahl davon in künstlicher Kletterei. Nachdem auch wir ausgiebig in der Wand herumgeturnt sind, entschliessen wir uns, diese Routen unter Anwendung einer neuen und wirkungsvollen Technik für eine sichere Begehung auszurüsten. Wir vier Kameraden arbeiten dabei im Team, denn die Anwendung der erwähnten Technik ist mühsam. Sie bedingt auch ganz neue Seilmanöver, und überdies weist das Material ein beträchtliches Gewicht auf. Kernstück ist dabei die von einem Generator gespiesene elektrische Bohrmaschine, mit der sich tadellose Löcher für Expansionsbohrhaken herstellen lassen, in unserem Fall für die mit Plättchen versehenen Philips M., welche die bestehenden Haken bestens ersetzen.

Diese Erfahrung lehrt uns eines: Die Durchsteigung einer Wand unter Zuhilfenahme der Bohrmaschine ist kein Honiglecken, ganz im Gegenteil. Die Bohrmaschine scheint zwar alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Man darf aber nicht vergessen, dass schlechte Felsqualität oft alle Hoffnungen zunichte macht! Im übrigen wird der Kletterer die « bequeme » Bohrmaschine bestimmt sparsam und überlegt anwenden; zu kräfteraubend ist nämlich der Umgang mit diesem Hilfsmittel. Wo immer möglich wird er deshalb versuchen, in freier oder künstlicher Kletterei mit gewöhnlichen Haken voranzukommen.

Im Frühling 1975 befinden sich Michel Ziegenhagen, der planende Kopf unserer Gruppe, und Claude Levy auf einer Wanderung im französischen Jura. Dabei entdecken sie - wie sie uns später sagen — eine offenbar jungfräuliche Felswand, die einen beeindruckenden Überhang von ( horizontal gemessen ) etwa 45 Metern bildet. Zuerst geben wir uns skeptisch: Eine derartige Laune der Natur im sanft gewellten Jura, das gibt 's doch nicht. Unsere Freunde aber lassen nicht locker, und schliesslich sticht uns die Neugier.

Es wird aber Herbst, bis wir auf französischen Strassen unterwegs sind. Nach Champagnole verlassen wir die Hauptstrasse Genf—Dijon und fahren hinab nach Les Planches bei Arbois. Inmitten eines dicht bewaldeten Gebiets stossen wir auf einen weitläufigen Felsabbruch, einer jener hufeisenförmigen Arenen, wie sie in diesem Teil des Juras vorkommen. Im verborgensten Winkel türmt sich vor uns eine gewaltige, überhängende Wand auf: die « Reculée des Planches ».

Ein schmales Fahrsträsschen führt zum Restaurant de l' Enclay, Ausgangspunkt für den Besuch der recht bekannten Höhlen. Schon vom Parkplatz aus suchen wir die « Reculée » nach allfälligen Rissen ab -ohne Erfolg. Ein Blick durch den Feldstecher bestätigt diesen ersten Eindruck: Die Wand ist glatt, makellos. Je mehr wir uns nähern, desto entmutigender wirkt ihr Anblick: eine riesige, umgestülpte Treppe, ein einziger Überhang bei einem Höhenunterschied von 200 Metern.

Dass wir diesem phantastischen Gewölbe besondere Aufmerksamkeit entgegenbringen, bleibt den Eigentümern der Höhlen und des umliegenden Geländes nicht verborgen. Wir stellen uns vor, und von der Familie Bonnivard erfahren wir, dass die Wand tatsächlich 45 Meter über ihre Basis hinausragt. Sie habe auch schon von manch ei- nem ehrgeizigen Kletterer Besuch erhalten -Feldstecherbesuch...; bekannte Namen befinden sich darunter. Doch alle Besucher haben der « Reculée » das Etikett « unbegehbar » angehängt. Ein einziger ernsthafter Versuch ist bis heute unternommen worden. Guy, der Sohn der Bonnivards zeigt uns eine schwierige und gefährliche Kletterei von zwanzig Metern, die bei einer verstürzten Grotte endet. Unmöglich, von dort ohne Bohrmaschine weiterzusteigen, so lautet auch unser Urteil.

Wir verabschieden uns von den Bonnivards und versprechen wiederzukommen. Ein Unternehmen wie dieses will wohlbedacht sein.

Mein Bruder Yves und ich steigern deshalb unsere Trainingsanstrengungen.

Im Verlauf des Sommers nimmt das Projekt « Arbois » Gestalt an. Unter der kundigen Leitung des « Grand Michels » führen wir zahlreiche Versuche durch, tragen das Material zusammen, prö-beln herum und suchen nach neuen Lösungen. Vor allem geht es dabei um die Bohrhaken. Anfangs Oktober 1976 wagen Yves und ich einen ersten zaghaften Versuch. Er verläuft nicht sehr überzeugend und lässt viele Fragen offen. Trotzdem beschliessen wir, das Unternehmen zu starten. Leider kann sich Claude Levy nicht freimachen. Dafür wird uns Michel mit seinem gesamten Material unterstützen und uns seine Freizeit zur Verfügung stellen. Mit von der Partie ist auch Marcel, unser Vater.

