Erinnerungen an einen Hüttenwart, Hans Rubi

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Hans Rubi von Grindelwald ( 1866-1948 ) Hüttenwart auf Konkordia 1910—1937.

Von Hans Koenig

Mit 2 Bildern ( 66/67Zürich ) Des Mannes zu gedenken, der während siebenundzwanzig Jahren eine unserer ältesten und bedeutendsten Klubhütten, nämlich diejenige am Konkordiaplatz, betreut hat, ist eine Ehrenpflicht des S.A.C. Die Konkordiahütte liegt am eindrucksvollen Zusammenfluss der grössten Gletscher der Zentralalpen. Hier vereinigen sich Aletsch- und Jungfraufirn, das Ewigschneefeld und der Grüneckfirn zum mächtigsten Gletscherbecken in Europa, dem Konkordiaplatz ( 2780 m ). Weiss man zudem, dass das Eis hier durchschnittlich 600 bis 700, ja selbst bis gegen 800 Meter in die Tiefe geht, dann kann man sich einigermassen eine Vorstellung von den hier vereinigten Eismassen machen 1. Von der Klubhütte aus überblickt man die vier Zufluss-gletscher bis hinauf an ihren Ursprung. Direkt unter ihrem Standort sind sie 1 Herr Prof. Dr. P. L. Mercanton, Lausanne, hatte die Freundlichkeit, mir hierüber folgendes zu schreiben:

Je vous donne la liste des profondeurs de glace déterminées en mars 1929 par l' équipe de Göttingen au moyen du sismographe déjà mis à profit par l' initiateur de tels sondages Mothes ( cf. .Neue Ergebnisse der Eisseismik'par H. Mothes, Zeitschrift für Geographie, Jahrgang 5, Heft 3 ). Il s' agit d' opérations par un groupe de lignes ( IV ) en étoile à partir d' un centre instrumental un peu en amont du milieu de la Concordia:

verschmolzen zum einzigen grossen Strom, dem fast zwei Kilometer breiten Aletschgletscher, der ruhig und majestätisch nach Süden fliesst.

Wohl eine grosse Zahl der Mitglieder des S.A.C. ist einmal da gewesen. Für viele ausländische Forscher und Bergsteiger liegt hier das ersehnte Ziel ihrer Unternehmungen. Wer an diesem erhabenen Belvédère während mehr als einem Vierteljahrhundert alle Besucher in der schlichten Hütte aufgenommen und betreut hat, leistete manchem Bergsteiger seine Dienste.

Hans Rubi wurde am 1. Januar 1866 als siebentes Kind einer Bergbauernfamilie in Grindelwald geboren. Er war von Anfang an in bescheidene Verhältnisse gestellt und musste in Haus und Stall mithelfen. Kaum war er der Schule entlassen, wurde er als Knecht auf eine Alp verdingt, wo er für vier Monate einen Sommerlohn von 40 Franken verdiente, und diesen hatte er noch seinem Vater abzuliefern. Dann kamen Jahre gemeinsamen Sennentums mit seinem Bruder auf Alp Itramen am Männlichen. Der Ertrag an Käse wurde jeweilen im Herbst im Speicher ohne Waage verteilt. Hie und da war Hans Rubi als Träger tätig und wurde gerne von Grindelwaldner Führern auf grössere Touren mitgenommen, bis er 1893 das bernische Führerexamen absolvierte und selber patentierter Bergführer wurde. Als solcher führte er in- und ausländische Touristen auf die Grindelwaldner Hochgipfel. Er machte mit ihnen auch Wintertouren, so eine der ersten Winterbesteigungen der Jungfrau ohne Ski und ohne Schneereifen. Von der Berglihütte aus nahm, er die Hüttenschaufel mit, um den Weg durch die Jungfrautühle zum Rottalsattel zu bahnen, was sich sehr bewährte. Die Sektion Grindelwald des S.A.C. hatte eine glückliche Hand, als sie ihm auf besondere Fürsprache des Gletscherpfarrers Gottfried Strasser hin im Jahre 1910 die Obhut ihrer Hütte auf Konkordia übertrug. Das war damals noch keine leichte Aufgabe. Der nächste Weg führte über die Berglihütte, das untere Mönchsjoch und das Ewigschneefeld in gemessenen 10 Stunden zur Hütte. Für Verpflegung und Holz war er auf den Zugang vom Eggishorn her angewiesen. Das änderte erst, als zwei Jahre später die Jungfraubahn ihre Station am Joch eröffnete.

Was hat der Mann während seines langjährigen Dienstes als Hüttenwart nicht alles mitgemacht! Er erlebte seine Besucher vornehmlich in zwei ganz verschiedenen Geistesverfassungen. Die einen kamen mit hohen Plänen und grössten Erwartungen und erfüllt vom Wunsche, irgendeinen Viertausender zu bezwingen. Die andern trafen müde, wenn nicht übermüdet, oft hergenommen oder vollständig durchnässt und erfroren unter seinem Dache ein. Wer die Menschen so im Höhepunkt ihres Optimismus oder im Tiefpunkt körperlicher und geistiger Zerschlagenheit zu betreuen hat, lernt sie kennen. Sie richtig zu behandeln, ist eine grosse Gabe. Diese war Rubi eigen. Er stellte sich ganz in den Dienst der Bergsteiger. Seine Pflicht als Hüttenwart: Ordnung zu halten, die Schlafplätze anzuweisen, für alle zu kochen, erfüllte Ligne I: profondeurs 624, 591, 660, 679, 674, 626, 613 m.

