Emanuel Friedli: Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums: Grindelwald

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Der zweite Band des mit Unterstützung der Regierung des Kantons Bern herausgegebenen „ Bärndütsch " hat alles das gehalten und erfüllt, was ich mir bei Erscheinen des ersten Bandes: Lützelflüh von diesem Unternehmen versprochen habe ( siehe Jahrbuch S.A.C. XL, pag. 355 bis 356 ). Die allgemeine Anlage und der literarische Charakter des Buches sind sich auch im zweiten Bande gleich geblieben, und ich kann mich dafür auf das früher Gesagte berufen. Wir, d.h. der Alpenclub und die Leser dieses Jahrbuches, haben aber zu dem neuen Bande ein viel engeres persönliches Verhältnis, weil er eine typische Berggegend bespricht, die für die Entwicklung des Bergsteigens in der deutschen Westschweiz der klassische Boden ist. Haben doch von Grindelwald aus, nach einer Pause von zwei resp. drei Dezennien, die Versuche eingesetzt, die Zugänge zu Jungfrau und Finsteraarhorn wieder zu erschließen und die Wetterhörner dem Menschen dienstbar zu machen. Auf diese Dinge tritt Pfarrer Friedli, dem Plan des Unternehmens gemäß, nur nebenbei ein, und es ist auch nicht alles richtig, was er hierzu vorbringt. So ist der aus einer Schrift von Dr. Krehbiel geschöpfte Satz ( pag. 21—22 ): „ Hugisattel und -hörner erinnern an die lange verdunkelten Verdienste des kühnen und der Wissenschaft seiner Zeit vorausschreitenden Solothurner Franz Joseph Hugi ( 1797—1855 ), der auch 1828(9 ) das Finsteraarhorn erstmals bestiegen, gemessen und so benannt hat ", fast von a—z falsch, wie sich der Leser aus den Bemerkungen von A. Lüders ( siehe oben pag. 285 ff. ) überzeugen wird. Sonst ist aber gerade der Abschnitt „ Berg- fahrer und Bergführer " in Friediis Buch, dem dieser Fehler entnommen ist, für uns besonders lesenswert und instruktiv. Die Urteile über das Verhältnis von Führer und „ Herr ", die Andeutungen über das Technische des Bergsteigens u.a. sind durchaus korrekt und beruhen offenbar auf Erkundigung bei kompetenten Männern, an denen es in Grindelwald nicht fehlt. Völlig einwandfrei ist der Abschnitt I „ Bergnamen als Zeugen des Bergsinns ". Hier sind historische Kritik und philologische Akribie einmal vereint und so zu zahlreichen und zuverlässigen Resultaten gekommen; ich kann mir denken, daß die das Vorwort zeichnenden Herren Dr. O. v. Greyerz, J. Sterchi und Prof. Dr. H. Türler die Hand im Spiel gehabt haben. Ich bedaure nur, daß auf pag. 10, wo von „ Wang " und „ Wängli " die Rede ist, nicht die Gelegenheit ergriffen wurde, auch das Elliottswändli der Literatur und der Siegfriedkarte in das richtige Elliottswängli zu korrigieren. Im Abschnitt III „ Des Wassers Gestalten und Gewalten " bieten besonders die Unterabteilungen: Gletscher, Lawinen und Schnee dem Verfasser Gelegenheit zu interessanten und originellen Mitteilungen und Beobachtungen aus dem Volksmunde. Unter den der älteren Literatur entnommenen vermisse ich einen Hinweis auf die seltsamen „ Gletscherbeschwörungen " des 18. Jahrhunderts, über die ich seinerzeit im Sonntagsblatt des „ Bund " berichtet habe. Diese hätten auch im drittletzten Abschnitt „ Phantasie, Märchen, Sage, Geschichte " untergebracht werden können, der sonst eine, wie mir scheint, erschöpfende Behandlung der bezüglichen Fragen bietet. Freilich mit der Art, wie pag. 586—591 die Lötscher- und die Walserfrage behandelt wird, kann ich mich nicht in allen Einzelheiten einverstanden erklären. Es fehlt hier an Verständnis für mittelalterliche Rechts- und Lehensverhältnisse, und die „ gruseligen " Erzählungen von den „ Zwingherren " machen einen Kenner lächeln. Es geht ferner nach den Forschungen von Richter und Wäber, auf die Herr Fr. selbst gelegentlich sich stützt, nicht an, den Fieschergrat um das Jahr 1540 und 1712 als „ eisfrei " anzunehmen. Diese gänzlich ungerechtfertigte Hypothese hat auch im letzten Kapitel „ Heilsorte und heiliger Ort " zu unbegründeten Angaben über die Petronellenkapelle am Fieschergletscher oberhalb Titerten verleitet. Wir haben uns zu einigen Aussetzungen veranlaßt gesehen, wollen aber umgekehrt nicht verhehlen, daß wir von dem Buch im ganzen einen außerordentlich günstigen Eindruck empfangen haben. Namentlich konstatierte ich mit Vergnügen aus diesem „ Spiegel ", daß heute noch trotz Fremdenindustrie, Eisenbahnen und Alpenclub „ das wirklich Volkstümliche an und in Grindelwald der harte und ernste, freilich nicht an der Straße sich abspielende Existenzkampf mit der strengen und rauhen Gebirgsnatur ist ". Von dieser ehrlichen Arbeit legen die hier nicht besprochenen Kapitel des Buches so reiches Zeugnis ab, daß ich auf einzelnes gar nicht eingehen kann. Es erübrigt mir nur noch, die Illustration lobend hervorzuheben. Auch hier kann ich auf einzelnes nicht eintreten, ich muß mich mit einer Aufzählung begnügen. Es sind also: 197 Illustrationen und 17 Farbendrucke nach Originalen von R.M.ünger, W. Gorgé, F. Brand, H. Bleuer und nach photographischen Originalaufnahmen von Dr. E. Hegg und andern, nebst 14 Initialen aus dem 18. Jahrhundert, 1 Karte und 1 Panorama. Ein Index und eine Bibliographie sorgen dafür, daß man die Angaben sammeln und nachprüfen kann, wodurch der Eindruck der Zuverlässigkeit erhöht wird. In Summa ein Buch, das in keiner ernsthaften Bibliothek fehlen sollte.Redaktion.

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