Wir brechen zu dritt auf, da unser Vater erst später zu uns stossen wird. Das Auto ist hoffnungslos überladen. Der Grenzübertritt erweist sich als nicht so einfach: Wir müssen erklären und nochmals erklären... Endlich, am 16.Oktober, einem Samstag, errichten wir unser Lager am Bach, fast schon unter dem Überhang. Die Bewilligung dazu haben wir bei den Besitzern eingeholt. Den Rest des Tages verbringen wir damit, die Wand einer genauen Prüfung zu unterziehen.

Tags darauf steigen wir, schwer bepackt mit unserem vielfältigen Material, auf dem gut markierten Pfad zu einem Felswinkel empor. Von die- sem führt dann ein begehbares Band durch die Wand, welches das unterste Drittel des Überhanges abtrennt. Die wirkliche Herausforderung liegt ohnehin im oberen Teil: das gewaltige Gewölbe, das zu bezwingen wir uns vorgenommen haben... Den unteren Abschnitt heben wir uns für später auf.

Noch sind wir damit beschäftigt, das Material auf dem Band auszulegen, als sich Yves, in seinen Klettergurt geschnürt, schon langsam hocharbeitet und sich im brüchigen Fels einen Weg sucht. Nach einer ersten stummen Auseinandersetzung mit seinem steinernen Gegner hämmert er plötzlich wie wild auf die « Amerikaner » ein; gemeint sind natürlich die Haken! Nach zwei heiklen Quergängen stösst er auf eine Schicht faulen Gesteins, wo sich unmöglich ein Haken anbringen lässt, und er muss wieder absteigen... Nun klimme ich empor, um Yves abzulösen und setze gleich zu einem bescheidenen Versuch an. Doch misstraue ich auf einmal dem eben geschlagenen « Rurp»1. Ich klettere also ein paar Meter zurück und finde die schwache Stelle im Fels, die ich vorhin entdeckt habe. Es gelingt mir, hier einen Haken zu schlagen, und ich setze meinen Weg fort, indem ich der von der Natur vorgegebenen Gesteins-sturktur folge. Atemlos, aber zufrieden, erreiche ich eine Nische, wo sich ein recht bequemer Stand einrichten lässt. Michel folgt nach und rüstet zugleich diese erste Seillänge tadellos aus. Dabei frönt er seinem bevorzugten Hobby, die Route zu « säubern », eine undankbare, doch für uns alle unerhört nützliche Beschäftigung. Lose Blöcke sausen in die Tiefe, und feiner Erdstaub schwebt hinten nach. Dann gleiten wir beide - wie immer mit dem Abseilgerät - zum Ausgangspunkt hinab, von wo wir leichten Fusses, da ohne Material, zum Restaurant marschieren. Bei einem ausgezeichneten Café maison erläutert Michel den Bonnivards, weshalb er persönlich seiner Sache so'Kleiner, kurzer Messerhaken, der in feinste Risse geschlagen wird, dort aber meist nur wenige Millimeter eindringt. Dient nur zur Fortbewegung.

sicher sei. Wir seien zur Durchsteigung der Plan-ches-Wand aufgebrochen, und wir würden es schaffen... Offensichtlich vermag er ihre Zweifel aber nicht ganz zu zerstreuen.

Um ehrlich zu sein: Yves und ich geben uns weniger selbstsicher. Die ungeheuren Ausmasse des Überhangs lasten wie ein grosses Fragezeichen über dem Unternehmen.

Ab selben Abend noch fährt Michel nach Lausanne zurück, um seinen beruflichen Verpflichtungen nachzukommen.

Am Montag, dem 18. Oktober, nehmen wir zwei Brüder, verlassen im hintersten Winkel der « Reculée », den unteren Wandteil bis zum Felsband in Angriff. Zwei Versuche schlagen fehl, der schlechte Fels ist stärker als wir. Es scheint wirklich ausgeschlossen, durch diese Schichten brüchigen Gesteins zu kommen, ohne unverantwortlich grosse Risiken auf sich zu nehmen. Mit etwas Glück stossen wir aber schliesslich auf eine Möglichkeit. Schöne, ockerfarbene Verschneidungen führen hinauf unter ein Dach, ein herrliches Dach, nur... es tönt hohl!

Es regnet, und solange wir hier bleiben, wird uns der Regen fast ständig begleiten. Das stört uns jedoch wenig, da das Riesengewölbe uns recht gut vor den Unbilden der Witterung schützt.

Wir richten einen Schlingenstand ein und belassen ein fixes Seil, um den Versuch später fortsetzen zu können.

Am Dienstag trifft unser Vater mit einer Wagenladung Material ein. Am Zoll war man ihm gegenüber gar nicht wohlwollend gestimmt, und er musste tief in die Tasche greifen. Leute, die auch für ausgefallene Dinge Verständnis aufbringen, finden sich eben nicht überall!