II: »792, 763, 746, 710, 694 m.

Ill: »676 m.

IV: »480, 501, 507 m.

V: »355 m. » er vorbildlich. Dabei gab es keine Vorrechte; er behandelte alle gleich und nach der Reihenfolge ihres Eintreffens. Nicht selten hat er Spätankommenden seinen eigenen Schlafplatz überlassen. Er war der erste am Morgen, der letzte am Abend und kam in Schönwetterperioden oft wochenlang nur zu zwei oder drei Stunden Schlaf. Von 1 Uhr in der Frühe bis 6 Uhr musste er das Morgenessen kochen, bis alle Partien abmarschiert waren. Dann konnte er sich noch etwas hinlegen. Doch bald rückten tagsüber die vielen Passanten und Hüttenbummler vom Eggishorn und Jungfraujoch her an, und am Nachmittag kehrten die Partien zurück und wollten versorgt sein. Spät Einrückende mussten besonders betreut werden. Das auferlegte eine lange Arbeitszeit, woraus sich Überbeanspruchung und Überarbeitung ergaben, die ihm gesundheitlich zusetzten. « I cha ja denn im Winter nahischlafen », war sein Trost. Liebenswürdigkeit und freundliches Wesen kann man ihm nicht gerade nachrühmen. Er war still, verschlossen, wortkarg. Seine Besucher schaute er sich aus seinen tiefliegenden, fast verborgenen Augen gründlich an und tat unverdrossen seine Arbeit. Mit besonderer Güte und Hilfsbereitschaft aber umgab er bescheidene und wenig bemittelte Bergsteiger, die nicht viel Wesens machten, während er Anmassende und Eingebildete barsch in die Schranken zu weisen verstand. Am besten fuhr man mit ihm, wenn man ihm zeigte, was man bei sich hatte, es ihm übergab und ihn im übrigen machen liess. Dann teilte er von sich aus den Proviant sparsam ein, kochte immer nur so viel, als man brauchte. Am Herde war er Meister. Wer ihm dreinreden wollte, den knurrte er rabauzig weg. Er verstand aber auch seine Sache.Von ihm hätte manche Hausfrau Wertvolles lernen können. In die Angelegenheiten der Touristen mischte er sich nie ein. Fragte man ihn aber, so gab er wertvolle Ratschläge und Winke. Er wusste ja genau, wann man für eine bestimmte Tour aufbrechen musste, um die besten Schneeverhältnisse für den Auf- und Abstieg zu finden. Auch über das Wetter wusste er trefflich Bescheid und hat manche Partie rechtzeitig gewarnt. Wie es so ist bei Menschen, die viele Leute sehen, ihr Sinn für Personen wird ausgeprägter. So war es auch bei Rubi. Nach Jahren erkannte er einzelne Bergsteiger wieder und wusste sogar ihre Namen.

Sehr nahe gingen ihm die vielen Unglücksfälle, bei deren Hilfsaktionen er sich aufopfernd beteiligt hat. Das Schicksal der vier jungen Lötschentaler, die im Schneesturm von der Lötschenlücke kommend spurlos verschwunden sind \ hat ihn oft beschäftigt, ja verfolgt. Er erzählte mir, wie er lange Zeit die Dohlen und Krähen beobachtet habe und wo sie sich aufhielten. Dann suchte er an dieser Stelle die Spalten ab, doch vergeblich. « Es ist mir oft, wenn der Sturm in den Spalten heult, als hörte ich sie rufen. » Persönlich tief berührt hat ihn das Schicksal, das Dr. Andreas Fischer am 21./22. Juli 1912 am Aletschhorn betroffen hat. Fischer und er waren gleichaltrig, und sie kannten einander gut aus der Zeit, da Fischer in Grindelwald Sekundarlehrer gewesen ist. Rubi hatte für Fischer, dessen Werden und Aufschwung er bewunderte, eine tiefe Verehrung. « Es ischt eina von is. » 1 4. März 1926. « Alpen », V, 1929, S. 449.

