Eine Bergsteigerkarriere vor 100 Jahren: G. Ad. Koella, 1822-1905

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VON LOUIS SEYLAZ, LAUSANNE

Die Familie Koella stammt aus Stäfa ( Zürich ). Der Musiker Rudolf Koella wurde 1788 geboren. Er hatte vier Söhne: Rudolf, Jean, Georges und Gustav Adolf, die er zu einem Musikerquartett ausbildete. Seit vor 1830 durchreisten sie Europa und traten in Städten und an Fürstenhöfen Deutschlands, Frankreichs und Englands auf. 1831 spielten die vier Knaben ( der älteste zählte 14 Jahre ) in Paris vor König Louis-Philippe und trafen mit berühmten Musikern, wie Paganini und Cherubini, zusammen. Von da reisten sie nach Genf, wo sich Henriette d' Angeville, die « Heldin vom Mont Blanc », für sie interessierte.

In Solothurn, wo die Familie den Sommer 1834 verbrachte, empfand Gustav Adolf seine erste Begeisterung für die Berge:

« Ich machte dort die Bekanntschaft eines jungen Solothurners, Fröhlicher; wir besuchten oft zusammen den Weissenstein und durchwanderten den Kamm in allen Richtungen, von der Rötifluh bis zur Hasenmatte. Damals erwachte in mir die Liebe zu den Bergen, die Lust am Klettern und am Bergluft-Atmen1. » 1 G. Ad. Koella hat ein autobiographisches Journal hinterlassen. Sein Enkel Jean Koella, Professor am Konservatorium in Lausanne, gab uns die Erlaubnis, Auszüge über die Bergtouren seines Grossvaters zu veröffentlichen.

Der väterlichen Betreuung entwachsen, löste sich das Quartett auf. Gustav Adolf, sehr begabt fürs Zeichnen, vernachlässigte das begonnene Musikstudium und machte in La Chaux-de-Fonds eine Graveurlehre. Er gedachte, sich endgültig in der Uhrenkapitale niederzulassen, und eröffnete 1845 ein eigenes Atelier als « Graveur de Sujets ». Aber das Schicksal entschied anders.

1850, bei einem kurzen Aufenthalt in Lausanne, erfasst ihn eine zarte Zuneigung, welche ihn zurückhält und als Gesanglehrer an diese Stadt fesselt. Er heiratet 1854 und gründet 1856 das Musikinstitut, das 1862 zum Konservatorium wird. Hier vertieft sich seine Bergbegeisterung, und 1863 ist er Mitgründer der Section des Diablerets des SAC.

An Hand von Auszügen aus seinen Aufzeichnungen sei hier der Verlauf seiner Bergsteigerkarriere skizziert. Sie ist charakteristisch für die Epoche. Der Ehrgeiz zielte nicht auf die hohen gefürchteten Gipfel der Penninischen Alpen. Übrigens bot die Erforschung der Waadtländer Alpen und der Dents du Midi, welche vor dem Erscheinen der betreffenden Blätter der Dufourkarte 1: WO 000 nur mangelhaft bekannt waren ( 1868 beschäftigte die Klubisten von Lausanne die Frage, wo sich der Haut de Cry befinde ), den Anwohnern des Genfersees ein genügend weites Betätigungsfeld. Man begnügte sich mit langen Märschen über Berge und Täler und mit der Besteigung mittlerer Gipfel in der Nähe.

1852. - Mit zwei Landsleuten, Huber und Bodmer, habe ich eine Tour auf die Dent d' Oche versucht. Aber schon in Evian schlug das Wetter um, und wir kamen nur bis St-Paul. Am 27. September machte ich mich allein auf den Weg und bestieg den Gipfel von der Nordseite her. Der aufgekommene Nebel verwehrte mir die Aussicht. Beim Abstieg zur Alphütte von Oche sah ich zum erstenmal eine junge Gemse in Freiheit. Es passierte mir auch ein unbedeutender Sturz, wobei ich, in meinen Gummimantel gehüllt, ein paar Schritte hinabrollte. Als ich nach Evian zurückkam, war das Schiff nach Lausanne eben abgefahren. Ich versprach zwei Schiffern 5 Fr., wenn sie es einholen könnten. Aber es brach ein heftiges Gewitter aus mit Platzregen...

