Dr. E. Haffter: Georg Jenatsch

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Der junge Historiker, der mir zu Neujahr die Biographie des „ gewaltigen pundtsmannsa Georg Jenatsch mit der Bitte geschickt hat, für eine Besprechung im Jahrbuch S.A.C. Sorge zu tragen, hat mir mit dem Buche eine große Freude und mit der Bitte eine große Verlegenheit bereitet. Denn es ist hier einmal erfüllt, was geschickte Verlagshandlungen etwa vorzudrucken und gefällige Redaktionen abzudrucken pflegen, die Behauptung nämlich, daß die vorliegende Publikation einem längst gefühlten Bedürfnis entgegenkomme. Eine rechte, d.h. historische Biographie des größten Staatsmanns, den Bünden je gehabt hat, in die Hände zu bekommen, muß nicht nur dem Historiker, sondern jedem für die vaterländische Geschichte sich Interessierenden von Wert sein. Die Schwierigkeit, ein Charakterbild, das, von der Parteien Gunst und Haß entstellt, schwankt, ins rechte Licht zu rücken, hat Dr. Haffter glücklich überwunden, und was namentlich schwierig war, er ist diesem komplexen Charakter so gerecht geworden, als dies überhaupt an der Hand geschichtlicher Quellen möglich war. Was nun aber dieses Werk speciell den Lesern des Jahrbuches soll, ist freilich schwer zu sagen; ich könnte hervorheben, daß Jenatsch als von Samaden gebürtig dem gegenwärtigen Clubgebiet angehört, daß er mehrmals mit Truppen oder sonst über den Albula hin- und hergezogen ist, ebenso über andere Pässe, die das Engadin mit dem Veltlin und Münsterthal verbinden, daß er mit seinem Regiment am Ende des Jahres 1635 in Obervatz, Lenz und Tiefenkastei kantoniert war und dergleichen; für Clubisten interessant sind auch die winterlichen Züge, die er gelegentlich im Unterengadin, Münsterthal und Veltlin dirigiert hat, oder die abenteuerliche Flucht im Anfang November 1621 über den Mons Vepcha oder Panixerpaß, wobei er, von den Bauern von Ruis und Panix verfolgt und von wütendem Schneesturm überfallen, sich kaum ins Glarnerland retten konnte, während sein Freund Bonaventura Tautseh in einen Abgrund stürzte oder von den Verfolgern erschlagen wurde und Blasius Alexander diesen in die Hände fiel und dem Inquisitionstribunal ausgeliefert wurde. Aber alles dies hat doch nicht alpinen oder touristischen Charakter und man kann höchstens behaupten, daß dem Bündnerwesen des Jenatsch die wilde Bergnatur seiner engern Heimat einen besondern Zug verliehen habe. In jedem Falle aber glaube ich, daß es gut sei, wenn wir neben den Itinerarien unserer Clubgebiete auch die Historie derselben studieren, und für das 17. Jahrhundert wenigstens und über die Gegend um den Albula herum kenne ich keine nützlichere Belehrung, als die hier von Dr. Haffter gebotene.Red.

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