War doch Fischer einer der wägsten schweizerischen Bergsteiger seiner Generation. Führer und Herr zugleich, und dazu der beste alpine Schriftsteller deutscher Sprache. Am 23. August 1917 kamen August Gysi und ich vom Grünhorn ( 4047 m ) her zur Konkordiahütte. Oh, dieses Grünhorn! Es bietet eine der abwechslungsreichsten und nicht schwierigen Besteigungen im Berner Oberland. Es ist schön im Fels mit prächtigen Türmen und Zacken und bei der Traversierung über das Grüneckhorn elegant im Eis. Aber erst die Aussicht! Der tiefe, fast etwas überhängende Absturz zum Walliser Fiescherfirn, das in greifbarer Nähe sich auftürmende Finsteraarhorn sind packende Gegensätze. Wohin man schaut, nur Gipfel, Gräte, Schnee und Eis. Nirgends sieht man ins Tal; keine grüne Matte, kein blauer See grüsst herauf, keine Hütte lässt Menschennähe erkennen. Selbst die dunkle Linie des Jura fehlt. Kein anderer Berg in den Alpen steht so arktisch da. Der Konkordiaplatz selbst ist von keiner Stelle aus so eindrucksvoll wie von den verschrundeten Südhängen des Grüneckhorns. Man sehe sich das Bild an, das Gysi davon aufgenommen hat. Als wir, beeindruckt von alledem, am Spätnachmittag vor der Hütte an der Sonne ausruhten, setzte sich der sonst so ungesprächige Rubi zu uns und erzählte uns folgendes: Dr. Andreas Fischer kam mit Dr. Ernst Jenny ( dem nachmaligen Redaktor der « Alpen » ) und Führer Ulrich Almer, mit dem Rubi von Jugend an befreundet war, zur Hütte. Sie gehörten zu den seltenen Alpinisten, die nach Eröffnung der Station Jungfraujoch die Konkordia noch im Anmarsch über das Mönchsjoch, und zwar im Unwetter, erreicht haben. Am zweiten Abend waren sie allein in der Hütte. Rubi holte das Hüttenbuch, in dem auf Seite 116 folgende Eintragungen von der Hand Jennys zu lesen waren: « 18. Juli 1912 Dr. Andreas Fischer S.A.C.

Dr. Hugo Renz S.A.C.

Fritz Egger S.A.C. in spe Dr. Ernst Jenny S.A.C. Zofingen Mit Ulrich Almer und Christian Bohren vom Bergli bei schlechtem Wetter über Trugberg hierher.

19. Juli 1912 Renz und Egger nach Eggishorn.

Fischer und Jenny hübsche Kletterübung am Faulberg.

20. Juli 1912 Abfahrt mit Ulrich Almer nach dem Aletschhorn. Wetter besser. Der Hüttenwart Rubi ist ein wackerer Mann. » Rubi fuhr mit seiner Erzählung fort:

Die Aufheiterung über Nacht kam unerwartet; das Barometer war gesunken. Vor Tagesanbruch war die Partie reisefertig. Fischer ging unruhig mit grossen Schritten in der Hütte auf und ab. Er wollte warten, bis der Tag angebrochen war; es gehe dann ohne Laterne schneller. Um 4 Uhr verliessen sie die Hütte. Rubi ging wieder schlafen. Als er erwachte, zeigten sich Schlechtwetterzeichen. Gegen 10 Uhr gewahrte er Sturm im Anzug. In der Annahme, die Partie sei gut trainiert, rechnete er für sich, sie hätten in sechs Stunden den Gipfel erreicht, und es sei ihr möglich gewesen, ein gutes Stück des Ab- stieges auf der anderen Seite nach dem Oberaletschgletscher zu bewältigen, bevor der Sturm um 12 Uhr mit voller Wucht einsetzte. Er hoffte zuversichtlich, sie seien glücklich « drus und dänna ». Vom Mittag an schneite es ununterbrochen bis tief in alle Täler. Ein fürchterlicher Wind rüttelte an der Hütte, riss immer wieder Fälladen auf und Schindeln vom Dach. In der darauffolgenden Orkannacht hat nicht nur die Partie Fischer in einer Gletscherhöhle biwakiert, auch der Bruder des Führers Almer, Hans, hat mit einem betagten Franzosen vorne auf dem Ewigschneefeld, weil er bei dem schlimmen Wetter des Weges nach der Berglihütte nicht mehr sicher war, die Nacht in einem Schneeloch verbracht. Dr. Ernst Jenny hat im Band I von Dr. Andreas Fischers « Hochgebirgswanderungen », S. 298 ff., unter dem Titel « Letzte Fahrt » diese Unglücksnacht und den Tod Dr. Andreas Fischers beschrieben. Eine ergreifende Schilderung dieser Katastrophe. Auf Rubi hat das Unglück wie ein Schlag gewirkt und ihn tief erschüttert. Seitdem sei es ihm, als liege ein Bann über dem Aletschhorn und der Fischerroute. Das sei doch die schönste Besteigung, die man von Konkordia aus machen könne. Seines Wissens sei sie lange nie mehr versucht worden, und man sollte sie wieder einmal machen; die Verhältnisse seien jetzt günstig.