1853.In den Sommerferien folgte ich einer Einladung der Familie Veillon nach Bex und machte die Bekanntschaft des Dr. Thomas und der Familie de Loès. Mit ihnen machte ich meinen ersten Ausflug ins Vallon des Plans. Es gab damals noch keine Strasse... Am Nachmittag besuchten wir Pont de Nant, das den Zugang zum Kessel der Muveranskette und zum Glacier des Martinets bildet. Es wurde nach den Klängen einer Geige getanzt. Am gleichen Abend ging ich über Frenières weiter bis nach Gryon, wo ich übernachtete... Nach sehr frühem Aufbruch in Gryon erreichte ich um 7 Uhr Anzeinde und war begeistert von dessen Lage. Auf dem Col de Cheville traf ich einen jungen Zeichner namens Schuler - ein Neffe von Monsieur Martens 1, Photograph S. M. Napoleons III. Er war unterwegs nach Zermatt, wo er seinen Onkel treffen wollte, und wir beschlossen, zusammen zu gehen. Da Schuler oft haltmachte zum Skizzieren, zeichnete auch ich in mein kleines Album. Die Zeichnungen machten mir später viel Freude als Erinnerung an diese erste Reise in den Alpen. Wir gingen miteinander über den Saut du Chien ( der Chemin Neuf dem rechten Ufer der Lizerne entlang ), über Sion, Viège nach Zermatt.

In Zermatt überliess ich Onkel und Neffe ihrer Arbeit und machte allein Ausflüge nach Ryffel, auf den Gornergrat, zum Findelengletscher, aufs Hörnli und die Hohbalm, von wo man eine wundervolle Aussicht auf das Matterhorn hat. Nach einem etwa zehntägigen Aufenthalt überschritten Schuler und ich den Theodulpass, durch tiefen, weichen Schnee stapfend, in den wir manchmal bis zu den Hüften einsanken. Auf der Passhöhe wechselte ich auf der zerfallenen Mauer eines einstigen Gebäudes die Strümpfe. Die Ruine beweist, dass der Übergang vor Zeiten von den 1 Martens, Zeichner und Graveur, hat 1830 bis 1850 eine grosse Anzahl Ansichten von Lausanne ausgeführt.

Bewohnern der beiden Täler benützt worden ist. Schuler, mit seinen langen Beinen, stieg ohne Erbarmen im Eilschritt mit mir über die Südseite ab, um noch vor Nacht Châtillon zu erreichen. Aber wir gelangten nur bis zum Weiler zwei Stunden vor dieser Stadt und mussten die Nacht in einer miserablen Hütte verbringen. Von Châtillon aus nahmen wir die Post bis nach Aosta, wo wir die römischen Ruinen besuchten und die Tour de Bramafan, die als Gefängnis dient. Wir begegneten vielen Schwachsinnigen. Schon vom Marsch durch den Schnee und dem forcierten Abstieg ins Val Tournanche hergenommen, gab mir ein Bad vor dem Nachtessen vollends den Rest. Am andern Morgen früh stiegen wir zum Grossen St. Bernhard, wo wir in zahlreicher Gesellschaft zu Mittag assen. Hier verliess ich meinen Gefährten und erreichte mit grosser Mühe ( Bourg)-St-Pierre. Dort musste ich einen Wagen nehmen, der mich in richtigem Fieberzustand nach Martigny brachte.

1854.Am 6. April vermählt sich A. Koella in La Tour-de-Peilz mit Emma Bertholet. Im Juni wohnen sie beide dem eidgenössischen Sängerfest in Sion bei und wandern anschliessend ins Oberwallis hinauf und über die Grimsel nach Brienz, wo sie sich einige Tage aufhalten. Besichtigung des Giessbachs, « glücklicherweise noch nicht ausgenützt wie heute ».