Von dem die Wand unterteilenden Felsband aus gelangen wir mit Hilfe unserer Jümar-Steig-klemmen problemlos zum Stand in der Nische.Von wilder Entschlossenheit beflügelt bezwingt Yves in freier Kletterei einen schwierigen, abdrängenden Wulst und hängt gleich noch eine luftige Traverse nach links an. Zum Hakenschlagen findet er gar keine Zeit! Eine kurze über eine wag- halsige Stelle führende Seillänge bringt ihn zu einem Felsbogen, den eine Laune der Natur geschaffen hat. Das dadurch entstandene Loch bildet einen idealen Stand- und Sicherungsplatz.

Von unten hält unser Vater ständig die Verbindung aufrecht; für uns eine richtige Lebensader.

Weiter geht 's in ein kompaktes Dach, das bereits einen umfangreicheren Materialaufwand erfordert. Da wir nun zahlreiche Bohrhaken anbringen müssen, setzen wir zum erstenmal auch unsere vom Generator gespiesene Schlagbohrma-schine ein.

Mittwoch. Michel ist wieder zurück, und wir steigen gemeinsam zur Nische auf. Michel klettert gleich weiter bis zum Loch beim Felsbogen. Auch ich richte mich hier oben ein und ziehe die Bohrmaschine mit dem zugehörigen Material zu uns hinauf. Eine Jümarklemme dient dabei zum Blockieren des Seils. In dieser kopfstehenden Welt weben wir ein richtiges Spinnennetz: zwei Sicherungsseile für den Vorauskletternden, mehrere Seile für den Materialtransport, dazu das elektrische Kabel... Mit einer guten Selbstsicherung am Stand, auf Trittleitern stehend, die rechte Hand um eine Reepschnur geklammert, lehne ich mich nach aussen und versuche, meinen mit einem gar unwillkommenen Gewicht belasteten linken Arm auszustrecken... ein Blick nach unten: welche Leere!

- Motor!

Yves schaltet den Generator ein, die Bohrmaschine läuft, und ich drücke sie mit verzweifelter Anstrengung gegen den Fels. Aber es erweist sich als unmöglich, genug Druck auszuüben. Der Bohrer rutscht immer wieder ab, und ich kratze lediglich das Gestein an. Ich muss es näher bei mir versuchen, nur so kann ich senkrecht zum Fels bohren. Endlich schleift der Nocken, welcher die richtige Tiefe des Lochs anzeigen soll, am Fels, und kraftlos fällt mein Arm nach unten. Ich bin völlig ausser Atem, und hänge die Bohrmaschine in einen Karabiner ein. Schliesslich, mit noch zittriger Hand, presse ich den 25 Millimeter langen Tilca-Zylinder in das Loch, gebe, damit der Keil sich richtig verklemmt, ein paar Hammerschläge auf den Bolzen, worauf ich dann mühelos die M.6 Ringschraube eindrehen kann. Damit sie besser auf dem Fels aufliegt, haben wir sie mit einer Un-terlagsscheibe versehen ( später werden wir diese weglassen ).

Karabiner, Seile, Trittleitern, und ein weiterer Schritt kann vorbereitet werden. Die Versuche auf sicherem Boden haben die hervorragende Qualität dieser M. 6-Bohrdübel bestens bewiesen. Doch hier, mit dieser Leere unter dem Hintern, tauchen plötzlich wieder leichte Zweifel auf... Ich lasse den Sack mit dem Material am vorletzten Haken hängen. So wird das Gewicht besser verteilt, und ich kann mich auch freier bewegen. Gehalten vom Troll-Segeltuchsitz, just für diese Art der Fortbewegung geschaffen, arbeite ich weiter. Nach und nach findet jedes Ding seinen geeigneten Platz, und die Bewegungen werden kraftsparender und fast natürlich.

Die Zeit verfliegt geradezu, schon ist es fünf Uhr abends! Ununterbrochen haben wir geschuf-tet. Nicht einmal eine Pause zum Essen oder Trinken haben wir eingeschaltet. Darauf haben wir aber schliesslich unser Training ausgerichtet: Zeit zu gewinnen, selbst wenn das einige Nachteile mit sich bringt.

Ich lasse das Material am vorläufigen Endpunkt hängen und klettere vorsichtig die Strecke unter dem Dach zurück. Vom Standplatz beim Felsbogen seilen wir direkt aufs Band ab, wobei wir nicht ein einziges Mal die Wand berühren. Mein Körper ist völlig zerschlagen. Die ständige Anspannung und die Leistungen, die ich mir in den ungewohntesten Stellungen abverlangt habe, machen sich jetzt bemerkbar. Der Klettergürtel hat rote Striemen und schmerzhafte Druckstellen hinterlassen, doch die Bilanz ist positiv. Das geplante Verfahren hat sich als möglich erwiesen: Das erste Dach haben wir mit Hilfe von 15 Bohrhaken geschafft.

Der Abend - welch ersehnter Augenblick der Entspannungwird uns mit einem wahrhaften Schlemmermahl verschönt, das unser Vater in lu- kullischer Manier zubereitet hat. Stets aber kreisen unsere Gespräche um das luftige Abenteuer. Es lässt uns einfach nicht los, immer kehren dieselben Gedanken wieder.