Rubi fragte, ob er mitkommen könne, wenn wir die Tour versuchten. Das kam uns gelegen. Dr. Charles Simon, der Freund Fischers und sein Tourenkamerad bei der ersten Dauphinékampagne im Jahre 1896, hat oft mit mir über das Unglück gesprochen und mich aufgemuntert, die Tour doch auch zu machen und an Ort und Stelle alles genau zu untersuchen. Von jeher habe ich mich für alpine Unglücksfälle interessiert und deren Ursachen nachgespürt. Deshalb hatte ich in Vorbereitung unserer Tour einen Auszug aus Jennys Schilderung gemacht und mitgenommen. Es lag mir daran, wenn möglich abzuklären, wo, wie und weshalb Fischer verunglückt ist. Dies um so mehr, als ich vor ihm als Bergsteiger grosse Hochachtung hatte. Als er Ende der 90er Jahre Lehrer an der Mädchenschule in Bern war — von seinen Schülerinnen angehimmelt und gefürchtet zugleich —, kannten wir Berner Gymnasiasten ihn sehr wohl. Wir wussten, er hatte das bernische Führerpatent, war in Dauphiné gewesen und galt ganz allgemein als « Eismann par excellence ». Für uns war er der schweizerische Bergsteiger, mit dem es aber schwer war, in Berührung zu kommen; er schien unnahbar. Da wollte es der Zufall, dass ich im Frühjahr 1900 mit ihm am Krankenbette Ludwig Purtschellers 1 zusammentraf. Von da an habe ich Fischer hie und da aufgesucht und um Auskunft und Rat angegangen wegen Touren im Hasli- und Gauligebiet. Er interessierte sich für meine Pläne, empfahl uns aber eindringlich Vorsicht und schrittweises Vorgehen vom Fels zum Eis s. Das alles hatte zur Folge, dass ich persönlich grosses Interesse daran hatte, dieses Unglück abzuklären. So lag Rubis Wunsch, selbst festzustellen, wo der Irrtum im Abstieg begangen worden sei, und warum Ulrich Almer, der ausgezeichnete Führer, 1 Ludwig Purtscheller ist am 25. August 1899 beim Abstieg von der Aiguille du Dru durch das Missgeschick anderer gestürzt und verletzt worden. Nach langem Krankenlager in Genf und elendem Siechtum ist er am 3. März 1900 im Lindenhofspital in Bern gestorben.