1855.In diesem Jahr nahmen wir unseren ersten Aufenthalt im reizenden Vallon des Plans, im Chalet der alten Marlétaz. Die neue Strasse war im Jahre vorher fertiggestellt worden, wie auch die Dufourkarte. Hier begann ich meine ersten Klettereien, indem ich von Pont de Nant über Le Berthex direkt nach Le Lavanchy aufstieg, dann zum Glacier de Plan Névé, von wo ich durchs Bachbett links dem Gletscher entlang wieder abstieg. Meinen Schwager Charles ( Bertholet ), der ein paar Tage mit uns verbrachte, führte ich in den Bergsport ein. Ich liess ihn mehrere schwierige Passagen begehen, indem ich ihn auf den Sex Percia führte, von wo der Rückweg eine ziemlich heikle Stelle aufweist. Wir bestiegen auch den Grand Muveran, mit Ph. Marlétaz. Nach der Frète de Sailles passiert man einen grossen Schneehang, wo der Schnee nie schmilzt. Dort zahlte ich meinen Tribut als Anfänger; ich rutschte eine beträchtliche Strecke, immer schneller, ab, ohne schlimmere Folgen, als einen durchgewetzten Hosenboden davonzutragen und unterwegs Brille, Sack und Pickel zu verlieren. Charles, bleich wie ein Leintuch, glaubte mich verloren; der Führer warf sich mir entgegen, ohne mich aufhalten zu können. Als die Sachen wieder zusammengefischt waren und die Aufregung vorüber, beendeten wir den Aufstieg und genossen auf dem Gipfel eine wunderbare Aussicht. Später machte ich mich, mit der Dufourkarte ausgerüstet, allein auf den Weg über La Vare und Les Essets und Cheville gegen Sanetsch. Anzeinde liess ich auf der Seite und wandte mich über die Cropts direkt zum Col de Cheville.Von da, statt nach Derborence abzusteigen, querte ich fast horizontal das Eboulement des Diablerets. In einer der Hütten von La Loex erlabte ich mich mit Rahm. In dieser elenden Hütte fand ich eine verwahrloste Geige. Ich erreichte dann über den Pas du Fenage ( Porteur de Bois oder des Etalles ) und über die Karrenfelder am Fusse des Tsanfleurongletschers den Sanetsch. 7 Uhr mogens war ich in Les Plans aufgebrochen und erreichte abends 7 Uhr Gsteig.

1856. - Wieder Ferien in Les Plans, mit unseren Freunden Rambert. Grosse und kleine Fahrten: Diableret, Dent de Mordes, Lacs de Fully ( botanische Exkursion mit Louis Favrat1 ), Pointe des Ancrennes, Argentine, die Gletscher von Plan Névé und Paneyrosse, Perriblancs usw.

1 Louis Favrat ( 1827-1893 ), Freund von Eugen Rambert, war Französischlehrer an der Ecole Industrielle in Lausanne. Seine grosse Leidenschaft war, ausser dem alten Walliser Dialekt, die Botanik. Sein Zigzags d' un Botaniste und seine Dialektstücke sind unter dem Titel Mélanges vaudois 1894 veröffentlicht worden.

In Anzeinde wechselte Kegelspiel mit Gesprächen und Gesang am Abend beim Herdfeuer. Die Tour auf die Pointe des Ancrennes, einen hohen Ausläufer des Muveran, ist eine der interessantesten, die ich mit Rambert gemacht habe. Man steht auf kühnen Felspfeilern, die auf der einen Seite gegen die Alphütten von Nant abfallen; auf der andern Seite trostlose Felstrümmer und Eisfelder. Es kann nichts Wilderes, Gewaltigeres an düsterer Schönheit geben, ein Bild des zerstörenden Waltens der Natur im Hochgebirge.

Louis Dufour kam auch nach Les Plans, und wir versuchten, zusammen mit dem jungen Philipp Marlétaz, die Besteigung des Diableret. Wir nahmen einen Hirten von Anzeinde mit, der uns zu unserer Enttäuschung auf die Pointe des Houilles ( Tête Ronde ) führte. Wenig später gelang uns, Rambert, meinem Schwager Charles, den beiden Marlétaz - Onkel und Neffe - nachdem wir von Les Essets aus die Flanken des Berges sorgfältig studiert hatten, die Besteigung des Diableret - die erste von dieser Seite her1.