Anderntags steigen Michel und Yves zum Felsbogen auf, wo sich unser « Chef » am gestern zuletzt erreichten Punkt zum Weitergehen vorbereitet. Vater und ich bleiben unten auf dem Felsband und halten die Verbindung aufrecht. Ich muss zugeben, ein frei schwebender Kletterer, der sich winzig klein vom mächtigen Überhang abhebt, vermittelt erst einen Eindruck von den hier herrschenden, ungeheuren Dimensionen und bietet einen phantastischen Anblick. Ich wünsche geradezu, selbst oben zu hängen, nur um nicht ständig hinaufschauen zu müssen. Hier, mit festem Boden unter den Füssen, lebt sich 's ruhig. Trotzdem vergeht die Zeit im Flug, was wir nicht zuletzt Radio Europe i verdanken. Aber selbstverständlich gibt es auch dies und jenes zu tun, denn den Generator zu bedienen ist nicht unsere einzige Aufgabe.

Hoch über unseren Köpfen nimmt die Kletterei ihren Fortgang ins Ungewisse. Die Routenwahl ist keineswegs gegeben. Schlechter, an der Oberfläche bröckeliger Fels zwingt uns zu einer langen, fast horizontalen Traverse nach rechts, entlang einer kompakteren Schicht. Nirgends bietet sich eine Gelegenheit, sie nach oben zu verlassen. Schräg sich durch die Wand herabziehende nass-schwarze Streifen legen ihr Veto ein. Sie folgen den Gesteinsschichten, aus denen das Wasser heraussickert. Je nach Wetter werden sie dunkler oder heller, so dass sie den Einheimischen als eine Art von Barometer dienen.

Wir stecken also ganz schön in der Klemme, wir, die wir mit einer Direttissima-Route liebäugelten. Mit einemmal erscheint uns der Überhang noch gewaltiger, noch abweisender... Wir befinden uns nicht gerade in « Waterloo-Stimmung », aber unsere Begeisterung ist doch erheblich abgeklungen.

Am vierten Tag erreicht unser « Chef » die von unten gesichtete weisse Nische ( Poche blanche ) und bringt so die erste reine Bohrhakenlänge erfolgreich zum Abschluss. Freudig teilt er uns mit, ein Absatz biete einen ausgezeichneten Standplatz... unter der Bedingung allerdings, dass man Kinderschuhgrösse i 7 trägt. Doch nach dieser nicht endenwollenden Seillänge im Überhang muss einem wohl alles, was nicht gar zu abschüssig ist, eben erscheinen. Ähnliche Sinnestäuschungen werden wir übrigens noch mehrmals erleben.

Heute Sonntag ist unser Unternehmen nicht unbemerkt geblieben. Zahlreich sind die Kie-bitze, die uns mit dem Feldstecher beobachten und auf uns deuten.

Am Abend verlässt uns Michel wieder.

Montag, den 25. Oktober. Mit einem kurzen, aber eindrücklichen Pendelschwung verlasse ich unser Felsband und baumle am fixen Seil, das wir in der weissen Nische eingehängt haben. 60 Meter liegen nun vor mir, die ich, spinnengleich und weit vom Fels entfernt, vermittels der Jümarklemmen emporturne. Das hilft selbst das üppigste Frühstück verdauen! Papa seinerseits greift mutig zum Seil und kommt auf dem gleichen Weg nach, um mich zu sichern. Auch er bedient sich natürlich der modernen - aber immerhin manuellen -Steighilfen. Yves sitzt heute am Schalter und kann sich von den Strapazen des Vortags erholen. So spielt sich rasch ein Rollenwechsel ein, der es jedem von uns erlaubt, neue Kräfte zu sammeln.

Von dem mit mehreren Bohrhaken ausgerüsteten Standplatz geht es direkt in ein wahrlich beeindruckendes Dach. Lächerlich klein komme ich mir vor, wie ich in diesem Gewölbe hänge. So eigenartig und mächtig ist es, dass die dauernde Anspannung die Leichtigkeit meiner Bewegungen beeinträchtigt. Selbst wenn man sich nicht rührt, verursachen die anstrengenden Positionen Krämpfe, die an den Kräften zehren. Um den Sitzkomfort etwas zu verbessern, verfertige ich deshalb stützende Bänder für Nacken, Kopf, Schultern und Arme, bis nach und nach eine Art Hängematte entsteht. Dafür nehme ich allerdings in Kauf, dass ich noch langsamer vorankomme.

Und erst der weisse Bohrstaub! Trotz Brille dringt er mir in die Augen, und für Augenblicke bin ich blind. Da ich zudem schweissgebadet bin, setzt er sich überall fest und macht mich in kurzer Zeit unkenntlich. Wie ich das Dach nach einem langen und mühsamen Kraftakt endlich geschafft habe, fühle ich mich wie gerädert. Uff! Nichts wie zurück zu unserem Band! Eine Talfahrt am Seil, und Yves zieht mich mit einer Reepschnur zu sich auf den Felsvorsprung. Völlig ausgebrannt lasse ich mir von ihm Klettergurt und Knoten lösen.