2 Siehe « S.A.C.J.ahrbuch » XXXVII, 1901, S. 67.

der die Route schon mehrmals gemacht, den Ausweg über den Südgrat aber nicht gefunden hatte, ganz in Übereinstimmung mit unseren eigenen Absichten. Deshalb beschlossen wir sofort, gemeinsam zu gehen, und bereiteten alles vor. Auf den Rat Rubis schalteten wir vorher — gleich, wie es Fischer getan hatte — noch einen Ruhetag mit Bummel nach dem Märjelensee ein. In tiefernster, fast gedrückter Stimmung, verliessen wir am 27. August 1917 um 3.35 Uhr die Hütte.Von 5-5.20 Uhr rasteten wir auf dem Aletschgletscher unter der dritten Rippe, die vom Aletschjoch herunterkommt. Die Felsen sind sehr brüchig, steil und plattig, waren aber trocken und gut zu begehen. Oben kam blankes Eis. War das für uns ein herrliches Schreiten mit den geschärften Eckenstein-Steigeisen! Doch bald reklamierte Rubi, der in der Mitte angeseilt war: « Ihr gad mr z'rass, i muess hacken. » Er trug wohl Steigeisen, aber mit abgebrauchten Zacken. Mit bewunderungswerter Virtuosität und Schnelligkeit hackte er sich einhändig nach. In nicht ganz drei Stunden standen wir oben auf dem Grat, ungefähr 100 m über dem Aletschjoch. Unser Interesse galt dem Hang des Aletschhorns gegen den Mittelaletschgletscher. Doch war uns die Einsicht in die Wand durch den schneeigen Vorbau mit seinem markanten Felskopf verwehrt. Erst oben auf dieser Bastion konnten wir in die Ostwand hineinschauen. « Wa sin die emel denn o ahi? », fragte Rubi, indem er den Hang zum Mittelaletschgletscher musterte.Verschiedene Felsrippen fallen vom Gipfel ab. Die beste liegt, von unten gesehen, rechts zwischen dem höchsten Punkt und dem nördlichen Vorgipfel. Sie ist steil, unter ihre eine Eiswand mit gähnender Randkluft. Darunter wilde Séracs, die in eine steile Mulde auslaufen. Sind sie dort hinunter? Wir werden uns darüber nicht vollständig klar. Also, zur weiteren Prüfung hinauf auf den Gipfel. Um 11.05 Uhr standen wir auf dem Aletschhorn ( 4182 m ). Somit hatten wir bei schönem Wetter und besten Verhältnissen — allerdings mit etwas Zeitverlust wegen der Rekognoszierung — für den Aufstieg siebeneinhalb Stunden gebraucht. Die Partie Fischer, die mit sehr schlechten Verhältnissen zu kämpfen hatte, stand um 12 Uhr, also nach acht Stunden, oben. Daraus ergibt sich, dass sie gut marschiert ist. Aber eben — gerade in der Mittagstunde brach der fürchterliche Sturm los, in dem sie jede Orientierung verloren. Wir hatten es anders. Es war still, warm und klar. Von oben herab suchten wir nun festzustellen, wo die Partie Fischer abgestiegen war. Was wir im Aufstieg gemutmasst haben, hat alle Wahrscheinlichkeit für sich, schreibt doch Dr. Jenny vom dritten Abstiegsversuch, Seite 303: « Wir suchten das Ostgrätchen des Vorgipfels und fanden es glücklicherweise ziemlich bald. In der Dämmerung stiegen wir die verschneiten Felsen hinab bis zu ihrem Ende und standen jetzt auf den Firnhängen des Mittelaletschgletschers. » Dort müssen sie also abgestiegen sein. Nachdem wir das festgestellt und alle drei der gleichen Meinung waren, suchten wir noch nach der Rippe, auf der zuerst der Abstieg versucht worden war. In der Nähe des Gipfels in der Ostseite entdeckten wir « die bös verschneite Rippe, die dann plötzlich plattenartig, griff los und vereist abschoss » ( Jenny, Seite 303 ). Als sie da nicht weiterkamen, mussten sie nach viel Zeit-und Kraftverlust wieder zum Gipfel aufsteigen. Statt nun den zweiten Versuch weiter südlich zu machen, gingen sie unglücklicherweise in der entgegen- gesetzten Richtung — nördlich — zum Vorgipfel. Das wurde ihnen zum Verhängnis. Hätten sie nur zwölf Schritt weiter südlich angesetzt, so wären sie unfehlbar auf den gesuchten Südgrat gekommen. Dieser ist ein abschüssiger, plattiger Felsgrat. Auf der Kante sind die Platten lang und steil und, wenn mit rutschigem Schnee bedeckt, jedenfalls gefährlich. Für uns, die wir klare Sicht, ruhiges Wetter und alle nötige Zeit hatten, war der Sachverhalt abgeklärt. Mit einem Bézardkompass stellten wir noch vom Gipfel aus die Rich-tungsdifferenz zwischen dem Südgrat und der Rippe des ersten Abstiegs-versuches fest. Sie betrug 70-80°, ist also deutlich. Hatte die Partie vielleicht keinen Kompass bei sich? Man wagt das bei Dr. Andreas Fischer und Ulrich Almer kaum zu fragen. Aber Jenny erwähnt mit keinem Wort, dass sie von einem Kompass Gebrauch gemacht hätten. Er schreibt nur: « Um die Orientierung war es gänzlich geschehen. » Was berichtet aber Dr. Charles Simon 1 über die Begehung der gleichen Route unter ähnlichen Verhältnissen? « Schon heulte der Sturm, und im dichtesten Nebel und Schneetreiben betraten wir endlich, was uns der höchste Punkt ( des Aletschhorns ) zu sein dünkte. Den beiden Führern war das Terrain völlig unbekannt; sie hatten nie zuvor das Berner Oberland betreten. Ich wusste, dass der letzte Teil der üblichen Route auf das Aletschhorn von der Oberaletschhütte über den Südgrat zum Gipfel führt, und dass wir über diesen Grat den Abstieg nehmen mussten. Ich zog meinen Kompass, streckte den Arm aus und rief: .Hier ist Süden, das ist unser Weg. ' Und so kamen wir ruhig auf den Grat, den wir verfolgten bis zum Felszahn 3968 m. Leicht ging es nicht in Sturm und Nebel über die verschneiten Felsen, aber es ging. » Lag es am Fehlen eines Kompasses, dass die Partie Fischer sich nicht orientieren konnte? Rubi sagte nichts, schüttelte nur seinen Kopf und wünschte, im Abstieg vorauszugehen. Er wollte selber suchen, wie man da durchkomme. Er folgte nicht der Gratkante, sondern kletterte etwas rechts ( westlich ) unterhalb an der abschüssigen Wand durch. Es ging ganz gut und ohne besondere Schwierigkeiten. Weiter unten bleibt man auf dem Grat selbst. In einer Stunde und 5 Minuten ruhigen Kletterns waren wir unten am grossen Turm ( 3968 m ), der den Südgrat kennzeichnet. Rubi wandte sich um und schaute hinauf: « I chan eifach nid begrifen, dass ds Almer Ueltschi das nid het gfunden. » Seither habe ich oft über diese Äusserung Rubis nachgedacht. Dabei kam ich zu anderen Schlüssen als er. Mir ist es durchaus begreiflich, weshalb die Partie den Südgrat nicht gefunden und den Abstieg über diesen nicht versucht hat. Wer je schon heftige Stürme auf über 4000 m miterlebt hat, weiss, wie wenig Menschenkraft dagegen aufzukommen vermag. Im Abstieg vom Ciarforon ( 3640 m ) im Paradisogebiet wurde ich am 13. August 1924 vom Wettersturz überrascht. Es war jener Sturm, der vom Mittelmeer über die ganze Alpenkette raste und in seinen letzten Auswirkungen am Glüschaint einen Führer und zwei Touristen und an der Disgrazia vier italienische Berg- 1 Dr. Charles Simon, « Gedanken und Erinnerungen eines alten Bergsteigerst, S. 81.