Später begaben sich Rambert, der Botaniker Muret und ich nach Champéry in der Absicht, die Dent du Midi ( Haute Cime ) zu besteigen, aber Regenwetter bannte uns ans Hotel. Der Leiter des Hotels, ein gewisser Lonfat, empfing uns zuerst sehr gut und bewirtete uns mit einigen Flaschen ausgezeichneten Walliser Weins. Aber am folgenden Morgen änderte sich die Situation: als er meine groben genagelten Schuhe sah, wurde er wütend und behauptete, ich hätte sein Hotel entehrt, seine Parkettböden beschädigt, und verlangte 60 Fr. Schadenersatz. Ich wünschte ihn zum Kuckuck, gab ihm meine Karte und sagte: « Monsieur, Sie sind wirklich ein Long fat ( Laffe ); auf Wiedersehen. » Und wir schüttelten den Staub von den Füssen.

Zwei Jahre später, 1858, machten Rambert und Koella, wieder mit den beiden Marlétaz, einen zweiten Versuch an der Haute Cime, diesmal von Salanfe aus, um einen zweiten Lonfat-Zwischenfall zu vermeiden. Salanfe war damals bei den Touristen und sogar bei den Bergführern noch unbekannt.

Rambert hat ihr Abenteuer im Band II der « Alpes suisses » ausführlich geschildert. Auf der Suche nach der kleinen Hütte von Susanfe, wo sie übernachten wollten, wurden sie von schlechtem Wetter überrascht und verirrten sich im Nebel und, da es unmöglich war, die reissende Viège zu queren, mussten sie, vom Regen gepeitscht, über den Col de Susanfe zurück.

1857. Wieder Ferien in Les Plans, mit den Ramberts, de Felice2, den Malern Sordet und Cha-vannes3, und Buvelot aus Nyon. Ich habe mit Rambert die Dent de Mordes durch das Couloir du Nant Rouge, welches die Grand'Vire ( Felsband ) in ihrer Mitte durchschneidet und den Weg merklich verkürzt.

Rambert war schon verheiratet und wollte mit seiner Frau den Diableret besteigen. Aber sie kam nur bis zur Gratlücke, wo man zugleich auf Plan les Isles ( Ormonts ) und auf Anzeinde hinabsieht. Der anstrengende Aufstieg, die Aufregung und das Schwindelgefühl waren für unsere arme Freundin zu viel gewesen, so dass sie weder nach links noch nach rechts schauen mochte und auf dem Erdboden einschlief. Der Abstieg wurde noch mühsamer; der Führer Marlétaz musste sie sozusagen hinuntertragen.

1958. Wieder Ferien in Les Plans. Wir haben mit Madame Lagier eine ziemlich anstrengende Tour auf die Tête de Bella Luex unternommen. Beim Abstieg nach Les Essets benützte ich einen heiklen Kamin, wohin mir die erschöpften Damen nicht folgen wollten. Ich überliess sie der Obhut 1 Die erste Besteigung des Diableret war 1850 von G. Studer, von Les Ormonts aus, ausgeführt worden. 1 Ch. de Felice, Philosophieprofessor an der Universität Lausanne.

3 Alfred Chavannes, Maler und Bruder von Pfarrer Sylvius Chavannes, Verfasser des Liedes « La Bergère d' Isenau ».

des Führers J. L. Marlétaz, welcher, da er den Berg schlecht kannte, die armen Reisenden auf schlüpfrige Karren führte. Sie waren ganz aus der Fassung, als sie zum mit Rambert vereinbarten Treffpunkt kamen. Die Damen fühlten sich so durstig, dass sie den Durst kaum stillen konnten, und marschierten dann in einem Zustand übermässiger Lustigkeit nach Les Plans hinab.

In diesem Jahr haben wir nochmals den Diableret und das Oldenhorn bestiegen. Wir traversierten den Tsanfleurongletscher und stiegen zum Sanetsch ab, um über den Col de Cheville zurückzukehren, indem wir uns fast horizontal der Flanke der Diablerets entlang hielten. Auf dem steilen Diableretsgletscher oberhalb des Glacier de Tschiffaz glitt ich aus; aber der Jäger pflanzte unverzüglich seinen Pickel in den harten Schnee und Rambert hinter mir lehnte sich zurück, so dass mein Sturz sofort aufgehalten wurde. Erst ein paar Augenblicke vorher hatten wir uns angeseilt.