Wieder im Lager finden wir zu unserer Freude verschiedene kleine Geschenke vor. Einige Leute haben nämlich Schokolade hingelegt und ein paar aufmunternde Worte dazu geschrieben -nicht zum letztenmal. Die Nacht ist zu kurz für meinen gequälten Körper, denn schon um 7 Uhr macht Frühaufsteher Yves Feuer fürs Morgenessen.

Heute bleibt Vater unten, während wir zwei Brüder zur weissen Nische aufsteigen. So ein Pech! Der Mantel des Seils ist beschädigt. Trotz des sorgfältig gewählten Kantenwinkels hat sich das Seil infolge unserer Aufstiege mit den Jümar-klemmen am Felsen aufgescheuert. Zum besseren Schutz unterlegen wir nun dort einen Sack. Sobald Yves gesichert ist, arbeitet er sich unter dem Dach weiter voran. Er ist zutiefst beeindruckt. Wahrlich kein Ort, um sich gegenseitig zu drängen. Mit der Bohrmaschine in der Hand verfliegen solche Gedanken allerdings rasch. Was zählt, ist allein die Arbeit, das Vorankommen. Ohne Unterlass heisst es bohren, Haken anbringen, steigen, wieder bohren, womöglich irgendeinen Kniff anwenden, mit dem sich ein paar Zentimeter gewinnen lassen. Deutlich höre ich ganz in der Nähe eine Fledermaus. Vater hat sie schon gestern bemerkt. Sie stösst seltsame Laute aus - ist 's Überraschung oder Angst? Wohl beides, hat sie doch so lange in diesem Loch sicheren Unterschlupf gefunden und hätte sich nie träumen lassen, dass ein paar Verrückte kommen und eben hier einen Sicherungsplatz einrichten könnten. Falls die Route eines Tages stark begangen sein sollte, wird sie bestimmt, der Störungen müde, ihr Bündel schnüren und sich nach einer neuen Bleibe umsehen...

- Seil geben, Teufel nochmal! Du träumst wohl!

Hurtig hantiere ich mit dem Seil, um meinen Bruder zu befreien. Ich weiss, wie unangenehm es ist, auf das Seil warten zu müssen. Der Sichernde muss eben ständig auf dem Quivive sein.

Routinemässig gehen die Manöver weiter. Yves ist jetzt über die Dachkante hinausgelangt und damit meinen Blicken entschwunden. Auch hören kann ich ihn nicht mehr, zu stark tönt das Rauschen des Baches herauf. Die Handhabung der Seile wird dadurch natürlich sehr erschwert.

Wie jeden Tag um die Mittagszeit braust Guy mit seinem roten Auto in die Arena, auch heute mit übersetzter Geschwindigkeit. Hupkonzert, Winken. Er ist übrigens nicht der einzige, der sich für uns interessiert. Tagtäglich stellen sich Beobachter ein. Sogar Alteingesessene aus der Gegend verfolgen aufmerksam unsere Fortschritte.

Ein Jubelschrei, ein Uff! Yves hat das schon lange gesichtete Wändchen erreicht, wo sich ein Stand einrichten lässt. Steif vor Kälte verlasse ich mit etwelcher Mühe den Sicherungsplatz, der dank einem hölzernen Sitzbrettchen schon beinahe bequem zu nennen ist.

Der schlechte Fels hat uns erneut von der direkten Linie abgedrängt; links und rechts müssen wir schwarzgefärbte Wasserstreifen umgehen. Manch ein Versuch hat fehlgeschlagen, bis wir endlich, nach einer verflucht langen Seillänge, zum Wändchen gelangten. Zwei volle Tage auf-reibendster Kletterei und fast 40 Bohrhaken für 15 Meter Höhendifferenz! Zum Schluss haben wir aber doch noch weitere to Meter geschafft. Der Stand in der Vertikalen ist übrigens gar nicht so übel. Jedenfalls wird er Kommen und Gehen erleichtern, wenn wir am Seil auf- oder absteigen.

Heute abend müssen wir nach Hause fahren. Allmählich wird das Material knapp, da wir nicht mit einem derartigen Aufwand an Bohrhaken ge- rechnet haben. Weil es sich zudem nicht um einen gängigen Typ handelt, werden wir welche aus der Deutschschweiz kommen lassen müssen, was ein paar Tage Warten bedeutet. Gleichzeitig werden wir uns noch mit Walkie-Talkies ausrüsten, damit wir in Zukunft problemlos miteinander sprechen können.

Am 1. November kehren wir mit viel neuem Material nach Les Planches zurück.

9 Uhr, und schon sind wir wieder oben beim Stand am Wändchen. Hinter uns liegen ein Jü-mar-Aufstieg von mehr als 60 Metern und ein vorgängiger Pendelschwung von 30 Metern ( der sich infolge unseres täglichen Vorrückens natürlich ständig vergrössert !).