Steiger im Schnee begraben hat. Binnen einer halben Stunde hatte das Wetter völlig umgeschlagen. Schwere gelbliche Wolken rollten heran. Es begann stark zu schneien. Zuerst rieselte es nur, aber in wenigen Minuten lagen 10 bis 20 cm trockenen, körnigen Schnees. Die Pickel surrten. Elmsfeuer am Hut und Rockzipfel. Plötzlich ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem Gekrächz. Mein Kamerad ( Dr. B., S.A.C. Locamo ) zuckte auf, wie von einer unsichtbaren Macht getroffen. Unmittelbar darauf setzte der Wind mit heftigen Stössen ein. Wir befanden uns auf dem Abstieg vom Gipfelgrat nach Süden, dem Sturm entgegen. In tiefen, sicheren Stapfen standen wir bis über die Knie im Schnee und hatten somit guten Stand. Doch wenn ein Windstoss kam, wurden wir einfach rückwärts geworfen und des Atems beraubt. Fünf bis zehn Sekunden lange konnte man sich weder bewegen noch rühren. Erst wenn der Stoss abgeflaut war, bekam man eine Atempause und durfte wieder wagen, einige Meter abzusteigen. Je tiefer wir kamen, desto stärker die Windstösse. Sobald wir merkten: jetzt kommt 's wieder, kauerten wir uns zusammen, drehten den Kopf vom Wind ab, um Luft zu haben. So kamen wir langsam und unter grösstem Kraftaufwand bis zu dem Felscouloir, das in die Ostwand hinunterführt. Trotzdem man jeglicher Sicht beraubt war, fanden wir die Stelle, die wir im Aufstieg mit einem Steinmannli markiert hatten. In den gutgriffigen Felsen der Ostwand ging es besser; man war einigermassen geschützt, und man musste nur darauf achten, wenn man um eine Kante herumbog, nicht hinuntergefegt zu werden. Aber die Route war schwierig zu finden. Man muss hin und her, bald einige Meter senkrecht absteigen, dann wieder auf Bändern ausweichen, um eine tiefere Wandstufe zu erreichen. Glücklicherweise hatten wir im Aufstieg jede Richtungsänderung mit einem roten Markierungsstreifen gekennzeichnet. Das war gut und recht, aber der Schnee spielte uns einen bösen Streich; er hatte uns alle Blätter zugedeckt, und man musste sie lange suchen. Welche Freude, wenn wir wieder eines fanden! Die Unsicherheit, das Angstgefühl, das Verlorensein wichen sofort einer freudigen Zuversicht. Wir wussten, dass nach einem langen Abstieg in einer breiten Rinne, die nun ganz mit rutschigem Schnee gefüllt war, der Ausweg über ein breites Band gesucht werden musste, das auf die Gratlücke, Punkt 3520, zurückführte. Wo war diese entscheidende Stelle? Jede Orientierung war unmöglich. Man sah keine zwei Meter weit. Wagte man sich etwas vor um eine Felsecke herum, so peitschte einem der Wind den Schnee wie einen schweren nassen Waschlappen ins Gesicht. Gleichzeitig wurde die Schneedecke immer höher. Es lagen wohl schon 30-40 cm. Wir suchten und suchten nach dem befreienden Wegweiserlein. Alles vergebens. Mit grossen fragenden Augen schauten wir uns an. Hier in der Nähe muss es sein. Also suchten wir weiter. Sobald ein Windstoss vorüber war, tasteten wir auf den Gesimsen herum und staubten den Schnee mit den Handschuhen ab. Immer vergebens. Wir gehen wieder einige Meter hinauf. Da! In der Wand findet mein Freund unter grosser Schneeauflage den rechtwinklig umgelegten Papierstreifen, der uns die Richtungsänderung anzeigte. Keiner sprach ein Wort. Wir schauten uns nur in die Augen. Geradezu mit Ehrfurcht nahm mein Kamerad das Papierchen unter dem beschwerenden Stein weg, küsste es, schlug das Kreuz und steckte das rettende Zeichen ein. Als wir uns zwanzig Jahre später in Locarno wieder trafen, kam er feierlich auf uns zu, öffnete seine Brieftasche und nahm das vergilbte, noch blassrote Papierchen hervor und sagte zu meiner Frau: « Das hat uns damals gerettet! » Am Ende des Bandes kamen wir auf eine Gratlücke, Punkt 3520, und damit auf leichteres Gelände. Auch war die Richtung trotz aller Windstösse nicht mehr zu verfehlen. Durch und durch nass kamen wir zum Rifugio Vittorio-Emanuele. Dort erwarteten uns die Wärterinnen vor der Hütte mit den Rosenkränzen in der Hand: « Bravi 1 Abbiamo avuto paura per Loro. » Wir seien wohl nur durch ihre Gebete errettet worden.