1859.Das Vallon des Plans nahm uns in den Ferien von neuem auf. Die Marlétaz hatten hinter ihrem Haus einen Anbau machen lassen, um mehr Zimmer zu gewinnen. Meine Schwiegermutter kam auf Besuch und hatte die Ehre, in einem eigens zu diesem Zweck konstruierten Lehnstuhl nach Pont de Nant getragen zu werden. Es war ein fröhliches Unternehmen'mit grossem Geleite. Die Damen trugen die Küchengeräte, die Herren die Essvorräte und Rambert einen Sack mit dem Kegelspiel. Wir waren: die Ramberts, wir, mein Schwager, die Maler Chavannes und Sordet und die Geschwister Toepffer. Der ältere Toepffer hat die Karawane auf einer Federzeichnung festgehalten.

1860.Ferien wie gewohnt in Les Plans mit unsern Freunden Rambert.

Von den zahlreichen Fahrten hebe ich nur diejenige über Salanfe und den Col de Suzanfe nach Champéry hervor, mit den Rambert, meiner Frau, Madame Lagier und den beiden Marlétaz. In Salvan gab es in der Herberge nur zwei Zimmer zum Schlafen. Der Alkoven diente de Felice und den beiden Philipp, während die beiden Damen, Rambert und ich das grosse Zimmer teilen mussten. Sobald die Damen ihre Toilette beendet hatten, löschten sie die Kerze und erlaubten uns den Eintritt, um uns auszuziehen und unser Bett zu suchen. Der arme de Felice und der junge Philipp wurden von den Wanzen, einem im Wallis verbreiteten Ungeziefer, fast aufgefressen, während sich die Tiere an die zähe Haut des alten Jägers nicht wagten.

Am Morgen brachen Rambert und ich vor den andern auf, um den Aufstieg zur Cime de l' Est zu versuchen und nachher mit den Damen und de Felice auf dem Col de Suzanfe zusammenzutreffen. Unser Versuch scheiterte an einem unzugänglichen Eiscouloir, das hier den einzigen Zugang zum Gipfel bildete2. Wir waren nicht weit vom Sattel unter dem Gipfelaufbau, aber die Zeit reichte nicht, um einen andern Weg zu suchen. Wir gelangten dann über den Gletscher zu unsern beiden Frauen auf den Pass.

1862. - Madame Koella weilt zu einer Badekur in St. Moritz, und ihr Gatte folgt ihr in die Ferien nach und unternimmt zahlreiche Fahrten in dieser Region: Piz Languard, Piz Ner, Piz Rosatsch, Palügletscher usw.

1863.Unsere Freunde Eschmann nahmen auch Aufenthalt in Les Plans. Ich wollte meinen Freund für den Alpenclub anwerben und ihn in die Freuden des Alpinismus einführen.

1 Diese Episode ist von Caroline Frossard in einen unbedeutenden kleinen Roman, Le vallon des Plans ( Lausanne 1871 ), eingebaut worden.

2 Da sie den ausgezackten Grat scheuten, griffen die beiden die Wand ziemlich viel weiter östlich von der heute üblichen Route an. Erst fünf Jahre später, 1875, glückte Rambert und seinem Freund Piccard die Besteigung der Cime de l' Est, die sie für die erste hielten. Siehe Les Alpes suisses, Bd. II.

Ich nahm ihn mit nach Les Perriblancs, nach Savolaire, nach Anzeinde. Dann unternahm ich mit ihm die Besteigung der Dent du Midi von Champéry aus. Da wir den Weg verfehlten, mussten wir die reissende Vièze überspringen und stiegen dann die Hänge der Dent de Bonavaux hinauf. Die Hütte von Bonavaux liessen wir unter uns und gingen direkt zum Pas d' Ancelle ( Encel ), wo wir die armselige Alphütte von Suzanfe erreichten und darin die Nacht verbrachten.