Von meinem Papa gesichert, beginne ich mit einer Traverse nach links. Das Walkie-Talkie ermöglicht mir endlich, klar und deutlich Strom für meine Bohrmaschine anzufordern. Auf der Suche nach der kürzesten Route wage ich mich in brüchiges Gestein vor und versuche, ein kleines Dach zu überwinden - vergeblich. Weiter oben würden lose Schuppen ohnehin jedes Durchkommen vereiteln. Also zurück bis zur Traverse, um horizontal der schön weissen, kompakten Platte zu folgen. Doch ein Unglück kommt selten allein. Auf einmal bricht der Schlagbohrvorsatz entzwei. Aus! Gegen 14 Uhr müssen wir absteigen. Mit dieser Panne haben wir nicht gerechnet!

Verzweifelt versucht Vater in ganz Arbois, das benötigte Stück aufzutreiben, muss dann aber doch nach Lausanne fahren, wo er schliesslich die zwei letzten vorrätigen Exemplare zu ergattern vermag.

Frühmorgens pendeln Yves und ich wieder einmal vom Felsband weg und hissen uns mittels energischer Spinnengymnastik hinauf zum Wändchen. Inzwischen erfüllt sich auch schon die Hoffnung, die wir in unseren Vater gesetzt haben. Da ist er wieder und bringt uns das erwartete und sehnlichst herbeigewünschte Werkzeug. Am Seil baumelt es zu uns herauf.

Im Augenblick giesst es wie aus Kübeln. Ein Wasserfall schiesst über den Felsvorsprung hinaus und bildet einen märchenhaften Vorhang, dessen sanftes Rauschen zu uns herüberdringt. Yves wendet im Augenblick sämtliche Kunstgriffe an, um eine Schuppe zu überwinden, deren dumpfer Klang allerdings wenig Vertrauen einflösst! Am nachfolgenden Dachüberhang kommt es neuerlich zu einem ärgerlichen Zwischenfall: Ein Schnürchen reisst, und weg ist der Schlüssel für die Bohrerhalterung. Ohne diesen Schlüssel können wir aber nicht weiterarbeiten. Wir müssen ja die Bohrer auswechseln, wenn wir in der Reihe der kleinen Fortbewegungshaken einen weiter dimensionierten Sicherheitshaken anbringen wollen. Der Schlüssel muss sich irgendwo ins dürre Laub gewühlt haben, jedenfalls kann ihn Papa nicht finden. Also fährt er nach Arbois und — welch glücklicher Zufall — er stöbert das kostbare Zubehör auf.

Am nächsten Tag ist Michel wieder zurück. Sogleich steigt er zum letzten Standplatz auf und übernimmt, von Yves gesichert, die Führung. Ein starker Wind behindert das Vorankommen. Die Seile werden horizontal von der Wand weggeblasen! Doch unser « Chef« mit seinem unbezwingbaren Optimismus lässt sich nicht sonderlich beeindrucken. Langsam aber sicher setzt er Haken um Haken. Vom Band aus bewundern wir, wie er das Dach meistert, mit einer schon leicht verrückt anmutenden Akrobatik! Etwas weiter oben gelangt Michel zu einer deutlich erkennbaren Rampe, wo er auch ein « rosa Kämmerchen » ( Chambre rose ) entdeckt... Schon wieder eine Sinnestäuschung? Offenbar nicht, denn eben dort richtet er den Standplatz ein.

Am folgenden Tag ist die Gipfelkuppe mit Schnee überzuckert. Es ist etwas frisch, aber wir haben ja Daunenzeug eingepackt, da wir mit langen Wartezeiten - bis zu g Stunden - für den Sichernden gerechnet haben. Ich steige zu Michels « rosa Kämmerchen » auf. Ein Kämmerchen? Warum nicht ?! Alles ist schliesslich relativ. In Tat und Wahrheit finde ich hier lediglich eine senkrechte, sich wohltuend vom ewigen Überhang abhebende Stelle... und was die Färbung betrifft: etwas Rosa verleiht der sonst so widerborstigen Wand eine fröhliche Note.

Das Material von Stand zu Stand, von Kletterer zu Kletterer zu schaffen, erfordert eine Anstrengung, die nicht unterschätzt werden darf. Zwischen dem Wändchen, wo sich Yves befindet, und meinem Standort am Fuss der Rampe inszenieren wir ein eigentliches Rucksackballett mit vielfältigen Pendelzügen. Vom Band aus überwacht Papa die Aktionen mit dem Feldstecher und dirigiert über das Walkie-Talkie die Manöver, um die ständig sich verwickelnden Seile zu entwirren. Schliesslich müssen wir auch das elektrische Kabel verlängern.