Dieses Erlebnis am Ciarforon hat mich gründlich darüber belehrt, wie es in einem Schneesturm aussehen kann. Dabei waren wir nicht auf 4000 Meter Höhe und nie auf einem exponierten Felsgrat, hatten immer im tiefen Schnee guten Stand oder konnten uns an gutgriffige Felsen klammern. Auch das Erlebnis mit den Markierungszeichen beweist, von welchen Kleinigkeiten oft die Rettung abhängt.

Aber um die Macht des Sturmes kennenzulernen, braucht mag gar nicht in die 3000er und 4000er Regionen zu gehen. Wer in Föhngegenden, wie z.B. am Urner See, wohnt, erlebt alle paar Jahre einmal einen Sturm, der die auf der Strasse Gehenden umschlägt, Bäume entwurzelt, Kamine herunterholt, Häuser abdeckt und leicht gebaute Stadel glatt zusammenlegt. Der Föhnsturm vom 1. Januar 1949 hat in Schwyz Spiegelglasscheiben der Auslagen in den Geschäften eingedrückt und am Kantonsspital, einem Bau, der seit 10 Jahren steht, 800 m2 des Daches abgedeckt. Man muss das alles erlebt und erfahren haben, um es zu verstehen und zu glauben. Wie viel wuchtiger packt aber der Sturm zu auf einem exponierten Gipfel wie dem Aletschhorn, und dann erst noch auf dessen Südgrat, der diesem Dämon « en plein » ausgesetzt war.

Da wird es wohl verständlich, dass die Partie Fischer gar nicht auf die Südrichtung gekommen ist. Sie wurde von vornherein abgelenkt und verleitet, nach Nordosten den ersten Abstiegsversuch zu unternehmen. Als dieser misslang, wurde sie vom Sturme weiter nach Norden getrieben und kam auf die Mittelrippe des Vorgipfels. Unterhalb dieser biwakierte sie im Eise. Nach einer grauenvollen Nacht wollten sie den Abstieg über den Mittelaletschgletscher nehmen, aber statt abwärts zu kommen, trieb sie der Südwind immer mehr nordwärts, ja sogar über den Aufstiegsgrat hinüber auf die Nordflanke, bis « ein gewaltiger Windstoss einen Augenblick die Nebel teilte und uns die Erkenntnis gab, dass wir auf den steilen Hängen über dem grossen Aletschfirn standen!»1 So rasch als möglich wateten sie, bis an die Hüften einsinkend, wieder hinauf auf den Aletschjochkamm. Hier wussten sie nun, dass sie in der gleichen Richtung, direkt dem Südsturm entgegen, abwärts gehen mussten. Sie standen auf einer breiten Flanke; aber was geschah? « Hier stürzte der Schneesturm mit so furchtbarer Wut auf uns los, dass wir fast erstickten und wie miteinander schrien: Fort, fort von hier, hinunter, hinunter! » Und bei einem solchen Südsturm hätten sie den Ausweg über den exponierten Südgrat und dessen glatte Platten nehmen sollen? Das war diesen drei armen Menschen 1 Jenny, a. a. O. S. 306.

nicht mehr möglich. Und wenn sie es versucht hätten, wären sie wohl hinuntergefegt worden und alle drei verunglückt. Das ist der Schluss, zu dem ich gekommen bin. Da haben höhere Gewalten entschieden.

Überhaupt liegt ein tragisches Geschick über der Bergführerfamilie Fischer. Am 31. August 1874 stürzte der Vater, Johann Fischer, mit dem Engländer Marshall und dem Grindelwaldner Führer Ulrich Almer beim nächtlichen Abstieg vom Mont Blanc in eine Spalte des Brouillardgletschers und fand mit seinem Herrn den Tod. Ulrich Almer arbeitete sich aus der Spalte heraus und brachte die Unglücksbotschaft ins Tal. Herr und Führer liegen nebeneinander auf dem Friedhof in Courmayeur. Der älteste Bruder, Johann Fischer, begleitete die englischen Alpinisten C. T. Dent, W. A. Donkin und H. Fox in den Kaukasus. Alle vier sind am Dychtau seit dem 31. Juli oder 1. August 1888 spurlos verschollen. Andreas Fischer hat an der vom englischen Alpine Club organisierten Suchaktion teilgenommen und am 28. Juli 1889 den letzten Schlafplatz am Dychtau gefunden 1. Und seine eigene Schicksals-tour am Aletschhorn sollte ihm das Training geben für den Aufstieg über die Südseite des Mont Blanc, wo er den Spuren seines Vaters folgen wollte. Wahrlich, viel Unglück und Tragik.