Ausgezeichnete Aufnahme durch die Hirten, die ein grosses Feuer anzündeten, um uns Milch zu kochen. Während wir aus dem Milchzuber die Brotstücke fischten, fielen aus den über dem Herd aufgehängten Fleischstücken weisse Madenwürmer, denen es über dem ungewohnt grossen Feuer zu warm wurde. Eschmann konnte nicht mehr weiteressen, aber ich fischte, um die guten Leute nicht zu beleidigen, mit äusserster Vorsicht noch ein paar Brotbrocken heraus.

Die Hirten überliessen uns ihr Lager, welches aus einer unebenen Steinplatte und einer Wolldecke von mehr als zweifelhafter Sauberkeit bestand. Kurz gesagt: der Ekel beim Gedanken an das Gewürm, der Geruch des mehr angefaulten als getrockneten Fleisches jagten meinen tapferen Freund aus der Hütte. Er verbrachte den Rest der Nacht im Freien, in seinen Plaid eingehüllt. Noch am folgenden Morgen konnte Eschmann weder von der Milch trinken noch vom Brot unserer Hirten essen. Als wir den Col de Suzanfe erreichten, fühlte er sich sehr unpässlich. Ein Rest Enzian stärkte ihn etwas; aber ich stieg allein zum Gipfelkreuz, wo ich die prächtige Sicht auf den Mont Blanc und seine Vasallen genoss.

In diese Zeit fällt meine Verbindung mit August Bernus, cand. théol. und sehr begeisterter Bergfreund, der mich einlädt, mich mit weiteren Freunden zusammenzutun, um eine Waadtländer Sektion des eben in Olten ins Leben gerufenen Alpen-Clubs zu gründen. Wir sind in einer in eine Molassebank gegrabenen Grotte bei La Borde zusammengekommen: Viktor und Ferdinand Cérésole, Bernus, Monastier und ich, und wir haben schöne Abende verbracht mit Gesprächen über die Alpen, mit Klubprojekten bei Zigarren und kühlem Bier.

1864. - Nach dem eidgenössischen Sängerfest in Bern machte ich einen Ausflug über Interlaken nach Wengernalp. Den Rückweg wählte ich durchs Trümmletental, über die Sefinenfurgge, durchs Kien- und das Kandertal und endlich über die Gemmi, um mich mit meiner Familie in Les Plans zu vereinen. Hier spielte ich den Bergführer, indem ich die Schwestern Brown, zwei Engländerinnen und gute Bergsteigerinnen, auf die Frète de Sailles führte, nicht ohne unterwegs den Weg zu verfehlen.

1865.Madame Koella macht eine zweite Kur in St. Moritz. G. Adolf und sein kleiner Sohn besuchen sie. Reiseroute: Champéry-Dent du Midi- Wallis—Saas-Monte Moro—Italienische Seen-Veltlin—Passo Muretto ( Maioja ).

Wir kommen ziemlich spät in Bonavaux an, wo wir die Hütte geschlossen vorfinden. Wir brechen durch ein Fenster ein, stecken eine Kerze in einen Flaschenhals und zünden sie an, machen Feuer und bedienen uns der sauber bezogenen Betten. Am Morgen kommt eine Frau in Männerhosen in die Hütte und sagt zu unsern Entschuldigungen, wir hätten recht getan, uns Eintritt zu verschaffen.

Auf dem Col de Suzanfe ist der Nordwind so heftig, dass wir des Kindes wegen auf den Gipfel verzichten und nach Salanfe und Vernayaz absteigen. Ab Sion nehmen wir die Nachtpost und treffen zu sehr früher Stunde in Viège ein. Weiterreise nach Saas, Eschmann zu Pferd zu 30 Fr. den Tag; ich, zu Fuss mit meiner schafwollenen Decke, wie sie die Bergler tragen, werde für seinen Führer gehalten. In Saas essen wir zu Mittag: Schafsbouillon, gesottenes Schaffleisch, Schafsbraten - ein wenig zäh - und beignées ( beignetsPfannkuchen ) mit Schaffleisch. Zum Kaffee laden wir Pfarrer Imseng ein, welcher später auf sonderbare Weise im Mattmarksee ertrinkt1. Im Vorbeiweg besichtigen wir den prächtigen erratischen Block ( Beim Blauenstein ) beim Hotel und machen uns ohne Verzug auf den Weg nach dem Monte Moro...