Die Kletterei, das muss einmal gesagt sein, versetzt uns nicht in überbordend freudige Stimmung. Im Gegenteil, wir sind wortkarg und beschäftigen uns ganz mit den eigenen kleinen Problemen des Augenblicks. Vor allem suchen wir unablässig unsere Stellung zu verbessern, wobei wir oft eine unbestimmte Beklemmung verspüren. Die Tatsache aber, dass wir die Rampe, dann das « rosa Kämmerchen » erreicht haben, hat unserem Unternehmen die entscheidende Wendung gegeben. Wir sind nun praktisch sicher, dass wir durchkommen werden, und das verleiht uns natürlich Auftrieb, auch wenn wir die verbleibenden Schwierigkeiten keineswegs unterschätzen. Über dem Abgrund schwebend an winzigen Ringhaken hochzuklimmen, eine Leistung zu erbringen, die weit über das normale Mass hinausgeht - das alles erfüllt uns schliesslich doch mit einem unbeschreiblichen Hochgefühl. Daneben bewahren wir aber den Respekt, mit dem wir — viele Tage sind 's her - in die Wand eingestiegen sind. Am Standplatz auf der Rampe fühlen wir uns denn auch nicht als Sieger, sondern einfach als Männer, die glücklich sind, den Schlüssel zur Wand gefunden zu haben, ohne deren enorme Wucht und Grosse jetzt herabspielen zu wollen. Ihre gewaltigen Ausmasse kommen übrigens höchst eindrücklich bei der luftigen Talfahrt am 80-Meter-Einfachseil zur Geltung. Wir verwenden dazu zwei Abseilgeräte und schöpfen die Bremsmöglichkeiten voll aus, um ja nicht zu rasch zu gleiten. Auf der Höhe des Felsbandes angelangt, holt uns Papa mit Muskelkraft über eine Pendelstrecke von mehr als 40 Metern ein!

4. November, zum erstenmal schönes Wetter. Wir erreichen über den gewohnten Pendelschwung nach aussen und dem anschliessenden Aufstieg am Seil den obersten Standplatz. Im « rosa Kämmerchen » deponieren wir eine kleine Blechschachtel mit dem Wandbuch.

Yves verfolgt weiter die Rampe, auch sie « um-gestülpt » und überhängend, wie es sich hier gehört. In ausgezeichnetem Fels arbeitet er sich über ein sonnenbeschienenes Dach hoch und richtet auf dessen Kante einen Stand ein, wie er verlockender nicht sein könnte. Noch einmal gleiten wir am frei hängenden Seil hinab zum Lager.

Der morgige Tag, so hoffen wir, müsste eigentlich den Ausstieg bringen. Nur schade, dass Michel nicht dabei sein kann! Wenigstens werden uns seine Werkzeuge begleiten, vor allem natürlich die Bohrmaschine! Nach einem letzten kleinen Dach neigt sich die Wand erstmals so zurück, dass ich mich einigermassen aufrichten kann. Risse lassen sich ebenfalls finden, und ich schlage gewöhnliche Hake, wobei der schuppige Fels immerhin einige Umsicht erfordert. Ein letzter Schritt, und ich trete aus der unerbittlichen Ambiance der « Reculée » hinaus auf das Gipfelplateau. Eine kleine sympathische Gruppe erwartet uns hier mit Hurrageschrei und Wein zum Anstossen. Die äusserst harten Anstrengungen liegen bald in weiter Ferne, verdrängt von der herrlichen Atmosphäre, den Gesprächen und Einladungen.

Im Auto - welch ein Widerspruchfahren wir zurück ins Lager. Am Sonntag gönnen wir uns Ruhe und nutzen die Gelegenheit, die auf dem Felsen thronende Schlossruine zu besuchen. Wie sicher man sich dort oben gegen die Angreifer vergangener Zeiten fühlen musste!

Mit Guys sachverständiger Hilfe messen wir den Überhang der « Reculée » aus. 130 Meter beträgt die Höhe des oberen Teils, 62 Meter der Überhang. Das ist eine Überraschung, auch wenn die Pendelschwünge ähnliches haben erahnen lassen! Im unteren, noch nicht durchstiegenen Wandteil beträgt die Höhe 50, der Überhang 25 Meter.

Montag. Wir packen das untere Stück an. Vom Stand unter dem Dach, den wir vor einigen Tagen erreicht haben, ist jedes direkte Weitersteigen gefährlich. Der Fels weist eine bröckelige Oberfläche auf, die beinahe wie Sägemehl zerfällt... Yves mit seinem guten Tastsinn gelingt schliesslich eine herrliche, aber aussichtslose Traverse nach links, indem er auf 15 Meter die einzige zuverlässige Gesteinsschicht verfolgt. Doch haben wir damit keinen Meter an Terrain gewonnen! Unsere Moral ist angeschlagen, und um das Mass vollzuma-chen, gehen die M.6-Ringschrauben zur Neige. Diplomatisch wie ich bin, erkläre ich Yves, ich wolle morgen versuchen, gerade hochzusteigen. Nur halb überzeugt und ziemlich abgekämpft be-lässt er ein fixes Seil und sammelt auf dem Rückweg die Schrauben wieder ein.

Am Abend sind wir nicht zu Gesprächen aufgelegt. Zweifel beschleichen uns, und überhaupt lassen uns unsere beruflichen Verpflichtungen nur mehr zwei Tage Zeit. Das fast ununterbrochen schlechte Wetter macht das Leben im Zelt auch nicht einfacher. So bleiben die tanzenden Flammen des Feuers unser einziger Trost.