Im weiteren Abstieg über die verschrundete Westflanke bis hinunter auf den Oberaletschfirn hatte es Rubi sehr eilig. Er lief wie ein Satan, trotzdem er im weichen Schnee bis an die Hüften einsank. Unten auf der apern Moräne seilte er sich los: « I gan afen i d' Hitta. » Damit stürmte er davon. Als wir eine gute halbe Stunde nach ihm, um 17.35 Uhr, die Oberaletschhütte erreichten, stand das Abendessen schon bereit. Rubi wollte nur noch « geschwind » etwas essen und am gleichen Tage nach Konkordia zurück. Es kämen dort bei dem schönen Wetter Partien, und er könne seinen jungen Sohn nicht allein lassen. Die Pflicht rief ihn. Meine Bedenken, ihn, zumal bei heranrückender Nacht, allein über die Gletscher ziehen zu lassen, suchte er zu beschwichtigen: « Lähd mi numen gan, i weiss scho, wan i dirhi mues. » Es brauchte allerhand, um ihn abzuhalten. Erst die bestimmte Erklärung, allein liessen wir ihn nicht gehen, und zum Mitkommen seien wir nach der vierzehnstündigen Tour zu müde, vermochte ihn zum Bleiben zu bewegen. Bei Tagesgrauen kochte er noch den Morgenkakao, stellte ihn unter Decken « z'warmen » und eilte an seinen Arbeitsplatz zurück.

Kurze Zeit darauf traf ein schwerer Unglücksfall seinen ältesten Sohn Hans. Dieser war in einer Maschinenfabrik in Schaffhausen von einem Treib-riemen erfasst und getötet worden. Das war für den Vater ein schwerer Schlag. Bei der Auseinandersetzung wegen der Unfallentschädigung konnte ich ihm behilflich sein. Er hat mir dafür zeitlebens eine Anhänglichkeit und Dankbarkeit bewiesen, wie ich sie nur selten erlebt habe. So wurden wir gut befreundet. Er begleitete mich auf der ersten Überschreitung des Kammjoches mit dem Aufstieg von Westen auf das Fieschergabelhorn ( 3902 m ). Seiner träfen und 1 Dr. A. Fischer, Zwei Kaukasusexpeditionen, Francke, Bern 1891, S. 92 ff.

VV+-.::,:»klugen Sprüche habe ich in einem Aufsatz über die « Walliser Fiescherhörner » gedacht1. Wir haben ihn jeweilen auch ersucht, uns bei unseren Frühlingsskifahrten im Jungfraugebiet zu begleiten und zu betreuen. Er brachte dann den ganzen Proviant und alle Reservesachen vom Jungfraujoch per Schlitten zur Konkordiahütte. Wir hatten für unsere Touren leichte Säcke und waren in den Hütten vorzüglich versorgt. Rubi hat das Skifahren erst 1906, mit 40 Jahren, angefangen. Er fuhr nicht gerade elegant, dafür sicher und kam mit den Brettern überall durch. Auf diesen Skifahrten zeigte es sich, welche besondere Liebe er zu seinen Bergen hatte, und wie er sie gerne alle kennenlernen wollte. Als wir ( August Gysi, S.A.C. Bern, Dr. Adolf Meyer, S.A.C. Lägern, Robert Hegner, S.A.C. Uto, und ich ) nach dem Finsteraarhorn über den Hugisattel in die neue Finsteraarhütte kamen, hatte Rubi alles trefflich vorbereitet. Wir schliefen aus und gingen erst gegen Mittag weiter. Leider — um nicht an Höhe zu verlieren — liessen wir uns verleiten, quer hinüber nach der Gemsilücke oder Rothornsattel ( 3342 m ) zu traversieren. Bei der Turnerei über die Séracs brauchten wir aber ungefähr doppelt so viel Zeit, wie wenn wir abgefahren wären und den üblichen Aufstieg gemacht hätten. « I han Ech's ja gseid », murmelte Rubi, als wir endlich oben waren. Es war ein prachtvoller Sommertag ( 8. Juli 1918 ). Wir liessen die Säcke liegen und stiegen aufs Finsteraarrothorn ( 3549 m ). Rubi hatte schon seinen Sack geschultert, um zur Oberaarhütte vorauszugehen, als er ihn wieder abwarf und nachkam: « Hie ischt d'Üssicht ja no vil sehender wan ufern Hören », urteilte Rubi auf dem Gipfel. Lange blinzelte er mit gespannter Aufmerksamkeit nach dem Südgrat des Finsteraarhornes, der sich direkt vor einem aufbäumt, und den man gut überblickt, und erklärte: « Das gab o no e scheni Tür! » Mehrere Stunden verblieben wir auf diesem prachtvollen Gipfel und stiegen gegen Abend zur Gemsilücke zurück. « U jetz? », fragte Rubi. Es war so schön, dass wir noch nicht zur Hütte wollten. Es ist Vollmond, da können wir noch gut auf das Studerjoch und das Studerhorn gehen. Mit: « Also, denn gan i afen », fuhr er zur Oberaarhütte hinüber. Wir hatten es nicht eilig. Die Sonne neigte sich, und es wurde allmählich kälter. Beim Abfahren fiel auf dem Studerfirn einer der unsrìgen in eine Spalte. Merkwürdigerweise war es nicht der Vorausfahrende, sondern der Hinterste 1 Er wurde am Seil glatt gehalten.

( Schluss folgt )

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