In den ersten Oktobertagen haben wir mit meinen Freunden Bernus und Piccard den Diableret von Le Plan des Isles aus bestiegen, nachdem wir die Nacht in der Hütte von Prapiez verbracht hatten. Am Morgen sind wir über den « Mauvais Petit Glacier » gestiegen und über das Felsband, das zum Pas du Lustre führt. Wir haben den Gipfel um 1 Uhr erreicht. Zwei Jäger aus Ormont, die diesen Wege noch nie gemacht hatten, kamen mit uns bis zum Gipfel und verliessen uns dort. Piccard und ich stiegen um 2 Uhr im Eiltempo nach Anzeinde ab, gelangten über Gryon um 7 Uhr nach Bex und erreichten gerade noch den Zug nach Lausanne, wo ich zum Nachtessen erwartet wurde3.

1866. Die Ferien haben uns wieder nach Les Plans geführt. Diesmal habe ich mit Bernus und dem alten Philipp meine schwierigste Tour gemacht. Wir sind früh zur Frète de Sailles auf-gestiegi i, sind dem Grat gefolgt bis zur Dent de Mordes, indem wir jede Spitze erstiegen, und über die Grand'Vire und Les Martinets zurückgekehrt. Vater Marlétaz, beunruhigt über unser langes Ausbleiben, kam uns bei Pont de Nant mit einer Laterne entgegen.

Im September: Tour auf den Grossen St.Bernhard mit L. Dufour; auf dem Rückweg Besuch des Lac Champex. ( Der berühmte Platz war damals nur eine mittlere Majensäss von Orsières; kein Hotel, nicht einmal ein Wirtshaus. ) 7867. in diesem Jahr machten wir eine tragikomische Besteigung des Diableret in grösserer Gesellschaft... Wir waren: die Schwestern Brown, Marie de Trey, Piccard und ich. Unterwegs gab es ein Ränkespiel zwischen Fräulein de Trey und dem jungen Philipp einerseits und den Engländerinnen und Piccard anderseits um die Ehre der ersten Diableretsbesteigung durch Frauen. Auf der ganzen Tour abwechselnd Streit zwischen den beiden Führern und Schmollen zwischen den Fräulein. Auf dem Gipfel Friede; aber auf dem Abstieg fing das Ränkespiel um so schöner an. Zum Überfluss wollte Piccard mit Fräulein de Trey stehend das letzte Firnfeld hinabgleiten. Er verlor den Halt und brachte auch seine Begleiterin zu Fall. Er rollte bis ganz hinab und war zerschunden. Das Fräulein wurde auf die Seite geworfen und blieb unversehrt - ausser einem zerfetzten Jupe - zwischen Schnee und Fels liegen.

Voll Eifer für den Alpenclub, projektiere ich die Errichtung eines Unterstandes am Diableret neben dem Pas du Lustre. Ich habe eine ziemlich einträgliche Kollekte im Gange und habe die eifrigsten Mitglieder zusammengerufen: Bernus, Bugnion, F. Cérésole und andere. Wir stiegen nach Anzeinde auf, um von dort aus den Bau zu beginnen. Durch Vorarbeiten im Vorjahr war der Zugang zum Gipfel erleichtert. Mit uns waren die beiden Marlétaz und Cherix des Posses. Als wir zurückkehrten, war der Platz für den Unterstand ausgehöhlt und ein Stück der Mauer errichtet. Der alte Jäger versprach, den Unterschlupf mit einigen Arbeitern fertigzustellen; aber er machte nichts und gab das Geld, das ich ihm übergeben hatte, zum voraus aus.

In diesem Jahr: Besteigung der Dent de Mordes, des Grand Muveran über La Tsabou ( viel interessanter als über La Larze ) und der Cornettes de Bise mit Em. Bertholet und seinem Sohn Henri.