Am nächsten Morgen bin ich mit den Jümar-klemmen schnell am Punkt, wo mein Bruder am Vortag hat aufgeben müssen. Ich verstehe sofort warum. Eigentlich müsste man den Quergang fortsetzen, wenn man in einigermassen akzepta-blem Fels bleiben wollte. Dennoch hisse ich mich, halb zweifelnd halb hoffend, gerade hoch, so gut es eben geht. Der brüchige Fels zwingt mich dabei, eine übermässige Zahl Bohrhaken zu verwenden. Einmal löse ich gar von Hand einen Block, in dem schon eine Tilca steckt! Zum Glück ist diese faule Zone kurz und macht bald gutem Gestein Platz. Weiter oben, in einem waagrecht verlaufenden Riss, errichte ich den zweiten Stand. Anschliessend bezwinge ich einen überhängenden 89 Das Biwak in der frühen Morgensonne Photo: G. Jahn, Lausanne 90 Aufstieg mit Steigeisen zur Serpentine Photo: R. Pictet, Prilly 91 Das Biwak. Dahinter der Pigne a"Arolla Photo: G. Jahn, Genf Wulst, dann beginnen die Turnübungen am letzten Dach. Aber schon umgibt mich die Nacht und, von der Anstrengung gezeichnet, steige ich zu den Zelten ab. Morgen! Morgen muss es gelingen!

Am Mittwoch, dem 9. November, prasselt heftiger Regen nieder, was uns aber nicht daran hindert, rasch den gestern erreichten Stand wiederzugewinnen. Auch hier fixieren wir ein Wandbuch. Während mein Bruder von Haken zu Haken weiterbaumelt, beginnt Vater schon damit, unseren Materialberg aufzuräumen, ohne dabei seine Nachschubpflichten zu vergessen. Aber noch sind nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg Anstelle des Nachwortes Von einer technischen Kletterei würde man eigentlich einen technischen Bericht erwarten... Den Alpinisten — diese Tatsache ist bekannt - gelingt es aber nur selten, ihre Gefühle ausserhalb des Kreises der Eingeweihten wiederzugeben. Vielleicht gibt es nur alle wo Jahre einen Guido Rey - dennoch hat der Alpinist und Schriftsteller Edmond Pidoux versucht, den vorhergehenden Text zu überarbeiten. Er verstand es, die Atmosphäre einer aussergewöhnlichen, in vielen Teilen fast seltsamen Besteigung, wiederzugeben und sie so dem Leser näherzubringen.

Denen, die Lust gehabt hätten, die « Voie des Fadas » zu wiederholen, muss leider davon abgeraten werden. Seit igyy ist die Besteigung der « Reculée des Planches » nach einem Beschluss der lokalen und regionalen Behörden verboten worden. Maurice Herzog war so freundlich und erkundigte sich darüber, um den interessierten Kreisen die Motive dieser drakonischen Massnahmen bekanntzugeben: man befürchtet Steinschläge und das Verschwinden seltener Vögel, im speziellen denkt man da an den Wanderfalken.

In der Folge vernahm man noch, dass eine unbekannte Anzahl ( inzwischen identifizierter ) Personen sich über 92 Die Gipfelplatten des Tezoulaig-Süd 93 Der Sahouinen, von Süden gesehen 94 Abseilen vom Adaouda 95 Der Gipfel des Tezoulaig, vom Sahouinen gesehen geräumt, das Dach ist mehr als nur eine Formsache. Wir verspüren auch keinerlei Bedürfnis, das Tempo zu drosseln, nur um das Vergnügen länger andauern zu lassen! Endlich nehmen die Schwierigkeiten ab, die Neigung verlässt die Lotrechte, und vollkommen durchnässt erreicht mein Bruder das Felsband, wo uns Vater im weiterhin strömenden Regen erwartet.

Die « Voie des Fadas » ist damit erschlossen. Zurück bleiben eine reiche Erfahrung und ein phantastisches Abenteuer.

Aus dem Französischen übersetzt von Ch. Rohr, Oberhofen die zwei obersten Längen abgeseilt habe. Im weiteren scheint die Route nicht mehr einwandfrei ausgerüstet zu sein. ( Einzelheiten kann man in den Nummern 15 und ij der französischen Zeitschrift « Alpinisme et Randonnée » nachlesen. ) Die technische Kletterei ist aus der Mode gekommen. Wenig Tränen - ausser Krokodilstränen — werden wohl über dieses Nachwort vergossen werden. Dazu hätte Preuss, wenn er noch unter uns weilte, nicht zu bemerken versäumt, dass man dafür bestraft wird, wofür man gesündigt hat.

Auf Michel Vaucher, der sich im Rahmen seiner kine-matografischen Tätigkeiten für diese Besteigung interessierte, muss der Ort einen recht düsteren Eindruck gemacht haben. Ich pflichte seinem Urteil gerne bei. Dennoch verdanke ich der « Reculée des Planches » einige unvergessliche Eindrücke und gegenüber meinen Kameraden, die an diesem Abenteuer teilnahmen, eine dauerhafte Freund-schaft.Michel Qegenhagen Aus dem Französischen übersetzt von Th. Haudenschild, Bern 96 Eine Guelta auf der Atakor-Hochebene 97 Moulay Hassan: Biwak mit den Tuaregs 98 Moulay Hassan: Seltsame Erosionsformen im Granit Ph.tlcis: J. Sesiano, Genf

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