1 J. Imseng ( 1806-1869 ) war einer der aktivsten Pioniere aus den Anfängen des Alpinismus. Das Drama vom Mattmarksee ist nie aufgeklärt worden. Die, welche das Geheimnis kannten, sind gestorben, ohne es preiszugeben.

2 Diese Route hat den Namen Vire Bernus erhalten. Es ist die schönste und unterhaltendste von allen, die zum Gipfel des Diableret führt, wird aber sehr selten begangen.

3 Fünf Stunden vom Gipfel des Diableret nach Bex! Unsere Alten konnten marschieren. Und zum Schluss noch eine Einladung!

1868.Am 16. August fand eine offizielle Tour der Section des Diablerets auf den Haut de Cry statt. Von Les Plans aus stieg die Schar über den Col de Cheville zum Seelein von Derborence, um in der letzten Hütte von Neuzon, am Fuss des Haut de Cry, zu schlafen. Am andern Tag Aufstieg zum Gipfel und Abstieg über sehr steile Geröllhänge bis La Forcla ( Col de Chamosentze ), dann Aufstieg zum kleinen Titaneiregletscher und über den Col de Pacheu - ein interessanter Übergang - zum Plan Névé und zurück nach Les Plans.

1869.Nach einer Kur im Bad Gurnigel beendet Koella nach einem Fussmarsch über Romont-Bulle-Château-dTEx-Zweisimmen seine Ferien wie gewöhnlich in Les Plans.

Diesen Sommer bin ich mit Philipp Cherix des Posses zum Pas du Lustre hinaufgestiegen, um den Platz für den projektierten Unterstand zu wählen, für welchen die Zentralkasse 200 Fr. gespendet hat. Wir haben nun einen Felskopf aus Schiefer direkt beim Pas du Lustre gewählt auf der Höhe des Felsbandes, das - auf der Seite gegen Le Plan des Isles - zum Mauvais Glacier führt.

1871. Wir entschlossen uns, den Unterstand durch Cherix des Posses erstellen zu lassen. Er sollte in den Fels gehöhlt und durch eine dicke ovale Mauer abgeschlossen werden. Im August machte sich Cherix mit seinen zwei Söhnen und einigen Arbeitern ans Werk. Und am Ende des Monats konnten Rambert, Dufour und ich mit dem jungen Philipp die Unterkunft besichtigen, uns darin einrichten und den kleinen Herd anzünden, der sehr gut wärmte, und warmen Wein bereiten. Der Boden war mit Brettern gedeckt. Der Raum war nicht so geräumig wie vorgesehen, denn der Fels war schwer zu sprengen. Die Türe passte ausgezeichnet, hatte aber den Fehler, dass sie sich nach innen öffnete und sich später, wenn das Ganze vereist war, nicht öffnen liess. Eine halbrunde Mauer schützt den Unterstand, der wie ein an die Wand geklebtes Schwalbennest aussieht. Fünfzig Säcke Zement sind auf dem Rücken auf 3000 m transportiert worden... Die Unterkunft hat im ganzen Fr.336.40 gekostet1.

1873. G. Ad. Koella, sein Sohn Charles und sein Schwager begeben sich über Brig-Binntal-Ritterpass-Alp Veglia und Varzo an die italienischen Seen.

Die letzte Alpenreise, die im Tagebuch Koellas unter dem Datum von 1883 ohne viele Einzelheiten erwähnt ist, hatte folgende Route:

l.Tag: Les Plans-Sembrancher.

2.Tag: Sembrancher-Hütte von Lancet.

3.Tag: Chanrion-Col de Chermontane-Arolla.

4.Tag: Arooa-Sion.

Übers.: F.Oe.

1 Man kennt das unglückliche Schicksal dieses Unterstands. Nach NW orientiert, erhielt es fast keine Sonne. Es war vom ersten Winter an vom Eis blockiert und musste aufgegeben werden. Es gab Kritik und einige Reibungen zwischen dem Initianten und einigen Sektionsmitgliedern. Vielleicht liegt darin der Grund, dass die Ferien von 1874 in Champéry und diejenigen von 1875 in Les Ormonts verbracht wurden.

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